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Full text of "D. Marcus Elieser Bloch's, ausübenden Arztes zu Berlin ... Oeconomische Naturgeschichte der Fische Deutschlands .."







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Oekonomifche 

Naturgefchichte der Fifchc 

vorzüglich derer 

. in den Preufsifchen Staatea 



D. MARCUS ELIESER BLOCH'S, 

ausübenden Arztes zu Berlin; Mitglieds der Berlinifchen , Danziger, Hallifchen naturforfchenden ; der Schlefifcliea 

and Leipziger ökonomifchen Gefellfchaften ; der Göttinger, Uetrechter und Frankfurter Societäten 

der Wiffenfcbaften Mitglieds und Correfpondenten, 

OECONOMISCHE 

ATUR GESCHICHTE 

DER FISCHE DEUTSCHLANDS. 

MIT SIEBEN UND DREISSIG KUPFERTAFSLN NACH ORIGINALEN. 



ERSTER THEIL. 




BERLIN, 17S2. 
Auf Koften des VeifaiTers und in Comnaiflion bei dem Buchhändler Hr. Heffei 



NACHFICHT, 

fh. 

IV Leine erßt Ahficht war, die Fifche der preufsißien Staaten mir allein zu befchreibetu 
Da diefe nun an die Oft- und Nordfee , an die Weich fei, Oder, Elbe , den jRkein - und Wefer- 
ßrohm grämen , fo fand ich, dafs diefe Gewäffer faß alle diejenigen enthielten , welche man 
in den übrigen Provinzen von Deutfciuand antrifft, bis auf einige wenige, welche der Donau 
■eigen find. 

Da ich nun Verßcherung habe, durch die Giftigkeit einiger meiner Freunde, auch 
von diefen Originalzeichnungen zu bekommen; fo habe ich mich veranlaßt gefcken, den Titel 
Wernes Werks, in der Art wie gefchehen, zu erweitern. Ich hoffe demfelben einen noch großem 
Grad der Vollßändigkeit geben zu können , als ich mir im Anfange fchmeicheln durfte , da. 
ich durch ein Königl. hohes GeneraldireBorium , aus welchem an alle königliche Kammern eine 
Verfügung daliin ergangen, mir alle zu diefem Endzweck etf orderliche Nachrichten mitzutheilen, 
. für die ich hierdurch, im Namen aller Natur kündiger und Landwirtke, den dcvoteßen Dank 
■bezeige, fo kräftig unterßUtzt werde. Ich habe mich hiemächß, fowol in der Ankündigung 
als Vorerinnerung, erklärt, warum ich zu dem Text das groß Quarto - und zu den. 
Abdrucken das Folioformat gewählt habe. Die von mehreren Orten eingelauffene Anfragen , 
wie man fich mit dem Einbinden zu verhalten habe, verpflichten mich, nun anzuzei- 
gen, daß diefes Werk aus zween Theilen beßehen wird, davon ich hier dem geehrten Pu- 
blikum den erflen vorlege. Diejenigen nun, welche eine Falte im Kupfer nicht fcheuen, können 
diefilben dem Texte beißigen und zum Ausßchlagen an Papier anhängen laßen: diejenigen hin- 
gegen, die einen Bruch der Kupfer befürchten, dürfen nur dm Text beider Theile in einen 
Qnartband, und die dazu gehörigen Kupfertafeln, entweder in lang Folio , oder, wenn die 
Tiefe ihrer Bilcherfchränke ße auf diefe Art neben den Quartbänden anfzuftellen nicht erlaubt , 
in gewöhnlichem Folio binden laßen. 



Ferzeichnifs der hohen und rejp. Siibßribmteiu 



Oe. Königl. Majeftät von Dä'nnemark etc. 2 Exemplare« 

Se. Königl. Majeftät von Schweden etc. a Exemplare. 

Se. Königl. Majeftät von Fohlen. 

Ihro Majeftät, die Königin von Preufsen. 

Se. Königl. Hoheit, der Kronprinz von Preufsen. 

Ihro Königl. Hoheit, die Kronprinzeffin von Preufsen. 

Ihro Königl. Hoheit, die Prinzeffin Amalia von Preuffen. 

Se. Königl, Hoheit, der Prinz Friedrich Willhelm von Preufsen. 

Se. Königl. Hoheit, der Prinz Friedrich Ludewig Carl von Preufsen. 

Se. Hochfurftl. Durchlaucht, der regierende Herzog von Mecklenburg- Schwerin» 

Ihro Hochfurftl. Durchlaucht , die Frau Marggräfin zu Baden - Dorlach. 

Se. Hochfurftl. Durchlaucht, der regierende Fürft von Anhalt - Deffau. 

Se. Hochfurftl. Durchlaucht, der regierende Fürft von Anhalt - Bernburg. 

Se. Durchlaucht, der Fürft - Bifchof von Hildesheim. 

Se. Durchlaucht, der Fürft Johann von Schwarzenberg in Wien. 

Se. Eminenz, der Cardinal und gefürftete Erzbifchof, Graf Migazzi in Wien, 

Se. Hochfurftl. Durchlaucht, der Erbprinz von Sachfen - Coburg - Saalfeld. 

Se. Hochfurftl. Durchlaucht, der Erbprinz von Anhalt - Deffau. 

Se. Hochgräfliche Gnaden, der regierende Graf von der Lippe - Schaumburg. 



Bibliothek der Akademie de Wifienfchaften in Berlin. Der Buchhändler Herr Andrä, in Frankfurt am Mayn. 

— der Freimaurerloge zu den 3 Weltk. in Berlin. Herr von Anieres, Geh. Rath und Generalfifcal in Berlin. 

— der Ritterakademie zu Brandenburg, Madame Arer.flein, in Wien. 

— der Univerfität zu Duisburg-, Herr Baron von Arnim, Geh. Rath und Dire£tor des 

— der freien R<; ichsftadt Hamburg. Ukermärk. Obergerichts zu Prenzlo w ; in Berlin. 

— der Univerfität zu Halle. — Afchenborn, Kaufmann zu Berlin. 

Königl. Bibliothek zu Hannover. Se. Excellenz, Herr Baron von Affeburg, Rufs. Kaiferl. 

Kurfürftl. Bibliothek zu Mannheim. Geh. Ratb. und Miniftre zu Meisdorf. 

— Bayerfche Bibliothek zu München. Herr Doftor von Auenbrugger in Wien. 
Bibliothek des Gyninaili zu Stettin. — Bärenfprnng, Geh. Oberfinanzrath zn Berlin. 

— der Akad. der Wiffenfchaften zu Stockholm. — D. von Barth, öffentlicher Lehrer der Auatomie 
•— der Univerfität zu S.rafsburg. z" Wien. 

— der Akademie zu Tübingen. — Hofrath Bauer, zu Berlin. 

Kaiferl. Bibliothek zu Wien. Der Buchhändlsr, Herr Bauer, in Nürnberg. 2Exemp1. 

.j. ^ 3 Herr geireis, Hofrath und Prifeffor in Heimftädt. 

Herr 



Verzekhnifs der refp. Sulfcrilenten. 



Herr Jeremies Bendix, jun. Banquier zu Berlin. 
—<• Benedict, Lehrer einer Privat - Schulanftalt in 
Berlin. 

— Bernouilü, Mitglied der Akademie in Berlin, 

— Bitaube - , Mitglied der Akademie in Berlin. 

— Baron von Blomberg in Liebthal. 2 Exempl. 
Se. Excellenz, der Staatsminiftre, Freiherr von BIu- 

menthal, in Berlin. 
Herr D. Boddaert, Mitglied des grofsen Raths von Vlief- 
fingen in Utrecht. 

— Profeflbr Böber, zu Petersburg, 

Der Buchhändler, Herr Böhme, in Leipzig. 

Der Agent, Herr von Böhm, in Wien. 

Herr Biirner, beftändiger Sekretair der fchlefifchen 

patriotifchen ükonomifchen Gefellfchaft zu 

Breslau. 
Der Buchhändler, Herr Bolin, in Hamburg. 
Herr D. ßolten , Phyfikus zu Hamburg. 

— Major von Borch. 

— Graf von Bork, auf Stargordt. 

— Brandes, Grofsbrittannifcher Hofrath zu Hannover. 

— Brandes, Hofpoftf'ekretair in Berlin. 

— Brandes, Apotheker zu Walsrode. 

— Braun, Kaufmann in Berlin.' 

Der Buchhändler, Herr Breitkopf, in Leipzig. 
Herr D. Brinckmann, Churpfälzifcher Hofrath zu 
Düfleldorf. 

— D. Brückmann , Herzog!. Leibarzt zu Braun- 

feh \v ei g. 
Der Buchhändler Herr Brönner , in Frankfurt am 

Mayn. 
Herr Profeflbr Brünniche, zu Copenhagen. 

— von Bühler, Herzogl. Würtemberg. refidirender 

Miniflre zu Wien. 
—~ Profeflbr Camper, zu Kleinlankum in Friesland. 
Se. Excellenz, der Grofskanzler und Juftizminifter, 

Freiherr von Carmer , in Berlin. 
Der Kaufmann, Herr Jacob Cafpar, zu Prentzlow. 
Herr von Cobres, in Augfpurg. 

— Coilignon, Stadt- und Amtschirurgus in Ber'in. 
Se. Excellenz, der Direftor der fämtl. K. K. Artillerie, 

Graf Jofeph von Colloredo in Wien. 
HerrD. Colfon, Fürftl. Leibarzt in Zerbft. 

— Dr. Cropp, Sub-Phyfikus in Hamburg. 

Der Buchhändler, Herr Crufius in Leipzig. 3 Exempl. 
Herr Daum, Banquier in Berlin. 

— von Daviffon, Fokin. Gel.-. Kriegesrath in Danzig. 



Herr Diterich, Oberconfiftorialrath in Berlin, 
Der Buchhändler, Herr Dietrich, in Göttingen. 
Herr Dohm, Kriegesrath und Archivar in Berlin. 

— Magifter Droyfen, in Stralfund. 

— Düval , Lehrer beim Gymnafio in Stralfund. 

■ — Siegismund Zois, Freiherr von Edelftein zrt 
Laibach. 

— Elkner, Mechanikus in Berlin, 

■ — Heimann Ephraim, Banquier zu Berlin. 

— Jofeph Veitel Ephraim, Banquier zu Berlin. 

— Veitel Ephraim, Banquier zu Berlin. 

— von Epftein, in Wien. 

Der Buchhändler, Herr Efslinger, in Frankfurt am 

Mayn. 
Der Buchhändler, Herr Ettinger in Gotha. 2 Exempl. 
Herr Falkenberg, Profeflbr der Anatomie in Berlin. 
Der Königl.Neumärk.Regierungspräfidem, Herr Reichs- 

graf von Finckenftein , zu Madlitz. 
Herr Reichsgraf, Willhelm von Finckenftein, zu Tre- 

bichow. 
Der Buchhändler, Hr. Fleifcher, in Frankfurt am 

Mayn. 3 Exemplare. 
Herr Profeffor Forfter in Halle. 

— Profeffor Forfter in Caffel. 

Mfr. Charles Frontiscue , Ecuyer k Utrecht. 
Herr Abraham Friedländer, Kaufmann in Berlin. 

— Bernhardt Friedländer, Kaufmann zu Königsberg 

in Preufsen. 
■ — Friedrich, Stadtchirurgus in Berlin, 

— Fuchs , Pagenhofmeifter zu Potsdam. 
Die löbliche Fifcherzunft in Strasburg. 
Herr Gatterer, zu Göttingen. 

Se. Excellenz, der Staatsminißre, Freiherr von Gaudi, 

in Berlin. 
Der Buchhändler, Herr Gebauer, in Halle. 
Herr Geifsler, Afliftenzradi in Berlin. 

— Genz, Generalmünzdire&or in Berlin. 

— D. Genzinger in Wien. 

— Georgi, Adjunctus der Akademie zu Petersburg. 

— D. und Profeffor Giefecke in Hamburg. 

— Gleditfch, Hofrath und Profeffor in Berlin. 

— Landrath von Gloyer in Zettig. 

Se. Excellenz, der Staatsminiftre^ Freiherr von Gorne, 
Herr Paftor Göze zu Quedlinburg. 

— Kriegesrath Gravius in Berlin. 

Der Buchhändler, Herr Gräffer, in Wien» 
Herr D. Gnmow, zu Hamburg, 

Herr 



Verzeichnifi der rejp. Sulfcrihenten. 



Herr Baron von Hagken, Königl. Preufs. Hauptmann, 
*u Wefel. 

— D. Hagen , Profeffor zu Königsberg in Preufsen. 

— D. Haken in Stralfund. 

Der Buchhändler, Herr Härtung, in Königsb. * Exempl. 
Herr Oberprediger Herbft, zu Reppen bei Frankfurt. 

— Profeffor Herrmann in Strasburg. 

— Anfchel Herz, Banquier zu Hamm. 

Se. ExceUenz, der Staatsminiftre, Freiherr v. Hertzberg, 

in Berlin. 
Der Buchhändler, Herr Hilfeher, in Leipzig. 
Der Buchhändler, Herr Himburg, in Berlin. 
Herr Baron von Hoberg, in Schieden. 

— Reichsgraf von Hochberg, zu Fürftenftein und 

Friedland in Schießen. 

— D. Hofer, in Mühlhaufen. 

— » Hoffmann, Erbherr auf Schosdorf in Schielten. 
Der Buchhändler , Herr Hoffmann, in Hamburg. 
Herr Honkeny, Oberamtmann zu Galm in der Ukecmark. 
Se. Excellenz, der Staatsminiftre, Freiherr von der Horft, 

in Berlin. 
Se. Excellenz, der Staatsminiftre, Freiherr von Hoym, 

in Breslau, i Exemplare. 
Herr Commerzienrath Hummel in Berlin. 6 Exemplare. 

— Baron von Hüpfch, zu Colin. 

— Ifaac Daniel Itzig, Banquier in Berlin* 

— Jüngken, Apotheker in Berlin. 

— Jungk, Amtschirurgus in Berlin. 

Der Buchhändler, Herr Junius, in Leipzig. 

Frau Obriftlieutnautin von Kaikreuth, zu Infterburg 

in Preufsen. 
Herr Graf von Kamke , Geh. Finanzrath in Berlin. 

— D. Kannengiefser in Elbing. 
•— Profeffor Kerfting in Hannover. 

— Knorr , Oberinfpeßor in Stettin. 

Se. Excellenz, Herr Graf Leopold von Kolowrath, Hef- 

Cammerpräfident in Wien. 
Herr Köhler, Regimentsfeldfcher in Potsdam. 

— D. und Profeffor Kölpin in Stettin. 

Der Buchhändler, Herr Korn fen. in Breslau. 2 Exempl. 

Der Buchhändler, Herr Korn jun. in Breslau. 2ExempI. 

Herr Baron von Knyphaufen in Berlin. 

Herr Obrifte von Kjockow in Berlin. 

Der Buchhändler, HerrKraufe, in Wien, s Exempl. 

Herr D> Kraaz in Hildesheim. 

Der Buchhändler, Herr Krieger, in Giefsen. 

Die Hrn. Gebr. v. Leitner, zu Cafchau in Oberungarn.a Ex. 



Der Buchhändler, Herr Lemcke, in Lüneburg. 
Herr Lepecbin, Hofrath und Akademikus in Petersburg. 
— - Profeffor Leske in Leipzig. 

— Levi, Kaufmann in Berlin. 

Der Buchhändler, Herr Lcgan, in Petersburg. 2 Exempl. 
Der Buchhändler, Herr Löwe, in Presburg. 
Herr Graf von Lottum, Generalmajor in Schwedt. 

— Baron von Ludewig, Major und Vicepräfident der 

Kaiferl. Kammer in Petersburg. 

— Magufch, Geh. Finanzrath und Regiffeur in Berlin. 

— Mahs, Preuisifcher Generalconful in Petersburg. 

— D. und Hofrath Marquard in Stettin. 

— D: Marx in Hannover, 

— Mathäi in Calenberg. 

— D. und Hofrath Meyer in Prag. 

— D. Meyer in Hamburg. 

— Aaroji Meyer, Kaufmann in Berlin. 
-1- Hofapotheker Meyer iu Stettin. 

Frau Generalin, Gräfin von Meilin, zu Damizow. 
Herr Graf von Meilin, Königl. Preufs. Cammerher*, 
z\x Damizow. 

— Mofes Mendelsfohn in Berlin. 

— D. von Mertens in Wien. 

— Metzdorf, Kammerfekretair in Berlin. 

— Mitterpacher von Mittelburg, Profeffor auf der 

Univerfität zu Ofen. 

— Hofrath Möhring, zu Friedrichsfelde. 

Se. Excellenz, Herr Graf von Moltke, Königl. Däni- 
fcher würkl. Geh. R.ath zu Copenhagen. 3 Exempl. 
Herr G. L. Müller, Kaufmann in Berlin. 

— Müller, Königl. Dan. Conferenzrath in Copenhagen. 
Se. Exeellenz , der Jufliteminiftre, Freiherr von Münch- 

■haufen in Berlin. 
Herr von Müczfchefahl, Königl. Generallandfchaftiren- 

dant in Breslau. 
Herr D. und Affeffor Nürenberg in Stralfund. * 

— D. Oehm in Dresden. 

— D. und Hofrath Opitz in Minden. 

Der Buchhändler , Herr Orell et Comp, in Zürich. 
Herr D. und Profeffor Otto in Greifswalde. 

— Otto, Geb. Secretair in Berlin. 

— Hauptmann von Paczensky in Croffen. 

— Prof. Pallas, Mitglied der Akademie zu Petersburg. 

— Baron von Palm, K. K, Truchfefs in Wien. 
Der Buchhändler, Herr Pelt, in Copenhagen. 

Ihro Excellenz, die Frau Staatsminiftern^ Gräfin voÄ 
Podevvils, zu Gufow. 

Der 



Verzeichniß der refp, Subfcrihentetf, 



Der K. K. Kegierungsrath, Herr Freiherr v.Poul, in Wien. 
Herr von Prittwitz , Generalmajor in Berlin, 

— Rebelt, Apotheker in Berlin. 

— Reimari, Kriegesrath und Archivarius in Berlin. 
Se. Excellenz, Herr Reichsgraf von Reufs, der 43. zu Gera. 
Herr Graf von Rhöder , König!. Preufs. Landfchafts- 

direftor in Schießen. 
Frau Gräfin von Rbödern in Berlin. 
Der Buchhändler, Herr Richter, in Altenburg. 
Herr Graf von Rittberg, Kön.Preufs. Obrüler in Schwedt. 
■ — Domherr von Rochow, zu Reckahn. 

— v. Rofenberg, Kön. Pöbln. Geb. Kriegesr. in Danzig. 

— Graf von Rothenburg, auf pohln. Netkow. 
Der Buchhändler, HerrRothe, in Cöpcnhagen. 
Herr Rudolphi , Regierungsrath in Berlin. 

— Niels Ryberg, Kön. Dan.. Conferenzrath in Copenh. 
Se. Excellenz, der Staatsmänner und Oberkammerherr, 

Herr Graf von Sacken , in Berlin. 
Herr Salzmann, Kaufmann fn Berlin. 
,. — Profeflbr von Sauffure in Genf. 

— Scheffel, Königk Kriegesrath in Berlin. 

Frau Geheimeräthin ,. Baroneffe von Scheilersheim » zu 

Eisberg bei Minden. 
Herr Scheerer, Direftor der Gefetzcommiflion und' Geb. 

Obertribunalsrath in Berlin. 

— v.Schlegell, Kön.Pr.Landrath zuKähmen beiCrcflen. 
Der Buchhändler,. Herr Schmidt, in Hannover. 

Der Buchhändler, Herr Schneider, in Leipzig. 

Se. Excellenz, der Staatsminiftr-e, Freiherr von der 

Schulenburg in Berlin. 
Se. Excellenz, der Staatsminiftre , Reichsgraf vo& der 

Schulenburg, zu Wolfsburg. 
Herr Baron von Schulenburg, Königl. Geh. Krieges- und 

Lsndrath in Berlin. 
Fräulein vor* Schmettau, in Berlini 
Herr Profeflbr Schneider, zu Frankfurt an der Oder.- 

— von Schofulan , D. und Profeflbr zu Wien. 

— Profeflbr von Paula Schranck in Burghaufen. 
. __. von Schweinitz, zu Friedeberg in Schlefien. 

— Cammerfecretair Seip in Walsrode. 

— Siegfried, Rendant in Berlin. 

Der Buchhändler, Herr Siegert, inLiegnitz. aExemp?. 
Herr Silberfchlag, Oberconfiftorial-u.Oberbaurath in Berl. 



Herr Marquis St. Simon in Utrecht 
DieComtelTe v.SoIms-Teklenburg, zuKlitfchdorf inSchleü 
Se.Fxc. Herr Graf v. Solmsu.Tecklenburg, ebendafelbd. 
Hr.Spengler, KDän.Kunft- u. Naturalienverw. inCepenh.. 
Herr van Sprekelfen , D. undRathsherr in Hamburg. 

— Profeffor Sprögel in Berlin. 

— von Suhm, Kön, Dan. Canftnerherr in Copeniiagen. 

— Stephanie, der jüngere, in Wien* 
1— Infpeftor Sybel in Cleve. 

— Hofmedikus Taube in Zelle; 

— Generalcbirurgus Theden in Berlin. 

— v.Textoris.Ingenieuru.K.K.Oberungar. Waldburger. 
Herr Prof. Thiebault, Mitglied der Akademie in Berlin. 
Se. Exe. der K. Dän.Staatsmin.Hr.GraPv.Thott in Copenh, 
Herr von Tifztapataky, zu Raab in Ungarn. 

— D. und Hofrath Trampel in Meinbur.g. 

— Appellationsrath Trier in Leipzig. 

— UbI, Kön.Pr.Oberpoftdireaor zuStolzenb.beiDanzig. 
Der Buchhändl. Hr. Vandenhöck in Göttingen. 2 ExempL 
Der Buchhändler, HerrVofs et Sohn, in Berlin. 
Herr Graf von Wachtmeifter, Königl. Schwed. Juftitz- 

kanzler u.Ritter desNordfternordens zuStockhohrk 
Der Buchhändler, Herr Wagener, in Königsberg. 
Der Buchhändler, Herr Walther in Dresden. 
Ihro Excellenz , die Frau Gräfin von Wallis, in Prag. 
Herr Amtsrath Wangermann in Croffen. 

— D. Wartmann zu St. Gallen. 4 Exemplare» 

— Hofmedikus Weber in Walsrode. 

— Wegeli, Kaufmann in Berlin. 

— von Weichs, Churfürftl. Kammerherr und Regie- 

rungsrath zu Straubing. 

— Profeflbr Weigel in Greifswalde. 

— Weickmann , Rathsherr in Danzig. 

Der Buchhändler, Hr. Weidemann, in Leipzig; 2Exempl. 
Herr von Well, Profeffor der Naturgefchichte in Wien. 

— Hofmedikus Wich mann in Hannover. 

— von Wüllen, Afleflbr und Landfyndikus in Hannover, 

— Zablocky, Königl. Pohln. Legationsrath und Charge" 

d'affaires am Preufs. Hofe in Berlin. 
v — Zäpelihn, erfter Buchhalter bei der General-Zoli- 

und Accifeadminiftration in, Berlin. 
Se. Exe, der Juftitzminiftre, Freiherr v.Zedlitz in Berlin. 
Herr Baron von Zorn , zu Plobsheim in Danzig-. 



Da der Subfcriptibnstermin noeh bis nach der Oßermeffe 1782 fortdauert, und noch nicht alle Na- 
men der Herren Subfcribenten aus den entfernten Gegenden eingegangen find ; fo werde ich die Fortfetzung 
derfelben dem zweiten Band voranfebieken. 

faihalt. 



Inhal t. 



lUnkitung. • - Seite r 

Erflc Abtheilung, Bauchflojfer. — 23 
Von den Karpfen Überhaupt. — 23 

DieTlötze S. 28 Tab. I. 

Das Rothauge — 32 ; — II. 
Die Nafe ' — 35 — III. 

Die Zärthe — 38 — IV. 

Der Döbel — 42 — V. 

Der Aland — 45 — VI. 

Der Raapfen — 48 — VII. 

Die Alandblecke — 50 — VIII. Fig. 1. 
Der Bitterling — 52 — VIII. — 3. 
Der Ueckeley —-54 — ■ VIII. — 4. 

Der Gründling — 57 —VIII. — 2. 
DieElritze — 60 —VIII. — 5. 

Die Zope — 62 — IX. 

DieGüfter — 65 — X. 

Die Karaufche —6g — XI. 

Die Giebel — 71 — XII. 

DerBley — 75 —XIII. 

DerSchley — 83 —XIV. 

Der Goldichley — po —XV. 

Der Karpfen — 92 — XVI. 

Der Spiegelkarpfen — 107 — XVII. 

Der Barbe — 109 — XVIIT. 

Von der Ausbrütung der Fifche S. 113 Tab. XIX. 
Von den Lachfen überhaupt. —126 

Der Lachs S. 128 Tab. XX. 

Die Lachsforelle — 143 — XXI. 



Die Teichfcrelle S. 148 Tab.XXII. 
.Die Wald - oder 

Steinforelle —157 —XXIII. 
DieAefche — 158 —XXIV. 

DerSchnepel —163— XXV. 
Die breite Aefche — 170 — XXVI. 
DieMaräne —172 —XXVII. 

Die kleine Maräne — 176 —XXVIII. Fig.3. 
Der Stint — 179 — — — 2. 

Der Seeftint — 182 — — — 1. 

Von den Heringen überhaupt S. 184 

Der Hering S. i8ö Tab. XXIX. Fig. t. 

Der Breitling — 206 — — — 2. 
Die Alfe —209 — XXX. — 1. 

Der Anjovis. — 212 — — — 2. 
Von den Schmerlen überhaupt S.215 

Der Schlampitzger S. 216 Tab. XXXI. — r. 
Der Steinpitzger — 221 — — — 2. 
Die Schmerl — 224 — — — 3; 
Von den Hechten überhaupt S. 227 
Der Hecht S. 229 Tab.XXXII. 

Der Hornhecht —236 —XXXIII. 
Von den Weifen überhaupt S. 240 

Der Wels S. 242 Tab. XXXIV. 

Der Langbart —247 — XXXV- Fig.1.2. 
Der Platzbauch — 249 — — — 3-7 
Nachtrag zum Karpfengefchlecht S. 253 
DerKühling S. 253 —XXXVI. 
Die Ziege —255 —XXXVII. 



Vor- 




Vorerinnerung. 

I n meinen Erholungsftunden , befchäftige ich mich mit der Naturge- 
fchichte. Ich betrachte die mir vorkommenden Gegenftände, lefe 
darüber die vorzüglicheren Schriftfteller, vergleiche das, was fie davon la- 
gen, mit dem, was ich an denfelben wahrnehme, und fliehe da weiter nach, wo 
fie mich verlafTen. Ein Zufall führte mich auf die Unterfuchung der Fifche. 
Es ward mir nämlich eine grofse Mar am aus dem Madui-See zugefandt; fo- 
gleich nahm ich meinen Linne zur Hand, um zu fehen, was er davon fä- 



Forerinnerung. 

ge: zu meiner Verwunderung aber fand ich, dafs er fo wenig diefe, als die 
kleine Maräne, die doch in der Kurmark, Schlefien, Pommern und Preuf- 
fen gar fehr gemein ifl, gekannt hatte. Diefs machte mich aufmerkfam 
und bewög mich,unfre übrigen Landesfifche ebenfalls bei ihm aufzuziehen; 
und ich bemerkte auch hier, dafs ihm unfre Güfler und Giebel, die nicht 
nur in den angeführten Provinzen, fondern auch in ganz Teutfchland fehr 
häufig angetroffen werden, unbekannt war; ich fand ferner, dafs lieh viele 
Fifche, befbnders diejenigen, welche zum Karpfengefchlecht gerechnet 
werden, weder nach dem Linne und Artedi, noch nach den altern Ichthy- 
ologen beftimmen liefsen, da die Befchreibungen der erftern in Anfehung 
mancher Fifche zu kurz , und leztre wegen der Verwechfelungen der Na- 
men und der fchlechten und ungetreuen Zeichnungen, öfters unzuverläi- 
fig find. Ueberhaupt habe ich bemerkt, dafs der Theil der Naturgefchich- . 
te, welcher die Fifche in fich begreift , in den neuern Zeiten , der erstau- 
nenden Fortfehritte,, fo man in den übrigen Fächern gethan hat ohnerachtet, 
gänzlich zurückgeblieben ift. In dem gegenwärtigen fchriftftellerifchen 
Iahrhundert, wo jährlich allein in unferm Vaterlande an 5000 Schriften er- 
fcheinen, erblickt man kaum in fünf Jahren , folglich unter 15000 Titeln 
einen, der uns etwas über die Naturgefchichte der Fifche verfpräche. Es 
Üt allerdings zu verwundern, dafs diefer wichtige Theil der Naturgefchich- 
te fo wenig bearbeitet wird. Ganze Gefellfchaften befchäftigen fich mit 
der Beförderung der Bienenzucht : verdienen aber die Fifche nicht eben fo 



Forerinnerung. 

wohl unfre Aufmerkfamkeit; machen fie nicht einen grofsen Theil unfrer 
Nahrung aus; waren fie nicht zu allen Zeiten ein wichtiger Handlungs- 
zweig? Diefe Betrachtungen über die Verwirrung, welche noch in diefem 
Theile der Naturgefchichte herrfcht, über die vernachiäfsigte Bearbeitung 
denselben, und über die Nützlichkeit der Kultur diefes Fachs, erregten in mir 
den Entfchlufs, diefen Mangel, fo viel es meine übrigen Gefchäfte zulafien, 
einiger maßen abzuhelfen. In diefer Abficht fuchte ich meine Sommer- 
erholungen in einem Fifcherdorfe, und fammelte von den Fifchern viele 
nützliche Beobachtungen» Um ferner von den übrigen Landesfifchen 
gründliche Kenntnifle zu erlangen, fuchte ich in allen Provinzen Corre- 
fpondence,fand fie,und binnun in den Stand gefezt,e//ze ökonomifche Natur- 
gefchichte der Fifche, vorzüglich dererjenigen , welche (ich in den Preufsi- 
fchen Staaten befinden, zu liefern. Ich übergebe diefelbe hiemit einem er- 
leuchteten Publikum zurBeurtheilung. Zu den beigefügten Abbildungen ha- 
be ich das grofs Folio Format gewählt , damit der Fifch, nach allen feinen 
Theilen recht deutlich fichtbar werde : für den Text aber das Format in 
gr. 4to beftimmt, damit derfelbe bequemer zum Lefen fein möge. Die 
Zeichnungen laffe ich nach Originalen und zwar mehrentheils nach ausge- 
wachfenen Fifchen verfertigen , weil die jungen fchmäler find, als die 
alten und daher keinen deutlichen Begriff geben würden. Da ich auch ein 
Manufcript, nebft vortreflichen ausgemalten Handzeichnungen, des Paters 
Plümier von vielen amerikanifchen Fifchen befitze, fo werde ich, damit 

*3 



Forerinnerung. 

mein Beitrag zur Naturgefchichte defto vollftändiger werde, auch diefe bei 
jedem Gefchlechte mit einrücken. Auch erfuche ich auswärtige Gelehrte, 
mich mit guten Zeichnungen und Nachrichten zu unterftützen : wogegen 
ich Sie einer reellen ^Erkenntlichkeit verfichere. 

DadieFifche oft viele Aehnlichkeit mit einander haben, und da- 
her fehr fchwer zu unterfcheiden find; fo habe ich den Künftler angewie- 
fen, auch auf die kleinfte Abweichung ein forgfältiges Augenmerk zu rich- 
ten. Er hat daher genau acht haben muffen: 
i) Auf die gehörigen Verhältniffe der Theile. 

i) Auf die richtige Stellung der Flofsfedern am Körper und ihre Figur, 
befonders der Schwanzfloffe, ob fie fich nämlich gerade, mond- oder 
gabeiförmig endige. 
3) Auf die richtige Anzahl der Strahlen in der Kiemenhaut und den Flof- 
fen: indem erftere den Gefchlechtern und leztere den Arten zum Un- 
terfcheidungszeichen dienen. Es fcheint zwar, als wäre die Anzahl 
der Strahlen, bei einem und ebendenfelben Fifch, merklich verfchieden, 
weil die Schriftfteller in diefem Punkte von einander abweichen: al- 
lein meine Beobachtungen haben mich gelehrt, dafs diefer vermeinte 
Unterfchied nicht fo wol in der Anzahl der Strahlen, als vielmehr in 
der Art fie zu zählen, liege; der eine Schriftfteller zählt auch die 
kleinften mit, der andre nicht. Ich will zum Beweife den bekannten 
Karpfen anführen* Linne fagt: der zweete Strahl in der Rückenflofle 



Forerinnerung. 

fei bei ihm fägeförmig : Artedi, Gronov und Leske hingegen, eignen 
dies dem dritten zu, und beide Theile haben Recht, nur mit dem Un~ 
terfchiede, dafs Linne nicht wie diefe den erften kurzen und in der 
Fetthaut gröfstentheils verfteckten Strahl mit gezählt hat. 

4) Auf die eigentliche Richtung der Seitenlinie. 

5) Auf die genaue Lage der Schuppen; hiebei wird ausgedrückt, ob fie 
dicht aufeinander liegen, oder fich nur ein wenig decken; ferner wie 
ihre Ränder, Streifen und Punkte befchaffen find. 

6) "Wird bei dem Ausmalen auf die natürliche Farbe gefehen: da inde£ 
fen diefe bei einem und ebendemfelben Fifche , nach den Gewäflern, 
in denen fie flehen, bald heller, bald dunkler ift; fo habe ich mich 
bemüht, folche Fifche zu wählen, die fich in Anfehung ihrer Farbe 
nicht zu fehr' auszeichnen. 

Auf jeder Platte ifl die lateinifche, teutfche, franzöfifche und engli- 
fche Benennung angeführt worden , um gleich beim erflen Anblicke 
zu erkennen, was man für einen Fifch vor fich habe. Damit man aber 
auch wiffen möge, ob der Fifch dick oder dünn ift; fo habe ich einen 
Umrifs vom ftärkften Theile defselben beygefügt. Die beigefezten 
Wörter: natürliche oder verkleinerte Gröfse, geben zu erkennen, ob die 
Fifchart grofs oder klein fei. 

Da noch keine andre Nation , fo viel mir bewufst ifr, ein folches 
Werk befizt und daher zu vermuthen fleht, dafs es auch bei ihnen Ab- 



Forerinnerung. 

gang finden werde, Co habe ich, flatt unfrer gothifchen Schrift, lateinifche 
Lettern gewählt; und erbiete mich zugleich, wenn fich dazu eine Anzahl 
auswärtiger Liebhaber finden follte, eine lateinifche oder franzöfifche 
Ueberfetzung zu beforgen. 

Auch achte ich mich denen günfligen Beförderern, durch deren Bei- 
träge ich fchon jezt in meinem Unternehmen fb kräftige Unterftützung er- 
halten, ausnehmend für verpflichtet. Es fei mir erlaubt, hier die Frau 
Gräfin von Podewils Excellenz, die ContefTe von Soims, die Her- 
ren Grafen von Mellin und von Borck, wie auch den Domherrn 
Herrn von R o c h o w, als meine Beförderer zu nennen und Ihnen meinen ehr- 
erbietigften Dank hiemit öffentlich abzuflauen, Berlin den Z4. März 178^ 

Dr. M. E.Bloch. 





Einleitung. 



j ja ich diefes Werk nicht blos für Gelehrte, fondern auch zugleich für Landwirthe ===== 
fchreibe; fo ift es nöthig, derfelben eine Erklärung der Kunftwörter vorzufetzen, Ein £ an £- 
den Nutzen der Theile beydenFifchen zu beftimmen, von den Fifcherzeugen einige Nach- 
richten zu ertheilen, und endlich die Regeln anzugeben, die man beim Verfetzen über- 
haupt zu beobachten hat. Ich werde mich indeffen nur auf folche Fifche einfchränken, 
von welchen ich nach der Natur gemalte Zeichnungen zu liefern im Stande bin, und 
aus diefem Grunde würde es zwecklos feyn, wenn ich mich an die fyflematifchc Ord- 
nung des Linke genau binden wollte. Jedoch werde ich dahin fchen, dafs nicht nur die 
Arten eines jeden Gefchlechts, fondern auch die Gefchlechter einer jeden Ordnung, nach 

A 



2 EINLEITUNG. 

dem Linne, fo viel als möglich, unzertrennt beifammen bleiben: weil ich aber mein Au- 
genmerk zugleich, auf die ökonomifche Nutzung der Fifehe mit richte ; fo handle ich 
zuerft diejenigen ab, welche bei uns am häungften find, und fich am leichteften verfeze« 
lauen. 
- Icli- nehme das Wort Fifch nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche und ver- 

orwm fefe darunter alle diejenigen Wafferbewohner, welche lieh mitteilt der Flofien in ihrem 
Äes Werks, 

Elemente bewegen. Es gehören daher auch die Wallfifehe und fchwhnmende Amphibien 

mit in meinen Plan, welche Linne in der zwölften Ausgabe feines Natur fyftems davon zu 
trennen für gut fand. Die Wallfifehe werde ich. nicht mitnehmen, da fie Herr Prof. Schre- 
ier ohne Zweifel bei den Säugethieren befchreiben und Abbildungen von ihnen liefern- 
wird. Der Hauptvorwurf meiner Schrift follen zwar diejenigen Fifehe feyn,. welche 
fich in den Gewäffern der Preufsifchen Staaten -aufhalten: da jedoch die Nord -und Oft- 
fee an diefe gränzen ; da ferner der Weichfei- Oder- Elbe- Wefer- und Rheinftrom durch 
diefe Staaten fliefsen und endlich die Mark, Pommern und Preufsen mehrere beträcht- 
liche Seen haben j fo wird der gröfste Theil der Fifehe, welche man in den übrigen 
Ländern Europens antrifft, hier vorkommen „ und weil ich überdies diefem die vortref- 
lichen Handzeichnungen des Paters Plümier beifügen will; fo ? hoffe ich durch mein 
Werk einen nicht unwichtigen Beitrag zur Kenntnifs der Fifehe zu liefern. 
===== Nun zuförderft einige allgemeine Betrachtungen über die Eigenfchaften der Fi- 

yuigememe ^ lA fchicke Selben voraus, um in der Folge öftere Wiederholungen ver- 
Betrachtung 
der Fifehe mt ^ cn zu können. Der Körper der mehreften Fifehe ift auf beyden Seiten zufamsnen 

gedrückt a), wie beym Hering und Lachfe; bei andern aber oben und unten flach b), 

I : wie bei den Schollen, und bei noch andern rund, wie beim Aal und Schlamp eitzger. 
Aeullere 
Theüe. Bei dem gröfseften Theile der Fifehe fizt die Mundöfnung c) vorn am Kopfe und bei 

einigen andern unterwärts, wie beim Stöhr, Sterlet und Haufen. Die Lippen find an 

verfchiedenen beweglich und mit befonderen Knochen, wie beim Karpfengefchlecht, ver- 



a) corpus catheoplateuro. ^^Cf 

fej corpus plagioplateum. * 



EINLEITUNG. 3 

fehen. Bei fleifehfreffendcn Fifchen , find mehrentheils nicht nur die Kinnladen, 
fondern auch der Gaumen und die Zunge mit Zähnen befezt, wie- beim Stint und der 
Forelle. 

Eeim Schwerdt- und Sägefifch ragt die obere Kinnlade weit vor der untern hervor, 
und bei dem Hornhecht endigen fieh beide Kinnladen in lange Spitzen. Einige find auch, 
am Munde mit wurmförmigen Anhängen, welche man Banf afern a) nennt, wie z. E. der 
Barbe, Wels und Gründling, verfehen. 

Das Auge befleht aus dem Sterne b), dem Ringe c), und der Linfe d). Letztere 
ifl rund, damit der Fifch im Waffer defto beffer fehen könne. Die Fifche find mit kei- 
nen eigentlichen Augenliedern verfehen : doch vertritt deren Stelle bei verfchiedenen , als 
bei den Schollcnarten, eine Haut. Den Theil über den Augen, welcher mit dem Rumpf 
verbunden ift, nennt man das Genick e). Die Kiemendeckel f) liegen an den Seiten. Sie 
beliehen bei den Schuppenflfchen gewöhnlich aus zwei bis dreien knöchernen Plättchen, 
und bei andern aus einer häutigen Subftanz, wie beim Aal und den Schleimfifchen. Die 
Kiemenhaut g) hat knöcherne oder knorplichte Strahlen und liegt mehr vorwärts nach 
dem Munde zu; fie ift entweder ganz, wie bei den Schollen, oder nur halb von den Kie- 
mendeckel bedeckt, wie bei den mehreilen Fifchen, oder auch, wie bei den Schleimfifchen, 
ganz frey. Unter diefen Bedeckungen liegen auf jeder Seite die vier Kiemen h), 
davon eine jede aus einem knöchernen oder knorplichten Bogen und einer doppelten Heihe 
von Zotten befteht, zwifchen welchen die feinflen Blutgefäffe vertheiiet find. 

Die Kiemen find inwendig, auf jeder Seite, an zween rauhen Gaumenknochen i) be- 
feftigt. Vermittelfi: diefer Werkzeuge holen die Fifche Odem. Indem fie das Waffer 
durch den Mund einziehen und zu gleicher Zeit die Kiemenüfnung k) verfchlieffen, fo wür- 

A 2 

a) cirri, f) opercula brancbialia. 

b) pupilla, g) membrana branebioftega. 

c) iris. b) branebae. 

d) lens. i) officula palati. 

e$ auch«. k) apertura br&ncbialis. 



4 EINLEITUNG. 

ken diefe Werkzeuge in Albficht des Umlaufs des Bluts, in eben der Art, als die Lungen 
beim Einziehen der Luft in anderen Thieren. Wenn nun der Fifch bald darauf die Kie- 
mendeckel öfnet; fo dringt das Waffer eben fo, als die Luft aus den mit Lungen vcrfe- 
henen Thieren, beim Ausatmen, heraus a). Es giebt aber auch Fifche, welche 
nebft den Kiemen auch eine Art von Lungen befitzen, als die Lamprete und der Stachel- 
rochen. Aus diefen zufammengefetzten Werkzeugen des Odemholens nahm Linne den 
Grund her, eine eigene Klaffe von Amphibien b) aus ihnen zu machen. Der unten zwifchen 
der Kiemenhaut und der Mundöfnung befindliche Theil heifst die Kehle c). Der Kopf eines 
Fifches ift unmittelbar, und nicht durch einen Hals am Rumpfe befeftigt. Den Rumpf bede- 
cken bei den mehreften Fifchen glänzende hornartige Plättchen, welche man Schuppen nennt : 
einige Fifche haben ftattderfelbenknorplichte oder knöcherne Erhöhungen, wie der Seehaa- 
fe, der Steinbutt und der Stöhr; andre Schilder, wie der Stichling; und noch andre gär keine 
Bedeckungen e), an deren Stelle aber einen zähen Schleim, wie die Schmerl, der Wels 
und der Schifhalter. Der Spiegelkarpfen fcheint zwifchen beiden in der Mitte zu flehen, 
weil er nur zum Theil bedeckt ift. 

Der Rumpf d) befteht aus der Bruft,dem Bauche und dem Sehwanze. Die Bruft 
ift ganz kurz, weil die Lungen der Fifche im Kopfe liegen und fie ift durch eine weiffe glän- 
zende Haut oder das Zwerchfell f) von dem Bauche abgefondert. Der zwifchen ihr 
und dem After befindliche Theil wird der Ba'ich, und der übrige fchmal zulaufende, 
der Schwanz genannt. Der erftre ift bei einigen dick, bei andern dünne g). Der Rücken 
hat bei einigen eine ganz, bei andern aber nur zum Theil runde Geftalt und bei ver- 
&hicdenen Fifchen endigt er fich in eine Schneide. 

Den Raum zwifchen dem Bauche und dem Rücken nennt man die Seiten^ und an 
denfelben bemerkt man bei den mehreften Fifchen eine von dem Kopfe bis zur Schwanz- 
floffe hinlaufende Linie, welche mit dem Namen, der Seitenltmeb.) belegt wird. 

ü) Memoire de Paris 170 1. pag. 204. e) alepidota. 

b) Amphihiae nantes. f) diaphragma. 

e) Gula.. g) carinatum. 

d) truncus. h) linea lateralis. 



EINLEITUNG. S 

Die Flößen a) erhalten ihre Benennung von den Theilen, an welchen fie fitzen ; Co 
hat man Rücken- b) Bruft- c) Bauch- d) After- e) und Schwanzfloffenf).. Die Rückenfloffe 
ift bald einfach g), wie beim Hechtgefchlecht; bald doppelt h), wie beim Barfch und 
Zander; bald dreifach i), wie beim SchellnTch und Dorfch. Bei einigen Fifchen, wie 
beim Lachsgefchlechte, ift die unterfte Rückenfloffe nur eine verlängerte Haut ohne Stra- 
ten und wirdFettfloffe k) genannt. Der Bruftfloffen find allezeit zwo; üe fitzen nahe an 
der Kiemenöfnung und dienen dem Fifche ftatt der Ruder, fich fortzubewegen. Bei eini- 
gen wenigen haben üe nahe am Rücken ihre Stelle, und find dergeftalt verlängert. 
dafs fich der Fifch durch diefelben, wie mit Flügeln, eine kurze Zeit in der Luft halten 
kann. Die Bauchfloffen fehlen bei verfchiedenen Fifchen, und diefe nennt man daher 
Kahlbäuche 1) wie beym Aal, Tobias -und Seh werdtfifch: wo fie aber vorhanden find, trifft 
man jederzeit davon ein Paar an. Die Fifche bedienen fich ihrer ftatt der Füfse, um 
fich, vermittelfi: derfelben auf den Grund zu flützen. Ihr Sitz am untern Theile des 
Körpers ift nicht immer ein und eben derfelbe. Entweder befinden fie fich an der Kehle, 
oder an der Bruft, oder am Bauche. Im erftern Falle heifsen die Fifche Kehlflojfer m) und 
dahingehören: die Quappe, der Schellfifch und Dorfch; im andern Brufiflofser n) 
und dazu rechnet man den Barfch, Zander und Stichling, und im dritten Falle Bauch- 
flofser, o) wohin unter andern der Lachs -Hecht und Karpfen gehören. Die Afterfloffe, 
zwifchen der Bauch- und Schwanzfloffe ift gewöhnlich nur einfach, und nebft der Rük- 
kenfloffe das Werkzeug , wodurch fich der Fifch im Gleichgewicht erhält. Die Schwanz - 
floffe macht das äufferfte Ende des Fifches aus, und dient dazu, den Körper 
zu lenken und fortzuftofsen. Bei einigen Fifchen ift £e rund,, wie bei der Scholle , und 



a) pinnse h) doiC diptherigium 

b) pinn. dorfales i) triptherigium 

c) pinn. pe&orales k) pinna adipofa 

d) pinn. ventrales 1) apodes 

e) pinn. anales m) jugulares 

f) pinn. caudales ») thoracic! 

g) dorfum monoptherigium •) abdominales 



6 EINLEITUNG. 

bei andern grade, wie beim Schley. Bisweilen bemerkt man an ihr einen Ausfchnitt, der, 
wenn er nicht tief ift , der Floffe einemond- und im entgegengefetzten Falle eine gabel- 
förmige Geftalt giebt, wie beim Schwerdtfifch und bei dem Braffem. Alle diefe Beftim- 
mungen geben Merkmale ab, die Fifche nach gewiffen Ordnungen, Gefchlechtern und 
Arten zu unterfcheiden. 

Die Floffen felbft beliehen aus einer entweder durch knöcherne oder knorplichte 
Stralen ausgefpannten Haut. Sie werden durch Hülfe befonderer Knochen an dem Kör- 
per befeftigt, und durch verfchiedene Muskeln ausgefpannt, zufammengelegt, und nach 
verfchiedenen Richtungen bewegt. Die Anzahl der Stralen ift fehr verfchieden und giebt 
eins der wichtigften Kennzeichen ab , die Fifche, welche zu einem Gefchlechte gehören, 
von einander zu unterfcheiden. Diefe Stralen find bei einigen hart und fpitzig, bei an- 
deren weich und getheilt. 

Bei Fifchen, deren feftere Theile nur knorplicht find, wie bei der Lamprete, beim 
Neunaugen und Seehaafen findet man auch nur knorplichte Stralen. Einige Fifche haben 
auffer den Floffen noch befondere Anhängfei a), von denen diejenigen, welche an der 
Bruft fitzen, Finger b) genannt werden, wie z. B. die Seeleuchte c). Andere Fifche 
aber find unmittelbar über den Bauchfloffen mit einem von der Haut abgefundenen und 
fpiz zulaufenden Theile verfehen, der, weil er knorpelartig und zur Hälfte mit Schuppen 
bedeckxi{\:,MittelfloJJe genannt werden kann. Wahrfcheinlicher Weife dient er der Bauch- 
floffe zu einer befondern Unterftützung. 
= Der Bau der inneren Theile der Fifche weicht in vielen Stücken von dem Baue an- 

drer Thiere ab. Die Zunge ift bei den Fifchen knorplicht und bei einigen Raubfifchen 
fogar mit Zähnen befetzt , wie beim Stint und der Forelle , und da iie auch bei 
verfchiedenen Fifchen, wie beim Karpfengefchlecht, ganz fehlt; fo ift es fehr wahr- 
fcheinlich, dafs fie mehr zum Fefthalten der Beute, als zum Sinn des Gefchmacks 
diene» 



a) appendices ti-igla luceraa 

b) digiti 



EINLEITUNG. 7 

Dafs die Fliehe auch mir dem Sinn des Gehörs begabt -find, hat fchon Primus a) be- 
hauptet; und ob man gleich in der Folge darwider viele Zweifel erhoben, fo feheint je- 
doch in den neuern Zeiten diefe Sache zu einer ziemlichen Gewifsheit gebracht worden zu 
feynb). Dafs dieFifche aber des Sinnes des Geruchs und Gefühls theilhaftig worden find, 
hat man noch nie bezweifelt: auch geben einige fogar, wenn man fie angreift, einen Laus 
von lieh , wie der Schlampeizger. 

Die Fifche haben ein dreieckig geformtes Herz, mit einfachem Ohr c) und ein kal- 
tes Blut. Der Darmkanal ift öfters, befonders bei den Raubfrfchen, nur kurz, und der 
Magen bei verfchiedenen derfelben durch keinen befondern Abfaz von den Gedärmen uit- 
terfchieden, wie beim Karpfengefchlecht. Der Lachs, Barfch und viele andre Fifche ha 
ben nahe am Magen kleine blinde Kanäle oder Anhänge d), welche dieSpeife in dem Let- 
te länger auf halten , und dadurch zur Ernährung vieles beitragen. 

Der Fifch, ift als ein dichter Körper, fchwerer als fein Element, das Waffer, und? 
würde daher befeändig auf dem Grunde liegen muffen, wenn ihn der Schöpfer nicht mit 
einer Blafe verfehen hätte, welche der Fifch mit Luft anfüllen kann. Man bemerkt 
nämlich bei den Fifcheh eine Röhre e), weiche aus der Schwimmblafe nach dem Magen 
geht, und durch diefe findet wahrfcheinlich die Luft ihren Ein- und Ausgang. Mitteilt 
derfelben wird er in den Stand gefetzt, nach Willkühr lieh entweder fchwerer als das "Waf- 
fer zu machen , oder fich mit ihm ins Gleichgewicht zu fetzen , je' nachdem er Luft 
in die Blafe einnimmt oder von lieh giebt. Die Eier oder der Rogen f) find bei 



a) Im loten Buche Cap. 70. wo er anführt, b) Man kann hierüber nachlefen : Klein M. P. 

dafs man fie in einigen Fifchteichen zum Futter I. p. 3 -23'. Ejusd'. mcmtijfa Ichthyol, de fono £fau- 

ond verfchiedene von ihnen fogar beim Nahmen ditu vifeium. Hamb. Magazin 5. B.-S. 6$$. Mi- 

gerafen habe. moire dt VAcadeinie de Paris. 1743. p. 199. Des 

Pifces quidem, fagt er, aiiditus ntc memlrahar- Herrn Profefibrs Kamper Abhandlungen in den 

heut nee foramina , audire tarnen eos palam efi: Ffarlern. V.erhandl. 7. B. S. 79. 
mpote mm planßi cov.gregari feros ad eibum cvn- c) aurieula cordis- 
fuetudlne in (juibusdam virariis fpeclatur, Eff in, d) appendiees vermiformes* 
pifeinis cafaris genera pifeium ad mmien venire e) duclus pnevmaticus. 
quosdamßnguhs. f) ovariuBJ. 






$ EINLEITUNG. 

den Fifchen, mVerhältnifs gegen die Eier anderer Thiere nur fehr Idein, und allein bei dert 
Forellen habe ich He in der Gröfse einer Erbfe angetroffen: bei einem Wels, der überhun* 
dert Pfund wog, waren fie dagegen nicht gröffer als Hirfefaamen. An der Menge der Eier, 
welche die Fifche jährlich von fich geben, übertreffen fie -alle andere Thiere. Oft habe ich 
in einem; 4er nicht über ein halb Pfund wog, hundert und mehrere taufend Eier gefun- 
den. Der Grund, aus welchem der Schöpfer diefe Thierartenmit einem fo reichlichen Eier- 
flocke verfehen hat, liegt theils in der Art der Befruchtung, theils in der Gefahr, der die Eierfo 
oft ausgefetzt find, durch Stürme und Ueberfchwemmungen, umzukommen j theils in der 
Menge der Räuber, die fowohl die Eier als die Brut verzehren. Die Eier der Fifche wer. 
den nicht, wie die Eier der andern Thiere, innerhalb der Mutter befruchtet, fondern wenn 
fie das Weibchen von fich gegeben hat, fo läfst erfl das Männchen feinen Saamen oder den 
Milch darüber fliefsen : weil nun der kleinfte Theil derfelben von diefem Safte benezt wird, 
fo bleiben die mehreflen von ihnen als taube Eier unbefruchtet. Aufferdem fetzen die Fifche 
ihren Rogen an allerley Körper an, und wenn diefe nun durch Stürme und durch das Aus- 
treten der Waffer aus ihren Ufern, aufs Land getrieben werden ; fo kommen die Eier oder 
die Brut bei Zurücktretung des Waffers gröfstentheils um. Auch eine plötzlich einfallende 
kalte Witterung verhindert oft das Laichen der Mütter und erftarret das Blut in der bereits 
ausgekommenen Brut. Einen Theil der Eier verzehrt der Stichling, der Aal und andere 
Raub fifche, und fo gar die Waffervögel verachten diefe Kofi nicht. Auch bleibt wegen des 
Mangels der Sonnenwärme in tiefen Waffern ein groffer Theil unbefruchtet. Ueber T 
haupt finde ich unter den Fifchen die Räuber nicht nur zahlreicher, als bei den Landthie- 
ren und Luftbewohnern, fondern auch weit gefräfsiger, indem fie fo gar. ihre eigne Art 
nicht fchonen, wozu jene Raubthiere nur durch groffen Hunger gezwungen werden. Wie 
viele Kunftgriffe hat endlich nicht der alles auf fich beziehende Menfch erfonnen , um fich 
der Fifche zu bemeißern. Hätte daher der allweife Schöpfer diefe fo vielen Gefahren 
unterworfene Thiere nicht mit einem fo zahlreichen Eierftocke verfehen; fo würden 
fie längft ihren Untergang gefunden haben. Die Eier der Fifche find in einem und bei 
vielen auch in zween Säcken eingefchloffen, welche vor der Schwimmblafe liegen, und zu 
ihren Ausgang ift neben dem After eine befondere Oefnung, welche der Nabel genannt 



.EINLEITUNG. $ 

wird. Der Milch a) des Männchens ift doppelt. Wenn man davon nur fo viel, als man 
mit einer Nadelfpitze faflen kann, auf eine Glasfeheibe bringt, und mit einem Tröpfgen 
Waffer verdünnt; fo erblickt man unter dem zufammengefetzten VergröiTerungsglafe ei- 
ne groife Menge belebter Körperchen : der Milch findet feinen Ausgang ebenfalls durch 
den Nabel. Es giebt auch unter den Flufsfifchen lebendig gebährende, wie der Aal b) 
und die Aalmutter. Zu den übrigen Eingeweiden, welche die Verdauung der Speifen und 
die Bereitung des Nahrungsfafcs befördern , gehören auch noch die Leber und die Gallen- 
blafe. Ohnlängft hat auch Herr Will. Heivfon bei den Fifchen Milchgefäfse c) entdeckt d). 

Der Harn wird bei den Fifchen auch durch Nieren abgefondert, und er findet 
feinen Ausgang durch den Nabel. 

Die fefteren Theile der Fifche find bei einigen knochenartig e), bei anderen aber 
knorplich f ). Diefe Gefchöpfe find mit mehrern Gelenken oder Wirbelbeinen im Rück- 
grade, als die fäugenden Thiere und Vögel, verfehen, indem ich bei rerfchiedenen, wie 
beim Aale, bis an 90 gezählt habe, und fie tragen zur Biegfamkeit und fchnellen Wen- 
dung des Körpers nicht wenig bei. 

Die Fifche wachfen bei guter Nahrung fchnell und erreichen ein hohes Alter: nur = 

der Stichling erlebt feiten das zweite Jahr. Der Aufenthalt derfelben ift verfchieden , in- . , 

ö J ' Alter u. f. ir. 

dem einige beftändig im hohen Meere leben, wie der Wallfifch, andere fich zur Laich- 
zeit den Küften nähern, wie der Schellflfch, und noch andere, wie der Lachs, zu diefer 
Zeit in die Flüffe treten. Einige leben nur in füfsen und fliefsenden Waffern, wie die 
Schmerle; andere kommen nur in Landfeen fort, wie die Käraufche. Die mehreflen fu- 
chen ihre Nahrung bei Tage auf: gewiffe Arten aber bei Nacht, wie der Aal. Viele 
Fifcharten leben zerfireut, wie der Hecht, andre in ganzen Gefellfchaften, befonders zur 
Laichzeit, wie die Rothaugen und Braffen, beifammen und noch andere unternehmen wei- 
te Reifen, wie der bekannte Hering. 



a) veficulae feminales. d) Philofoph. Tranfaft. Vol. 58. p. 21. 

b) Gefellfchaftl. Schriften 1. B. S. 259. c) pifees branchioftegi. 

c) vafa lymphatica. f) pifees chondioptherigü. 

B 



io E I N L E I T U N G.. 

= Die Fifche machen einen gröfsen Theil unfrer Nahrung aus, und find daher zu 

Verfetzen 
-. -p-r-L allen Zeiten ein wichtiger Handlungszweig gewefen; fie verdienen aus diefem Grunde 

ohnftreitig die Aufmerkfamkeit eines jeden Landwirths. Obzwar, durch die Eindämmun- 
gen der Waffer, die Fifche immer feltener und die edlern Arten derfelben, bei dem zuneh- 
menden Luxus, immer mehr gefacht werden ; fo denkt man doch faft gar nicht auf ihre 
Verfetzung : gleichwohl gewöhnen fie fich weit eher an einen jeden Himmelsftrich, als 
die vierfuffigen Thiere und Vögel, weil fie in dem Elemente , worinnen fie leben , allent- 
halben ein ihrer Natur angemeffenes Klima finden. Wenn man auch einen Fifch aus ei- 
nem wärmern Himmelsftriche, wo die Gewäffer nicht zufrieren, in einen kältern, wo die 
Oberfläche des Waffers mit Eis belegt wird, verfezt; fo kann derfelbe doch den etwani- 
gen Nachtheilen diefes Klimas dadurch ausweichen , dafs er fich in die Tiefe begiebt. 
Eben fo leicht finden die Fifche zu gewifTen Jahreszeiten in allen Gegenden die zur Er- 
regung der Gefchlechtstriebe und die Eier die zu ihrer Ausbrütung nöuhige Wärme, wel- 
ches bei den Vögeln und vierfüfsigen Thieren nicht flatt hat. Die Erfahrung hat diefes 
alles fattfam beflätigt. So ift z. B. der Karpfen in Dännemark, Schweden, Holland und 
England, der Sterlet in Schweden und Pommern, der chinefifche Goldkarpfen in Lon- 
don, Amfterdam und Berlin naturalifirt worden. Um aber in dem Verfetzen der Fifche 
glücklich zu fein , mufs man erforfchen, ob derfelbe ein fliefsendes oder flehendes Waf- 
fer haben, auch ob der Grund deffelben merglicht, fandigt, kieslicht, oder thonicht und 
mit Kräutern bewachfen feyn muffe. Vorzüglich gedeihen alle Arten der Fifche in fol- 
chenSeen, welche Quellen oder ein durchfliefsendes Waffer, beträchtliche Tiefen, auch 
einen abwechfclnden, als fandichten, thonichten und mit Kräutern bewachfenen Grund 
haben. Seen, mit einem hohen Ufer, fchicken fich nicht fo gut zum Verfetzen , als die 
mit einem flachen, weil in den erflern der gröfsefle Theil des Rogens, indem das Waf- 
fer in der Tiefe von der Sonne nicht genug erwärmt wird, umkommt: jedoch können 
auch tiefe Seen zum Verfetzen genuzt werden,- man mufs nur Wäfferb ehälter aus Bret- 
tern machen, felbige nahe am Ufer und vorzüglich an folchen Stellen niederfenken, wel- 
che auffer dem Striche kalter Winde liegen und den Sonnenftrahlen ausgefezt find. Diefe 
Behälter muffen weit, flach und unbedeckt bleiben. Die Seitenwände richtet man 



ETNLGITUNG. it. 

fb t;in, dafs fie nach der Laichzeit weggenommen werden können. Den Boden und die 
Wände belegt man mit Tannenreifige, damit die Fifche fich daran reiben und ihren Laich 
von fich laffen können. Zum Verfetzen fchicken fich diejenigen Fifche am heften, de- 
ren Laichzeit nahe bevorfleht. Wenn man mehrere Gattungen verfetzen will, thut man 
wohl, dafs man jeder derfelben einen eignen Behälter und ihnen darinnen einen verhält- 
nifsmäfsigen Raum giebt. Nach vollbrachter Laichzeit nimmt man die Fifche mit einem 
Hamen, zu einer anderweitigen Benutzung heraus, und breitet das Tannenreifig auseinander, 
damit die Sonne die befruchteten Eier erwärmen und fo viele als möglich von ihnen be- 
leben möge. Da vermitteln 1 diefer Verfetzungsart eine reiche Brut durch wenig Fifche 
erzielt werden kann; fo ifl fie bei feltenen oder aus entfernten Gegenden herbei zu fchaf- 
f enden Fifchen vorzüglich anwendbar. Noch näher käme man dazu, wenn fich die Fi- 
fche durch Auspreffung des Rogeners und Milchers fortpflanzen liefsen, wie folches der 
Herr Lieutenant Jakobi a) bei den Forellen und dem Lachfe bewerkftelligt zu haben, 
verfichert. Es laffen fich zum Verfetzen nicht nur tiefe und flache Seen , fondern fogar 
auch Tümpel und Pfühle nutzen, wenn man ihnen Giebel und Schleyen giebt: auch 
hat man bei diefem Gefchäfte auf die Jahreszeit Rückficht zu nehmen. Das Früh- 
jahr und der Herbft fchicken fich hiezu am bellen; denn im Sommer flehen fie wegen 
der Wärme und eines, während des Fortfchaffens, etwa fich ereignenden Gewitters leicht 
ab. Jedoch mufs man hiebei auf die Fifchart fehen, da diejenigen, welche ein hartes 
Leben haben, wie der Aal, BrafTen und Karpfen nicht fo viel Vorficht, als die, welche 
aufferhalb des Waffers bald abflehen, wie der Zander, der Stint undUekeley, bedürfen. 
Einige haben ein fo zartes Leben, dafs fie fogleich flerben, wenn das Waffer, in welchem 
fie fortgefchaft werden, auch nur etwas flillfleht, als die Schmerlen. Es ifl daher nö- 
thig, dafs das Gefäfs, in welchem fie befindlich find, auch beim Stillflehen des Wagens 
in Bewegung erhalten werde und mufs man überhaupt verhüten, dafs bei dem Transpor- 
tiren aller übrigen Fifche, der Wagen nicht zu lange flillflehe, fo wie es auch rathfam 
ifl, bei warmer Witterung fie nicht am Tage, fondern zur Nachtzeit verfahren zu laffen. 

B % 

a) Hannöv. Magaz. v. Jahr 1763. S. 363. und 1755. S. 978. 



*& EINLEITUNG. 

Noch ift es eine nöthige Regel der Vorficht, dafs man' das Fafs nicht zu fehr anfülle, da- 
mit fie, wenn fie in die Höhe fchiefsen, fich nicht durch einen Stofs die Köpfe befchädigen 5 
zu ungefähr einem Centner Fifche gehört ein Fafs, das wenigftens 20 Eimer Wafler hält. 

Bei weiten Reifen mufs das Wafler von Zeit zu Zeit und zwar mit fliefsendem 
erneuert werden: befonders bei denenjenigen, die fich nur allein im fliefsen- 
den Wafler aufhalten, wie die Forellen und Schmerlen. Auch darf man zur Sommers- 
zeit die Gefäfse nur mit halb fo viel Fifchen verfehen, als im Winter; weil üe zu diefer 
Jahreszeit mehr frifche Luft nöthig haben. Ueberhaupt mufs ihnen zu jeder Zeit ein 
freier Zutritt der Luft gelaflen: jedoch bei offenem Spundloche die heftige Erfchütte- 
rung des Waflers fowol, als auch das Ausfprützen aus dem Gefäfse verhütet werden; 
denn in beiden Fällen werden bei der heftigen Erfchütterung des Waflers die Fifche durch 
das an einander Stofsen verletzt. Die allzu ftarke Bewegung des Waflers läfst fich durch 
einige dünne Brettchen oder einen Strohkranz, welche man in das Gefäfs legt, mäfsigen: 
das Ausfprützen aber durch eine hölzerne viereckigte Röhre, welche auf das Spundloch 
aufgefetzt wird, verhindern. Diefe Röhre, welche etwa anderthalb Fufs lang feyn kann, 
mufs oben fchmal zu laufen, auf das mit Leiften verfehene Spundloch angefchoben und, 
damit das Wafler mit der Luft in Gemeinfchaft bleibe, oben mit einer durchlöcherten 
Klappe verfehen werden. Uebrigens verfteht es fich von felbft, dafs die Fifche beim 
Herausnehmen und Einfetzen nicht geftofsen, gedrückt und flark angegriffen werden 
muffen. Ueberhaupt wäre es beffer, wenn es fich anders der Entfernung wegen thun 
liefse, die Fifche zu tragen. Zum Fortpflanzen nimmt man entweder ausgewachfenej , 
um'fie durch den Rogen zu vermehren und alsdenn 4 Milcher zu einem Rogner, oder 
3 bis 4 jährige. Die Jährlinge find zu diefer Abficht zu zart. Den Raubfifchen mufs 
man in diefem Falle diejenigen Fifcharten mit zugefellen, welche ihnen zur Nahrung die- 
nen und hiezu fchicken fich die fo wenig geachteten Weifsfifche, wie das Rothauge, die 
Güfter und Giebel, am beften. Auch läfst fich hiezu der Stint und Gründung gut ge- 
brauchen, da Üq mit jenen Raubfifchen gleiches Wafler lieben. 

Da es für einen Landwirth von Nutzen ift, auch die Werkzeuge, womit man fich 
der Fifche bemächtigt, zu kennen ; fo follcn diefe in der Folge bei jeder Fifchart nahnv 



EINLEITUNG. 13 

haft gemacht werden , und will ich, da wir noch kein Buch haben , wo man fich hierüber 

Raths erholen könnte, meine Lefer hier nur, durch eine kurze Befchreibung derfelben, in 

den Stand zu fetzen fachen, fich davon einen Begriff zu machen. 

Der Aalfang ift ein gitterfö'rmiges Behältnifs, in welches das hineinflrömende - 

Fifcherzeu- 
WafTer den Fifch mit hinein führt. Die Müller bringen diefes Werkzeug unterhalb des g e . 

Gerinnes an und wenn fie das Freifchütz wieder zufetzen, fo können fie den Aal mit leich- 
ter Mühe aus dem Fang heraus nehmen. 

Die Aalflöfse oder Aalpuppe befleht aus einem Haken, welcher an einem flarken 
5 — 6 Klafter langen Zwirnfaden gebunden ift und worauf ein kleiner Fifch gefleckt 
wird. Diefen Faden beveftigt man an einem FlofTe von 6 — 7 Stück Binfen: er wird 
des Abends ausgeworfen und des Morgens wieder gehoben» 

Die Angel, ein bekanntes Werkzeug, von welchem mehr die Liebhaber der Fi- 
fcherei, als die eigentlichen Fifcher Gebrauch machen, befleht aus einem Stock, wor- 
an eine lange Schnur und an diefer ein Haken beveftigt find. Der Fifch wird, wenn er 
an diefen beifst, gefangen. 

Das Barfchnetz wird von fein gefponnenem Flachfe verfertiget und auf einem 
pferdehaarnen Reif (Strick) aufgezogen. Die Mafchen diefes Netzes find viereckigt und 
zween Zoll weit. Durch Bley- Knoten wird es im Grunde und durch Schilf überm Waf- 
fer erhalten. Wenn der IfarfdL In d'Hfe Mafchen läuft, fo verwickelt er fich in denfel- 
ben und wird gefangen. 

Die Cabbe ift ein fackförmiges Netz mit Flügeln, davon jeder 60—70 Klafter 
lang und 3 — 4 tief ift. Es wird durch vier Mann in zween Kähnen fortgezogen. 

Das Flock ifl ein fackförmiges Netz, welches auf beiden Seiten einen 3 — 4 Klafter 
langen baflenen Reif hat. Das eine Ende diefes Reifes wird an einen Kahn befefligt und 
das andre durch einen Stein, welchen die Fifcher Handflein nennen, im Grunde erhal- 
ten. Man fchiebt den Kahn in die Queere und hält das ausgeworfene Netz durch Steine 
fo lange im Grunde, bis die Fifcher für gut finden, daffelbe einzuziehen., 

Das Garn ift ein fackförmiges Netz, wovon jeder Flügel IOO— »1 20 Klafter in 
der Länge und 6 in der Tiefe hat. Es wird von acht Leuten^ die in zween Kähne ver- 

B 3 



14 EINLEITUNG. 

theilt find, gezogen und gewöhnlich damit um Bartholomäi und im Winter unter dem 
Eife genTcht. 

Die Greueivathe oder Scheer-e iß: ein fackförmiges Netz', welches fehr kleine Ma- 
fchen hat und an zwoen in der Geftalt einer aufgemachten Scheere übereinander geleg- 
ten Stangen beveftigt ift. Mit diefem Netze füllt man die zartefte Brut auf: weil aber 
hiedurch der Fifcherey grofser Schade zugefügt wird, fo ift fogar hier zu Lande der Be- 
fitz diefes Werkzeuges den Fifchern bei Feftungsftrafe unterfagt. Nur ein einziges ver- 
wahrt man in Spandau unter der Auf ficht des dafigen Kommendanten und darf nur auf 
hohen Befehl mit demfelben gefifcht werden. 

Grobgarn ift ein Netz von hundert und mehrern Klafter langen und bis an zwölf 
Klaftern tiefen oder hohen Flügeln. Der Sack deffelben hat an 10 — 12 Klafter in der 
Länge. Es ifl: auf einen baftenen Reif gezogen und wird durch kiehnene Kämme in der 
Höhe und durch Steine im Grunde erhalten. Ifl: der Boden des WafTers fchlammicht, fo 
umwickelt man diefe Steine mit Stroh, damit fie nicht zu tief einfinken mögen. Man 
zieht es mittelft zweener Kähne und bedient fich deffelben bei der Fifcherey im Winter un- 
ter dem Eife und in grofsen Landfeen. 

Die Grundfchnar ifl: eine ftarke Pferdehaarne Schnur, die nach Befchaffenheit der 
Breite des WafTers 30 und mehrere Klafter lang ift. An diefer werden, in einem Abftan- 
devon I und einer halben Elle, Hacken an flarken Zwirnfäden angeknüpft, auf , welche 
man gewöhnlich Regenwürmer oder kleine Fifche und zwar diefe alsdann, wenn man 
Raubfifche fangen will, fleckt. Das eine Ende der Schnur wird auf 'den beiden Seiten 
des WafTers an einem Pfahle oder durch Steine befeftigt, und man mufs fie mit kleinen 
Bleyftücken oder Steinen nach dem Grunde des Waffers zu ziehen fuchen. Wenn man 
fich diefes Werkzeuges aber zum Hechtfangen bedient, fo muffen die Haken ftatt des 
Zwirns an Ketten befeftigt feyn, indem der Hecht den Faden leicht abreiffen und den Fi- 
fchern entgehen würde. Man legt es des Abends ein , und hebt es den andern Morgen 
wieder auf. 

Der Hamen ift ein tiefes, rundes und an einer Gabel mit einem Biegel, befeftig- 
tes Netz. 



EINLEITUNG. *S 

Das Porth ift ein flaches 3-^4 Fufs hohes und, nach Erfordern der Umftänd«, 
70 und mehrere Klafter langes Netz. Es wird aus feinem flächfenen Garne verfertigt 
und befteht aus dreien Wänden, welche fämtlich oben und unten an einem eines kleinen 
Fingers dicken Haärreif befeftigt find. Die beiden äußeren Wände haben 6 — 8> die 
mittlere nur 1 — 2 zöllige Mafchen. Durch die, an den Haarreif angebrachten Binfen- 
fiofsen wird es in der Höhe und durch Bleiknoten im Grunde erhalten. Man bedient 
lieh diefes Fifcherzeuges bei und ohne Gelag a). Gewöhnlich wird es in der Geftalt ei- 
nes Triangels geftellt, wovon die beiden äufseren Enden deffelben am Ufer mit zwoen 
Stangen und der mittelfte Theil durch eine dritte feftgemacht werden. Der Fifcher pul- 
üt b) (fchlägt) hierauf mit einer Stange m dem Schilfe und treibt die erfchrockenen Fir 
fche aus diefem ihren Zufluchtsorte heraus, da fie dann auf ihrer Flucht,, ftatt ilch zu 
retten, fich in das Netz verwickeln. 

Die Garn-Reufe ift ein an beiden Enden fpitzzulaufendes fackförmiges Netz, wel- 
ches über drei hölzerne Biegel (Reifen), wovon 2 auf den Seiten und der 3te in der 
Mitte befindlich, gefpannt ifl. Die Kehlen oder die fpitzzulaufende Theile des Sacks 
werden inwendig hinein gezogen und durch Faden gegen einander gebunden. 
In der Mitte einer jeder Kehle ift eine Oefnung, die dem Fifche zwar den Eingang aber 
nicht den Ausgang verflattet. Eine folehe Reufe ifl: gewöhnlich 4 Fufs lang und 2— -3 
Fufs hoch. Die Biegel werden durch Sperrftöcke auseinander gefpannt und in der Mit- 
te diefes Netzes der Köder (Lockfpeife) angebracht. Diefes Fifcherzeug wird ebenfalls 
durch den Druck einiger Steine im Grunde erhalten. In den fehif baren FlüfTen legt man 
däfTelbe gewöhnlich des Abends und hebt es des Morgens wieder: in flehenden Waflern 
aber fängt man auch damit Frfche bei Tage. Es giebt auch noch Reujen vonHolze mit einer 
oder zwo Kehlen wovon die lezteren die beftenfind. Man verfertigt fie aus dünnen Ruthen 
von Kiehnen oder Weiden Holze und beflechtet fie mit Baft oder Kiehnen - Wurzeln , wel- 
che leztere, um ihnen die erforderlicheBiegfamkeit zu verfchaffen, eine bis zwo Stundea 

&) Gelag nennen die Fifcher folehe WaiTerftel- wachfen lind. Ift der Grund des Waffers rei», 
len, die mit Schüfe,, Bixxfen u, d. g. Kräutern be- fo nennen fie es ohne Gelag. 

h) Vielleicht von dem lat. puTfafe. 



i6 EINLEITUNG. 

in einer Lauge gefotten werden. Bei denen nur mit einer Kehle verfehetien Reufen wird 
an dem einen Ende eine Oefnung zum Eingange für den Fifch gelaffen; bei den zwei 
kehligten ift, aufTer diefen, noch eine in der Mitte befindlich, welche aus feinen birkenen 
Ruthen befteht, die fich, wenn der Fifch hindurch ift, von felbft zu fchliefsen und ihm da- 
durch den Ausgang verfperren. Jene Reufe ift 4-5 lang, diefe aber 3 Fufs hoch und 7 lang. 

Die Senke befteht aus einem viereckigten etwas beutelförmigen Netze, welches 
auf jeder Seite 6 — 8 Fufs hält. Die mittlem Mafchen deffelben find enger, als die nach 
dem Rande zu; die Seiten werden mit einem ftarken Bindfaden eingefafst und die Ecken 
an den vier Enden zwoer gekrümmten Stangen beveftigt. Leztere bindet man kreuzwei- 
fe über einander und an dem Orte, wo fie fich kreutzen, noch an eine dritte, nach 
den Umftänden, lange Stange, mittelft welcher das Netz gegen den Strom ein« 
gefenkt wird. So hald der Fifcher über dem Netze Fifche herfchwimmen lieht, zieht 
er es fchnell in die Höhe; der Fifch, welcher die Bewegung merkt, will, um fich 
2u retten, nach dem Grunde zu fchiefsen, wird aber eben dadurch um fo viel ficherer ei- 
ne Beute feiner Jäger. 

Die Wathe ift ein 6 — 7 Klafter langes und I — 2 Klafter tiefes Netz, welches 
in der Mitte mit einem Sacke verfehen ift. Es wird oben und unten mit einem etwa ei- 
nes kleinen Fingers dicken Strick eingefafst. Unten find, um es nach dem Grunde zu 
ziehen, eiferne und oben hölzerne Ringe angebracht und das Netz wird an beiden Seiten 
an Stangen befeftigt, und vermittelft langer an die Stangen geknüpfter Stricke an den Sei- 
ten des Ufers fortgezogen. 

Das Wehr wird in fliefsenden Waffern angebracht. Man rammt nämlich zu bei- 
den Seiten des Stroms Pfähle neben einander ein, fo dafs fie fich in der Mitte verengern 
und nur einen kleinen Raum zum Durchfchiefsen des Waffers offen laffen. Gegen die- 
fe Oefnung beveftigt man ein fackförmiges mit Kehlen verfehenes Netz, in welches der 
Fifch durch die Heftigkeit des Stroms mit hinein geführt wird. 

Die Zure ift «in fackförmiges Netz, welches oben und unten an einem ohnge- 
fähr 40 Klafter langen Reif befeftiget ift. Diefer Reif wird aus rüfternen oder lindenen 
Bafte gemacht und durch Bündel Stroh über dem Waffer und durch Steine auf dem Boden 
deffelben gehalten. 



EINLEITUNG. 



17 



Anzeige, der in diefem Buche vorkommenden Schriftßeller und 

Abbreviaturen. 



Abh, d. Schwed. Ac. Abhandlungen der königl. fchwed. Academie der WifTenfchaften, 

aus dem Schwed. überfezt, durch Abr. Gotth.Kaeftner. Hamb. und 

Leipzig, 1749 — 1781- 35 Bände. 8- 
Acta Hdv. IV. Acta Helvetica Phyfico-Mathematico-Botanico-Medica. Volumen 

IV. Bafileae 1760. 4. 
Acta Vpfal. Acta focietatis regiae fcientiarum Vpfalienu*s. Holm. 1 744 fqq. 4. 

Aldrov. de pifc. Vlyff. Aldrovandus de pifcibus. Bonon. 1646. fol. 

Ariftot. hift. anim. Ariftotelis hiftoria de animalibus, Jul. Caef. Scaligero interprete, 

cum ejusdem commentariis. Tolof. 16 19. fol. 
Arted. Bibl. icht. Petri Artedi Angermannia-Sueci Bibliotheca ichthyologica. Lugd. 

Bat. 1738. 8- 
Arted. gen. pifc. Eiusd. genera pifcium. Lugd. Bat. 1738. 8- 

Arted. Phil. icht. Eiusd. Philofophia ichthyologica. Lugd. Bat. 1738- 8- 

Arted. fpec. pifc. Eiusd. defcriptiones fpecierum pifcium. Lugd. Bat. 1738- 8- 

Arted. fynon. Eiusd. fynonomia nominum pifcium. Lugd. Bat. 1738- 8- 

Afcan. icon. Icones rerum naturalium, fafciculi II. Hävniae. Folio. 

Baft. fubfec. Iobi Bafteri fubfeciva. Harlem. 1762. 4. Tom. I — IL 

Bekm. Churm. loh. Chrift. Bekmanns hiftorifche Befchreibung der Chur- und 

Mark Brandenburg, erfler Theil. Berlin 1751 — 1753- fol. 
Bekm. Landw. loh. Bekmanns Grundfetze der Landwinhfchaft. Göttingen, 

177 5- 8- 
Befchäft. N. F. Befchäftigungen Naturforfchender Freunde, IV. Bände. Berlin, 

I775 — I779- 8- 
Blaf» anat. Gerardi Blafii Anatome animalium. Amftelodami i68i- 4-maj. 

C 



i8 

Blumenb. Handb. 

Born. Di£l 

Bresl. Samml. 

Brunn. Ichth. 

Brunn. ZoqL 

Charl. Onomaft. 
Catesb. Pifc. 

Cours. d'hift.nat. 
Denfo Beitr. 

Dicton, d. an» 

Döb. Jag. Pr. 

Duham. Fifch. 

Erxleb. N. G. 

Fabric. Groenl. 
Fernand, animal. N. 

Flemm. Jag. 



EINLEITUNG. 

D. I. F. Blumenbachs Handbuch der Naturgefchichte. Göttingen, 

1779- 8- 

Di£tionaire raifonne univerfel d' hhloire naturelle par M. Val- 

mont de Bomare, 1779. Tom. XII. 

Sammlung von Natur- und Mediän- wie auch hierzu gehörigen 

Litteraturgefchichten. Leipz. 171 7 — 1730.4. 

Martini Th. Brünnichii Ichthyologia Marfilienfis. Hafniae et Llp~ 

fiae, 1768. 8- 

M. Th. Brünnichii Zoologiae Fundamenta. Hafniae et Lipfiae, 

1772. 8- 

Gualteri Charletoni onomafKcon zoicon. Londini, 1668. 4. 

Catesby Pifcium, ferpentum, infeftorum aliorumque animaliuflj 

etc. imagines. Norimb. 1750. med. fol. 

Cours d' hiftoire naturelle, Tom. V. Paris, 1770. 8. 

Ioan. Daniel Denfo Beiträge zur Naturkunde 7tes Stück. Berlin* 

1751—1765. 8- 

Diftionaire raifonne* & univerfel des animaux. ä Paris a 1759. 4. 

Tom. IV. 

Heinrich Wilh. Döbels Jäger Praftica, vierter Theil. Leipzig,. 

1754. fol. 

Duhammel de Monceau von der Fifcherei, aus dem Franzöfifchen 

überfezt von D. G. Schreber. Leipzig und Königsberg 1773. 4. 

Anfangsgründe der Naturgefchichte von Joh. Chriit. Polycarp. 

Erxleben. Göttingen und Gotha 1773. 8« 

Othonis Fabricii Fauna Groenlandica. Hafniae, 1780. 8» 

Hiftoriae animalium et rnineralium novae Hifpaniae Lib.I. Franc» 

Fernandez auclore. 

Hans Friedrich von Flemmings vollkommener teutfcher Jäger, 

ater Theil. Leipzig, 1734. fol» 



'EINLEITUNG, i* 

Geoffr. Gehörw. GeofFroys Abhandlungen von dem Gehörwerkzeuge. Leipzig, 

1780. 8- 
Gef. Schrift. Schriften der Gefellfchaft naturforfchender Freunde. Berlin, 1780. 

in 8- I B- 
Gefn. aquat.IV. Conr. Gefneri hiftoriae animalium Lib. IV. qui eft de pifcium et 

aquatilium animantium natura. Francofurti 1604. 
Gefn. Fifchb. Ebendeff. vollkommenes Fifchbuch. Zürch, 1575. 

Gefn. Nomencl. Eiusd. Nomenciator aquatilium animantium. Tiguri, 1560. fol. 

Gefn. Paralip. Eiusd. Paralipomena ad leöorem, welche am Ende des 4_ten B. 

feiner hiftoria animalium, edit. Francof. befindlich Ül- 
Goüan pifc. Goüan hiftoria pifcium. Argentorati, 1770. 4. 

Gronov. Muf. Laür. Theod. Gronovii Mufeum Ichthyologicum, fiftens pifcium 

indigenorum et quorundam exoticorum defcriptiones. Tom. IL 
Lugd. Bat. 1754— '1756. 
GronoV. zooph. Eiusd. zoophylacii Gronoviani fafciculus primus et fecundus. 

Lugd. Bat. 1763. fol. 
Hamb. Mag. Hamburgifches Magazin I — >26ter Band. Hamb. 1748 — 1762. 

Han. Seltenh. Mich. Chrift. Hanovs Seltenheiten der Natur und Oekonomie. 

Leipz. 1753. 8- 
Hannöv. Magaz. Hannöverifehes Magazin, Hannover, 1763 u. f. w. 4. 

Hift. de l'Acad. äPar. Hiftoire de l'Academie royale des fciences avec les memoires, & 

Paris, 1699 feqq. 4. 
Ionft. hift. nat. Io. Ionftoni hiftoria naturalis de pifcibus et cetis , Libri V. cum 

aeneis figuris. Francof. ad Moen. 1650. fol. 
Klein miff. Iac. Theod. Klein hiftoriae pifcium naturalis promovendae mif- 

fus I — V, 1740 — 1749. 
Knorr. delic. Georg. Wilh. Knorr Deliciae naturae feleflae, oder auserlefenes Na- 

turaliencabinet, herausgegeben von Georg. Wo lfg. Knorr, befchrie- 
ben von Phil. Lud. Stat. Müller. Nürnberg, 1766. fol. maj. 
C 2 



SO 

Kram, elench. 

Krünitz Oecon. 

Leop. Landw. 
Leske Anf. d. Nat. 

Leske ichthyol. 
Linn. Faun. I. 
Linn. Faun. IL 
Linn. fyfl. Nat. 6. 
Linn. fyft. Nat. X. 
Linn. fyft. Nat. XIL 
Linn. Reif. I. 

Marcgr. Brafih 

Marfil. Dan. 

Mart. Lexic. 

Mem. de BerL 
Mem. de Paris 
Meyer. Thiere 

Müll. Linn. Nat. fyft. 



EINLEITUNG. 

Guil. Henr. Kramer elenchus vegetabilium et animalium per Au- 
firiam inferiorem obfervatorum. Vienn. 1756. 8- 
Oekonomifche Encyclopädie von Joh. Georg. Krünitz. Berlin, 
1773. u. f. w. 8. _ 

Joh. George Leopoldts Land-Wirthfchaft. Sorau, 1750. 4to. 
Nathanael Gottfr. Leske Anfangsgründe der Naturgefchichte, Iter 
Theil. Leipz. 1779. 8- 

Eiusd. ichthyologiae Lipfienlis fpecimen. Lipfice, 1774. 8. 
Car.Linnad. Fauna fuecia. Lugd. bat. 1746. 8' 
Eiusd. Fauna fuecia, editio altera auöior. Stokh. 1762.8. 
Eiusd. fyflema naturse edit. 6. Lipfiae, 1748- 8- 
Eiusd. fyftemanamrae,edit.X.Hal;eMagdeburgica?, 1760. 8- 
Eiusd. fyftema natura, edit. XII. reformata. Holm. 1766. 8- 
Ebend. Reifen, durch das Königreich Schweden, aus dem Schwed. 
überfezt, erfter Theil. Leipz. 1756. 8. 

Georgi Marcgravi Hiftoria rerum naturalium Braiilis . Amitelo« 
dami 1648. fol. 

Aloys. Ferd. Com. Marfilis Danubius Pannonico-Myficus, Tomus 
quartus. Hagae comitum, 1726. fol. 

Friedr. Heinr. Wilh. Martini allgemeine Gefchichte der Natur, in 
alphabetifcher Ordnung. Berlin, 1774. u. f. w. 8mai. 
Memoire de lAcademie de Berlin. 
Memoire de lAcademie de Paris. 

loh. Dan. Meyers Vorftellung, allerhand Thiere und ihrer See- 
leute. Nürnberg, 1748- u. f. f. fol. I — 2 B. 
Des Ritters Carl von Linne vollftändiges Naturfyftem ausgeferti- 
get von Phil. Lud. Stat. Müller, Nürnberg 1773 — 1776. 8- 
I— IV Theil 



Müll, prodrom. 

N. Seh. d. Nat. 

Nord. Beitr. 
Oec. Zool. 

Oelrich. Nachr. 

Onom. ForefLPifc. 

Osbeck. Reif. 
Pallas Reif. 

Philof. tranfaft. 
Plin. hift. mund. 

Plumier. 

Pontopp. Dan. 

Pontopp. Norw. 

Rieht. Ichth. 
Rochef. 

Schaef. pifc. 

Scop. introd. 



EINLEITUNG. 21 

Zoologiae Danicae prodromus, auäore Oth. Frid. Müller. Havn. 

I776- 8- 
Neuer Schauplatz der Natur 1 — ioter Theil. Leipz. 1775 — » 

1781, 8- 

Nordifche Beiträge iter Band. Altona, 1756. 8- 

Entwurf einer okonomifchen Zoologie. Leipz.. 1778- 8- 

I. C« Conr. Oelrichs Nachrichten vom Herz.. Pommern.. Berlin,, 

I77i- 8- 

Onomatologia Foreflalis - Pifcatorio - Venatoriae. I-JV. Tom.. Stut- 

gart 1772 — 1780. 8- 

Peter Oshecks Reife nach Oftindien und China.. Roftock 1775. 8- 

Auszug aus P.S.. Pallas Reifen durch verfchiedene Provinzen des 

Ruff. Reichs. FrancL und Leipz. 1 — 2ter Theil. 177Ö — 77, 8- 

Philofophical tranfaftions 1665.. Lond. 4. 

Plinii hiftoria mundi denuo emandata etc.. Bafileae,, A.. 1535.. 

fol.. 

Manufcript vom Pater Plumier mit ausgemalten Handzeichnun- 

gen von vielen amerikanifchen Waffereinwohnern ,, fol.. 

Erich Pontoppidans kurzgefafste Nachrichten die Naturhiftoric? 

in Dännemarck betreffend.. Koppenh..undHamb. 1765.. 4maj. 

Ebendeffelb. Verfuch einer natürlichen Hiflorie, aus dem Däni- 

fchen überfezt, erfler und zweiter Theil. 1753--1754. 8- 

Joh. Gottfr. Ohnefr. Richters Ichthyologie. Leipz. 1754. 8- 

D. Charles de Rochefort Natuurlyke en zedelyke Hiftorie van d J 

Eylanden van America. Rotterdam, 166a. 4.. 

Jacobi Chrift. Schaeffer, Pifcium Bavarico-Ratisbonenflum Pen- 

tas. Ratisbonae, 1761.4. 

Joan. Ant. Scopoli introdu£lio ad hiftoriam naturalem. Pragae, 

1777- 8- 

C 3 



■%- 



SS 

Schaupl. der Künft. 

Schwenkf. 
Seh. thef. 

Ulloa voy. 



ünt. 


i. d. Fifch. 


Wagt 


1. Fifch. 


.Willughb. 


,WulfF. Icht. 


Zimmerm. Specim. 




Zoolog. 


Kh. 


Kiemenhaut 


Br. 


Bruftfloffe 


B. 


Bauchfloffe 


A. 


Afterflofle 


S. 


Schwanzflofle 


K. 


Rückenfloffe 



EINLEITUNG. 

Schauplatz der Künfte und Handwerker. Leipz. und Königsher* 
II— 13B. 177a. 4. 

Cafp. Schwenkfeld theriotropheum Silefiae, Lignic. 1603. 4. 
Alb. Sebae locupletifflmi rerum naturalium thefauri accurata de- 
fcriptio. Amftel. 1734— 1765. foLTom. III. 
Voyage hiftorique de 1' Amerique meridionale, fait par ordre du 
roi d'Efpagne, par Don Georg Juan et par Don Antoine de Ulloa 
äAmft. 1752. 4. 

Unterrricht in der Fifcherei. Nürnberg, 1758. 8- zwote Auflagt. 
Gottfr. Jac. Wagners vollkommener Fifcher, zwote Auflage. Bres- 
lau, 1758. 8- 

Franc. Willughbii de hiftoria pifcium Libri IV. Totum opus re- 
cognovit, coaptavit, fupplevit loh. Raius. Oxon. 1686. fol. 
loh. Chrift. WulfF Ichthyologia cum amphibiis regni Boruflici. 
Regiomonti, 1765. 8- 

Eberh. Aug. Guilielm. Zimmermann Specimen Zoologiae Geo- 
graphicae quadrupedum. Lugduni Batavor. 1777. 4. 



B. 


Membrana Branchioflega 


P. 


Pinna peäoralis 


V. 


— • ventralis 


A. 


— analis 


C. 


< — • caudalis 


D. 


— dorfalis 



In den Fällen, wo ein Fifch mehrere Rücken- oder Afterfloflen hat, bezeichnen 
die hinter einander flehende Nummern die Zahl der Strahlen in einer jeden FlofTe. 




ERSTE ABTHEILUNG. 

Bauchflofler, Abdominales. 



L GESCHLECHT. 
Die Karpfen. 



ERSTER ABSCHNITT. 

Von den Karpfen überhaupt.- 
I 1 ie älteren Ichthyologen^ welche die Fifehe entweder -'nach dem Orte ihres Aufenthalts, 
oder nach alphabetifcher, oder auch in gar keiner Ordnung vortrugen, haben uns in An- 
fehung der Fifehe diefes Gefchlechts in einer grofsen Dunkelheit und Verwirrung gelau- 
fen r weil ihre Zeichnungen fchleeht ,. ihre Befchreibungen unzulänglich find, und hin 
und wieder ein Fifch an mehreren Stellen als verfchiedene Arten vorkommt. Willughhy, 
welcher in der Mitte des vorigen Jahrhunderts lebte, und fich vorzüglich um diefenTheil 
der Naturgefchichte verdient machte, bemerkte zuerli die Anzahl der Strahlen in den 



24 Erfter Abfchnitt. Von den Karpfen überhaupt. 

Flößen, und gab den zahnlofen Mund und eine einzige Rückenfloffe als Kennzeichen des 
Karpfengefchlechts an : a) weil aber folche auch den Gründlingen zukommen ; fo machen 
diefe beiden Fifcharten bei ihm nur ein Gefchlecht aus. Artedi b), ein berühmter Ichthyo- 
log, zu Anfange diefes Jahrhunderts, nahm bei der Beftimmung der Fifche auch auf die 
Strahlen in der Kiemenhaut Rückficht, beftimmte das Karpfengefchlecht richtiger und 
fonderte billig die Grandel davon ab. Er zählte drei und dreifsig Arten : führte aber 
einige Fifche unter zwo verfchiedenen Nummern auf, wie No. 12 und 31, und No. 13 
und 32; feine Befchreibungen find indeffen viel zu kurz, um darnach die Fifche kennen 
zulernen. Klein, ein fyftematifcher Kopf , gab um die Mitte diefes Jahrhunderts ein 
Werk von den Fifchen heraus, trennte darinnen das Karpfengefchlecht wieder in vier an- 
dre c) und brachte auch Spielarten mit in Rechnung d), den zu dem Karpfengefchlecht 
gehörigen Gründling aber imter die Afteraale e). Bald darauflieferte Gronov f) eine ich- 
thyologifche Schrift, worinnen er die Karpfen nach dem Artedi beftimmte und fie in 
zwo Abuheilun gen brachte: da jedoch von den fiebenzehen Arten, die er anführt, allein drei- 
zehen in der zwoten Abtheilung vorkommen; fo hat er über diefen Gegenftand gleichfalls 
wenig Licht verbreitet. In einem andern Werke g), welches von ihm 1763 erfchien, 
machte er zwar drei Abtheilungen, da aber in der zwoten, welche die fchmalen Karpfen 
in fich fafst, noch immer eilf Arten ftehen; fo ift man auch dadurch der Sache noch 
nicht näher gekommen. Um derfelben Zeit h) machte uns auch Kramer mit den 
Niederöfterreichfchen Karpfen bekannt: er folgte aber darin lediglich der Artedifchen 
Beftimmung und erregt zugleich wider die beftimmte Anzahl der Strahlen und der Be- 
ftändigkeit der Farben Zweifel, aus welchem Grunde er, ftatt diefe Sachen aufzuklä- 
ren, uns nur in eine noch gröfsere Ungewifsheit verfetzt. Nach Kramern befchrieb 



a) lehr. p. 245. e) MifE IV. §. 30. Enchelyopus n. 5. 

b) Gen. p. 2) et Syrien, p. 3. Mufeum ichtbyol. 1. anno 1754, Tom. II. 

c) 1 Cyprinus Miü". P. V. §. 34. 2 Brama 1756. 

§. 36. 3 Myftus §. 37. 4 Leucifus §. 38. %) Zoopnylac. Gronov. 1753. 

d) Cyprinus n. 2. Brama n. 2. Myftus h) i. J. 1755. Elench. veget. et animal. 
n.2. P- 390- 



Erfier Abfchnitt. Von den Karpfen überhaupt. %$ 

Wulff a) die Preufs. Fifche. Weil er aber ebenfalls keine eigne Befchreibungen giebt, 
und feine Citata fafl durchgängig unrichtig find; fo hat er weiter nichts dadurch be- 
würkt, als dafs er einige neuere Schriftfteller zu unrichtigen Anführungen der älteren ver- 
leitet. Der über alles Lob erhabne Linne folgte dem Artedi in der Beftimmung der Fi- 
fche gröfstentheils und glaubte die Sache dadurch zu verbeffern, dafs er diefes weitläufti- 
ge Gefchlecht in vier Abtheilungen ordnete: da aber in den drei erfleren nicht mehr als 
lieben und in der leztern allein vier und zwanzig Arten begriffen find, wovon die mehre- 
ren rothe Flofsen und überdem auch viele eine gleiche Anzahl von Strahlen mit einan- 
der gemein haben; fo ift es aufferordentlich fchwer, einen vor {Ich habenden Fifch nach 
feinen kurzen Befchreibungen zu beftimmen. Ohnlängft hat der grofse Naturkündiger, 
Herr Etats -Rath Müller b) nach eben diefer Eintheilung uns mit den Dänifchen Karpfen 
bekannt gemacht, und unfer berühmte Herr Prof. Leske c) mit vieler Genauigkeit die 
Karpfen der Gegend um Leipzig und Herr Pennant d) nach eben diefer Methode die Engli- 
fchen befchrieben. Da aber in der Abtheilung der Fifche mit dem gabelförmigen Schwän- 
ze die mehreften Arten vorkommen, fo wird auch hierdurch nicht Deutlichkeit genug ver- 
breitet. 

Ich hoffe indefs, dafs ich, ohne gewiffe beftimmte Abtheilungen zu machen, al- 
len hiebei vorkommenden Schwierigkeiten dadurch vorbeugen werde, dafs ich diejeni- 
gen Fifche, vvelche man ihrer grofsen Aehnlichkeit wegen fehr leicht mit einander ver- 
wechfeln kann, gleich hinter einander abhandle und ihre Unterfcheidungszeichen ange- 
be. Ich habe daher das Rothauge auf die Plötze, die Zärthe auf die Nafe, die Güfter 
auf die Zope und die Giebel auf die Karaufche folgen laffen: zugleich aber auch diejeni- 
gen Schriftff eller angeführt, von denen ich mich überzeugte, dafs fie unter den angege- 
benen Namen auch würklich * unfern Fifch verbanden haben. Am Ende einer jeden 
Befchreibung 7 habe ich in einigen Anmerkungen die SchriMeller zu berichtigen ge- 
flieht. 

Die Kennzeichen des Karpfen- Gefcblechts find folgende: 

a) Wulff. Ichthyol, i-egri: Borafl'. c) Lesk. Spocim. Ichthyol. Lipfienf. 

b) Müll Zool. Danic. p. 50. d) Bririfh. Zoolog. Vol. III. 8vo. p. 253- 

D 



. $6 Erfier Abfchnitt. Von den Karpfen überhaupt. 

Der Mund zahnlos; Os edentulum; 

Die Zähne im Schlünde; Dentes in fauce; 

Drei Strahlen in der Kiemenhaut. Membrana branchioftega radiis III. 



Cyprinus Arted. gen. p. 2. , Cyprinus Gouan p. 103. 
— - Gronovn Muf. 1. p. 2. et Zooph. 1. 

p. 103. 

■ — LinnaeiSyü. Nat. ed. XII. p. 525. • — Pennant III. p. 353. 



— ■ Leske Specimen p. 14. 



Die zu diefem Gefchlechte gehörigen Fifche werden gewöhnlich Weifsfifche, von 
den fyftematifchen Schriftftdlern aber, Karpfen genannt. Man erkennt fie, wie erwähnt, 
am zahnlofen Munde, am Sitze der Zähne hinter ^den Kiemen und an den drei Strahlen in 
der Kiemenhaut. Alle Fifche diefes weitläuftigen Gefchlechts haben einen auf den Seiten 
zufammengedruckten Kopf, einen mit wehTen glänzenden , hornartigen Schuppen bedeck- 
ten Körper, welcher bei einem Theile diefer Fifchart fchmal, länglicht und dick, bei ei- 
nem andern aber breit, kurz und dünn ift: daher man diefe breite und jene fchmale Kar- 
pfen nennen kann und haben die fchmalen gewöhnlich grofse und die breiten kleine Ko- 
pfe. Sie haben lieben Flofsen, wovon eine am Rücken , zwo an der Bruft, eben fo viele 
am Bauche, eine hinter dem After und die lezte am Schwänze oder am Ende des Körpers 
befindlich find. Die Stirn ift fchwärzlich und breit, der Rücken bogenförmig, fchwarz, 
oder grünlich, die Seiten und der Bauch find weifs, filberfarbig und bei einigen wenigen 
gelb. Die Seitenlinie fängt am Genicke an, macht bei den mehreften eine Beugung nach 
dem Bauche zu und endigt fich mitten in der Schwanzfloffe. Die Kiemenöfnung ift weit 
und der Kiemendeckel befteht aus dreien knöchernen Plättchen, wovon das oberfte das 
gröfsefte ift. Die Nafenlöcher theilt eine Zwifchenhaut in zwo befondere Oefnungen, 
wovon die vordere rund, die hintere oval find. Die knorplichten Lippen find mit einer 
dicken Haut überzogen und bilden, bei aufgefperrtem Munde, eine rundliche Oefnung. 
Diefe Fifcharten haben keine eigentliche Zunge : die fcheinbare ift nur ein knorplichter 
durch die von beiden Seiten zufammenftofsende'Kiemen gebildeterhervorragender Theil. Im 
Schlünde fitzen kleine rauhe Knochen, womit der Fifch die verfchkekten Körper feft hal- 



Erßer Abfchnitt. Von den Karpfen überhaupt. 2? 

ten kann. Unter den Kiemen befinden fich zwo mit Zähnen a) befezte Kinnladen : da die- 
fe aber nicht bei allen eine gleiche Bildung haben, noch in gleicher Anzahl vorhanden 
lind, fo werde ich bei der Befchreibung eines jeden Fifches ihrer befonders Erwähnung 
thun. Diefe Fifche haben keinen abgefonderten Magen, fondern ihr Darmkanal nimmt 
dicht an den Zähnen feinen Anfang, ift dafelbft am weiteften und endigt fich am After. 
Bei den mehreften Fifchen hat diefer Kanal nur zwo , bei einigen aber drei bis vier Beu- 
gungen. Die Leber befleht aus zween Lappen von vcrfchiedener Länge. Die Galle ift 
bei einigen dunkelgrün und bei anderen gelblicht, im erftern Falle mehr und im andern 
weniger bitter. Die Schwimmbläfe ift weifs, glänzend, rund und in zween Theile von ver- 
fchiedener Gröfse, abgefondert. Der Eierftock ift eben fo wie der Milch doppelt. Die 
Streichzeit fällt bei den mehreften diefer Fifchart in den April und May: jedoch laichen 
nicht alle von jeder Art zu gleicher Zeit, fondern die gröfsern früher und die kleinern 
später. 

Ihre Speife find Thon, Moder, Grundkreide, Würmer, Wafferinfekten, Hülfen- 
fruchte und Mifh einige verfchlucken auch kleine Fifche. Sie beiffen durchgängig an 
die Angel, da fie aber nicht alle einerlei Nahrung fuchen, fo mufs man auch beim 
Fange mit diefem Werkzeuge die Lockfpeife darnach einrichten. So hafcht z. B. 
der Aland nach gekochten Erbfen, die Orfe nach einem Stückchen Hering, und der 
Karpfen giebt willig fein Leben für einen Regenwurm hin. Die mehreften Fifche die- 
fes Gefchlechts halten fich in Landfeen und FlüfTen auf, und einige, wie derSchley, die Gie- 
bel und Karaufche, kommen fogar in Tümpeln fort; einige unternehmen auch, als 
z.B. die Zärthe, die Orfe und Nafe, beträchtliche Reifen. Sie begeben fich im Früh- 
jahr aus der Oft- und Nordfee, oder wenigftens aus dem daran ftofsenden Haff in die 
Flüffe und kehren, nachdem fie ihren Laich abgefezt haben, wieder zurück. Die- 

D a 



a) Dafs diefe wirklich Zähne find und nicht, mich das Einlegen der Kinnladen ins Wafler ge- 
wie Artedi glaubt, nur fägeförmige Knochen, lehrt, wo fie durch das Einweichen (Macei-iren^ 
(offa ferrata et dura pro denübus. Gzix. p. 3.) hat heraus gefallen find. , 



S8 Ziveeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondere. 

fes Gefclecht ift unter allen das zahlreichste: allein in unferer Mark find mir bereits 
zwei und zwanzig Arten bekannt geworden, von welchen verfchiedene in dem Linnäi- 
fchen Sysftem nicht vorkommen, wie die Güfter und andere mehr. 

ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Karpfen insbefondere. 

ERSTE ART 

DIE PLOETZE. 

Ite Taf. 



i Plötze, F m Dre i ter Karpfen , mit fafranfarbenen Augenringen und zinnoberrothen Bauch -After- 
und SchwanzfloiTen. Br. 16. B. 10. A. 15. S. 30. R. 12. 

Cyprinus latus ; iride crocea, pinnis veiitralibus, anali caudaque cinnabrinis. P.XVI. 
V. X. A. XV. C. XX. D. XII. 

Cyprinus iride, pinnis Omnibus, caudaque ru- Cyprinus oblongus, cauda vix lunulata, dorfo 

bris. Arreä. gen. p. 3. n. 2. Syn. p. 4. n. 3. convexo, pinna dorfaii ventralibus rcmotiore, 

Spec. p.9. n. 2. maxilla inferiore longiore. Gronov. Zoophyl. 

Rutilus Leske Spec. p. 64. n. 14. I. p- 107. n. 340. 

Brama, pinnis Omnibus cum cauda rubris, dorfaii Erytbrophthalmus bramis affinis.# 7 z7/ag/jfc.p.249. 

nigricante, lateribus flavedine tin£Hs, fupra li- Tab. Q^ 3. fig. 1. 

neam argenteam punftatam ex fufco coerule- Rubellio. Schwenckfeld Theriotr. p. 434. 

fcens, infra lineam lateralem argenteus totus, Rubellus Marfil. IV. p. 39. Tab. 13. f. 4. 

iquamis amplis ftriatis, dorfo et ventre mox The Rud. Pennant. p. 363. n. 170. 

a vertice et agula in ovatam figuram arcuatis; Das Rothauge. Müll. L. 'S. 4. S. 393. 

capite parvo, longitudine pedem vix fuperans. — — Mayers Thierb. 2. S. 15. Tab. 53. 

Klein Pifc. M. V. p. 63. n. 5. t. 13. f. 2. Die Plötze Wulff '.Ichthyol, p. 46. n. 60. 

Cyprinus Erythrophtalmus. Cyprinus pinna ani — — Richter Ichth. S. 821- 

radiis XV. pinnis rubris. Linn. p. 530. n. 15. — — Birckholtz Fifchb. S. 16. 

— ■ — Kram, elench. p. 393. n. 9. Der Weifsfifch Flemm. Jagerb. S. 446. 

— — Müll, prodrom. p. 51. n. 437. — — Döbels Jag. Pract.4ter Th.S. 84- 

Die Plötze gehört zu den Karpfenarten, welche breit und kurz find. Sie ifl mit 
orangefarbenen Augenringen und inkarnatrothen Bauch- After- und Schwanzflofien verfe- 



Zwceter Abfchaitt. Von den Karpfen imbejondere. 29 

hen, hat in der Bruftfloffe fechszehen , in der Bauchfloffe zehen, in der Afterfioffe vier- 
zehen, in der Schwanzfloffe zwanzig, und in der Rückenfloffe eilf Strahlen. Diejenige, 
die ich vor mir habe , ift zehen Zoll lang, drei und ein halben Zollbreit, fünf viertel Zoll 
dick und wägt 20 Loth. Der Kopf ift im Verhältnifs gegen den Körper klein und vorne 
ftumpf. Die Kinnladen find gleich lang, jedoch ragt die untere gekrümmte bei offenem 
Munde vor der öbern etwas hervor. Die Nafenlöcher find weit und den Körper bede- 
cken grofse dünne filberfarbene Schuppen. Oberhalb der Rückenfloffe endigt ficht der 
Rücken in eine Schneide, unterhalb derfelben aber ift er rund und von fchwarzgrüner 
Farbe; Die Bruftfloffe ift braunroth-und die Rückenflofre, welche in einer gröfsern Ent- 
fernung vom Kopfe abfteht, als die Bauchfloffe, grünlich und roth eingefafst. Die Sei- 
tenlinie fängt am Genick an, macht eine Beugung nach dem Bauche, endigt fich am 
Schwänze, und hat auf jeder Seite dreifsig erhabne Punkte. Die Seiten find über der 
Linie gewöhnlich von einer grünlichen und unter derfelben von einer gelblichen, der 
Bauch felbft aber von einer Silberfarbe. 

Die Plötze ift einer von unfern gemeinftert Fifchen. Man findet fie in der Mark 
Brandenburg und in Pommern, in Seen und Flüffen, die einen fandigen Grund haben. 
Vormals war diefe Fifchart in der Gegend der Oderbrüche fo häufig, dafs, weil fie nicht 
alle verfflbert werden konnten, man die Schweine damit mäftete. a) Die Plötze vermehrt 
fich ftark und kann daher zur Nahrung für den Zander, Barfch, Hecht und die Forelle 
mit Vortheil eingefetzt werden, und da ße überdem ein hartes Leben hat, fo läfst fie fich 
gut verfahren. Ihre Laichzeit fällt im April und wenn zu diefer Jahreszeit die Witte- 
rung warm ift, fo wird das Laichen in 3 — 4 Tagen geendigt. Sie ftreicht an allerhand 
Wafferkräutern , und diefen Umftand machen fich die Fifcher zu nutze, indem fie Pfähle 
in Form eines Kreifes ins Waffer einfchlagen, in felbigen hölzerne Reufen legen und die 
fe mit Heidekraut bedecken. Der Fifch fchiefst von felbft in die Reufen hinein, aus 
welchen er aber zurück geht, wenn man fie nicht bald wieder aushebt. Da die 

D 3 

a) Beckm. Gcfchicht. d. Churm. itcrTh. S. 365. 



30 Zweeter Abschnitt. Vm den Karpfen, insfoßiidciv. 

Plötze ühren Rogen nicht mit einemmahl, fondern nach und nach von fich giebt; fo liegt 
hierinnen ohnftreitig die Urfache ihrer ftarken Vermehrung : denn wenn auch durch kal- 
te Witterung und Ueberfchwemmung ein Theil der Eier umkommt, fo wird doch der 
andre erhalten. In einem Fifche von zwanzig Loth wog der doppelte Eierfack 7 Quent- 
gen und enthielt ungefähr 91720 gelbe Eier. Um die Laichzeit werden auf den Schup- 
pen der Männchen kleine., harte und fpitzige Auswüchfe Achtbar, die aber nach der 
Streichzeit wieder verfchwinden. Diefer Fifch ernährt fich, wie die mehreften feines Ge- 
fchlechts, von Würmern, Wafferinfekten und Grundkräutern, er felbft aber dient dem 
Hechte, Barfch, Zander und den Wandervögeln zur Nahrung. Man fängt ihn das ganze 
Jahr hindurch, am häufigften aber in der Streichzeit mit der Angel, dem Garne, der 
Cabbe, dem Porte und mit Reufen. Die Plötze wird nicht grofs, erreicht kaum die 
Länge eines Fufses und feiten hält fie ein Pfund am Gewicht. Gewöhnlich ift fie in der 
Laichzeit und im Winter mager, im Sommer aber fett und von einem weifsen wohlfchmc- 
ckenden Fleifche, zumal wenn fie noch jung ift: fie wird aber dem ohnerachtet der vie- 
len Gräten wegen nur von Leuten von niedrigem Stande genoffen. Da fie auch eben 
nicht fehr fett wird, fo giebt ihr Fleifch ein gefundes Nahrungsmittel ab. Meiftentheils 
wird fie mit einer Zwiebelbrühe zubereitet. Diefer Fifch in- übrigens einer mit von 
denenjenigen, in deffen Unterleibe man zuweilen den Fick a) .antrift. 

Die Plötze hat in jeder Kinnlade zwo Reihen etwas gekrümmter und fägeförmi- 
ger Zähne, davon in der vordem 5 und in der hintern 3 kürzer find. Der Darmka- 
nal hat zwo Beugungen, der Rückgrad 57 Wirbelknochen und jede Seite 16 Ribben. 
In Anfehung der übrigen Eingeweide kommt fie mit den anderen diefes Gefchlechts 
überein. 

Die Plötze ifl in der Churmark, Pommern, Sehlefien und Preufsen unter diefem 
Namen bekannt. In Sachfen, Oefterreich und im Reiche nennt man fie Rothauge ; in 
Holland Ruifch und Rietvooren; in England Rud und Finfcalej in Schweden Sarf; in 
Dännemark Skalle und Röd - Skalle; in Norwegen' Flah-Roie; in Pohlen Ploc und 
Plotka und in Ungarn Szaryketeg. 

a) Befchäftig-unget» 4ter Band S. 549. 



Z'ivecter Abfchnitt. Von den Karpfen inshefondcre. 31 

Die älteren Ichthyologen gedenken diefes Fifches ohne Zweifel deswegen nicht, 
weil iie ihn mit dem Rothauge , ^der grofsen Aehnlichkeit wegen, für eine Art gehalten 
haben. Schwenckfeld war der erfte, welcher die Plötze im Anfange des fiebenzehnten 
Jahrhunderts a) von dem Rothauge unterfchied; jene befchreibt er unter dem Namen 
RubelliO) Rothauge, Rö'tteln, Plötze b), und diefes unter der Benennung Erythrinus , Roth- 
feder c). Die eigentlichen Ichthyologen, welche auf ihm folgten, haben den Unterfchied 
bei den jezt erwähnten Fifchen nicht bemerkt und unter diefe gehört Aldronand, Schöne^ 
feld und Jonfion. Gegen das Ende des angeführten Jahrhunderts trennte Willughby bei- 
de Fifche wieder, indem er die Unterfcheidungszeichen davon angab : unfere Plötze nennt 
er Erythrophtkalmus d), das Rothauge aber Rutilns. Ihm haben wir auch die erfte, 
wiewohl fchlechte Zeichnung von der Plötze zu verdanken. Artedi e) fagt zwar, dafs von 
diefen Fifchen noch keine Zeichnung vorhanden wäre, allein er mufs fie wohl blofs über- 
fehen haben: denn unbekannt lind ihm die Zeichnungen des Willughby nicht gewefen, 
da er fie in feiner ichthyolo gifchen Bibliothek S. 48. anführt. Die Zeichnung, welche 
hierauf Marfili lieferte, ift nicht viel beffer. Getreuer ift die, welche uns Klein f), 
Meyer g) und Pennant gegeben haben: die Müllerfche h) aber wieder fchlecht. 

Gronovsi) Citata find zum Theil unrichtig, denn der von ihm' angeführte Gef- 
nerfche Fifch ift das Rothauge und der Kleinifche die Giebel : Wulffs k) Allegaten aber . 
lind alle falfch; denn kein einziger der angeführten Schriftfleller hat unter den erwähn- 
ten Namen die Plötze verftanden. 



a) Anno 1603. f) Miff. pifc. V. Tab. XIII. fig. 3. 

b) Teriotroph. p. 44$. g) Thierbuch. 2. Tab. 53. 

c) 1. c. p. 430. b) L. Syft. IV. Tab. II. fig. 5. 
d; Ichthyol, p. 249. i ) Zoophyl. I. p. 107. n. 340. 
e) Synonom. p. 5. k) Ichthyol, p, 46. n. 60, 



Rothau- 



3* Zweeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondert, 

DAS ROTHA.UGE. 

Ute Taf. „ - 

Rothe Augenringe, rothe Floffen, vierzehn Strahlen in der Afterfloffe. ßr. 15. 
B.9. A. 14. S. 20. R. 13. 

Cyprinus iride, pinnis omnibus rubris et in anali radiis XIV. P. XV. V. IX. A.XIK. 
C. XX. D. XIII. 

Cyprinus iride, pinnis vcntris ac ani plerumque Cyprinus Rutilus Wulff \dn\iyo\.. p. 45. n. 59. 

rubentibus. Artedi Gen. p. 3. 11. 1. Syn. p. 10. Roach Penn. zool. Brit. p. 365. n. 173. 

n. 18- Spec. p. 10. ri. 3. Erythrinus Schwenckf. Theriot. p. 430, 

Cyprinus oblongus, cauda lunulata: dorfo con- Rotten Gefn. Thierb. V. 167. 

vexo,pmna dorfall ventralibus oppofita: maxil- Rutilus f. Rubellus fluviatilis. Gefn. p. 821. N«- 

la fviperiore paulo longiore. Gronov. Zoopb. menclat. p. 289. %• 2. 

p. 107.11. 338- Muf. 1. p. 2. n. 8- Variet. £. ■ — — Charlet, onomafHc. p. 158. n. 20. 

Act. hclvet. 4. p. 268- n. i83- — — AUrov. p. 621. 

Xeucifcus dorfo et pinna dorfi ex coeruleo fufcis, , — — Jonfl. p. 130. 

reliquis cum cauda rubris , caeterum argentcus, — — Willughb. p. 262. 

capite et operculis brancbiarum ex argento et RothflofTer Müller L. S.S. 232. Tab. VI. %. 4. 

auro variegatis, iride aurea. Klein Pifc. M. V. Rothfeder Döbel Jag. Pradl. 4ter Theil. S. 84- 

p. 67. n. 9. t. 18. f 1. Rothauge Rieht. Ichthyol. S. 821. 

Cyprinus Rutilus, pinna ani radiis XII. rubieun- • — ■ — Birklioltz .Fifch. S. 18- 

da. Linn. S. N. p. 529. 11. 16. 

Das Rothauge unterfcheidet fich durch feine rothen Floffen, Augenringe und 
den 1 2 Strahlen in der Afterfloffe- Diefer Fifch hat in der BruflfloiTe 1 5 , in der Bauch- 
floffe 9, in der Afterfloffe 14, in der Schwanzfloffe ao, und in der Rückenfloffe 13 Strahlen. 

Die Kinnladen deffelben find gleich lang und die Lippen roth; die Nafenlccher 
dicht an den Augen. Bei noch jungen Fifchen diefer Art ift der Augenring nur ober- 
wärts und auch die Floffen von röthlicherFarbc. Den Körper bedecken breite Schuppen, der 
Rücken ift rund und grünlich fchwarz: die Seiten und der Bauch aber filberfarbig. 
Die Seitenlinie macht eine Beugung nach dem Bauche zu und hat $6 Punkte. Die Bruft- 
Rücken - und Schwanzfloffe haben eine braunrothe, die Bauch- und Afterfloffe aber eine blut- 
rothe Farbe. Die Rückenfloffe fleht der Bauchfloffe grade gegenüber, und die Schwanz- 



Zwcster Abfrfmitt. Von den Karpfm insbefondcre. 33 

flofle hat eine gabelförmige Geftalt. Diefer Fifch macht den Uebergang von den breiten 
zu den fchmalen Karpfen: denn der Kopf ift kleiner, als bei den fchmalen, gröfser als 
bei den breiten Arten, und der Körper weder fo breit, als bei lezterer, noch fo 
fchmal, als bei erfterer, Diefer Fifch wird nur ein oder höchftens ein und ein halbes Pfund 
fchwer. Er verlangt zu feinem Aufenthalte ein reines Waffer und einen fandigten oder 
merglichten Grund, und aus diefer Urfach findet man ihn fo wohl in unferen grofsen 
Landfeen, als in den Flüffen. Vor der Eindämmung der Oderbrüche ward er auch in 
fo grofser Menge gefangen, dafs man in den da herum belegenen Fifcherdörfcrn die 
Schweine damit mäftete. a) Seine Laichzeit fällt ohngefähr in die Mitte des Mays. In 
hiefiger Gegend, wo dieFifcher faft auf allen Gewäffern den Fifchen nachftellen, laicht 
er gröfstentheils nur in der Mittagsftunde, während dafs jene ihre Mahlzeit verzeh- 
ren : denn er ift der fchlaufte von allen unfern Landesfifchen und verbirgt fich, fo lange 
er noch jemanden auf dem Waffer merkt, in der Tiefe. In Seen, die man nur feiten 
behTcht, machen die Rothaugen nach Herrn Lands Beobachtung b) zur Laichzeit einen 
Zug in folgender Ordnung: Voran zieht ein Theil derfelben ein Paar Tage früher, 
als Vortruppen und diefer beft cht, welches merkwürdig ift, aus lauter Milchern ; hierauf 
folgen die Rogener und alsdenn wieder Milcher. Es ift artig anzufehen , wie fie in Glie- 
dern, Rotten und Abtheilungen, als Soldaten im Marfche geordnet, erfcheinen. Jede 
Rotte enthält Fifche von gleicher Gröfse, die dicht an einander fchwimmen, 10, 20, 50, 
IOO, in einer Reihe. Bisweilen wird diefe ihre Ordnung durch Schrecken oder andre Urfa- 
chen unterbrochen , welches jedoch ein feiten er Fall ift. Sie ftellen indeffen felbi°-e in kur- 
zer Zeit wieder her, und fuchen die mit Wafferkräutern bewachsne Stellen oder Tannenrei- 
■fige, welche man in verfchiedenen Gegenden ins Waffer legt, auf, um ihren Laich daran 
zu laffen. Er vermehrt fich ftark, hat grünliche Eier, deren in den beiden Eierfäcken, wel- 
che anderthalb Loth wogen, an 8457° befindlich waren, welche gefotten eine rothe Farbe 
annehmen; und da er ein hartes Leben hat, läfst er fich zur Nahrung für die Fleifchfreffen- 
den Fifche mit Vortheil einfetzen. Er dient auch dem Waffer, feiner fchönen Farbe we- 

a) Beckm. Churm. 1 Th. S. 563. b) Schwed. Abhandl. 23t«- B. S. 184. 

E 



34 Ziveeter Abßmitt. Von den Karpfen inshefondere. 

gen, zu einer Zierde. Man fängt ihn am häufigften zur Laichzeit, jedoch nur mit Mü- 
he, inReufen, aufser derfelben aber mit dem Garne, Porthe und der Cabbe: auch beifst 
er an die Angel. Sein weifses^ Fleifch in: fchmackhaft, aber mit gabelförmigen Gräte» 
durchflochten, und daher nur eine Speife für den gemeinen Mann: weil er jedoch weder 
fett noch fchleimicht ift, fo läfst er fich leicht verdauen. Zur Speife dienen ihm die Grund- 
kräuter und Wafferwürmer, und feine Feinde find alle Raubfifcharten undWaffervögel. Das 
Rothauge hat nur eine einfache Reihe und zwar in jeder Kinnlade fünf Zähne, die auf den 
Seiten plattgedrückt und an der Spitze gekrümmt find. Der Darmkanal hat zwo Beugun- 
gen , und die übrigen inneren Theile find wie bei den übrigen diefes Gefchlechts befchaf- 
fen. Bis jezt habe ich in demfelben keine Würmer bemerkt. 

In verfchiedenen der hiefigen Gegenden nennt man diefen Fifch Plötze und dem 
vorher befchriebnen Rothauge. In Preufsen, Pommern und der Mark ift er unter dem 
erwähnten Namen bekannt,- plattdeutfch aber heifst er Rodo, in Sachfen Rotkauge und 
Rothehe, im Magdebur gifchen Rothfiedcr, im Reiche Rotkßoßer, in Holland Voorn, in 
SchwedenMnjfrf, in Norwegen Räf halle unäFles-Roie, inDännemark Rudf kalte, in England 
Roach , in Frankreich Rojfe in Italien Piota, in Pohlen Jotz und Gacica. Da das Rothau- 
ge mit der Plötze von den altern Naturkündigern für einerlei, von verfchiedenen neuern 
aber nur für eine Nebenart gehalten wird ; fo ift es nicht undienlich, die Zeichen anzufüh- 
ren, wodurch fie fich voneinander unterfcheiden. 

i) Die Plötze ift mehr dünn und breit ; der Körper des Rothaugen aber geftreckter 

und der Rücken runder geformt. 

2) Der Kopf der letztern ift gröfser und die Augenringe find roth; bei erfterer aber 
der Kopf kleiner und die Augenringe orangefarben. 

3) Bei der Plötze haben die Bauch- After undSchwanzfioffen einefehr ftarkeZinnober- 
röthe, fo wie auch die dünne Haut zwifchen den Strahlen roth ift; beim Rothauge 
hingegen ift die Farbe dunkler und die Zwifchenhaut bräunlich. 

4) Beim Rothauge find die Schuppen gröfser und beftehen auf jeder Seite aus 36 
Reihen; bey der Plötze aber nur aus 30 und. die Schuppen find kleiner. 



Ztveeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondert. 3 5 

5) Das Rothauge hat nur zwölf, die Plötze aber fünfzehn Strahlen in der Afterfloue. 

6) Bei diefer fleht die Rücken flofle entfernter vom Kopfe ab, als beimRothauge. 

' - 7) Es lehrt auch die Zergliederung diefe Fifche von einander zu unterfcheiden; denn 
die Plötze hat eine doppelte, das Rothauge aber nur eine einfache Reihe Zähne und 
der Rückgrad befleht bei diefen aus 44 und bei jener aus 37 Wirbelbeinen. 
8) Das Rothauge ift weit fchüchterner als die Plötze und daher weit fchwerer als jene 
zu fangen; die Laichzeit fällt bei jenem in den Mai und bei diefer im April. 

Anfänglich hielt Gronov das Rothauge nur für eine Abänderung der Plö- 
ze a) in der Folge aber hat er es als eine eigne Art betrachtet b) er citirt jedoch da- 
zu den Pigus des Raji unrichtig, welches die verfchiedene Laichzeit und Gräfte be- 
weifet. Dies gilt auch von denAllegaten des Wulff c) welcher hier denjenigen Fifch 
anführt, der be'unLinne undSchwenkfeld die Plötze ift. 

DIE NASE. 
Illte Taf. 
Der Bauch inwendig fchwarz. Br. 16, B. 13. A. 1 5. S- 22. R. 12. . 

Cyprinus abdomine intus nigro. P. XVI. V. XIII. A. XV. C. XXII. D. XII. 3 . >j a f e . 

Cyprinus plnna ani radiis 14, roftro prominente. Nafus hXhtxtiJonflon. p. 138. Tab. 26*. %. 15. 
Linn. S. N. p. 530. n. 2,1. Nafus pifeis Schivenkf. Thcriorroph. p. 419. 

— roftro nafiformi, maxillis imberbibus, ab- Schnapper oder Schwarzbaucli Rieht, ichthyol. p. 
domine interne nigro. Kram, elench.p. 394. 235. & p. 8.31. 

n. Ia . Die Nafe Mayer, Thierb. ater Th. p. 3. Tab. XI. 

Die Nafc Gem. Thierb. p. 170. b. Der Nafenfifcb Müll. L. S. 4. S. 394. 

Nafus Gww.Aquat. p. 620. & Nomenclat. p. 306. Cyprinus roftro nafiformi prominente, pinna ani 

Marfl. 4. p. 9. Tab. 3. ofliculorum quatuordeeim. Artedi gen. p. 5. n. 

Nafus Alberti Aldrouand. p. 610. 15- s 7 n - P- 6 - n - 9- Gronov idem. Muf. p. I. 

— . — Charlet. p. 156. n. 10. n. 147. 

fVillughb. p. 354. Tab. Q^ 10. flg. 6. Cyprinus obkmgus roftro nafiformi prominen- 

E » 



a) Muf. 1. p. 2. n. 8- variet. d. c) Ichtb. p. 46. n. 61-. 

b) Zoophyl. p. 107. n. 338. & A£la belvet. p. 
p. a68- n. 283- 



36 Ziveeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondere. 

te, pinna dorfali ventralibus oppofita, cauda bi- dorfali, ventralibus, ani & cauda pallide fu- 
furca. Gronov. Zoophyl. p. 105. n. 33a. Act. fcis; iride lutea, intra amplum circulum fü- 
ll elvet. 4, p. 268. n. 184. fcum. Klein Pifc. M. V. p. 66. n. 5. Tab. XVI. 
Leuciscus, pinnis brancbialibus flavicantibus; fig. I. 

Die Nafe unterfcheidet fich durch das fchwarze Bauchfell a) von den übrigen Fi- 
fchen diefes Gefchlechts und diefer Farbe wegen hat fie auch an einigen Orten den Namen 
Schreiber b), Schwarzbauch c) erhalten : fie ift aber auch zugleich die Urfach dafs viele aus 
Eckel fie nicht effen mögen. In der Bruftfloffe hat fie 16 , in der Bauchfloffe 13 , in der 
Afterfloffe 15, in der Schwanzfloffe 22, und in der Rückenflofle 1 2 Strahlen. Die drei 
erfteren find röthlich, die letzteren aber fchwärzlich. Die Rückenflofle fleht der Bauch- 
floffe, an welcher eine Mittelflofle fichtbar ift, gegen über. Sonderbar ift es, dafs, wie ich 
wenigftens an dem Fifche, welchen ich vor mir hatte, wahrnahm, der Theil der Schwanz- 
floffe, welcher zunächft'am Rücken fleht, die Farbe der Rückenflofle, der andre hinge- 
gen die röthliche Farbe der Bauchfloffen hatten. 

Diefer Fifch gehört zu den länglichten Karpfenarten, und hat dem obern vor dem 
untern hervorftehenden und in eine ftumpfe Spitze fich endigenden Kiefer wahrfcheinlicher 
Weife den Namen Nafe zu danken. Der Mund fitzt unten und feine Oefnung geht in die 
Quere, er ift verhältnismäfsig klein und aufgefperrt, von einer viereckigen Geftalt. Das 
Genick ift breit und fchwarz, das Auge grofs, mit einem fchwarzen Stern und der Ring um da£ 
felbe filberfarben, ins Gold fpielend. AndemKörper, welchen grofse Schuppen bedecken, ift 
der Rücken etwas gekrümmt und fchwärzlich. Die Seiten find unterhalb der gegen den 
Bauch zu fich neigenden Seitenlinie, fo wie auch letzterer, filber farbig. 

Diefer Fifch hielt ein Pfund am Gewicht, doch trifft man auch manchmahl einige an, 
von anderthalb bis zwey Pfund fchwer, und in diefem Falle haben alle Floffen gewöhn- 



n) Peritoneum. fchwarzen Infekten und Schlamm die er frefTen 

b) Gesn. Thierb. Seit. 170. foll bekäme; fo würde folgen, dafs auch die Kü- 

c) Wenn es wahr wäre, dafs diefer Fifch, wie he inwendig grün fein müfsten , weil fie grüac« 
Richter behauptet, feine fchwarze Farbe von den Gras freflen.- Rieht. Ichth. S. 235. 



Ziveeter Abschnitt. Von den Karpfen insbesondere. 37 

lieh eine graue Farbe. Die Strahlen in den Floffen theilen fich, die zwei erften Strah- 
len ausgenommen, an den äufferften Enden in acht Zweige. 

Diefer Fifch hat gewöhnlich in den Tiefen grofser Seen feinen Aufenthalt, tritt 
aber im Frühjahr in zahlreichen Gefellfchaften in die Flüffe. Seine Laichzeit fällt in 
April und er giebt feinen Laich in der Tiefe von fich, indem er fich gegen die, von der 
Gewalt des zuftrö'menden Waffers, entblöfsten Steine andrückt. Die beiden Eierftö'cke def-- 
felben wogen zwei utfd ein halbes Loth, die Eier hatten eine weifslichte Farbe, in der 
Grö'fse des Hirfefaamens und ihrer waren an fiebentaufend neunhundert beifammen. 
Die Männchen bekommen in der Laichzeit auf dem Körper und den Floffen fchwarze Fle- 
cke, in deren Mitte man hie und da kleine erhabene Punkte, jedoch nur bei jungen, wahr- 
nimmt. Er wird um diefe Zeit mit Reufen, Netzen und Angeln gefangen. Man findet ihn 
in der Weichfei, Oder, Elbe und dem Rhein, am häufigften im Frühjahr: jedoch geht er 
nicht wie andre aus diefen grofsen in die kleinern damit verbundenen Flüffe, und ift, we- 
nigstens bei uns, eine wahre Seltenheit. Er hat übrigens ein weiches, füfses Fleifch, wel- 
ches mit kleinen Gräten durchwebt ift und daher wenig geachtet wird. Da ihn nur 
gewöhnlich der gemeine Mann kauft, hat man ihn in einigen Gegenden den Namen Schnei- 
derßfch beigelegt. Man kocht ihn im Salzwaffer und geniefst ihn alsdann mit Eflig, in- 
deffen ift er doch gebraten vorzüglich fchmackhaft. Er lebt, wie die übrigen diefes Ge- 
fchlechts von Würmern und Kräutern. 

Diefer Fifch hat in jeder Kinnlade fechs, auf den Seiten, zufam mengedruckte und 
in einander eingreifende Zähne. Ich fand den Darmkanal deffelben mit mehrern Beu- 
gungen verfehen und von einen Fufs und drey Zoll in der Länge, und zählte bei ihm lg 
Ribben und 44 Wirbelbeine. Die übrigen Theile feiner Eingeweide weichen von den Ein- 
geweiden andrer Fifche diefer Art nicht ab. 

Albertus magims machte diefen Fifch zuerft unter der Benennung Nafus bekannt» 
und er kommt daher auch bei den Ichthyologen unter dem Namen Nafus Älberti vor. In 
den mehreften Provinzen Deutfchlands belegt man ihn mit der Benennung Nafe oder Oesling. 
In Pommern heifst er Schnäper und Schwarzbauch; in, Danzig Schneiderfifch ; in Oeftcr- 

E 3 



3 8 Zweeter Abfchnitt. Von den Karpfen imbefondere. 

reich Näftling, wenn er aber nicht über ein halbes Pfund wägt, Weifsfifch; in Italien 
wird er Savetta und in Ferrara befonders Sueta genannt. 

Marfili giebt uns auf der dritten Tafel zwo Abbildungen von diefem Fifche, wovon 
der fchmale das Weibchen, welcher aber im Grunde weiter nichts, als ein noch junger 
Fifch diefer Art ift, vorteilen foll: denn die Rogener find, wenn fie fich mit dem Mil- 
chcr in einem gleichen Alter befinden, allezeit breiter. 

Auch Klein a) hat drei Abbildungen deffelbcn geliefert, wovon die zwote eben- 
falls das jWeibchen feyn foll; allein diefer Fifch ift kein anderer, als die Zärthe. Denn 
fein vermeintes Weibchen hat in der Afterfloffe 22 Strahlen: dahingegen fich bei feinem 
Männchen nur 1 5 angezeigt finden 5 auch find bei jenem die Schuppen kleiner und die 
Rückenfloffe vom Kopfe weiter entfernt, als bei feinem Milcher: lauter Kennzeichen, 
welche die Zärthe von der Nafe unterfcheiden. 

D I E Z Ä E R T H E. 
IVte Taf. 



Zärthe. Der obere Kiefer hervorgehend; 23 Strahlen in der Afterfloffe. Br. If.B. II. 

A. 23.S.20. R.I3. 

Cyprinus maxilla fuperiore prominente, pinna ani radiis viginti tribus. P.XVII.F.XI. 
4- XIII. C. XX. D. XII. 

Cyprinus Vimba, pinna ani radiis XXIV. roftro p. 8- n. 13. Cyprinus roftro nafiformi , dor- 

nafiformi. Linn. Syft. Nat. n. 25. p. 531. fo acuminato, pinna ani officuloram viginti 

Lcucifcus , dorfo fubfufco piilnis branchiali- quätuor: Id. 1. c. p. 14. n. 32. 

bus fupina parte rutilis paueo coeruleo admix- Cyprinus Vimba Müll. Prodrom, p. 51. n. 440. 

to; maculis magnis albicantibus ; pupiUa ni- — Zerta, ovalis fubteres, fubfufeus; roftro 

gra } linca punftis fufeis defaipta; pinna poft nafiformi, iride viridi albaque; pinnis fla- 

aimm ao radiorum; in faueibus dentatus, ore ' vefeentibus; vertebris quadraginta dua- 

edenralo. Klein. Pisc. Miff. V. p. 65. n. 3- bus - Leske f P c - P- 44- **< 6- 

Cyprinus capito anadromus diäus. Arteä. Syn. Meernafcn Gem. Thierb. S. 180. 



a) Miff. P .Tab. XVI. 



Zivcetcr Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondere. 39 

Cspito anadromus Gww.Nomenclat. p. 323. et Pa- Capito anadromns Marfil, rWp. 17. Tab. 6. 

raup. p. 11. ' — ' ■ — Schwenckf. Theriotroph. p 447. 

— — Aldrov.and.y. 513. — — /f«/,^ Ichthyol, p. 45. 11. 59. 

— — ■ lonßon p. 109. tab. 23. %. 5- — — Rieht. Ichthyol, p. 23. [34. et %1Q. 

— — Charlet. p. 151. n. 8- Die Zärthe Birckholtz Fifch. S. 24. 

— — JVillughb. p. 257. Die Wimba. Müll. L.S. 4. S; 397. 

"Die Zärthe ift ein etwas breit und nicht fonderlich dicker Fifch und unterfchel- 
det fich von den übrigen diefes Gefchlechts durch den hervorftehenden Oberkiefer und 
den 23 Strahlen in der Afterfioffe. Man zählt in feiner BruftflofTe ftebenzehn, in 
der BauchfiofTejii , in der AfterflofTe 23, in der Schwanzfloffe ao und in der Rücken- 
floffe 12 Strahlen; diefe fteht etwas weiter vom Kopfe als die BauchflofTe entfernt. Der 
Kopf ift klein und keilförmig; der obere Kiefer,; welcher abgeftumpft ift, fteht in der 
Geftalt einer Nafe vor dem untern hervor. Die Mundöfnung ift rundlich, das- Auge 
grofs, und der Stern deffelben von einer bläulichen, fein Ring oberwärts von einer 
ftrohgelben und unten einer grünlichen Farbe. Die Schuppen find verhältnifsmäfsig 
nur klein. Der Rücken ift zwifchen dem Kopfe und der FlofTe fcharf, der übrige Theil 
aber rund, von bläulichter Farbe und etwas gekrümmt. Die Seitenlinie macht eine Krüm- 
mung nach dem Bauche zu und ift mit gelben Punkten befetzt. Die Seiten find, oberhalb 
diefer Linie, bläulich und unterhalb derfeiben,. fo wie am Bauche, filberfarbig. 

Die Zärthe ift ein Zugfifch und fteigt gegen Iohanni aus der Oftfee öder zum 
wenigften aus dem daran ftofsenden Haff in die Oder, und aus diefer in die Ihnaund War- 
me. Sie fucht in diefen FiüiTen diejenigen Stellen auf, wo der fchnellfliefsende Strom die 
Steine vom Sande entblofst hat, reibt fich an felbigen und giebt dafelbft ihren Laich von 
fich. Die Zärthe wird einen Fufs lang und die ich unterfuchte wog anderthalb 
Pfund und ihr Rogen, welcher ohngefähr 28&OO Eier von der Grofse des Mohnfaamcns 
enthielt, anderthalb Loth. Man fängt fie um die Laichzeit häufig mit Sencken und Zugne^ 
zen, befanders bei Landsberg an der Warthe und Küftrin, auch b'eifst fie an die Angel, att 
die man einen Regenwurm gefleckt hat : aufs er der Laichzeit aber laffen fie fich nur feiten 
hafchen. Sie vermehrt fich ftark, liebt reines Waffer, und einen kiefigten und fandigten. 
Grund , lebt, wie die übrigen diefes Gefchlechts, von Grundkräutern und Würmera, 



40 Zweeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbesondere. 

w'ächft langfam, hat ein zartes Leben und fleht daher aufser dem Waffer bald ab. Sie läfst 
fich leicht in folche Seen verfetzen, die einen tiefen und merglichtea Grund haben, wie der 
Erfolg der von dem Herrn von der Marwitz angeftellten Verfuche fättfam gezeigt hat a). 
Ihre Feinde find der Wels , und der Hecht bemächtigt fich ihrer wenn fie noch jung ifr. 
Ihr Fleifch ift weifs, fehr wohlfchmeckend und wird zum Theilfrifch, zum Theil marinirt 
genofTen, im erftern Falle kocht man Üq gewöhnlich im SalzwafTer und auch mit Bier und 
Zwiebeln : vorzüglich ift fie gebraten eine fehr fchmackhafte Kofi. Sie wird gröfstenthcils 
marinirt weit und breit verfendet. Man legt fie nämlich auf einen Roft über glü- 
hende Kohlen, läfst fie ein wenig braten, packt von denfelben hernach 5 — 8 Stück, 
nachdem man zwifchen ihnen Lorbeerblätter gelegt, in ovalrunde Fäfschen und begiefst fie 
mit abgekochtem, erkaltetem fcharfen Efsig, und auf diefe Weife hat man fchon feit 40 
Iahren in Landsberg an der Warthe diefe Fifche zubereitet und verfchickt. 

Diefer Fifch hat in jeder Kinnlade eine Reihe von 5 Zähnen, auf jeder Seite 17 
Ribben, im Rückgrad 42 Wirbelbeine und fein Darmkanal zwo Beugungen. 

Die Zährte ifl in Preufsen , Schießen und der Mark unter dem angeführten Namen 
allgemein bekannt, ausgenommen bei Dramburg an der Drage, wo fie Gilfe genannt wird b). 
Ich habe fie indeffen aus Weftphalen und aus Schießen unter dem Namen Nafe erhalten, 
welchen fie auch im Oefterreichfchen führt c). In Schweden heifst fie Wimba und in Dännc-' 
mark Flire und Blikke. 

Da die Zärthe wegen des ftumpfen Oberkiefers, welchen fie mit der Nafe gemein 
hat, fowohl im gemeinen Leben, als auch bei den Schriftstellern bald verwechfelt, bald 
für einerlei Fifch gehalten wird ; fo will ich ihre Unterfcheidungszeichen zuerft feflfetzen 
und dann die Schriftfteller berichtigen. 

Bei der Nafe fitzt der Mund in die Quere und bei der Zärthe in die Länge; letztere 
zeigt bei aufgefpemem Munde eine runde, die erfle aber eine viereckigte Oefnung. 
Die Nafe hat in der Afterfloffe nur 15, die Zärthe hingegen 23 Strahlen: Auch hat jene 
Mittelfloffe, welche diefer fehlt. Ich habe bereits- angemerkt, dafs die Nafe innerhalb 

a) Befchäftig. IV. S. 13. c) Mariil. 4. p> 17. 

b) Bekm. Churm. 1 Th. S. 575. 



Zwecter Abfchnitt. Von den Karpfen insbe fonder e. 41 

des Bauches fchwarz fei, die Zärthe hingegen einen Silberglanz habe; ferner dafs bei diefer 
der Darmkanal nur zwo, bei jener aber mehrere Beugungen habe, auch dafs fie ihren Laich 
zu verfchiedenen Zeiten von fich geben und dafs die Schuppen bei der Nafe gröfser find, 
als bei der Zärthe. 

Was die Schriftsteller anbetrifft, fo ift dabey zu ihrer Berichtigung folgendes an- 
zumerken : 

i) Läfstfich aus dem Angeführten nicht nur der Zweifel des Willughby a) heben; fon- 
dern auch die Frage des Artedi b) Kleins c) und Kramers d) ob die Zärthe und Nafc 
nicht einerlei Fifch fei? verneinend beantworten. 
3) Dafs Artedi unfere Zärthe unter zwo verfchiedenen Nummern aufgeführt habe, 
einmahl unter der Benennung Caput anadromus e) und alsdenn als einen fchwedifchen 
Fifch f) unter dem Namen Wimba. Ferner folgt daraus : 

3) Dafs der Cyprinus Vimba beim Linne* eigentlich kein fchwedifcher , fondern 
ein in Deutschland bekannter Fifch, nämlich unfre Zärthe fei, welche die altern Ich- 
thyologen unter dem Namen caput anadromus befchrieben haben. Sollte jemand hier- 
an zweifeln, der vergleiche die Befchreibung des Artedi und des Linne von der Wimba 
und diejenige welche die Schriftsteller vom caput anadromus machen, mit derjenigen, 
welche ich von der Zärthe gegeben habe; fo wird er die Uebereinftimmung beyder 
mit einander leicht wahrnehmen. Auch zieht Linne g) das was Krämer von der Nafe 
fagt h), dafs iie nämlich inwendig fchwarz fei, unrichtig auf feine Vimba. 

4) Statins Müller i) und der Verfaffer des Artickels vom Karpfen im neuen Schauplatz 
der Natur k) rechnen fogar die Schwarze Farbe mit zu den Kennzeichen der Vimba. 

5) Dafs das vermeinte Weibchen von der Nafe heim Klein kein Weibchen diefes Fifches, 
fondern die Zärthe fei, erhellt aus dem, was ich hierüber oben bei der Nafe ange- 
merkt habe. 

a) Ichthyol, p. 057 f) 1. c. p. 14. n. 32. 

b) Synonhn. p. 8. n. 13. g) Sytt. Nat. XII. p. 531. n. 25 

c) Miff. P. V. p. 66. h) 1. c. 

dj Elench. p. 394. n. 12. i) L. S. IV. S. 391. 

c) loc. cit. k) Listen Band S. 411. 

F 



42 Zivceter Abfchnitt. Von den Karpfen insbesondere. 

6) Auch die Leskifche Frage : a) ob unter der Vimba des Linne und Artedi, ungleichen 
unter der dritten Species der Kleinfchen WeifsnTche, unfre Zärthe zu verliehen fei^ 
kann ich nicht anders 'als bejahen. 

7) Wulff 'b) hat zu feiner Zärthe alle Schriftfteller, den Schwenckfeld ausgenommen, 
unrichtig angeführt. Endlich ift noch, 

8) zu bemerken, dafs der Verfaffer des Artikels Cj'prinus capito anadromus in dem 
voM'ändigen Lexikon der Naturgefchichte ganz unrichtig Tagt c), dafs Gefner, 
Jonßon, Willughby, Artedi, Gronov und vermuthlich auch Linne die Nafe nur 
für eine Spielart von diefem Fifche angegeben hätten, da doch Gefner d) bei- 
de Fifche ausdrücklich unterfcheidet und den einen unter dem Namen Nafen, 
und den andern unter den Benennungen Meernafen, Elbnafen, und Zert, befchreibt. 
Er fagt von erftrer, dafs fie fich beftändig in der Elbe aufhalte und ein verachte- 
ter Fifch fei: dafs aber letztere aus dem Meer in die Elbe fleige und ein wohl- 
fchmeckendes Fleifch habe. 

DER D E B E L. 

Vtc Taf. 
, - ■ ' Ein fchmaler Karpfen, mit eilf Strahlen in der After - und Rückenfloffe. Br. 15. 

5- DöbeL E.9.A.11.S.18. KU. 

Cyprinus oblongus pinna ani dorfalique radiis XI.P.XV. V. IX. A. XL C XVIII. D.XI. 

Cyprinus Dobula pinna ani dorfalique radiis 10. Cyprinris pedalis gracilis oblongus craffiufculus, 

Linn. Syft. Nat. p. 528- n. 13- dorfo craffo, pinna ani ofliculorum 9. Ar- 

— — — Müll. Prodrom, p. 50. n. 432. ted. Syn. p. 10. n. 17. 

— Jefcs, pedalis fuhteres, fubflavusj iride _ pmiia a ni radiis undeeim, pinnis albenti- 
varia, pinna ani dorfalique radiis undeeim; bus Corpore oblongo teretiufeulo ; tu- 
vertebris 39. Lest Spec. p. 38- n. 6. berculo ininaxilla fuperioremobili. Kram. 

Leucifcus, fpithamae longitudinis , fquamis ma- clench. p. 394. n. 10. 

iusculis, in dorfo furvis et quafi viridibus ".'„'....' \ ^' ', ■ «1 

Capito fluviatihs 1. Iqualus minor. Aidrov. p.603. 
ex coeruleo eolludentibus; argenteis inla- 

teribus. Klein. M. Pifc. V, p. 66. n. 5 - — - ~ — WÜl«gh& V . 261. 

— feeunda fpecies Rond. P. 2. p. 192. Squalus minor. Schiuenckf. p. 446. 



a J Spec. p. 44. Onom. H. N. III. B. S. 574. 

b) Ick. p. 45. n. 59. i) Thifrb. S. 180. 



Zmeeter Abfchnitt. Von den Karpfen inshefoniere. 45 

Der Hafele Gefn. Thicrb. p. 170. Der Häfsling Rieht. Ichth. p. 899, 

Der Döbel Döb. Jag. Pra<ä. 4. p. 77. — — Mey. Thierb. 2. f. 26. Tab. 93. 

Der Döbel ift ein fchmaler und länglichter Karpfen, mit 11 Strahlen in der Af- 
ter- und Rückenfloffe. In der Bruftfioffe find 15, in der Bauchfloffe 9, und in der Schwanz- 
floffe 18 Strahlen befindlich. Der Kopf ift ftumpf, oben breit und grau fchwarz, der 
obere Kiefer vor dem untern etwas hervor ragend und die Nafenlöcher höher als das 
Auge, welches einen fchwarzen Stern, einen gelben Ring und oberwärts einen grünen 
Fleck hat. Der Rücken ift rund und von einer grünlichen Farbe; die Schuppen find 
von mittlerer Gröfse und am Rande mit fchwarzen Punkten befprengt, welche den glän- 
zenden Schuppen unterm Mikrofcope ein reizendes Anfehen geben. Diefer 
Fifchift über der Seitenlinie grünlich und unterhalb derfelben von einer Silberfarbe, wel- 
che ins blaue fchielet. Die Seitenlinie macht eine kleine Beugung nach dem Bauche zu, 
und ift mit gelben Punkten befezt. Die Bruftfioffe ift gelb, die Bauch-und Afterfloffe 
roth, die Schwanzfioffe bläulich und die Rückenfloffe grünlich: bei den jungen Fi- 
fchen diefer Art, find fie aber alle weifs. Der Döbel wird nicht grofs; fo trifft man 
Ihn in der Havel nicht über 10 Zoll lang an, in der Spree hingegen bisweilen von einem 
bis anderthalb Pfunden fchwer. Er liebt 'ein reines Waffer, einen merglichten oder 
fandigten Grund, hält fich in den Tiefen grofser Seen auf und fteigt im Frühjahr in die 
Flüffe. Er laicht von der Mitte des Märzes bis zur Mitte des Maymonats, in welcher 
Zeit die gröfsern früher, die kleinern aber ihren Laich fpäter an den Steinen in dem 
Strome abfetzen. Die Männchen bekommen zu diefer Zeit, befonders wenn fie noch jung 
find, fchwarze Flecke auf dem Körper und den Flofifen. Man fängt diefe Fifchart, zu- 
gleich mit den übrigen Fifchen, in Garnfäcken und Netzen , vorzüglich in der Laichzeit. 
Diefer Fifch lebt auffer von den Grimdkräutern, auch von Würmern, und es läfst fich daher 
auf ihn angeln. Nach des Herrn D. Trolles Beobachtung fucht er vorzüglich die klei- 
nen fchwarzen Blutigel und die weiffen jungen Schnecken, die am Gräfe hangen, auf. a) 
Er hat ein zartes Leben und fteht daher aufferhalb dem Waffer bald ab. In Seen ohne 

F 2 

a) Richter Ichth. S. 234. 



44 Zwteter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondere 

beträchtliche Tiefen, kommt er im Sommer bei fchwüler Luft in die Höhe und flirbr, 
wenn jene eine Zeitlang anhält. Sein Fleifch ift weichlich und grätig, und wird daher 
nur von weniger Bemittelten gefacht und mit einer Zwiebel- oder Butterbrühe zubereitet 
genoffen: weilindeffen fein Fleifch zu den mehreflen Zeiten weder zu fett noch fehlet- 
micht ift; fo giebt er ein nicht ungefundes Nahrungsmittel ab. Da er mit den Zandern 
und Forellen ein gleiches Waffer zu feinem Fortkommen nöthig hat; fo kann man ihn 
denfelben zur Speife mit einfetzen. Die Vermehrung diefes Fifches geht nur langfam 
von ftatten : denn man fängt ihn, fo gar in der Laichzeit, in unferer Gegend nur feiten. 
Diefe Fifchart führen die Oder, Elbe, Wefer und der Rhein, wie auch die damit in Ver- 
bindung flehenden Flüffe. Der Fifch, den ich unterfuchte, wog 9 und die beiden Eier- 
flocke, welche an 26460 grünliche Eier von der Gröfse des Mohnfaamens enthielten, 
ein und ein viertel Loth. In jeder Kinnlade flehen zwo Reihen mit gekrümmten Spitzen 
yerfehener Zähne, davon in der vordem 5 und in der hintern a befindlich find. Der 
Darmkanal hat nur zwo Krümmungen, die Galle ift fehr bitter, der Rückgrad mit 40 
Wirbelbeinen und der Fifch auf jeder Seite und 15 Ribben verfehen. 

Der Döbel kommt unter mehr als einer Benennung vor. An einigen Orten bei 
uns heifst er Döbel, Sanddöbel, Diebel, Tievel, Ehrl undSandehrl: ift er noch jung, fo 
wird er wegen feiner ungefärbten Floffen Weifsdöbel und im Alter, da feine Floffen roth 
find/ Rothdöbel genannt. In Preuffen heifst er Diebel, Tabelle undTabarre; in Pom- 
mern und Schlefien Häfsling und Weifsfifch ; in Sachfen Mefsling; in verfchiedenen Ge- 
genden an der Elbe Dobeler und Maufebeiffer; im Hollfteinifchen Dover; im Oefte*- 
reichfehen Hafel; in Strafsburg SchnotthTch oder Schnattfifch; in Dännemark Hes-Sele, 
Hesling; in Frankreich Dard, Darceau und Vandoife. 

Bei mehreren Fifchen diefer Art habe ich jederzeit 1 1 Strahlen in der Afterfloffe 
bemerkt und liegt die Urfach, warum Artedi a) nur 9 angiebt, im Mangel eigener Unterfu- 
chung. Denn da diefer Fifch in Schweden nicht einheimifch ift, fo nahm er hier den WH- 
hghby, der nur neun Strahlen bemerkte, b) blos zu feinen Führer an, ein Umfland der fo 

z) Arted. gen p. 5. n. 13. Synon. p. 5. n. 4. \>) khife. p. z6l. 
Spc. n. 13. 



Ziveeter Abßmitt. Von den Karpfen insbefondere. 45 

oft eintrifft als er fleh in die Notwendigkeit verfetzt fleht, aus Mangel eigener Beobachtung, 
fle nach dem Willughby zu beflimmen, welcher die kleinen Strahlen am Ende der Flößen 
nicht mit gezählet hat, wie bei der Barbe, der Nafe und anderen mehrern. 

Unter denFifchen der Donau, welche Marfili befchreibt, a) führt er auch einen un- 
ter dem Namen Hafel, cephalus fluviatilis , Jeu Squaliis minor Gesneri mit auf, der, wenn an- 
ders die Befchreibung richtig wäre, unfer Döbel fein müfste: allein die Abbildung zeigt, dafs 
nicht unfer Fifch, fondern die Laugele des Gesner, oder der Leuciscus des Linne darunter zu 
verliehen fei. Wulff b) führt zu diefemFifche unrichtig den Aland des Schwenckfeld und die 
Orfe des Richters im, 

DER ALAND. 
VI. Taf. 

Der Körper ftark, der Kopf dick, abgestumpft., und die AfterflofTe mit vierzchen 
Strahlen verfehen. Br. 16. B. 9. A. 14. S. 20. R- 1 1. 

Cyprinus corpore et capite craffb, rofiro rotundato y pinna ani radüs XIV. P. XVI. 
V. IX. A. XIV. C. XX. D. XI. 

Cyprinus Iefes pinna ani radüs, 24, roftro rotun- Cyprinus cubitatis pinna ani ofliculorum quatuor« 

dato Linn. S. N. p. 530. n. 20. decim Arteä. Syn. p. 7. n. 11. 

— - Dobula fubteres cinereo flauescens; iride Leuciscus, dorfo craffo, carinato; lateribus pref- 

varia; pinna dorfi anique radüs duode- fis; pinnis tempore hyemali furventibus , et 

cim ; vertebris 40. Lest fpec. p. 34. n. 5. tempore generationis rubentibus. Klein. MiflT. 

Capito f. cepbalus fluviatilis Rondel P. 2. p. 190. P. V. p. 68- n. 13. 

Capitofluviat coeruleus Gem. Nomencl. p. 304. lentling Gern: Thierb. S. 169. b. 

Aquatil. p. ißa. Paralip. p. 9. Gok Rieht. Ichthyol. S. 821. 

■ — — — Aldrov. p. 603. — Wulff. Ichthyol, p. 47. 

„ _ __ Willughb.y. 256. Tab. Qj/J.fig. 3. — Fletnm. S..437. 

'— — — Schwenckf. Theriotr. p. 423. Aland Birckh. Fifch. S. 1. 

— - — — Marß. 4. p. 53. tab. 18. fig. 1. Bratfifch Müll. L. S. 4. S. 394. 

Den Aland oder die Göfe erkennt man an dem Harken Körper, dem dicken und 

abgeftumpften Kopfe und den 14 Strahlen in der AfterflofTe. In der Bruflfloffe zählt man 

[ F 3 

*J Dan. IV. tab. 4. fig. 2. b) iclith. p. 44. n.,58. 



6. Alant 



46 Ziveeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbeßmdere. 

fechszehn, in der Bauchfloffe neun, in der Schwanzfloffe zwanzig, und in der Rückenflcffc 
eilf Strahlen. Die Stirn ift breit und fchwärzlieh und die Nafenlöcher ftelien hüher als die 
Augen, welche letztere grofs find, einen bläulich -fchwarzen Stern haben, den ein gelber 
Ring umgiebt. Der Kiemendeckel ift blau und der Rücken von diefcr ncmlichen Far- 
be, die Seiten find bläulich, oberhalb der Linie ins gelbe und unterhalb derfelben ins filber- 
farbne fpielend. Die Schuppen diefes Fifches find grofs und am untern Rande mit einer 
blauen Einfaffung verfehen- Die Seitenlinie läuft in einer ziemlich geraden Richtung fort, 
und ift mit 58 gelbbraunen Punkten befetzt. Die Rückenfloffe ift bläulich und fteht eben 
fo, wie beim vorhergehenden und folgenden Fifche, in einem weitern Ab ftande vom Kopfe 
ab, als die Bauchfloffe. Die Schwanzfloffe ift breit, nur wenig gabelförmig, grau und mit ei- 
ner blauen Einfaffung. Die After- Bauch- und Bruftfloffen find von hell violetter Farbe; 
über der Bauchfloffe ift eine Mittelfloffe zu fehen. 

Der Aland ift ein Stromfifch, fchwimmt fchnell, und ift dadurch im Stande den 
Nachftellungen des Hechts und anderer Raubfifche zu entgehen. Er hält fich da am lieb- 
ften auf, wo der Zug des Waffers am fchnellften ift und man findet ihn daher häufig bei den 
Sandhügeln und Mühlen a),wo er auch am leichteften mit der Angel gefangen werden kann, 
wenn man fich. der eingeweichten Erbfen zur Lockfpeife bedienet. 

Diefer Fifch wird kurz vor und nach Oftern, als zu feiner Laichzeit, häufig mit 
Garnfenken und Netzen gefangen. Er giebt feinen Laich im März und April von fich, 
und zwar auf die nemliche Art, wie die vorher befchriebenen Fifche. Seine Laichzeit dau- 
ert gewöhnlich acht Tage : fobald der Fifch aber merkt, dafs kalte Witterung einfallen 
werde, ift fie fchon innerhalb drei Tagen geendet. Der Aland wächft zu einer beträchtli- 
chen Gröfse heran: denn man fängt zu Zeiten welche von 8 — IO Pfunden. Sein Fleifch 
ift fett; mit Gräten durchflochten und nimmt gekocht eine gelbe Farbe an. Er wird, wie 
der Karpfen, mit Bier gekocht, oder gebraten mit Efsig und Oehl, oder auch mit einer Brü- 
he aus Senf , Kapern und Wein , verfpeifet; ferner giebt er , wenn er nicht zu grofs ift, wie 
die Zärthen marinirt, eine wohlfchmecken.de Speife ab: jedoch ift dieler Fifch wegen fei- 



a) Dies hat zu der Benennung Meunier^vcmh er im franzofifchen beie-gt wird, Anlafs gegeben. 



Zivceter Abfchnitt. Von den Karpfen imbefondere. 47 

nes fetten und weichlichen Fleifches nicht fo leicht, als die vorhin hefchriebenen Fifche zu 
verdauen. Er hat ein ziemlich zähes Leben vermehrt fich ftark, und wächfl: nur langfam: 
denn ein Iährling von diefer Fifchart, hat kaum drei Zoll Länge. Man findet ihn das 
ganze Lahr hindurch. in der Oder, Spree und den übrigen mit ihnen in Gemeinfchaft fle- 
henden WafTern. Der Aland hat in jeder Kinnlade acht Zähne in zwöReihen, davon die 
fünfe in der vordem grofs und die in der hintern klein find. Bei einem diefer Fifche, 
welchen ich unterfuchte^ waren in der untern Kinnlade, ftatt gewöhnlicher Zähne, nur drei 
hervorragende Spitzen fichtbar: da nun die übrigen alle grofs waren, fo entfieht hieraus 
die wahrfcheinliehe Vermuthung, dafs auch bei den Fifchen das Wechfeln der Zähne 
ftatt finde. Bei diefem Fifche welcher anderthalb Pfund fchwer war, wog der Rogen fünf- 
zehn und ein Viertelloth und es befanden fich darin 92720 gelbliche Eier, von der Gröfse 
des Mohnfaamens. Sein Rückgrad enthält vierzig Wirbelknochen und achtzehn 
Ribben auf jeder Seite. Der Darmkanal hat fo wie bei den vorhergehenden Fifchen zwo 
Beugungen. In Anfehung der übrigen Eingeweide fo wie auch der Nahrung kommt er 
mit den vorherbefchriebenen Fifchen überein. 

Diefer Fifch kömmt unter verfchiedenen Benennungen vor. In unferer Mark 
heifst er Aland ; in Pommern und Preufsen Göfe , Iefe; in Sachfen fo lange er noch klein 
ift Döbel, Giebel und wenn er grofs ift Dickkopf und Bratfifch; in Oefterreich bis zum 
Gewichte von anderthalb Pfund Gengling, in der Folge Bratfifch; .in Ungarn Devercke- 
fegi j in Frankreich Viiain und Meunier. 

Der Aland wird oft, mit dem Döbel verwechfelt, von welchen er fich jedoch durch 
den ungleich dickern Kopf und die Stärke des Körpers unterfcheidet: denn jener wird acht 
bis zehn Pfund fchwer, und hat die Breite eines Karpfen : dahingegen diefer fchmal ift und 
nie über anderthalb Pfund wägt. Aufserdem hat der letztere kleine und runde, der Aland 
aber breite und grofse Schuppen. Noch hat der Döbel eine grünliche der Aland aber eine 
bläuliche Farbe. Endlich unterfcheidet auch die Anzahl der Strahlen in den Floffen diefe 
beiden Fifche voneinander. Beckmann macht aus den Aland und der Göfe ohne Grund 
zween verfchiedene Fifche a). 
g) Churm. 1. B, S. 574. n. 3. S, 575* 



48 Zweeter Abfchnift. Von den Karpfen insbcfonderc. 

DER R A A P F E N. 
VUte Taf. 

Der Unterkiefer gekrümmt und hervorflehend ; in der Afterfloffe fechszehen Strah- 

Raapfen.^ 0, ^r. 2 °- ^- 9- A. l6. S. 20. R. II. 

Cyprinus maxilla inferiore incurvato, pinna anali radiis XVI. P. AT. V. IX. A. XVI. 
C. XX. D. XI. 

Cyprinus Afpius C. pinna ani radiis i5, maxilla Cyprinus maxilla inferiore longtore cum apice 



inferiore longiore incurva. Linn. S, N. 
p. 530. n. 22. 

pinna ani ofliculis fedecim ; maxilla infe- 
riore longiore incurva ; pinnis pe£toralibus 
ventrales non attingentibus Kram. p. 391. 
n. 4. 



elevato , pinna ani officulorum quindecimr 
Arted. Gen. p.ö.'n. 19. Syn. p. 14. n. 31. 
fpec. p. 14. n.5. 
— magnus craflus argenteus: longitudine 
ad latitudinem quintupla Arted. fyn. p. g. 
n. ia. 



Rapax. ovatus fubcompreflus coerulefces; Leuciscus argenteus ; longitudine ad latitudinem 



iride varia; pinnis rufcscentibus pinna 
ani rediis quatuordecim ; vertebris quadra- 
ginta quatuor Lesk. fpec. p. 56.11. 12. 

Capito fluviatilis Rapax Gesn. Paralip. p. 9. No- 
mencl. p. 305. 

__ _ _ Aldov. p. 504. 

_. — — lonfl. p. 154. t. 20. f. 8- 

— — — Willughb. p. 256. 



quintupla, carne ariftis plena; mandibula in- 
feriore longiore; pupilla albida; Hnea in ven- 
trem valde curvata; cauda furcata. Klein. Ri*. 
M. V. p. 65. n. 1. 

Corvus fluviatilis Schwenk/, p. 423. 

Rappe Gesn. I>eut. S. 170. 

Rapen Rieht. Ichtb. S. 889. 

Raape Döb. lag. -4. M. S. 67. 
Marßl. Danub. IV. p. 20. Raapfe Birckh. S. 18. 

t. 7. f. 2. Krummkiefer Müll. L. S. 4. S. 395. 



DenRaapfen erkennt man an dem bogenförmigen, bei offenem Munde, hervorge- 
henden Unterkiefer, deiTen Spitze gebogen indenAusfchnitt des Oberkiefers, bei verfchlof- 
fenemMunde, einpafst, und den fechszehn Strahlen in der Afterfloffe. In der Bruftfloffe 
find zwanzig, in der Bauchfloffe neun, in der Schwanzfloffe zwanzig grofse nebft zwölf 
kleinen und in der Rückenfloffe eilf Strahlen befindlich. Der Kopf ift keilförmig geftal- 
tet, im Verhältniffe zum Körper nur klein und die Mundöfnung grofs. Die Augen find 
von mittlerer Gröfse, ihr Stern fchwarz, und der Ring der oberwarrs mit einem grünlichen 
Streifen verfehen ift, gelb. Das Genick ift breit, dunkelblau und die Farbe des Kieme«- 



Zweeter Alfchuitt^ Fon den Karpfen hube[ondc¥t. 49 

deckeis ift eine Mifchung von blau, gelb und grün. Der Rücken ift von fchwärzlicher 
Farbe, nahe am Kopfe breit, und übrigens rund; die Seiten find von bläulich weiffer 
Farbe; die Schuppen und Seitenlinie wie beim Aland bcfchaffen, ausgenommen dafs 
erftere etwas kleiner fallen. Bei noch jungen Fliehen diefer Art habe ich eben fo viel 
'mit der Seitenlinie parallel laufende Linien wahrgenommen, als Reihen von Schuppen 
vorhanden waren. Die Rücken- und Schwanzfloffe find blau; die Bruft- Bauch- und Af- 
terfloffe bläulich, mit etwas Roth vermifcht: bei jungen aber find leztere gelblich und 
erftere grau. Der Raapfen gehört zu denenjenigen Flufsfifchen, welche zu einer beträcht- 
lichen Gröfse heran wachfen : denn es ift, wenigftens in hiefiger Gegend, nichts feltenes 
einen Raapfen von zehen bis zwölf Pfunden anzutreffen. Er macht gewiffermaffen den 
Uebergang von den Grund- zu den Raubfifchen; denn er lebt wie erftere von Kräutern 
und Würmern, verzehrt aber auch Fifche, wie leztere: da er jedoch nicht mit einem 
fo grofsen Rachen verfehen ift, als die privilegirten Räuber unter den Wafferbewohnern, 
fo mufs er fich mit kleinen Fifchen begnügen. Er liebt reinen Grund, hält fich gern 
inFlüffen auf, die kein fchnellfliefsendes Waffer haben, und läfst feinen Laich gegen das 
Ende des Märzes an den Steinen im Grunde zurück. Er hat ein weiffes und wohlfchme- 
ckendes Fleifch , welches auffer der Laichzeit fett ift und die Eigenfchaft hat, dafs es 
zum Verdrufs der Köche, während des Kochens, zerfällt. Fs ift übrigens mit vielen kleinen 
Gräten durchflochten, und giebt, weil es weichlich und fett ift, für einen fchwächlichen Ma- 
gen nicht die befte Speife ab. Der Raapfen hat ein zartes Leben, ift daher nicht zum 
Verfetzen tauglich, undwächft fchnell. In Anfehung der Zähne gilt eben das, was ich 
oben beim Aland angeführt habe. Der Darmkanal hat drei Beugungen, der Rückgrad 
vier und vierzig Wirbelbeine und auf jeder Seite achtzehen Ribben. Wenn diefer Fifch 
noch klein ift, wird er nicht feiten eine Beute der Raubfifche : in der Folge aber übt er 
das Vergeltungsrecht an andern aus; befonders weifs er die Uekeleien fo zufammen 
zu treiben , dafs er ihrer leicht habhaft werden kann. In der Laichzeit und im Herbfte 
fängt man ihn am häufigften und zwar mit Nezen und Garnfäcken, auch mit der An 
gel , an welcher ein kleiner Fifch befeftigt wird. Man findet ihn in der Mark, 
Pommern und Preuffen : befonders wird er dafelbft im Curifchen - und im 

G 



go Ziveeter Abfchnitt. Von den Karpfen ins bt ' fonder e. 

frifchen Haff häufig gefangen. In Schießen nennt man ihn Rappe; in Sachfen Rappe, 
Aland und Raubalet; in Preußen Rapen; in Oefterreich Schied ; in Schweden Afp und 
in Norwegen Blaa-Spöl. 

Artedi führt diefenFifch unter zwo verfchiedenen Nummern auf; einmal als einen 
bey denlchthyologen bekannten a) und dann als einen fchwedifchen Fifch b) : allein wenn 
man feine Befchreibung mit der meinigen vergleichet, fo wird kein Zweifel übrig bleiben, 
dafs unfer deutfcherRaapfe und jener fchwedifche Afp nicht ein und derfelbe Fifch feyn foli- 
te. Da nun Linni diefen vermeinten fchwedifchen Fifeh unter dem Namen Cyprinus Afpius 
bekannt gemacht hat; fo können die oben angeführten SchriftMler ficher zu diefen 
Fifch gezogen werden. Wulff a) citirt unrichtig den cephalus des Linne als Raapfen und 
Pennant hat ßch dadurch verleiten laffen a unfern Raapfen und feinen chubb) (cephalus) 
für einerlei Fifch zu halten. 

DIE ALANDBLECKE. 

Cyprinus bipun&atur. 
VHIte Taf. flg. I. 

= i Eine rothe Seitenlinie mit einer doppelten Reihe fchwarzer Punkte; fechszehen 

*• A1mi3- StraUen in ^ Afterfloffe# Br> I3 . b. 8- A. 16. S. 20. R. IO. 

blecke. 

Cyprinus linea laterali rubra, punetis nigris in dnplici ferie omata; pinna ani ra~ 

diis fedeeim. P.XIII. V. VIII. A. XVL C. XX. D. X. 

Diefer Fifch unterfcheidet fich an den fechszehn Strahlen in der Afterfloffc und 
an der doppelten Reihe fchwarzer Punkte auf der rothen Seitenlinie": nach diefem leztern 
Kennzeichen habe ich ihn BipurMatus genannt. In der BruMoffe zählte ich drei- 
zehen, in der Bauchfloffe acht, in der Afterfloffe fechszehen, in der Schwanzfloffe , wel- 
che gabelförmig ift, zwanzig und in der Rückenfloffe zehen Strahlen. Die drei erfteren 
Floffen haben eine röthliche, die Schwanz- und Rückenfloffe aber, welche leztere vom 

a) Synon. p. 8- n. id. S) Ichthyol, p. 43. 

1 b; i &. p. 14. n. 31. e ) Zo ° l Brk - P- 3 6 8- 



Ziveeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondere. £1 

Kopfe weiter entfernt ift, als die Bauchuoffe, eine grünliche Farbe. Diefer Fifch, wel- , 
eher unter die Klaffe der breiten Karpfen gehört, hat /einen verhältnifsmäfsig grofsen 
Kopf, welcher fonfl nur den fchmälern zukommt. Sein Oberkiefer fleht etwas hervor; 
das Auge ift grols , hat einen fchwarzen Stern, gelben Ring und oberwärts einen grünli- 
chen Fleck. Die Backen find blau, fpielen ins filberfarbne und der bogenförmig ge- 
bildete Rücken ift dunkelgrün ; die Seiten find oberhalb der Linie grünlich -weifs und un- 
terhalb, fo wie auch am Bauche, filberfarben. Der Körper ift mit kleinen fchwarz punk- 
tirten Schuppen befezt und die Seitenlinie macht eine Beugnng nach dem Bauche zu, und 
ihre fchwarzen Punkte, die neben dem weifTen Grunde und der rothen Linie flehen, ge- 
ben dem Fifche ein reizendes Anfehen: die rothe Farbe der Seitenlinie aber verliert 
fich bei diefen Fifchchen, wenn fie in Behältern flehen oder abflerben. 

Die Alandblecke kommt nur in fließenden Waffern fort, die [einen fandigen oder 
kiefigten Grund habem Ihren Laich abzufetzen, welches im May gefchieht, fucht fie, 
um fich an den kleinen Kiefeln reiben zu können, die fließenden Stellen, aiuTer der Laich- 
zeit aber hält fie fich an der Oberfläche des WafTers auf. Ich fand bey ihm eine fo grof 
fe Menge Eier , dafs der Rogen beinahe fo viel wog, als der Fifch felbll. Sie waren fo 
klein, dafs ich nicht vermögend bin, eine beflimmte Anzahl derfelben -anzugeben. Es 
hat diefe Fifchart erfl feit einiger Zeit fich in der Wefer a) eingefunden und wahrfchein- 
licher Weife vermehrt fie fich fehr flark, da man fie darin häufig und zwar mit 
Netzen und der Angel fängt. Diefes Fifchchen würde fich recht gut zur Nahrung 
für Forellen fchicken, da es mit ihnen, zu feinem Fortkommen, einerlei Waffer nöthig 

G 2 

&) Ich kann nicht umhin, meinem gelehrten dünnen Körper, und daher belegten die Alten 

Freunde, dem Herrn Hofrath und Doctor Opitz alle "breite Fifche mit dem Namen Blicke, (Auch 

zu Minden meinen öffentlichen Dank abzuftat- bei der Läuterung des Silbers fügt man: Blick 

ten, -welcher mir, unter andern, auch diefen im machen, wenn das Silber, in Geitalt einer dünnen 

Linneifchen Syftem nicht bemerkten Fifch über- Platte, auf die übrigen Metalle anfeztj Durch den. 

fandt hat. So viel den Namen diefes Fifches an- Zufatz Aland aber wird er von dem ihm ähnlichen 

betrifft, fo rührt er ohnftreitig von Aland und Ueckeley, wekhe dort Mayblecke heifst, un- 

Btick her. Bück bezeichnet einen breiten und terfchieden. 



5a Zweeier Abjlhuitt. Von den Karpfen insbesondere'. ' 

hat. Da es nur klein iß, fo bemächtigen fich feiner alle Arten der fleifchfreiTenden Fl- 
iehe und es lebtj wie die übrigen des Karpfengefehlechts, von Grundkräutern und Wür- 
mern. Sein Fleifch ift weifs, wohlfchmeckend und, der kleinen Gräten, mit welchen es 
durchwebt ift, ohnerachtet, fo wohl gefotten als gebraten eine fchmackhafte Speife, um 
fo mehr, da es fich mit den kleinen Gräten verzehren läfst. Der Darmkanal hat 
zwo Beugungen, der Rückgrad 33 Wirbelbeine und 15 Ribben auf jeder Seite. 

Ob diefer Fifch den altern Ichthyologen und unter dem Namen des großen [chup- 
pichten Bambelen a) bekannt gewefen , läfst fich aus den mangelhaften Eefchreibungen 
und fchlechten Zeichnungen derfelben nicht genau beftimmen. Die Marfilifche Zeich- 
nung des Fifches, der bei ihm Reislaube heifst, hat zwar mit dem unfrigen viel Aehn- 
lichkeit, b) allein daer feine Zeichnung felbfl für ungetreu ausgiebt und auch feine Be-' 
fchreibung auf unfern Fifch nicht pafst; fo erhellt daraus,, dafs der feinige von einer 
andern Art gewefen feyn muffe. Des Herrn Leske Elritze c) würde ich mit der Aland- 
blecke für einen und ebendenfelben Fifch halten, da feine Befchreibung ziemlich zu un- 
ferm Fifche fich pafst : allein aus den SchriMellern, welche er bey diefer Gelegenheit an- 
führt, ergiebt fich; dafs er nicht die Alandblecke,, fandern die Elritze vor fich gehabt, 



HER BITTERLING. 

Cyprtnus Amarus. 
VHIte Tat fig. 3, 

' " ; t . ■ ■ Sieben Strahlen in der Brufl-und Bauchfloffe Br. 7, B. 7, A.n. S. 20. R. 10. 

Cyprinus* pinnis peäoralibut ventralibusque ojficulis fepttm. P. V1L V, VILA.XI. 
CXXD..X. 



a): Gefii. Tlüerb. S. 158- Phoxinus fquamo- b) Danub. IV. Tab.. 18. %• 3- Phbxinus 1. 
fus major. Willughb. p. a68>- Jonfton p. 144. p.. 54. 
Tab. 2j. fig. 5. c> Specim.. p. 47* 



Ziveeter AbfcliMirt. V ou acä Karpfen insbefonderr. 53? 

Der Bitterling ift unterm Karpfengefehlecht der kleinfte Fifch und unterfchcidet 
fich von anderen durch die neben Strahlen in "der Bruft- und Bauehfloffe. In der After- 
floffe hat er eilf, in der Schwanz fioffe, die kleinen mit ge&echnet, dreifsig, und in der 
Rückenfloffe zehen Strahlen. Diefes Fifchchen gehört zu den breiten Karpfenarten: 
denn es wird nicht über zween Zoll lang und doch über einen halben breit und ift, wie 
beinahe alle kleine Fifche, durchfichtig. Der Kopf des Bitterlings ift klein und keilför- 
mig; die Kinnladen find gleich lang; die Augen klein, ihr Stern fchwarz und der Ring 
\xm diefelben oberwärts von rother und unterwärts von gelber Farbe. Die Kiemendeckel, 
find gelblicht, die Schuppen verhältnifsmiifsig grofs und durch das Handglas betrachtet,, 
nimmt man darauf fchwarze Punkte wahr. Der Rücken hat eine grüngelbe Farbe und 
ift oberhalb der Rückenfloffe fcharf und unterhalb derfclben rundlich. Die Seiten find 
über der Linie gelb und unter derfelben und am Bauche filberfärben. Nahe am Genicke 
macht diefe eine Beugung nach dem Bauche zu^ ift fchwärzlich , zunächfl am- Schwänze 
aber von einer ftahlblauen Farbe. Die Bruft- Bauch- und Afterfloffen find röthlich, die 
Schwanz- und Rückenfloffe. aber grünlich. Der Bitterling liebt reines flieffendes Waffer 
mit einem fandigten Grunde,, und man findet ihn nur in Flüffen oder in folchen Seen, 
durch welche ein Flufs geht, als in dem ohnweit Köpenick belegenen Müggelfee. Die* 
fer Fifch fchmeckt bitter, ein Umftand der ohne Zweifel zu feiner Benennung Gelegen- 
heit gegeben hat, und. wird daher eben nicht verfpeift.. Da alfo die Fifcher eben kein 
Geld dafür löfen,. fa ift er auch kein Gegenfland ihrer Aufmerkfamlceit, und das ift der 
Grund, warum ich von feiner Laichzeit keine Nachricht bekommen konnte. So viel habe 
ich indeffen gefehen, dafs er viel Rogen hat, welcher fehr zarte und weiffeEier enthält, 
deren Anzahl ich aber, ihrer Feinheit wegen, nicht erforfchen konnte. Ohngeachtet des 
vielen Rogens, welchen diefer Fifch hat, und obgleich die Menfchen ihn, feiner Bitterkeit 
wegen > nicht auffuchen, fo nimmt man doch keine ftarke Vermehrung bey ihm wahr. 
Ohne Zweifel verzehren ihn, da er nur klein ift, alle Arten Fleifchfreffender Fifche.. Die 
Eingeweide find eben fo, wie bei den übrigen diefes Gefchlechts befehaften, alliier dafs 
fich auf Jeder Seite^ 14 Ribben und imRückgrad 30 Wirbelbeine befinden,. 

6 a 



io. Uecke- 
ley. 



54 Zivccter Abfc'mitt. Von den Karpfen ins'hefondere. 

Bei den neueren Schriftftellern finde ich keine Befchreibung, welche zu unferm 
Fifche fich pafste. Anfänglich glaubte ich, -dafs er wegen feiner Durchfichtigkeit des 
Linne Jp'hj/a a) fey: allein bei näherer Unterfuchung haben mich nicht nur die verfchie- 
dene Anzahl der Strahlen in den Fioffen, fondern auch die Befchreibung in feiner Fau- . 
na b) hinlänglich überzeugt, dafs er ein von dem unfrigen ganz verfchiedenes rundliches 
Fifchchen vor fich gehabt habe. Ueberhaupt giebt die Durchfichtigkeit bei den kleinen 
FIfchen kein Kennzeichen ab, weilfieinsgefammt,fo lange üe jung find,; das Licht durchfallen 
laffen. Richter c) gedenkt eines dergleichen, welches er Bütterling, Elritze und Wet- 
terfifchlein nennt: die Angabe der Farben aber, und die Anzahl der Strahlen in den Flof- 
fenbeweifen, dafs er unfern Bitterling nicht gemeint habe. Birclüioltz d) hingegen, der 
mir mit wenigen Worten eines kleinen Fifchchens, unter dem Namen Bitterling, erwähnt, 
fcheint ihn gekannt zu haben Mir ift es wahrfcheinlich, dafs unter Rondelets kleinern 
Phoxinus e) und unter dem kleinern fchuppichten Bammele f) des Gcfners und des Phoxi- 
Kusfquamofus g) des Jonfiou unfer Fifchchen zu verftehen fey. 

DER UECKELET. 
VHIte Taf. fig. 4. 

: Der Unterkiefer hervorgehend; ein und zwanzig Strahlen in der Afterfloffe. Br. 

14. B. 9. A. 21. S. i8- R- 10. 

Cypt'iniu maxilla inferiore prominente; pinna am radiis XXL P.XIV.VJX. A.XXL 

cxmi.D.x. 

Cyprmus Alburnus, pinna ani radiis 20. Lim. Cyprinus Alburnas, quincnndalis , gracilis, 

Syft. Nat. p. 531. n. 24. fubteres, flavefeens; maxilla inferiore longio- 

X ram . Eiench. p. 395. n. 14. re; iride alba; pinna anali radiis viginti et 

— — Müll. Prodr. p. 51. n. 439, duobus; vertebris 4a. Lest fpec. p. 40. n.7. 



a) p. 528- a. 11. e ) 2. p. 204. 

b) p. 131. n. 374- £> Thierb. S. 158* b. 

c) Ichth. S. 910. 

dj s> 6 n> 5 g) Jonft. p. 144. t. 27. % 6. 



Ziveeter Alfchnitt. Von den Karpfen insbesondere. 55 

Cyprinus oblongus, tercs, rnaxilla inferiore Ion- Neuling Müll. L. S. IV. S. 396. Tab. 3, %. 6. 

giore; pinna dorfali ano oppofita; cau- Albule Gefn. Thierb. S. 159. 

da lunulata. Grouov. Zooph. p. 106. 11. Albumus Rändelet. 2. p. 20g. 

336. — "Aufonii. Gefn. Aquat. p. 23. 

— quincuncialis, plnna ani officulorum vi- ' Alarqv. P- 029. 

ginti. Arted. Syn. p. 10. n. 19. Spec. — — #*# P' *59- Tab. 29. f. »3. 

p I7 — -rr CAar/eJ. p. 161. n. V. 

— — Willughb. p. 253. Tab. Q;. 10» 
Leucifcus dorfo ex viridi fufeo; quem fupra li- i~ 

neam in ventrem curvatam longitudina- Mh[mlm Schtvenckf. p" 414. 

lemrufus fequitur color; toto ventre ar- Uekbv Birkh S *>'* 

genteo; fquamis tenuibus; cauda cito Ulde y Ä - cte . Ichtb.j. g«. 

decrcfcentc. tf/em. Pifc. M. V. p. Gg. n. B]eak> p mmm p ^ n ^ R LXxnL 

Able ou Ablette, Bomare 1. p. 10 1. 

Der Ueckeley ift durch den hervorflehenden Unterkiefer und den ein und zwan- 
zig Strahlen in der Afterßoffe von den übrigen Karpfenarten leicht zu unterfcheiden. In 
der Bruftfloffe hat er vierzehn ; in der Bauchfloffe neun; in der Afterfloffe ein und' zwait. 
zig; in der Sch\?anzfloffe achtzehn und in der Rückenfloffe zehen Strahlen. Sein Kopf 
läuft fpitz zu, die Stirn ift platt, olivenfarbig und mit fchwarzen Punkten befprengt. 
Die Backen haben eine blaue Farbe, die Augen find grofs, haben einen blauen Stern, 
welchen ein filberfarbener Ring umfchliefst. Den Körper decken dünne glänzende Schup- 
pen, die leicht von ihm abfallen, und aus deren Zubereitung man in Frankreich unäch- 
ten Perlen den lebhaften Glanz der ächten orientalifchen zu geben weiß', a) Der Rü- 



a) In Paris befenäftägt folches eine groffe An- fer behutfam ab. Der zurückgebliebene Saft oder 

SflM Menfchen. Die Zubereitung gefchieht fol- die fogenannte effence d' Orient wird mit etwas 

gender Geftalti Man thut die Schuppen in ein Kaufenbiafe vermifcht und zum fernem Gebrauch 

mit reinem Waffer angefülltes Gefäfs und nach- aufbewahrt. Von dieferEffenz thut man ein Tröpf- 

dem man fie eine Zeitlang gerieben, gießt man eben in ein dünnes bläulichtes Glaskügelchen und 

"das Waffer davon ab, und frifches darauf. Man es wird darin nach allen Seiten verrieben, wo- 

reibt alsdenn von neuen und wiederbolet diefes durch die Perle den Glanz erhält. Damit fie aber 

fo lange, bis die Schuppen das Waffeis nicht mein- eine gewiffe Schwere bekommen und dauerhaft 

färben. Wenn fich nun die Silberfarbe der Scbup- werden möge; wird fie mit wciffein Wachie 

pen auf dem Boden gefetzt, giefst man das Waf- ausgefüllt 



«5 Zitreeter Abjchnitt. F&h den Karpfen insbefondere, 

•cken ift faft gerade und olivenfarbig und die Seiten haben einen fchönen Silberglsna. 
Am Bauche ift diefer Fifch breit, hinten zu aber wird er fchmal und feine Seitenlinie 
ift gebogen. Die Bruftf loffe ift weift, mit etwas wenigem Roth untermifchr, die After- 
f loffe grau, die Schwanz und Rückenf Joffe grünlich und diefe leztere weiter als die Bauch- 
f loffe vom Kopfe entfernt. Der Ueckeley ift in allen unfern Seen und Flüffen zu Hau- 
^e; feine Länge beträgt gewohnlich vier bis fünf Zoll , jedoch wachfen fie in verfchiede- 
uen Gewäffern auch zu S — 10 Zoll heran und alsdenn werden fie nicht feiten, we- 
gen der Aehnlichkeit mit den kleinen Maränen, in Berlin für folche' ausgegeben, 
«nd Mandelweife verkauft. Da die Maränen aber ins Lachsgefchlecht gehören, und da- 
lier mit einer Fettf loffe verfehen find, fo kann man, wenn man auf diefes Kennzeichen 
acht hat, fich gegen dergleichen Betrug fehr leicht in Sicherheit fetzen. Der Ueckeley 
hat zwar, wenn er grofs ift, kein übelfchmeckendes Fleifch: es kommt aber an Güte dem 
Fleifche der Maränen nicht gleich und ift überdiefes fehr grätig. Er wird daher nur vom 
gemeinen Mann gekauft, der ihn, mit einer fauren Zwiebelbrühe zurecht gemacht, verzehrt; 
fonften verfpeifet man ihn auch wie die Maräne in Salzwaffer gekocht, mit Effig und Peter- 
filien. Diefer Fifch vermehrt fich ftark: man fängt ihn das ganze Jahr hindurch mit 
dem Netze und der Angel, am häungften aber unterm Eife mit dem grofsen Garne und 
jm Frühjahr mit hölzernen Reufen, indem er diefe auffucht, um {ich von feinem Lai- 
che welchen er im May und Juni von fich giebt, zu entledigen. Er wird als ein klei- 
ner Fifch nicht nur von den mehreften Fleifchfreffenden Fifchen und vom Raapfen, fon- 
dern auch von den Waffervügeln aufgefucht. Die Fifcher bedienen fich feiner zum Kö- 
der für die Angel, wenn fie mit derfelben Fifche von gröfferm Werthe fangen wollen. 
In Anfehung der Nahrung und dem innern Baue kömmt er mit den übrigen diefes Ge- 
fchlechts, bis auf die Zähne, überein, deren er fieben hat, von welchen vorne fünfe und 
hinten zwei flehen. Sein Darmkanal hat zwo Beugungen und in der Bauchhöhle habe 
ich öfters den Fick wahrgenommen. Aus dem Ueckeley und der Plötze entftehen Ba- 
ftardarten, hei welchen ich gröffere Schuppen, einen breitern Körper und weniger Strah- 
len in der Afterf loffe, als bei unferni Fifche, bemerkt habe. 



Zvoeeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondcre. 

In unferer Mark, Pommern und Preußen heifst diefer Fifch Ueckeley ; in Schie- 
ßen Ockeley; in Oeftef reich Schneiderfifchel , Spitzlauben und Windlauben; in Sachfen 
Blüthe, Ochelbeze, Ueckeley, Blicke und Weidenblatt ; im Reiche Nefteling und in einigen 
anderen Provinzen ZümpelfTfchlein; in der Schweiz Albel; in Weftphalen Mayblecke; in 
Holland Alphenaar; in Schleswig Witinck und Witecke; in Dännemark Skalle, Luier und 
Blikke; in Norwegen Mort; in Schweden Loja; in Lithauen Aukfchle; in Pohlen Gus- 
czova; in Frankreich Able und Ableite; und in England Bleack. 



DER GRUENDLIXG. 

VHIte Taf. flg. 2. 

Der Körper fchmalund gefleckt; zwo Bartfafern am Munde. Br. 16. B. 9, A. ro> "= ? 

S. 19. R. ix. "'lifg^* 

Cyprinus ohlongns, varius; cirris 2, ad angulum oris. P.XFI. F.IX.A.X. C. XIX. 
D. XL 

Cyprinus Gobio, pinna ani radlis 11. cirris 2. Enchelyopus fquamulis parvis, deciduis, verirre 

Linn. Syft. p. 526. n. 3, argenteo, dorfo nigris maculis vario, my- 

_ — Müll. Prodr. p. 50. n. 427. ftace fimplid ad angulos oris utrinquc. 

— — , oblongus, iubteres, maculofus; Kldn - Pifc - M - IV - P- &>. n.5. t. 15. £5. 

raaxillis fubaequalibus, cirris duobus, Gobius flwiatiHs. Marß. Danub. IV. p. 23. t. 9. 

iride aurantio flava , cauda bifida ; pinna *■ 3 - 

ani radiis decem, vertebris quadraginta. ' Alarav. p. 612. 

Lesk. Spec, p. 26. n. 3. — — Willughh. p.. 264. t. Q. 8. %. 4- 

Gobius non capitatus. Jonfl. p. 139. t. 29. f. 13. 
Cyprinus quincuncialis, rnaculofus, maxilla fu- n j n „ ' . _ 

Jr ^ ' Gudgeon Pennant. Zool. p. 361. 

periore longiore, cirris 2. ad os. Arteä. Gaujon Qu BouiUerot> Bmmre y f . ^ 

Gen. p. 4 . n. 10. Syn. p. n. n. 20. Spec. Kreffe May ^ ^.^ L g ^ ^ ^ 

"' ?' n ' *' Gobio fluviatilis. Rond. P. 2. p. 255. 

«-* maculofus, cauda bifurcata , cirro utrin- — — ■ Gefn. p. 399. 

que unico ad angulos oris. - Gronov. Zoo- — " — Schwenckf. p. 430. 

pbyl. 1 . p. t04. Muf. icht. II. p. 2. n. 149. — ^-, fundulus Charhu p. 157. n. 1 i> 

H 



5-8 Zma&er Abfchuitt. Von den Karpfen indefondaf-e. 

Gfündling Rieht, icht. S. 903. Gründling Döbel Jägerpr. IV. S. 85- 

• — Birckholtz.S. 13. — . Wulff., $. 32. n. 40. 

— Flemm. Jag. II. S. 408. — Müll. L. S..IV. S. 383. . tab. XI. % I. 

Der Gründling ift eine fchmale Karpfenart und läfst fich leicht durch die zwo 
Bartfafern , von welchen in einem jeden Winkel ,des Mundes eine fitzt und durch den ge- 
fleckten Körper, von den übrigen Karpfenarten unterfcheiden. In der Bruftf loffe hat er 
funfzehen ; in der Bauchf loffe neun ; in der A&erf loffe zehen ; in der Schwanzf loffe neun- 
zehen; und in der Rückenf loffe eilf Strahlen. Sein Kopf ift, wie bei den übrigen fchma- 
len Karpfenarten, grofs und von braungrünlicher Farbe. Bei verfehl offenem Munde 
fleht der Oberkiefer etwas hervor. Das Auge iß klein, fein Stern blaufchwarz, der Ring 
um denfelben goldfarben und den runden Körper bedecken groffe Schuppen; der Rü- 
cken ift gerade und von fchwarzblauer Farbe. D.ie Seiten find oberhalb der Linie blau 
und unterhalb derfelben weifs, ins gelbe fchielend; .die Seitenlinie geht in einer geraden 
Richtung fort und ift mit blauen Flecken geziert. Die Floffen find bald röthlich, bald 
gelblich, je nachdem er jung oder alt und das Waffer, in welchem er fleht, befchaffen 
ifl : denn überhaupt bei den mehreften Fifchen "ändert fich die Farbe fo wohl des Kör- 
pers als der Floffen, nach dem verfchiedenen Alter der Fifche, dem Waller, warinnen fie 
flehen und der Laichzeit. Die Schwanz- und Rückenf loffe hat viele fchwarze Flecke und er- 
ftere fleht der Bauchf loffe gerade gegenüber. Man findet diefen Fifch in allen unferen 
Seen undFlüffen, deren Grund rein und fandig ifl, von der auf der achten Tafel vor- 
geftellten Gröffe: jedoch trifft man ihn in einigen Seen, wo er gute Nahrung hat, acht 
Zoll lang an. Sein Fleifch ift weifs, fehr wohlfchmeckend und leicht zu verdauen, da- 
her man ihn, vor vielen andern Fifchen, fchwächlichen und kränklichen Perfonen anra- 
then kann, befonders wenn er aus Salzwaffer mit etwas Zitronenfäure genöffen wird: 
fonft ift er mit einer Butterbrühe zuredet gemacht oder auch gebraten eine wohlfchme- 
ckende Speife. 

Diefer Fifch fteigt imFrühjahr aus den Landfeen in die Flüffe, geht Stroman und fezf 
feinen Rogen im May an den Steinen ab. Seine Laichzeit dauert vier Wochen, weil er 
dk Eier nicht auf einmal ^ fondern. nach und nach von fich giebt. Im Herbft geht er 



Zweeter Abfchnitt. Von den Karpfen msvefonder r: 59 

wieder in die Seen zurück und wird im September und Oclober in fo großer Menge ge^ 
fangen, und' daher um einen fo geringen Preifs verkauft,, dafs fich in Pommern,, nach 
Richters Bericht, fechs Perfonen an fo viel, als man für einen Grofchen kauft, fatt e£ 
fen können, a) Man fängt ihn mit der Cabbe, Zure und auch mit der Angel. Ohti' 
geachtet fowohl die Menfchen, als die Fleifchfreffenden Fifche und Waffervögel die- 
fem kleinen Fifch fehr nachftellen; fo vermehrt er fich dennoch häufig und finde ich 
die Urfache davon in. der oberwähnten Art feinen Laich von lieh zu geben , wo- 
bei allezeit ein verhältnifsmäfsig gröfserer Theil des Rogens , als bei den übrigen Fifchen 
auskommt. Der Gründling ift alfo, wegen feiner ftarken Vermehrung und feines zähen 
Lebens, ein nicht unwichtiger Gegenftand für diejenigen Oekonomen, welche ihren Zan- 
dern, Barfchen und Forellen eine gute Fütterung zu verfchaffen wünfehen. 

Bisweilen findet fich bei diefem Fifche der Fick in der Hole feines Unterleibes. 
Sein Darmkanal hat zwo Beugungen, der After ift höher am Bauche, als bei den übri- 
gen diefes Gefchlechts, und der Rogen, welcher von hellblauer Farbe ift, befteht aus fo zar- 
ten Eiern, dafs fich ihre Anzahl nicht beftimmen läfst; auch feine Zähne, deren er in je- 
der Kinnlade fünfe hat, find fo klein, dafs ich bei einem Fifche, der vier Zoll lang War, 
Mühe hatte, fie mit bioffen Augen zu unterfcheiden. Auf jeder Seite fand ich vierzehn 
Ribben und im Rückgrad neun und dreißig Wirbelbeine. Der Gründling ernährt fich 
von Kräutern, Würmern und Fifehbrut; auch liebt er das Gehirn von Ochfen: denn 
wenn man diefes ins Waffer wirft, in welchem fich Gründlinge aufhalten, fo finden fie 
fich haufenweife dabei ein. Man befchuldigt ihn ferner, dafs er gern Menfchenfleifch 
freffe, ob aber mit Grunde, will ich unausgemacht lafferi : wenn indeffen fein Gefchmack 
fo fein feyn foll, dafs er, wie Marfili b) erzählt, lieber von den im Kriege gebliebe- 
nen Türken, welche man mit den Pferden zugleich in [die Donau geworfen, als von leztern 
gefreffen; fo fchreibe ich folches nicht fowohl feiner Lüfternheit nach Menfchenfleifch,! als 
vielmehr der frühern Verwefung der erfteren vor den leztereny zu. Es leben übrigens die 

H 2 



i? Ichdt. $-.'904; b) : Marfil. Danub. IV. p. 23. 



60 Zw e et er Abfchnitt. Von den Karpfen insbesondere* 

Gründlinge in Gefellfchaft und man findet allezeit ganze Horden von ihnen beifamme». 
In Deutfchland führt diefer Fifch den Namen Gründling und Grefsling; in England 
Greyling und Gudgeon; in Frankreich Goujon und Bouillcröt, befonders in LyonGoiffon; 
in Dännemark Grumpel, Sandheft, Gründling und Gympel und in Holland GrondeL 

DIE E L R I T Z E. 

VHIte Taf. flg. 5. 

- - Der Korper rundlich; zehen Strahlen in der Bauch- After- und Rückenfloffe. Bs,. 

lauEtritze. . [•• n 

17. B. 10. A. io. S. 20. R. 10. 

Cyprimis teretiusculus ; pinnis ventralibus, anali dorfalique rad. X. P* XVII. V. 

X. A. X. C. XX. D. J. 

Cyprinus Phoxinus pinna ani radiis o&o , macu- Das glatte Bambele Gesn. Thierb. S. 158. B. 

la fufca ad caudam, corpore Bdella Schvenckf. Theriotr. p. 422. 

pellucido. Limi. p. 528. n. 10. Cyprinus tridaäylus, varitrs, oblongus, teretiusctt- 
— — Müll. Prod. p. 50. n. 430. lus , pinna ani officulorum o&o. Artedi 

Pifciculus varius RandeL P.a. p. 205. Syn. p. 12. n. 23. 

— — Gesn. Aquat. p. 715. Miriow Pennant. p. 373. n. 177. 
Phoxinus Bellonii Aldrov. p. 582. Vairon Bomar. XII. p. 13. 

— Laevis Charlet. p r 160. n. 8- Elritze Müll. L. S. IV. S, 389. n. ro. 
, — — Jonßon p. 154. t. 28. % 2, — DSb. Jag. Praft. 4 Th. S. 85- 

— . — Willughb. p. 268- — Hemm. Jag. S. 435. tab. 50. 

Diefes fchöne Fifchchen macht fich durch die zehen Strahlen in feiner Bauch -After- 
undRückenfloffe kenntbar. In der Bruftflofre find fiebzehen und in derSchwanzfloffe zwan- 
zig Strahlen. Der Kopf ift keilförmig geftaltet , oben grünlichfchwarz und die Kiemende- 
ckel gelb; die Kinnladen find gleich lang und roth eingefafst, undüie Augen welche klein 
find, haben einen fchwarzen Stern mit einem goldfarbigenRinge. Der Körper ift länglicht, 
rund, mit kleinen dünnen Schuppen bedeckt, welche mit einem Schleim überzogen find. Bei 
einigen Fifchen ift der Rücken ganz fchwarz, bei anderen aber nur dunkelblau. ■ Die Seiten 
erhalten durch die verfchiedenen Farben der Streifen und Flecken ein reizendes Anfehen: 



Zweeter Abfchnitt. Von den Karpfen insb e fander e , 61 

denn bei einigen wechfeln blaue, gelbe, und fchwarze Streifen mit einander ab; bei an- 
dern erblickt man fie fcharlachroth , hellblau und filberfarben, und fie haben fall alle 
vom Rücken nach der Seitenlinie hinlaufende blaue oder fchwarze Querflreifen. Die 
FlofTen find grau, bl'äulicht und zunächfl am Körper mit einem rothen Flecke verfehen und 
die Seitenlinie ift ebenfo, wie der Rücken, gerade. Ohngeachtet diefes Fifchchen nur 
allein die in der Zeichnung angegebne Gröfse erreicht, fo Hl doch feinFleifch, welches fehr 
zart undweifs Hl, überaus wohlfchmeckend und gefund; am fchmackhafteflen Hl es aber im 
SalzwafTer gekocht oder gebraten; er läfst fich zwar auch mit einer Butterbrühe zubereiten, 
jedoch verliehrt er, weil er dadurch weichlich wird, vieles von feinem guten Gefchmacke. 
Man findet die Elritze in.Schlefien und Weflphalen und hält üe hier für den delika- 
teftenWeferfifeh. Sie wird mit der Angel, an welche fie fehr gefchwind beifst, auch mit fei- 
nen Netzen zu allen Jahreszeiten und am häufigflen um Johanni gefangen. DieferFifch ftirbt,. 
weil er ein fehr zartes Leben hat, aufserhalb feinem Elemente bald ab. Seine ärgflen Feinde 
find der Hecht und die Aalquappe. Er giebt feinen Laich um Iohanni, im dritten oder vier- 
ten Jahr, und zwar Hn Grün de des Waffers von fich und vermehrt fich, feines grofsenRogens 
wegen, fehr flark. Er liebt ein reines und fliefsendes Waffer, mit einem fandigen oder 
kieslichten Grund und lebt gefellfchaftlich an folchen Stellen , wo kein andrer Fifch vor- 
* handen ift, daher man beun Elritzenfang feiten einen andern Fifch ins Netz bekömmt. 
Er braucht, wie die übrigen des Karpfengefchlechts , Kräuter und Würmer zu feiner Nah- 
rung, fein Wachsthum aber geht nur langfam von ftatten. Da er die Wärme liebt, fo hält 
er fich mehrentheils nahe an der Oberfläche des Waffers auf. 

Ich fand bei der Elritze, den Darmkanal mit zwo Beugungen, im Rückgrad 
ohngefehr vier und dreifsig Wirbelbeine und an jeder Seite vierzehn bis fechszehn Ribben. 
In Schießen nennt man diefeft Fifch Elritze; auf. dem Harze Ellerling und in Weftphalea 
Grimpel; in Italien Sanguinerolla und befonders in Rom Morella; in Engelland Pinkj. 
Minow und Minim; in Dännemark Elritze und Ellbute; in Norwegen Elwe- Ritze; in 
Frankreich Vairoru. 



H 3 



$2 Zweetet ■ Abfchnitt. Von den Karpfen insbejbndetr. 

DIE ZOPE. 
IXtc Taf. 



Vierzig Strahlen in der Afterfloffe. Br. 17. B. o. A. 41. S. 10. R. 10. 
13. Zope. ö J 

Cyprinus pinna anlradiis XU. P. XVII. V. IX. A. XLI. C. XIX. D. X. 

Cyprinus Bällerus , pinna ani radiis 40. Li?m. Cyprinus admodum latus et t'enuis, pinna am* 
Syft. Nat. p. 532. n.> 31. officulorum quadraginta. Jrted. Synon. 

, — — Müll. Prodrom, p. 51. n. 442. p. 12. n. 24. Spec. p. 23. n. 11. 

Schwuppe BirckJtoltz Fifche. S. 22. Zope Wulff "lebt. p. 50. n. 68- 

* Diefe breite Karpfenart unterfcheidet man von den übrigen durch die ein und vier- 
zig Strahlen in der Afterfloffe. In der Bruftfloffe zählt man fiebenzehn; in der BauchflolTe 
neun, in der Schwanzfloffe zwanzig und in der Rückenfloffe zehn Strahlen. Ihr Kopf ift 
klein, flumpf, die Kinnladen lind gleich lang und die untere gekrümmt und bei offenem 
Munde etwas hervorgehend. Die Stirn ift braun; das Auge grofs, fein Stern fchwarz, 
der Ring gelb und mit zween fchwarzen Flecken verfehen; die Backen und Kiemendeckel 
find abwechfelnd blau, gelb und roth. Der Korper der Zope ift fehr dünne, vorzüglich 
Vom After bis an die Schwanzfloffe: jener befindet lieh ungefehr in der Mitte des Körpers. 
Die Seiten find am Rücken bläulicht, weiter unten gelblich, unterhalb der Seitenlinie 
filberfarben und am Bauche, welcher die Dicke eines kleinen Fingers hat, röthlich; die er- 
wähnte Linie läuft in einer graden Richtung fort und ift mit braunen Punkten befetzt. Der 
Rücken hat eine fchwarze Farbe und endigt fich in eine. Schneide; die Schuppen, welche 
den Körper bedecken, find im Verhältniffe der Breite deffelben nur klein und fitzen aufser 
am Bauche nicht fefte. Die Floffen find mit einer blauen Einfaffung umgeben; die Rü- 
ckenfloffe ift vom Kopfe weiter, als die Bauchfloffe entfernt, die Afterfloffe fehr breit, die 
Schwanzfloffe mit einem mondförmigen Ausfehnitt verfehen und die untere Hälfte derfeh 
ben länger, als die obere. Diefer Fifch hat feinen Aufenthalt in Pommern im Haff und 
in Preufsen in dem Kürifchen-Haff, als in welchen Gewäffern man ihn im Frühjahr 
mit andern Fifchen in Garnfäcken und Netzen fängt. Seine Vermehrung geht nur lang. 
fam von Hatten und er wird , weil er nicht f leifchigt und mit vielen kleinen Gräten durch- 






Zweeter Alfchnitt. Von den Karpfen insbejoudere. 63 

flochten ift, eben nicht geachtet. Er \\ ird wie der Karpfen, mit Bier oder mit einer fauren 
Zwiebelbrühe zubereitet, genoffen und giebt, weil er nicht fett wird, eine nicht unfehädliche 
Nahrung ab. Die Zope erreicht nur die Gröfse, unter welcher fie auf der neunten Tafel 
vörgeftellt ift und wägt alsdenn etwa ein Pfund. Ihre Laichzeit fällt in dasEnde des Aprils; 
und es war um diefe Zeit als ich einen Rogener davon unterfuchte, welcher überhaupt 
dreifsig, fein Eierftock insbefondere eilf und ein Viertheilloth wog, und etwa 67500 
Eier enthielt, die gelblich waren und die Grüfse des Mohnfaamens hatten., In Abficht der 
■übrigen Theile, weicht diefer Fifch von den übrigen feines Gefchlechts wenig ab. Er 
hat in jeder Kinnlade fünf, auf den Seiten, plattgedruckte und oben zu gefpitzte Zähne und im 
Darmkanal zwo Beugungen : auf jeder Seite achtzehn Ribben, und im Rückgrad acht und 
vierzig Wirbelbeine- Sowol bei uns als in Preufsen wird diefer Fifch Zope genannt; in. 
Pommern heifst er Schwope und Schwuppe; in Schweden Blicca, Blecca, Braxenblicca, 
Braxen-panka und Braxenflia; in Norwegen Brafen und Bunke; in Däunemark Flire und 
Blikke. Die Zope hat in Anfehung des breiten und dünnen Körpers viel Aehnlichkeit, mit ■ 
der Güfter, und diefe Aehnlichkeit mit den fchlechten Zeichnungen, welche uns die älteren 
Ichthyologen von der Güfter hinterlaffen haben, nebft demMangel einer Zeichnung von der 
Zope, mögen den fcharßichtigen Artedi und unfterblichen Linne, entfchuldigen dafs fie 
beide Fifche nur für eine Art gehalten^ und die Schriftft eller, die von der Güfter gefchrie- 
ben, auf die Zope gezogen haben. Denn- 

1) Ift die Güfter kurz,- die Zope aber länglicht. 

2) Hat leztere einen abgeftumpften; erftere hingegen einen zugefpitzten KopE 

3) Steht bei diefer der Oberkiefer vor dem untern hervor ; bei jener aber find beide 
von gleicher Länge.. 

4) Hat die Güfter rothe ; die Zope aber gelbe und mit einer blauen Einfaffung verfe- 
hene Bruft- und BauchflofTen. 

5) Hat letztere in der Afterfloffe. ein und vierzig und erftre nur fünf und zwanzig 
Strahlen. 

6) Ift die Güfter einer der gemeinften Fifche,. nicht nur in den Preufsifchen Staaten;, 
jfondera auch in ganz Deutfchland, in der Schweiz, Holland, Frankreich un<£ 



64 Ziverter Abßhnitt. Von den Karpfen- insbesondere. 

Vermuthlich auch in den übrigen europäifchen Ländern; die Zope hingegen nur 
im Haff an der Oftfee anzutreffen. Dies ift unftreitig die Urfach, warum Richter, 
der doch feine Abhandlung in Pommern fchrieb, diefen Fifch nicht einmahl dem 
Namen nach kannte und dafs man ihn in dem Verzeichniffe, welches der Herr Con- 
fiftorialrath Brüggemann von den Pommerfchen Fifchen geliefert hat, nicht mit auf- 
geführt findet. 

7) Hat die Güfter zwo; die Zope aber nur eine Reihe Zähne und endlich : 

8) Diefe acht und vierzig und jene nur neun und dreifsig Wirbelbeinc im Rückgrade. 
Da nun unfere Zope fich nur in der Gegend der Oftfee findet; fo ift es kein Wun- 
der, wenn man bei den altern Ichthyologen keine Nachricht von ihr antrifft. Artedi 
war der erfte, der fie befchrieb: weil er iie aber für einen bei den Schriftftellern be- 
kannten Fifch anfah; fo hielt er es für überf luftig, fich bei der Zergliederung lange auf- 
zuhalten und liefs auch die Ausmefiung weg. a) In der Folge gedenkt der Ritter b) 
ihrer ohne Zweifel aus eben diefem Grunde , nur mit wenigen Worten, ' Hierauf er- 
wähnt auch Wulff c) derfelben als eines Preuflifchen Fifches.und erklärt fie unrichtig für den 
Farenus des Linne, und endlich finde ich fie auch vom Herrn Staatsrath Müller d) als ei- 
nen Dänifchen Fifch aufgeführt. 

Ohngeachtet diefer Fifch im Kurifchen Haff häufig gefangen wird; fo hat doch 
der berühmte Klein fein Dafein bezweifelt, e) Erftlich fehlte er darinnen, dafs er den 
Baller us dcsArtedi für die Güfter anfah, da er aber nicht mehr als ein und zwanzig 
Strahlen in der Afterfloffe wahrnahm (denn die kleine Endftrahlen bringt er nicht mit 
in Rechnung') fo begieng er einen zweeten Fehler, wenn er behauptete, dafs es keinen 
Karpfen mit vierzig Strahlen in einer Flofle gebe, f ) Kramer citirt zwar zu feinem in 
Ocfterreich unter dem Namen Scheib - Pleinzen g) bekannten Fifch den Ballerus des Ar- 



&) Specier. p. 23. n. 11. dj P">dr. p- 51- «• 44 3 - 

e) MifT. P. V. p. 62. Biama n. 4. nota d. 

b) Faun. Suec. 1. p. 122. n. 323. Faun. II. ,. _ . . ___ r , v . ., 

J - *■■•*•* q Seine Worte und: tot radios m nullo ntt- 

p. 130. n. 365. et S. N. p. 532. n, 31. , - , • • •<- 

c J inerabis hujus genens püce. 

c) Ichth. p. So. n. 6%. g) Kram. Elench. p. 393. n. 8. 



Zweeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondere. 65 

tedi und LinnS und andere SchriMeller, die von der Güfler gefchrieben haben: allein es 
ift fehr wahrfcheinlich, dafs der Fifch, den er befchreibt, keiner von beiden, fondern 
der Braffen gewefen: denn 

i) möchte die Zope wohl fchwerlich in den füdlichen Gegenden anzutreffen feyn; 
2) legt er feinem Fifche das Gewicht von fechs bis Heben Pfund bey, da doch un- 
fre Zope nicht leicht von mehr, als einem bis anderthalb Pfunden fchwer angetrof- 
fen wird. Es ift vielmehr wahrfcheinlich, dafs er den Braffen oder Brama des Linne 
meine : denn diefer ift der einzige unter den breiten Fifchen , der zu einem fol- 
chen Gewichte heranwächft. Auch in des Marßlia.) Befchreibung der Donaufi- 
fche kommt der Braffen unter dem Namen Bleinzer vor. 

DIE G U E S T E R. 

Xte Taf. 

Ein breiter Karpfen mit fünf und zwanzig Strahlen in der Afterf loffe. Br. 1 5. 
B. 10. A. 25. S. 22. R. 12. 

Cyprinus latus pinna anali radiis XXV. P. XV. V. X. A. XXV. C. XXII. D. XII. ■ 

14. Güfte 

Cyprinus latiffimus, cauda ampliffima, lunulata, Cyprinus Pleftya. \ ovalis , latus, cinereo albus; 
pinnis omnibus ad margines fufeis. Gro- iride flavo viridi; pinnis ad bafin fubru- 

nov, Zooph.I. p. 110. n. 344. bris, anali radiis nitro viginti ; vertebris 

Brama ex plumbeo argentei coloris, juxta ven- triginta novem. Leske Spec. p. 69. n. 15. 

trem dilutioris; pinnis ani et caudae fu- .,,, C] ,,, „, . 

Alburnus bcliwenckf. Thenotr. p. 414. 
feis; radiis 21 in ani pinna, 11 in dor- t> ,, „ , , .. „ r .-. 

üallerus Kondeletn. uefu. Nomencl. p. 300. 
fali., omnibus in exitu fibrofis. Klein. 

— — • Aldrov. p. ö4<. 
Pifc. M. V. p. 62. n. 4. . -, ;."!? _ , 

„ i • ■ — — yonft. p. 165. Tab. 27. fig. f, 

Ballerus Rond. P. 2. p. 154. ' l & ' 

— Wulff. Icht. p. 5 1 . n. 6 9 . ßallems Ariftotelis Ge I n - A q uat - P- Hr 

Blicke Gefit. Thierb. S. 167. b. . . "~ *~ Charlet. p. 162. n. 1. 

Güfter Birckh. Fifch. S. 10. Geufter Rieht. Icht. S. 820. 

Bley Flemm. Jag. S. 435. Bleyer Döb. Ja?g. Prüft. 4. S. 75. 

a) Danub. IV. p. 49. 



66 Z-toeetef Abfchnitt. Von den Karpfen insbesondere. 

Die Güller läfst lieh an ihrem breiten- und dünnen Körper und durch die fünf und 
zwanzig Strahlen in der Afterfloffe leicht erkennen. In der Bruftfloffe befinden fich fechs- 
zehn; in der BauchflofTe zehen; in der Scbwanzfloffe zwei und zwanzig und in der Rücken- 
floffe zwölf Strahlen. Der Kopf ifl bei diefem Fifche nur klein und läuft fpitzig zu ; beim 
gefchloflenen Munde fleht der Oberkiefer vor dem untern etwas hervor. DieMundöfnung 
ifl fo klein, dafs ich auch bei einem Fifch von 8 Zoll Länge den kleinen Finger, ohne dem 
Fifche Gewalt anzuthun , nicht hinein bringen konnte. Sein Auge ifl von mittlerer Gröfse, 
der Stern fchwarz, der Ring gelb und mit fchwarzen Punkten befprengt. Der Körper 
ifl mit dünnen Schuppen von mittlerer Gröfse bedeckt; das Genick bläulicht, der Rü- 
cken, der oberhalb feiner Floffe eine febneideförmige, unterhalb derfelben aber eine run- 
de Geflalt hat, von eben diefer Farbe. Er macht einen Bogen und fängt nicht nach und 
nacb, wie bei den mehreflen diefes Gefchlechts, an fleh zu heben; fondern fleigt mit einem- 
mahl in die Höhe, daber auch das Genick niedergedrückt zu feyn fcheinet. Oberwärts 
der gekrümmten und mit gelben Punkten befetzten Seitenlinie find die Seiten weifs und ins 
blaue fcbielend, unterhalb derfelben aber und am Bauche weifs; die Brufl- undBauchflot 
fe find roth, und die After- und Rückenfloffe braun und blau eingefafst; letztre flebt vom 
Kopfe in einem weitern Abflande, als die BauchflofTe. Die ScbwanzflofTe ifl blau, gabel- 
förmig und die untere Hälfte länger, als die obere. 

Die Güfler ifl einer unfrer gemeinflen Fifcbe; man findet fie das ganze fahr- hin- 
durch in allen unfern Landfeen und langfam flrömenden Flüflen, welche einen fandigen 
oder mergeligten Grund haben, wird aber, weil fie nicht eben fleifchigt und dabey mit vie- 
len kleinen Gräten durchwebt ifl, nicht geachtet, und dienet daher nur dem gemeinen Mann 
zurSpeife,derfie mit einer fauren Brühe oder auch mit Bollen und Speck zu verzebren pflegt. 
Mit Milch oder Sahne gekocht, foll fie fo fchmackhaft, wie die Karaufche feyn. Sie laicht 
im May und Iun an flachen Ufern im Gräfe und ifl zu diefer Zeit fo emfig in ihrem Ge- 
fchäfte, dafs man fie mit Händen greifFen kann : da fie aufser diefer Zeit fehr febeu, und, fo 
bald fie ein Geräufch merkt, in den Grund fchiefset, und daher fchwer zu fangen ifl. In An- 
febung des Laichens diefer Fifche mufs man drei Klaffen derfelben unterfcheiden» 



Ztveeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondere. 6? 

Die gröfste kommt zuerft zum Vorfchein, laicht gleicht nach dem Bley oder 
Brauen und wird aus diefer Urfach von den Fifchern Bley - Güfter genannt. Sie fängt 
mit Aufgang der Sonne an, ihre Eier von fich zu geben und hält damit an, bis Vormittags um 
zehn Uhr und nach einer Wiederholung von drey bis vier Tagen vollendet fie ihr Streichen, 
wenn fie nicht etwa Voremp findung einer einfallenden kalten Witterung hat, da fie mit dem 
Laichen denfelben Tag fo lange anhält, bis fie diefes Gefchäft vollbracht hat. Neun Tage 
darauf erfcheint die von der zweiten Gröfse und innerhalb einer gleichen Frift die kleinftc. 
Sie laichen insgefamt mit einem ftarken Geräufche, welches fie durch ihr Plätfchern vcrur« 
' fachen. Die Güller vermehrt fich aufserordentlich ftark und da fie zugleich ein har- 
tes Leben hat, fo ift fie einer der beften, um zur Fütterung für Fleifchfreffende Fifche ein- 
gefetzt zu werden. DerFifch, welchen ich unterfuchte , wog acht Loth, und enthielt un- 
gefähr hundert und acht taufend grünliche Eier, die kleiner als Mohnfaamen waren. Er 
lebt wie die übrigen Grundfifche von Kräutern und Würmern, ä) 

Diefer Fifch wird nicht leicht über ein Pfund, und gewöhnlich nur von 7 — 8 
Loth fchwer angetroffen. Man fängt ihn mit der Cabbe, dem Pörthe, den Reufen und 
•der Angel; fonft lebt er wie die übrigen feines Gefchlechts von Kräutern und Würmern, 
fucht außerdem begierig den Laich der Plötze auf, obgleich der feinige von keinem an- 
dern Fifch aufgefucht wird, und hierin liegt ohnftreitig die Urfach feiner ftarken Ver- 

I'a 



a) Der Fick ( fafciola inteftinalis. Linni) treibt ihn durch das Preflen von diefenWürmern zu be- 
feine Oeconomie vorzüglich in dem Unterleibe freien; allein, da er fich mehrenthcils um die 
diefes Fifches: denn unter allen trifft man ihn am Eingeweide zu fchlingen pflegt: fo erreichen fie 
häufio-ften, und nicht feiten fechs bis acht Stück nur feiten ihre Abficht. Im Frühjahr wird man 
davon, jede einen Fufs lang, bei ihm an. Man nicht leicht diefen Wurm bei ihm gewahr ; indem 
kann an dem aufgetriebenen Bauche diefes Fi- er, vermuthlich durch den heranwachfenden Ro- 
fches leicht erkennen, wenn er diefe Gäfte beher- gen und Milch verdrängt, fich durch das Fleifch 
bergt. Da nun dies eine bekannte Sache ift, fo des Fifches durchfrifst, und verliert. Er ift vor- 
haben viele Leute einen Eckel vor demfelben und züglich eine Plage der jungen, feiten nur aer al- 
achten ihn deswegen, unter allen übrigen efsba- ten Güfter. Ein mehreres hiervon in meiner Preis- 
renFifchen, amwenigften. Die Fifcher fuchen fchrift: von der Erzeugung der Würmer. 



68 Ziveeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbesondere. 

mehrung. Der Darmkanal hat zwo Beugungen ; der Rückgrad neun und dreißig Wir- 
belbeine, und in den Kinnladen find fieben Zähne in zwo Reihen befindlich, fonft aber fei- 
ne innern Theile, wie bei den übrigen diefes Gefchlechts befchaffen. Seine Feinde find 
alle fleifch freuende Fifche, die Waffervögel und der Fifchaar. Die hiefigen Fifcher be- 
dienen fich deffelben, wenn er noch klein ift, zum Köder beim Aalfang. Die Güfter hat 
zwar ein weichliches Fleifch, da es aber nicht fonder lieh fett ift, fo kann es auch fchwäch- 
lichen Perfonen nicht leicht fchädlich werden ; befonders, wenn man den Fifch ohne But- 
ter zubereitet, geniefst. 

Diefer Fifch ift in der Churmark unter dem Nahmen Güfter bekannt; in Pom- 
mern nennt man ihn Geufter ; in Preufsen Weifsfifch, Bleicke und Jüfter; in Danzig Blei- 
weifs-Fifch und Blei-blicke ; in Schiefien Geufter, Güchftern, oder Weifsfifch; in Sachfen 
Plötze; in Holland Bley und Bliecke und in Frankreich Bordeliere. 

Da Linne und Ärtedi ihre Zope und unfere Güfter für einerlei Fifch gehalten ha- 
ben; fo ift es kein Wunder, wenn ihre Nachfolger Klein a) , Wulfb), Gronov c), Sta- 
tins Müller d) , und Bomare e) die Sache umgekehrt, und unfere Güfter für ihre Zope ge- 
halten haben : Willughby f) aber mufs, da er ungewifs war, ob die Güfter und die Karau- 
fche nicht einerlei Fifch wären, fo wenig von der Zope als von der Güfter einen deutlichen 
Begriff gehabt haben. Sollte wohl der Biörkna des Artedi g) und Linne h) unfere Güfter 
fein? denn dieBefchreibung des erfterni)pafst vollkommen zu unferm Fifche : allein da letz- 
terer ausdrücklich verliehen k), dafs er bei diefer Art in der After floffe nicht, wie erfte- 
rer, fünf und zwanzig, fondern fünf und dreifsig Strahlen gezählt habe; fo läfst fich hier- 
über nicht eher etwas gewiffes beftimmen , als bis ein fchwedifcher Naturkündiger durch 
eine neue Unterfuchung ausfindig gemacht haben wird, welcher von beiden Geehrten die 
Wahrheit auf feiner Seite habe. 



a) Miff. Pisc. V. p. 62. n. 4. g) Synonom. p. 13. n. 27. 

b) Ichth. p. 51. n. 69. h) S. N. p^ 532. n. 29. 
t) ^oophyl. I. p. 110. n. 344. i) Specier. p. 20. n. 9. 

d) Müll. L. S. S. 399. k) In fpecie huius pifee numeravi radios pin- 

c ) Diftion. T. IL p. 166. nae ani triginta quinque. Faun. fuec. I. p. 124. n. 
f) lebt p. 350. 3^8- Faun.2. p. 130. n.371. 



Zweetcr Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondere. 6q 

DIE KARAUSCHE. 

Xlte Taf. 
Die Seitenlinie und SchwanzflofTe gerade; zehen Strahlen in der AfterflofTe. Br. : 



15. Karatt- 
13. B. 9. A. 10. S. ai. R. ai. fche. 

Cyprinus linea laterali retta; pinna caudali indivifa; anali radiis decem. P. XIIL 

V. IX. A. X. C. XXI. D- XXI. 

Cyprinus Caraffius , pinna ani radiis 10, caudae . Cyprinus brevis, dorfo repando ; eoioris fubaurei, 
integra, linea laterali re&a. Linn. pinnis et dorfo fufeis. Klein. Pifc. M. V. 

Nat. p. 50.6. n. 5. p. 5g. n . 4. t. 1 1. f. 1. 

— — Müll. Prodi-, p. 50. n. 429. Caraffius. Marfil. Danub. IV. p. 45. t. 14. 

— ■ — ovalis, latus, olivaceus; iride al- r- • i'L * ■>■ rfr-n n ^ 

*• Cyprinus latus ahus. Willughb. p. 249. t. QjS. f. r. 
bo flava; linea laterali refta; pinnae dor- ~r a /- 1 r 

v — — — Jonfion. p. 1.65. t. 27. %: 12. 

fianique radio tertio utrinque pofterius ,,, , -, , 

_ l — — — Aldrov. 1. 5. C. 43. p. 644. 

ferrato, fubfpinofo: pinna ani radiis de- r^ n r i- 

r J r Caras uejn. paralipom. p. 16. 

cem, vertebris 30. Lesk. fpec. p. 78. n. 17. 

Crucian Pennant. 3. p. 354. tab. 72. n. 170, 

Cyprinus pinna dorfi officulorum vi°inti, linea n \ c 1 lj? t-i 

Jl * ■ -_. Charax Schwenckf. Thenotr. p. 424. 

laterali refta. Arteä. Gen. p. 4.. n. 7. Syn. r- r k 

1 ^ ' / — ueju. Aquat. p. 22.2. 

p. 5. n. 5. Spec. p. 29. n. 15. ^ ^ ^i^: p _ ^J b> 

— Xraw. Elencb. p. 392. 11.7. Karaufche Rieht. Ichth. S. 892. 

— Wulff ^.^1. n.54. — 5/>cfc//o/*z Fifch. S. 14. 

— latus, cauda fubaequali : pinnae dorfi ani- — . Flemm. Jargerb.2. S. 440. flg. 8- 1. 50. 
que officulo poftice duplice ferie uncina- — Döbels Jäger, p. 4. S.74. 

to. Gronov. Zooph. p. 109. n. 343. Muf. — Müll. L. S. 4. S. 384. t. XL flg. 2. 

icht. I. p. 3. n. 1 1. _ Meyer. Tbierb. a.ß. 15. t. 54. 

Die Karaufche gehört zu den breiten Karpfenarten und unterfcheidet {ich von den 
übrigen durch ihre gerade Seitenlinie, die ungetheilten Schwanz - und zehen Strah- 
len in der AfterflofTe. Sie hat in der Bruftfloffe dreizehn, in der Bauchflofle neun und 
in der Schwanz- und Rückenflofie ein und zwanzig Strahlen. Der Kopf ift klein und 
ftumpf, oben olivenfarbig und auf den Seiten gelb mit grün gemifcht; die Augen find 
klein, der Stern fchwarz, und ihr Ring filberfarbig, mit einer goldgelben Linie umgeben. 
Die Nafenlöcher flehen dem Auge näher, als dem Munde. Ungeachtet die Karaufche 

I 3 



jq Zweiter Abfchnitt. Von den Karpfen insbesondere. 

unter allen Arten diefes Gefchlechts den brekeften Körper hat; fo ift fie doch auch 
dabey dick, und ihren Körper decken Schuppen von mittlerer Gröffe: fie ift auf den 
Seiten nach dem Rücken zu grünlich; gegen den Bauch aber gelblich. Der bogenför- 
mige Rücken ift dunkelgrün und bis an die Floffe fchneideförmig, unter derfelben aber 
rundlich; der Bauch ift weifs mit roth vermilcht; die Bruftfioffe violet, die übrigen aber 
am Grunde gelblich und am Rande grau. 

DieferFifch liebt einen weichen Boden, daher man ihn nur in Teichen und klei- 
nen Landfeen antrifft: am heften kommt er auf einem lehmigten Grunde fort. Sein 
Fleifch wird, da es weifs, zart und nicht fehr grätig ift, ungemein geachtet, und gicbt, 
weil es auch nicht fett ift, für fchwächliche und kränkliche Perfonen eine gefunde Spei- 
£e ab, befonders, wenn es nur aus Salzwaffer gekocht und mit etwas Citronenfaft ge- 
noffen wird. Sonft läfst fich auch die Kar aufche eben fo, wie der Karpfen zubereiten. 

Es ift merkwürdig, dafs die Karaufche, wenn fie gleich in einem WafTer, das ei- 
nen modrigen Grund hat, fteht, nicht fo leicht davon einen übeln Gefchmack ati- 
nimmt wie der Hecht, Barfch und andere Fifche. Sie hat ein hartes Leben, fteht, be- 
fonders im Winter, auch auffer dem Waffer, nicht gefchwind ab, und kann daher, wenn 
jnan fie verfetzen wollte, wenn fie in Schnee, Kohl, oder Sallatblätter gelegt wird, 
leicht fortgefchaft werden. Weil fie auch in kleinen flehenden Waffern fortkömmt; fo 
ift fie immer ein erheblicher Gegenftand für die Landwirthfchaft, vorzüglich in folchen 
Gegenden, die überhaupt an Fifchen einen Mangel haben. Man fängt fie mit der Wa- 
the und mit Reufen, auch beifst üe an die mit einer gekochten Erbfe verfehene Angel. 
Sie lebt vom Schlamm, Kräutern und Würmern und da fie folglich mit dem Karpfen glei- 
che Nahrung geniefst; fo mufs man von ihnen nicht eine zu groffe Menge in Karpfen- 
teiche einfetzen, wenn man anders die Abficht hat, groffe Karpfen zu ziehen: weil dic- 
fen dadurch die nöthige Nahrung entzogen würde. Die Karaufche wächft nur langfam 
und wird gewöhnlich nur ein halb Pfund fchwer, hin und wieder aber auch von einem 
Pfunde und drüber angetroffen. Ihre Feinde find alle Raubfifche und fifchfreffendes Ge- 
flügel: will man indeffen ihren Wachsthum" befördern, und fie zugleich mäften; fo 



Ztveeter Al'fchnkt. Von dm Karpfen insbefonderc. . 71 

darf man fie nur mit Leimkuchen, Schafmift, gekochten Erbfen oder Bohnen, hinläng- 
lich füttern. Reiche WollüfHinge werden einen rechten Leckerbiffen an der Karaufche 
finden, wenn Rq diefelbe mit Semmel, welche zuvor in Milch eingeweicht worden, füt- 
tern laffen. In jeder Kinnlade find fünf breite Zähne befindlich; der Darmkanal hat fünf 
Beugungen; der Rückgrad ift aus dreißig Wirbelbeinen zufammengefezt, auf jeder Seite 
mit fünfzehn Ribben verfehen,und in den beiden Eierfäcken find ohngefähr 93700 gelbliche 
Eier, vonder Groffe des Mohnfaamens, befindlich. Sie laicht im May, bei einem warmen 
Frühjahr bereits im April, und zwar fchon in einem Alter von zweien Jahren.' 

Im Oefferreichfchen heilst diefer Fifch Zoblpleinzl und Braxenj in den mehre 
ften Provinzen des füdlichen Deutfchlands Gareis; in Friefsland Karutz; in Schweden 
Ruda undCaruffa; in Dännemark Karudfe; in Holland Hamburger oder Sternkarper ; 
in Ungarn Coras ; in Pommern Karauffen; in Schießen Karauffe, in Niederfchlefi.cn be? 
fonders Karfche; in England Crucian und in Frankreich Caraffin. 

DIE GIEBEL, 

Cjiprinus Gibelio. 
Xllte Taf. 



In der Rückenfloffe zwanzig Strahlen; die Schwanzfloffe mondformig. Br, 15. B.9, ' 
>. 20 R. .19. 
Cyprinus pinna dorfali radiis XX, cauda lunulata. P. XV. V. IX. 4. VIII. C. XX- 



D. XIX. 

Cyprinus Caraffius. Vaiiet. b. Lest Spec. p. 79. Cyprinus brevi's variet. Klein. MifT. P. V, p. [6o^ 
Charax vulgaris. Schwenckf. Theriotr. p. 424. f - XI. %. 2. 

r. rr ,„.„ , , Giebel Rieht. Icht. S. 804- 

Caralü pnraum genus. JVillughb. p. 250. 

— Eirckh. Fifch. S. 12. n. 1 1. 

Gieben Wulff Ichtft p. 50. n. 67. _ D ,^_ ^ pr + § ^ 

Klein Karas oder Giblicfren Ge/«. Nomencl. p. 298. — Flemm. Jaegerb. 2. S. 437. 
.Paxaligomcna p. 16. Thierk S. 166M •— JBcekm. Churm. 1. B. S. 575, 



73 Ziveerer Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondcre. 

Die Giebel erkennt man an ihrem mondförmigen Schwänze, und den neunzehn 
Strahlen in der Rückenflofle. In der BruftflofTe hat fie fünfzehn, in der Bauchflofle neun, 
in der Afterflofle acht und in der Schwanzfloffe zwanzig Strahlen. Der Kopf diefes Fifches 
ift, ob er gleich zu den breiten Karpfen gehört, ftark, oben braun, auf den Seiten und an der 
Kehle braungelb. Die Kinnladen find gleich lang, der Mund wie beim Karpfen geftaltet, 
dieNafenlöcher dicht an den Augen ; diefe find grofs und ihr Stern fchwarz und mit einem 
goldfarbenen Ringe umgeben. Den breiten und geftreckten Körper bedecken groffe 
Schuppen, auch fo gar den Bauch, an welchem fich fonft bei allen übrigen diefes Gefchlechts 
nur kleine befinden. Die Seiten find oben blaugrün und unten goldgelb. Es giebt aber 
auch Giebel, deren ganzer Körper pechfehwarz ift, a) nach der BefchafFenheit des Waffers, 
darin fie flehen. Der bogenförmig geftaltete Rücken ift blau, und feine Floffe fleht dem 
Kopfe näher, als die Bauchflofre. Die mit braunen Punkten befetzte Seitenlinie hat nach 
dem Bauche zu eine gekrümmte Richtung. Die Floffen find gelb, nur die Schwanz.- 
flofle von grauer Farbe und die Strahlen an den Spitzen in acht Zweige getheilt. 

Die Giebel vermehrt fich aufferordentlich ftark, laicht bereits im zweiten Jah- 
re, und zwar in den Monathen May, Jun und Jul, nicht aber, wie der Landmann glaubt, 
eine jede dreimahl, fondern nach der Verfchiedenheit des Alters: indem die altern die- 
fes Gefchäft früher, die Jüngern aber fpäter, verrichten. Der Schöpfer, der nach feiner All- 
weisheit für die Erhaltung aller Arten geforgt hat, begabte diefen Fifch mit -einem fo reich- 
lichen Eierftock, dafs dieferbei einem, den ich unterfuchte, fo gar fchon im Jänner, zu ei- 
ner Zeit, wo die Eier nur noch klein find, ioLoth wog, da doch dieSchwere des ganzen Fifches 
nursobetrug; ein Sechszehntheil Loth des Rogens enthielt an igooEier, undmanthut daher 
nicht zu viel, wenn man dem ganzen 3 00,000 geben würde. Eine erftaunende Anzahl Eier für 
ein einziges Jahr! Wenn wir aber erwägen, dafs ihm nur kleine Seen und Tümpel zu feinem 
Aufenthalte angewiefen worden find, wo er nicht nur vom Storche, Fifchreiher, den Enten, 
der Krähe und der Ehler häuffig weggeflfcht wird , fondern auch fein quackender Nach- 
bar, der Frofch, feinen Laich verzehret: fo werden wir auch hier nichts unzweckmäfsi- 
ges wahrnehmen. Die Giebel wird nicht grofs, befonders wenn ihrer viele beifammen 

») Beckm. Churm. I. S. 575. 



Zwccter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefindere* 73 

find und fich einander die Nahrung rauben. Wenn man demnach welche von beträcht- 
licher Gröffe ziehen will; fo mufs man ihnen einige ihrer Erbfeinde zugefellen, damit 
diefe die zu zahlreiche Nachkommenfchaft vermindern und ihren Eltern hinlänglich Brod 
gelaffcn werden möge. Die Giebeln werden nicht leicht über ein viertel bis ein hal- 
bes Pfund, jedoch in Waffern, wo fie reichliche Nahrung finden, oder wenn fie fo wie 
die Karaufche gefüttert werden, beinahe ein Pfund fchwer, wie diejenigen, die ich von 
meinem gelehrten Freunde, Herrn Honkeny, zir Golm in der Uckermark erhat- 
ten. Es ift aber die Fütterung nicht anzurathen, denn wenn man ihnen diefelbe nicht in 
hinreichender Menge giebt; fo verlieren tie dabei mehr, als fie gewinnen, indem fie da- 
durch verwöhnt werden, ihre Nahrung felbft zu fuchen. So lange die Giebeln noch klein 
lind, haben fie viel Aehnlichkcit mit den jungen Karpfen : man mufs fich daher wohl in 
Acht nehmen, dafs man, anftatt der Setzkarpfen , beim Einkaufen nicht Giebeln erhalte, 
weil eines theils die Giebeln bei weitem die Grofse des Karpfens nicht erreichen und an- 
dern theils, weil fie fich fehr ftark vermehren und alfo den Karpfen ihre Nahrung ent- 
ziehen. Man fängt die Giebeln mit Reufen, Hamen und Warnen : an die Angel aber will 
fie nicht beiffen. Ihr Leben ift zähe und fie läfst fich daher auffer dem Waffer im Gräfe 
oder grünen Blättern bequem fortfehaffen. Auch fleht fie im kleinen Waffer nicht leicht 
ab, wenn daffelbe im Sommer flach ift; denn während der Tageshitze verbirgt üe fich im 
Schlamm: auch im Winter bleibt fie unter dem unaufgehauenem Eife, wenn fie nur einige 
Zoll Waffer behält, am Leben. Sie gedeihet in allen flehenden Waffern, und hat dies 
vor andern Fifchen zum voraus, dafs fie nicht leicht einen modrigen Gefchmack annimmt. 
Sie läfst fich in Landpfühle, Sümpfe und Viehtränken verfetzen, und da fie in allen und 
jeden kleinen flehenden Waffern fortkömmt; fo ift fie für den Landmann ein fehr brauch» 
barer Fifch. Ihr Fleifch ift zart, nicht fehr grätig und für einen Kranken eine nicht 
ungefunde Kofi Man bereitet fie entweder wie den Karpfen, oder mit Milch und Sah- 
ne, geniefst fie aber auch, wie die Forelle, marinirt. 

Die Giebel hat in zwo Reihen acht kleiner fpitziger Zähne, einen Darmkanal mit 
zwo Beugungen, im Rückgrade fieben und zwanzig Wirbelbeine und auf jeder Seite fieben- 
zehen Ribben. 

K 



74 'Zweeter Abfchnitt. Von den Karpfen mshefondcre.. 

In der Mark Brandenburg und Pommern heifst dicfer Fifch Giebel; in Preußen 
Gieben; in Schieden kleiner Karafs vmd Gibliehen; und in Sachfen Steinkaraufch. 

Diefer Fifch wird, in der Churmark, in Pommern, Schießen, Preuffen und meh- 
rern anderen Ländern angetroffen; denn fchan die altern Ichthyologen:, als, Gefner, a) 
Schwenckfeld hj und Wülugkby cj erwähnen feiner y ak einer eigenen Art, und um fo viel- 
mehr ift es zu bewundern, dafs Artedi, Lmne r Gronov und Kramer deffelben gar nicht ge- 
denken, Klein d) und Leske e) ihn aber nur für eine Abänderung von der Karaufche 
anfehen:. allein da fo. wohl fein äufferer als innerer Bau von jener fehr abweicht, fo 
glaube ich ihn als eine, eigene Art aufFühren zu muffen. Denn: 

i) ift die Giebel geftreckt, die Karaufche hingegen nicht nur viel breiter als diefe, 

fondern auch die breitefte im' ganzen Gefchlechte. 

2) Sind bei diefer der Kopf und die Schuppen viel kleiner, als bei jener.. 

3) Hat die Giebel eine gekrümmte Seitenlinie und eine mondförmige Schwanzflof 
fe: bei der Karaufche hingegen find beide gerade;, auch ift der Rücken bei ihr 
ungleich ftärker gekrümmt, als bei jener. 

4) Hat die Giebel in der After Hoffe acht und in der Rückenfloffe neunzehen Strah- 
len: bei der Karaufche hingegen find in der Afterfloffe zehen und. in der Rücken- 
floffe ein und zwanzig befindlich.. 

5) Hat die Karaufche eine einfache Reihe, ftumpfer,. die Giebel hingegen eine dop. 
pelte Reihe fpitziger Zähne.. 

6) Hat der Darmkanal bei jener mehrere Beugungen und der Rückgrad eine größere- 
Anzahl von Wirbelbeinen, als bei diefer. Endlich hat 

7) die Giebel ein härteres Leben und eine ungleich gröffere. Anzahl von Eiern 2J ak 
die Karaufche.. 

Wenn in dem Wulff IJ derGiebel in. der Afterfloffe drei und zwanzig und in der Rül- 
deenfloffe neun Strahlen gegeben werden ,, fa mag wohl ein Schreib- oder Druckfehler dae- 



i) Nomencl. p. 298. d ) Miff - P - V: F ; 6a 

b) Theriote p.424,. e > s P eG - P- 79- 

4 g. 250.. ^ L c !'• 5°- n - 6 7- 



Zweetcr Abfchnitt. Von den Karpfen bubefondert. f 5 

an Schuld fein. Uebrigens mufs die Giebel nicht mit dem Dobel {Cyprinus dobula) der in 
Sachfen ebenfalls Giebel genannt wird, verwechfelt werden. Auch foll aus dem Karpfen und 
der Giebel^eine Barbar dart entfliehen, welche die Landwirthe Giebelkarpfen nennen. 



DER B L E r, 

XHIte Taf. 

Die Fioffcn fchwärzlkh, neun und zwanzig Strahlen in der Afterrloffe. Br. 17. B. 9. ' 



i7..DerBIef 
A.29. S, 19, R. 12. oder Braf« 

Pinis nigrefeentibus, pinna ani ojjtcuhrum. 2p, P. XVII. V. IX, A. XXIX. C. XIX, feru 
D. XIL 



Cyprinus Brama, pinna ani radiis 27. pinnis fu- 
feis. L. S, N. p. 531. n. 27. 
<— — Wulff. Ichthyol, p. 49. n. 66. 

— — Mülleri Vi-oA. p. 51. n. 441. 

— _ ovalis, latus, cocrulco albus; 

iride alba viridefeente ; pinnis 
nigro coerulefcentibus , anali 
radiis viginti novem; vertebris 
quadraginta et duabus. Leske 
Spec. p. 73. 

— pinnis Omnibus nigrefeentibus , pinna 

ani officulorum. 27« Art'ed. Gen. 
p. 6. n. 17. 
•— latus: pinna dorfali ano ferme oppofi- 
ta^ cauda ampliflkna lunulata; 
pinnis omnibus nigrefeentibus. 
Gronov. Zoopbyl. I. pag. 10. 
n. 345, 

— — Aldrov. p. 64t, 

_ _ Jonft. p, 165. t. 29. f. 5. 

— — Scluvenckf. Theriotr. p. 430. 
— . — i?«y/c/t.T.hcatr.Anipi.i. p. 173. 

t. 39, £ 5. 



Brama. Marßgli Danub. IV. p. 49. t. 16. 17, 
— primo radio pinnae dorfalis fimplici ; in 
dorfo ex coeruleo nigricans, verfus ven- 
trem ex auro albefeens, caeterum plum- 
beus; fquamis fat amplis; capite brevi 
•et pro corporis magnitudine parvo; Ion« 
jjitudinis quandoque fex palmorum, lati- 
tudinis trium; dorfo arcuato et cultel- 
lato, ventre infimo multum compreflfo; 
pinnis et operculis branchiarum furvis 
feu ex coeruleo nigricantibus. Klein, 
MPifc. V. p. 61. n. u 

C. Latus vel Brama. Rondel. P. 2. p. 154. 

— — — — Gefn. aquat. p. 316. Nomen» 

clat. p. 295. 

— — — — JYülughb. p. 248. t. Q^ 10. 

f. 4. 

— ■ — — — Schonsv. lebt. p. 33. 

— — — — Zuckert, mater. aliment. p. 

2^4. 
Abramus. Charlet. p. i52. n. 9. 
Bream. Pennant. p. 362. t. 70. n. 159. 
La Breme. Cour, tfh'iß. natnr. T. V, p. 262. « 
K 2 



76 Ztoeeter Abschnitt. Von den Karpfen insbefonderc. 

Die Brachfen. Meyers Tliierb. i. Th. t. 7a. Der Bleyer. Döbels Jagcrpr. 4 Th. S. 7S. 

Der Flufsbrachfen. Müller. L.S. 4. Th. S. 398. Bradcn. Neuer Scliaupl. d. N. 1. B. S.932. 

Der Bley. Birckholtz. S. 7. Brächen, Breitem. Fifchers Naturg. von Liefland. 

— — Rieht. Ichth. S. 8 15. p. 127. 

— — Flemming. Jagerb. S. 411. Brachfsmen. Geftt. Thierb. S. 165. b. 

Diefer Fifch unterfcheidet fleh von den übrigen durch feine fchwärzliche FlofTen 
und den neun und zwanzig Strahlen in der AfterflofTe. In der Bruftflofle zählt man fieben- 
zehen, in der BauchflofTe neun, in der Schwanzfloffe neunzehen, und in der RückenflofTe 
zwölf Strahlen. Diefer Fifch hat einen abgeftumpften Kopf, einen kleinen Mund, einen 
etwas hervorgehenden Oberkiefer, eine fchwärzlich blaue Stirne, gelbblaue Backen, eine 
fchwarze Pupille, einen gelbweifTen mit fchwarzen Punkten befezten Augen -Ring, über 
welchem ein fchwarzer halbmondförmiger Fleck fichtbar ift, und eine röthliche Kehle. 
Ein Braffen ift, wenn er fein gehöriges Alter erreicht hat, fehr breit, und ziemlich dick: 
jung hingegen, fchmäler und von einer geftreckten Geftalt. Diefen Fifch bedecken ziemlich 
groffe Schuppen; fein fchwärzlicher Rücken ift fchneideförmig und bildet einen ftarken 
Bogen; die Seiten -Linie ift gekrümmt nach dem Bauche zu und mit ohngefähr fünfzig 
fchwarzen Punkten befezt. Die Farbe auf den Seiten ift eine Mifchung, von gelb, weifs 
und fchwarz; die Bruftfloffe oberwärts violet, unterwärts gelb und am Rande fchwärz- 
lich. Die BauchflofTe ift am Grunde violet, und über derfelben nimmt man eine Mit- 
telfloffe wahr, welche, bei den übrigen breiten Karpfen -Gattungen nicht angetroffen wird. 
Die AfterflofTe ift am Grunde grau und am Rande fchwärzlich, und die gabelförmige 
Schwanzfloffe, wovon der untere Theil länger ift, als der obere, überall blaufchwarz, 
die RückenflofTe hat die nämliche Farbe, und fteht vom Kopfe weiter ab, als die Bauch- 
flofTe. 

Diefer Fifch gehört mit zu dem beträchtlichften der Fifche unfers Landes. Man 
trifft ihn in allen großen Land-Seen an, wie auch in ruhig ftrömenden Flüffen, mit einem 
merglichten, thonichten und mit Kräutern bewachfenen Grunde. Ihr Fang ift öfters der- 
geftalt beträchtlich, befonders bei der Eifsfifcherei, dafs man in dem zwo Meilen von 
hier gelegenen Müggel-See, mit einem einzigen Zuge, für 300, im Trebbiner See ohn- 



Tivteter Äbfchnitt. Von den Karpfen insbefondere. ff 

weit Wrirzen an der Oder, für 500, und im See zu Blifsdorf, für 700 Thaler gefangen hat. 
In Holitein find aus dem Schleiflufs, welcher vor dem Gottorpfchen Schlofs vorbey fliefsr, 
in einem Zug 1500, a) in Mecklenburg aus einem See ohnweit Schwerin über 5000 Stück 
gefangen worden b), und in Schweden in der See Browick bei Nordkiöping erhielt man zu 
Anfange des Märzes 1749 m ^"em Zuge 50,0,00 diefer Fifche, welche insgefamt 1300 
Lifspfund wogen, c) Auch in der Peipus in Liefland werden fie fo häufig gefangen, dafs 
man oft 100 groffe und fette diefer Fifche für 4 bis 6 Rubel verkauft d). 

Der Blei erreicht eine beträchtliche Gröffe und nicht feiten trifft man dergleichen 
von 2 bis 2 und ein halben Fufs Länge und von 12 bis 14 Pfund am Gewicht an: auch 
hat man fchon welche von 20 Pfund gefehen e). Er hält lieh gewöhnlich in der Tiefe 
auf, allwo er von Kräutern, Würmern und fetter Erde lebt; fucht im Frühjahr die fla- 
chen mit Schilf und andern Kräutern bewachfene Ufer auf, fleigt aber, wenn die See mit 
einem Flufs in Verbindung fleht, in diefen hinein, und zwar dergeftalt, dafs er mit dem 
Strohm , oder Strohm ab , gehet. Hier fucht er die flachen Stellen auf und läfstt feinen 
Laich an den Kräutern fitzen, zwifchen welchen er fich durchdrängt. Gewöhnlich geht 
der Rogener in einer Begleitung von 3 bis 4Milchern, die, wenn jener mit feinem Schwanz 
plötzlich auf das Waffer fchlägt, durch das verurfachte Geräufch erfchrecken, ihren Milch 
von fich laffen, und, indem fie zurückprellen, die abgefetzten Eier des Weibchens befruch- 
ten. Ohnerachtet die Bleie, welche fich zu diefer Zeit in fehr zahlreicher Menge bet- 
fammen befinden, während des Laichens durch ihr Geplätfcher ein groffes Geräufch ma- 
chen; fo ift doch diefer Fifch bei einem jeden fremden Schall überaus fchüchtern und 
geht alsdann in die Tiefe zurück. In Schweden wird daher in den Dörfern, welche na- 
he an den Braffen-Fifchereien liegen, auch fogar an den Fefttagen, zu diefer Zeit nicht 
geläutet: denn man weis aus einer vieljährigen Erfahrung, dafs die Braffen, wenn fie 
auch gleich bei vielen taufenden erfcheinen, durch den Schall einer Glocke fogleich zu- 
rück gefcheucht werden f ). F 3 

t) Schoneveld. Ichthyol, p. 33. <3) Fifchers Naturgefeh. S. 127. 

b) Flemming. Jägerb. S. 41 x. t) Onom. foreft. pifc. I. B. S. 365. 

c) Richter Ichth. S. 826. f) Schwedifche Abhandl. 23ter B. S. 187. 



78 Zweeter Abfcfaiitt. Von den Karpfen inshefondere. 

Die Laichzeit diefer Fifche fällt in den Maymonat, aber bei warmer Witterung 
fchon in das Ende des Aprils. Die Bleie laichen in drei Partheien , davon die größeren 
zuerft, die mittleren nachher und die kleinen zulezt erfcheinen. Zwifchen diefen Laich- 
Perioden verfließt bei guter Witterung jedesmal eine Zeit von neun Tagen : bei einfallen- 
der] kalten Witterung aber, binden fie fich an keine gewiffe Tage , fondern fie fteilen fich 
alsdann erft ein, wenn die Luft wieder milder wird. Die Männchen bekommen zur 
Laichzeit gewöhnlich, wie die mehreren Männchen diefes Gefchlechts', weiffe, harte, fpi- 
zige Knötchen auf den Schuppen: daher fie die Fifcher alsdann Dorn-Braffen und Stein- 
Braffen nennen. Plinius hat bereits diefe Auswüchfe an den Fifchen des larifchen und 
verbanifchen Sees bemerkt a), und Saluianus befchreibt fie bei feinem itaiienifchen Fifch 
Figo (eine Karpfen -Art) genau und fagt: dafs fie nur bei den Männchen und zwar am 
Rücken und auf den Seiten erfchienen und nach vier Wochen wieder verfchwänden b). 
Wenn während der Laichzeit plötzlich fich ein kalter Sturm erhebt ; fo gehen die Fifche 
in den Grund, der Nabel fchliefse fich und wird entzündet, der Fifch fchwillt auf c), zehrt 
ab und ftirbt. Es ift merkwürdig, dafs bei den Fifchen, wie bei verfchiedenen ande- 
ren Thieren , die Weibchen bei Fortpflanzung ihres Gefchlechts mehreren Krankheiten 
ausgefezt find, als die Männchen : denn, ohngeachtet dafs die Milcher bei erwähnter Wit- 
terung ebenfalls in den Grund fchieffen und den Milch vermuthiieh bei fich behalten, 
nimmt man doch diefe Krankheit an ihnen nicht wahr. Man brachte mir einen derglei- 
chen Blei, der bei einem abgezehrten Körper einen ungeheuren dicken Bauch hatte und 
drei und dreiviertel Pfund wog. Die Schlippen auf diefer Gefchwulft, erfchienen fo grofs, 
als die vom Karpfen, welches ohnftreitig die Wirkung einer flarken Ausdehnung der 
Haut war: denn anftatt dafs fie gewöhnlich wie Dachziegel übereinander liegen, fo ftandqn 
fie hier reihenweife nebeneinander, und als ich den Fifch öfnete, fand ich ein röthlichte« 

a) Seine Worte find diefe: Duo lacus Iwiliae, plius quam circa eumrae;ifem,vifuntur. Ub.IX.c, ig. 
in radieibus Alpiura Larius et Verbanus appellan- b)- Aquatiiium animal. hiltoria. Rom. 1754. in 

tur, in quibus pifees Omnibus annis Vcrgiliarum fol. p. 83- 

ortu exiftunt, fquamis confpicui crebris atque c) Die Fifcher nennen diefen Zufall eine WaC 

j>raca,aitis, clavorum caHgaiium effigie: nee am- ferfucht. 



Zivteter Abfchnht. Von den Karpfen msltßndcrt. 79 

g allerichtes Wefen , welches fo kürnigt als ein dickgekochter Sago ausfalle,. Ich liefs ei- 
nen Theil davon kochen, fiattaber dafs fonft der Rogen eine gelbe oder rothe Farbe an- 
zunehmen pflegt, ward diefes in einen weißen Brei verwandelt. Nächft diefer Krankheit 
find die Bleie, fo Wie der Zander, auch der Abzehrung unterworfen. Mir kam einer der- 
gleichen zu Gefahr, welcher fo mager und fo welk war, dafs er, als ich ihm beim Kopfe 
anfafste, wie ein Lappen zufamtnenfteL Auch findet {ich der Fick in der Höhle des 
Unterleibes bei diefem Fifch, vorzüglich wenn er noch jung ift; fo wie ich auch in dem 
Barm- Kanal deffelben den Kratzer (Echiuorj/uchus) angetroffen habe a), 

Diefer Fifch hat kleine röthliche Eier, davon die Anzahl aus einem, welcher fechs 
Pfund wog, ohngefehr 137,000 ausmachte. Bei. diefer groffen Menge von Eiern ift es 
kein Wunder, wenn diefer Fifch, der vielen Nachftellungen der Fifcher, des Welfses, 
Hechtes, Barfches, Zanders, der Quappe, des Aals, und der Fifchfreffenden Vögel ohn» 
erachtet, fkh dennoch ftark vermehrt.. Unter der groffen Anzahl der Feinde diefes Fi- 
fches gehören auch die Taucherenten (fiolymbus st mergus) oder die Treibvögel, wie fie die 
Fifcher nennen. Sie verfammeln (ich, befonders zur Herbfizcit, in zwo Reihen von 
zehen bis zwölf Stück, welche fich wechfelsweife untertauchen. Die Fifchbrut, von der 
weiffeu Farbe der Vögel fcheu gemacht, tritt zurück, jene wiederholen folches fo 
lange, bis fie die Fifchc auf Untiefen ans Ufer getrieben haben, wo fie ihnen denn zur 
Beute werden. Wenn man junge Bleie zum Einfetzen in andere Gewäfler haben will; 
fo kann man fleh bei diefer Gelegenheit derfelben durch Hamen fehr leicht bemäch- 
tigen. Auch der Maufsaar (falco. buteoj focht bisweilen feinen Hunger durch den Ge- 
cufs des Bleies zu ftillen: wobei er aber zu Zeiten fein Leben, einbüfst. Denn wenn er 
auf einen groffen Blei ftöfst ; fo fahrt diefer beim Gefühl der Krallen in. den Grund. 
Wenn der Vogel blas das Fleifch des Fifches gefafst hat, fo bleibt,, indem er fich dem Zug , 
des Bleies durch das Sträuben der ausgebreiteten Flügel auf dem Waffer widerfezt,. das 
Stückgen in feinen Krallen fitzen : warn er aber den Rückgrad mit gefafst hat j. fo ziehet 
der Fifch feinen Räuber mit in den Grund. 

t) Bcfchäftigungen IV. B. S. 543. und 549. 



gO Zweier Abfchnitt. Von den Karpfen imbefondere. 

Man fängt den Braffen in der Laichzeit mit Fifch-Reufen, Netzen, der Cabbe, und 
im Winter mit dem großen Garn unter dem Eife, und da er auf Würmer begierig ift, fo 
beifst er auch fchell an die Angel. Man kann daher an Stellen, wo ihrer viele beifammen 
find, innerhalb einer viertel Stunde, wohl ein Dutzend erhalten. Der Herr Hofmedikus 
Taube in Zelle befchreibt eine befondere Art des Bleifangs, die in der dafigen Gegend 
üblich ift. Im Auguftmonat fetzen ficht einige Fifcher bei heiterem Himmel in einen 
Kahn. Während der Zeit, dafs die übrigen fortrudern, rührt einer von ihnen die Trom- 
mel a). Zween andere, welche an beiden Seiten des FhüTes gehen, fchlagen mit Stangen 
ins Waffer und jagen auf diefe Art den Blei an einen Theil des Strohms hin, wo andere 
Fifcher, mit ausgeworfenen Netzen, auf fie lauren und durch diefe Methode fich gewöhn- 
lich einen reichen Fang bereiten. 

Diefer Fifch wächft bei guter Nahrung eben fo fchnell, als der Karpfen, und hat 
ein weiffes, wohlfchmeckendes, fait allgemein beliebtes Fleifch ; vorzüglich ift hier zu Lan- 
de derjenige von gutem Gefchmack, den man aus dem Grimnitzer See erhält, b) und ver- 
dient mit Recht die Aufmcrkfamkeit der Landwirthe. Es läfst fich derfelbe mit fehr ge- 
ringen Koften zum Einfetzen anfchaffen; man darf nur in der Laichzeit Kräuter, woran 
Rogen von ihm fitzt, in einem kleinen Gefäffe mit wenig Waffer holen laffen, und diefe 
an flache Ufer hinlegen, und man wird in wenig Tagen viele taufend junge Fifche aus- 
kommen fehen. Ich bin von der Gewifsheit eines glücklichen Erfolgs, bei diefer Verfe- 
zungs- Methode, um fo viel mehr vergewiffert, da ich bei mehr als einer Fifchart jeder- 
zeit, nicht nur den Rogen in meiner Stube auskommen fahe, fondern auch die Beobach- 
tungen einiger meiner Freunde, welchen ich von diefen Kräutern mitgetheilt, von dem 
nämlichen Erfolge begleitet gewefen find. Wie vielmehr werden wir folches, wenn fie 
ihrem eigentlichen Elemente anvertraut worden, erwarten können? Diefe jungeFifche find 
übrigens viele Wochen lang in meinem Zimmer lebend geblieben. 

Der Blei hat ein ziemlich hartes Leben, befonders in kalter Witterung: man 
kann ihn daher, wenn er in Schnee gepackt und ihm ein Stückchen mit Brandtwein p . 

a Bjiträgj zur Naturkunde des Herzogthums b) Beckmaniis Gefcliichtc der Churinark i. B 
Zelle, ites Stück. S. 56. S. 1092, 



Zvoeeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondere. gl 

gefeuchtetes Brodt ins Maul gegeben wird , zwanzig Meilen weit lebendig verfchicken : bei 
warmer Witterung hingegen, fleht er bald ab. 

Gewöhnlich wird diefer Fifch im SalzwalTer mit Salbey und englifchem Gewürze, 
wie der Lachs, gekocht: wenn er aber mager ifl, macht man ihn mit einer fauren Brühe, 
wie den Karpfen, zurechte; auch gebraten, ift derfelbe, dafern er nicht allzugrofs ifl, 
wohlfchmeckend. Wo er häufig gefangen wird, und man ihn nicht verfilbern kann, 
wird er gefalzen , geräuchert und fo mit Rüben gekocht , oder in Butter gebraten , genoffen. 
Manchmal giebt es unter diefer Fifchart einen , der lieh durch feine f chöne Farbe auszeich- 
net: da diefer jederzeit ein flarkes Gefolge hinter fleh hat; fo wird er von den Fifchern 
Leit-Bki genannt. Sie werfen ihn gemeiniglich wieder ins WaiTer, damit die übrigen 
Bleie diefem ihren Führer folgen und er ihnen einen reichen Fang in die Hände bringen möge. 
Ich unterfuchte einen dergleichen von dreyzehen Zoll Länge und vier Zoll. Breite , und be- 
merkte folgende Abänderungen an ihm: i) das Auge gröfser und der Ring deffelben bläulicht; 
a) den Kopf und den Grund der Flofsen durchaus von einer fchönen Purpurfarbe; 3) die 
Schuppen kleiner und dichter; 4) viele blafsrothe Flecke, von unbeflimmter Figur, an feinem 
Körper; 5) die Flofsen von einer röthlichen Farbe und den Fifch mit einem Schleim bedeckt. 
Nach Ausfage der Fifcher wird der Leit-Blei nie über drei bis vier Pfund angetroffen. 
Sollte er wohl ein Baftard vom Blei und der Plötze feyn? die rothe Flofsen, der kurze 
und breite Körper und das geringe Gewicht laffen diefes vermuthen. 

Man findet noch eine andere Art, welche unter dem Namen der Bki-GUßer be- 
kannt, zum Theil der Güfter, und zum Theil dem Blei ähnlich ift. Die Güfler laicht ge- 
wöhnlich fpäter als der Blei: es trägt fleh aber manchmal zu , dafs letzterer, bey einfallender 
kalter Witterung , erfl alsdann zum Vorfchein kommt, wenn die Güfter bereits angefangen 
hat zu laichen. Wenn nun beide in die Reufen oder Netze zufammen gerathen ; fo ge- 
fchieht es nicht feiten, dafs der Rogen des einen von der Milch des andern befruchtet 
wird, woraus eine Baflard- Gattung, nämlich jene Blei- Güfter entfleht. Bei einem der- 
gleichen fand ich den Kopf fo klein, und den Körper fo kurz und breit, als bei der Güfter, 
dahingegen die Flofsen, wie*, beim Blei, fchwärzlich waren. Die Fifcher verficherten mich 

L 



g2 Zweeter Abfchnilt. Von den Karpfen insbefondere. 

auch, dafs die Blei - Güfter wohl noch einmal fo fehler, als die Güfter würde , nie aber eine 
fo beträchtlihe Gröfse, als der Blei erreiche. 

Der Darmkanal des Bleies hat zwo Beugungen, der Rückgrad zwei und dreiisig 
Wirbelknochen und auf jeder Seite funfzehen Ribben, und jede Kinnlade fünf breite oben 
fpitzig zu laufende und ein wenig gekrümmte Zähne: die übrigen Eingeweide find, wie 
bei den enehreften diefes Gefchlechts befchaffen. In der Churmark wird der Blei a) 
wenn er ein bis zwei Jahr alt ift, Schofs-Blei und in einigen Gegenden Windlauben, 
der dreijährige Blei- Flink , und im Oefterreichfchen Schleim - Bleitzen genannt. In Pommern 
heifst er Braßen, in Preufsen Breßmen, in Danzig Rhein- oder Ren-Braxen, in Sachfen 
Bleie und Braßle, in Oeflerreich Bleitzen, in den übrigen Provinzen Deutfhlands Brafsen, 
Breßen, Brachfen und Braden, in Schweden Brax, in Dännemark Brafem, in Holland 
Brufen, in England Bream, in Frankreich Bräue, in Pohlen Klorzez, in Ungarn Pejßgi, 
in Italien Scarda und Scardola, und in Portugal Braexen. 

Der Blei wird , wenn er noch jung ift, mit der Güfter (No. 10) wegen ihrer Aehn- 
lichkeit oft verwechfelt: allein bei einem geringen Grade der Aufmerkfamkeit wird man 
gewahr, dafs jener gtftreckter ift, indem der Schwanz oder der Theil zwifchendem After 
und der Schwanzflofse länger, bei diefer aber kürzer ift. Die Güfter hat röthliche Flofsen, 
eine fehr kleine Mundöfnung, der Blei hingegen eine gröfssre und Flofsen von einer 
fchwärzlichen Farbe. 

Kramer hat vermutlich unfern Fifch mit der Güfter verwechfelt, denn feine Be- 
fchreibung paßt eher auf diefe, als auf dem Blei. Er nennt ihn Gareifcl und lagt, dals man 
denfelben auch in Sümpfen und zwar nur von i bis i£ Pfund fchwer anträfe: lauter 
Eigenfchaften, die der Güfter zukommen. 

Marfigli macht mit Unrecht einen jungen Blei, wie aus feiner Zeichnung erhellet, c) 
zu einem Weibchen diefer Art. 



a) Richter leitet diefe Benennung von der b) Elench. p. 39 t. n. 3. 

Aehnlichkeit, die er wegen feiner breiten Geftalt 

. . r, , , c x^ c) Danub. IV. Tab. 17. 

mit demjenigen Brett hat, her, worauf man die ' 

Wäfche fpielt, und welches Blei genannt wird. 



Zweeter Abfchnitt. Von den Karpfen inshefondere. 83 

Klein a) macht mit Schoneveld , ohne Grund, aus dem Leit-Blei oder Zwerg -Blei, 
wie fie ihn nennen, eine eigene Gattung, und der, welchen er befchreibt, ift nichts an- 
ders, als ein am Schwänze befchädigter und verunftalteter Blei. Schoneveld fagt auch felbil, 
dafs diefcr Fifch einen gekrümmten und gefurchten Schwanz habe, und als zweimal zer- 
brochen ausfähe. b) Meines Erachtens rührt diefe Verunflaltung daher, dafs der Fifch, 
wenn er noch klein ift, in den Wurzeln der Kräuter fich verwickelt, und beim Losreifsen 
den Rückgrad verdrehet. Linne hat auch im Wetter -See bei Askerfund bucklichte Bleie 
wahrgenommen c) fo wie er ein gleiches beim Barfch d) und ich beim Zan- 
der gefehen. e) 

DER SCHLEI. 

XIVte Taf. 

Der Körper mit kleinen Schuppen bedeckt; die Flofsen dick und undurchfichtig. = 

t> ~ n a o v, i8- Schlei 

Br. ig. B. ii. A. ii. S. 19. R. 12. 

Cypriniis fquamis parvis , pinnis crajjis, P. XVIII. V. XI. A. XL C. XIX. D. XII. 

Cyprinus tinca, Pinn3 ani radiis 25, cauda in- Brama, pinnis circinatis et cauda atris, craffiuscu- 

tegra, corpore mucofo, cirris 2. L. S. N. lus pifcis, colore ex atro flavicante in viridem ; 

p. 526. n. 4. temporibus dilute flaventibus, fquamis parvis, 

— — T/ 7 «^ Ichthyol, p. \i. n. 55. tenuibus et cenacibus, muco vifcido obdu&is ; 

— — Müller Pröd. p. 50.^428- naribus valde patulis, in quarum interftitio 

— — Zuckert Mater, aliment. p. 256. cuticula auriculae inftar; appendice curta ad 
C. mucofus nigrefcens , extrem itate caudae commiffuram labrorum. Klein. Pifc. Miff. V- 

aequali Art ed. Gen. p. 4. n. 6. Syn. p. 5. n. 7. p. 63. 

fpec. p. 27. n. 14. Tinea, vel Merula fluviatilis, Cb.arlet.onom. 

. — — Kramer Elench. p. 392. n. 6. p. 162. n. 11. 

— — Gronov. Muf. Ichth. I. p. 4. n. 18. — Rondel. P. 2. p. 357. 

L 2 

a) Mifc. Pifc. V . p. 6t. n. 2. c) Faun. fuec. p. 129. n. 360. 

b) Seine Worte find: Caudam ineurvatam d) 1. c. p. 118. n. 332. 

vel finuatam gerens, ac fi ea bis fracla fuiffet. e) Befchäft. nat. Fr. 4.B. S. ^84. 
Ichthyol, p. 33. 



84 Zweeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondere. 

Tinea, ScUvian. p. 90. DieSchleihe. Müller , L. S. -ifter Th. $. 383» 

— Gefn. Nomenclat. p. 295. Aquat. p. 984. Die Schlei. Richter, Ichth p. 828. 

— Aldrov. p. 646. Meier, Thierb. 2 Thl. t. 51. 

— Ionfion. p. 146. t. 29. flg. 2. ■ Döbeis Jäger Pr. 4 Th. S. 83. 

— Riujfch, Thef. p. 114. t. 29. Der Schlei, SchufteihTch, fj^far« Nat Gefch* 

— Schonev. Ichth. p. 76. von Lief!. S. 124. 

— Wilhglib. p. 251. t. q. 5. Gay«. Thierb. S. 157. b. 

— Marfigl. p. 47. t 15. Thench Penn. p. 359. n. 161. 

— Schwenckf. theriotr. p. 448. la Tauche, Cours d'hift. nat. p. 289. 

— Blaßt Anat. p. 305. c. 23. 

Die kleinen Schuppen, welche den Körper des Schleies bedecken, und deren Zahl 
Richter auf 30,000 angiebt, a) geben ein Kennzeichen .ab, ihn von den übrigen Karpfen- 
Gattungen zu unterfcheiden. Der Kopf ift grofs, die Stirne breit und grünfehwarz , das 
Auge klein, die Pupille fchwarz und der Ring goldfarbig. Die Backen find gelb und fpie- 
len ins grüne ; die Kehle ift weifs und an jedem Winkel des Mundes eine kurze Bartfafer 
befindlich. Die Kinnladen find von gleicher Länge und die Lippen fo ftark, wie beim 
Karpfen, mittelft welcher er beim Frafs eben fo fchmatzt, wie diefer. Der Rücken 
bildet einen flachen Bogen , ift rund und von fchwarzgrüner Farbe. Auf den Seiten fpklt 
er, bis zur Seiten- Linie hin, die nur wenig gebogen ift, ins grüne, weiter herunter ins 
gelbe und am Baucheins weifsliche; wiewohl mir auch welche vorgekommen find, die 
eine fchwarze und noch andere, welche eine grüne Farbe hatten. Man wird nicht leicht 
einen Fifch finden, bei welchem der Einflufs des WafTers auf die Farbe deilclben fichtbarer 
wäre, als bei diefem: auch weichen bei ihm die Männchen von den Weibchen, fowohl in 
Abficht der Farbe als der Güte des Fleifches merklich ab. Erflere haben eine hellere Farbe, 
befteres und fetteres Fleifch und am Bauche gröfsere und ilärkere Knochen undFlofsen; fie 
werden daher auch in hiefiger Gegend, dem Namen nach, unterfehieden , indem man die 
Männchen Knochen- die Weibchen aber Bauch - Schleie nennt. Die Flofsen find ftark und 
von einer violetten Farbe; die Sehwanzflofse ift an den Ecken abgeftumpft und in der 

a) Richter 1. c. 



Ziveeler Abfchnitt. Von den Karpfen insbefonäere. 8S 

Mitte gerade. Bei keinem einzigen Fifch habe ich die Knochen, woran die Bruft. und 
Bauchflofsen befeftiget find, (fcapula et os innominatum) fo ftark angetroffen, als beim 
Schlei. D^r ganze Fifch ift mit einem dicken Schleim überzogen, und daher fo glatt, als 
ein Aal anzufühlen ; unter diefem Schleime liegen die Schuppen, welche nur erft dann er- 
fcheJnen, wenn der Fifch von demfelben gefäubert ift. Sie fitzen fehr fefte auf einer dicken 
fchwarzen Haut , die fein weifses und weiches Fleifch bedeckt. 

Diefer Fifch liebt flehende WafTer und man trifft ihn in allen Welttheilen und faft 
in allen Seen und Sümpfen an; er hat ein zähes Leben, und bleibt nicht nur im flachen 
WafTer zur Sommerszeit , fondern auch im Winter unter dem Eife ohne Wuhnen a) am 
Leben. Dafs er den Winter hindurch fchlafe , hat bereits von Bergen b) behauptet , und ich 
weis aus Erfahrung fo viel, dafs er in hiefiger Gegend auch bei der Fifcherei unter dem Eife 
nicht gefangen wird ; vom Schlampitzker und Aal ift es ebenfalls bekannt, dafs fie im Winter, 
im Schlam verfteckf, ihre Zeit in Ruhe zubringen. DieferFifch kann in Pfühle, Viehtränken 
und andere kleine WafTer verfetzt werden; er wächft bei guter Nahrung fchnell und erlangt 
eins anfehnliche Gröfse, indem man ihn zu Zeiten von 7 bis 8 Pfund fchwer antrifft : jedoch 
ift er wegen feines weichlichen Fleifches und zähen Schleims einem fchwachen Magen nicht 
anzurathen. Im Jim fucht er die mit Kräuter bewachfenen Stellen auf, um feinen Laich 
daran zu befeftigen, und er vermehrt (ich ftark. Man fängt ihn mit Hamen und auch mit der 
Angel. Wenn gutes Wetter eintreten will, fo fpringt er nach der Beobachtung des Land- 
mannes (welches auch Cardanus bereits bemerkt hat) c) aus dem WafTer in die Höhe. Seine 
Feinde find, fo lange er noch klein ift, ; der Barfch und der Hecht , deren Nachftellun°en 
er nicht feiten dadurch entgeht, dafs er fich in den Schlam verkriecht. 

Diefer Fifch wird auf verfchiedene Weife zubereiter. Man kocht ihn nämlich in 
Salzwaffer und giefst nachher eine aus Butter , Efsig und etwas Gewürze bereitete Brühe 

L3 



a) Oefhungen, welche die Fifcher ins Eis . b) Diff. de anim. hiem. fopitis Franckfurth. 
hauen, um den Fifchen Luft zu machen. *75 2 ' P- J 5- 

c) Traftat. de rerumVariet. Iib.7. cap. 37. p. 414. 



gS Zweeter Abschnitt. Von den Karpfen imbefonderc. 

darüber; auch bekömmt er einen angenehmen Gefchmack, wenn er mit einer But- 
ter-Brühe, Dillkraut und etwas Milch zurechte gemacht wird; ferner wird derfelbe, 
ohne alles Waffer, in feinem eigenen Saft gefchinoolt, nachdem er vorher nur ein wenig 
mit Efsig begoßen worden, und man verfpeift ihn alsdenn mit Gewürz und einer Eier- 
brühe ; endlich wird er auch gebraten gegeffen. 

In Rückficht auf den Bau der inneren Theile weicht diefer Flieh von den übrigen 
diefes Gefchlechts darin ab, dafs er in jeder Kinnlade vier kurze und breite Zähne , auf jeder 
Seite fechszehen Pvibben und im Rückgrad neun und dreifsig Wirbelbeine hat. Sein Darm- 
kanal hat zwo Beugungen ( in welchem ich den Kratzer a) angetroffen , fo wie Herr 
Bonnet in feinem Unterleibe den Fick b) gefehen hat ;) die Gallenblafe ift grofs und die Galle 
dunkelgrün und fchr bitter. Die Eier diefes Fifches find von einer gelblichen Farbe und fehr 
klein: denn ich fand fie am Ende des Mays, und folglich kurz vorder Laichzeit, noch 
nicht fo grofs, als den Mohnfaamen. In einem Fifch, von s| Pfund wog der Ro- 
gen 5 Loth 5 Quentl, davon ^ Quentl 2200 und folglich das Ganze 297,000 Eier ent- 
hielt. Er geniefst indeffen gleiche Nahrung mit ihnen ; ein guter Landwirth duldet ihn 
daher nicht in feinem Karpfenteiche, weil er jenen, die einen höhern Werth haben, Ab- 
bruch thut. Diefer Fifch ift in Deutfchland überall unter dem Namen Schlei bekannt ; in Lief- 
land führt er noch den Beinamen Schumacher; in Efihland heifst er Kuppefeh und von den 
Letten wird erLichnis, Line, Schlejie; in Holland Zeelt; in Friesland Muythonden; in 
England Tench ; in Schweden Skomacker, Linnore und Sutore; in Dännemark Süder und 
Slie; in Frankreich laTanche; in Italien Tenca und in Spanien Tinea genannt. 

Es ift bereits oben erinnert worden, dafs die bald dunklere bald hellere Farben der 
Fifche in der verfchiedenen Befchaffenheit des Bodens und einem davon abhängenden mehr 



a) 4ter Band der Befchäftigung. S. 543. 549. merkt, obnerachtet meiner feit verfchiedenen Jah- 

b) Bonnets Abhandlungen aus der Infekto- ren angeflehten Nacbforfchungen der Eingewei- 
logie überf. vom Hrn. Paftor Goetze, S. 45. dewürmer, die bey diefem Fifche um fo häufi- 
In hiefiger Gegend, wo diefer Fifch fehr ge- ger gewefen, da ich ihn, fo lange er zu haben 
mein ift, habe ich diefen Wurm noch nie be- ift, wenigftens zweimal in der Woche geniefse. 



Zwecter Abfchnitt. Von den Karpfen imhfondere. 87 

klareren oder trüberen Wafler ihren Grund haben. Es giebt daher die fchwarze Farbe, 
welche Ättedi, Klein und Gronov mit als ein Kennzeichen diefes Fifches annehmen , kein 
beflimmtes Merkmal ab. 

Auch ifl es unrichtig, wenn Richter vorgiebt: dafs die Weibchen deffelben 
eine monatliche Reinigung hätten. Linne legt a) in der erflen Ausgabe feiner Fauna, 
der Afterflofse diefes Fifches eilf Strahlen bei; in der zehnten Ausgabe feines Syflems 
hingegen, wo die Anzahl der Strahlen flatt der Buchflaben mit Ziefern ausgedruckt find, 
fleht, vermuthlich durch einen Druckfehler, flatt der n die Zahl 25. Diefer Fehler ift 
nicht nur in die zwote Ausgabe der Fauna und in die folgenden des Syflems übertragen, 
fondern auch in mehrere neuere Schriften b) fortgepflanzt worden. Er ift indefTen um fo 
leichter zu verzeihen, da weder der Ritter noch auch feine Nachfolger, bei der Angabe der 
Thiere ihrer Gegend, nicht ein jedes derfelben, wegen ihrer grofsen Anzahl, aufs neue un- 
terfuchen können: wenn aber der Ueberfetzer des Syflems hinzufügt, dafs in der After- 
flofse 11 bis 25 Finnen vorhanden wären , c) fo könnte daraus jemand leicht auf eine Unbe- 
fländigkeit der Anzahl der Strahlen in den Flofsen den Schlufs machen. Da die Fifche fleh 
vermitteln; der Flofsen eben fo wie andere Thiere mit ihren Füfsen und Flügeln bewegen 
und da fowohl die Anzahl und Gröfse der Federn in den Flügeln und dem Schwänze der 
Vögel, als die Anzahl der Füfse und der Zeen in denfelben nach den Bedürfniflen und 
dem Bau des ganzen Thieres eingerichtet find; fo ifl auch jede Fifch - Gattung mit fo vie- 
len Flofsen und diefe mit fo vielen Strahlen verfdien worden, als feine Bedürfnifle erfor- 
derten, und die Erfahrung flimmt, fo weit mich meine Unterteilungen belehret haben, 
damit überein. Es liegt auch der Mangel der Uebereinflimmung bei den Schriftflellefn in 
der Angabe der Strahlen in den Flofsen nicht fowohl in der Natur, als vielmehr in der Art 
und Weife, wie fie diefelben zählen. Der eine rechnet auch die kleinen und einfachen 
Strahlen mit, welche andere übergehen. Der Barbe und Blei mögen hier zum Beifpide 
dienen. Erflerer giebt Linne eilf Strahlen in der Rückenflofse und der zwoten davon eine fa- 
geförmige Geftalt ; Herr Leske aber zählt zwölf und macht die dritte fägeförmig. Beide haben 



a) Ichthyol. S. 303. c ; & ^ 0< S> ^ 

b) Wulff, Pennant, Zuckert und Fifchec. 



g§ Zvoceter ÄhJchütU Fori den Karpfen insbesondere. 

recht, indem diefer auch den erften kleinen Strahl mitzählt, Welchen Lind übergeht. Dem 
Blei geben Artedi und Gronov in der Afterfiofse heben und zwanzig , Herr Leske und ich 
aber neun und zwanzig Strahlen; jene zählen den erden kleinen nicht mit, und die letzf&n 
beide am Grunde zufammengewachfene Stralen nur für einen. Beim Artedi finde ich, dafs 
er denjenigen Fifchen , die in Schweden zu Haufe find und er daher felbft zu unterfuchen 
Gelegenheit gehabt, faft durchgängig ein bis zween Strahlen mehr giebt, als Linne und 
Grönov: dafs er aber bei denjenigen, welche er nach dem WiUughby befchreibt, der 
ebenfalls auf die kleinen nicht Rücklicht nimmt, mit den angeführten Schriftftellern überein- 
kommt. Es gehört viel Aufmerkfamkeit dazu, wenn man bei einem fetten oder jungen 
Fifche die Anzahl der Strahlen in der Rücken- und Afterfiofse genau beftimmen will. Ifi 
der Fifch fett, fo iit die Haut dick, und der erfie Rücken- Strahl liegt alsdann in derfelben 
verborgen und dies ift wahrfcheinlich dieUrfache, warum bei den Karpfen Linne den zweeten, 
Artedi, Gronov und Leske aber den dritten Strahl für fageförmig ausgeben. Die Strahlen 
find bei den Fifchen mit weichen Flofsen an ihren äufseren Enden in vier bis acht Spitzen 
getheilt: da nun die letzten beiden Strahlen in der Afterfiofse, wie eben erwähnt, im Grunde 
zufammen gewachlen find; fo lafTen fie fich bei einem jungen Fifche nicht leicht unter- 
fcheiden. Bei der Bruftflofse find die erfteren Strahlen lang , die letztere' aber-jnur fehr 
kurz. Ich will indeffen nicht behaupten, dafs eine und diefelbs Zahl fich allezeit bei einem 
jeden Individuo finden muffe, da es wohl gefchehen kann, dafs durch einen Zufall ein 
Strahl getheilt, oder verlohren gehe, auch durch eine Verletzung in der Jugend 
mehrere zufammen wachfen, oder auch durch andere uns unbekannte Urfachen mehrere 
hervorkommen können , fo wie man Beifpiele hat , von mehr als fünf Fingern an einer 
Hand, von mehreren Zeen an einem Fufse, oder mehreren Schwung- oder Ruder -Federn 
bei einem oder dem andern Vogel, a) 



a) So fah ich einftmals einen Karpfen, wel- einer Feder -Pofe und Herr von Rochow fechs 

eher eine Flofse auf der Seite hatte , die bei der Fänge an einem Raubvogel. Das Pflanzenreich 

Bauchflofse anfing und bis an die Rückenflofse liefert uns dergleichen Erfcheinungen in grüfse- 

hinlief. Eben fo fand ich drey Schafte an rer Menge. 



Zivecter.Abfchnitt. Von den Karpfen insbe fonder». %q 

Man hat diefem Fifeh nicht zu allen Zeiten einen gleichen Werth beigelegt. Von 
den Römern ward er fehr verachtet und er war bei ihnen nur die Speife des gemeinen Man- 
nes, wie aus dein Aufon erhellet, a) In dem afrikanifchen Königreiche Kongo hingegen ifl: 
er noch jetzt ein LeckerbüTen, welches fich nur allein der Hof anmaafst und es fleht eine 
Lebensfirafe darauf, wenn jemand einen Schlei fifcht und ihn nicht an die königliche Küche 
abliefert, b) In Deutfchland ift er " keine allgemein beliebte Speife und in Liefland 
wird er fo gar verachtungsweife der Schumacher genannt: in England hingegen findet 
er viele Liebhaber, c) So verfchieden die Meinungen in Anfehung feines Gefchmacks find, 
eben fo verfchieden find felb'ge, wenn es auf feinen Gebrauch und Nutzen ankommt. Bald 
foll der Genufs dtffelben das Wechfelfieber zuwege bringen; bald foll er, aufgefchnitten und 
auf die Fuf&folen gebunden, das Pcfigift und die Fi. berhirze d) und lebend auf die Stirne ge- 
legt, die Kopffhmirzen vertreiben, auch auf das Genicke gebunden, die Augenentzündungen, e) 
und auf den Bauch gelegt, die Gelbfucht heilen, f) Wenn aufserdem feine Galle die Wür- 
mer vertreiben und getrocknet und geräuchert , die Ohrenflülfe heilen foll ; fo könnte 
man erfiere Wirkung der Bitterkeit derfelben und letztere der Warme zufchreiben. 
Man gieng noch weiter, indem man ihn nicht allein als ein vorzügliches Arzeneimütel an- 
falle, fondern denfelben fo gar felbft zum Arzt der Fifche machte, welcher ihre Verwun- 
dungen durch das Reiben an feinem fchleimichten Körper heilen g) und auch die Karaufche 
vom Kiemenwurm befreien follte. h) Dafs nun der Welfs und Hecht diefen Fifch als ihren 
Arzt aus Erkenntlichkeit verfchonen follten , i) dies möchte wohl eb?n fo wenig Glauben 
finden, als dafi, er aus dem Schleim erzeugt würde und die Rogener unter ihnen eine 
monatliche Reinigung k) hätten. 



a) Quis non eft virides vulgi folatia tin- f) Linne, S. N. p. 526. 
eas norit. g) Richter, S. 843- 

b) Allgem. Reife, 4terBand, S. 693. h) Linne, 1. c. 

c) Willughb. p. 252.- i) Richter, 1. c. 

d) SchwenckUd, p. 448. k) Ebenderf. S. 839- 
c; Richter, S. 835. 

M 



90 Zwetcr Abjchnitt. Fort den Karpfen insbefondeu. 

DER GOLDSCHLEL 
XVte Taf. 



■ ■ Der Körper goldfarbig, feine Schuppen klein und die Flofsen durchfichtig. Br. 16. 

Cjprimts Urica auratus , fquarnis parvis , pimis transparentibus. P. XVI. V. X. A. IX. 
C. XIX. D. XII. 

Der Goldfehlei unterfcheidet jfich von dem vorhergehenden durch feine dünnen, 
durchfichtigen und gröfseren Flofsen, die ungleiche Anzahl von Strahlen und die prächtige 
Goldfarbe. Er hat in der Bruftflofse fechszehn, in der Bauchflofse zehn, in der After- 
flofse neun, in der Schwanzflofse neunzehn und in der Rückenflofse zwölf Strahlen. Dicfer 
Fifch ift ohnflreitig, unter den europäifchen , einer der fchönßen: denn die matte Gold- 
farbe feines Körpers, die rofenrothen Lippen und Strahlen, die weifslichen, dünnen 
und durchfichtigen Floisen , welche im WafTer wie ein leichtes Gewand fpielen , die fchwar- 
zen Flecke, welche die fchöne Farbe des Fifches noch mehr erhöhen, geben ihm, befonders 
wenn die Sonnenflralen darauf fallen , ein reizendes Anfehen. Ich, mufs bekennen, dafs, 
ohnerachtet die KünfHer bei dem Ausmalen deflelben allen Fleifs angewendet, fie doch 
noch weit zurück geblieben find, die Schönheit der natürlichen Farben zu erreichen. Der 
Kopf ifl gegen den dicken Körper nur klein, die Lippen und Nafe haben eine Carmin- 
Röthe , die breite Stirne eine fchwärzliche und die Backen eine gelbe Farbe. Die Augen 
find mit einer fchwarzen Pupille, welche gelb eingefafst ift und einem diefe umgebenden 
Ring, der ober wärts weifsgelb und unten fchwarz ift, verfehen. Die Mundöfnung ift klein 
und an jedem Winkel derfelben eine kurze Bartfafer fichtbar. Der Rücken macht einen 
flachen Bogen, ift rund, oberhalb der Flofse fchwarz- und unterhalb derfelben gelbbraun. 
Die Rückenflofse ift grofs und dem Kopfe näher, als die Bauchflofse. Der Körper hat, bis 
nahe an die Seitenlinie, eine rothgelbe oder orange- unterhalb derfelben aber eine weifsgelb- 
liche Farbe. Diefe Linie, welche, in einer geraden Richtung fortläuft, ift breit und mit 
rothen Punkten befetzt ; die rothen ftarken Strahlen der Flofsen , die fich am Ende in fechs 
bisacht Zweige theilen, find durch eine weifse, fchwarzgefletkte Zwilchenhaut verbunden. 
Den liier abgebildeten habe ich der Gnade Ihro Majeflät unferer Königin zu verdanken. — 



Ziseeter Abfchnitt. Von den Karpfen huhefondere. 91 

Allerhöchftdiefelben liefsen vor dreizehn Jahren dreifsig Stück davon aus Schießen kommen 
und folche in ihrem Karpfenteich zu Schönhaufen einfetzen. Auch hat der feiige Graf 
Haack allhier vormals diefen Fifch, den er aus Olau in Ober -Schießen verfchrieben , in fei- 
nem Teiche gehabt. Wie mich des Königlichen Grofs-Canzlers und Juftitz - Miniflers 
Herrn von Carmer Excell. verfichern , fo foll er in Schießen nicht feiten und mit dem ge- 
meinen Schlei in einerlei Teiche befindlich feyn , und eben fo wie diefer zurechte gemacht, 
verfpeiftt werden; auch trifft man ihn im Münfterbergifchen ohnweit Neifse, und wie mir 
die Frau Generalin von Sobcck erzehlte , in Böhmen an , wo fie diefe Fifchart in den Teichen 
des Fürffen Klaty gefehen hat. Ob nun Schießen das eigentliche Vaterland des Goldfchleies, 
oder ob er auch in anderen Ländern anzutreffen fey, das kann ich, aus Mangel hinlänglicher 
■ Nachrichten, vor der Hand noch nicht befiimmen: denn aufser dem Kramer erwähnt kein 
einziger Schriftßeller eines Fißhes unter diefem Namen und wenn er fagt , dafs feine Gold- 
farbe vom fumpfichten Wafler herrühre; fo fcheinet es doch, dafs fein Fifch nicht der 
unfrige, fondern der gemeine fey, der auch zuweilen mit einer fchönen Goldfarbe glänzt. 
Ich habe mehrmalen dergleichen Schleie gefehen, welche aber nie die reine und matte Goldfarbe 
der unfrigen gehabt haben, fondern eine folche, welche allezeit ins fchwarze oder grün- 
liche fpielte, und eben fo wenig traf ich an ihren Flofsen die weifse Zwifchenhaut , noch die 
rothen Strahlen an. Der Wachsthum des Goldfchleies geht nur langfam von ftatten: denn 
von den obenerwähnten, ob fie gleich vor dreizehn Jahren eingefetzt worden und da- 
mals nur fechs bis ßeben Zoll lang waren , find ohngeacket der reichlichen Nahrung , die 
ihnen vorgeworfen wird , die grofsten nicht über zween bis drittehalb Fufs lang. Ihre Laich- 
zeit kann ich nicht angeben, denn man hat dafelbß weder das Geplätfcher, welches die 
mehrften Fifche zu diefer Zeit in ihrem Behälter zu machen pfi gen, noch eine Brut 
darin wahrgenommen: wovon die Urfache ohnßreitig in den hohen Ufern des 
Teiches liegt. Hier läfst er den Rogen nicht anders, als durch das Reiben an den Grund- 
kräutern von fich, wo er denn aus Msngel. der nötbigen Wärme unausgebrütet bleibet. 

Der Schlei lebt gewöhnlich, wie die übrigen diefes Gefchlechts, von Grundkräu- 
tern und Würmern; in 5chÖnhaufen füttert man ihn, wie den Karpfen, im Summer mit 
Brodt, im Winter aber, weil die Fifche nur feiten an die Oberfläche kommen, mit gekoch- 

M a 



PS Zweiter Abfchnilt. Von den Karpfen inshefondere. 

ten Erbfen und Bohnen, welche bald auf den Grund fallen. Merkwürdig ift es indeffen, dafs 
der Goldfehlei, wenn durch eine Glocke das Zeichen zur Fütterung gegeben wird, fleh 
nicht mit dem Karpfen zugleich einfindet, fondern nur erffc alsdann erfcheint, Wenn, nach 
bereits eingeworfenem Futter, die Karpfen dadurch, dafs fie es fleh einander weg zu hafchen 
fuchen, ein Geräufch verurfachen. Ob nun ihr Gehör flumpfer, oder ob fie zu dumm 
find, um auf das gegebene Zeichen zu merken, laffe ich billig unentfehieden. 

Diefe Fifchart liebet die Wärme: denn im Winter und Frühjahre verbergen fie fich 
in die Tiefe und unter das in den Teich gefallene Laub ; im Sommer hingegen fchwimmen 
fie in kleinen Gefellfchaften an der Oberfläche des WafTers : wohin fie durch die Wärme, 
nicht aber durch den Sonnenfchein gelockt werden, welches daraus wahrfcheinlich wird, 
weil derjenige, den ich auf meinem Zimmer hatte, fich befländig an diejenige Seite des 
Gefafses hielt, die am fchattigflen war und felbige jederzeit wieder auffuchte, wenn 
man ihn an helle Stellen brachte. Hier blieb er einige Wochen lang ganz ruhig flehen: 
als ich aber in der Folge demfelben ein Rothauge und eine Karaufche zu Gefellfchaftern gab, 
die in ihrer neuen Wohnung etwas unruhig waren ; fo fieng der Goldfehlei an , mit herum 
zu wandeln und wie diefe wieder heraus genommen wurden, verliefs er zu Zeiten feine 
fchattigten Stellen und fchwam, jedoch nur auf eine fehr kurze Zeit, in dem Gefäfse herum. 
Diefen Fifch erhielt ich eine geraume Zeit im Brunnen waffer, welches ich von Zeit zu Zeit 
erneuern und etwas Brodt hinein werfen liefs und er befand fich hierbei eben fo munter, als im 
fliefsenden WafTer, womit er die erde Zeit verfehen wurde. Sein Leben ifl überaus zähe, 
denn er überlebte den Gründling, die Güfler, Plötze, das Rothauge und auch fo gar den ge- 
meinen Schlei , welche ich nach und nach zu ihm in das Gd'iis fetzen liefs. 

DER KARPFEN. 
XVI. XVIIte Taf. 

Der dritte Strahl in der After- und Rückenflofse fägeförmig. Br. 16. B. 9. A. 9. 

19. Der c r. 

* . S. 19. R. 24. 
Karpfen. * ^ 

Cyprinus ojßculo tertio in pinna dorß aniqne ferrato. P. XVI. V. IX. A. IX, 
C. XIX. D. XXIV. 



Zweeter Abfchnitt. Von den Karpfen inshfonderf. 93 

C. Carpio, pinna ani radiis p; pinnae dorfalis radio fecundo poftice ferrato, Lim. S. N. 
p. 525. n. 2. a) 

Diefer Fifch, der beinahe in allen Ländern und Sprachen unter dem Namen Karpfen 
bekannt ift und dem ganzen Gefchlechte feinen Namen giebt , ift durch den dritten fägeför- 
migen Strahl, den er in der Rücken- und Afterflofse hat, kenntbar. In der Bruflflofse zeigt 
er fechszehn, in der Bauchflofse neun, in der Afterflofle neun, in der Schwanzflofle neun- 
zehn und in der Rüekenfloffe vier und zwanzig Strahlen. Der Kopf ifi grofs , die Stirne breit 
und blaufchwarz, und die Backen haben eine blaue Farbe. Das ganze Auge des Karpfen ift 
fchwarz, bis auf eine gelbe Einfaflung, Wehe die Pupille umgiebt. Die Kinnladen find 
gkich lang, die Lippen, womit fie beim Frafs fchmatzen, ftark, von gelber Farbe und 
jeder- Winkel derfclberi mit einer längern, die Nafe aber mit zwo kurzen Bartfafern verfe- 
hen. Die Schuppen, welche den Körper bedecken , find grofs und der Länge nach geflreift. 
Der Rücken, welcher einen flachen Bogen bildet, ifr von hlaugrüner Farbe, oberhalb der 
Flofse fcharf und unterhalb derfelben rund; .die mit fchwarzen Punkten befetzte Seitenlinie 
macht eine geringe Beugung. Nach dem Bauche zu ift er auf den Seiten gelb, ins grüne 
undfehwarze fpielend, am Bauche weißlieht und am Schwänze gelb. Die Rückenflofse ift 
grau, dk Brufl- und Bauchflofse violet, die Afterflofse braunroth und die gabelförmige 
Schwanzflofse violet, mit einer fchwärzlichen Einfaflung. Das Vaterland des Karpfen ift 
ohnfireitig in den fiidlicheren Theilen Europens zu fuchen; denn ArißoUlet b) und 
Plinius c) gedenken feiner bereits; in den nördlichen Ländern hingegen ift er durch die 
Verfetzung gemein geworden. So brachte ihn Mafchal im Jahre 1514 nach England, d) 

M 3 



a) Dadiefer Fifch allgemein bekannt und auch tentheils meinem würdigen Freund, dem königi. 

bei den Schriftftellern unter keiner andern Be- Hof- und Cammer - Gerichtsrath, Herrn Uhl, 

nennung, als Karpfen und Qfprjnus- vorkommt-, zu danken habe, beigefügt ~ 
fo hake ich es für überflüfsig, die Schriftfteller ,v „.- . ... 

, <-.., •/-,,<„ b J "ift. anim.hb. 2. c. 13. I.4. c. 8. 1. 6.C.14. 

dazu anzuführen, um fo mehr, da diefer Arti- , n ö * * 

kel ohnehin lang ift. Statt deffen habe ich eine 

kurze Befchreiburig vom Verfetzen und der An- c ) ^ J '^" nat ' ^- 3 2 - c - IX - 

legung der Karpfenteiche, ftr wie ich fie grö.s- d) Penn. Brit Zoo!. 111. p. 353. 



94 Ztveeter Abfchnitt. Von den Karpfen wleßudere. 

aliwo er jetzt eben fo gemein ift, als bei uns, und Peter Oxe, unter Friederich den Uten, ohrw 
gefehr 1560 nach Dännemark; a) auch in Holland und Schweden b) wird er g« heget : allein 
je weiter ditfer Fifch nach Norden kömmt , je mehrärtet er aus und wird kleiner, c) Es wer- 
den daher jährlich aus den preufsifchen Seehäfen viele Schiffe mit Karpfen nach Rufsland und 
Stockholm verfahren. 

Karpfen findet man in langfam fiiefsenden StrÖhmen, in Seen und Teichen und 
da fie nach der Verfchiedenheit der WafTer auch am Gefchmacke verfchieden find ; fo nennt 
man fie daher Strohm- See- und Teichkarpfen. Jene hält man für die beften und diefe für 
die fchlechteften. Diejenigen haben einen vorzüglich guten Gefchmack, die in Seen 
oder Teichen leben, durch die ein Bach fliefst, der ihnen befländig frifch Waffer zuführet. 
Schon aus der Farbe läfst fich beurtheilen, aus welchem Waffer der Fifch genommen j 
denn diejenigen, welche in Flüfsen und grofsen Seen flehen, haben eine gelbere, die aus 
den Teichen aber eine mehr grünliche oder fchwärzliche Farbe : letztere haben auch gewöhn- 
lich einen modrigen Gefchmack, welchen fie aber verlieren, wenn man fie einige Wochen 
zuvor, ehe fie verfpeift werden, in ein reines Waffer fetzt, oder einige Tage im fiiefsen- 
den Waffer in einem Fifchkaften oder Drebel gegen den Strohm ziehen läfst. " 

Der Karpfen hat ein zähes Leben und man kann ihn daher des Winters in Fifchbe- 
hältern und in Cifternen im Ktller aufbewahren , wo er mit ßrodt und Sallat fett gemacht 
«rird ; auch läfst er fich in Schnee gepackt und mit einem Stückchen in Brandtwein ge- 
tunkten Brodts verfehen , zwanzig Meilen weit lebendig verfahren. Diefer Fifch wächfl bei 
einer guten Fütterung ziemlich fchnell und zu einer anfehnlichen Gröfse. Noch erft 
im vorigen Winter brachte man mir einen, welcher auf den gräflich Schulenburgi- 
fchen Gütern in Sachfen gefangen war, 22 Pfund wog und noch nicht der gröfste von de- 
nenjenigen gewefen leyn foll , die man dafelbft findet. Bei Angerburg in Preufsen werden 

a) Pontoppidans Nat. Gefch. von Dännemark, Herr Graf vom Moltke auf feinen Gütern angelegt 
S. 190. hat, jährlich an acoo Thaler einbringen. 

b) Linne, Faun. p. 12g. n. 359. 

Wie mich der feelige Juftitzrath Schlegel ver- c) Pontoppid. Natur. Hift, von Norwegen, 
ilcherte, fo follen die Karpfenteiche, welche der 2. Th. S. 236. 



Zweettr Abfchnitl. Von den Karpfen insbe fonder e. 95 

Karpfen von 36 bis 40 Pfund angetroffen, a) Zu Dertz, in der Neumark an der pommerfchen 
Gränze, wurde ein Karpfen von 38 Pfund fchwer gefangen und dem Könige, der fich da- 
mals zu Stettin befand, als eine Seltenheit lebendig gebracht und 1753 aus dem im fiern- 
bergifchen Kreife dafelbft gelegenen lagaufchen See, ein fo ungeheuer grofser Karpfen 
geflieht, der die Dicke eines Knabens hatte, b) Im Jahre 1711 ward zu, Bifchofshaufen, 
eine Meile von Frankfurth an der Oder, ein Karpfen gefangen, der äf Ellen lang, eine 
Elle breit, mit Schuppen von der Gröfse eines Achtgrofchenflücks bedeckt und 70 Pfund 
fchwer war. c) Auch im Golitzer See, ohnweit dem konigl. Amte Lenin , werden Karpfen 
zu 30 Pfund und drüber angetroffen. In dem Dniefter findet man Karpfen in einer Länge 
von z\ Elle und in Siradien follen fie von einer fo grofsen Stärke fein , dafs man aus den 
Gräten zu Petrikau MefTerhefte verfertigt, d) Auch Ungarn hat 4 Fufs lange und fo fette 
Karpfen aufzuweifen, dafs der Wand wie Speck auslieht, e) Vom Rogen diefer Fifche 
wird Caviar gemacht, den man in Konftantinopel an die dafige jüdifche Nation verkauft. 

Da der Karpfen nicht nur zum Nutzen , fondern auch zum Vergnügen in den Tei- 
chen der Grofsen gehalten wird , fo hat man dadurch Gelegenheit gehabt , von dem hohen 
Alter, welches er erreicht, merkwürdige Beifpiele zu fammeln. So erzehlet Isdel, 
dafs es in der Laufitz Teiche gäbe , deren Karpfen man bereits vor zweihundert Jahren ein ge- 
fetzt, f) Herr von Büßon verfichert, im Schlofsgraben zu Pontchartrain Karpfen gefehn 
zu haben, deren Alter fich zuvcrläfsig über 150 Jahr erfireckte. g) Im königlichen Schlofs- 
garten zu Charlottenburg erblickt man ungemein grofse und wegen ihres hohen Alters mit 
Moofs bewachfene Karpfen, h) 

a) Brefslaufche Sammlungen XV Verfuch im h) Wenn die Fifche ein hohes Alter errei- 
N. Schaupl. der Natur, 4. B. S. 387. eben, fo fcheint der Grund darin zu liegen, dafs 

b) Richter, S. 8°2. 803. fie beftändig in einem naiTen Elemente leben, 

c) Beckmanns Gefch. der Chur, 1 Th. S. 574. in welchem ihre Fafern die gehörige Biegfam- 

d) Rzaczynskypolnifch.Nat.Hift.S.143.163. keit weit länger behalten. Da aufserdem fie 

e) Mariig. Danub. 4. p. 58. im Waffer immer eine beinahe gleichförmige 

f) N. S. d. Nat. 4. B. S. 386. Temperatur genießen, fo find fie weit wenigem 

g) Allg. Naturgefch. 4ter B. S. 167. in der Krankheiten, als andere Gefchöpfe, die durch dier 
maitin. Ueberfetzung. Veränderung der Luft, bald in einem heifsen, bald 



9<» Ziveeter Ahßmitt. Von den Karpfen insbefondere. 

DkferFifoh kbt, fo wie die übrigen feines Gefchledhts , von Kräutern, fetter Erde, 
Würmern und WafFer Infekten : vorzüglich liebt er den Schaafmift und gedeihet daher am 
heften in fulehen Teichen, in welche der Regen den Mift von dtn'Schaaihorden hinein füh- 
ret. Der Karpfen ftreicht im Jun und bei einem Warmen Frühjahre fchon im May, zu 
welcher Zeit er die mit Kräutern bewachfene Stellen auffucht, um feine Eier daran zu kle. 
hen. Gewöhnlich- wird ein Rogener von drei Mikhern begleitet. Zu diefer Zeit gehen 
die Strohmkarpfen in ganzen Schaareh nach den mit dem Strohm in Verbindung flehenden 
ruhigen Gewäffern und wenn fie in ihrem Zuge auf einen Rechen flofsen, welcher fie weiter 
2u gehen hindert; fo fpringen fie, wenn es auch vier bis fechs Fufs hoch fein füllte, über 
denfelben hinweg, und wenn fie abgelocht haben, wieder in den Strohm zurück. Dergleichen 
Luftfprünge der Karpfen gleichen völlig denen, welche die Lachfe zu machen pflegen und 
man fiehet folches oft in grofsen Karpfenteichen. Sie legen fleh an der Oberfläche des 
Waffers auf die Seite, krümmen den Schwanz und Kopf fco genau zufammen, dafs fie 
einen völligen Cirkelbogen befchreiben, dehnen (ich alsdenn plötzlich aus einander und 
üchnellen fleh dadurch, dafs fie mit Gewalt auf. das Waffer fchlagen, vier bis fechs Fufs hoch 
und eben fo weit nach der Seite, wohin fie die Bewegung richten, a) Die Brut indeffen 
welche nicht vermögend ifl , über den Rechen zu fpringen, fällt alsdenn dem T\ ichhefitzer 
als ein Eigenthum zu, welcher fie, nachdem diefelbe zu acht bis zehn Zoll herangewach- 
fen, beim Abiaffen des Waffers aufflicht, um fie zum Verfttzen oder zum Verkauf zu 

in einem kalten Clima, bald in einer feuchten, bald wohl des frühen Laichens diefes Fifches, als der 

in einer trocknen Gegend fich befinden, unter- zeitigen Anfchwellung des erwähnten Strohms, 

worfen. Auch trägt ohne Zweifel die gleich- liegen obnftreitig in einem warmen Frühjahr. 

förmige Nahrung, welche die Fifche geniefsen, Der Karpfen findet alsdenn reichliche Nahrung, 

nicht wenig dazu bey. feine Eier werden früher entwickelt, der Leib 

a) Das Uebergehen der Karpfen aus dem aufgetrieben und er fucht daher eher, als in einem 

Rhein in die Gräben und Seen dienet den An- kalten, die mit Kräutern bewachfene ruhige Waf- 

wohnern zum Zeichen einer bevorstehenden fer auf , um fich, durch das Reiben an denfel- 

Ueberfchwemmung. Wenn fie die Karpfen in ben, von einer unangenehmen Spannung zu he- 

den ftillftehenden Wallern fchon im May be- freien: aber eben die Wärme, die den Karpfen 

merken, fo find fie von der baldigen Austre- fo frühzeitig fruchtbar macht, ift auch zugleich 

tung des Rheins vergewiffert. Die Urfache fo die Urfach der Ueberfchwemmung. 



Ziseeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefonderc. 97 

nutzen. Die Erfahrung hat gezeigt , dafs dergleichen Karpfen , wenn man fie in gute Fett- 
teiche verfetzt, vorzüglich grofs und fchmackhaft geworden find. Es ifl kein Wunder, 
wenn der Karpfen ohngeachtet der vielen NachfMIungen der fleifchfrefTenden Fifche und Vögel 
ungleichen des Frofehes, fleh dennoch flark vermehret, da ihn der Schöpfer mit einem fo reich- 
lichen Eierftock verfehen hat, dafs ich in einem von drei Pfund ohngefähr 237000 
Eier wahrnahm. 

Man fangt diefen Fifch in grofsen Seen mit dem Zuggarne , in Teichen aber mit 
Hahmen , Wathen und Keulen , wenn in diefe eine Lockfpeiie gehangen wird. Es ift je- 
doch der Karpfen ein Fifch, welcher (Ich fchwer fangen läfst, denn fo bald er das Netz 
merkt, fleckt er den Kopf in den Schlamm, und läfst daffelbe über fleh weggehen: findet 
er aber nicht fogleich einen weichen Boden ; fo weifs er vermitteln des Schwanzes fich in 
eine folche Bewegung zu fetzen, dafs er in einer Manneshöhe über das Netz hinaus fpringt. 
In kleinen Seen bedienet man fich daher zweer Hahmen zu gleicher Zeit, die dergeflalt ne- 
ben einander auigeftellt find, dafs, wenn er aus dem einen herausfpringt, er in den andern 
hineingeräth : indefien läfst er fich doch durch die Angel leicht berücken, wenn man ihn 
durch gekochte Erbfen oder andere gewöhnlichen Frafse an den Fütterungsplatz hinlocket 
und durch Würmer, welche an eine Grundangel gefpiefst find, zum Anbeifsen reizt. 

Der innere Bau des Körpers bei diefem Fifche weicht von den übrigen darin ab, 
dafs er in jeder Kinnlade fünf breite Zähne hat, die in der Mitte einen flumpfen Winkel 
bilden. Sein Darmkanal hat fünf Beugungen , der Rückgrad flehen und dreifsig Wirbel- 
beine und auf jeder Seite fechszehn Ribben ; feine Gallenblafe Ift grofs und die Galle dunkel- 
grün, flark bitter und dienet den Malern zum Saftgrün. 

Der Karpfen wird auf verfchiedene Art zurechte gemacht: entweder man kocht ihn 
mit SalzwafTer und geniefst denfelben alsdann mit geriebenen Meerrettig und Efsig , oder 
er wird mit Bier und Efsig, und wenn er mager ift, durch Zuthun der Butter , oder auch 
mit Pontak gekocht. Auf vornehmen Tafeln erfcheint er auch gefüllt, oder mit Sardellen 
gefpickt, am Spiefs gebraten. Die ganz grofsen Karpfen, die wegen des vielen Fettes 
nicht wohl zu geniefsen find , geben , wenn fie wie Lachs marinirt werden , eben fo gut, 
als jene, einen LeckerbifTen ab. Wenn beim Aufreifsen des Fifches durch Verletzung der 

N 



j>8 Ziveeter Abfchnitt. Von den Karpfen msbefondert. 

Gallenblafe die Galle fleh ergiefst , fo kann man ihm die Bitterkeit durch fcharfen Efsig wie- 
der benehmen. Vom Harbd bis zum Frühjahr ift fein Gcfchmack am bellen. Er gkbt 
Wegen feines weichen und fetten Fleifches kränklichen Perfonen keine gefunde Nahrung. 

In Deutfchland ift diefer Fifch in einigen Provinzen unter dem Namen der Karpfe 
öder Karpfen, in andern derKarpe, Karpfe bekannt, und im erften Jahr wird er Strich- 
oder Karpfenbrut , im zweiten der zweijährige und im dritten der dreijährige Saamen oder 
Satz genannt. In Schweden und England heifst er Karp; in Holland Karper; in Frank- 
reich la Carpe ; in Italien Carpa ; in der Gegend von Padua befonders Carpena und um 
Venedig, Hayna; in Ungarn Pontty und Poidka. 

Aus der Karaufche, der Giebel und dem Karpfen ent/lehen zu Zeiten Baflarte, 
die zwar gröfser find, als jene Fifjhe, jedoch nie die Gröfse eines Karpfen erreichen, denn 
fie werden nie fchwerer, als drei Pfund angetroffen. Grsner, Aldrovand, SchivenckfeU, 
Sehoneveld, M«rfigli, Willughby und Klein gedenken bereits der Baflarte, deren Dafein auch 
die heutigen Teichmeifier undFifcher betätigen unter verf.hiedenen Benennungen, a) Man 
erkennet Cie i)an den kleineren Schuppen, welche ftfler in der Haut fitzen, z) daran, dafs 
bei denfelben, röch der L^nge des Fifches, über die Schuppen Linien weg laufen und 3) an 
dem kürzern und dkkern Kopfe. Auch füllen üe keine Bartfafern haben : diefes aber würde 
nur alsdann flatt finden , wenn die Eier des Karpfen von einer Karaufche oder Giebel be- 
fruchtet wären: denn die Baflarte gleichen am Kopfe und Schwänze jederzeir dem Vater. 
Da ich noch keine Gelegenheit gehabt habe, einen dergleichen Baflart zu unterfuchen; fo 
habeich dasjenige, was mir von einem erfahrnen Landwirth hierüber gefagt worden, hier 
mitgetheilet : damit Na'urkündiger diefe von vielen bezweiffeite Sache, in welcher man leicht 
zur Gewifsheit kommen könnte, wenn man in einem Streichteiche Rogenkarpfen und Ka- 
raufch- oder Giebelmilcher zufammen einfetzte, unterfuchen mögen. Es irren die angeführ- 
ten Schriftfleller, wenn fie aus den Baflarten eine eigene Gattung machen, indem ohne Begar_ 
tung zwoer verfchiedenen Arten niemals ein Baftart zum Vorfchein kommen kann. Es 

z) Karigs- Karpfe, Karfch-Karpe, Karatz- dimidius, Halb-Karifs, Karp-Karifs, CaraiTii 
ken-Karpe, Karp-Karafs, Halb-Karafs, Sit- fecündum genus, Gefn. Caraffus adulteratus, 
tig-Karpfj Charax craffior Iöngior, Caraffus Cyprinus nothus, Cyprinus III. Marßgti. 



Zvoceter Abschnitt. Van dm Karpfen insbefondere. 99 

gehen auch überdem die Baftarte, wenn fie auch wirklich fruchtbar find, nach einigen Zeu- 
gungen, allezeit zu ihren vorigen Gattungen zurück, je nachdem fie fich mit der einen oder 
andern Gattungen in der Folge befruchten ; fo wie diefe letztere Begebenheiten im Pflanzen- 
reiche häufig vorkommen. Noch mufs ich eines Umfiandes erwähnen , den die Alten für 
eine wunderbare Erfcheinung ausgaben und die neuern für eine Erdichtung halten. Wir 
finden nemlich beim Rondelet, a) Ge[ner y b) Aldrouand c) Abbildungen eines Karpfen mit 
einer dem Todtenkopfe, beim Richter d) dem Mopskopfe und bei Meyers e) dem Delphin 
ähnlichen Geftalt. Wir würden ihnen Unrecht thun , wenn wir diefe Sache für blofse Fa- 
beln halten wollten, welche fie, durch die' Einbildungskraft und durch einen Hang zum 
Wunderbaren verleitet, nur anders vorftellten, als fie wirklich war; denn diefe Gefblten find 
nichts anders als vernarbte Stellen einer vormals erlittenen Verwundung.^ Diefe kann in den 
Fällen gefchehen, wenn z. B. Karpfen in einer flachen See, da fie fich bei hei fser Witterung in das 
kühle Gras verdecken , beim Mähen des Gräfes, durch die Senfe am-Kopfe eine ftarke Verwun- 
dung bekommen, oder gar ein Stück verlieren: ein Umftand, der übrigens zugleich einen Beweis 
von dem harten Leben diefes Fifches abgiebt. Auch das Cafirirenoder Verfchneiden der Karpfen, 
welches der englifche Fifcher T«//, f) um fie fett zu machen, erfunden und wo nach dem Verfuch 
des de la Tour von mehr als 200 kaum vierStück g;ftorben find, g) iffc ein Beweis hievon. h) 

Da der Karpfen ein allgemein geachteter Fifch ift, fo hat er durch ganz Europa die 
Aufmerkfamkeit der Landwirthe auf fich gezogen, und fie vermögt, ihn in ihre Seen zu 
bringen und zu hegen. Die Art und Weife, wie man dabei zu verfahren habe, foll der 
Vorwurf? meiner folgenden Betrachtung fein. 

N % 

a) de Pifc. Pars 2. p. 154. g) Hift.del'acad. de Paris, de l'an. 1742. p.ßr, 

b) Gefneri Aquat. p. 314. Nomenclat. p. 296. h) Bei diefer Operation wird ihm der Bauch 
Thierb. S. 165. aufgefchnitten und nachdem der Milch oder Ro- 

c) De Pifc. p. 640, gen herausgenommen worden , wieder zuge- 

d) Ichthyol. S. 550. auf einer dem Buche an- nähet. Welche Graufamkeit erlauben wir uns 
gehängten Tafel. nicht gegen die Thiere, um unfern Gaumen 

e) Thierb. 1. Th. S. 12. t. & zu kützeln! 

f) Philof. Transaft. V. 48- Art. 106. 



100 Ztveeter Abjchnitt. Von den Karpfen imbefonderc. 

Die Karpfen werden von denen Teichmeiftern in zahme und wilde eingetheilet. 
Jene werden durch Zuthun der Menfchen in Teiche verfetzt und darinnen gepfleget und 
gewartet : diefe hingegen leben in Seen und Flüflen. Die Fifchcrei der wilden Karpfen ift 
von keiner Erheblichkeit, ob fich gleich in den Flüflen manchmal, als z. B. in der Havel, 
Spree und dem Rhein eine Menge derfelben findet : hingegen ift die Fifchcrei der zahmen 
Karpfen von mehrerer Wichtigkeit und ein fehr reicher Nahrungszweig. In der Laufitz, 
Böhmen, Mähren , Schlefien und Preufsen giebt es viele dergleichen Fifchereien und feit 
3768 find auf Befehl des Königs von Preufsen in der Gegend von Zoflen Karpfenteiche mit 
fehr glücklichem Erfolge angelegt worden, a) Die zahmen Karpfen werden durch die 
Kunft in drey dazu befonders gegrabenen Teichen, welche unter dem Namen Streich- 
Streck- und Fettteiche bekannt find, gezogen und fett gemacht. Ein folcher Karpfenteich 
mufs notwendig von der Befchaffenheit fein, daß er nach Willkühr zu allen Jahreszeiten 
mit hinlänglichem WaflTer angefüllt und erforderlichen Falls davon wiederum bis auf den 
Grund entledigt werden kann. Man nimmt zu lokhen Teichen unbrauchbar gewefene 

a) Es find auch allenthalben in der Mark Spu- Ausdünftungen und eine ungefunde Weide her- 

ren zu finden, dafs zu der Wenden Zeit die vorbringen und von keinem Nutzen find, wie- 

mehreften Bruch er in den Heiden und teldmar- derum herzustellen. Zur Wenden Zeit ift das 

Ken mittelft Grabens in Verbindung geftanden platte Land in der Mark weit befier bevölkert 

haben, welche durch die Länge der Zeit ver- und cultivirt gewefen, als heut zu Tage, nach- 

failen find; und wahrfcheinlich find die mehre- dem fich der Fleifs nach den in neuern Zeiten er- 

ften Brücher und Lücher Karpfen - oder andere bauten Städten gezogen und das platte Land 

nutzbare Fifchteiche gewefen. Spuren von an gröfstentheils zur unfruchtbaren Wüftenei ge* 

einander hängenden Teichen findet man in der worden, wo die ehemaligen fruchtbaren Felder 

Chorinfchen Heide, wofelbft das Klofter zu mit Sande überzogen, oder mit Heiden be- 

Chorin Karpfen- und Fifchteiche gehabt, welche wachftn find, und die ehemaligen fruchtbaren 

aber im dreifsigjührigen Kriege und nach der Viehweiden in ungefunde, dem Viehe fchäd- 

Reformation, da es den Befitzern an dem Geld- liehe Sümpfe, Moräfte, Liicher und Brücher 

vorläge zur Unterhaltung diefer Anftalten ge- verwandelt und die zu Teichen dienliche Oerter 

fehlt, oder die Güter bona vacantia geworden, kaum mehr zu kennen find, wenigftens mit 

eingegangen find. Es gehört alfo zur Landes- grofsen Koften wiederum von neuem gefchafi'et 

euleur, dergleichen verfallene Teiche, welche werden muffen, 
wegen der Stagnation des Wallers nachtheilige 



Ziveeter Ahfchnitt. Von den Karpfen hübe fonder -e. loi 

Lücher und Morafte, welche gewöhnlich mit Segge oder Riedgrafs ( Carex cefpitofa L. ) und 
Schilf bewachfen find, wovon das WafTer abgeleitet werden kann, oder Wiefen, welche 
wegen ihres morafligen und zu tiefen Grundes , kein gefundes Futter geben : wobei jedoch 
zu bemerken , dafs in kaltgründigem fchlechten Boden die Karpfen nie fonderlich gedei- 
hen. Durch folche Wiefen ziehet man Grabens nach dem Niveau dergeftalt abfehüfsig., dafs 
lieh das WafTer beim Abzüge insgefamt in einem befonders dazu gegrabenen KefTel farnmein 
und aus demfelben abgelaflen werden kann. Aus diefem Teiche wird fodann, mittelft einer 
beim Abzüge gebauten Arche oder eines Schützes, welches auf- und zugezogen werden 
kann, durch eine Rinne das WafTer, welches fich entweder aus den Quellen des Teiches 
felbfi: fammelt , oder anders woher zufliefset, abgelaflen. Das WafTer mufs fo hoch ge- 
fpannet werden, dafs es nicht nur die Grabens anfüllet, fondern auch über die Wiefen felbft 
drei Fufs hoch zu flehen kommt. Diefer Teiche giebt es dreierlei Arten, i) Der Streich- 
leich, worin man die Streichkarpfen bringt. Er darf nur ein bis zwei Morgen, zu hundert 
und achtzig Quadratruthen, grofs fein und mufs gegen Morgen oder Mittag liegen, damit 
ihn die Sonne recht durchwärmen könne: daher alle Bäume von demfelben forgfältig zu 
entfernen find, befonders die Elfen, deren abfallende Blätter eine den Fifchen fehr nach- 
theilige Lauge geben. Hiernach/!: mufs er flache Ufer oder Geläge haben , die von allen 
Seiten allmählig abnehmend einen KefTel von vier, fünf bis fechs Fufs bilden, auf welchen 
das zum Streichen der Karpfen nöthige Grafs und Schilf, welches jedoch nicht zu hoch feyn 
darf, wächfet. Man wählet zu dergleichen Teichen am liebflen einen frei im Felde lie- 
genden mit Gräfe wohl bewachfenen Pfuhl im beften Theile der Feldmark. Dergleichen 
Feldteiche haben vor den Waldteichen einen großen Vorzug : follte man indefTen genöthiget 
fein, auch die fe anzulegen, fo ifl es nothwendig, fokhe von Stubben und andermHolze auf das 
forgfältigfte zu reinigen, weil die hievon entliehen Je beitzende Lauge den Fifchen fchädlich 
werden kann. So lange der Saame darin aufbehalten wird , darf nicht das mindefle WafTer 
aus demfelben abgelaflen werden , weil fonft die zarte Brut mit fortgehen würde. Es müfTc-n 
keine Fröfche in dem Teiche fein , weil diefe den Saamen verzehren. Nach dem Vorfchlage 
einiger Landwirthe, kann man diefen nichts befTers als Krebfe entgegen fetzen, welche jene mit 
ihren Scheeren kneifen und fie verzehren ; jedoch mufs die Menge der letzten nicht zu grofe 

N 3 



loa Zweeter Abfchnitt. Von den Karpfen ins befördere. 

fein , weil der Krebs auch am Ende der Fifche nicht fchonen und die Brut verzehren möchte. 
Die Enten, welche den Saamen begierig Verfehlingen, muffen ebenfalls abgehalten werden, 
und diefes gefchiehet durch die fogenannte Scheufale, oder auf Stangen gefleckte Lumpen. 
Auch dürfen keine Hechte, Barfche und andere Raubfifche, fo wie auch keine Karaufchen 
und Giebeln unter den Streiehkarpfen, weil diefe mit einander ftreichen und Baftarte er- 
zeugen , fich darin befinden. Zu Streichkarpfen wählet man fechsjährige und zwar fokhe, 
welche geflreckt und gut ausgewachfen find , einen fchwarzen Rücken und ftarken Bauch 
haben, der dem Druck des Fingers wiederfleht. Indeflen laffen fich auch hiezu fieben- 
acht- bis zwölfjährige Karpfen gebrauchen. Diefe Streichkarpfen wollen einige nicht eher 
ausgefetzt wiffen, als gegen die Mitte des Jun, zu welcher Zeit das Waffer bereits genug- 
fam durchgewärmt fey. 

Auf einen Rogener werden zwei bis drei Milcher genommen , von welchen man, 
nach Befchaffenheit der Gröfse des Teiches, auf einen Morgen zwölf Stück einfetzet. An 
mehreren Orten bedient man fich künftlicher Hülfsmittel, um den Trieb des Karpfen zum 
Laichen zu verstärken: fo beftreicht man z. B. die Flofsen und das Nabelloch mit Biebergeil 
und gewürzhaften Salben u. f. w. Allein bei diefem Verfahren fchadet man durch das An- 
greifen und Drücken dem Fifche und überhaupt hat der Schöpfer den Tlüeren folche 
Triebe zur Fortpflanzung beigelegt , welche alle Künfleleien entbehrlich machen. Einige 
laffen den Saamen bis zum künftigen Frühjahre in dem Streichteichc flehen: da aber diefe 
flach fein muffen; fo find fie im Sommer dem Austrocknen, noch vielmehr aber dem Aus- 
frieren im Winter aufgefetzt. Am beften wird der Strich fpät im Herbft gefifcht und in die 
fogenannte Winterteiche, oder in die Streckteiche, wie auch in die Fifchbehälter, wenn fie 
anders geräumig genug find, gefetzt. Wären indeflen die Streichteiche fo befchaffen, dafs fo 
wenig das Austrocknen als das Ausfrieren zu beforgen flünde, indem fie einen Zu- und Ahflufs 
oder gute Quellen in fich hätten, fo könnte alsdann die Brut darin den Winter über gelaffen 
werden. Wenn man den Streichteich abläfst, fo mufs, damit die jungenKarpfen nicht mit dem 
Wafier durchgehen, vor das Gerinne ein ganz feines Netz von engen Mafchen vorgelegt werden. 
Wenn der Teich abgelaffen ifl und fich die jungen Karpfen indemKeffel verfammelt haben; fo 
nimmt man fie mit Hahmen oder Wathen von eben dergleichen engen Mafchen aus und thut 



Zitierter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondert. 103 

fie 'n offene mit Waffer angefüllte Tonnen , worauf fie alsdenn in den Streckteieh gebracht 
werden. Die Streichteiche find indefTen entbehrlieh und die angeführte Anftalten unnöthig, 
wenn man die mit den Eiern der Karpfen befetzte Kräuter aus einem Streichteiche holen 
und in den Streckteich, welchen man zu befetzen -willens ift, am Ufer einlegen läfst: 
alsdann kann man mit fehr geringen Koften feinen Streckteieh mit einer zahlreichen Brut 
bevölkern, wie ich folches bereits oben in der Befchreibung des Bleies erinnert habe. 

2) In dem Streckteich muffen fie zwei Jshr bleiben. Diefer Teich mufs geräumi- 
ger als der Streichteich und von Raubfifchen rein fein. Wenn die Karpfen von guter Art 
und gut gewachfen find , fo werden fie gewöhnlich mit dem dritten Jahre fechs Zoll lang; 
wenn fie aber fchlechter Art find, nur halb fo grofs und wenn fie von vorzüglich guter Art find, 
bei guter Nahrung, fieben bis acht Zoll a) und diefes hat einen grofsen Einflufs auf die 
Folge. Ein Karpfen von fchlechter Art wägt in einem Alter von fechs Jahren nur andert- 
halb Pfund, von mittlerer drei Pfund und von der heften vier bis fünf Pfund in einerlei 
Teiche , zu gleicher Zeit und unter eben derfelben Wartung. Ein Karpfen von fchlechter 
Art wägt nach zehn Jahren vier bis fünf Pfund , von mittlerer fechs bis acht Pfund , von 
der heften zehn bis zwölf Pfund: wenn die Brut aber verblutet, d. i. in ihrem Wachsthum 
geftöret ift, fo wägt er nach zehn Jahren, unter gleicher Wartung, kaum anderthalb Pfund 
und befteht sus einem grofsen Kopfe, ftarken Gräten und wenigem FleJfche. Dergleichen 
verkrüppelte Karpfen gehen wohl fünfzig auf einen Centner. Wenn die Karpfen in dem 
Streckteiche zwei Jahr gewefen und nun dreijährige geworden find , fo werden fie 

3) in den Fett- oder Setzteich, Haupt- oder Befetzteich verfetzt, worinn fie nach 
drei Jahren die Schwere von drei bis vier Pfund erhalten und zum Verkauf fett und gut 
fein können , in fo fern fie anders von guter Art find und eine hinlängliche Nahrung gehabt 
haben. Wer indefTen nicht Gelegenheit hat, den Fif.hfaamcn zum Befatz diefes Teiches 
felber zu ziehen, wird feiten Vortheil aus diefem W rrhfchaftbzweige haben: da der Ein- 
kauf des Saamens Koften macht und man nicht feiten damit betrogen wird, auch der; 
Tr.m r port deffelben, befonders wenn er weit gefehehen mufs, mifslich ift. 

a) Die Gröfse des Saamens hangt fehr von unverfälfcht; fo nimmt man ihn vorzüglich gern 
dem Boden des Teiches ab. Ift fonft der Saaaie aus magern Teichen. 



to4 Ztveeter Alfchniif. Von den Karpfen insbesondere. 

Die Nahrung der Karpfen befteht in einer fetten Gewächserde, welche, wie andere 
fchwarze Gartenerde, aus verfaulten Pflanzen nach und nach in dem Wiefengrunde cnt- 
ftanden ift. Sie wühlen tief in diefe Erde und faugen daraus einen fetten Nahrungs- 
faft, wie man davon bei dem AblafTen der Teiche in den kleinen Löchern noch Merkmale 
wahrnehmen kann. Wenn die Gewächserde auf einem fetten Lehmgrund liegt , fo findet 
der Karpfen noch beffere Nahrung , indem er auch aus jenem noch welche ausfaugt. Auf- 
ferdem nähren fle fich von allen in die Fäulnifs gerathenen Pflanzen und Wurzeln , un- 
gleichen von den jungen WafTerpflanzen ; hauptfächlich dienen ihnen im Sommer die Waf- 
ferinfekten und Würmer zu einer nährenden Speife. In denen Monaten Jul und Auguft, 
wo die Karpfen meiftens an den Ufern der Teiche ihre Nahrung fuchen , mufs man ohne 
Noth kein frifches WafTer in felbige hinein laflen , auch nicht erlauben , dafs die Hirten die 
Pferde oder das Rindvieh an den Ufern hüten, weil die Karpfen durch beides in ihrer Nah- 
rung oeftÖrt werden. Es läfst fich auch diefe dadurch vermehren, wenn man Viehtränken 
bei den Teichen anleget, damit der Miß des Viehes noch mehrere nährende 7 heilchen hin- 
einbringe. Wenn es die Lage des Viehhofes zuläfst; fo leitet man die Mifljauche in den 
Teich, imgleichen die KüchengofTe und das übrige Sey waffer, welches nach abgezogenen 
Cofent zurück bleibt ; auch wirft man Lehm mit Schaafslorbeeren zufammengeknetet in 
Tonnen, die mit kleinen Löchern durchbohrt find, in die Tiefe, damit die Karpfen davon 
faugen mögen; andere werfen Bohnen, Erbfen, gefchnittene Erdäpfel , Rüben, Sey, ver- 
faultes Obft , altes Brodt , verdorbenes Fleifch und Oelkuchen hinein , welches die Karpfen 
begierig verfchlingen. Allein alles diefes würde im Grofsen zu koflbar fallen und was man 
in grofsen Wirthfchaften zum Vortheil der Nahrung der Karpfen in den Teichen thun 
könnte, wäre, dafs man im Sommer den frifchen L T nrath des Viehes, die Pferdeäpfel , die 
Schaafslorbeeren und Kuhfladen entweder mit Lehm vermifcht, oder nicht, in die Kar- ' 
pfenteiche von Zeit zu Zeit Fuderweife werfen liefse; jedoch mufs man aus einem bei 
der Befchreibung der Karaufche angeführtem Grunde mit diefer Fütterung ununterbrochen 
fortfahren. Verfchiedene Wirthe laffen im Winter einige Fuder Viehmift auf das Eis fah- 
ren, damit die Karpfen fogleich, wenn diefes aufgehet, eine gute Nahrung erhalten mö- 
gen. Der Herr Geheime Rath , Baron von der Schulenburg , hat diefes felbft verfuchet und ge- 



Zweeter AbfchnitU Von den Karpfen insfofondere. 105 

funden, dafs durch diefen Weg der Wachsthmn der Karpfen ungemein beför- 
dert worden. 

Wenn die zum Fettwerden beftimmte Karpfen Techs Jahr alt find, fo läfst man den 
Fett- oder Maftteich ab und die in dem Keflel verfammlete Karpfen werden herausgenom- 
men. In diefem Falle müflen, wenn fie gut feyn folien , ihrer höchflens dreifsig bis fünf- 
und dreifsig auf einen Centner gehen. Es ift indeflen nicht nothwendig, dafs die 
Karpfen mit dem fechsten Jahre gefifcht und verkauft werden: manche laflen fie noch 
drei Jahre länger flehen , oder verfetzen fie in andere Teiche, und verkaufen felbige erft im 
neunten Jahre ; alsdenn wägt das Stück fechs , acht , zehn bis zwölf Pfund , nach ßefchaffen- 
heit der Nahrung und der guten Art der Karpfen. Da es aber am bellen ift, fein Capital 
fo oft als möglich umzufetzen, fo möchte, wenn man die Karpfen fo alt werden laffen 
wollte , dabei gewifs mehr Schaden als Vortheil feyn : es wäre denn , dafs fie in einem 
Teiche eine fette und reichliche Nahrung fänden, wo fich das Gewicht gar fehr vermehrt 
und allerdings Gewinn dabei ift. Gewöhnlich bleibt der Fettteich nach dem dritten Jahre 
ein Jahr trocken liegen. Es ift diefes in mehr als einem Betracht nöthig; denn erftlich 
werden dadurch die Raubfifche und das der Nahrung der Karpfen nachtheilige zu häu- 
fige Rohr und Schilf vertilgt , und da zweitens in jenem Zeitraum die Pflanzen mit ihren 
Wurzeln von den Karpfen gänzlich verzehret find; fo verfchafft man ihnen eine neue Nah- 
rung , wenn man den Teichgrund im Frühjahre beackert und mit Hafer , Waflcrrüben oder 
Wickenfaat vermifcht, befäet. a) Der Hafer wird , wenn er reif ift , gemähet und einge- 
fammlet, die Wurzeln des Hafers und der Rüben verbleiben dem Teiche und den Karpfen, 
worauf jener von neuem angelaufen und mit Karpfen befetzet wirJ. 

Von der Anzahl Karpfen, die auf einen Morgen, zu igo Qtiadratruthcn, gefetzet 
werden können, läfst fichhein allgemeiner Maafsftab angeben; gewöhnlich wird ein Schock 
auf einen Morgen gerechnet, nämlich im erften Jahre der Bewäilerung und wenn der 
Grund aus einer guten Gewächserde befteht. Diefe Anzahl kann jedoch vermehrt werden, 
wenn, wie gefagt, diefe auf einem fetten Lchmgrunde ruhet. Diefes alles findet nur in fo 

&) In Schießen wird in vielen Teichen Weizen, Roggen u. f. w. gefäet, befonders auch 

viel Weiskohl gepflanzt 

O 



lo6 Zwceter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondere. 

fern ftatt , als genugfamer Vorrath WafTers vorhanden ift , die Wiefen oeftändig drei Fufs 
hoch damit zu bedecken : wenn aber zur Sommerszeit der Teichgrund bis auf die Grabens 
austrocknet, fo fchickt er fich ganz und gar nicht zu einem Teiche für Karpfen. 

Es ift kaum nothig zu erinnern, dafs lieh ein Landwirth vor Dieben in acht neh- 
men muffe, die durch allerhand Kunftgriffe fich der Karpfen des Nachts zu bemächtigen 
fuchen. Dergleichen find die Reufen , worin eine Lockfpeife befindlich ift ; brennender 
Kien , wodurch die Fifche herbei gelockt und durch Speeren geftochen werden ; ferner 
Spiköl, womit fie wollene Läppchen beftreichen und an ihren Hahmen a) befeftigen, defien 
Geruch die Fifche herbeizieht; oder wenn fie fle durch hineingeworfene Kokelskorner, 
Wolfsmilch, Ofterluciewurzel dergeftak betäuben, dafs fle felbige mit Händen greifen können. 
Verfchiedene diefer KunftgrifFe find fchon zu Plinius Zeiten bekannt gewefen. b) 

Im Winter ift die Aufficht am nothwendigften , damit die Karpfen nicht unter 
dem Eife erfticken. Wenn der Teich zugefroren ift; fo mufs der Teichwärter ihn ein we- 
nig abladen, damit das Eis etwas hohl und zwifdheft dem Wafier und demfelben einige 
Luft bleibe: auch find die im Eife gemachte Wuhmn, c) in die Stroh oder Rohr gelegt 
wird, bei nicht gar zu grofser Kälte, hinreichend. Man mufs fich aber hüten, dafs man 
diefelben nkht zu nshe am Keffel d) mache, weil fonft Jadur-h die Karpfen beunruhiget 
werden, in die Höhe kommen und an das Eis anfrieren. 

a) Wenn in dem Grunde des Teiches wohl der Teich Wärter in den Wuhnen eine Art febwäf- 
ausgetrocknete Pföhle, welche ein oder anderthalb zer lärglichter Würmer gewahr wird, oder es 
Fufs unter dem Wafier flehen, einge fehl a gen zeigen fleh Karpfen an den Wuhnen; alsdenn 
werden, fo hindert folches die Diebe an dem Fange ift es nöthig, fofort etwas von dem alten Waf- 
der Karpfen mit diefem Werkzeuge. fer ab - und frifches zuzufallen : letzteres mufs 

b) Hift.r1at.Lib.25.es. auch gefchehen, wenn plözüch bei vielem 

c) Wenn diefe Wuhnen, deren, nach Grofse Schnee, ftarktsThauwetter einfallt. 

des Teiches, zwo bis drei angelegt werden müfs- d) Wenn das Walter anfängt mit Eis belegt 

ten, durch einen aufmerkfamen Teich Wärter zu werden; fo fueben die Karpfen die tiefften 

beftä'ndig offen gehalten werden ; fo ift die Ab- Stellen auf. Hier wühlen fie die Erde locker 

laffung des WafTers unterm Eife nicht nothig 3 in.Geftalt eines Kefftls, worinnen fie fich fo 

die Karpfen pflegen dadurch unruhig und aus dicht an einander legen, wie die Heringe 

ihrem Lager gebracht zu werden. Sobald aber in einer Tonne, und dafelbfl den Win'.er 



Zweeter Abfchütt. Von den Karpfen insbefon&tn. 107 

Da man auch bemerkt hat, dafs, wenn ein Gewitter in eine See oder Teich fchlägt, 
dieFifche in wenigen Tagen darauf fterben, fo mufs daher der Teiclrs-ärte auf einen folchen 
Fall wohl acht haben, damit er fogleich das WafTer ab- und frifches einladen könne,, 
weil alsdann nur fchr wenige fterben. 

Der Karpfen ift auch einigen Krankheiten ausgefetzt , welche unter den Namen 
Pocken und Moofs bekannt find. Erftere befiehet in Blafen , welche (ich .zwifchen der 
Haut und den Schuppen zeigen und nur feiten den Tod verurfaehen: letztere find kleine 
dem Moofse ähnliche Auswüchfe, die vom Kopfe an , längs dem Rücken, dehnbar find und 
wovon die Karpfen mehrentheils fterben. Es entfteht diefe Krankheit, wenn durch Harke 
Regen güffe faules Wafler in den Teich gefpület wird; fie verlieret fleh aber wieder, wenn 
man ihn mit frifchen WafTer anläfst. Auch erkranken die Fifche, wenn durch das Schmelzen 
des Schnees plötzlich eine Menge von diefem WafTer in den Teich kommt: man mufs daher 
beim Anlegen eines Karpfenteiches zugleich einen Freigraben vsranftalten , um fowohl das 
Schncewafler abzuhalten , als auch beim anhaltenden Regen einer Ueberfchwernmung und 
Wegfpülung der Karpfen vorzubeugen. Wenn fie im Sommer gutes WafTer in ziirei- 
chender Menge haben, welches bisweilen durch einen Ab- und Zuflufs verändert werden 
kann; wenn die Hitze nicht zu grofs ift und fie im Winter nicht unter dem Eife erflicken; 
fo hat man weder Krankheiten , noch fonft befondere Zufälle bei ihnen zu beforgen. 

DER SPIEGELKARPFEN. 
XVITte Taf. 
Als eine Abänderung des vorhergehenden ift derjenige zu betrachten, welchen wir 
unter dem Namen Spiegelkarpfen kennen. Diefer gleicht dem gemeinen Karpfen vollkom- 
men , bis auf die Bedeckung des Körpers : denn feine viermal fo grofse Schuppen bedecken 
den Körper nur zu einem Theil und lafTen den andern entblöfst. Noch kürzlich fah' ich 

O a 

im Schlafe ohne Nahrung zubringen. Es ift merk- gen Faften nicht mehr als ein Viertelpfund von 
würdig , dafs ein Karpfen , davon ohngefehr fünf feinem Gewicht verlieret. 
und dreifsig einen Centner wägen , bei dem lau» 



108 Zweier Abfchnitt. Von den Karpfen insh finden. 

einen , defTen gröfste Schuppe anderthalb Zoll breit war. Gewöhnlich find die Schuppen 
in zto Reihen geordnet, davon die eine längs dem Rücken und die andere längs der 
Seitenlinie hinläuft j der Bauch ifl gleichfalls mit Schuppen verfehen, die aber in keiner fo 
graden Linie geftellt find. Diefe Schuppen find geflreift, haben eine gelbe Farbe und 
eine braune Einfaffung; auch fitzen fie nicht fo feft, wie beim Karpfen und gehen ge- 
wöhnlich beim Fifchen verfchiedene verlohren , welches die mit Blut unterlaufene Stellen 
zu erkennen geben. Die Haut an dem entblofsten Theil ifl viel härter als am bedeckten : 
erfierer ifl fchwarz und diefer gelb. Man trift unter diefer Abänderung eben fowohl Roge- 
ner als Milcher an. In hiefiger Gegend kommt diefer Fifch nur feiten zum Vorfchein : deflo 
häufiger aber im Anhältifchen , bei Torgau, Dresden, a) in Franken b) und Böh- 
men , c) wo fie geheget werden. Man findet diefe Art ebenfalls von beträchtlicher Gröfse 
und fiin Fleifch noch fchmackhafter als das Fleifch des gemeinen Karpfens. Bei den älteren 
Ichthyologen finde ich keine Nachricht von diefem Fifehe. Jonflon erwähnt feiner zuerft 
und macht ihn zum Könige der Karpfen; (rexeyprinorum) nachher haben ihn Marßgli, d) 
Klein e) und Liane in der fechsten Ausgabe feines Syftems f ) unter eben diefer Benennung, 
als eine eigene Gattung aufgefiihret, in den folgenden Ausgaben aber hat letzterer ihn übergan- 
gen: vermutlich "weil er die Abweichung der Schuppen nur für etwas zufälliges hält* 
Allein, da auch fchon die Brut von eben der Befchaffenheit ifl, als der ausgewachfene , wie 
folches aus denen vom Herrn Rath Schoeßer g) gelieferten Zeichnungen erhellet ; fo mufs 
diefer Fifch als eine befondere Abänderung betrachtet werden und find auch Kramer h)und 
Herr Leike i) diefer Meinung. Uebrigens wird er eben fo geheget , gefangen und zuber 
reitet als der gemeine Karpfen. 



a) Klein MUT. pifc. V. p- 59. O P- 49- n - 2°- 

b) Der vollkommene Fifcher. S. 133. g) Epift. de ftudio ichthyol. p. 24. f. 2. 

c) Onomat. pifeat. 2 TM. S. 453- h) Elencb. p. 390. 

d) Danub. 4. t. 20. i) Specim. ichthyol. p. 23. 



-e) Miff. pifc. V. p. 59. n. 2. 



Zweetir Abfchnitt. Von den Karpfen hubefondcre. loj 

DER BARBE. 
XVJIIteTaf. 

Die OberJunlade hervorflehend; vier Bartfafern sin Munde. Br. 17. B. 9. A. g, 
S. 19. R. 12. 

Cyprimu maecilla fuperiore prominente. Citri IV ad os. P. XVII V IX. A. VIII. 
C. XIX. D. XII. 

Cyprinus Barbus, pinna ani radiis 7, cirris 4, Barbus, Rondel. pars 2. p. 194. 

pinnae dorfi radio fecundo utrinque ferrato. — Gefn. Aquat. p. 124. Nomenclat. p. 307. 

L. S. N. p. 525. n. 1. — Aidrov. p. 598. 

C. Barbus , Wulff Ichthyol, p. 41. n. 52. — , Salviaa. aquat. p. gö- 

_ — Kramer, Elench. p. 391. n. 2. -— Charkt.p. i$6.ti. IV, 

C. maxilla fuperiore longiore, cirris 4, pinna — Schonev. p. 29. 

ani officulorum 7. Arted. Gen. p. 4. n. 11. — JVilhighb. p. 259. 

Syn. p. 8. n. 14. . — Zuckert, Mat. aliment. p. 265. 

C. oblongus, maxilla fuperiore longiore, cirris — gfonfi. p. 13t. t. 26. f. 6. 

quatuor. Gronov. Zoophyl. I. p. 104. Muf. — Marfigl. p. ig. t. 7. f. f. 

ichth. I. p. 5. n. 20. — Rmjfch. p. 88- 1. 26. 

Myftus dorfi parqm arcuati, fed cultellati, colore — Schwenckf p. 421. 

dilute olivaceo; fquamis mediocribus, pun- Le Barbeau. Cpurs d'hjft. nat. V. p. 254. 

ftulis nigricantibus ad usque ventrem argen- The Bärbel. Penn. Brit. ZqqJ. III. p. 357. 

teum guttatis; ventre feffili, fi pifcis pro- Der Ba-bel oder Bärbele. Gefn. Thierb. S. 171. 

jectus; roftroprptenfq; ore edentulo, parvo; Der Barben, Birkhpl$, .5. 5. 

fuperiore mandibula longiore ; cauda bifurca. <-*- _ Flemrängs Jägerb. 2. Th. S. 412- 

Klein, Pifc. Miff. V. p. 64. n. 1. — _ Beckmanns Chu.rm,. iTh. S. 575. 

Barbus oblongus; olivaceus; cirris quatuor, Die Barme. Döbels Jägerpr. 4 Th. S. 75. 

maxilla fuperiore longiore; iride bruno flava; Die Fiufsbarbe. Müller, L. S. 4 Th. S. 379. 

pinna ani radiis novem , pinnae dorfi radio Die Barbe. Richters Ichthyol. S. 809. 

tertio utrinque ferrato; rauda bifida; ver- Naturf. XVf.es $.t. S. 172. 

tebris quadraginta fex. Leske Spec. p. iy. Der Barbe. Meyers. Thieib. t. 10. 

3 



HO Zweeter Ahfchnitt. Von den Karpfen iasbefondere. 

DieferTifch, der in dem füdlichen Theile von Europa zu Haufe ift, unterfcheidet 

S2. Der ß^ von ( j en bj S i xer angeführten Karpfengattungen , durch feinen weit hervorftehenden 
Barbe. & / * - ; öy * 

Oberkiefer und die vier Bartfaiern. In der Bruftflofse hat er fiebzc-hn, in der Bauchflofse 

neun, in der Afterflofse acht, in der Schwanzflofse neunzehn und in der Rückenflofse 

zwölf Strahlen , davon der dritte fägeförmig ift. Der Barbe hat in Rückficht feines -ge- 

ftreckten Körpers mit dem Hecht die meide Aehnlichkeit. Der Kopf ift länglicht , von einer 

Jiellen Olivenfarbe und endigt fich in eine Spitze. Die Mundöfnung fitzt unten am Kopfe, 

ift länglicht , mit einer ftarken und rothen Oberlippe, die der Fifch weit hervorfiofsen und 

auch nach Wülkühr an die untere anfchliefsen kann, verfehen. a) An dem Oberkiefer 

fitzen vier Bartfafern , davon die an der Spitze kürzer und die im Winkel länger find : weil 

diefe wie ein Kncbelbart herunter hangen, fo hat der Fifch daher feine Benennung erhalten. 

Die Nafenlöcher befinden fich dicht an den Augen , welche letztere mit einem fchwarzen 

Stern und hellbrdunlichen Ring verfehen find. Der Körper ift mit geflreiften und ge- 

gezähneiten Schuppen von mittelmäfsiger Gräfte bedeckt, die feft in der Haut fitzen und de- 

reti Anzahl fich nach dem Richter über fünftaufend beläuft, b) Der Rücken ift rund und 

olivenfarbig. Die Seiten haben oberhalb der Linie eine bläuliche und unterhalb derfelben 

eine weifsliche ins grüne fpielende Farbe. Der Bauch und die Kehle find weifs und die mit 

fchwarzen Punkten befetzte Seitenlinie läuft in einer geraden Richtung fort. Die Brüft- 

Bauch- After- und Schwanzflossen find röthlich und über der Bauchflofse eine Mittelflofse 

fichtbar j die Schwanzflofse ift gabelförmig, mit einer fchwarzen Einfaflung verfehen und 

die Rückenflofse von einer bläulichen Farbe. 

Der Barbe liebt ein fchnellfliefsendes Wafter auf einem kiefigten Grunde, wo er fich 
gewöhnlich im hohlen Ufer und unter grofsen Steinen verborgen hält. Er lebt von Schell- 
kraut, Schnecken, Würmern und kleinen Fifchen. Als ich meinem Mahler einen derglei- 



a) Diefe wird für ein Leckerbiikn gehalten; Quappenleber, Karpfenzungen, Barbenmäulchen, 
daher jener alter Deutfcher fang : Brachten mich um ein graues Gäulchen. 

b) Ichthyol. S. 813. 



Zwceter Abfchnitt. Von den Karpfm imbeföniert. > 1 1 

eben grofsen Fifch zum Abzeichnen fchickte, bemerkte er in deffen Munde einen Fifch- 
fchwanz und wie er ihn herauszog, fo bekam er einen unbefchädigten Barfch, der , nach 
feiner Befreiung, noch munter herumfehwamm. Auch Menfchenfleifch ift für ihn ein 
Leckerbiffen; denn als nach aufgehobener Belagerung von Wien im Jahr 1683, Türken mit 
den umgekommenen Thieren haufenweife in die Donau geworfen wurden 3 fo fanden fie 
fich bei den Leichnamen der Menfchen in Menge ein, wo denn der gröfste Theil gefangen 
wurde, a) Bei fo mancherlei Nahrung, die der Barbe zu fich nimmt, ift es kein Wunder, 
wenn er fchnell wächft. In der Oder erreicht er die Gröfse von zween bis drei Fufs und 
wägt alsdenn fechs bis acht Pfund ; in der Wefer zwölf bis fünfzehn; in England findet man 
welche, die achtzehn Pfund fchwer find, b) Auch foll er nach dem Jouius ein hohes Alter 
erreichen, c) Man triff ihn in der Oder, Saale, Elbe, dem Rhein und der Wefer an: 
in letzteren Strohm werden fie von dem in das Waffer gelegten Flachfe fo fett, dafs fie dem 
Lachfe an Wohlgefchmack nichts nachgeben. Da diefer Fifch dem Flachfe fo nachgehet, 
fo machen fich die Fifcher diefe Gelegenheit zu nutze und fangen ihn häufig. Der Barbe 
wird erfi im vierten oder fünften Jahre mannbar; feine Laichzeit fällt im May und bei einem 
kalten Frühjahr im Jun, zu welcher Zeit er gegen den Strohm gehet und feine Eier im 
Grunde an den Steinen, wo das Waffer am fchnellften fliefst, anfetzt. Man fängt ihn des 
ganze Jahr hindurch mit Netzen, Garnfäcken und der Angel, an welche er um fo viel lieber 
beifst, wenn man von einer Maffe, die aus Käfe , dem Gelben vom Ey und etwas Kampfer 
befleht, in ein Stückchen Leinwand gebunden, ungleichen Blutigel , daran befefliget. Da- 
mit man nun letztere zu allen Zeiten in Bereitfchaft habe, fo fammlet man fich einen Vor- 
rath , dörret fie und weicht fie zum Gebrauche wieder auf. Ferner fängt man ihn mit 
Grundangeln, woran Regenwürmer oder kleine Fifchchens gefleckt find. Seine 
Feinde find, fo lange er noch jung ift, die fleifchfreffende Fifche, befonders flellt ihm die 
Quappe fchr nach. 



z) Marfigli Danub. TV. p. jo. Laxos exerces Barbe Bätaras 

b) Penn. Zoolog. Vo3. 3. p. 35g. Tu melior pejore aevo, tibi contigit uni 

c) Seine Worte find : Spirantum ex nuqaero non inlaudata fene&us, 



H% Zweiter Abfcknitt. Von den Karpfen insbesondere. 

Diefef Fifch lut ein hartes Leben, ein weifses und wohlfchineefcendes Fleifch und 
iß daher, wenn er nicht zu fett ift, für kränkUcha Perfonen, eine unfchüdüchc Speife; 
kii May ift er am fettften. Man kocht ihn alsdenn mit Salbey und SalzwafTer , wie den 
Lachs, wenn er aber mager ift, wie den Karpfen, mit Bier. Auch im Wein gekocht, ift er 
eine angenehme Speife und bekömmt davon eine fchöne blaue. Farbe. Wer mehrere Arten, 
diefen Fifch zurechte zu machen, zu wüTen verlangt, den verweife ich auf des Herrn 
Doctors Krlinitz ökonomifche Encyclopedie. 

Der Barbe hat in jeder Kinnlade zehn, an der Spitze gekrümmte, in zwo Reihen geord- 
nete Zähne. Sein Darmkanal ift wie beim Karpfen befchaffen, in welchen ich Kratzer von 
weifser, gelber und bläulicher Farbe, auch einen neuen Bandwurm entdeckte, a) Seine 
Galle ift gelb und der Eyerftock wog in einem, der dritthalb Pfund fchwer war, im 
April, als kurz vor der Laichzeit, nicht mehr als anderthalb Loth und enthielt 8025 Eyer, 
von der Gröfse und Farbe des Hirfefaamens. Im Rückgrade waren fechs und vierzig Wirbel- 
beine und auf jeder Seite fiebzehn Ribben befindlich. 

In Deutfchland ift diefer Fifch unter dem angeführten Namen , jedoch mit verschie- 
denen Endigungen, die fich nach der Mundart der Provinzen richten , allenthalbt-n bekannt. 
So heifst er in einigen Barb, Bärbel, Barbele, Bärble, Bärbel, Barme, Steinbarben, Roth- 
bart holländifch, Barm, Berm und Barbeel, englikh, Barbell, in Frankreich, Barbeau, 
Barbet, in der Gegend von Bourdeaux, Surmukt, in Italien, Barbio und Barbo, in Spanien, 
Barbio , Barvo , in Ungarn Merennc. 

Wenn von den altern Schriftftellern behauptet wird , dafs der Rogen gif-'ig fey und 
derGenufs deflfelben fchwere Zufälle verurfache; b) fo rührt diefcs wohl von jenem Vor- 
urtheilher, nach welchem man den Weibchen derfelben eine monatliche Reinigung beilegt, 
welche mit jedem Neumonde einträte. Da fie nun in dem Wahne ftandea, dafs der monatliche 
Flufs überhaupt ein vergifteter Auswurf der Natur fey; fo glaubten fie, es muffe folches auch 
bei den Eyern diefes Fifches ftatt finden. Diefe Behauptung mehrerer heutigen Schrift- 



a) Ich habe ihn in meiner Abhandlung über b) gfonßon. de ptfe. p. 131. Bauet med. fept 
die Eingeweidewürmer .befchrieben. P.I.p.60. Mifc. Nat.cur.dec.il. A.I.obf. 25. 



Zweeter Abßhmtt. Von den Karpfen insbefonderc. 113 

fteller a) wider fpricht nicht nur den Verfuchcn, die andere damit angcftdlt haben, b) fon- 
dera auch den meinigen, indem fo wenig ich, als meine Kinder, jemals üble Folgen von 
dem Genufle diefes Rogens verfpürt haben. 

Klein führt auch einen Barbenkönig als eine eigene Gattung auf, c) der fich von dem 
gemeinen durch feine lange Floffen unterfcheidet : allein da er, wie er felbft gefleht, nur einen 
einzigen im Dresdner Cabinet gefehn und da man auch bei andern Schriftflellerif nicht die min- 
derte Nachricht Von einem folehen Fifche findet; fo find die verlängerte Flofsen entweder als 
ein Zufall, oder als ein Betrug eines Naturalienhändlers zu betrachten. Wenn übrigens in einer 
neuen Schrift gefagt -wird, dak der Barbe im Auguft Junge werfe, d) fo mag diefes wohl ein 
Schreib- oder Druckfehler feyn, weil er weder lebendig gebährt, noch im Augufl laicht. 

VON DER AUSBRÜTUNG DER FISCHE. 
Tab. XIX. Fig. 1 — 19. 
Nach den bisher angeführten zwei und zwanzig Karpfenarten,' bliebe mir noch "^ 



übrig, die Orfe und den Dickkopf abzuhandeln: allein da ich fo wenig den einen als den ll " 

r ° tung der 

andern , aller angewandten Mühe ohngeachtet , bis jetzt habhaft werden können ; fo werde Fifche. 

ich felbige am Ende diefer Abtheilung nachholen, und rtatt derfelben hier etwas über 

die Ausbrütung der Fifche fagen. Billig hätte ich diefe Materie vorausfehicken follen: allein 

da ich nur errt vor kurzem Gelegenheit gehabt, darüber Verfuche anzufallen; fo halte ich 

es für nothwendig , dasRefultat derielben ohne Auffchub bekannt zu machen, da daffelbe 

auf das Verfetzen und die Vermehrung der Fifche einen grofsen Einflufs hat. Das Verfetzen 

der Fifche ifl nicht nur kortbar, fondern auch mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Eines 

Theils find die Fifche, zu der Zeit , in -welcher fie fich" am beften verfetzen und verfahren 

lafjen, nicht zu haben, andern Theils rterben fie unterweges, befonders wenn der Ort, 

von dem man fie holt, weit entfernt irt. Verfehiedene büffen fchon beim Ausfifclien ihr 

a) B omare Diciioti. t. 2. p. 558. Kramer d. Nat. 1 B. S. 538. auch Salvian p. g6. b. hat 
Elench. p. 391. n. 2. Zuckert Mat. aliment. fchon die Unfchädiichkeit der Eyer bemerkt. 
p.265. Statins Müller L.S. 4.TLS.330. Na- c) Myftus n. 2. MUT. pifc. p. 64. T. 14. 
turforfch. XVtes Stück S. 172. d) Onomat. H. N. C. 2, B. S. J37. 

b) Richter Ichthyol. S. 814. Neuer Schaupl. 

P 



H4 Zweeter Abfchnitt. Von den Karpfen imhefondere* 

Leben ein, wie die Maränen: andere aber flerben, wenn der Wagen während der Fort- 
fchaffung ftille fleht, wie die Schmerlen} viele werden auch durch das Angreiffen und Schüt- 
teln befchädigt. Diefem allen, dachte ich, könnte vorgebeugt werden, wenn man die be- 
fruchteten Eier in die Teiche und Seen fetzte und fie darin ausbrüten ließe. Da ich keinen 
See zu meiner Difpofition hatte , fo vernichte ich es , die Fifcheier in meinem Zimmer aus- 
zubrüten. Herr Ltmd a) beflreitet zwar die Möglichkeit einer Ausbrütung diefer Art und 
mein im vorigen Jahre angebellter Verfuch mit dem Barfchlaich begünftigte feine Meinung. 
Da aber öfters bei den Verfuchen der Mangel eines guten Erfolgs von kleinen zufälligen 
Umfiänden, auf die man nicht genug aufmerkfam ift, abhängt; fo fafste ich den Ent- 
fchlufs, über das Ausbrüten der Fifcheier, aufs neue Verfuche anzuheilen. Ich liefs mir 
aus der Spree Kräuter , woran die Eier des Bleies , der eben laichte , befindlich waren , in 
ein wenig Wafier bringen, fetzte fie in ein mit Flufswaffer angefülltes hölzernes Gefäfs, 
liefs daffelbe einen Tag um den andern erneuern und ich hatte das Vergnügen, innerhalb 
neun Tagen mein Waffe r mit etlichen Taufenden zarter Fifchchen bevölkert zu fehen. Da 
das Gefäß in einem durch die Sonne erwärmten Zimmer geflanden hatte und da nicht ein 
jedes Waffer, worein man Fifchs zu fetzen wünfcht, fo frei liegt, dafs es die Sonne treffen 
kann; fo machte ich mit andern Eiern des Bleies, der Güfter, des Ueckeleies, folgende 
Verfuche: ich. that die mit Eiern behangene Kräuter in vier Gefafse, fetzte davon eins 
der Vor- und Nachrnitiagsfonne , das zweite der Vormittags-, das dritte der Nachmittags- 
fonne aus, das vierte brachte ich an einen Ort, wohin gar keine Sonne kam. In dem erflen 
kamen die Fifchchen bereits am fiebenten Tage ihrer Befruchtung , in dem zweiten und drit- 
ten am achten und im vierten am neunten Tage aus. b) Ich habe bereits oben bemerkt, 
dafs nicht alle Eier durch den Milcher befruchtet werden. Daher gefchahe es, dafs ich bis- 
weilen von einer Pflanze, die mit vielen hundert Eiern befetzt war, kein einzi- 
ges auskommen Iah: dahingegen aus einem kleinen Strauche , den ich in eine TafTe zu 

a) Schwed. Abliandl. 23. B. S. 191. diefe reit Laich befetzte Kräuter erhalten habe, 

b) An der richtigen Angabe des Befruchtungs- des Tages vorher in den Keufcn, weder einen 
tages ift um fo weniger zu zweifeln, da ich Fifch diefer Art, noch an den Kräutern einige 
gewifs bin, dafs die Fifcher, von welchen ich Eier, yerfpUit. 



Ztveeter Abfihnitt. Von den Karpfen imbefondcrc. 115 

befonderen Beobachtungen gelegt hatte, fechszig Fifchchen ausfchlupften. Wenn man ein 
Suchglas zu Hülfe nimmt; fo kann man durch daffelbe den Eiern bald anfehen, ob fie be- 
fruchtet find 3 oder nicht : indem fie in jenem Falle allezeit klarer., durchiichtiger und gel- 
ber erfcheinen, ein Merkmal, welches nach dem zweiten und dritten Tage immer deutlicher 
wird , fo dafs man in den folgenden das befruchtete von dem tauben Ei fo gar mit unbewafne- 
tem x\uge, unterfcheiden kann. Diefes wird mit jedem Tage weifser, trüber, dichter, undurch- 
flchtiger, verlieret feinen Glanz und erhält vollkommen das Anfehn eines kleinen Hagelkorns, 
das zu fchmelzen anfängt. Ich legte befruchtete Eier einzeln in verfchiedene mit Waffer an- 
gefüllte Uhrgjäfer, um die Entwicklung des Fifches defto genauer beobachten zu können. 

Das Fifchei hat eine vollkommen runde Gefklt und man erkennt in demfelben den 
Dotter, das Weifse und zwifchen diefen eine halbmondförmige helle Stelle. Der Dotter, 
welchen, -wie gewöhnlich, das Weifse umgiebt, ifl gelb, rund und liegt nicht in der Mitte, 
fondern nach einer Seite zu. a) Zwifchen dem Dotter und dem Weifsen ifl jene halbmond- 
förmige Stelle fichtbar und diefe Theile find auch in dem tauben Ei anzutreffen, nur dafs 
der Dotter in diefem weniger gelb erfcheint. Auf dem befruchteten Ei ifl von der gefchehe- 
nen Befruchtung des Milchers keine Spur äufserlich zu entdecken. Der Milch, welcher 
längs des Rückgrades, bald in einem, bald in zween Säcken cingefehloffen ifl, befleht aus 
einer dicken, weifsen Subflanz, welche in der Laichzeit fo dünne, wie Milch wird und 
beim geringflen Druck durch das iNabelloch hervorquillt. Ich that mit einer Nadelfpitze 
ein wenig davon auf eine Glasfeheibe, verdünnte folches mit etwas reinem WafTer, und 
brachte es unter die flärkfle Vergröfserung des Compofitums. Hier erblickte ich ein Ge- 
wühl von unzählbaren kleinen rundlichen Thierchen b) von ungleicher Gröfse, welche bei 
andern SchriftfleÜern unter dem Namen der Saamenthierchen c) vorkommen und die Herr 
von Büffon bewegende Theilchen d) nennt. Bald nach dem Tode des Fifches verfchwand 
auch alle Bewegung in dem Saamen oder Milch deffelben. 

Die Lehre der Erzeugung ifl überhaupt noch mit einem dicken Nebel umhüllt ; 
aber vorzüglich bei den Fifchen, wo die Befruchtung aufserhalb der Mutter und zwar in 

Pft 

a) Fig. 3- a - b) Fig. 1$. c) Animalcula fpermatica. d) Moleculae moventes. 



ud Zweiter Mfchnitt. Von den Karpfen insbefondere, 

einem kalten Elemente vor fich geht. Es ift unbegreiflich , wie hier fo unendlich zarte Thier- 
chen nicht ibgleich erflarren, und fo gar da, wo das Waffer in der Tiefe am fchnellften lauft, 
als wohin viele Fifche ihre Eier abfetzen , am Leben bleiben. Nicht weniger wunderbar ifl 
nicht nur die Ausbrütung derfelben , da verfehiedene Fifche fo gar im Winter laichen, wie 
z. B. die Quappe u. a. m. fondern auch die Begattung. Bei den Fifchen findet keine Ver- 
einigung der Gefchlechtstheile flatt, fondern das Weibchen giebt die unbefruchteten Eier 
von fich und die daffelbe begleitende Männchen befeuchten diefe in der Folge, indem fie 
ihren Milch oder Saamen darüber fchiefsen laffen. Die Urfach, welche die Weibchen 
oder Rogener bewegt, die tiefen Stellen zu verlaffen und die flachen mit Pflanzen bewachfe- 
nen Stellen aufzuziehen und ihre Eier daran abzufetzen , habe ich bereits beim Karpfen an- 
gegeben, a) Aus gleicher Abficht verlaffen die Männchen oder Milcher ihren Winteraufent- 
halt, indem fie die Rogener begleiten. Der Milch, der, gleich den Hoden bei denThie- 
ren, in zweenen Sacken eingefchloffen ifl, ift nach der Laichzeit, fo wie die Hoden der Vö- 
gel, nach der Brutzeit, kaum fichtbar. Nach einem langen Winterfell lafe fängt er bei den Fifchen 
an zu wachfen, fchwillt auf, drückt die Eingeweide und fpannt die äufsern Theile des Unter- 
leibes auf, wovon er fich auf eben die Art, wie das Weibchen, nämlich durch das Reiben 
an den Kräutern oder Steinen, zu befreien fucht. Da diefe Spannung bei den Rogenern weit 
flärker ifl, fo find fie auch jederzeit die erflen, welche fich eine Erleichterung zu verfchaf- 
fen und Stellen zum Abfetzen der Eier aufzuziehen , bemühet find. Die mit einem klebrich- 
ten Gallert überzogene Eier bleiben alsdenn an den Kräutern, Steinen und andern harten 
•Körpern fitzen und werden auf die angeführte Art von den Milchcrn imprägnirt. Der er- 
wähnte klebrigfe Gallert fehlt denen Eiern aber alsdenn , wenn fie, vor der Zeit, durch eine 
äufsere Gewalt ausgeprefst werden. 

Bei den Thieren, fo weit wir fie kennen, find (wenn ich die Eingeweidewürmer 
ausnehme, wo die Anzahl der Weibhen die Menge der Männchen weit übertrifft,) wenig- 
stens zur Begattungszeit, beide Gefchlechter mit einander in gleichem Verhältnifs. b) Bei 



a) S. 96. in der Note. arten, wie bei dem Fafan und Rebhuhn, mehr 

b) Zwar bemerkt mau bei einigen Vögel- Hähne als Hühner: allem diefe Ungleichheit 



Zweeter Abfchuitt. Von, den Karpfen iasbefonder^ i 1 J 

den Fifchen hingegen, find, zufolge der Nachrichten, welche ich eingezogen, wenigftens 
noch einmal fo viel Milcher als Rogener vorhanden. Die Urfache hievon liegt ohnflreitig 
in der Art und Weife, wie fich diefe Gefchöpfe begatten: da, wie erwähnt, die Eier aufser- 
halb der Mutter befruchtet werden und diefe zerflreut umher liegen; fo würde der gröfste 
Theil derfelben unimprägnirt bleiben , wenn die Befruchtung zu diefer Zeit nur von einem 
einzigen Milcher gefchähe und nicht gleichfam eine Polyandrie unter ihnen ftatt fände. 

Eben fo merkwürdig ift die Entwicklung des Fifches im Ei, die ich hier nur mit 
wenigen berühren werde, a) Ich habe kurz vorher angeführt, was man im Ei am erften 
Tage wahrnimt. Am zweeten wird die halbmondförmige Stelle, in welcher man von 
Zeit zu Zeit einen beweglichen Punkt b) fieht, etwas trübe. Am dritten Tage erblickt 
man an diefem Orte eine dichtere MaiTe, die mit dem einen Ende frei ift, mit dem andern 
aber im Dotter feft fitzt, c) Am Ende der letzten Stelle fieht man den Umrifs des Punkts 
oder des Herzens, defTen Bewegung nunmehro verdoppelt wird. Die Maße felbfi, oder 
der Embryo , bewegt fich von Zeit zu Zeit mit dem freien Ende oder Schwänze. Am 
vierten Tage vermehren fich fowohl die PulsfchJäge, als auch die Bewegung des ganzen 
Körpers. Am fünften Tage nimmt man bei gewiiltn Legen , die diefer bei feinen Bewe- 
gungen nimmt, den Umlauf der Säfte in den Gefäfsen wahr. Am fechsten Tage laden 
fich der Rückgrad und die daran fitzende Ribben unterfcheiden. Am Ilebenten entdeckt man 
mit blofsen Augen zween fchwarze Pünktchen am Eie, d) welche, wie die Vergröfserung 

P3 



war zur Erhaltung der Art nothwendig, weil im künftigen Frühjahre diefes nachzuholen be- 

jene draller find als diefe, und daher weit müht feyn und dielen Gegenstand fowohl, als 

leichter in die Gewalt der ihnen nachftelienden die daraus entftthende Folgerungen, weitläuf- 

Menfchen und Raubthiere, als die fchüchternen tiger als hier gefchiehet, ausführen. Weil aber 

Weibchen, die fich mehr verfteckt halten, ge- diefe Materie eher ein Gegenftand derPhyfiolo- 

rathen. gie, als der ökonomifchen Naturgefchichte der 

a) Ich war diefen Sommer zu fehr mit Ge- Fifche iftj fo werde ich den Auffatz davon für 

fehlen überhäuft, als dafs ich die Entwicke- eine andere gelehrte Sammlung beftimmen. 

Jung oft genug betrachten und ein genaues Jour- b) Punctum faliens. 

nal darüber führen konnte. Ich werde daher c) Fig. 4. 5. d) Fig. ö. 



I Ig Ziveeter Abfchnitt. Von den Karpfen hu befördere. 

durch die Linfe no. 5. zeigte, a) die Augen find, b) Nunmehro ftellt fich fchon der Fifch, 
nach feinem ganzen Umrifle , und die Wirbelbeiiie nebft den Ribben fo deutlich dar, dafs 
man ohne viele Mühe, bei einer etwas ftärkern Vergröfserung, ihre Anzahl beftimmen kann. 
Ohngeachtet der Dotter bei der Zunahme des Embryo abnimmt , fo hat der Fifch doch nicht 
Platz genug, um fich in einer geraden Lage zu halten und er krümmt fich dahsr mit «lern 
Schwänze, c) Die Bewegungen werden nunmehro fo lebhaft , dafs er , indem er den Körper 
hin und her wälzt, den Dotter mit herum bewegt und diefe nimmt zu, jemehr er dem 
Zeitpunkt feiner Geburt fich nähert , welche zwifchen den fiebenten und neunten Tage er- 
folgt. Durch das wiederholte Schlagen des Schwanzes wird die Haut des Eies fo dünne, 
dafs fie endlich zerplatzt. Nunmehr verdoppelt der Fifch , welcher mit dem Schwänze zuerft- 
zur Welt kommt, d) feine Bewegungen, um den Kopf aus dem noch übrigen Dotter los- 
zureifsen und fich in Freiheit zu fetzen. Nicht lange darauf freut er fich feines Dafeins in 
feinem neuen Elemente, dem Wafier, worin er hin und her fchiefst. Da die Ausbrütung 
der Fifche durch die Sonnenwärme gefchieht und diefe in der Laichzeit nicht allemal das 
Waffer in gleichem Grade erwärmt; fo gefchieht auch die Entwicklung nicht immer in 
einem und demfelben Zeitraum , und man nimmt daher die angeführten Erfcheinungen bis- 
weilen um einen Tag früher oder fpäter wahr. 

Aufser dem Bleie habe ich auch die Eier der Güfter und des Ueckeleis ausbrüten laffen 
nnd dabei eben diefelbe Erfcheinungen wahrgenommen. Merkwürdig ift es, dafs man fo gar 
im Ei bereits die Güfter von dem Blei unterfcheiden kann; indem bei letzterm der gelbe Augen- 
ring fchon fichtbar ift. Es gewährt ein ungemein angenehmes Schaufpiel, mehrere dergleichen 
Thierchen, in einer fo höchft zarten Geflalt, wie fie unter Fig. 9. a. erfcheinen, fo lebhaft im 
WafTcr fich bewegen zu fehen. So langfarri übrigens der Wachsthum der Fifche von ftatten 
geht j fo ift er doch in den erften acht Stunden faß fichtbar: denn in diefem kurzen Zeitraum 
erreicht fein Körper auf einmal die in Fig. 9. b. angegebene Gröl'se, nachher aber ift er fo un- 

a ) Fig. 7. angeführten Gegenftände bei einem mäfsigea 

b) Ich habe "mich zu diefen Beobachtungen Lichte wahr. 
des Hoffmannifchen Microfcops und zwar der c) Fig. 7. 
Röhre A bedient : am betten nimmt man die d) Fig. 8- 



Zweeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondere. IIf> 

merklich , dafs der Fifch innerhalb drei Wochen nur wie unter Fig. $>. c. erfcheint. Noch am 
erflen Tage erblickt man mit blofsen Augen, aufser den zween fchwarzen Punkten, noch einen 
dritten, der, wie die Vergrößerung lehrt, der Magen mit den darin enthaltenen Nahrungs- 
mitteln ifl. a) An eben diefem Tage zahlte ich fechszig Pulsfchlä'ge in einer Minute , da- 
hingegen fich das Herz im Embryo nur dreifsig - bis vierzigmal in eben diefem Zeitraum be- 
wegte. Die Kügelchen, fo lange fie im Herzen find, haben eine röthliche, fo bald fie aber 
in die anderen Gefäfse kommen, eine weifse Farbe. Am zweeten Tage werden die im Her- 
zen röther und in den.Gefäfsen gelblich; am dritten aber erlangen fie durchaus eine hell- 
rothe , in den grofsen Blutadern aber eine blafsrothe Farbe und flellen nunmehro diejenige 
Flüfsigkeit dar, welche unter dem Namen des Bluts bekannt ifl. Nächfl diefem erkennt 
man auch bereits am erflen Tage die Bruflflofse , die übrigen Flofsen und Eingeweiden hin- 
gegen, da fie wegen ihrer Zartheit die Lichtflrahlen durchfahren laffen, find unfichtbar 
und erfl am dritten Tage erfcheint die Schwanzflofse , die aber noch gerade ifl, b) die 
Rückenflofse am fünften, die Bauch- und Afterflofse am achten Tage dem bewafneten 
Auge. Ohngefehr um diefeZeit zeigen fich bei der fiärkflen Vergröfserung fchwarze Pünkt- 
chen auf dem Körper, c) theils in länglichen, theils in runden geflrahlten Figuren, wie 
fie bei Fig. 15. a. b. c. vorgeflellt find und diefe find die erflen Umrifle der künftigen Schup- 
pen. Die am Kopfe find die kleinfien, die am Rücken die gröfsten, und die auf den Seiten 
flehen zwifchen beiden in der Mitte. Auch bemerkt man nunmehro an der Schwanzflofse 
einen halbmondförmigen Ausfchnitt. d) Schon diefe Theile flellen unter dem Compofito 
dem Auge einen ergötzenden Anblick dar: noch weit reizender aber ifl: es, den Kreislauf 
des Bluts und der Säfte zu fehen- Hier bieten fich uns gleichfam Springbrunnen dar, die 
einen rothen, aus höchft zarten Kügelchen befiehenden Saft, ausfpritzen. Nahe am Kopfe 
fiehet man das Herz, welches noch aus einem dünnen häutigen Sack befleht, e) fein Blut 
in eine fackförmige Schlagader f ) ergiefsen , g) die , fo bald fie däffelbe empfangen hat, fich 
zufammenzieht und es in die grolse Pulsader h) befördert, i) Während dafs der Pulsader- 

a) Fig. 9. 10 und 11. a. -f ) Saccus arteriofus. 

b) Fig. 10. b. c) Fig. n. b. b. g) Fig. 12. b. und 14. b. 

d) Fig. 11. c. e) Fig. is. a und 14. a. h) Aorta. i) Fig. 34- c « 



12© 2feww*r Ahfchnht. Von dm lUrpfru insießmdert* 

fack ilch zufammenzieht, führt die Hohlader s) dem ruhenden Herzen neues Blut zu, 
welches es dem nunmehro ftillflehenden. Pulsaderfack wieder einfpritzt. Da hei den 
Fifchen die^Bruft nur fehr kurz Üt und der Hals gänzlich fehlt 5 fo haben auch diefe Thiere keine 
Halspulsadern,b) fondern die grofse Pulsader gehet gleich zu den in der Nähe liegenden Kiemen 
und von da aus nach den übrigen Theilen des Körpers. Da bei jungen Fifchen die Kiemen noch 
nicht fichtbar find 5 fo fah ich die Pulsader gleich nach dem Kopfe ßeigen, da fie denn hin- 
ter dem Auge wieder hervorkam und längs dem Rückgrade herunter lief, c) Eine an- 
dere fah ich vorwärts längs dem Bauche nach dem Schwänze zu herunter gehen, d) die 
ihren Anfang nahe am Kopfe aus der grofsen Pulsader nahm. Aus erflerer entlieht bei 
jedem Wirbelknochen , in einem rechten Winkel , eine Pulsader , e) welche ihre Richtung 
längs den Ribben nehmen. Das Blut, welches in die äufserfl zarten Pulsadern übergeht, 
fammlet fich zum Theil in der obern, f) zum Theil in der untern g) Hohlader, h) die 
hinter der Schwimmblafe in einem fmmpfen Winkel i) zufammen flofsen und das Blut dem 
Herzen von neuen zuführen. Der Kopf ift gegen andere, neugeborne Thiere nur klein; da- 
mit er bei feiner wagerechten Stellung fich im Gleichgewicht zu erhalten vermag , die 
Schwimmblafe hingegen grofs. k) Eines Umftandes mufs ich hier noch erwähnen, näm- 
lich, dafs man, beim Ausbrüten der Fifche, die Waffereulen zu entfernen fuchen müfle, 
weil diefe die Brut verzehren. Ich hatte in einem Gefiifs dreifsig Fifchchen : da nun durch 
das Kraut auch verfchiedene WafTerinfekten und Würmer in dailelbe hineingekommen wa- 
ren ; fo gefchah es , dafs die Fifchchen fich in wenig Tagen verloren , ohne dafs ich ein 
todtes bemerken konnte, und da ich nachhero eine kleine Schnecke an der Oefnung der 
Wafferraupeneule 1) fand und als ich diefe abzog, keinen Einwohner darin bemerkte, fo 
glaube ich, dafs diefe auch meine Fifche verzehrt habe. 

Aus diefen wenigen Beobachtungen glaube ich einige für die Oekonomie und Phy- 
fiolosie nicht unwichtige Schlüffe herleiten zu können. 

a) Fig. 14. i. b) Carotides. g) Fig. 14. h. 

c) Fig. 14. e. e. d) Fig. 14. d. d. h) Vena cava afeendens et defeendens. 

e) Arteriae intercoftales. Fig. 14. f. f. Fig. 14. i. k) Fig. 14. k. 

f ) F. 14- g- ^ Phryganaea grandis. L. 



Zweiter' Abfchnstt. Von deii Karpfen insbefonien. <-ro?i 

i) Kann man die Seen und Teiche auf eine fehr wohlfeile und bequeme Art bcfefzon, wenn 
man die richtige Laichzeit einer jeden Fifchart anzugeben vermag. Diefe werde ich, 
zur leichten Ueberficht, am Ende des Werks, in einer Tabelle, nach den Monathen 
beftimmen und da die Fifche einer Gattung nicht auf einmal , fondern nach Verfchie- 
denheit der Grö'fse in drei Perioden und zwar jedesmal nach einem Zwifchenraum von 
neun Tagen ablaichen und die Zeit bis zur Ausbrütung, acht bis neun Tage dauert; 
fo gewinnt man Zeit genug, fich nach Bequemlichkeit mit diefen Kräutern zu verfehcn. 

a) Ift nicht zu befürchten, dafs man ftatt des Karpfenfatzes, Karaufchen, Giebel, oder 
gar verkuckten, ferner, anflatt des Bleifaamens, Güfter, Plötze, Rothaugen oder Uecke- 
leie , die als Brut fchwer von einander zu unterfcheiden find , erhalte u. f. w. 

3) Läfst fich der Umfland: ob zur Befruchtung die Mifchung zweierlei Feuchtigkeiten, näm- 

lich des männlichen und weiblichen Saamens, von nothen fey, (ein Satz, worüber fowohl 
die altern Philofophen als die nachherigen Phyfiologen lange gefiritten haben und worü- 
ber die Meinungen noch heutiges Tages getheilt find ,) mit ziemlicher Gewifshdt ent- 
fcheiden ; da wenigfiens bei den Fifchen eine dergleichen Vermifchung nicht fiatt findet. 

4) Dafs das weibliche Gefchlecht den Keim oder den Körper, (auch im tauben Ei ifi die 

durchfichtige Stelle fichtbar) das männliche aber das Leben oder die Bewegung her- 
gebe , indem durch letzteres das Herz gereizt und in Bewegung gefetzt wird. Ob 
nun ein zarter Dunft, a) der fich bei den mehrefien Thieren durch einen widrigen 
Geruch offenbaret, aus dem Milch in das Ei dringe und das Herz reize; oder ob die 
Saamenthierchen dahin gelangen und durch ihre lebhafte Bewegung diefe Wirkung 
hervorbringen , überlade ich anderen zur Beurtheilung. Mir kommt letzteres fehr 
wahrfcheinlich vor, weil ich an dem Milcher der Fifche auch nicht den minderen Ge- 
ruch bemerkt habe. Diefe flüchtige Theilchen fcheinen vielmehr bei andern Thierar- 
ten, dazu beftimmt zu feyn, dafs fie durch ihren Reiz einen unwiderflehlichen Trieb 
zur Fortpflanzung d^s Gefchlechts hervorbringen, welcher bei den Fifchen nicht noth- 
wendig ift, da fich die Natur dazu eines andern Mittels bedient, nemlich der An- 
fchwellung der langen Hoden , welche die übrigen Eingeweide drücken und eine be- 

a) Aura feminalis. 



iaa Ziveeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondere. 

fchwerliche Spannung im Unterleibe zuwege bringen. Eben diefes fcheint auch bei 
den Vögeln ftatt zu finden , denn auch bei diefen habe ich den Saamen ohne Geruch 
gefunden und bei ihnen fch wellen die Hoden zur Brutzeit fo ftark auf, dafs fie bei 
verfchiedenen die Gröfse einer Wallnufs und darüber erhalten , da fie in beiden nach 
der Begattungszeit kaum fichtbar find. 

5) Dafs das Herz die Blutgefässe erweitere und dadurch die Entwicklung * des Ganzen 

bewirke. 

6) Dafs der Keim und der daraus entgehende Embryo mit dem Dotter in einer gemeinfchaft- 

lichen Haut liege , mit welchem er , mittelft feiner Eingeweide und den Gefäfsen des 
letztern, in einer fo genauen Verbindung fleht, dafs er, fo gar wenn der Fifch be- 
reits halb zur Welt gekommen , mit demfelben noch ein Ganzes ausmacht. 

7) Dafs bei den Fifchen nicht, wie bei den Vögeln, die Verbindung der Eingeweide mit 

dem Dotter durch den Nabel , a) fondern durch den Mund gefchehe , welche Verbin- 
, düng fo gar bei den halbgebornen Fifchen noch fortdauert. 

8) Dafs die Fifche nicht, wie andere Thiere , zuerft mit dem Kopfe, fondern mit dem 

Schwänze zuerft zur Welt kommen. 

9) Dafs die zur Ausbrütung erforderliche Zeit nicht genau, wie bei anderen Thieren, be- 

ftimmt werden könne, indem diefes Gefchäft durch eine warme Witterung befchleunigt 
und durch eine kalte verzögert werde. 

10) Dafs der Dotter, welcher nach eben dem Verhältnifs immer kleiner wird, nach welchem 

der Embryo zunimmt, zur Nahrung des Keims: das Weifse hingegen, zur freien 
Bewegung, fo wie das Waffer in der Gebährmutter der fäugenden Thiere, be- 
ftimmt fey. 

11) Dafs der Keim im Ei praeexifiire und alle andere diefem Satze entgegen laufende Hypo- 

theken nicht ftatt haben können. 

12) Dafs die Saamenthierchen der Fifche von den aus anderen Thierarten fehr verfchie- 

den feyn. 

a) Wie folches aus den zur 25gften Seite ge- bis 47ften Tafel des Blafü Anat. der Thiere zu 
hörigen Kupfertafeln imgleichen aus der 45ften erfehen ift. 



Zwiiettr Abfchnitt* Von den Karpfen ins be fonder e. iaj 

13) Dafs zum Ausbrüten der Eier der grofsen Fifcharten nicht mehr Zeit erfordert werde, 

als der kleinen, indem der Blei eben fo, als der Ueckelei , bei einerlei Witterung , am 
neunten Tage auskrochen: dahingegen bei den Vögeln und vierfiifsigen Thieren die 
Zeit der Entwicklung nach dem Verhältnifs der Größe lieh richtet. 

14) Dafs die Entwicklung des Fifches im Ei eben fo fchnell , als der Wachsthum derfel- 

ben, nach der Geburt, langfam vor lieh gehe, weil ich bereits am zweeten Tage nach 
der Befruchtung das Herz und am dritten den ganzen Körper fich bewegen fah; da 
hingegen ein zweijähriger Fifch kaum die Gröfse von vier bis fünf Zoll erreicht. 

15) Dafs die Bruilfloflen , als die wefentlichften Werkzeuge zum Schwimmen, zuerft 

ihre Vollkommenheit erreichen und daher bei allen und jedem Fifche vorhanden 
feyn muffen. 

16) Dafs das Blut im Embryo weit langfamer, als nach der Geburt, umlaufe. 

17) Dafs in einem jungen Fifche das Blut weit langfamer circulire, als in anderen jun- 

gen Thieren. 

18) Dafs das Herz das Blut nicht unmittelbar in die. Pulsadern treibe, fondern dafs diefe es 

durch die Zufammenziehung des Pulsaderfacks erhalten. Ferner, dafs zwifchen die- 
fen beiden eine wechfelsweife Zufammenziehung a) und Erweiterung b) ftatt finde. 

19) Dafs , da die Blutkügelchen im Herzen roth und in den übrigen Gefäfsen weifs erfchei- 

nen , die rothe Farbe von dem Zuf immenpreflen diefer Kiigelchen , in dem bereits ge- 
bildeten und mit mehrerer Spannung begabten Herzen herrühre, c) 



a) Syftole. derholte Aderlaflen , warme Getränke und Bäder 

b) Diaftole. u. f. w. gehören) wählen muffe : da hingegen ein 

c) Hieraus lauen fich nicht unwichtige Folge- minder rothes Blut einen erfchlafften Zuftand der 
rangen für die Heilkunde ziehen , indem ein aus feften Theile anzeige und daher der Kranke nach 
der geöfneten Ader herausfliefsendes hellrothes einer entgegen gefetzten Methode muffe behan- 
Blut einen Beweifs von einer zu ftarken Span- delt werden. Man fieht auch hieraus, was Ah- 
nung der feften Theile abgiebt und man daher in einen wichtigen Einflufs die Naturgefchichte auf 
diefem Falle erfchlaffende Mittel, (wohin das wie- die Oekonomie und Arzeneiwiffenfchafr äufsere. 



iJa Ztoeeter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefondere. 

Auf dem noch übrig geblibenen Raum diefer Platte habe ich folgende merkwürdige 
Rogen abzeichnen laflfen: 
Fig. 13. Sind reife Eier von der Teichforelle. 
Fig. 16. ift ein Stück vom Lachsrogen , defTen Eier fchichtweife in befondern Hauten ein«. 

gefchloffen und wie Falten über einander geordnet und auf der Seite mit einer ftärkern 

Haut, als mit einem Bande, eingefafst find. Die Eier haben j eine rothe Farbe und 

die Gröfse des Mohnfaamens. 
Fig. i8- ift ein Stück von einem Barfchrogen , welchen der Fifch in einem netzförmigen 

Gewebe von fich giebt. 
Fig. 17. ift eine kleine Mafle von fechs zufammenhängenden Eiern , wie fie durch das 

Suchglas in einer fechseckigen Figur erfcheinen. 

ERKLÄRUNG DER KUPFERTAFEL 

Fig. 1. Gras mit befruchteten Eiern. 

— 2. Dergleichen mit tauben Eiern. 

— 3. Ein Ei durch die Linfe No. 6. betrachtet. 

a. Der Dotter. 

b. Das Weifse. 

— 4. Eier, in welchen man am dritten Tage die Bewegung des Embryo wahrnimmt. 

— 5. Ein dergleichen Ei, eben Co vergröfsert, worin der Rückgrad bereits kenntlich ift. 

— 6. Eier vom fiebenten Tage , worin die Augen am Embryo fichtbar lind. 

— 7. Ein dergleichen Ei mit der Linfe No. 5. vergröfsert. 

— 8- Ein Ei mit der Linfe No. 4. vergröfsert, wo der Embryo mit dem Schwänze bereits 

aufser dem Eie fich befindet. 

— 9, a. Ein ausgekrochener Blei in natürlicher Gröfse. 

b. Derfelbe von acht Stunden. 

c. Derfelbe in einem Alter von drei Wochen. 

— 10. Ein Blei vom erften Tage, auf dem Bauche liegend, durch die Linfe No. 4. vorgeftellt, wo bei 

a. der Magen zu fehen ift. 
-— ir. Derfelbe Fifch > zehn Tage alt, auf der Seite liegend, durch die Linfe No. 2. vergröfsert. 
a. Der Magen. 



Zwceter Abfchnitt. Von den Karpfen insbefonden. 



1*5 



b. b. Die Schuppen. 
Fig. xi. a Das Herz. 

b. Der Pulsaderfack. 
— - 13. Eier von einer Teichforelle. 

— 14. Ein Blei von vier Tagen, auf der Seite liegend, durch die ftä'rkfte Vergrößerung vorgeftellt. 

a. Das Herz. 

b. Der Pulsaderfack. 

c. Die grofse Pulsader. ( Aorta.) 
d.d. Die vordere Pulsader. 

e.e. Die hintere Pulsader. 

f. f. Die Ribbenpulsadern. (Ärteriae intercoftajes.) 

g. Die abfteigende Hohlader. ("Vena eava inferior.) 
h. Die aufzeigende Hohlader. (Vena cava fuperior.) 
i. Die Vereinigung diefer Adern. 

k. Die Schwimmblafe. 

— 15. Die Schuppen, durch eine ftarke VergröTserung vorgeftellt. 

a. Eine vom Kopfe. 

b. Eine vom Rücken. 
c Eine von der Seite. 

— 16. Ein Stück Rogen vom Lachfe. 

— 17. Zusammenhangende Barfcheier, durch das Suchglas betrachtet. 

— i8- Ein Stück vom Barfchlaich. 

— 19. Die Saamenthierchen vom Karpfen. 




0.3 



ilä 



II. GESCHLECHT. 

Die Lachfe. 



ERSTER ABSCHNITT. 

Von den Lachfen überhaupt. 
x\m Rücken eine Fettflofse. Sahno, pinna dorfalis pofiica adipofa. 

Saltno. Linn. S. N. gen. 178. p. 509. Fore. Leske. Anf. Gr. d. N. G. gen. 38. S. 380. 

— Gouan. Hill. pifc. gen. 41. p. 191. Salmon. Penn. Brit. Zoolog. III. gen. 33. p. 284. 

Trutta. milughby Hift. pifc. p. 182. c. 4. Salme. Müller. L. S. 4 Thl. S. 310. 

— Klein. MUT. pifc. V. 16. — Fifcher. N. G. von Ließ. S. 121. 

Bei den zahlreichen Arten diefes Gefchlechts finde ich die Verwirrung faft eben fo 
grofs, als bei den vorhergehenden: woran ohnftreitig die grofse Aehnlichkeit der Gattun- 
gen unter einander und die Unbeftändigkeit der Farben und Flecken , die fich nach dem Alter, 
den Jahreszeiten und dem Waffer öfters abändern , fchuld ift. Die altern Ichthyologen , als 
Bellon, Rondelet und Gesner haben fie a) fo wie auch die folgenden, welche jene faft von 
Wort zu Wort abfchrieben, einzeln abgehandelt. Willughbji war der erfte, der fie in ein 
Gefchlecht unter dem Namen Forelle b) brachte und die Fettflofse als Kennzeichen deffelben 
angab. Artedi trennte Cie wieder in drei Gefchlechter und befchrieb fie unter den Namen 
Aefche, c) Stint d) und Lachs, e) worin er fechszehn Arten namhaft macht. Bald darauf 

a) So hat Rondelet die zehn Gattungen, b) Trutta. 

welche ihm bekannt waren, unter die Namen c) Coregonus, gen. VII. p.9. Syn.pag. 

Salmo, Trutta, Umbra, Carpio, Lavaretta» d) Osmerus , gen. VIII. p. 10. Syn. p. 21. 

Thymus, Bezola ; Gesner aber unter Salmo, Trut- e) Salmo, gen. IX. p. 11. Syn. p. 29. 
ta, Eperlanus, Albula undThymalus, aufgefiihrefc 



Erfler Abfchnitt. Von den Laekfen überhaupt. 127 

rereinigte jfie Klein wieder, indem er fie wie WiUughby nannte, nur dafs er die fiebenzehn 
Arten, die er anführte, unter zwo 'Abtheilungen in gezahnte und ungezahnte a) brachte. 
Gronov, der die Fifche feines Cabinets fafl zu gleicher Zeit befchrieb, machte fünf Ge- 
fchlechter daraus, b) Der Ritter Linne vereinigte fie wieder , wählte den Lachs , als den 
vornehmften und am meiften bekannten Fifch mit Recht zum Gefchlechtsnamen und giebt 
fünf Kennzeichen an, als: den glatten Kopf , die Zähne in den Kinnladen , die Zunge , die 
vier bis zehn Strahlen in der Kiemenhaut, die Fettflofse und die vielflrahlichten Bauchflof- 
fen. Da aber diefe Kennzeichen theils zu allgemein find , theils auch nicht bei allen 
Gattungen angetroffen werden ; fo halte ich die Fettflofse? allein für hinreichend, diefe 
Fifchart von allen übrigen zu unterfcheiden. Der Ritter hat diefes weitläufige Gefchlecht, 
um mehrerer Deutlichkeit willen , unter vier Abtheilungen gebracht , als: 1) unter Forellen, c) 
deren Körper gefleckt iftj 2) unter Stinte, d) deren Rücken- und Afterflofle gegen einander 
überftehen; 3) unter Aeichen, e) deren Zähne kaum fichtbar find und 4) unter Lachsbraffen, f ) 
deren Kiemenhaut mit vier Strahlen verfehen ift. Da ich sber hoffen kann , durch die 
Abbildungen deutliche Begriffe zu geben ; fo halte ich. die Unterabtheilung für überflüfsig. 

Die Fifche diefes Gefchlechts find fafl unter allen die fchönflen , wohlfchmeckend- 
ften und, wenn ich einige wegen ihres fetten Fleifches, ausnehme, die gefundefien. 
Sie haben gröfstentheils einen geffreckten mit runden fein geffreiften Schuppen bedeckten 
Körper, der durch fchöne Flecke geziert und mit acht FJofsen befetzt ift. Der Kopf ift 
glatt, oder ohne Schuppen, auf den Seiten zufammen gedrückt und das Maul grofs ; die Lip- 
pen find klein und von den Kinnladen fleht bald die obere , bald die untere hervor. Nicht nur 
diefe, fondern auch bei einigen anderen find fo gar der Gaumen und die Zunge mit fpitzigen Zäh- 
nen befetzt. Die Zunge ifl weifs, knorplicht und beweglich. Die Augen find nicht fonderlich 
grofs und fitzen an den Seiten. Die Nafenlöcher find durch eine Zwifchenhaut getheilt 
und befinden fich zwifchen den Augen und der Oberlippe. Die Kiemendeckel find eben fo, 
wiedieKiemenofnungen grofs und beftehenaus dreien knöcherne n Plättchen. Die Kiemen- 

a) Truttae dentatae §. XI et .edentulae 19. II, p. ia . I3 . t. 1. fig. 45. und AnoftonUis, 
$• XIL Muf, IL p. 13. t. 7. ig. 2 . beifügte. 

b) Indem er den dreien des Artedi noch zwei, c) Truttae. d)Osmeri. 
unter den Namen Charax, Muf. ichth. p. l8 . e ) Qiaracini. f) Coregoni. 



ia8 ErJJer AbfchnUt. Von den Lachen Überhaupt. 

haut ift mit ftatken knöchernen Stralücn, deren Anzahl fich bei einigen bis auf zwölf be- 
läuft, verfehen. Der Rücken ift rund und macht mit dem Kopfe und Schwänze beinahe 
eine gerade Linie; die Seitenlinie, "welche dem Rücken näher als dem Bauche ift, läuft iu 
einer faft geraden Richtung vom Kopfe bis zum Schwänze hin. Die Seiten find nur wenig 
zufammen gedrückt; der Bauch ift lang und der After ohnweit der Schwanzfiofse befndlich. 
Von den acht Flofsen fitzen zwo nahe an der Kiemenöfnung , zwo unter dem Bauche, eine 
am After, eine am Schwänze und zwo am Rücken. 

Diefe Fifche leben vom Raube, lieben ein fchnellfliefsendes reines Waffer, auf 
einem fandigen oder kiefigten Grunde und flehen aufser demfelben gefchwinde ab. Einige 
leben in den grofsen Weltmeeren, wie der Lachs, die Lachsforelle und die Aefchc, gehen 
aber im Frühjahr in die FlüfTe , machen weite Reifen und kehren , nachdem fie ihre Nach- 
kommenfchaft fortgepflanzt haben , wieder in ihr falziges Element zurück. 

Die innere Theile weichen bei diefem Fifchgefchlecht von denen aus. dem vorher* 
gehenden merklich ab. Der Schlund hat weite Falten, der Magen ift abgefondert und be- 
flehet aus einer dicken Haut, der Anfang des Darmkanals, welcher kurz ift und nur zwo 
Beugungen hat, ift mit vielen Anhängfein oder Blinddärmen verfehen. Die Schwimmblsfe 
ift ungetheilt und der Milch fowohl als der Rogen in doppelten Säcken eingefchloffen. Die 
Galle ift gelb und nicht fehr bitter, die Bauchhöhle fehr lang. 

ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Lachten" i n s b e f o « d e r e. 

DER LACHS. 
XXfte Taf. 

— "- !a Q er Oberkiefer etwas hervorftehend ; dreizehn Strahlen in der Afterflofse. Kh. 12. Br. 14. 
i.DerLachs.-*^ 

B. 10. A. 13. S. ai. R. 14. 

Maxilla fuperiore ultra inferiorem prominente, pinna anali radiis tredeeim. B. XII. 
P. XIV. V. X. A. XIII. G. XXI. D. XIV. 



Zweiter Abfchnitt. Von den Lachfen hubefandere. %%k 

Salmo Solar. Roftro ultra inferiorem maxillam Salmo. Plin. Hift. nat. lib. IX. c. 18- 

prominente. Lin. S. N. g. 178- p. 509. — Gefn. Aquat. p. 824. Nomenclat. p. 345. 

— — Müller. Prodr. z. d. p. 48. n. 405. — gfonfl. p. 106. t. 23. f. 1. 

— — Wulff. Icbth. p. 34. n. 42. — Chart, p. 150. n. 1. 

— — Leske Anfangsgr. S. 380. n. u — Wilhighb. p. 189. t. n. f. 2. 
Salmo. Roftro ultra inferiorem maxillam faepe — Schwenckf. p. 443. 

prominente. Artedi gen. p. IL n. i.fyn. Salm und Lachs. Gefn. Thierb. S. 181. b 
p. 4. n. 1. fp. p. 48. und 18a. 

1 — Gronov. Muf. IL p. 12. n. 163. ebend. Der Lachs. Beckmanns Gefch. der Churm.i.B. 
Trutta dentata; toto corpore, ventre extremo S. 568. 

excepto, crebris ac diverfis charadleribus ac — — Richters Ichthyol. S. 887' 

lituris cinnabarinis fufeisque vario, mandibu- Der Lax. Pontop. N. Hift. vonNorw. S.248. 

Iae inferioris extremitate infigniter hamata et Der gemeine Lachs. Müller L. S. 4. B. S. 311. 

in fuperiorem intrante dentium loco maxillis Salmon. Fenn. Brit. Zoolog. III. p. 284. 

ipfis obtufe ferratis. Le Saumon. Cours d'hift. nat. T. V. p. 288- 

— — Ä7«'».Miff.pifc.V.p.i7.n.2.t.5.fig.2. ■ 

Bei diefem allgemein bekannten und wohlfchmeckenden Fifche flehet bei gefchlof- 
fenem Munde der Oberkiefer etwas hervor. Der Unterkiefer läuft bei dem ausgewach- 
fenen Männchen in einen ftumpfen Haken aus, der in eine Vertiefung des Oberkiefers ein- 
pafst. a) In der Kiemenhaut hat er zwölf, in der Bruftfiofse vierzehn, in der Bauchflofse 
zehn, in der Afterflofse dreizehn, in der Schwanzflofse ein und zwanzig und in derRücken- 
fiofse vierzehn Strahlen. Der Kopf ift keilförmig und gegen den grofsen Körper nur klein. 
In beiden Kinnladen fieht man am Rande derfelben fpitze Zähne, zwifchen welchen klei- 
nere und bewegliche befindlich find. An der Oberkinnlade find nicht nur mehr, als an der 
untern , fondern auch noch auf beiden Seiten des Gaums zwo Reihen fpitzer Zähne vorhan- 
den. Aufserdem fitzen noch auf beiden Seiten des Schlundes , nahe an den Kiemen , einige 
dergleichen, welche innwärts gekrümmt find, fo wie auch auf der Zunge fechs bis 
acht, die hinterwärts gebogen find; der Gaumen ift glatt. Die Stirne und das Ge- 

a) Linne Faun. fuec. II. 2. p. 123. n. 143. auch Gefner hat diefen Unterfchied bereits bemerkt. 
Thierb. S. 882. 

R 



I^o Zweeter AlfchnitU Von den Lachfen inshefondere. 

nicke, fo wie die Backen, find fchwarz, welche Farbe bei letztern mit blau vermifcht ift. 
Die Augen find klein, der Stern fchwarz , der Ring filberfarben und die beiden Winkel des 
Auges gelb. Der Rücken ift fchwarz , die Seiten find über der Linie bläulicht und unter der- 
felben filberfarben und zu Zeiten mit grauen Flecken befetzt, a) Der Bauch und die Kehle 
haben eine gelbröthliche , die Kiemenhaut eine gelbe , die Bruftflofse am Grunde ebenfalls 
eine gelbe und nach dem Rande zu eine bläuliche Farbe. Die Bauch- und Afterflofsen find 
gelb und über erftern eine Mittclflofse zu fehen. Die halbmondförmige Schwanzflofse hat 
eine blaue, die Fettflofse eine fchwarze und die gefleckte Rückenflofse eine graue Farbe. 
Die Schuppen find von mittlerer Gröfse und gehen leicht ab. Die fchwarze Seitenlinie läuft 
gerade nach dem Schwänze hin. 

Der Lachs macht den Uebergang von den Flufs- zu den Seefifchen : denn da er in Rif- 
fen Waffern geboren wird , in dem Meere aber feinen Wachst hum erhält und in der Folge im 
Sommer in den Flüffen , im Winter aber in der See fich aufhält ; fo haben beide Waficr 
einen gleichen Anfpruch an ihm. Vorzüglich gehört er in dem nördlichen Ocean zu Haufe, 
aus welchem er gröfstentheils in die damit verbundene Ströhme und Flüffe gehet , um feinen 
Laich darin abzufetzen. Man findet ihn daher nicht nur in allen denen europäifchen Län- 
dern , welche vermittelft der FlüiTe mit dem Weltmeere in Verbindung flehen , fondern 
auch in Kamtfchatka, Grönland, Neufundland und den nördlichen Theilen von America. 
Wie fiark die Triebe find , welche den Thieren zur Fortpflanzung ihres Gefchlechts einge- 
pflanzt worden , fieht man auch an diefem Fifche. Er verläfst die von Gefchöpfen wim- 
melnde See, wo er eine reichliche Nahrung findet, gehet in die von den Menfchen veröde- 
ten Flüffe, fucht den mannigfaltigen und finnreichen Nachflellungen der Fifcher auszu- 
weichen, ( denn wie viele Fallflricke werden ihm z. B. nicht im Rhein, von der Nordfee bis 
nach Bafel, gelegt!) weifs taufend Hinderniffe auf feiner weiten Reife zu überfieigen, um 
feine Eier an bequeme Oerter abzufetzen. Seine Laichzeit , welche fechs bis acht Tage 

a) Von denen mir zu Gefichte gekommenen dafs dieLachfe aus einigen Meeren mit, und aus 
hatte nur ein einziger runde Flecke von derGe- andern ohne Fiecke wären, die fie -aber ver- 
fielt, wie fie auf der Kupfertafel abgezeichnet lö'ren, wenn fie fich eine Zeitlang im füfsen 
find, gfohnfon beim Klein 1. c. p. 17. bemerkt, Waffer aufhalten. 



Ztßeeter Ahfchnitt. Von den Lachten insbefondere. 131 

dauert, fällt in füdlichen Gegenden , wie in Bretagne, bereits im Mai , a) in den nördlichen 
hingegen, wie in Schweden, im Jul. b) Es ift merkwürdig, dafs der Lachs eben fo gut 
das Waffer, worin er einmal gelaicht, als die Schwalbe das Gebäude, woran fie geniftet, 
wieder zu finden weifs. c) Bei letzterer hat man fleh längft durch einen an dem Fufse 
befeftigten metallnen Drath überzeugt und bei erfterm hat Delalande* ähnliche Verfuche ge- 
macht. Er kaufte von den Tifchern zu Chateaulin d) ein Dutzend Lachfe und nachdem er 
einen jeden mit einem kupfernen Ring am Schwänze verfehen hatte, fchenkte er ihnen die 
Freiheit wieder. Die Fifcher haben ihn nachhero verfichert, dafs fie in den folgenden Jah- 
ren in einem fünf, im andern drei , im dritten drei von diefen gezeichneten Lachfen wie- 
der gefangen hätten, e) Plinius gedenkt feiner zuerft: f) denn da er im mittelländifchen 
Meere nicht vorhanden ift und die Griechen mit den nördlichen Völkern in keiner Verbin- 
dung ftanden, fo ift ihnen diefer LeckerbhTen unbekannt geblieben. 

Wenn gegen das Frühjahr das Eis an den Küften zu fchmelzen anfängt ; fo begiebt 
er fich nach felbigen hin und fucht das füfse WafTer auf, welchem er weiter nachgehet: 
daher er fich in denenjenigen Ströhmen , die durch eine enge Mündung ihr WafTer weit in 
die See hinein flürzen, weit häufiger einfindet, als in folchen, die durch einen breiten Haf 
oder eine weite Mündung mit felbiger verbunden find. Er gehet gewöhnlich im Frühjahre 
mit den Fluthen und dem Winde, welchen die Fifcher den Lachswind nennen, in die 
Strohine , und zwar in den mehr wärmeren Gegenden Europens bereits im Februar und 
März, in den nördlichen hingegen erft im April und Mai. Er liebt folche WafTer, die 
einen fandigen undkiefigten Grund und einen fchnellen Flufs haben: in (Hefen verweilt er 

R % 

a) Bomare Di&ion. d'hift. nat. T. X. p. 278. nen filbernen oder goldenen Ringen verfehen und 

b) Schwed. Abh. 7ter B. S. 275. fie wieder ins WafTer werfen; durch diefeFifche 

c) Cours d'hift. nat. T. V. p. 293. foli man die Verbindung des Cafpifchen mit dem 

d) Eine kleine Stadt in Niederbretagne, wo fchwarzen Meere und mit dem Perfifchen Meer- 
man jährlich an viertaufend Lachfe fängt. bufen entdeckt haben. Bomare Di&ion. d'hift. nat 

e) Die morgenlä'ndifche Fürften , welche ein t. X. p. 2§i. 

befonderes Vergnügen an der Fifcherei finden, f ) Hift. nat. Hb. IX. c. iS« 
laJTen gewöhnlich merkwürdige Fifche mit klei- 



13a Zweier Abfclmitt, Von den lackfeu insbefonäere. 

bis gegen denHerbft, wo er alsdann, nachdem er feine Nachkommenfchaft zurück gelaflen 
hat, ins Meer zurück gehet. Jedoch überwintert er auch bisweilen in den füfsen Waffern: 
denn esgefchieht nicht feiten, dafs er in Schweden, wo die Ströhme zeitig zufrieren, die 
Gelegenheit zum Rückzuge verfäumt; auch in Irrland hält er fich in einigen Flüffen das 
ganze Jahr hindurch auf. a) Je zeitiger die Fluthen fich einflellen und je gröfser fie find, 
defto häufiger erfcheint er auch. Da nun die hohen Fluthen von den Harken Winden her- 
rühren, welche gegen die Ströhme blafen und da diefe in verfchiedenen Richtungen 
in das Meer auslaufen; fo kann man auch fo gar in einer gewiflen Entfernung von dem 
letztern, fo bald man auf den Zug der Winde Achtung giebt, das Schickfal des Lächsfan- 
ges für diefe oder jene Gegend mit ziemlicher Gewifsheit vorher verkündigen: jedoch mufs 
man dabei auf die Zeit, in welcher die Ströhme vom Treibeife befreit werden, welche 
von dem mehr oder minder warmen Frühjahr abhängig ift , Rückficht nehmen : denn je 
früher diefe Wafler rein find , defto eher findet fich der Lachs ein. Trift es fich aber, dafs 
die Fluthen erfi gegen Ende des Mais antreten ; fo ift für diefe Gegend kein anderer als ein 
fchlechter Lachsfang zu erwarten, weil diefer Fifch mit hohen Fluthen in andere Gegenden 
gegangen ift. Nach einer Bemerkung der Fifcher foll der Lachs vorzüglich häufig fich ein- 
finden, wenn man gleich anfangs den Lachswurm b) an den Kiefern antrift : denn einer Er- 
fahrung zufolge foll er alsdann in gröfserer Menge gegeh den fchnellen Strohm gehen, um 
fich darin von diefen feinen läftigen Gärten los zu machen. 

Wenn der Lachs fich in die Ströhme begiebt , fo gefchiehet folches gewöhnlich hau- 
fenweife und zwar in zwo Reihen, die Seiten eines Dreiecks bilden, in folgender 
Ordnung. Gewöhnlich gehet der gröfste, welches ein Rogener zu feyn pflegt, voran; 
auf diefen folgen, in einer Entfernung von einer Elle, zween andere und in diefer Ordnung geht 
der Zug ferner fort, fo dafs-, wenn er z. E. aus ein und dreifsig Stück beflünde, fich auf jeder 
Seite fünfzehn befinden würden. Wenn diefe Ordnung durch einen WaiTerfall, eine Holz- 
ilöfse oder ein Geräufch unterbrochen wird ; fo fiellen fie diefe , nachdem die Hinderungen 
aus dem Wege geräumt find, wieder her: fiofsen fie aber auf ein Netz, fo machen fie 
Halt, einige fuchen einen Weg unterhalb oder an den Seiten, dem Netze vorbei und fo bald 
a) Neuefte Mannigf. 3ter Jahrg. S. 543. b) Lernae fajmonea. L. 



Zwceter Abßinitt. Von den Lachfen insbefonderc. 133 

einer die Bahn gefunden hat, fo folgen die übrigen nach und fetzen ihre Reife in erwähn- 
ter Ordnung fort. Die Weibchen gehen gewöhnlich vorauf, ihnen folgen die gröfsern 
Männchen und die kleinen machen den Befchlufs. Die Fifcher alfo, fo bald fie kleine Mil- 
cher fangen, wifTen zum voraus, dafs fie von diefem Haufen keine mehr zu erwarten ha- 
ben. Die Haufen find zu Zeiten fo ftark, dafs fie durch vereinigte Kräfte das aufgehellte 
Netz zerreifsen und denselben [entkommen. Der Lachs hält fich beim Schwimmen 
mitten im Strohme und nahe an der Oberfläche des WafTers und da er bei feinem Zuge 
vielGeräufch macht, fo hört man fie, gleich einem Sturme, von weiten raufchen; wenn 
hingegen die Witterung fiürmifch oder heifs ift , fo geht er in die Tiefe und alsdann wird 
man nichts von feinem Zuge gewahr. Die Urfache, warum diefer Fifch nahe an der Ober- 
fläche des Waffers und mitten im Strohme gehet, liegt ohnftreitig in feinem Hang nach 
fchnellfliefsendem WafTer : da nach dem Verfuche des Marione der Strohm in der Mitte 
ftärker als auf den Seiten und ohnweit der Oberfläche fchneller ift als am Grunde des WafTers. 

Der Lachs geht Strohm an und macht fehr weite Reifen. So wandert er z. B. aus der 
Nordfee in die Elbe, bis nach Böhmen in der Mulde und in dem Rhein bis nach der Schweiz 
hin. Setzen fich ihm auf feinem Zuge WafTerfälle oder Zäune entgegen, fo fpringt er, wenn 
er fich vorher unter den grofsen Steinen ausgeruhet, über diefelben weg. Nachdem er näm- 
lich den Schwanz im Munde feit gehalten und auf dLfe Art einen Zirkel gebildet hat, fo 
fchneilt er den Körper gewaltfam wieder in feine gerade Lage zurück nnd indem fein Kör- 
per mit einer grofsen Gefchwindigkeit auf das WafTer fchlägt, fo prellt er dergeftalt davon ab, 
dafs er bei tiefem WafTer fünf bis fechs Fufs hoch in die Höhe fpringt: a) (denn in flachen 
WaiTern ift er nicht im Stande, hohe Sprünge zu machen.) So bald er nun auf den Nacken 
des WafTerfalls gekommen ifl, fchlägt er mit dem Schwänze , gleichfam zum Zeichen feines 

R3 



a) Und nahe an der See, wo er noch bei vie- ges auf zwanzig Fufs, wie man folches bei 

len Kräften ift, fchwingt er fich wohl vierzehn Ballyshannon , einer kleinen Stadt in Irland ohn- 

Fufs in die Höhe und wenn man die Krümmung weit der See, wo eine ftarke Lachsfifcherei ift, 

dazu rechnet, fo beträgt die Weite feines Sprun- wahrnimmt. 



134 " Zweeter Ahfchnitt. Von den Lachfen insbefondere. 

Vergnügens und geht weiter. Es trägt fich manchmal zu , dafs er bei einem hohen Waffer- 
fall wieder zurück fällt j jedoch verfucht er nach einer kurzen Erholung fein Glück aufs neue, 
bis er entweder feinen Endzweck erreicht oder die Unmöglichkeit, hinüber zu kommen, 
fühlt und alsdann zurückgeht, ift der Sprung dem Anführer geglückt, fo folgen die übri- 
gen nach, und allezeit fallen fie auf die Seite, indem üe den Kopf, um ihn zu fcbonen, 
in die Höhe halten. Wenn der Lachs beim Anfange feiner Reife auf zween Flüffe fiöüt, 
davon der einej ein fchnelles und der andere ein ruhigeres Waffer führt; fo gehet er in den 
erfiern, in der Folge aber in letztern, vermuthlich um einen ruhigen Ort zu feinem Laichen 
zu haben, auch gern in folche Waffer, deren Ufer dicht mit Bäumen befetzt ift, weil er den 
Schatten und kaltes Waffer liebt. Hingegen vermeidet er folche Flüffe, deren Mündungen 
mit Gebäuden befetzt find, wie folches die Schweden durch Anlegung neuer Fifcherwoh- 
nungen zum gröfsten Schaden der alten Fifcherdörfer erfahren haben, a) Auch geht er 
nicht gerne aus den Ströhmen in folche kleine Flüffe, (deren Mündungen Untiefen haben: 
es wäre denn, dafs durch Stürme der Grund aufgewühlt und das Waffer trübe würde, wo 
er diefe flache Stellen nicht wahrnehmen kann. Auch wird er vom Treibholze, noch mehr 
aber von den Holzflöfsen zurück gefcheucht; befonders aber von den Bretterflöfsen, weil 
er fich vor dem Schimmer derfelben noch mehr fürchtet, als vor der dunkeln Farbe des 
Holzes und da man bemerkt hat, dafs er auch in die Gegend, wo die Seetonnen oder an- 
dere bewegliche Hölzer angebunden find, nicht hinkömmt ; fo machen fich die Fifcher die- 
fen Umftand zu nutze, um ihn defto eher in ihre Netze zu bringen. Sie binden nämlich 
breite Schindeln oder ein Brett durch einen langen Striek an einen Stein , den üe an denen 
tiefen Stellen , wo fie mit dem Netze nicht hinreichen können , einlenken , um den Lachs 
von diefen Oertern, wo er leicht durchgehen würde, abzuhalten. Auch vor der rothen 
Farbe fcheut er fich fehr, wonach die Fifcher fich beim Lachsfange richten; es ift daher 
rathfam,' dafs man die an den FlLuTen befindliche Gebäude nicht mit rothen Ziegeln decke. 
Auch die Sägemühlen entfernen die Lachfe Wohl als die übrigen Fifche , wegen des Gc- 
räufches -und der hineinfallenden Spähoe. Wenn der Lachs an den Seeküfien oder Mündun- 
gen der Ströhme feinen Feind , den Seehund, erblickt, oder ein ungewöhnliches Geräufch 

a) Schwed. Abb. 13. B. S. 183. 



Zweiter Abfchnitt. Von den Lach/m insbefondere. 135 

hört, Jo eilt er fofort wieder in die See zurück. So wurden im Jahr 1743 von der Mün- 
dung bei Torneäelbe in Schweden ganze Schaaren von Lachfen durch einige SchiuTe von 
dreipfündigen Kanonen, welche die Feldartillerie machte, in die See zurück gefcheucht. 
Nach Gießers Bericht foll der Lachs innerhalb vier und zwanzig Stunden nur eine Meile 
und beim Sonnenfchein, weil er beim Spielen zu lange auf der Oberfläche des Waffers ver- 
weilt, nur eine halbe Meile zurück legen, a) Diefe Angabe fcheint mir indeffen, in Betracht des 
weiten Weges, den er innerhalb ein bis anderthalb Monathen macht, zu gering zu feyn : denn fo 
tritt er z. B. nicht vor dem Februar im Rhein und gegen die Mitte des Märzes wird er fchon zu 
Rusheimb) ausgefifcht; c) er macht alfo in diefer kurzen Zeit eine Reife, die, wenn man 
alle Krümmungen des Rheins mit einrechnet, gewifs hundert Meilen beträgt. Dafs indefs 
fein Lauf eben nicht fehr fchnell feyn muffe, vermuthe ich daraus, weil er im Kuddowfluß, 
in welchen er aus der Netze fteigt, ungleich fpa'ter als in diefem gefangen wird. Wenn 
er ruhen will, fo fucht er gewöhnlich einen grofsen Stein auf, gegen den er fich mit dem 
Schwänze, mit dem Kopfe aber gegen den Strohm ftellet. Wird er nun durch das Stech- 
feuer oder ein anderes Geräufch von diefer Stelle verfcheucht, fo nimmt er, fo bald die Ge- 
fahr vorüber ift, eben diefen Poften wieder ein: daher die fchwedifchen Fifcher allezeit ge- 
wifs find, dafs fie ihn allda mit ihrem Speere , wenn fie ihn einmal ausgekundfchaftet ha- 
ben, treffen werden- 

Der Lachs lebt von kleinen Fifchen, WafTerinfekten und Würmern. Er wächft 
daher fehr fchnell und foll in einem Alter von fünf bis fechs Jahren neun bis zwölf Pfund 
wägen und erlangt auch zugleich eine beträchtliche Gröfse. Derjenige, davon ich hier die 
Zeichnung mittheile und den ich aus Wefel erhielt, wog vierzig Pfund ; in Schottland trift 
man welche von vier und fiebenzig d) und in Schweden von achtzig Pfund an e) und Denis 
fah in Neufrankreich welche von fechs Fufs Länge, f ) 



a) a. a. O. S. IT3. d) Penn. p. 294. 

b) Ein Dorf am Rhein in der untern Marggraf- e) Schwed, Abh. i3ter B. S. 304. 
fchafc Baden. f ) A!]g . Reif# j6ter B> Si ^ 

c) Naturforfcb. XVtes Stück. S. 166. 



i^<5 Zweeter Ahfchnitt. Von dm Lachfen iiubefondcrc^ 

Der Lachsfang ift ein beträchtlicher Nahrungszweig für mehrere Länder, befonders 
in England , wo er häufig getrieben wird , fo dafs man noch vor wenigen Jahren in einem 
Zuge 700 a) und im Jahre 1750 , 3500 anfehnliche Lachfe aus dem Ribbleflufs gefangen hat, b) 
Es giebt fo anfehnliche Lachsfifchereien in diefem Lande , dafs einige jährlich an 10400 Pfund 
Sterlinge eintragen, c) In Schottland ift die Lachsfifcherei noch ergiebiger, d) desgleichen 
in Norwegen und befonders nachdem man vor kurzem angefangen hat , mit weitläuftigen 
Netzen zu fifchen. Diefes Netz wird in vielen Beugungen und Triangeln aufgeftellt und 
man bekömmt zuweilen zwei bis dreihundert Stück auf einmal. Es werden nicht feiten an 
einem Tage über zweitaufend frifche Lachfe nach Bergen gebracht, e) Um den Lachs an 
ihre Kurten heran zu locken, bedienen fich die norwegifchen Fifcher des Kunftgrifis, dafs 
fie die Felfen an den Lachsküften übertünchen, um ihnen durch die weifse Farbe das Anfehen 
des Schaums zu geben, f) welches die Flüfle beim Hineinflürzen in die See verurfachen und 
wonach der Lachs geht. In Schweden fängt man ihn auch häufig, fo wie im bothnifchen 
Meere ohnweit Lappland, weil fie fich da bei dem füfsen Wafler, welches von dem auf 
den Bergen gefchmolzenen Schnee herunter läuft, haufenweife einfinden, g) Auch am 
Ausflufs des Rheins und der Maas werden in Holland in den fogenannten Salmhecken viele 
ausgefifcht, wie denn in zwo dergleichen Lachsfifchereien, bei Schonhoven im Jahre 1749 
vom löten Mai bis den ioten Jun anfehnliche Lachfe erhalten wurden, h) 

Man fängt den Lachs Vermittelfi: grofser ftarker Ziehnetze, Währen, Gitterkafien, 
hölzerner Reufen , Hahmen und der Angel. Die Währen werden in den kleinen Flüflen, 
vorzüglich an deren Mündungen und die Gitterkafien hinter derfelben und über den Waf- 
ferfällen angebracht. So ift z. B. bei Ballyshanonn in Irland der Flufs oberhalb des Wafler- 
falles bis auf einen Raum von zween bis drei Fufs abgedämmt. Hinter demfelben ift eine 
hölzerne Umzäunung, deren Eingang weit ift, nach und nach aber fo fchmal wird, dafs 
kaum ein einziger Lachs hindurch kommen kann. Die in der Umzäunung gefangene Fifche 



a) Penn. 1. c. p. 289. e) Pontopp. N. H. von Norw. 2 Thl. S.254. 

b) Rieht. Ichth. S. 417. ü Pontopp. a. a. O. S. 25r. 

c) Penn. 1. c. p. 291. g) Scheffer Befcbr. von Lapl. 30 Cap. 

d) a. a. O. S. 292. h) Müller L. S. 4. B. S. 315. 



Zivcetcr Abfchnitt. Von den Lachfen insbefondere r lyj 

Verden alle Morgen durch einen in den Fifch geworfenen Stock, der mit einem Wider- 
haken verfehen ift, herausgeholt: weil aber bei diefe'r Methode fall kein einziger Fifch 
zum Laichen kommen kann; fo muffen die Pfähle zur Laichzeit herausgenommen werden. 
Die Fifcherei ifl hier fo ergiebig, dafs, ohngeachtet das Pfund für Heben Pfennig (Pen ce) 
verkauft wird , fle doch eine jährliche Pacht von beinahe viertaufend Thalern a) giebt. 

Da diefer Fifch in die flarkflröhmenden Waffer geht; fo bedienet man fleh, bei 
dem Auslaufen der Flüffe in die Ströhmej der Währe, um den in diefen befindlichen Lachs 
durch den fchnellen Strohm , welchen man dadurch verurfacht, in die Flüffe zu locken, wie 
z. E. in der Milde, die ohnweit Deffau in die Elbe fällt, eine dergleichen Währe angebracht 
ifl. b) Hinter derfelben , und gewöhnlich beim Gerinne einer Mühle , wird ein Gitterka- 
flen, der, wie die Reufen , mit einer Kehle verfehen ifl, angebracht: da nun das Waffer 
durch diefelben mit einem Geräufche hindurchfällt, der Lachs dem letztern folgt; fo fängt 
er fich felbft und wird beim Herunterlaffen des Schützes herausgenommen. Aehnliche 
Gitterkaflen werden auch oberhalb eines Wafferfalls angebracht, damit der hinauffpringende 
Lachs fleh darin fangen möge: eben fo legt man auch in den kleineren FlüfTen künfl- 
liche Wafferfälle an, um den Lachs dadurch zu belauern. An einigen Oertern, wo 
der Fifch, wegen der Heftigkeit des Strohms und Falles, einige Zeit bei einer Klippe flehn 
und ruhen mufs , erhält man ihn mit grofsen dazu verfertigten Hahmen. Man nennet folche 
Stellen Hahmenplätze. Auch läfst er fich mit Jungfern , c) Würmern und kleinen Fifchchcn 
anlocken , wenn fle an die Angel gefpiefst find. An anderen Oertern , wie z. B. in der 
Stolpe und Wipper , giebt es Schleufen , bei denen die Pfähle enge neben einander einge- 
rammt find. Der Lachs, der das Waffer dahinter durch die Schleufen raufchen hört, fpringt 
über die Pfähle, um gegen das raufchende Wafler angehen zu können: weil aber hinter die- 
fen eine andere höhere Reihe von Pfählen eingefchlagen ifl ; fo kann er weder vor - noch 
rückwärts kommen : läfst man nun das Schützbrett an der Schleufe niederfallen ; fo er- 

a) 600 Pfund Sterlinge. ■ legung der Währe, wodurch ein fchneller Strohm 

b) Da der Lachs die Havel und Saale vorbei- verurfacht wird, ihn in diefe herein zu locken, 
geht, vermuthlich weil deren Wafler zu ruhig c) Libellula, Demoifelle, Dragon — Flv. 
fliefst ; fo wäre es vielleicht möglich , durch An- 

S 



138 Ziveeter Ah'fchnitt. Von den Lachfen insbefondere. 

blickt man feinen Fang. Zu Chäteaulin a) wird eine doppelte Reihe Pfähle tief eingerammt, 
welche von der einen Seite des Strohms bis zur andern hingehen und durch Queerbalkere 
mit einander verbunden find, fo, dafs fie eine Art von Damm ausmachen, über 
welchen man weggehen kann. Linker Hand, wenn man den Flufs hinaufgehet, ift ein 
Gitterkaflen , von fünfzehn Fufs auf jeder Seite , befindlich, welcher fo geflellt ifl, dafs 
der Strohm gerade auf ihn zugehet. . In der Mitte diefes Kaftens, beinahe auf der 
Fläche des Waffers , flehet man ein Loch von achtzehn bis zwanzig Zoll im Durchmeffer, 
welches mit Plättehen von weifsem Blech , die etwas gekrümmt find und ohngefehr die Ge- 
flalt eines Triangels haben, umgeben ifl. Diefe öfnen fieh leicht und fchliefsen fich wie- 
der zu. Wenn nun der gegen den Strohm gehende Lachs auf den Karten flöfst ; fo geräth 
er ohne Schwierigkeit in denfelben hinein, indem die blechernen Plättchen aus einander 
gehen und, wenn derfelbe hindurch ifl, fich hinter ihm wieder verfchliefsen. Wenn der 
Lachs aus dem Kaften herausgeht ; fo kommt er in einen Behälter , in welchem die Fif her 
ihn mit einem Netze fangen. Die Lachfe kommen nicht allezeit in gleicher Menge. Wenn 
fie fich in weiten Entfernungen folgen , fo kommen fie alle in den Kauen und aus diefem in 
jenen Behälter, ohne weiter zu fteigen: wenn fie aber in Menge anlangen, fo folgen die 
Milcher den Rogenern und gehen alsdann mit einer unglaublichen Gefch windigkeil , 
fo, dafs man ihnen mit den Augen kaum folgen kann, durch die gedachten Pfähle 
hindurch. Auf diefe Art würde den Fifchern eine grofse Menge Lachfe entgehen , wenn 
fie nicht darauf Bedacht nähmen, fich in kleine flache Kähne zu begeben, und längs des 
gedachten Dammes, Netze mit engen Mafchen aufzuhellen, worin fie diefelben fan- 
gen, b) Auch lockt man ihn in zehn Fufs lange und aus Tannenäflen verfertigte Reu- 
fen, deren Stäbe jedoch nicht fo dicht neben einander flehen muffen, weil er dunkele 
Oerter fcheut: damit er indeffen nicht zwifchen den Stäben durchgehen könne; fo wird die 
Reufe mit Garn umfponnen. Das Garn , welches zu den Lachsnetzen gebraucht wird, mufs 
fo dick als eine Schreibfeder feyn ; die Mafchen werden vier bis fünf Zoll weit und das Netz 
nach der Gröfse des FlufTes fiebenzig bis hundert Ruthen lang und drei bis vier Ruthen tief 



» Eine kleine Stadt in Bretagne. b> Bomare Dia. d'hift. nat. T. X. p. 275 u, f. 



Zwieter Abfchmt't. Fern deii Lachfen i§isbeJondere: 139 

gemacht, a) Auch wird er häufig zur Nachtzeit beim Stechfeuer oder brennendem Kien oder 
Fackeln , weil er fo wie andere Fifche, dem Lichte nachgehet, mit dem Speer geftochen. 

Der Lachs ift, befonders im Frühjahr , wenn er fett ift , ein fehr fchmackhafter Fifch : 
aber eben diefes feines Fettes wegen , giebt er auch nur denjenigen eine gefunde Nahrung, 
welche gute Verdauungskräfte befitzen. Er ift indeffcn nicht in allen Waffern von gleicher 
Güte; dem Rhein- und Weferlachs flehet der Eiblachs nach: jedoch wird fein Fleifch zar> 
ter, fo bald er nur eine kurze Zeit in der Milde, die beiDeffau in die Elbe fällt, geltenden 
hat. Eben fo verhält flchs mit dem Oderlachs; dieferhatein florres, mageres Fleifch, der- 
jenige aber, Welcher aus diefer in die Warte, Netze und Kuddöw geht, bekömmt in letz- 
tern ein zartes und wohlfchmeckendes Fleifch. Es wird daher ein Lachs aus letzterer zu 
Sehneidemühl in Weftpreuflen mit einem Dukaten bezahlt: da nicht weit davon bei der 
Schleufe an der Netze, an dein erft vorkurzem angelegten Lachsfange, ein eben fo grofser Fifch für 
den vierten Theil des erwähnten Preifes, wegen feines fchlechtern Gefchmacks, zu haben id. 

Der Lachs hat ein Fleifch von einer röthlichen Farbe , welche, je fetter er ift, defto 
fchöner ausfällt 5 befonders wird fie durch das Kochen und Räuchern erhöhet. Die Koche 
willen fie auch dadurch zu veffchönerri, dafs fie den zerflückten Lachs, ehe fie ihn kochen, öf- 
ters mit frifchem WafTer begieisen. In der Laichzeit ift er mager, hat ein weifses, 
unfchmackhaftes Fleifch, und da die Männchen in diefer Zeit braune Flecken und Buckeln 
auf ihren Schuppen bekommen ; fo hat er den Namen Kupferlachs erhalten. Auch nach der 
Zeit, wenn er in die See zurück gegangen, ift er mager und wird alsdann in Schweden 
Wracklachs genannt. Die zurückgebfTene Brut gehet, nachdem fie in füfsein WafTer über- 
wintert hat, im folgenden Jahre nach der See; fie heifsen alsdann Sälmlinge und wer- 
den in der Gegend von Bafel und Strasburg im Rhein in fehr grofser Menge um diefe Zeit 
ausgefifcht. b) Diefe erhält man alsdann , wenn man die Fifch erwerkzeuge fo ftellt , dafs 
der Fifch, der mit dem Ströhm geht , hineinkommt: dahingegen diejenigen , die zum Lachs 
gebraucht werden , eine entgegengefetzte Richtung haben muffen. Aufser den Menfcheh 

S 2 

a) Mehrere Nachrichten vom Lachsfange mit allerlei Netzen flehen im 33ten Bande der Schwed. 
Abh. von. S. 275 bis 290 beschrieben. b) Naturf. XVtes Stück. S. 175» 



140 Zweeter Abfchnkt. Von den Lachfen intkfondere. 

lauern auf ihn alle Arten von Seehunde, der Fifchaar und Fifchgeier : letztere büfsenindeffen nicht 
feiten, wenn iie auf einen grofsen treffen , ihr Leben dabei ein , und zwar auf die Art, wie 
ich ohen beim Blei fchon erwähnt habe j a) auch die Aefche flellet den Eiern des Lachfes 
fehr nach. 

Der Lachs wird gewöhnlich mit Salzwaffer, Salbei und englifchem Gewürze ge- 
kocht und mit Effig oder Zitronenfäure und Peterfilie genoffen : auch wird er abgekocht in 
Weinefilg und Lorbeerblätter gelegt , oder marinirt, imgleichen eingefalzen und geräuchert. 
Im erften Falle mufs er bei warmer Witterung bald zerflückt , das Eingeweide herausge- 
nommen und vom Blute gereiniget und mit fpanifchem Salz flark eingerieben werden. 
Nachdem er einige Wochen in diefem Pökel gelegen , wird er in Tonnen gepackt und mit 
Pökel von neuem übergoffen. Zu einer Tonne mit Lachfen ift eine Vicrtehonne Salz nö- 
thig. Ehe man ihn geniefst, wird er eingeweicht, damit das fcharfe Seefalz davon aufge- 
löfl werde und nachhero auf eben erwähnte Art gekocht und verzehrt. Soll er aber ge- 
räuchert werden ; fo fpaltet man ihn, nimmt den Rücken famt dem Kopfe davon ab und, 
nachdem er vier Tage im Salze gelegen, fo wäfcht man ihn rein ab und bringt denfelben 
in eine Rauchkammer, worin er vierzehn Tage bis drei Wochen bleiben mufs. Alsdann 
wird er an einem luftigen Orte aufbewahrt und entweder roh, oder in Butter gebraten, mit 
Pfeffer, Eilig oder Zitronenfäure genoiTen. Zum Räuchern taugen diejenigen am bellen, 
welche achtzehn bis zwanzig Pfund wägen, weil die kleinen zu bald verderben und die 
zu grofsen feiten recht durchgeräuchert werden. 

Der Lachs hat ein weichliches Leben , fleht nicht nur aufser dem Waffer bald ab, 
fondern auch fo gar in dem Fifchbehälter, wenn diefer nicht mitten in den Strohm gefetzt 
wird. Damit er von feinem Gefchmacke nichts verliere, fo mufs man ihn, fo bald er aus 
dem WafTer genommen wird, tödtenj gewöhnlich durchbohren ihn die Fifcher, nahe am 
Schwänze, mit einem Meffer, damit er fich zu tode blute. Es ifl merk\t ürdig , dafs diefer 
Fifch, ohnerachtet er ein mit Fett durchwehtes Fleifch hat, viele Wochen lang, ohne zu 
verderben , aufbewahret werden kann. Ich habe ihn öfters im Frühjahr aus einer Entfer- 

a) S. 79. 



Ziveetcr Abfchnitt. Von den Lachfen insbejondfre. 141 

nung von fiebenzig Meilen nur in Stroh gepackt, nicht nur fr ifch erhalten, fondern auch 
an einem luftigen Ort noch einige Wochen, ohne dafs er verdorben wäre, aufbewahrt. 

Der Lachs hat eine grofse rothe Leber, die aber, weil fie zu fett und thranigt 
fchmeckt, nicht wohl zu geniefsen ift. Der Magen ftreckt^fich bis zur Mitte des Bauchs 
herunter, und der Darmkanal ift bei feinem Anfange mit ohngefähr fiebenzig, zsveen bis 
drei Zoll langen Anhängfein verfehen, welche durch drüfigte Körper mit einander verbun- 
den find. Gewölmlich halten fich in feinem Darmkanal zween bis drei Fufs lange Band- 
würmer auf, die mit ihren Köpfen in den Anhängfein flecken, a) Die Schwimmblafe, die 
längs dem Rückgrade herunter liegt, ift ungetheilt. Die beiden Eierfiöcke wogen zu An- 
fange des Aprils in einem Fifche von zwanzig Pfund, g| Loth und enthielten ohngefehr 
27850 rothe Eier, die damals noch nicht gröfser waren, als der Mohnfaamen. In feinem 
Rückgrade waren fechs und fünfzig Wirbelknochen und auf jeder Seite drei und dreifsig 
Ribben befindlich. 

In Deutfchland heifst dieferFifch an einigen Orten Lachs, n aandern &i/w und am 
Rhein bis um Jacobi Salm und nachher Lachs, der einjährige aber Sälmling. Derjenige, der 
in feinem beften Alter und fett ift, wird Weifslachs, der vermagerte, Granlachs genannt, in der 
Laichzeit heifst er Kupferlachs und nach derfelben, in Schweden befonders, Wracklachs und die, 
welche in 'der See felbrt gefangen, werden wegen des fleifchfarbigen Randes an ihren Schuppen 
Rothlachs oder Kalb fie ifchlachs genannt. In England heifst er Satmon ; in Schottland , be- 
fonders am Ribberflufc, der einjährige Schmelt oder Smout, der zweijährige Sprod, der drei- 
jährige Mort, der vierjährige Forktail, der fünfjährige Halffifch und die altern insgefamt 
Salmon; in Holland Sahn , in Schweden Seelax, Haflax, Blanklax, Grönnacke , SnDänne- 
mark Haplax, in Norwegen Hakelax und der junge Läxh'g, in Grönland Kapifalirkfoak, Keble- 
rickforfoak, in Finnland Lohs, in Liefland Laßt, die grofse Hakenlachfe Rencki, inEfihland Löhß> 
Kolla, in Frankreich Saumon. 
s 3 

a) Befchäft. 4 ter B. S. 548. t. 14. fig. 8- 9. ten; ich fand ihn im vorigen Winter, nach. 

Diefen Bandwurm habe ich in meiner Preifsfchrift dem der Fifch bereits drei Wochen todt war, 

über die Eingeweidewürmer genauer befchrie- lebendig, 
ben und nach feiner ganzen Grofse abbilden laf- 



i4i Zweter Abfchnitt. Von den Lachßtt ins befinden. 

Es' wäre wohl der Mühe werth, zu verfuchen , ob fich der Lachs nicht in unfere 
Seen verfetzen liefse. Da er in Schweden und in Irland ohne Zwang in einigen Seen über- 
wintert; a) fo würde er fich wahrfcheinlich auch bei uns halten, befonders in folckcn, die 
ein reines Waffer und einen fandigen Grund haben und welche ein durchfiiefsender Bach 
beftändig mit frifchem Waffer verlieht. Gefetzt auch, er wollte fich nicht darin vermehren j fo 
•würde demohngeachtet ein Landwirth Vortheile daraus ziehen können,' da auch felbfl von dem 
ankommenden Lachfe das Pfund nicht feiten mit 2 Rthlr. bezahlt wird. Da man zum Verfetzen 
des Lachfes eine grofse See wählen müfstej fo würde er auch darin Nahrung genug finden: 
indefTen wäre es gut, wenn man Gründlinge, die fich ebenfalls gerne an fliefsenden Stel- 
len aufhalten, zu feiner defto ficherern Unterhaltung, zugleich mit einfetzte. 

Marßgli b) führt zwar auch den Lachs mit unter feine Donaufifche auf: allein* da er 
fagt , dais er aus den Seen des Qberöfterreichs käme und der Lachs kein Fifch der flehenden 
See ift, auch aus dem mittellä'ndifchen Meere nicht in die Donau kommen kann; fo mufs 
wohl der feinige eine [Forellenart feyn und zwar diejenige , die Kramer c) unter dem Na- 
men Hueck d) befchrieben hat. 

Rondelet e) glaubt, der Lachs würde in den Flüflcn'fett: Willughby f) läugnet diefes 
*us dem Grunde, weil bekanntlich der zurückgehende Lachs mager fey. Allein, da der 
Lachs nach dem Laichen gleich in das Meer zurückgehet, fo ift er eben fo, wie alle übrige 
Fifche, die diefes Gefchäft verrichtet haben, mager: der oben angeführte Lachs aus der 
Milde und Kuddow beweift indeffen, dafs fie wirklich in den kleinen Flüffen fetter und daher 
fchmackhafter werden. 

Klein g) hat wohl den Lachs mit der Lachsforelle verwechfelt. Bei feiner erften Fo- 
rellart, welches unfer Lachs feyn foll, >llegirt er zwar die Scöriftfteller, die von diefera 
Fifche gefchrieben: allein feine Zeichnung beweift offenbar, dafs er die Lachsforelle vor fich 
gehabt. Aus der Zeichnung hingegen, welche zu feiner zwoten Species gehört, wo er die 

a) Faun. fuec. IL p. 122. n. 345. e) De pifc. pars II. p. 167. 

b) Danub. IV. p. 79. t. 27. _ Ichth, p. 194. 

e) Salmo Hucho. L. g) MüT. pifc. V. p. 16". 

d) Eiench, vegit. p. 38,8- n. ,1. 



Zweetei- Abfchnitt. Von den Lachfen insbesondere. I43 

Lachsforelle befchreibt, ift fowohl aus dem krummen Unterkiefer, als auch aus dem ange- 
führten Gewichte von zwei und vierzig Pfund , klar , dafs er einen Lachs vor fich gehabt 
habe. Der dazu angeführte Lachs des Marfigli kann aus dem oben erwähnten Grunde eben 
fo wenig hieher gezogen werden, als die SchriMeller vom Lachs zu feiner erften Nummer. 

$IE L4CHSF0RELLE. 
XXifte Taf. 

Der Körper mit fchwarzen Flecken , in einem hellen Felde flehend , befetzt ; c ilf==^=====* 

Strahlen in der AfterflofTe. Kh. 12. Br. 14. B. 10. A. 11. S. 20. R. 14. 2 - Die 

Lachsforelle 
Salmo ocellis nigris iridibus liitidioribus , pinna anali radiis undecim. B.XIL P.XIV. 

V. X. Ä. XL C XX. D. XIV., 

Splmo Trutta, ocellis nigris iridibus brunneis, Trutta tota argentea; maculis fubcinerejs adorfo 
pinna pe&orali pun&is 6. Lim. S. fubfufco ultra iineam et.inpfnnis dorfalibus 

N. p. 509. n. 3. variegata, quandoque rubris vel flavicanti- 

1** — Müller, Prodr. zoolog. dan. p. 48. bus aufc aureis maculis P ifta - Klein. Mm. 

p. 407. V.p. 16. t..5.f.i.. 

„ -,. , ^— falmonata, Willughb. p. 102. t. n. 1. f. 5. 

— — Kramer. Elench. p. 389. n, 2. ^ , , , / 

— — — bchwenckf. thenot. p. 449. 

— latus, maculis rubris nigrisque, cauda — taurina. Gharlet. p k 155. n. 2. 

aequaii. Artedi, gen. p. 13. n. 3. Oerte. Pontopp. Nat. Hift. von Norw.2.Th. S. 262. 

Syn. p, 24. n. 5. fpec. p. 5.1. Taimen. Fifcher Nat, Gefch. v. Liefl. S. 122. n. 220. 

T-, -r cauda fere refta, maxillis aequaii- Sea Trout - Penn. V .z 9 6.n. 145. 

bus , maculis nigris annulo albidiore DerBörtin S- Sch wed. Abh.i 3 terB.S.ioi.undi04. 

cinftis. Gronov. Muf. 2. n. 164, Die Lachsf ° re ^- *»&** L. S. S. 317. 

_. . . . " ,' T , „ Die Lachsföhre. Schönev. Ichtfa. S. 6<i 

Fano. Aiifon. Mofel. Idyll, q. v. 88» tv t x. <• , ™ • , , o 

J i - -h v * ?T Die Lachsfohre. Flemmmgs Jägerb, S. 442. 

S^lmo Fario. Wulff, p. 35. n. 44, — -^ — Beckmanns Churm.iB.S. 56$, 

Die Lachsforelle erkennt man an den fchwarzen Flecken , welche fowohl den Kopf 
als auch den Körper , den Bauch ausgenommen , bedecken und in einem hellen Felde flehen; 
auch an den eilf Strahlen in der Afterflofse. In der Kiemenhaut find zwölf, in der Bruft- 
flofse vierzehn, in der Bauchflofse zehn, in der Schwanzflofse «wanzig und in der Rücken- 



I 44 Zweeter Abfchnitt. Von den Lachfen inskfondere-. 

flofse vierzehn Strahlen befindlich; letztere fliehet dem Kopfe näher, als die Bauchflofse 
und über diefer ift eine Mittelfibfse fichtbar. 

Der Kopf ift klein und keilförmig; die Kinnladen ßnd gleich lang und mit fpi.tzigen 
etwas gekrümmten Zähnen befetzt, die bei gefchloffenem Munde in einander eingreifen. 
Aufser diefen hat auch der Gaumen drei Reihen und die Zunge zehn bis zwölf Zlihne in 
zwo Reihen. Die Nafe und Stirn find fchwarz, die Augen klein, ihr Stern fchwarz und 
der Augenring filberfarben mit etwas gelb vermifcht, die Backen gelb ins violette fpielend. 
Der etwas gekrümmte Rücken und die faft gerade Seitenlinie haben eine fchwarze, die Sei- 
ten eine ins violette fallende, der Bauch und die Kehle aber eine weifse Farbe. Die Schup- 
pen, welche den Körper bedecken, find klein, befonders diejenigen, welche an der Bruft- 
flofse fitzen. Die Flofsen haben vielzweigigte Strahlen und eine graue Farbe, die Schwanz- 
und Fettflofse ausgenommen, als welche fchwarz find; jene ift auch viel breiter, als die 
beim Lachs und hat nur einen geringen Ausfchnitt. Die Rücken- und Fettflofse find, eben 
fo wie der Körper, mit fchwarzen runden Flecken geziert, mit dem Unterfchiede , dafs 
diefe nicht, wie jene, in einem hellen Felde flehen. Es giebt auch Lachsforellen, deren 
Flecke eckigt find, a) 

Diefer Fifch verdient mit Recht den Namen welchen er führt, weil er mit bei- 
den Fifchen verfchiedenes gemein hat. Er erreicht die Gröfse eines mittelmäfsigen Lachfes, 
ift dabei fo, wie die Forellen, gefleckt und laicht wie diefe im Winter. Sein Aufenthalt 
ift, wie beim Lachs, wechfelsweife in dem Meere und in denFlüften, in welche fie gleich- 
falls geht, um da ihren Laich abzufetzen: jedoch verläfst fie nicht fo früh wie der Lnchs 
das Meer, denn feiten wird man vor dem Mai eine anfichtig. Sie laicht erft im November 
undDecember, auf eben die Art , wie der Lachs: weil aber während diefer Zeit gewöhn- 
lich die Flüffe zufrieren; fo begiebt fie fich erft, wenn diefe wieder aufgehen, in die See 
zurück. Sie lebt, wie die übrigen diefes Gefchlechts, von Wafferinfekten, Würmern und 
kleinen Fifchen, liebt eben fo wie diefer ein fchnellfliefsendes WafTer , auf einem fandigen 
und kiefigten Grunde. Sie hat ein rothes wohlfchmeckendes Fleifch, befonders vor der 
Laichzeit und kömmt auch darin mit dem Lachfe überein , dafs die Güte ihres Fleifches fich 

a) Lintu Faun. fuec. 2. p. 153. n. 347. Fifcher a. a. O. 



Zwceter Abfchnitt. Von den Lachfen imbefonievc. 14 £ 

nach dem WafTer, darin fie gefangen wird, richtet. So hat z. E. die Oderforelle ein blaf- 
fes, ftorres und mageres Fleifch: wenn fie hingegen aus diefer durch die Warte und Netze 
im Tragoflufs gegangen i'ftj fo wird fie fett und wohlfchmeckend. Diejenigen aber, welche 
man auf ihrem Rückzuge fängt , find allezeit von einem fchlechten Gefchmack. Auch ihre 
Farbe und Flecke ändern fich fehr, nachdem fie fich den Winter über in einem mehr oder 
weniger unreinen WafTer aufgehalten haben. Sic hat ein weichliches Leben und fleht 
Malier aufser dem WafTer bald ab. 

Die Lachsforelle erlangt eine beträchtliche Grofse, und fleht in Anfehung derfelbea 
zwifchen dem Lachfe und der Forelle in der Mitte. Sie wird acht bis zehn Pfund fchwer 
angetroffen. Diejenige, davon ich hierbei eine Zeichnung gebe, erhielt ich lebendig aus 
dem frifchen Haf ; fie war zween Fufs und ein Zoll lang , fünf Zoll breit , am Bauche andert- 
halb Zoll dick und wog 5^ Pfund; man trift fie auch zehn Pfund fchwer an. a) 

Einen Umfiand kann ich hierbei nicht unbemerkt lauen. Als ich des Abends in 
mein Zimmer trat , nahm ich in der Dunkelheit von ohngefehr ein helles , weifses , glän- 
zendes Licht wahr 5 eine Erfcheinung, die mich in eine kleine Verwunderung fetzte, da ich 
die llrfache davon nicht fogleich errathen konnte. Ein brennendes Licht überzeugte mich 
gar bald , dafs diefer Schein von dem Kopfe der Forelle herrührte , welcher von dem Kör- 
per abgefchnitten war und den ich noch aufbewahrte , um die Zeichnung defTelben mit dem 
Original vergleichen zu können. Nun fahe ich deutlich , dafs euch diefer Fifch die Eigen- 
fchaft des Leuchtens , b) welche bei verfchiedenen Fifchen , befoniers aus dem Meere, flatt 
findet, in einem hohen Grade befafs. ßefonders flark leuchteten der Gaumen, die Zr.nge, 
die Kiemen und die Augen und wenn man diefcTheile mit dem Finger berührte; fo leuch- 
tete auch diefer und wenn man das , was am Finger klebte , einem andern Theile des Kör- 
pers durchs Reiben mittheilte; fo erhielt auch diefer einen fchönen Glanz. Hieraus erhellet, 
dafs die leuchtende Materie in dem Schleim ihren Sitz habe* womit die erwähnten Theil« 
überzogen find, denn das Fleifch am Genicke äufserte von diefer Eigenfchaft nicht das min- 
dere. Da nun diefer Fifch mit einem Schleim überzogen ift ; fo ifl es wahrfcheinlich , dafs 
fein ganzer Körper äufserlich geleuchtet habe , welche Eigenfehafter aber verlieren müiTen, 
a) Onomat. Hifl. nat. compl. 6. B. p. 885« b) Phosphorefciren. 

T 



I4<S Zweettr Abfchmtt. Fort den Lachfeu insbsfondert. 

da er beim Zurechtmachen ahgewalchen und von allem Schleim gefäubert worden war. 
Ich habe den Kopf diefes Fifches acht Tage aufbewahrt und das Leuchten deflelben vermin- 
derte lieh, fo wie die Theile nach und nach zufammen trockneten. 

Man fangt die Forelle mit Netzen, Reufen auch mit Grundangeln, an welche man 
Würmer oder Blutigel befeftigt hat. In der Gegend von Hamburg erhält man fie in der 
Elbe fchon im Mai ; in die Oder aber tritt fie fpäter. Am häufigften fangt man fie zwifchen 
Michael und Weihnachten ; in hiefiger Gegend werden fie in der Neumark bei Zilenzig, 
Prenzlow, Friedeburg und im Tragoflufs gefifcht. 

Wo ihr Fang häufig ift, da werden fie eingefalzen, marinirt und geräuchert. So- 
falzet man fie z. B. in Schottland, wie die Heeringe, ein und machen fie dafelbft einen grofsen 
Theil der Handlung mit gcfalzenen Fifchen aus. Marinirt werden fie auf folgende Art : 
nachdem die Eingeweide herausgenommen find, falzet man fie ein und wenn fie einige 
Stunden fo gelegen haben, werden fie abgetrocknet, mit Butter oder Baumöl befirichen 
und auf dem Rofl gebraten und wenn fie kalt geworden , in ein Fäfschen gelegt. Zuerft 
macht man eine Schicht von Lorbeerblättern , Rosmarin , Zitronenfcheiben , ganzen Nel- 
ken und Pfeffer ; hierauf kommt eine Lage von Forellen , auf diefe wiederum eine Schicht 
von dem benannten Gewürze und mit diefen wechfelsweifen Schichten wird das Fafs angefüllt 
und abgekochter fcharfer Weineffig darüber gegolten; alsdann fchlägt man das Fafs zu, 
An einigen Oertern werden fie auch geräuchert. Man nimmt nämlich ein Fafs ohne Boden, 
in welchem auf den Seiten und oben Locher eingebohrt find und (teilt es über drei Steine, 
Zündet darunter Eichenlaub, welches mit Wachholderreifig oder Beeren vermifcht ift, an 
und räuchert die darin gehangenen Forellen zween bis drei Tage lang , worauf fie nachher 
zum fernem Gebrauch an einem luftigen Orte aufbewahrt werden. 

Die Lachsforelle gehört, wegen ihres zarten und wohlfchmekenden Fleifches, be- 
fonders wenn es fett ift, zu den LeckerbüTen, und da ihr Fleifch leicht zu verdauen iß; io 
kann man fie auch fchwä Mchen und kränklichen Perfonen nicht widerrathen. Si I 

eben fo wie der Lachs gekocht und verfpeift. In Abficht der innern Theile xrckLt le von 
demfclben nur darin ab, dafs fie- mit einigen .Wirbelbeinen- und Ribbcn mehr vtrfchcn ift, 
als diefer. In ihrem Darmkanal bemerkte ich ebenfalls den oben beim Lachs angeführten 



Zweier Abfchnkt. Von den Lachfett msbefoniere* 147 

Bandwurm', nur mit dem Unterfchiede , dafs die Würmer in diefem Fifche dünner als in 
jenem waren. Auch iit diefe Forelle nach der Bemerkung Pontoppidans a) der Abzehrung 
öfters unterworfen. Per Kopf ift alsdann grofs, der Leib mager und die Eingeweide lind mit 
kleinen Bläschen befetzt, b) Verfchiedene fchreiben diefe Krankheit den in den Strohm ge- 
fallenen Sägefpähnen zu. 

Diefer Fifch heifst in Sachfen Lachskiudchen ; c) in Preufsen Lachsfahren und in Lief- 
land Taimen, Taimini und Taimad; am Rhein auch Rheinanke oder Rheinlanke ; in Schwe- 
den Orlax, Titanspol, Börting, Sickmait, L'ödjov, in Dännemark Lax -Ott, Maskrog-Ört; 
in Norwegen Soe -Börting, Aurride; in Holland SalmforeU; in England Sea - trout und 
Salmon - front , in der Provinz Northumberland Bull- trout, in anderen Crey -- -trout und 
Scurf; in Frankreich la Truite fauvionee. 

Linne giebt als Kennzeichen diefes Fifches fechs Punkte in der ßruflflofse an: d) 
allein die meinige hatte nicht einen einzigen an diefer Stelle aufzuweifen. Ein neuer Be- 
weifa von der Trüglichkeit der Kennzeichen, die von den Farben und Flecken hergenommen 
werden. Wulff citirt unrichtig zu diefem Fifche den Fario des Linne. e) Die Kiemendeekel 
habe ich rund und nicht wie Gronoo f ) in eine Spitze fich endigen fehen und dafs Klein 
die Lachsforelle mit dem Lachfe verwechfelt habe, hl fchon oben angeführt worden. Aufon 
hat bereits zu Anfange de« fünften Jahrhunderts unfere Lachsforelle, unter dem Namen 
Fario, .da , wo er die Fifche der Mo fei befingt, fehr gut gefchildert, wenn er von ihr fagt: 
dafs üc ein Mittelding zwifchen dem Lachfe und der Forelle fei. g) Beüon und Rondekt 
glauben, dafs unter dem Fifche des Aufon jene grofs e Forelle, die lieh in den Landfeen be- 
findet und zu fünfzig Pfund heranwächft , zu verliehen fei : h) allein meines Erachtcns 
• T & ' 

a) N. H. von Norw. 2 Thl. S. 263. Qui nee dum Fario , nee jam Salar, arabi- 

b) Sollten diefe Bläschen wohl Blafenwür- guusque 

mer feyn ? Amborum medio Fario intereepte fub aevo. 

c) Weil fie gewöhnlich dem Lachfe zu fol- Dafs er unter Salar die gewöhnliche Forelle ver- 
gen pflegt. d) S. N. p. 509. n. 3. ftanden habe, hat Salvian bewiefen, weil kein 

e) Ichth. p. 35. n. 44. f ) Muf. 2. n. 164. anderer Mofelfifch mit Purpurflecken geziert wäre. 
g) Tequeinter geminasfpecies, neutrumque h) Siehe Gefn. Aquat. p. 3002. 
et utrumque 



.148 Ziveeter Abfdmtit. Von den Lachfen insbefondere-. 

irren iie darin, dafs fie unfere aus dem Meere kommende Lachsforelle mit der Landfeeforelle 
verwechfelt haben, welche bei den fpäteren Schriftftellem unter dem Namen Huechforelle a) 
vorkömmt. Gefner hingegen behauptet , dafs , weil Aufon allein die Fifche der Mofel befan- 
gen und die grofse Forelle nur in den Landfeen angetroffen würde j fo müfste Aufon unter 
dem Fario einen Lachs von mittlerer Grofse und unter Salär einen jungen Lachs verban- 
den haben, b) Allein -hätte der fonft gute Naturkündiger genauer nachgeforfcht; fo würde 
er gefunden haben , dafs grofse Forellen aus dem Meere durch den Rhein in die Mofel kom- 
men können. Auch die neuern Ichthyologen fcheinen der gefnerfchen Meinung zugethan 
zu feyn, denn Artedi in feiner Synonomie c) und Linne in feiner Fauna d) führen den Char- 
leton und Johnfou e) als die erften Schrififleller an, -welche diefes Fifches erwähnen: allein, ge- 
fetzt auch, Aufon hätte unfere Forelle nicht gemeint j fo haben doch Schwmckfeld f) und 
Schoneveld g) die Lachsforelle früher als jene befchrieben. Erflerer erwähnt ihrer bereits im 
Jahr 1603 und letzterer im Jahr 1624, dahingegen Gkarleton h) 166-8- und Johnfon iögö diefelbe 
erft befchrieben haben. Da indeHen fowohl im gemeinen Leben als auch, bei vielen Schrift- 
flellern unter dem Namen der Lachsforelle diejenige grofse Teich- oder Seeforelle , welche 
rothes-Fleifch hat, verbanden wird; fo wurde man allen fernem Verwirrungen vorbeugen 
können , wenn man die aus der Nordfee aufzeigende Forelle mit dem Namen Meerforelle i) 
belegte. 

DIE TEICHFORELLE. 
XXIIftc Taf. 



■ ■''." ! Der Körper mit rothen Flecken, in einem hellen Felde flehend , befetzt j eilf Strah- 

J\ m * len in der Afterflofse. Kh. 10. Sr. 10, B. 13. A. ii. S. ig. R. 14. 
Teichfo- 
relle. Sahno ocellis rubris iridibus lutidioribus , piima anali radlis undeeim. & X P. X 

V. XIII. A. XL C. XVIII. D. XIV. 

a)SalmoHücho.L.Gefn.Thierb.Huech»S.i73. f) Therioth. p. 449, 

b) Gefn. a. a. O. p. 1007. g) Ichth. S. 65, 

c) p. 24. n. 5. . h) Onom. p. 155. n. 2- 
. d)ifteAu«g.p.ii6.n.3o8.2.Ausg.p.i23.n.34~' i) Trutta marina* 

«■). Beim WiUughb. p. 193. 



Ziveettr Abfchnitt. Von den Laclifen insbefondere. 149 

SalmoFario, maculis rubris , maxilla inferiore Trutta fluviaiilis. Charlet. p. 155. n. 1. 

fublongiore. Linn. S. N. p. 50p. — — — Rondelet. P. II. p, 169. 

n. 4. et Artedi gen. p. 12. — — — Aldrovand. p. 589. 

11. 5. fyn. p. 23. n. 3. fpec. p. 51. — — — gjohnflon p. 130. t. 26. f. 1. 

n. 4. — — — Willughb, p. 199. t. 12. f. 4. 

— — — Ruyfck. theat. anim. p. 58« 

— — Müller Prdr. zool. p. 48- n. 408. t. XXVI. f. r. 2. 

— — Kramer. Elench. p. 389. n. 3. Trutta P ifdnaria - Schwenckf. Therlot. p. 449. 

Foren. Schonev. Ichth. p. 77. 
_ — Wulff. Ichth. p. 35. n. 44. Fogrin> Gifmr , Thierb> s> 1?3> 

... Forelle. Bürkh. S. 11. 

Trutta dentata, vel nisris maeulis parvis , vel _' _, „ ._ ,- 

r — Beckmann Churm. 1. B. S. 509. 

nigris et rubris afperfa, ventre '■. . + _, _, . 

™.^ . *, — Döbels Jägerpr. 4. Th. S. 68» 

argenteo. Rein. Wim. pi(c. V. „- *,, ..,«», « v 

. ^ — i*%ers Thierb. 1. Th. S. 31. t. 44. a) 

p. 19. t. 5. f. 3. __ ^^ khth> s> g _^ 

c 1 y7 r ■■ tj n «r. — Pontopp. N. H. von Norw. 2 Th. S. 212. 

Salar. Aufomi Idyll, p. 88- 

Die gemeine Teichforelle. Müller. L. S. S. 317. 
Salar, varius. Trotta. Salvian.Aquat p. 96. b. La Truite. Cours dliift. nat. p. 270. 

The Trout. Penn. Brit. Zool. p. 297. 

Diefer Fifch unterfcheidet fich von den übrigen Forellenarten durch die rothen und 
runden Flecke, welche in einem hellen Kreife flehen und womit der ganze Körper, bis auf den 
Bauch, befetzt ift und durch die eilf Strahiert in der Afterfiofse. Der Kopf ift in Vergleichung 
mit den übrigen Arten ziemlich grofs; von-den beiden, mit fpitzigen einwärts gekrümmten 
Zähnen befetzten, Kinnladen, flehet beim gefchlofTenen Munde die untere etwas hervor. Am 
Gaumen find auf jeder Seite drei Reihen Zähne fichtbar , davon die in der mittlem die gröfs- 
ten find: auch die Zunge ift mit fechs bis acht Zähnen bewafnet. DieNafe und die Stirn 
find grünfchwärzlich ; die Backen gelb mit grün vermifcht ; das Auge ift von mittlerer 
Cröfse, fein Stern fchwarz und roth eingefafstj der Augenring hat eine weifse Farbe und 
eine fchwärzliche halbmondförmige Einfaflung. Der Körper ift fchmal > der Rücken rund 
und mit fchwärzlichen Flecken befetzt,, die aber ohne Einfaffung find» Die Seifen find 

T 3 



a) Wo. eine von himmelblauer Farbe abgebildet HL 



2*9 Ztoeeter Abfchnitt. Von den Lachfen insbcfondere. 

oberhalb der Linie, welche gerade, fchmal und von fchwarzer Farbe ift, grüngelb, unter- 
halb derfelben goldfarben , am Bauche und an der Kehle aber weifs. Den Körper diefes 
Fifches bedecken fehr kleine Schuppen und die runden Flecke, welche ihn zieren, find am 
Kopfe und Rücken fchwärzlich , ohne Einfaflung , auf den Seiten aber roth und flehen in 
einem bläulichen Felde. Die Bruflflofse ift bräunlicht, die Bauchflofse gelb und über der- 
felben eine kleine Mittelflofse vorhanden , die Afterfiofse ift an den erften längflen Strahlen 
purpurfarbig und an den übrigen eine Mifchung von grau und gelb. Die Schwanzflofse 
ift gelbfchwarz geftreift , an den Enden abgeftumpft und in der Mitte mit einem kleinen 
Ausfchnitt verfchen; die Fettflofse ift gelb, mit einer braunen Einfaflung , die Rückenflofse 
grau und mit vielen kleinen runden Purpurflecken befetzt. 

Diefe Forellenart ift die fchönfte unter allen und vorzüglich zeichnen fich die Weib- 
chen an Pracht aus; fie wird auch in verfchiedenen Gegenden, wegen ihrer fchö- 
nen gelben Farbe, Goldforelle genannt. Es ift merkwürdig , dafsdiefer Fifch, der fich 
doch in allen Welttheilen findet und fich fowohl durch feine Farben als Gefchmack auszeich- 
net, den Alten unbekannt geblieben ift: denn weder die Griechen noch Plmut erwäh- 
nen feiner. Der Bifchof Aufon, der zu Anfange des fünften Jahrhunderts lebte, hat fei- 
ner zuerft gedacht. 

Diefer Fifch hat einen fchmalen und geftreckten Körper, wie der Hecht, ift ge- 
wöhnlich einen Fufs lang und ein halb Pfund fchwerj jedoch trift man ihn auch in den 
Teichen von zwei bis drei Pfunden an und ift fo gar eine im Erzgebirge von acht 
Pfund gefangen worden, welche wegen ihrer Seltenheit dem Kurfürft George den Erßen ge- 
fchickt wurde, a) Sie liebt ein klares, aus den Bergen entfpringendes , kaltes und fchnell- 
fliefsendes Wafler,. das einen fteinigten Grund hat und hält fich daher gemeiniglich in den 
Bächen, die aus den Gebirgen ihren Urfprung nehmen, auf. Sie fchwimmt fehr fchnell 
und fpringt, wenn ihr Hinderungen in den Weg kommen, wie der Lachs, fünf bis fechs 
■Fufs hoch über dieielben weg. Sie lebt von Würmern, kleinen Fifchcn, Schnecken, 
Mufcheln b) und Waflerinfekten ; befonders hafcht fie nach dem Ufer- und Mücken- 

a) f. Fkmmings Jii'gerk. 2 Thl. S. 410. eine Perle, die fie vermutlich mit der Mufchel 

b) Lejfer fand in dem Magen einer Forelle zugleich verfchluckt hatte. Beim Richter S. 878« 



Zweeter Abfchnitt. Von den Lachfin insbesondere. IJT 

aas, a) dem gelben Haft b) und der Wafferraupeneule. c) Ihre Laichzeit fällt im September, 
in verfchiedenen Gegenden im O&ober, zu welcher Zeit fie fich zwifchen den Wurzeln der 
Bäume und grofsen Steinen durchdrängen , um lieh von ihren Eiern zu entledigen. Die 
Forellen vermehren fleh , ohngeachtet die Anzahl ihrer Eier ungleich geringer ift , als die 
von den übrigen Flufsfifchen , doch fiark ; ohne Zweifel liegt die Urfache in dem Mangel 
der Raubfifche, die in folchem kalten Wafler nicht flehen. Und fie würden fich noch flär- 
ker vermehren , wenn ihre Gefräfsigkeit nicht fo grofs wäre , dafs fie fich einander felbft 
verzehrten (denn man hat mehrmalen junge Forellen im Rachen der Alten gefunden) und 
wenn ihr treulofer Nachbar , die Aefche , ihre Eier nicht fo gern fräfse. 

Man fängt diefen Fifch gewöhnlich mit Hahinen , Reufen und der Angel. Den 
erften mufs man, fo bald man merkt, dafs welche hinein gekommen find, gefchwinde her- 
ausziehen, weil fie fich fonfl durch einen Sprung wieder davon machen. Um fie in die 
Reufen zu locken, bedient man fich eines flarkriechenden Köders, der aus Biebergeü 
und Kampher zufammen gefetzt wird. Man läfst beide Materien in einem Tiegel über dem 
Feuer fchmelzen und rührt iie mit Leinöl zufammen 5 hierin taucht man Flachs, bindet ihn 
in einen Beutel und hängt ihn in die Reufe. Die Angel mufs zu diefem Gebrauche eine 
flarke Ruthe und fefle Schnur haben , weil die Forelle durch ihr gewaltfames Schnellen 
leicht eines von beiden zerfprengt. Zum Köder an der Angel bedient man fich des Fleifches 
vomKrebfe aus dem Schwänze und den Scheeren, oder der Kügelchen, aus einem Theil Kam- 
pher, zween Theilen Reiherfett, vier Theilen faulen Weidenholzes und etwas Honig 
bereitet : fonft kann man fich auch der Regenwürmer und in Stücken gefchnittener Blutigei 
bedienen. Die Engländer, welche grofse Liebhaber von der AflgelhTchrei find, verfertig- 
ten, da fie fahen, dafs die Forellen öfters halbe Ellen hoch über das Wafler in die Höhe 
fpringen, um Infekten zu hafchen, Bilder davon aus Seide und Pferdehaar, d) die an Farbe 

&) Ephemera Vulgata et cuiici formis.. werker im nten B. S. 374 — 380. imgl. in des 

b) Ephemera lutea, Herrn Doftor Krünkz Ökonom. Encyclop. im 

c) Phi -yganaea grandis. im.14.fen Tbl. • S. 461 — 465 befchneben und ab- 

d) Die Art und Weife * wie die Ängelfchnur gebildet. Es wäre .zu wünfehen, dafs man auch 
dazu und die künftliehe Infekten zu verfertigen bei andern Ängelfifchereien dergleichen gekün- 
find, fttrht im Schauplatz der Künfte und. Hand» flelte Fifche und Würmer gebrauchte, damit 



lj % Zwecter Abfchnitt. Von den Lachfen iusbefoniere* 

und Geftalt m!t den natürlichen viel Aehnlichkeit haben ; und da die Natur mit jedem Mo- 
nathe andre Arten Infekten hervorbringt; fo wiflen fie diefe alle nach zu machen, um ihres 
Fanges defto ficherer zu feyn. Da fie nun diefe künfllich verfertigten Infekten über- 
dem Wafler hin und her hüpfen laflen, damit die Füchc darnach fpringen mögen, fo 
wird diefe Art zu fifcheuj die Sprungfifcherei genannt. Am heften geht diefer Fang von ftäf- 
ten, gegen Sonnenaufgang und bei trübem Wetter: am allerleichteften aber kann man fich 
ihrer bemächtigen zur Nachtzeit beim brennenden Kien oder bei Fackeln, zur Laichzeit hinge- 
gen hat man alle diefe Kunftgriffe nicht nöthig, denn alsdann läfst fie fich fo leicht fangen, 
dafs man fie fo gar mit Händen greifen kann. 

Wo der Fang diefer Fifche ergiebig ift, als in manchen bergigten Gegenden und wo 
lie nicht leicht frifch verfilbert werden können , marinirt man fie wie den Lachs , oder fal- 
zet fie ein wie die Heeringe, a) In hiefiger Gegend treffen wir fie in verfchiedenen kleinen 
Flüflen der Neumark und auch in verfchiedenen Teichen , wo fie geheget werden, an, und 
in Schießen , in dem bergigten Theile; befonders ift die Danziger Gegend reichlich da- 
mit verfehen. b) 

Diefer Fifch hat ein zartes und wohlfchmeckendes Fleifch , das defto angenehmer 
ichmeckt, je reiner und kälter das Wafler ift, worin er fleht. An der Quelle der Orbe, 
welche im Canton Bern aus einem Felfen entfpringt, giebt es Forellen, welche wie Krebfe 
fchmecken und am Gefehmacke alle übrigen übertreffen follen, befonders wenn fie fo. 
gleich, wenn fie aus dem Wafler genommen, gekocht werden, c) Die Forellen find fett, 
wenn andere Fifche mager, und mager, wenn andere fett find ; daher fie auch im Winter ein 
weifses und unfehmackhaftes, im Sommer aber ein röthliches und zartes Fleifch haben. Diefer 
Fifch wird für den König der Flufsfifche gehalten und war fchon zu der Römer Zeiten eine 
Zierde vornehmer Tafeln, d) Es haben fich daher in den mehreften Gegenden die Landes- 



man nicht die Graufamkeit an den Thieren , fie c) Bomare a. a. O. 

durch das Anfpiefsen auf eine marternde und d) Daher Jovius in feiner Rede von den Fifchen 

Iangfame Art zu tüdteti, länger begehen möchte. ' des larifchen Sees die Forelle oben an fetzt und 

a) Bomare Dift. T.XI. p. 499. fagt: Trotta decus menfae. Beim Richter S. 877» 

b) Klein Miff. piie. P. V. p. 19. 



Zitiertet' Äbfchnitt. Von den Lachfen insbefondere. Ifj 

herrn die Forelle allein zugeeignet , und ihren Fang bei harter Strafe verboten, a) So ift 
z. B. in Sachfen Feftungsftrafe darauf gefetzt, und in einigen andern deutfehen Provinzen 
ift der Fang diefes Produktes der Natur, beym Abhauen der Hand und im Königreiche 
Congo, bei Lebensftrafe, unterfagt. b) 

Diefer Fifch wird gewöhnlich mit WafTer und Salz gekocht, mit Eilig und Oel oder 
mit Zitronenfä'ure genaffen, und wenn er mager ift, mit einer Butter- oder Sardellen- 
brühe verfpeift: auch ift er, gefpickt und gebraten, ein Leckerbiflen. Sein Fleifch ift leicht 
zu verdauen, und kann daher auch kränklichen und fchwüchlichen Perfoncn eine gute 
Nahrung geben. 

Die inneren Theile find von der Befchaffenheit , wie ich in der erften Abthei- 
lung diefes Gefchlechts angegeben habe, nur das die Haut des Magens viel ftärker, 
im Rückgrade fechszig Wirbelbeine, und auf jeder Seite dreißig Ribben befindlich find. 
Es war für mich ein unerwarteter, und zugleich angenehmer Anblick, als ich bei der Öff- 
nung der Forelle, orangefarbne Eier, von der Gröfse der Erbfen, c) in langen Reihen 
neben einander geordnet, liegen fahe, da ich fonft auch in den gröfsten Fifchen, als im 
Wels und Stöhr, die Eier nie gröfer als Hirfefaamen gefunden hatte. Der Fifch laichte 
eben, und daher waren die Eier, welche fonft in einer Haut fitzen, davon abge- 
löfet. Auch diefe gekocht, find vielen ein Leckerbiflen , und roh dient er zum Köder für 
die Aefche. Merkwürdig ift es, dafs die Farbe diefer Eier fo beftändig ift, dafs diejeni- 
gen, welche ich feit neun Monathen in Weingeift aufbewahre, nur fehr wenig von der 
Lebhaftigkeit derfelben verloren haben. 

Diefer Fifch kommt in Deutfchland unter dem Namen Fore , Bachfore, Forelle, 
Teichforelle und Goldforelle vor; Dänifch Forelle; Norweg. Forel-Krä, Elv-Krä, Midd- 
Krfi> Or-Kivie; Schwed. Forell, Sienbit, Bäckrä und Röfisk; Italien. Trotta, Tor- 
rentina; d) Franzöf. la Truite oder Troufle; Engl, the Trout. 

a) So wurde auch vormals der Forellenfang b) Allgem. Reif. 4. B. S. 693. 
im Flufs Oftro in der Neumark vom Marggraf c) f. Tab. XI X. f. 13. 
Car/, bei Karrenftrafe und Landesverweisung, ver- d) Ohnftreitig von torrens: weil fie in den 
boten. Richter S. 879. fchnellfiiefsenden Bachen gefunden wird. 

ü 



IJ4 Z-weeter Abfchnitt. Von dm Lackfen insbesondere. 

Wie wir gefehen haben, fo ift die Forelle der vornehmfte von unferen Flufsfifchen, 
und weil fie fich nur in den Rächen bergigter Gegenden aufhält; fo ift fie auch eine der 
theuerflen : es wird daher ein Landwirth allezeit feine Rechnung bei Anlegung der Forel- 
lenteiche finden. Nur Ift es fchade, dafs fich nicht allenthalben eine Gelegenheit dazu an- 
bietet: denn zu einem Forellenteiche wird erfordert : i) ein reines und kaltes Waffer, das 
einen fandigen oder kiefigten Grund hat; a) Grundquellen, oder ein Bach, welcher be- 
fländig frifehes Waffer hinzuführet , welcher letzterer entweder durch eine fchattigte Gegend 
fliefsen , oder nicht weit von feiner Quelle entfernt feyn mufs : weil fonft zur Sommerszeit 
das Waffer, ehe es in den Teich kommt, zu fehr erwärmet würde. 3) Mufs er mit hohen 
Ufern verfehen werden : denn da diefer Fifch feiner Gewohnheit nach gerne hohe Sprünge 
macht; fo würde erreicht auf das Land kommen und abflehen. 4) Mufs er mit hohen 
Bäumen umgeben feyn, welche fein Waffer befchatten können. 5) Müfsen auf dem Boden 
deffelben entweder Baumwurzeln , oder grofse Steine fich befinden , zwifchen welchen der 
Fifch zur Laichzeit fich durchdrängen kann. 6) Mufs er durch einen Graben , oder durch 
irgend eine andere Anftnlt , vor Ueberfchwemmuogen gefichert werden ; befonders mufs 
man zu verhüten fuchen, dafs die Regengüfse kein faules Waffer aus Dümpeln und Pfühlen 
hineinfpühlen. 7) Mufs er ein, bis anderthalb, Lachter, oder fieben bis zehn Fufs tief feyn, 
denn fonft kommt die Forelle bei einer Gewitterluft in die Höhe, und wenn diefe lange anhält, 
fleht fie leicht ab. Man erkennt als Zeichen ihres be vorgehenden- Todes, kleine blaffe 
Tunkte, die auf dem Körper erfcheinen, welche, je häufiger fie fich einfinden, den nahen 
Todt des Fifches vorher verkündigen: da es denn die höchftc Zeit ift, fie zum Gebrauche 
heraus zu nehmen. 8) Mufs für hinreichende Nahrung geforgt werden. Da auch die Forelle 
zu den fleifchfreffenden Thieren gehöret; fo mufs man iolche Fifche mit einfetzen, die 
zwar ein gleiches Waffer erfordern , aber doch keine Raubfifche find. Hierzu fchicken fich 
am beften: der Gründling, der Steinpitzger, die Schmerl, der Häfsling oder Döbel, die 
Raapfe, die Ellritze und der Aland. Weil man aber nicht allezeit mit diefen Fifchen, befon- 
ders in Berggegenden, verfehen ift; fo kann man fie auch mit klein gefchnittener Leber oder 
anderen Eingeweiden von Thieren , auch mit getrockneten Kuchen , die aus Rinderblut und 
gefchroteter Gerfte gemacht werden, füttern. Diefe wird zur Confiftenz eines Breyes ge- 



Zivceter Abschnitt. Von den Laehfen insbefondere. 155 

kocht: alsdann rührt man Rinderblut darunter, giefst die Maffe auf ein mit einem Rande 
verfehenes Brett, läfst felbige erkalten, fchneidet fie in kleine Stücken, trocknet und ver- 
wahret fie alsdann zum Gebrauche. Sie geben auch eine bequeme Fütterung ab für Fo- 
rellen, die man im Fifchbehälter aufbewahrt. Auch muffen die Forellenteiche wie die Kar- 
pfenteiche aufgeeifet, und täglich nach dem Ein - und Ausflufs des WafTers, damit diefer 
nicht zufriere, gefehen werden. Dafs übrigens die Rechen mit einem feinen Gitter ver- 
fehen feyn muffen, damit die Brut nicht mit fortgehe} daß man ferner die Raubfifche und 
Vögel davon abhalten , die Fröfche entfernen und vor Dieben fich hüten muffe , darf wol 
nicht erfl erinnert werden. 

Am beflen läfst fleh ein Forellenteich in einem fchattigten Thale, das Grundquel- 
len, oder in einer geringern Entfernung Springquellen hat, anlegen. Wenn diefe Quellen 
zu weit entfernt find j fo mufs das dem Teiche zufliefsende Waffer , entweder in fehr tie- 
fen oder verdeckten Kanälen geleitet werden. Die Gröfse eines folchen Teiches läfst fleh 
nicht beftimmen, weil fie von dem Vorrathe des Waffers abhängt. Auf einem Morgen 
rechnet man gewöhnlich fechszig Stück. Der Grund deffelben mute mit Lehm oder Thon 
fefl verrammt und mit Sand oder Kies überfchüttet werden ; erflere verhindern, dafs das Waffer 
nicht verfiege, und letztere dafs es klar bleibe. Oben und unten mufs er, wie der Kar- 
pfenteich, mit einem Gerönne, Rechen und Schutzbrett, um fo wol den An wachs des Waf- 
fers verhindern, als auch daffelbe ablaffen zu können, verfehen werden. Aufser diefen muffen 
an beyden Gerönnen Forellenfprünge angebracht werden , welche aus einem Gitterkafien , 
der mit einer Kehle, wie die hölzerne Reufen, verfehen iß, beftehen, damit die Forelle, wenn 
He über den Rechen wegfpringt, fich in diefen Kaflen fange. Die belle Zeit zum Verfetzen 
ift der September. Bei Fortfchaffung der Forellen mufs hauptfächlich darauf gefehen wer- 
den: i) dafs nur wenige Fifche in ein Fafs gethan werden ; a) dafs der Wagen, oder we- 
nigflens das Fafs nicht fülle flehe $ und 3) dafs das Waffer unterweges öfters erneuert 
werde , befonders wenn der Teich von dem Orte , wo fie geholt werden , weit ent- 
fernt feyn follte. 

' Der Herr Lieutenant Jacobi hat eine befondere Methode erfunden, Forellen und 
Lachfe zu erzielen. Man macht nämlich einen Kaflen oder Trog , der im Lichten zwölf Fufs 

U x 



l$6 Zweeter Abfchnitt. Von den Lachfen insbefoudcrt. 

lang, anderthalb Fufs breit und acht Zoll tief ift. Oben, wo das Waffer einfliefsen fo'll, wird 
ein Querholz befeftiget, welches in der Mitte ein Loch von fechs Zoll Länge und vier Zoll 
Breite hat. An der untern Querwand -wird ein Loch, von vier Zoll in Quadrat, zum Abilufs 
des Waffers , eingefchnitten ; beyde Oeffnungen werden mit einem engen Gitterdrathe ver- 
fehen, damit die Brut nicht durchgehen könne: um aber auch die Wafferratzen und andere 
Thiere, welche der Brut nachftellen, abzuhalten, wird diefes Gefäfs mit einem Deckel, in 
■welchen Löcher gebohrt find , verfehen. Der Boden wird mit Kiesfand bedeckt und das 
Gefäfs an eine Quelle dergeftalt angebracht, dafs das Waffer oben hinein, und nach- 
dem es zwey Zoll hoch über den Sand fleht, unten wieder herausfiiefsen kann, Ift diefe 
Einrichtung getroffen 5 fo nimmt man zur Laichzeit Rogener und Milcher und drückt ihnen 
fowol die Eier als den Saamen aus dein Leibe , und zwar in ein kleines Gefäfs mit Waffer , 
welches, nachdem diefes alles mit der Hand wohl umgerührt ift, in den. erwähnten Trog 
oder Karten gegoffen wird. Herr Jacobi fagt ferner: Wenn der Rogen fünf Wochen un- 
ter beftändigem Zulaufe eines guten Brunnen waffers gelegen ; fo durchbohrten die Fifche 
mit ihren Köpfen die harte Haut der Eier, und nachdem fie lieh eine halbe Stunde lang 
hin und her bewegt hätten ; fo entfüinde eine fo grofse Oeffnung , dafs fie ihren hangenden 
Bauch, der fo grofs als der Eierdotter fey, herausfchleppen könnten. Sie lagen alsdann 
einen bis zwey Tage fülle, und lebten die erften drey bis vier Wochen von dem in ihrem 
Bauche noch eingcfchloffenen Eidotter: daher diefe in eben dem Verhältnifs ab - als die 
Fifche an ihrer Grofse zunähmen, und nunmehro wäre es Zeit, fie in gröiscrc Behälter 
oder Teiche, fammt dem Waffer, worinn fie fich befinden, zu bringen, a) Wie wir 
oben b) gefehen haben ; fo fchlüpfen die Fifche aus dem Karpfengelchlecht innerhalb neun 
Tagen aus: es ift aber auch möglich, dafs die Forellen, wegen der kalten Jahreszeit, fünf 
Wochen zu ihrer Entwickelung nöthig haben: allein wenn Herr Jacobi tagt, dafs fie mit 
dem Kopfe zuerft erfchitnen, und den Eidotter mit auf t der Welt brächten; fo kömmt mir 
diefes unwahrfcheinlich vor, da ihr Bau, im Ganzen betrachtet, mit den übrigen immer der- 

felbe ift. 

a) Umftändliehere Nachricht hiervon findet 5.-TI1. S. 392, Krünitz öconom. Encydop. 
man im Hannö'v. Magaz. vom Jahr 1763. S. 363. 14. Th. S. 456. 
1765. S. 977. Schrebers neue Sammlung. b) S. nß. 



Ziveeter Abfchnitt. Von den Lachfen insbefondere. \^j 

DIE WALD -ODER STEINFORELLE. 
XXlIMe Taf. 
Diefe fchöne Forelle ifl eine Abänderung der vorhergehenden, von der^ fie" 



Die 

nicht nur in der Farbe, fondern auch in der Anzahl der Strahlen, in den Fl offen und dem^^^g 

Orte ihres Aufenthalts abweicht. Der Kopf ifl gröfser und von einer fchwarzbraunen Farbe. 
Von den beyden Kinnladen fleht beym gefchloffenen Munde die obere etwas hervor und beyde 
find, eben fo wie der Gaumen und die Zunge, mit fpitzigen Zähnen befetzt. Ihr Augen- 
ring ifl weifs und der Stern fchwarz mit einer rothen EinfafTung. Der runde Rücken und 
die Seiten find bis an die Linie braun und eben fo wie der Kopf mit violetten Flecken befetzt, 
und unterhalb derfelben find fie weifsgelblicht mit rothen Tropfen, die mit einem weifsen Ringe 
in einem braunen Felde flehen. Der Bauch ifl weifs und flärker, als bei der vorhergehenden. 
In der Kiemenhaut und den Floffen, finde ich eine gleiche Anzahl Strahlen: nur die 
Schwanzfloffe zeigt einige mehr, daher fie auch breiter, als die von der vorhergehenden, er* 
fcheint. Der Farbe nach ifl fie braun, jedoch hat die Bauch - After -und Schwanzfloffe eine 
Beymifchung von gelber Farbe. Ihr Aufenthalt ifl wie jener in den Bächen, welche ein rei- 
nes kaltes Waffer und einen fteinigten Grund haben , nur dafs diefe mehr die fchattigte Ge- 
gend liebt. Am Gefchmack Übertrift fie die vorhergehende. Auch gehet fie in Norwegen, 
wie Pontoppidan verfichert, nachdem fie etwas herangewachfen ifl, aus den kleinen Bächen 
in die Nordfee: a) im übrigen aber kömmt fie mit derfelben in allen überein, und ifl es 
daher unnöthig , länger bei ihr zu verweilen. Nur diefes mufs ich noch erinnern , dafs, 
da ihr Fkifch gewöhnlich beym Kochen roth wird, fie fowol in hiefiger als in der Danziger 
Gegend , b) wie nicht weniger von verfchiedenen Schriftflellern , für die Lachsforelle , c) 
von der fie doch, wie wir gefehen haben, merklich unterfchieden ifl, gehalten wird. 

U 3 



a) N. H. von Norwegen. 2 Th. S. 212. . c) Beckmanns Churra. 1. Th. S. 569. Richter. 

b) Klein Miff. pifc. V. p. 19. n. 9. Ichth. S. 878- 



158 Zweeter Abschnitt. Von den Lachfen insbefondere. 

DIE A E S C H E. 
XXIVfte Taf. 
In der Rückenflofse drei und zwanzig Strahlen. Kh. 10. Br. 16. B. 12. A. 14. 



4. Die 
Aefche. S. 18. R. 23- 



Salmo pinna dorß radiis XXIII. B. X. P. XVI. V. XII. A. XIV. C. XVIII. D. XXIII. 

Salmo Thymallus Maxiila fuperiore longiore, Thymallus, Gesn. Aquat. p. 979. Nomenclat. 

pinna dorn* radiis XXIII. p. 313. 314. 

Lin. p. 512. n. 17. — Aldrov. p. 593. 

— — Müller Prodr. zool. dan. p. 49. — ■ gfohnfl. p. 128. t 26. f. 3 — 5. 

n. 416. t. 31. f. 6. 

— — Wulff. Ichth p. 37. nr. 48. — Charlet. p. 155. n. 2. 
Coregonus, maxilla fuperiore longiore, pinna — Willughb. p. i88> t. n. 8- 

dorfi officulorum XXJII. Artedi — Marfig. Danub. IV. p. 75. t. 25. 
gen. p. 10. n. 3. fyn. p. 20. 3. fp. p. 41. f. 2. 

— — Gronov. Muf. 2. p. 12. n. 162. eben fo. ~ Ruyfch. theat. p. 87« t. 26. f. 3 — 5. 

— — Kramer Elench. p. 390. n. 2. — . und t. 31. f. 6. 
Thymus , Sah. Aquat. p. 80. b. — Schwenckf. theriot. p. 447. 

Rond. P. 2. p. 187. Der Afcher, Gesn. Thierb. S. 174. 

Trutta edentula, labiis, pro dentibus, limae ad Die Afche, Döbels Jägerpr. 4 Tb. S. 6g. 
inftar exafperatis, ventre piano, — — Leske Anfangsgr. S. 381. 

dorfo repando et in acumen Die Aefche , Mayer Thierb. 2 Th. S. 52. 

contrafto, fquamis vix tenaci- Der Aefche, Müller L. S. 4 B. S. 326. 

bus. ißf««.Miff.pifc.V.p.ai. The Grayling, Fenn. V. in. p. 311. PI. 6t. 
n. 15. t. 4. f. 5. n. 150. 

Die Aefche macht lieh durch ihre fchöne, grofse und bunte, mit drei und zwanzig 
Strahlen verfehene Rückenflofse kenntbar. Der Kopf ift klein, ftumpf, mit fchwarzen 
Punkten befprengt , oberhalb braun und auf den Seiten weifs ins blaue fchimmernd. Von 
den Kinnladen fleht, bei gefchloffenem Munde, die obere vor der untern etwas hervor, und 
in beiden ift eine Reihe kleiner keilförmiger Zähne fichtbar, davon die in der obern etwas 
gröfser find: vorn am Gaurn und nahe am Schlünde find auch einige kleine Zähne befind- 
lich. Die Zunge ift glatt , und das Auge hat einen fchwarzen Stern und einen goldgelben 
mit fervwarzen Punkten befprengten Ring. Der Körper ift geftreckt und mit grofsen und 



2tveeter Abfchnitt. Von den Lachfen insbefondere. 159 

harten Schuppen umgeben, und der Rücken, der einen kleinen Bogen bildet, rund, Und von 
einer grünfchwarzen Farbe. Die Seiten find etwas gedruckt, und ihre Farbe befleht aus 
einer Mifchung von grau und blau, a) Längs denenfelben läuft vom Kopfe bis zum 
Schwänze über jede Reihe Schuppen eine gerade Linie , davon die mittelfte mit fchwarzen 
Punkten befetzt ift. Der Bauch ift weifs und ftärker als bei den Forellenarten. In der Kie- 
menhaut find zehn und in der grauen Bruftflofle, welche bei diefem Fifche nur kurz ift, 
fechszehn Strahlen befindlich. Die röthliche Bauchflofse, welche der Mitte der Rückenflofse 
gegenüber fteht, hat zwölf Strahlen und am Grunde eine Mittelflofse; in der braunröthlichen 
Afterflofse find vierzehn , und in der gabelförmigen röthlichen Schwanzflofse achtzehn Strah- 
len. Die Rückenflofse ift violet, am Grunde grünlich und mit röthlichen Flecken befetzt: 
von ihren Strahlen find die erften fünfe einfach, die übrigen aber theilen fich an den Spi- 
tzen in acht Zweige. 

Die Aefche ift den alten Schriftftellern nicht unbekannt gewefen , denn Aelian ge- 
denkt ihrer zu Anfange des zweyten, b) und Amhroßus gegen dem Ende des vierten Jahr- 
hunderts, c) Sie liebt ein fchnellfliefsendes, kaltes und reines Waffer, auf einem fandigen 
oder kieiigten Grunde 3 daher man fie in den Bächen der bergigten und fchattigten Gegenden 
findet : doch ift fie, im Ganzen genommen, weit feltener als die Forelle. In Norwegen 
fcheint fie gar nicht zu Haufe zu gehören, weil Pondopp.Jie in feiner N.H. von Norwegen 
nicht mit aufführt: in Lappland hingegen ift fie fo gemein, dafs die dafigen Einwohner fich 
der Eingeweide ftatt des Labes bedienen, um aus der Milch ihrer Rennthiere Käfe zu ma- 
chen, d) In Schießen iß fie im Riefengebürge, inPrcufsen im kürifchen Haff, und in 
Pommern in Schlawe, ohnweit der Oftfee, befindlich, wo fie irrigerweife, weil man fie für 
eine Maräne e) anfiehr, Strohmmaräne genannt wird. Sie lebt von Schnecken und Mufcheln, 
deren Schaalen man häufig in ihren Magen antrift; desgleichen von Wafferkäfern und klei- 

a) Von der Afchfarbe rührt ohnftreitig die Hexaemeron libri fex. Bafiliae 1566 in fol. ge- 
deutfehe Benennung diefes Fifches her. druckt ift. 

b) Siehe Claudii Aeliani de animalium natura, d) Linne Faun. fuec. 2. S. 114. 

libri XVII. Colon. 16 ! 6. in iamo. Hb. 12. c. 49. e) Ein Fifch aus diefem Gefchlechte, den 

c) In feinem Gedichte , welches unter dem Linne nicht hat, welchen ich im nächflen Heft 
Titel: Divi Ambrofii, mediolanenfis Epifcopi befchreiben werde. 



\Go Ztoeeter Abfchnitt. Von den Lachfen imbefoniere. 

nen Fifchen; befonders liebt fie den Rogen der Forelle und des Lachfes: daher He den 
fchwedifchen Fifchern zur Anzeige dient , dafs der Lachs in der Nähe fich befinde, a) Sie 
wächft fchnell, wird ein bis zwei Fufs lang und wägt alsdann zwei bis drei Pfund. In 
England findet fie fich vier Pfund fchwer und drüber, b) Sie laicht im April und May, und 
fetzt ihre Eier, die zur Zeit der Reife die Gröfse der Erbfen erreichen, im Grunde an den 
Steinen ab. Die Aefche ift ein fehr flüchtiger Fifch: c) es hält daher fchwer, fich ihrer aus- 
fer der Laichzeit zu bemächtigen. Man fangt fie mit der Wathe , den Reufen und der An- 
gel , befonders wenn Infekten daran gefleckt find, d) Sie hat ein weifses , hartes , fiifses 
und fehr wohlfchmeckendes Fleifch , welches bereits die Alten für ein grofses LeckerbifTen 
hielten, e) und daher auch in den neueren Zeiten, in verfchiedenen Gegenden, nur für die 
Landesherrfchaften darf gefangen werden. Damit fie eine gehörige Gröfse erreichen möge ; 
fo müfsen die Netze, deren man fich dazu bedienet, weit genug fein, die jungen Fifche 
wieder durchzulaufen. Im Herbft ift ihr Fleifch am fettften , im Winter aber von vorzüg- 
lichem Gefchmacke, zumal wenn derfelbe fehr kalt ift: da es überde.n nicht leicht ver- 
dirbt* fo kann man den Genufs deffelben, auch kränklichen Perfonen nicht abrathen. Man 
begnügte fich nicht dem Fleifche diefes Fifches den Vorzug vor andern zu geben, f ) fondern 
auch dem Oele, welches aus feinem Fette gefchmolzen wird, eignet man, zur Vertreibung 
der Pockennarben und des Felles auf den Augen, befondere Kräfte zu. g) 

Diefer Fifch vermehrt fich nicht ftark, weil er einestheils fehr weichlich ift, an- 
derntheils die Wafiervögel , wohin vorzüglich die fogenannte Aefchenente gehört , h) ihm 
lehr nachftellen. Er flehet aufser dem Wafler, wie auch fogar in einem ftiilftehenden , bald 



a) Schwed. Abhandl. 7 B. S. 277. e) Wovon Ambrofius lagt: Quid fpecie tua 

... „ „ , „ c gratius? Quid fuavitate tua jucundius V 

b) Penn. Zool. 3. B. S. 312. * . J 

f) Wie aus dem in verfchiedenen Gegenden 

c) Aufon fagt daher von ihr: Effugiensque ^ üb]ichem Sp richworte: Afch ift ein Rhein- 
oculos celeri levis Umbra natatu. graf> Salm nur ein Herr> erheIlet 

d) Es ift merkwürdig, dafs, wie Gesn. im . g) Fareß. C. Schwenckf. und nach dem Sal- 
Thierb. S.174 anführt, dieFifcher vor 300 Jahren vian hat es fich auch in den Ohrenkrankheiten 
im Rhein fchon mit gekünftelten Infekten zu würkfam bewiefen. 

fangen wuften; und ift daher die Sprungfifcherey h) Gesn. fhierb. S. 174. Ohne Zweifel ift 
keine neue Erfindung der Engländer. diefes eine Taucherart. Colymbus. 



Zweeter Abfdmitt. Von den tachfen insbefondere* \6t 

ab, d^her er fleh nicht verfetzen läßt, es wäre denn in einen tiefen mit Grundquellen oder 
einem durchfiiefsenden Bache verfehenen See. Will man die Aefchen in Fifchbehältern auf- 
bewahren; fo muffen diefe im FlufTe des Strohms flehen, und die Fifche mit Leber oder 
mit den oben erwähnten Kuchen a) und kleinen Fifchen gefüttert werden, Merkwürdig 
ift der liebliche Geruch, den diefer Fifch ausduftet, und welchen Aelian mit dem Feldthy- 
mian b), Ambroßus aber mit dem Honig vergleicht c). Herr Petmunt d) 4 u. a. m. wollen 
zwar von diefem Gerüche nichts wifFen: allein die Sache felbft fcheint nicht ohne allen 
Grund zu feyn, da diefer Fifch unter den Infekten, welche er hafcht, leicht folche Waf- 
ferkäfer bekommen kann, die einen flarken Geruch von fich geben, wie z. B. der Schwim- 
mer e), von welchem Rvfel f) fagt, dafs man, auch dann, wenn nur wenige beifammen 
wären, fie fchon auf fünf bis fechs Schritte riechen könne. Da indeflen diefe Infekten nicht 
immer und in gleicher Menge vorhanden find; fo kann diefer Geruch bei der Aefche, als 
eine zufällige Sache , zu einer Zeit da , und zu einer andern nicht da feyn. 

Die Aefche wird gewöhnlich wie der Lachs verfpeifl. Einige kochen fie mit Elfi«? 
und Butter, und befprengen fie nachhero mit kaltem Wä'fler, oder effen diefelbe mit einer 
Butterbrühe, welche mit Eier abgezogen wird. Auch geniefst man fie mit Wein, Muska- 
tenbiumen und Cüronenfcheiben gekocht, ungleichen mit einer Sardellen- oder Capernbrühe, 
wie nicht weniger gebacken. Die Haut des Magens ift bei der Aefche fo hart, dafs fie fich 
beinahe wie ein Knorpel anfühlen läft. Die Gallenblafe ift klein, die Galle gelb und durch- 
fichtig; die übrigen Eingeweide find fo wie bei den übrigen diefes Gefchlechts befehaffen. 
In dem Rückgrade find neun und fünfzig Wirbelbeine, und auf jeder Seite vier und dreißig 
Ribben befindlich. 

In Deutfchlahd keifst diefer Fifch Afch , Aefche, Efche, Eßker; in der Schweiz im 
erflen Jahre Krefsling, im zweiten Ifer, hernach Äefchcrlwg und endlich Aefche ; in Oefier- 

a) S. 154. d) Zool. III. S. 312. 

b) Wovon er auch den Namen Thymus, oder s ^ ■ T 

' ".'■■• e) Gynnus natato'r. L. 

Thymallus erhalten hat. 

c) Seine Worte find: Quod mella fragrant, f) Infektenbeluft. 3. B. S. 146. 
hoc tu corpore tuo fpiras. Hexam. Hb. 5. cap. 2, 

X 



16% Ziveeter Abfchriitt. Von den Lachfen ' intbefondero. 

reich hingegen nennt man ihn in eben den erwähnten Jahren, Spremling, Mayltng und 
Aefche; in Dännemark Spelt, StaUing; in Lappland Zhjotzhja; in Schweden Harr; in Ita- 
lien Temelo; in England Grayling, und in einigen Provinzen a Kind oftrout, Smeüinglike 
Thj/me, und in Frankreich L'ombre. 

Die Aefche fieigt, wie der Lachs und die Lachsforelle, im Frühjahr aus der Nord- 
und Oftfee in die Fiüise, ihren Laich dafelbft abzufetzen und geht zur Hcrbftzeit wieder ins 
Meer zurück. Ich finde zwar nicht, dafs, aufser Richtern, ein Schriftftelle-r ihrer Wander- 
fchaft erwähne: vermuthlich weil man fie fo feiten in den grofsen Ströhmen antrifft. Der 
Umßand, dafs man fie hier nicht fangt, giebt von dem Gegenrheil keinen Beweis ab, weil 
fie dafelbfl eher Gelegenheit hat, den Nachftellungen der Fifcher zu entgehen, als in 
den kleinen : wie diefes auch beim Lachfe und der Lachsforelle ftatt findet. So wird z. B. 
in der Netze keiner von diefen beiden Fifchen gefangen, da man fie hingegen in den Kud- 
dow und Drsgoflufs, welchen fie die Netze zuführet, in Menge ausfifcht. 

Dem Aelian zu Folge foll die Aefche {ich nicht anders, als mit einer an die Angel 
gefpiefsten Mücke fangen laffen. Es u.üfsen aber wohl in diefem Falle die griechifchen 
Mücken (wenn anders Aelian die gemeine Mücke verbanden haben foilte, wie der Ueber- 
fetzer fagt a) ) von einer ganz andern Befchaffenheit feyn, als die unfrigen, welche fich 
nicht anfpiefsen laffen. Wahrfcheinl icher weife verficht Aelian das mit der gemeinen Mücke 
der Geflalt nach übereinkommende Uferaas darunter b) , als welches grofs und häufig ge- 
nug vorhanden ift, um einen Gebrauch für die Angel zum Fange abzugeben c). Gesner 
mscht aus der Umbra und dem Thymus des Bellen und Rondelet nur eine Art d) : allein 

a) SeineWorte find, in derGesnerfchenUeber- ficherung des Herrn Scopoli, allein in Kärnthen 
fe::zungvoni6i6ini2.diefe:Nonhamatisefcarum die dafigen Bauern aus dem Bache Latz, jähr- 
haüarum illecebris, fed folo culice, beftia r.ocles lieh im Jun fo viel erhalten, dafs fie die Erndte 
et dies homini infeila, quod haec fola dele&etur, für gering halten , wenn ein jeder nur etwa 
comprehenditur. . De Natura animalium. üb. 12. zwanzig Karren davon einfammlet , um die Fel- 
cap. 49. der damit zu düngen, Siehe deflen Entomol. 

b) Ephemera vulgata. L. Carneol. p. 264. 

c) Diefes Infekt ift in manchen Gegenden in d) Acpat. p. 1033. 
fo grofser Menge vorhanden , dafs nach der V T er- 



Ziveeter Ahfchnht. Von den Lachfen inshcßnäen. 163 

man darf nur beide Zeichnungen des Rondelct mit einander vergleichen , fo wird man fin- 
den, dafs erwähnte Schriftfteller wirklich zweierlei Fifehe befchrieben haben. Ihr Thymus 
oder unfere Aefche ift breit, hat am Rücken eine grofse Floße und einen kurzen Kopf a): 
dahingegen die -Umbra ein fchmaler Fifch ift, mit einer kurzen RückenflofTe und einem 
langen Kopfe. 

DER S C H N E P E L. 

XXVfte Taf. 
Der Oberkiefer in der Geflalt einer Nafe hervorgehend, K. 8' Br. 15. B. 12. 0."===: 

Salmo roflro nafiforml B Vlll. P. XV. V. XII. D. XV. A. XIV. C. XX. 

Salmo lavaretus, maxilia fuperiore longiore, Albula nobilis, Schonev. ichth. p. 12. 

radiis pinnae dorfi. 14. L. S. — — gfohnfl. pifc. t. 46. f. 1- 

N. p. 512. — — Wiüughb. t. N. 6. f. t. 

— — Müller Prodr. p. '4g. 0.413. — — Raji. fynop. pifc. p. 60. n. 1. 

— — Wulf, ichth. p. 36. n. 46. — — Ruyfch theatr. t.46. f. r. 
Coregonus, maxilia fuperiore longiore, pinna Salmo Oxyrhynchus, Zuckert Mat. aliment p.263. 

dorfi oflieulorum T4. Artedi gen. 10. Der Seetick, Schwcd. Abkandl. 15. B. S. 19g. 
fyn. 19. variefc. B. Spec. p. 37. Der Weifsfifcb, Müller. L. S. 4. S. 326. 

Der Siek, Fifcher Ließ. S. 122. n. 223. 

Die Geflalt des Oberkiefers, welcher einer Nßfe ziemlich ähnlich, ifl ein ilcheres < 
Merkmal, wodurch fich diefer Fifch von den übrigen Lachsarten auszeichnet. In der Kie- 
menhaut find acht, in der Bruftfloffe fünfzehn, in der BauchflofTe zwölf, in der After- 
flöße vierzehn, in der Schwanzfloffe zwanzig und in der RückenflofTe fünfzehn Strahlen be- 
findlich. Der Kopf i(t gegen den langen und dicken Körper nur klein , keilförmig und bis 
an die Augen halbdurchfichtig , die Stirn breit, abfehüffig und von gelblicher Farbe. Der 
hervorftehende Oberkiefer endigt fleh in eine fiumpfe, weiche und fleifchige Spitze, von 

X 2 

a) Siehe Rondel. p. 187. 



164. Ziveeter Abfchnüt. Von den Lackfen insbe fonder c. 

fchwarzer Farbe. Der kürzere Unterkiefer pafst in den obern ein , und wird von der grof- 
fen, knorplichten Lippe bei gefchloffenem Munde gänzlich bedeckt. Diefer ift klein, 
zahnlos und öffnet fich unterwärts in die Quere. Die Zunge ift weifs, knorpelicht, kurz 
und ein wenig rauh, das Auge von mittlerer Gröfse, die Pupille fchwarz und der Ring fil- 
berfarben. Die Backen fcielen, eben fo wie der Kiemendeckel, blau und gelb, wovon doch 
die leztere die herrfchende Farbe ift. Der blaugraue Rücken ift rund; die Seiten find bis 
an die Linie bläulich, unterhalb derfelben etwas gelb und am Bauche filberfarbc-n. Die ge- 
rade Seitenlinie ift mit fünf und vierzig Punkten geziert und dem Rücken näher als dem 
Bauche. Die Schuppen, welche den Körper bedecken, find grofs, haben in der Mitte des 
Randes einen kleinen Ausfchnitt, der befonders an denen, welche in der Seitenlinie liegen, 
merklich wird. Die Bruftfloffe ift gelblich, die übrigen Flößen haben aber weifsliche Strahlen, 
eine bläuliche Zwifchenhaut und EinfaiTung von der nämlichen Farbe. Die Rückenflofle ift dem 
Schwänze näher als dem Kopfe, die Fettfloffe rauthen-und die Schwanzfioffe gabelförmig. 

Wir treffen den Schnepel in der Nord -und Oftfee an, wo er fich in der Tiefe auf- 
bot, aus welcher er, wenn der Hering laicht, hervorkömmt, und demfelben auf dem 
Füfse nachfolgt, um fich an feinem Rogen zu fättigen; daher die Fifcher, wenn üe in einer 
Nacht/viel Heringe gefangen haben, in den folgenden vier und zwanzig bis acht und vierzig 
Stunderi, gewöhnlich diefe Fifdie in ihre Netze bekommen. Wenn fie iiun .zu diefer Zeit 
aufgefchnitten werden, fo fleht man ihren Darmkanal mit Heringseiern angefüllt. Indef- 
fen übt die Aefche das Vergcltungsrec'ht wieder an den Eiermdes Schnepels aus, indem fie 
, diefem, wenn er laicht , zur Seite geht und deffen Eier verzehrt. 

Der Schnepel kommt aufser der Laichzeit, des Herings auch dann zum Vorfchein-, 
wenn 'er felbft laicht. Diefes gefchiehf gewöhnlich, vom Auguft bis Oftober, da er dann 
sn den Küften, zwifchen den Scheeren , Haften und Mündungen der Flüfse, fich haufen- 
weife einfindet, befonders an folchen Stellen, wo ein fchnellfliefsendes Waffer ihm entge- 
gen ftröhmt. Hier reibet er fich, vom Milcher. begleitet, an den fpitzen Steinen und Kiefs, 
um fich von feinen Eiern zu entledigen. Ein Theil diefer Fifche geht in die Ströhme, 
wo fie haufenweife, in zwo Reihen geordnet, dergeftalt fortgehen , dafs fie vorn in einen 
fcharfen Winkel zufammenfteffen. An diefer Spitze befindet fich- ein Schnepel, der gleich- 



2weetcr Abfchnitt. Von den Lachfen inshfottdetr. l5| 

fam als Anführer den Zug leitet. Trifft es fieh nun, dafs um diefe Zeit der Wind flark 
gegen den Strohm bläfr, und den Zug aufiiält, fo kehrt der Fifch um, und laicht an den 
angeführten Oertern, geht aber der Wind mit dem Strohm, und befördert auf diefe Weife 
defTen Schnelligkeit, fo tritt er in grofser Menge.in denfelben hinein, und je fchneller der 
WsfTerzug ift, deftomehr beflrebt er fleh, ihm entgegen zu arbeiten, um die Stelle zum 
Laichen zu erlangen. Er legt alsdann innerhalb vier und zwanzig Stunden eine halbe Meile 
zurück, dahingegen derfelbe, "wenn der Flufs nur langfam flröhmt, in einem folchen Zeit- 
raum kaum halb fo weit kömmt. Die Fifcher, denen diefer Umfiand bekannt ift, richten 
fich mit dem Auswerfen ihrer Netze darnach: denn da der Schnepel fchlau ifl, und in der 
Tiefe leicht ein Loch findet, wo er dem Netze ausweichen kann; fo werfen fle folches 
täglich eine viertel oder halbe Meile weiter in den Strohm hinauf aus, je nachdem das 
WafTer fchneller oder langfamer fliefst. Er nimmt feinen Gang in die Tiefe , wo der Flufs 
am flärkflen ift. Wenn eine ftürmifche Witterung einfällt , fo gehet er nicht weiter , die 
Ordnung wird unterbrochen, und ein jeder fuchr, fo gut er kann, fleh eine Vertiefung 
aus , um fleh darinn zu verbergen. Die Menfchen , welche den Thieren auch in den ver- 
borgenflen Winkeln nachfpühren, wifTen aber auch hier fleh der Fifche zu bemächtigen, 
indem fledie mit Rogen vom Hechte oder anderen Fifchen verfehene Reufen dahin einfenken. 
Wenn fich der Sturm gelegt hat, fo gefellen fle fich wieder in Haufen, und fetzen ihren 
Zug in erwähnter Ordnung weiter fort, begeben fleh aber nicht, wie der Lachs und die 
Lachsforelle, in die kleineren Flüfse, fondern nur bis an die Mündungen derfellen, oder 
an die Wafierfalle und folche Oerter, wo fle die Steine vom Sande entblöfst und zum Lai- . 
dien bequem finden. Diefe find daher die ergiebigflen Stellen für ihre NacMeller. Eine 
eintretende ftürmifche Witterung empfindet der Schnepel fchon einige Tage vorher: alsdenn 
begiebt er (Ich fchaarenweife, wenn er anders nicht zu weit davon entfernt ift, sn die 
Laichftellen a) ; eine Erfcheinur.g, welche den Fifchern zu einem fiebern Merkmale eines . 

bevorstehenden Sturms dienet. 

___ __3 

a) Auch dergleichen Beobachtungen in An- unwichtige Materialien zum Bau einer Witte- 
febung der Witterung , wozu uns" die WafTer- rüngstheorie liefern, 
einwohner Stoff geben, können vielleicht nicht 



i66 Ziveeter Abfchnitt. Von den tachfen imbefonderc. 

Nach vollbrachtem Laichen gehen diefe Fifche ohne Anführer und gewiflc Ordnung 
in das Meer zurück. Es ift merkwürdig, dafs man aus dem frühern Rückzug diefes Fifches 
dahin, oder aus dem längern Aufenthalt in den Flüfsen, auf einen frühzeitigen oder fpätern 
Winter einen fichern Schlufs machen kann: denn im erftern Falle ftellt fich die Kälte früh, 
im letztem aber fpät ein. Die Brut bleibt fo lange an ihrem Geburtsorte, bis fie ohngetehr 
die Gröfse von drei Zoll erreicht hat, da fie dann durch die Macht der Fluthen fortgeriffen, 
in die Meere gelangt, aus denen die Fifche erft alsdann wieder zurück kommen, wenn der 
Trieb, ihr Gefchlecht fortzupflanzen, in ihnen rege wird, welches gewöhnlich im fünften 
oder fechsten Jahre zu gefchehen pflegt. 

Die Feinde diefes Fifches find, aufser den Raubfifchen, auch der Seehund, der fie 
öfters bis an die Küften verfolgt. Es verfprechen fich daher die Fifcher mit Grund einen 
reichen Fang, wenn fie diefes Seethier in der Nähe ihrer aufgehellten Netze erblicken. * 
Aufser der Aefche verfchlucken fie felbft einer die Eier des andern , und hierinn liegt wahr- 
fcheinllch die Urfache ihrer langfamen Vermehrung. 

Diefer Fifch wird in den hiefigen Gegenden an der Elbe, ohnweit Boitzenburg, 
Tangermünde und inPreufsen in dem brandenburgifchen und curifchen Haff, mit dem Porth, 
dem grofsen Garn und den Reufen gefangen, und die fchwedifchen Fifcher bemächtigen fich 
feiner auch mit dem Speer. 

Diefer Fifch hat ein weifses, zartes und wohlfchmeckendes Fleifch, und gehört da- 
her zu denen , welche für die Tafeln vornehmer Leute verfchickt werden. Er wird eben 
fo wie der Lachs zubereitet. Wo der Fang diefes Fifches häufig ift, wird er theils geräu- 
chert , theils eingefalzen. Letzteres gefchieht in folgender Art : Nachdem der Schnepel 
aufgerufen, die Eingeweide herausgenommen, und fowohl in- als auswendig rein abge- 
waschen ift, wird derfelbe auf einen Korb auf den Bauch geftellt, damit- das WalTcr rein 
ablaufen kann. Nachhera wird er mit Seefalz eingerieben , in Schichten gelegt , und nach- 
dem man ihn auf diefe Art dreimal vier und zwanzig Stunden Hegen laffen, heraus- 
genommen und aufs neue rein abgefpült. Durch diefe Methode fchnfft man fowohl den 
Schleim, als das Blut, welche leicht in der Fäulung übergehen , weg, und nunmehro wird 
er wie die Heringe gefalzen, fchichtweife eingelegt, und mit Steinen befchwert, damit er 



Zivetter Mfthnki. Voji den Laehfin iüsbefondere* 1^7 

feft liege und ihn die neue Laake bedecke. Durch diefes Mittel erhält, er fleh bei feinem 
guten Gefchmack, wenn er nämlich bei kühler Witterung gefangen wird. Bei warmer Wit- 
terung hingegen, muß man ihn vor dem Einfalzen fpalten, vom Kopfe und Rückgrade 
befreien, denn da diefe dem Verderben leicht ausgefetzt find; fo bekömmt auch das Fleifch 
davon einen übel n Gefchmack. Die geräucherten, welche man hieher bringt, verfpeifet 
man gewöhnlich mit märkifchen Rüben, und man hält dies für ein wohlfchmeckendes 
Gericht : jedoch gehören fie in diefem Fall , da er ein fetter Fifch ift , zu den 
fchwer zu verdauenden Speifen, dahingegen er frifch eine nicht ungefunde Kofi abgiebt. 
Der Schnepel hat ein zartes Leben , daher er aufser dam Wailer bald abftent , er läfst fleh 
jedoch bei gehöriger Vorficht verfetzen, wenn man ihn in einen grofsen, tiefen und mit 
einem fandigen Boden verfehenen See bringt, wie die Verfuche des Herrn Grifslerz) bewei- 
fen. Die zwei bis drei Zoll langen Schnepel, die er einfetzte, wuchfen innerhalb vier Jahr 
zu einem Gewichte von ein und einem halben bis zwei Pfund heran. Sein zahnlofer Mund 
giebt zu erkennen , dafs er nicht vom Raube , fondern von Kräutern , Würmern , Infekten 
und Rogen lebe; wie ich denn auch in feinem Magen zermalmte Mufchelfchalen angetrof- 
fen habe. Diefer Fifch hat einen ftarkhäutigen Magen , einen kurzen Darmkanal , deifen 
oberer Theil mit fehr vielen kleinen Anhängfein umgeben im Der Milch und Rogen find 
doppelt, und letztere enthielten , bei dem, welchen ich zergliederte, ohngefehr 37°°° gelbe 
Eier, von der Gröfse des Rübefaamens. In feinem Rückgrade waren neun und fünfzig 
Wirbelbeine, und auf jeder Seite acht und dreifsig Ribben befindlich. 

In Deutfchland heifst diefer Fifch Schnepel, in Norwegen und Schweden Such, und 
Stör- Siick, in Liefland Sikka , Sieg und Sia- kalte. 

Bei den altern Ichthyologen finden wir mehrere Fifche unter dem Namen 
Lavaret b), Albula nobili's c) , Albula coerulea, bezola d) , Albula parva e), und 

a) Schwed. Abhandl. 15. B. S. 20g. d) Rondelet. 2. p. 163. Gesn. p. 31. Thierk 

b) Rändelet. 0. p. 162. Gesner. Aquat. p. 30. S. 187. b. Aldrov. p. 658- ^okr\j). p. 171. 
Tkierb. S. 187. a. Aldrov. p. 657. gfohnfi. Charta, p. 164. 

p. 171. Char'M. p, 163. WUkgttb. p.'igg.' t e) Gesner. p. 134. Thierb. S.i88- b. Ai- 

n. 10. f. 1. Raji. fynop. p. 61. n. 3. drov. p. 659. gfohift, p. 173. t. 30. f. 8- 

c) Gesner. p. 33. Schonev. p. 12. gfohnfi. Charta, p. 164. Raji. p. 61. jn. 6. Wühghh. 
t 46. f. 1. Raji. p. 60. n. 1. p. 184. 



log Zweiter Ahfchnitt. Von den Lachfen intbefondere, 

Farraa) befchrieben, welche in das Lachsgefchlecht gehören, und von den neueren Ichthyologen, 
als Artedi, Linnc, Klein, Wulf, Pennant und Martini b) mit unferm Schnepel nur für eine Gat- 
tung gehalten, und unter dem Namen Lavaret befchrieben wird. So wenig fleh auch aus 
den fchlechten Zeichnungen und unvollfländigen Befchreibungen urtheilen läfst; fo ift doch 
fo viel gewifs, da£> unter den angeführten Namen mehrere Gattungen zu verliehen lind; 
denn dafs wenigftens der Schnepel mit dem Blaufelchen, Albula coerule des Gesner, nicht 
einerlei Fifch fei , erhellet aus der genauen Befchreibung die Herr Doctor Wartmann c) , 
uns vom Blau- und Weifsfelchen gegeben hat, nach welcher bei diefem beide Kiefer 
gleich lang find, dahingegen bei dem unfrigen der obere vor dem untern hervorgeht. Er 
äufsert zwar die Vermuthung d), dafs unter des Artedi Aefche mit dem hervorftehenden 
Oberkiefer e) das fchweizerifche Weifsfelchen zu verflehen fey: allein, wenn man beide 
Befchreibungen gegen einander hält, fo wird man bald gewahr, dafs fle von einander 
abgehen. Denn : 

j) giebt Artedi der Afterfloffe feines Fifches fiebenzehn, Wartmann aber dem Weifs- 
felchen nur dreizehn Strahlen. 

2) Legt Artedi demfelben eine kleine f), Wartmann hingegen eine grofse Mund- 
Öffnung bei g). 

3) Wird der fchwedifche Sück nicht über ein bis ein und ein halb Pfund , dahingegen 
der fchweizerifche Fifch vier bis fechs Pfund fchwer angetroffen. Auch find beide 
Fifche in Anfchung der Laichzeit verfchieden, die bei jenen ins Frühjahr, bei die- 
fen in den Herbft fällt. 

Auch kann ich die Frage des Herrn Pennant: ob unter feinem Gwiniad der Schnepel 
des Sclioneueld zu verliehen fey ? mit Zuverläfsigkeit verneinen, indem bei dem feinigen beide 
Kinnladen von gleicher Länge find h). 



a) llondel. p. 164. Gesn. p. 31. 35. Thierb. d) a. a. O. S. 203. 

S. 188- Aldrov. p. 663. Chattet, p. 164. e) Synon. p. 19. n. 2. 

ffobnß. p. 174. t. 30. f. 11. Willughb. p. 185. f ) Spec. p. 37. 

b) Naturlex. 1. B. S. 272. g) a. a. O. S. 212. 

»c) Befchäft. der Gefeilfeh. naturf. Fr. 3. B. h) Diefer Schriftftöller verleitete mich beim 

g, 2C o, erften Anblick, durch feine Aliegaten, unfern Fifch 



Ztvecter Abfchnitt. Von den Lachfen inshefonderi. i6> 

SchoneveM befchrieb diefen Fifch zuerß im Jahr 1624, unter dem Namen Sucpel (Al- 
fcula nobilis), und lieferte davon eine ziemlich getreue Zeichnung a), welche Johnfion , Wil* 
hghhy und Ruyfch copirt haben. 

Statins Malier irrt, wenn er unfern Schnepel für den Salmo Albula des Lirtne 
hält b) , da bei diefem der Unter- bei dem Schnepel aber der Oberkiefer hervorfleht ; fo wie 
auch Zuckert, wenn er unfern Fifch für den Oxyrinchus des Liime ausgiebt c). 

Krämer führt zu dem öfterreichfchen Reinankel, den öfters erwähnten Fifch des 
Artedi oder unfern Schnepel an: ob aber beide Fifche nur eine Gattung find? mufs ich, da 
er den feinigen nicht befchrieben, dahin gefiellt feyn laffen d). 

Dem Schoiuceld zufolge follen Helt und Schnepel in Dä'nnemark Sjmonomien feyn e)f 
allein da Poutoppidau f ) und Herr Conferenzrath Müller zu erflerem den Lavaret des Linne 
und zu letzterm den Oxyrinchum anführen ; fo müfsen wohl beide verfchieden feyn. 
In diefer Meinung werde ich um fo viel mehr beflärkt , da ich in der Zeichnung des Herrn 
Profeüor Ascauius, auf der dreifsigften Tafel feiner Hefte, bei dem Helt nicht den Ober- 
kiefer unfers Schnepels ausgedrückt finde. 

Artedi hat beim Sick kleine Zähne bemerkt g), die ich beim Schnepel nicht gefunden ; 
er hat fiebenzehn , ich nur vierzehn Strahlen in der Afterflofle gezählt. Sollten wohl diefe 
beiden Fifche verfrhieden feyn ? 

Ueberhaupt wird man aus diefera Labyrinth bei den angeführten Schriftfteller fich 
nicht eher heraus finden können, bevor man nicht von den erwähnten Fifchen genaue Be- 
fchreibungen und getreue Abbildungen aufzuweifen haben wird, 



mit dem feinigen für eine Gattung zu halten, da- e) Mat. aliment. p. 263. 

her es denn gefchah , dafs ich auf der Kupfer* d) Elench. p. 389. n. r. 

tafel den englifchen Namen mitftechen lallen. e) a. a. O. 

a) Ichth, p. 12. 13. f) Naturh. von Dännera. S. 189. 

b) a. a. O. S. 326. g) Spec. p. 37. 

Y 



jyo Zweeter Abfchnitt. Von den Lachfen insbefondeti* 

DIE BREITE A E $ C H E, 

Salmo TkymaUus latus. 

XXVIfte Taf. 
Der Oberkiefer wie beim Sehnepel; jedoch der Körper breiter. K. 9. Br. 16. B. n, 



Die breite 
Aefche. A ' *+ S - 20 " R " T 3- 

Salmo roflro naßformi, corpore lavaritio latiore. B. IX. P. XVI V- XI. D. XIII. 

A. XIV. C. XX, 

Trutta. edentula, dorfo ex viridi coeruleo et lato- Klein Mio". V. J> 20, 

argenteo refplendente , jäte- t VI. fig. 1. 

ribus carinatis, poft lineam La Lavaret. Ascanius icbn. t. 30. 

tota argentea, ventre eultel- Lappfück. Schwed. Abhandl. 15. B. S.rog. 

Diefer Fifch kann,, der grofsen Aehnlichkeit wegen die er mit dem vorhergehenden 
hat r füglich als eine Abänderung (varietas.) deffelben angefehen werden: er unterfcheidef 
fich indeffen von ihm durch folgende Merkmale : 

s) In dem verfchiedenen Verhältnifs der Breite zur Länge. Beim Sehnepel war jene wie 
eins zu vier und ein Viertel, und bei der breiten Aefche wie eins zu drei und ein 
Viertel. Diefe Fifehe hatten, da ich fie unterfuchte , beinahe einerlei Länge, und ihr 
Leib war beiderfeits vom Rogen angefchwollen , und kann man alfo den letztern nicht 
als eine Urfache des Unterfchiedes in der Breke betrachten. 

2) Sind die Bruftßoflen bei der breiten Aefche kürzer als beim Sehnepel,. 

3) Ift diefer mit einem runden Äugendem verfehen y bei jenem hingegen macht derfelbe, 

nach der Nafe zu, einen fpitzigen Winkel. 

4) Bei der breiten Aefche ift, da wo die Rückenflofle fitzt, auf dem Körper eine Beugung; 

beim Sehnepel aber nicht. 
5") Sind die Schuppen beim Sehnepel mit einem kleinen Ausfchnitt am Rande verfehen;. die 

bei der breiten Aefche hingegen alle rund. 
6) Bei letzterer zeigen fich aufserdem auf der Seitenlinie mehrere Punkte, und eben fo viele 

Reihen von Schuppen. 



Zweiter Abfchniit. Von den Zachfm iusbefonätre. iji 

f) Die Mundfpalte fitzt bei der breiten Aefche mehr in der Quere, und das Maul ift gröf- 

fer als beim Schnepel. 

g) Ift der Rücken bei der Aefche bis an der FloiTe fcharf : beim Schnepel hingegen rund. 

9) Hat der Bauch bei der breiten Aefche eine fchneideförmige : beim Schnepel hingegen 

eine runde Gefialt. 

10) Wird die breite Aefche vier bis vier und ein halb Pfund fchwer: hingegen der Schnepel 

nur von einem bis ein und einen halben Pfund angetroffen. 
21) Sind bei der breiten Aefche auf beiden Seiten nach der Länge laufende Linien fichtbar, 
die ich bei dem Schnepel nicht wahrnehmen konnte a), und welche, da fie felbige mit 
der Aefche gemein hat , vermuthlich Gelegenheit zu ihrer Benennung gegeben. 
Aus dem angeführten erhellet demnach, dafs die breite Aefche zum Schnepel fafl 
eben fo, wie die Plötze zum Rothauge fich verhalte, und daher fo wie jene, als zwei ver- 
fchiedene Gattungen betrachtet werden können, wie fie* denn auch in Schweden unter 
zweierlei Benennungen vorkommen. Jedoch habe ich um die Gattungen diefes ohnehin 
weitläufigen Gefchlechts nicht ohne Noth zu vervielfältigen, ihn lieber als eine Abänderung des 
Schnepels aufgeführt, und eine umüändliche Befchreibung ihrer Theile um deswillen für 
unnöthig erachtet, da diefe, bis auf die jetzt erwähnten Merkmale und den geringen Unter- 
fchied der Farben und der Strahlenzahl , mit jenem übereinkommen- 
in Danzig wird diefer Fifch, der Weifsfifch, in Pommern an verfchiedenen Gegen- 
den der Ofllee die breite Aefche, in Hamburg der Schnepel , in Dännemark der Siick, und in 
Schweden Lappßck. genannt. 



a) Herr Ascanius fagt zwar im dritten Faf- zur Laichzeit eigen wären; allein ich habe fie 
eieul , dafa diefe Linien nur den Männchens auch bei den Rogenen angetroffen. 



Ya 



172,' Zweeter Abfchnitt. Von den Lachfen insfofondcre. 

DIE M A R A E N E. 
Salmo Maraena* 

XXVIIfle Ta£ 



: r v. —ss D er Oberkiefer abgeflumpft. K. 8- Br. 14. B. w. A. 15. S. 20. R. 14. 

Wai-ätae. Salmo maxilU f lt P eriore trmcata. AM V.XW. F. XL A.XV. C.XX. D. XIF. 

Der abgeflumpfte und vorn breite Oberkiefer, giebt ein hinreichendes Kennzeichen 
ab, die Maräne von den übrigen Lachsarten zu unterfcheiden. In der Kiemenhaut zeigen 
fich acht, in der BruftflofTe vierzehn, in der Bauchflofse eilf, in der Afterfloffe fünfzehn, 
in der Schwanzflofl'e zwanzig und in der Rückenfloffe vierzehn Strahlen. Der Kopf ifl 
abgeflumpft, der Mund zahnlos, und, gegen die übrigen Gattungen diefes Gefchlechts, klein. 
Der Unterkiefer ifl fchmäler und kürzer als der obere, und wird bei gefchloflenem Munde 
von diefem bedeckt. An dem Rande des Oberkiefers fleht man zwo kleine runde Oeffnun- 
gen. Die Nafe und Stirn find eben fo wie der runde Rücken fchwärzlich, das Kinn und 
der Bauch hingegen weifs. Die Augen find grofs , ihr Stern ifl fchwarz und bildet nach dem 
Maule zu einen fpitzen Winkel. Der Ring ifl filberfarbenj die Backen find gelb, der Kiemen, 
deckel bläulich mit einer weifsen EinfafTung. Die Seiten find oberhalb der Linie bläulich, 
ins Gelbe fpielend, unterhalb derfelben aber filberfarben a). Die Seitenlinie, welche mit 
vier und vierzig weifsen Punkten befetzt ifl, macht nahe am Kopfe eine kleine Beugung. 
Die Brufl - Bauch - Rücken - und AfterflofTen find grofs, haben viclzweigigte Strahlen und 
am Grunde eine violette fonft aber eine bläulichte Farbe mit einer fchwarzen EinfafTung, 
und endigen fich am vordem Theil in eine Spitze. Die FettfloiTe ifl fchwärzlich, die 
Schwanzfloffe gabelförmig, und an der BauchnofFe eine MittelflofTe fichtbar. Die 
Schuppen, welche den länglichten Körper bedecken, find grofs, dünn, glänzend und 
fallen leicht ab. 



a) In dem Maduifee, wo diefer Fifch vorzüg- Silberfarbe glänzen, an der andern aber folche, 
lieh zu Haufe gehöret, werden an der einen die grau gefärbt find. Fkmming Jägerb. S.450. 
Seite welche gefangen, die mit einer fchönen 



Ziveeter Abfchnitt. Von den Lachfin imbefondere. 173 

In hiefiger Gegend kommen zweierlei Arten Fifche unter dem Namen Maräne 
vor a), davon die eine die kleine , die andere aber die große , oder Madui - Martine genannt 
wird. Diefen Namen hat fie von dem Maduifee b), wo man fie bishero irriger Weife 
allein zu finden glaubte , erhalten , denn wir treffen fie auch in dem Hitzdorfer c) und Cal- 
liefer See an d). Erftere hingegen finden wir, wie wir aus der Folge erfehen werden, in meh- 
reren Gegenden. Die grofse Maräne ift den Syftematikern gänzlich unbekannt geblieben: 
nach des Ritters Syflem gehört fie , wegen der FettflofTe , ins Lachsgefchlecht und da fie keine 
Zähne im Munde hat, zur dritten Familie defTelben (Coregoni). 

Den Fifch, den ich befchreibe, habe ich aus dem Maduifee erhalten. Er war vom 
Anfange der Schnauze bis zum Ende der Schwanzfloffe zwei Fufs drei Zoll lang, feine 
ftärkfte Breite betrug fünf, die Dicke vier Zoll, und er wog vier und ein halbes Pfund; 
man findet jedoch manchmal welche von vier Fufs Länge. Er wird wegen feines weilsen, 
zarten und wohllchmeckenden , mit kleinen Gräten nicht durchwebten Fleifches, für ein 
Leckerbiffen gehalten, Zu feinem Aufenthalt ift ein tiefes WafTer, auf einem fandigten oder 
mergelichten Grunde, erforderlich; darinn fuchen fie die tiefften Stellen auf, wo fie hau- 

Y 3 



a) Es kömmt zwar bei den Römern ein Fifch 
unter dem Namen Mttraena vor : diefer aber ift 
nicht unfere Maräne, fondern eine Aalart. Die- 
fer Fifch ftand bei ihnen in einem fo grofsen 
Ätifehn, dafs fie fich nicht fchäraten, ihn fogar 
mit Menfchenfleifch zu füttern. Dediüs Pollio 
mäftete feine Muränen mit dem Blute und dem 
Fleifche feiner Sklaven, die er zum Tode ver- 
Urtheilt hatte; denn er glaubte, dafs fie da- 
durch einen feinern Gefchmack bekämen. Als 
einsmals der Kaifer Augufl bei diefem Pollio zu 
Gafte war, und einer von den Sklaven unver- 
fehens ein koftbares Gefiifs zerbrach, fo rief 
Pollio fogleich laut aus: ad muraenas! das 
hiefs: diefer Sklave fey verurtheilt, jenen Fi- 



fchen zur Speife vorgeworfen zu werden. He- 
ber diefe Graufamkeit erfchrack der Kaifer, liefs 
feinem Wirthe alle koftbare Gefäfse zerfchlagen, 
und fchenkte dem Sklaven die Freiheit. 

b) Die Madui ifi; ein grofser, fehr fifchrei- 
cher See, beim Amte Kolbatz, ohnweit Star- 
gard, in Hinterpommern, drei Meilen von Stet- 
tin. Er ift zwo Meilen lang und eine halbe 
bis eine ganze Meile breit, hat einen Mergel- 
grund und ift an manchen Oertern zwanzig bi* 
fünf und zwanzig Klafter tief. 

c) Liegt ohnweit dem Dorfe gleiches Na- 
mens bei dem Amte Marienwalde. 

d) Ohnweit der kleinen Stadt Callies in der 
Neumark an der pohlnjfchen, Grenze. 



*74 Zweeter Abßinitt. Von dm Lachen mhfindere. 

fenweife bei einander wohnen, und nur zur Laichzeit, die im November fallt, und im 
Frühjahr, um fich an der Mufchel- und Schnekenbrut zu fättigen, in die Höhe kommen. 
Da diefer Fifch auch felbft in diefer Zeit fich hundert und fünfzig bis zwei hundert Schritt 
vom Ufer entfernt hält, und nur an folchen Stellen erfcheint, die wenigftens einige Klaf- 
ter tief find; fo ift begreiflich, warum er weder in der Plöne, welche die Maduilee 
durc'hniefst, noch in dem Dammerfee und dem frifchen Haff, welche letztere durch diefen 
Flufs mit jenen in Verbindung flehen, bemerkt wird: denn der erwähnte Flufs hat nicht 
Tiefe genug, um diefen Fifch anzulocken. Auch ift es diefem Aufenthalt in der Tiefe 
zuzufchreiben , dafs aufser den erwähnten beiden Zeiten und bei der Fifcherei mit dem 
grofsen Garn unter dem Eife, nur feiten eine Maräne gefangen wird. Diefer Fifch hat ein 
zartes Leben und üirbt nicht nur fogleich, wenn man ihn aus dem Waffer nimmt, fon- 
dern er erkranket auch fogar, wenn er im Sommer der Oberfläche des Waffers, entweder 
beim Hafchen nach einem Infekt, oder auf der Flucht vor dem Hechte, zu nahe kommt, 
wovon dann die Windfucht, und am Ende eine tödtliche Abzehrung die Folge ift. 
Die Maräne fängt erft im fünften oder fechsten Jahre an, ihr Gefchlecht fortzupflanzen, 
und hat zu diefer Zeit ohngefehr die Länge eines Fufses ; fie fucht alsdenn die mit Moos 
oder andern Kräutern bewachfene Stellen auf, und fetzt daran ihren Laich ab. Sie vermehrt 
fich ftark: denn der erwähnte Maduilee liefert allein, ein Jahr ins andere gerechnet, drei 
taufend Stück. Man fängt fie im Frühjahr und im Herbft, am häufigften aber im Winter 
bei der EisfifchereL Im Frühjahr, wo fie allenthalben ans Vorland kommt, um fich von der 
Schnecken- und Mufchelbrut zu fättigen, bemächtigt man fich ihrer mit einem acht Klüfter 
tiefen Netze, und einem Quais oder Fifchbehälter, in dem acht Garnknechte, die in zwei 
Boten vertheilt find , das Netz leiten. Auf eben diefe Art wird fie auch im Herbft zur 
Laichzeit diesfeits bei Werben und jenfeits bei Kunow gefangen ; denn diefe find die einzi- 
gen Stellen in der grofsen See, wo die Maräne laicht. Die Laichzeit fängt vor Martini an, 
und dauert vierzehn Tage bis drei Wochen: fällt aber ein Sturm wetter ein, fo verschwin- 
det fie plötzlich. Ihre Feinde find der Zander, der Hecht, der Wels, und wann fie noch 
klein find, der Rarfch, wie nicht weniger der Seehahn (Colymbus auritus L), welcher ihr 
fear nachftellt, und daher den Fifchern zum Zeichen dient, wo fie die Maräne zu fuchen 



Ziveeter Alfchnitt. Von den Lachfen msbefonders* 175 

haben, denn fie, führen ihre Netze an den Ort hin, wo fie diefen Vogel unterfauchen fehen. 
Zu dem Fsng diefer wohlfchmeckenden Fifehe, welche gefucht und weit und breit verfahren 
werden , bedienen (ich die Fifcher Netze mit weiten Mafchen ,. damit die kleinen durchgehen 
und den gehörigen Wachsthum erreichen mögen. Im Schnee gepackt knien fie fich weit 
verfenden, und behalten einige Monathe hindurch ihren guten Gefchmack. Diefer Fifch 
wird gewöhnlich wie der Lachs, auch geräuchert und in Butter gebraten, und mit Citronen- 
oder Effigfäure zurechte gemacht, zu einer angenehmen Speife bereitet. Am beflen ifl der- 
jenige, der im Frühjahr gefangen wird, als zu der Zeit, wo er am fettflen ifl. 

In Anfehung der innern Theile weicht diefer Fifch von den vorhergehenden darum 
ab, dafs feine Gallen blafe nur klein und die Galle fehr blafs ifl. Der Anfang des Darm- 
kanals ifl mit hundert und vierzig bis fünfzig Anhängfein oder Blinddärmen um- 
geben: da nun der Nahrungsfaft in allen diefen kleinen Gedärmen lange verweilt und ge- 
hörig zubereitet wird; fo ifl es begreiflich, wie diefer Fifch auch bei dem kurzen Darm- 
kanal, der nicht einmal die Länge desFifches hat, fo fett werden könne. Ohngeachtet die Ma- 
rtine, fo wie fie aus dem Waffer kömmt, gleich abfleht; fo läfst fie fich doch bei gehöriger 
Vorficht verfetzen , wie die Verfuche des Herrn von der Marwitz auf Zernickow beweifen. 
Diefer vortrefiiehe Landwirth kaufte zwei hundert und zwanzig Stück Maränen , und liefs 
diefelben in grofsen Fäfsern ■, nach feinem vier Meilen von dem Maduifee entlegenen Gute 
bringen, und da von diefen unter wegens achtzig Stück geworben waren, die noch lebenden 
einfetzen. Das ganze Jahr hindurch fand man keinen; einzigen diefer Fifehe todt. Vor 
dem Aufgange des Eifes des darauf folgenden Winters, liefs derfelbe fifchen, und gleich 
mit dem erflen Zuge wurden (leben Stück gefangen, und da man bis jetzt noch keine ab- 
gefundene gefanden hat, fo ifl wohl nicht mehr zweifelhaft, dafs fich diefe Fifchart ver- 
fetzen laffe* Landwirtben kann ich hiebei folgende zwo Regeln r die diefer Oekonom da- 
bei beobachtet hat, empfehlen : 

j) Bei der Fortfchaffung kommt es, da diefe Fifehe aufser dem Waffer fogleich der- 
ben, hauptfächlich darauf an, dafs map das Fafs mit Waffer, worinn fie verfchickt 
werden foüen, zur Stelle habe,, wo die Fifehe gefangen werden, damit fie 
aus dem Netz fofort in daffelbe hinein gethan werden können: wobei man 



l*j<£ Ztvcetfr Abfchnitt. Von dm Lachten inslefondere. 

forgfältig verhüten mufs, dafs fie nicht gedrückt, geft offen oder wohl gar ge» 
fchmiflen werden. 
a) Mufs das Wafler desjenigen Sees, oder Fifchteiches„ in welchen man fie verfetzen will, 
fo tief feyn, dafs es, auch die gröfste Sommerhitze, nicht bis auf den Grund erwär- 
men kann, und mufs dalTelbe einen Sand- oder Mergelgrund haben. 

DIE KLEINE M A R A E N E a). 

Salmo Maraenula. 

XXVIIMe Taf. Fig. 3. 

. . . ■ , . ■■■» Der Unterkiefer hervorftehend j zehn Strahlen in der Rückenflofle. K. 7. Br. tg. 

? .Diekleine ß >H Ä g ^ R ro 

Maräne. 

Salmo maxilla inferiore longiore radiit X in pinna dorß. B. VII. P. XV. V. XL 

A.XIV. C.XX. D.X. 

Trutta edentula, argentea tota, fquamis tenuibus, Marena Schonev. Ichth. p. 46. 
inferiori mandibula refima. ■ — WMughb. p. 229. 

Klein Miff. V. p. 21. N. 16. — Ray Synop. p. 107. n. 12. 

t VI. f. 2. Die Maräne. Richter. Ichdi. S. 897- 

Muraenula. Cyprinus pinna ani radiis XIII. et — — Birckh. Fifch. S. 15. N. 18. 

dorfalis IX. Wulff Ichth. p. 48. — — Beckmann. Churm. 1. B. S. 570. 

N. 65. Die Murene. Flemming Jägerb. S. 450. 

— — Silefiaca. Schwenkfeld p. 436. Die kleine Maräne. Befchäfc 3. B. S. 84« 

Der hervorflehende Unterkiefer und die geringe Anzahl der Strahlen in der Rücken- 
flofle bei diefem Fifche find Merkmale, wodurch er fich von allen übrigen diefes Ge- 
fchlechts unterfcheidet. In der Kiemenhaut find fieben, in der Bruftflofle fünfzehn, in 
der BauchflofTe eilf, in der AfterflofTe vierzehn, in der Schwanzflofie zwanzig, und in 
der Rückenflofle zehn Strahlen befindlich. Der Kopf läuft fpitzig zu, ift halb durchfich- 



a) Diefer Fifch hat wabrfcheinlich feinen den , und welches auch diefen Fifch zum Wahr- 
Namen von dem Städchen Morin, aus welcher zeichen angenommeB. 
Gegend er vermuthlieh zuerft bekannt gewor- 



Zvjccicr Ähfdmht. Von den Lachfen hisbcßmdere. 177 

tjg und von einer grünbrä'unlichen Farbe. Die Nafenlöcher find dicht an den Augen, der 
Mund ift zahnlos, der Unterkiefer gekrümmt, fvhmäle-r und länger als der obere. Die 
Zunge ifl knorplich und kurz ; die Augen haben einen fchwarzen Stern von einem filberfsr- 
benen Ring umgeben; die Backen find, fö wie der ganze Körper, den bläulichen Rücken 
ausgenommen , filberfarben. Die nahe am Rücken befindliche Seitenlinie ifl gerade und 
mit acht und fünfzig Punkten befetzt. Die Schuppen, deren Anzahl fich nach dem Richter 
auf taufend fieben hundert und fünfzig belaufen, find dünn, filberfarben un d fallen 
„eicht ab. Sämmtliche FloiTen find von einer grauweifsen Farbe, nur die gabelförmige 
Schwanzflofle hat eine blaue Einfaffang. Der ganze Fifch ift gewöhnlich fechs bis acht 
Zoll lang, ein bis ein und ein halb Zoll breit und einen halben Zoll dick, und wägt als- 
dann vier bis fünf Loth : man findet aber auch manchmahl welche von zehn Zoll Länge. 
Wir treffen fie in der Mark, Schießen, Preufsen, Pommern und Mecklenburg, in folchen 
Seen an, die einen mergelichten oder fandigen Boden haben. Sie leben gefellfchaftlich bei- 
fammen und zwar in den tiefften Stellen des Sees, welche die Fifcher Maränenfäuge 
nennen, kommen aufser der Laichzeit, welche um Martini fallt, nicht zum Vorfchein: in 
diefer aber fuchen fie die mit Grundkräutern bewachfene Stellen auf, um ihren Laich dar- 
an zu laden. Sie vermehren fich fhrk und haben ein weichliches Leben, indem fie, fo 
bald fie an die Luft kommen , abflehen. Man kann fich ihrer nur in der Laichzeit und im 
Winter, wenn unter dem Eife gefifcht wird r bemächtigen. Ihre Speife find Grundkräu- 
ter, Infekten und Würmer: fie felbft aber haben an den Raubfifchen und Waflervöoeln 
furchtbare Feinde. Sie haben ein weifses, zartes und fehr wohlfchmeckendes Fleifch und find 
die in dem bei der Stadt Ruppin gelegenen LindoerSee von einem vorzüglich guten Geichmack. 
Sie werden gewöhnlich in Salzwaffer gekocht, mit Effig und Peterfiüe, oder auch mit einer 
Butterbrühe verfpeift ; einige finden diefen Fifch auch gebraten wohifchmeckend. Ferner 
bereitet man aus ihnen zu Joachimsthal und Morin fchmackhafte Pöcklinae, indem man felbige, 
nachdem fie zuvor mit Bier befprengt worden, wie die Heringe in Tonnen räuchert a) j an 
anderen Orten werden fie auch wie diefe eingefalzen und in Fäfschens verpackt b). 



a) Beckmann. Churm. 1. B. S. 573. t>) Flemmng Jägerb. S. 450. 

Z 



17g Zweier Abfchnitt. Von den Lachfin insbefonäere. 

Diefer Fifch hat, dem äufsern Anfehen nach, fehr viel Aehnlichkeit mit dem Ückelei 
daher auch letzterer, wenn er grofs iß, nicht feiten flatt diefer verkauft wird; da aber 
jene ein 'grätiges und weichliches Fieifch hat, fo darf man nur nach der Fettflofle, die jenem 
fehlt, fehen, um fleh vor dem Betrug in Sicherheit zu {teilen. 

Die inneren Theile find eben fo wie bei den übrigen Lachsarten befchaffen, nur dafs 
der Rogen aus fehr kleinen gelben Eierchen befleht, deren Anzahl bei dem, welchen 
ich unterfuchte, ohngefehr fich auf neun und dreifsig taufend belief. In ihrem Rückgrade 
zählte ich acht und funfz'g Wirbelbeine und auf jeder Seite fechszehn Ribben. Die kleine 
Maräne läfst fich unter eben den Umfiänden, die ich oben bei der grofsen angeführt 
habe , verfetzen. 

In der Mark und in Pommern wird diefer Fifch Maräne, in Freufsen Muräne, in 
Mecklenburg und in Schießen Morene genannt. 

Sclnvenckfeld a) hat diefen Fifch bereits im Anfange des vorigen Jahrhunderts be- 
fchrieben ; nicht lange darnach (1624) hat auch Sckoneveld b) feiner umfländlich gedacht. 
VJiliugb.by erwähnt feiner z6&6 , und Raps c) zu Anfange diefes Jahrhunderts, welcher letztere 
ihn aber unrichtig unter die Heringe bringt. Es iß daher zu bewundern, dafs Artedi und Linne 
diefen Fifch in ihrem Werke nicht angeführt haben. Um fo mehr hätte ihn der Ritter in einer 
feiner letztern Ausgaben mit aufnehmen follen, da ihn Klein 1749 aufs neue befchrieben 
und eine gute Zeichnung davon geliefert hat d). Der Salmo albula , oder der fchwedifche 
Sijklöja kömmt zwar unferer Maräne am nächßen : allein dafs erßere von letzterer verfchie- 
den fey, bsweifen die vom Linne angeführte Schriftfleller, und die verfchiedene Anzalil der 
Strahlen in der Rücken - und Bauchflofle. 

Endlich findet man auch im Wulfe) Nachricht von der Maräne, welche er unrichtig 
den Karpfen beigefeilet. Da ße mehr als drei Strahlen in der Kiemenhaut und überdem 
eine Fettfloffe hat, fo gehört ße nach der linneifchen Eintheilung in das Lachsgefchlecht, 
und zwar wegen des zahnlofen Mundes zu den Aefchen. Kleins Frage : ob nicht 

a) Theriothr.'füef. p. 436. . d) MUT. pifc. V. p. 21. n. 16. t. 6. f. 2. 

b) Ichth. p. 46. e) Ich*, p. 48- 

c) Synopf. pifc. n. 107. 



Ztöetter Abfchnitt. Von den Lach.feü hübe fonder e. 179 

«3er Rencken der Baiern, deßen Keyfskr a) erwähnt, mit unferer Marä'ne einerlei Fifch 
fey ? lä'fst fleh aus der Befchreibung des Herrn Dodors Wartmann vom Blaufelchen verneinen : 
denn wie er uns belehrt, fo iit der Rencken nichts anders, als das Weifsf eichen, ■welches 
im vierten Jahre diefen. Namen führt; und dafs diefes nicht unfere Maräne feyn könne, zeigt 
uns die von demfelben gegebene umftändliche Nachricht, b) 

DER STINT. 
XXVIIIfte Taf. Fig. 2. 
Der Unterkiefer hervorragend , fiebenzehn Strahlen in der Afterfloffe. K. 7. Br. 11.™ 

B. 8- A. 17. S. 19. R. 11. 

Salmo maxilla inferiore longiore pinna ani radiis 27. B. VII. P. XI. V. VIII, A. TV IL 

C. XIX. D. XL 



8. Der Stint, 



Salmo eperlanus, capite diaphano, radiis pinnae 

ani 17. L. S. N. p. 511- n. 13. 

Osmerus , radiis pinnae ani feptendeeim. Artedi 

geh. p. 10. n. 1. Syn. p. 21. n. 1. fpec. 

P-45- 

- — — Gronov. MaC I. p. 18- n. 49. 

Trutta edentula, tota argentea, femidiaphana 
plerumque trium raro quinque 
unicarum; recens ingrati odo- 
ris. Klein Mif£ V. p. 20. t 4. 
f. 3: 4. 

Eperlanus. Ronäelet. 2. p. 196. 

— — Gesn. Aquat. p. 3Ö2. 

— — Aidrov. p. 536. 

— — gfohnfl. p. iiö. t. 24, f. 3. 



Eperlanus. Charlet. onom. p. 153. n. 2* 

— — Willughb. p. 202. 

— — Raji fynop. p. 66. n. 14. 

— — Ruyfch. Theat. p. 78- t. 24. "f. 3. 

— — fluviatilis. Gesn. Thierb. S. 189. 
Salmo albula. Wulf, ichth. p. 37. n. 47. 
Apbya et Eperlanus. Zuckert. Mut. aliment. 

p. 262. 
Stint Birckholz S. 21. 

— Richter. Ichth. S. 909. 
Meeiftint Müller. L. S. 4. S. 323. 
Kleiner Stint, .Löffelftint. Fifchers Naturg. von 

Lieft, S. 122. n. 222. 
Rogen Stint Schonev. Ichth. p. 71. c). 
The Smelt Penn. p. 313. t 61. n: 151. 

Z 2 



a) Neuefte Reifen , neunter Brief. S. 78. durchfeheinen fleht; fo haben ihn die Fifcher 

b) Befchäft. naturf. Fr. 3. B. S. an. diefen Namen beigelegt, um ihn von dem See» 

c) Weil man den gelben Rogen , wovon der ftiht zu unter fcheiden. ■ 
Leib ftark aufgetrieben ift, durch die Haut 



*8o Zivetter Abschnitt. Von den lachfen insbefondere. 

Diefes Fifchchen erkennt man an feinem hervorflehenden Unterkiefer und an den 
fiebenzehn Strahlen in der Afterflofse. In feiner Kiemenhaut find lieben, in der Bruflflofle 
eüf , in der Bauchfloffe acht, und in der Rückenfloffe eilf Strahlen befindlich. Der Stint hat 
■einen halbdurchfichtigen Körper, einen vortreSichen Glanz, der grün, blau und weifs fpielt. 
Der Körper ift rund und wird nach dem Schwänze und Kopfe zu etwas dünner, daher er 
der Geftalt einer Spindel ziemlich nahe kommt. Der Kopf ift klein und endigt fich in eine 
ftumpfe Spitze, von einer grauen Farbe. Die Augen find grofs und- rund, der Stern 
fchwarz, und der Ring filberfarben ins Blaue fpielend. Der gekrümmte Unterkiefer ift 
länger , als der gerade Oberkiefer; beide find eben fo wie der Gaumen mit kleinen nach 
innen gekrümmten Zähnen bewaffnet, auch an der Spitze der Zunge vier bis fünf 
Zähne fichtbar. Dünne filberfarbene Schuppen, die fehr leicht abgehen a) bedecken feinen 
gewöhnlich nicht über zwei bis drei Zoll langen Körper. Diefer Fifch ift fo durchfichtig, 
dafs man am Kopfe die Theile des Gehirns unterfcheiden und am Körper die Wirbelkno- 
chen und Ribben zählen kann. Der runde Rücken ift grau und auf den Seiten fpielet eine 
grüne und blaue Farbe auf einem Silbergrund in einer reizenden Mifchung durch einander. 
Der Bauch ift rund, weifs und fällt ins Röthliche. So angenehm der Eindruck ift, den 
feine Farben auf unfer Auge machen, eben fo widrig ift die Würkung, den feine Ausdün- 
ftuug auf unfern Geruch verurfacht ; daher er auch in verfchiedenen Gegenden den Namen 
Stinkfifch erhalten hat, wovon ohne Zweifel die gewöhnliche Benennung abftammt. Die 
Flößen find fammtlich grau und die vom Schwänze ift gabelförmig geftaltet. Die Fettflofle 
flehet der Afterflofle gegenüber und die Rückenfiofie auf der Mitte des Körpers. Man 
trifft ihn bei uns in mehreren Landfeen an, die mit einem fandigen Boden verfehen find, 
und da er fich in der Tiefe aufhält; fo wird er auch aufser der Laichzeit, und wenn nicht 
befonders in diefen Stellen auf ihn gefif:ht wird, nur feiten gefangen. Letzteres geschieht 
beim Aufgange des Eifes, da man ihn alsdann aus der Müggel und anderen benachbarten 



a) Ohne Zweifel ift dies die Urfaehe, warum bracht hat, und dafs auch Bellon von ihm fagt, 
Charleton, dem diefer Umftand unbekannt war, er habe keine Schuppen, 
den Stint unter die Gaffe der glatten Fitche ge- 



Zweiter Ähfdinitt. Von den Lachfin insbefemdere. Igi 

Seen häufig in unfere Stadt zu Markte bringt: in der Laichzeit aber, welche in den März 
fällt, kömmt er aus der^Tiefe hervor, zieht in grofsen Schaaren in die Flüfse und fezt fei- 
nen Laich im Grunde am Sande ab. Er vermehrt fleh fehr ftark: denn es werden jährlich 
viele grofse Tonnen voll aus den benachbarten Seen hieher zu Markte gebracht, und in 
Schweden und England auf den Märkten ganze Berge davon aufgefchüttet, welche einen 
übelen Geruch in den Straffen verbreiten. 

Diefer Fifch lebt von Würmern und Mufchelbrut, und wird mit einem aus fehr 
engen Mafchen beflehenden Garne gefangen; er hat ein weichliches Leben und ßeht 
aufser dem Wailcr bald ab. 

Man macht ihn, nachdem er vorher im kalten Waffer wohl gewafchen und das 
erfie kochende Waffer, welches jedoch ohne Salz feyn mufs , abgegoffen ift, mit einer fau- 
ern Zwiebelbrühe zurecht.- Auch werden fie aus Salzwaifer gekocht, mit einer holländi- 
fchen Brühe oder Merretn'gtunke, auch in Wein, mit Gewürz verfehen, gedämpft, verfpeifsr. 
Einige braten fie auf dem Roß, oder backen fie in einer Pfanne als einen Kuchen, und der 
Landmann geniefst fie in Salzwaffer gekocht mit Sauerkohl. Es gehöret diefer Fifch 
zu denenjenigen , welche nicht den befien Nahrungsfaft geben, und iÜ daher derGenufs def- 
felben kränklichen und fchwächlichen Perfonen nicht anzurathen. 

Der Magen ift bei diefem Fifche fehr klein und beim Anfange des Darmkanals find 
vier bis fechs Anhängfei fichtbar. Die Sehwirnmblafe ift einfach und an beiden Enden zu- 
gefpitzt ; auch der Rogen ift einfach und befteht aus fehr kleinen gelben Eiern, deren An- 
zahl, wegen ihrer Zartheit, nicht zu beftimmen ift. Das Bauchfell (Peritoneum) ift filber- 
farben und mit fchwarzen Punkten beftreut. Im Rückgrade find neun und fünfzig Wir- 
belbeine und auf jeder Seite fünf und dreifsig Ribben befindlich. 

In Liefland heifst diefer Fifch, kleiner Stint, Löffelfiint, kurzer Stint , und Stintites; 
in Schweden Nors; in Holland Spiering; in England und Dännemark Smelt; in Norwegen 
Lodde, Rogn- Süd- Lodde , Räke, Krvckle. 

Richter weifs von keinem Autor, der von diefem Fifche gefchrieben, und dies war 
fehr natürlich, da er ihn unter den Weifsfifcheu fuchte. 

13 



■ Der 

Seeftint. 



Ig2 Zweeter Abfchnitt. Von den Lachfen insbesondere. 

Der Stint läfst fleh aueh verletzen, wenn anders der See tief ifl, und einen fandigen 
Boden hat. Es wäre aber wegen feines geringen Preifes nicht rsthfam , Mühe und Kcften 
daran zu wenden ; da er fich indeffen ftark vermehrt , fo kann man ihn zur Fütterung für 
den Zander mit einfezten. 

DER S E E S T I N T. 
XXVIIIfte Taf. Fig. 1. 
"Eperlanus, Gesn. Thierb. S. igo. b. Spirinchus. Ruyfch. t. 47. 1)6. 

Willughb. t. n. 6. f. 4. Trutta. Klein, n. 12. t. 4. f. 2; 

Spirinchus. Schonev. ichth. p. 70. Sunt, Stinkfifch. Fifcher. Liefl. S. 122. n. 221. 

— ■ — §ohnfl. t. 47. f. 6. 

Diefer Fifch, der mit dem vorhergehenden, fowohl in Abficht feiner äufsern Geflalt, 
der Halbdurchfichtigkeit, als auch in der Anzahl der Strahlen, übereinkommt, weicht von 
demfelben in folgenden Punkten ab: 

1) In Rückficht der Gröfse und Dicke des Körpers. Denn er ift als ein Riefe gegen jenen 
anzufehen, indem jener nur drei bis fünf Zoll lang diefer aber acht bis zehn und in 
England auch von dreizehn Zoll Länge und ein halb Pfund fchwer angetroffen wird; 
Narborough's hat fogar in der magellanifchen Strafse welche von zwanzig Zoll Länge 
und acht Zoll im Umfange gefehen a). 
2) 'In Anfehung des Aufenthalts. Diefer gehört in der Nord -und Oftfee, jener in den 

Landfeen zu Haufe. 
3) Des Geruchs, welcher bei dem grofsen nicht fo widrig ift, als bei dem kleinen b). 

Diefe Abweichungen haben mich veranlafst, ihn als eine Abänderung von dem 
vorhergehenden anzuführen. Sein Aufenthalt ifl in den Ticffen der Nord - und Ofifee , 
aus. denen er im November, December und Januar hervorkömmt und an den Küfien er- 
fcheint. In England tritt er auch fchon zu diefer Jahreszeit in die Ströhme c); jedoch 

a) Pennant. p. 314. {Liane Faun. 2. p. 125.) andere aber mit Violen- 

b). Wie feh'r unficher die Urrheile der Men- geruch vergleichen. Chattet, p. T53. Pennant 

fchen bei dem Sinne des Geruchs find , kann p". 314. Ballon, beim Gesn. p. 362, Raji fy- 

man unter andern auch hier fehen, da einige nop. p. 66. 

die Ausdünnungen diefes Fifches mit dem Miß- c) Pennant. p. 314. 



Zwecter Abfchntt. Von den Lafhfen insbefondere, 183 

kommt er nur in kleinen Haufen, zur Laichzeit hingegen, welche im März fällt, in grof- 
fer Menge zum Äbfatz feines Laichs an den im Grunde entblöfsten Steinen zum Vorfchein. 
Zur Laichzeit wird er in grofser Menge gefangen, befonders in Preufsen, wo diefer, 
wie auch der kleine Stint, auf den Böden durch die Luft getrocknet, in Fäfser gepackt und 
nach Fohlen verfendet wird. Auch erhält man ihn- an der Mündung der Elbe häuffig: 
da ihn nun die Hamburger Fifcher nicht alle frifch veralbern können, fo falzen h*e ihn 
eia, und verschicken ihn fo in die benachbarten Provinzen. Er wird wie der vorherge- 
hende verfpeift. In London wird er gefpalten , getrocknet und bei einem Glafe Wein 
des Vormittags gegeiTen. Er erfcheint auch auf vornehmen Tafeln, daher wir denfelben 
aus Hamburg verfclireibcn. Diefer Fifch gehört in den nördlichen Gegenden zu Haufe; 
im mittelländifchen Meere hingegen fucht man ihn vergebens a). 

In Deutfchland heilst diefer Fifch Stint, Seefiint, großer Stint ; in Dännemark und 
in 'England. Smelt; in Schweden Slam; in Norwegen Quatte, Jern- Lodde, Slomme ; in 
Liefland , Stintes , SaUakas und Tim. 

Wulf allegirt unrichtig den Weifsfifch des Liane (Salmo albula) zum Stint b): denn 
da bei jenem der Mund zahnlos ifl ; fo gehört er zur Aefchenfamilie. Eben diefes thut 
auch Herr Fifcher c), welcher aus beiden Stinten zwo Gattungen macht, und zu dem klei- 
ne n den erwähnten Fifch citirt, und Zuckert führt den Stint unter zwei verfchiedenen Namen 
auf, erft unrichtig als Salmo albula, darauf richtig als Eperlanus d). Klein beging den Fehler, 
die Zähne beim Stint zu überfehen, und hält daher das Weisfelchen des Gemcr (Albula cae- 
rulea) und die Bezola des Rändelet mit dem Stint für einerlei Fifch. Auch ift feine Vermu- 
thung , dafs die Albula minima des Gesner eine Abänderung des Stints fey , nicht gegründet, 
da auch diefer Fifch keine Zähne hat, und aus diefem Grande läfst lieh feine Frage: ob 
unter der Aefchenart mit dem hervorgehenden Unterkiefer des Artedi nicht der Stint zu 
verliehen fei ? verneinen. Diefe gehört bei ihm , eben fo wie die angeführte, in das fiebente 
(Coregonus), der Stint aber ins achte Gefchlecht (Osmerus). 

a) Petmunt. p. 313. . c) LielL S. 122. 

b) fchth. p. 37. n. 47. - d) Mat. aliment. p. 263. 



i84 



III. GESCHLECHT. 

Die Heringe. 



ERSTER ABSCHNITT. 

Von den Herinaen überhaupt. 
JtLine fägeformige Linie unten am Bauche. Clupea linea ferrata in imo venire. 

Clupea. Linne. S. N. gen, 188- p- 522. Harengus. PVilhtghb. ichth. p. 218. c. 9. 

— GoKfl». Hift.pifc. gen. 45. p. iog. et 199. — — Klein. MiS. V. §.38- p. 68. 
— - Gronov. Muf. I. p. 5. Heringe. Müller. L. S. 4. S. 363. 

— Artedi. gen. 5. p. 6. Herring. Penn. cap. 39. p. 335. 

Die Fifche diefes Gefchlechts erkennet man an der Linie, welche längs dem 
fchneideformigen Bauche hinläuft und aus einer Reihe gekrümmter harter Schuppen be- 
geht. Der Kopf ift fo wie der Körper auf beiden Seiten zufammengedrückt j der Mund 
öffnet fich oberwärts, und ift inwendig mit kleinen in keiner gewiffen Ordnung flehenden 
Zähnen befetzt. Von den Kinnladen flehet bei einigen der Ober- bei andern aber der 
Unterkiefer hervor- Der erftere ift bei allen Heringsarten mit kleinen Pägeförmigen Bart- 
fafern befetzt. Auf der kurzen in eine ftumpfe Spitze auslaufenden Zunge find einwärtsge- 
krümmte Zähne fichtbar. Die Augen find von mittlerer Gröfse, rund und flehen nahe am 
Rande des Kopfes. Die doppelten Nafenlöcher find länglichrund , und liegen zwifchen der 
Mundöffnung und dem Auge in der Mitte; die Kiemendeckel beliehen aus drei bis vier beinig- 
ten Plättchen. Der gefireckte Körper ift mit Schuppen von mittlerer Gröfse bedeckt, und bis 
auf die Schwan zfloffe, welche lang und gabelförmig ift, mit lieben kurzen Floffen befetzt. 
Die Seitenlinie ift gerade und nahe am Rücken, mit dem fie vom Kopfe bis zum Schwänze 
parallel läufb 



Erfier Abflimitt. Von den Heringen überhaupt. ig* 

Der Aufenthalt dieltr Fifche find die Tiefen der grofsen Meere; ihre Nahrung 
Würmer und Infeckten, befonders folche die zum Krebsgefchlecht gehören, ungleichen 
Schneckenbrut und Eier anderer Fifche. Sie vermehren (ich flark, haben ein 'weichliches 
Leben, und flehen aufser dem WaiTer bald ab. Die Fifche diefes Gefchlechts find von den 
alten Ichthyologen unter den Namen Chalcis, Clupea, Halec, Harengus, Triila , - Alofa , 
Encraficolus und Sardina befchrieben worden, und ihnen waren nur drei Gattungen davon, 
nämlich: der Hering, die Alfe und Sardelle bekannt. In der Folge lehrte uns V/illughhy a) 
den Sprott, den er aber nur für einen jungen Hering hielt, kennen- Er giebt dk-fem 
Gefchlechte zwar zehn Arten, allein da er aus allen denen, welche unter verfchiedenen Be- 
nennungen bei den Schriftflellern vorkommen, eigene Arten gemacht hat; fo gefchahe es, 
dafs er die wirklichen drei bis auf zehn vervielfältigte. Hierauf fügte Ray b den zehn 
Arten des WiUaghby noch zwo hinzu, nämlich den kleinen Hering e) , welcher fich an 
den malabarifchen Küflen findet, und die kleine Maräne, die aber, wie wir bereits wif- 
fen, in das Lachsgefchlecht gehört. Nachher haben uns Sloan und Braun einige amerika- 
nifche bekannt gemacht , die Klein unter feinen acht Species diefes Gefchlechts mit aufführt j 
worunter er aber feinen fogenannten Heringskönig unrichtig zu einer befondern Gattung 
macht: denn diefer unterfcheidet fich nur von den übrigen durch die flärkere oder fchwä- 
chere B.öthe, die man bald am ganzen Kopf, bald auf einer Seite deffelben wahrnimmt; auch 
kommen diefe nicht alle Jahr, fondern nur zu Zeiten, und zwar wenige allein im Frühjahr, 
unter den übrigen Strühmlinge-n mit zum Vorfchein. Die fchwedifchen Fifcher e) nennen 
fie Huffloet oder rothköpfigte Ströhmlinge, und weil fie, wenn diefe fich zeigen, gewöhnlich 
einen guten Fang fich zu vetfprechen haben; fo werden fie von den Fifchern an andern Ge- 
genden der Oftfee Heringskönige genannt. Linne führt eilf Gattungen auf, und unter ihnen 
den Breitbauch des Gronov d), da aber diefer keine BauchflofTen hat, und alfo in die Ordnung 
der Kahlbäuche gehört; fo ift es mir unerklärbar, was den Ritter veranlafst haben mag, den- 
felben zu einen Flering zu machen. 

a) Ichth. p. asi. b) Synop. p. 103.106. d) Muf.II.Gafl-eropelecusp.7. n.155. allwo er 

c) Er fteht im Appendix des Wilhighby Ichth. -eis befonderes Gefchlecht aus ihm macht. 
auf der erften Tafel Fig. s. abgebildet, e) Schwed. Abhandl. 10. E>. §. iifi. 

Aa 



ig 6 Zweeter Abfchnitt. Von den Heringen imbe fonder e-. 

ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Heringen insb e fonder 

DER HERING. 
XXIXfle Taf. 



Ip £> er JLA-r Unterkiefer hervorflehend, fiebenzehn Strahlen in der Afterfloffe. K. 8. Br. ig. B. 9. 
Hering. A. 17. S. ig. R. 18. 

Clupea maxillii inferiore longiore , pinna am radiis XVII. B. VIII. P. XVIII. V. IX. 
A. XVII. C. XVIII. D. XVIII. 

Clupea Harengus immaculata, maxilla infe- Halec. Blaßt. Anat. p. 277. 

riore longiore. L. S. N. Harengus et membras autorum. 

p. 522. n. 1. — Flandricus Aldrov. Pifc. n. 294. 

— — Fabric. feun. groenl. p. J82. Der StrohmÜng. Schwed. Abhandl. 10. B. S.109. 
Clupea , maxilla inferiore longiore , maculis ni- — — Fifcher. Liefl. S. 109. 

gris carens. Artedi. gen. p. 7. n. 1. Der Pöckelhering. Müller. L. S. 4. S. 363. 
fyn. p. 14. fpec. p. 37. Süd. Pontop. Norw. 2Th. S. 270. 

— Gronov. Muf. I. p! 5. n 21. Herring. Penn. Britt. Zool, t. 3. p. 335. 
Halec. Charlet. Onom. p. 122. Le Hareng Cours. S. N. t. V. p. 116. 

Der Hering der Nordfee, oder der Str'öhmling der Oflfee, läßt fich an den krummen 
vor dem Obern hervorragenden Unterkiefer und den fiebenzehn Strahlen in der Afterfioffe 
von den übrigen Gattungen diefes Gefchlechts leicht unterfcheiden. In der Kiemenhaut find 
acht, in der Bruft- Schwanz- und RückenflofTe achtzehn und in der BauchflofTq neun Strah- 
len befindlich. Der Kopf ift klein, das Auge grofs, der Ring in demfelben filberfarben und 
der Stern fch warz. Die Mundöfnung ift klein , die Zunge kurz , fpitzig und eben fo wie 
der Mund inwendig mit kleinen Zähnen befetzt. Am Kiemendeckel fällt gewöhnlich ein 
violetter oder rother Fleck in die Augen, der aber bald nach dem Tode verfch windet. Der 
Rücken ifl dick, rund und fchwärzlichj die kaum merkbare gerade Seitenlinie befindet fich 
nahe an demfelben , die Seiten find filberfarben. Der Bauch ifl aufser der Laichzeit fcharf 



Zwectec Abfchnitt. Von den Heringen insbefondere. i§7 

und figcförmig. Sämtliche Flößen haben eine graue Farbe, und find, bis auf die gabel- 
förmige Schwanzflofle, nur klein. 

Diefer fo allgemein genutzte Fifch, der fowol auf den Tafeln vornehmer Perfonea, 
als auch in den Hütten armer Leute eine willkommene Speife ifl, war unfern Vorfahren 
längit bekannt, jedoch bei ihnen lange nicht von der Wichtigkeit, die ihn, feit verfehiedenen 
Jahrhunderten, zu einen fo beträchtlichen Vorwurf des Handels macht: feitdem man ihn 
nämlich durch das Seefalz vor der Fäulung zu bewahren gelernt hat. Ohnftreitig hat ein 
Zufall jenem guten Brabanter, dem Willhelm Beuckel a), gegen Ende des dreizehnten Jahr- 
hunderts, diefes Mittel an die Hand gegeben, wodurch eben fo viele Menfchen ihren Un- 
terhalt, als durch einen andern, der den Schivarz die Kraft des Pulvers kennen lehrte, 
ihren Untergang finden. Wahrscheinlich wollte Beuckel feinen Ueberflufs an diefen Fifchen, 
bis zu einer andern Zeit aufbewahren, und es gelang ihm diefes Mittel in dem F.inpö:keln 
mit Seefalze zu finden, welches in der Folge der Zeit, durch Nachdenken und Fleifs, zu 
der gegenwärtigen Vollkommenheit gediehen ifl:. Diefer Wohlthäter fo vieler Völker ver- 
diente alfo mit Recht jene Aufmerkfamkeit des Kaifers Carl des Vten, da er noch andert- 
halb hundert Jahre nach dem Tode diefes Erfinders, deffeiben Andenken dadurch feierte, 
dafs er einen Hering auf feinem Grabe verzehrte. Diefe Erfindung ifl um fo viel wich, 
tiger, da diefer an fieh weichliche und fette Fifch, vorzüglich in der heifsefien Sommers- 
zeit gefangen wird, wo er ohne das Einfalzen bald verderben würde. 

Wir treffen diefen Fifch in dem nordlichen Ocean und der damit verbundenen 
Nord - und Oftfee; fo wie auch im atlantifchen Meere an, allwo er fich in den Tiefen 
aufhält, die er theils im Frühjahr, theils im Sommer und Het-bfl verliefst, und an die flache- 
ren Stellen, ohnweit der Rüden, Buchten und in den Mündungen der Flüfse fich hindrängt, 
um allda feinen Laich abzufetzen. 

Aa 2 



a) Andere wollen, er fey ein fchottländi- Heringe und felbige einzupacken gelehrt hätte; 

fcher Fifcherigewefen, der aus Mifsvergnügen und wirklich waren auch die flanderifchen He- 

über fein Vaterland, daffelbe verjaffen und die ringe eine lange Zeit in fehr gutem Rufe. 
Flanderer das Geheimnifs des Ernfa'zens der 



igg Zweetcr Mfchmtt. Von den Heringen insbesondere. 

Es wird zwar durchgängig geglaubt, dafs fich die Heringe nur in dem nördlichen 
Eismeere aufhielten, und von da aus grofse Reifen nach den mitternächtlichen Theiien von 
Europa und Amerika unternähmen, die Dott a) und Anderfon b) folgendergefhh befchreiben: 
Sie fagen, dafs die Heringe, aus Furcht vor der Menge der Feinde, die ihnen nachftellen, 
das Eismeer zu ihrer Wohnung auserkohren hätten, als wohin ihnen die Wallfifche, See- 
hunde und Meerfch weine, da es ihnen unter dem Eife an frifcher Luft gebräche, nicht nach- 
folgen könnten. Weil ile fich nun hier Hark vermehrten, fo würden fie genöthigt, aus 
Mangel an Nahrung, mit dem Anfange eines jeden Jahres, Colonien auszufenden. Diefe 
nun dehnten, fo wie fie fich unter dem Eife hervorgedrängt hätten, fich in die Breite von 
einigen hundert Meilen aus: wie fie aber an den mancherley Raubthieren, die aus einem 
befondern Naturtriebe auf diefem Wege (Ich ihnen entgegenfetzten, fehr furchtbare Feinde 
fänden; fo würden fie in ihrem Zuge geftohrt und theilten fich in zween Flügel, davon der 
rechte gegen Weften, der linke aber gegen Ofien gierige. Jene drängten fich in einander, 
und fachten an den isländifchen Küften einen Zufluchtsort, allwo fie im März anlangten 
und von da wefiwärts nach den terraneuvifchen Bänken zögen. Wo fie alsdenn blieben, dies 
wifle mm nicht genau. Der andere hingegen, richte feinen Lauf gegen Süden und theile 
fich in zwo Colonnen, davon die eine längs den norwegifchen Küften herunter, durch 
den Sund und den Beb in die Oftfee, der andere aber wefiwärts nach den orkadifchen In- 
feln und Hitland giengen. Hier (renne der letzte fich wieder und ein Theil nähme feinen 
Zu» nach Irrland und Schottland, ferner um Irrland herum in die fpanifche See und durch 
den Canal zu den niederländischen Küften: der andere aber längs den örtlichen Küften von 
Schottland und Engelland , in die Nordfee , wo fich denn beide Colonnen wieder vereinigten. 
Allenthalben follten diefe grofse Heerzüge auch kleinere an den Küften von Frankreich, Bra- 
band, Flandern, Holland, Friesland, Seeland, ferner an den von fchleswigfchen, holfteinfehen, 
bremenfehen, lübeckfehen, pommerfchen, fchwedifchen , dänifchen und liefiändifchen Küften 
abfehicken, aus denen allen fie, nachdem fie fich ihrer Beftimmung gemäfs den Menfchen 
dargeboten, in der Nordfee Avieder fammleten, und verfchwänden : wenigftens träfe man 



a) Im Atlas meritimus et commercialis. 1728- b) Nachrichten von Island. S. 58 — 78- 



Zweiter Mfchnitt. Von den Heringen insbesondere, ig<? 

auf keiner europäifchen Küfle Spuren von ihnen an, und man glaubt daher, dafs fie in ihr 

Vaterland zurückkehrten. 

So finnreich und wundervoll man die Sache vorgeftellt, und fo allgemeinen Beifall 

fle auch gefunden hat ; fo kann ich doch nicht umhin , meine Zweifel dagegen vorzutragen , 

und andern Gelehrten zur Entfcheidung zu überlaffen. 

i) Ifi es unrichtig, dafs der eine Flügel lieh alle Jahr nach Island ziehen follte, da nach der. 
Verficherung des Horrcboiv a), welcher lieh einige Jahr auf diefer Infel aufgehalten, 
oft viele Jahre verftreichen , ehe man dafeibft die geringfle Spur von Heringen antrifft, 
und nach dem Hrn. Fabricius fle unter die fcltenen Fifche Grönlands gehören b): auch 
ift diefes aus dem Grunde wahrscheinlich , weil fonfl die auf alle Arten des Fifchfangs 
aufmerkfame eänifche Regierung auch hier diefe einträgliche Fifcherei betreiben 
lallen würde. 

2) Ift es nicht möglich, dafs fie in dem kurzen Zeitraum, vom Frühjahr bis zum Herbft 

einen Weg von fo vielen taufend Meilen machen können: denn es ift gewifs , dafs, 
wie ich bereits anderswo angeführt habe c), ein Fifch in füfsem Wafler innerhalb vier 
. und zwanzig Stunden einen Weg von nicht mehr als eine viertel bis eine halbe Meile 
zurücklegen könne, wie viel weniger wird diefes beim Heringe ftatt finden können, 
da er auf feinen weiten Reifen in dem fchwerern SalzwafTer mit Stürmen und Wellen 
zu kämpfen hat. 

3) Bemerkt man die Heringe das ganze Jahr hindurch. So fängt man fie z. B. häufig in der 

Oftfee an vielen Oertern vom März bis im November d) ; eben diefes gefchiehet auch in 
Norwegen e) und an den hitldndifchen Küften f). Auch an der engländifchen Küfle 
findet man fie das ganze Jahr hindurch, und .die Fifcher zu Scarborough ziehen nie 
ihre Netze ein, ohne unter den übrigen Fifchen auch einige Heringe darinn zu fin- 

Aa 3 



a)~Zuverläfs'ge Nachrichten von Island. S. 213, d) Schwed. Abhandl. 10. B. S. «4. 

b) Fauna Groenl. p. 182. e) Pontopp.~N$itarh.v. Norwegen. S. 27g. u. f. 

c) Beim Lachs und dem Schnepel. f ) Penn, Zoolog. III. S. 336. 



,p Zmeter Abfchnitt. Von den Heringen hubefondere. 

den a), und die holländifchen Fifeher fetzen ihre Fifcherei ohnweit den fehottifchen 
Küften, wenn der Fang nicht ergiebig war, bis im Februar fort; auch in Nordholland 
vor Enkhuizen, Moncksndam und Hoorn wird im Februar, März und April diefe 
Fifcherei noch getrieben. Endlich werden auch in Schweden im Winter welche aus- 
gefifcht b). 
.4) Wenn diefe Fifche insgefatr.mt vom Nordpol herkommen feilten, warum fucht denn 
nur die kleinere Art derfelben, die Ströhmlinge; in der Oft- und die gröfsere in der 
Nordfee ihre Zuflucht? 

5) Wenn die Verfolgungen der Wallfifche fie forttriebe 5 fo ift nicht abzufehen, warum 

fie noch viele hundert Meilen weiter gehen follten, als nöthig wäre, diefer Gefahr 
auszuweichen. Oder follte etwa der Anblick diefer Ungeheuer, oder gar die fürch- 
terliche Mufik, welche diefelben mit vereinigten Tönen, wie Herr Str'öhm erzählt c), 
machen folien, einen folchen ftarken Eindruck auf fie gemacht haben, der fie auch 
lange nach überftandener Gefahr nicht verliefse? und in diefem Falle fehe ich nicht 
ein, wirum fie fleh derfelben gegen dem Winter bei ihrem Rückzüge wieder aus- 
fetzen folken. 

6) Wenn der Hering aus Norden wegziehen follte, würde er wohl den ganzen Somn^er 

hindurch in Menge in Norwegen können gefangen werden ? würden fie nicht eben 
fo gut wie die Zugvögel nur zu einer gewiffen Zeit häufig und zur andern fparfam 
oder gar nicht vorhanden feyn muffen? 

7) Würde man alsdann auch auf ihrer Rückreife Spuren von ihnen haben muffen, und ge- 

fetzt, fie näherten fich auch nicht den Kürten, fo würden doch die Vögel, Seehunde, 
Cabeljau und Wallfifche, welche ihnen in offenem ! Meere auflauern , ihr Dafeyn 
verrathen. 

8) Wenn die Heringe nur aus Mangel an Nahrung Colonien ausfehicken follten, warum 

gefchähe diefes beftändig zu ein und eben derfelben Jahreszeit: oder ift etwa ihre Vor- 
ratskammer jedesmal mit dem Ende des Jahres erfchöpft? 



a) Penn. S. 340. b) Schwed. Abhand!. 10. B. S. 1T3. 114. c) Linne S. N. p. 523. 



Zwectcr Abfchnitt. Von den Heringen insbefondere. igi 

9) Wenn die Wallfifche nach der angenommenen Meinung fie haufenweife in die Buchten 
treiben follten, warum finden fie fich denn an eben diefen Stellen in der Nord -und 
Oftfee in Menge ein , in welchen diefe Thiere nicht vorhanden find ? 

Alle diefe Schwierigkeiten aber find gehoben, wenn wir als getreue Beobachter die 
Natur in ihren Wirkungen nachfpüren. Die Heringe haben diefes mit allen andern Fifchen 
gemein, dafs fie zur Laichzeit ihre Lagerflätte verladen, und die zu ihrem Laichen bequeme 
Stellen auffuchenj fie kommen daher, eben fo wie die übrigen, aus dem tiefen und ebenen 
Grunde hervor, um an den rauhen Boden der flacheren Stellen, der durch das Zurückpral- 
len der Wellen und Einftürzen der Ströme entfteht, laichen zu können, und aus diefem 
Grunde ift zu der Zeit, wenn der Fang am ftärkften ift, der Milch und Rogen allezeit 
locker a), folglich der Zeitpunkt des Laichens nahe, und diefer Trieb, nicht aber die Furcht 
vor den Wallfifchen, lockt fie hin an, diefe Stellen. Da auch alle übrige Fifche, wie ich 
bereits an mehreren Stellen gezeigt habe, theilweife zu drei verfchiedenen Zeiten Laichen, 
die fich gewöhnlich nach dem Alter richtet j da ferner felbft die Laichzeit ein und eben 
deffelben Fifches nach der verfchiedenen Temperatur des Waffers und der Himmelsge- 
gend bald früher, bald fpäter einfällt, wie uns folches die tägliche Erfahrung bei unfern 
Flufsfifchen an Händen giebt b) ; fo läfst fich daraus begreifen, warum der Hering zu ver- 
fchiedenen Zeiten zum Vorfchein kömmt. So zeigt fich z. B. in der Oftfee und an den nor- 
wegifchen Küften im Frühjahr zum Laichen eine kleinere Art, im Sommer aber eine geös- 
fere; im Herbft hingegen erfcheinet wiederum eine kleinere, die noch mit Rogen und 
Milch angefüllet ift und folglich erft laichen wird. Eben diefes ift auch im fchottländi- 
fchen Meere der Fall, und fogar ftimmt damit die kaufmännifche Eintheilung der Hol- 
länder in Majccken, Hohl- und Vollheringe überein. Die Hohlheringe nennen fie folche, 
worinnen fie weder Rogen noch Milch finden ; Majecken aber, deren Rogen und Milch flüs- 
fig ift , und Vollheringe deren Leib mit Milch und Rogen angefüllt ift. Nun find ihre 
Hohlheringe keine andere als die, welche bereits im Friihlinge gelaicht, fo wie die Voll- 



a) Schwed. Abhandl. 10. B. S. 116. b) Siehe oben S. 13t. 



ipa Zweiter Ähßhuiit. Von den Heringen insbcfondcre. 

beringe nur folche, die diefes Gefchäft erft im Herbfl verrichten werden, dahingegen 
die Majecken diejenigen find, welche ihr Gefchlecht im Sommer fortpflanzen. Es ifl ferner 
ausgemacht, dafs die See- und Flufsfifche, welche im Frühjahr aus den Landfeen oder aus 
den Meeren in die Flüfse fleigen, nicht eher als im Herbft an den Ort ihres gewöhnlichen 
Aufenthalts zurückgehen: diefes ift auch ohne Zweifel bei den Heringen der Fall, und hier- 
inn liegt der Grund, warum diefelben gegen den Winter fad durchgängig verfch winden. 
Auch ift es möglich , dafs der Hering als ein kleiner Seefifch eben fo , wie verfchiedene 
kleine Flufsfifche mehr als einmal im Jahr laiche. Die Natur handelt zur Erhaltung der 
Gattungen nach einfachen aber zweckmäßigen Gefetzen; denn da die kleineren gar leicht 
ein Raub der gröfseren werden ; fo mufs auch die Vermehrung bei jenen ungleich flärker 
als bei diefen feyn, und würde. daher das mehrmalige Laichen ein Mittel zu diefer Abficht 
feyn , fo wie wir folches ebenfalls bei den kleinern Vogel - und andern Thierarten finden. 
Eben diefe falt unbegreiflich fcheinende fiarke Vermehrung verleitete jene Schriftfieiler, 
dafs fie die Werkflatt diefer Fifche nach dem Nordpol unter das Eis hin verlegten. Wenn 
wir bedenken, welch ein ungeheurer Raum den Heringen zu ihrem Aufenthalt angewiefen 
worden ift ; fo dürfen wir uns über den grofsen Vorrat h und den jährlichen Erfatz des über- 
ausorofsen Verlufles, den fie leiden, eben fo wenig, als über den Abgang und die Ver- 
mehrung unferer Flufsfifche, denen in einem verlwltnifsmäfsig weit geringern Raum Jahr 
aus, Jahr ein unabläfs ; g nachgeflellt wird, verwundern. Die Vermehrung der Fifche 
müfste, wenn man fie in der Laichzeit weniger ftöhrte, unglaublich flark feyn. Ich kann 
diefes durch eine von einem einfichtsvollen Landwirth noch kürzlich gemachte Erfahrung 
beftätigen. Diefer legte Karpfenteiche an, und fezte in feinen fieben Morgen langen und 
mit guter Nahrung verfehenen Streichteich drei Rogener und vier Milcher ; er erhielt davon 
hundert und zehn taufend Saamenkarpfen zu feinem gröfsten Schaden , denn die Menge war 
zu ftark, um als folche die gehörige Gröfse erreichen zu können. Einen merkwürdigen 
Umftand der ungewöhnlichen flarken Fortpflanzung des Herings finde ich auch in der weit 
ßärkern Anzahl der Milcher a); denn das die Polygamie eine reiche Nachkommenfchaft bei 
den Fifchen zuwege bringe, habe ich Dereits erliefen b). Es trägt auch der Ort, wo fie 

a) Schwed. Abhandl. 10. B. S. 114. b) S. 117. 



Z:veeicr Äbfchnitt, Von den Heringen imbefondere. j$ ^ 

ihre Eier abfetzen, hierzu nicht wenig bei : denn da dsefe im Grunde, und zwar in einiger 
Entfernung vom Ufer, geschieht; fo.iinJ felbige weit weniger der Gefahr, d:.rch Stürme und 
Ueberfchwemmungon verfciilagen zu werden und umzukommen, ausgefetzt. Noch einen 
Umftand mufs ich berühren. . Eins der weifen Gefetze, welche die Generalflaaten zur Er- 
haltung des guten Rufs ihrer Heringe den Fifchern gegeben, trägt nicht wenig zur Ver- 
mehrung derfelben bei. Sie verpflichten nämlich ihre Schiffer und Matrofen, vor ihrer Ab- 
fahrt auf den Heringsfang, durch einen Eid, ihre Netze nicht vor dem fünf und zwanzig- 
ften Jun auszuwerfen und dafs fie diefe Anordnung befolgt, muffen fie nach ihrer Rückkunft 
von neuem eidlich betätigen. Der Endzweck diefer Verfügung zielet zwar eigentlich 
darauf ab , die befee Art Heringe zu erhalten, und dielen erreichen fie nicht nur, 
fondern es wird auch zugleich die Fortpflanzung der Heringe .dadurch begünfligt, weil 
die Frühjahrsheringe in dem Laichgefchäfte nicht geftöhret werden. Noch ein anderes 
Gefetz , vermöge deffen die Fifcher nicht lange* als bis zum fünf und zwanzigflen Janner 
fifchen dürfen, entfprieht dieler Abficht vollkommen, indem dadurch auch für diejenigen 
geforgt ift, welche diefes Gefchäfte fpäter verrichten. Da die Fifche, wenn fie nicht durch 
Stürme oder einen andern Zufall daran gehindert werden, gern an den Oertern fich wieder 
einzufinden pflogen, wo fie einmal gelaicht haben a), oder da, wo fie gebohren find b); 
- fo läfst fich daraus erklären , warum die Holländer feit einigen hundert Jahren ihre Fifcherei 
mit gleich gutem Erfolge fortfetzen können, da fie bei anderen Nationen nicht fo glücklich 
ift. So war in Norwegen die Heringsfifcherei vormals ungleich beträchtlicher als gegen- 
wärtig. In Schweden hat fie gleichfalls fehr abgenommen, und in Preufsen, wo fie ehe- 
dem anfehnlich war, haben fich die Heringe faft gänzlich verloren c). Es ift indeffen eine 
ununterbrochene Fifcherei nicht die alleinige Urfach, wenn fich einFifch von einem Gefhde 
gänzlich verlieret, fondern es entgehen den Fifchernetzen noch immer genug , welche das Ge- 
fchlecht vor dem Untergang flehern; wenn nur nicht die Fifcher, durch Haabfucht getrieben, 
die Mafchen ihrer Netze zu fehr verengen , und, wie es die fchwedifchen Fifcher machen , 



a) Siehe oben S. 13t. c) Siehe Earthiochs Alt- und Neupreufsen. 

b) Peter Kalms Reife nach Nordamerika. S. 206. 

2 Thl. S. 432. 

Bb 



jp4 Ziveeter Abfchnitt.- Von den "Heringen insbe fonder e. 

die Brut zugleich mit ausfifchen, die dann wegen ihrer Menge in den Säcken erflickt. 
Hierdurch haben fie lieh in der Folge einen unerfetzlichen Schaden zugefügt 2), und diefes 
mag vielleicht auch an dem verlorenen Heringsfang in Preufsen Schuld feyn. Es iß alfo 
das Gefetz der Holländer, welches verordnet , dafs die Mafchen der Netze von einer unver- 
änderlichen Weite feyn muffen, von grofsem Nutzen: denn fie erlangen dadurch nicht nur 
den Vortheil, da r s fie lauter grofse Heringe. fangen, fondern fie veriiehern fleh auch dadurch 
diefen Fifch auf die Zukunft, indem die kleinen durch die Netze gehen und ihr Gefchlecht 
weiter fortpflanzen können. 

Endlich wiffen wir auch aus der Erfahrung, dafs Waffcr, Boden und andere Um- 
ßände gar fehr dazu beitragen , wenn die Fifche in dem einen See u. f. w. gröfser , fetter und 
wohlfchmeckender werden, als in dem andern. Da nun der Lachs und die Lachsforelle in 
der Oflfee denjenigen bekanntlich weit nachflehen, die in der Nordfee gefangen werden 5 
fo fcheint eben diefer Grund auch auf die Heringe angewendet werden zu muffen , welche 
in der Oflfee ungleich kleiner und fchlechter ausfallen, als in der Nordfee. 

Der Hering, der fo oft der Raubbegierde anderer Thiere blofsgeflellet iß, gehöret 
felbft, wegen des gezahnten Mundes, zu den fleifchfreffenden Fifchen. Vorzüglich lebt er 
von kleinen Krabben-, die Neucrantz häufig halb verdauet in feinem Magen gefunden hat 5 
ungleichen bemerkte Loeivenhoek in feinem Speifekanal vcrfchlungenen Rogen. Auch Wür- 
mer find ihm eine angenehme Speife, und es haben die norwegifchen Fifcher feine Ge- 
därme oft mit einer rothen Art derselben , welche fie Roe - aat nennen b) angepfropft 
gefunden c). Es find diefe nicht, wie man in der dortigen Gegend glaubt, eine 
Krankheit diefer Fifche, fondern weil diefe kleinen Thierchens weit gefchwinder in 
Fäulnifs übergehen, ehe noch der Hering vom Salze durchdrungen ifl, fo wird diefer 
dadurch mit angegriffen. So bald man demnach in den bereits gefifchten Heringen derglei- 
chen Würmer bemerkt, fo läfst man fie noch einige Tage im Waffer, da fie denn die- 
felben völlig verdauen, und die Heringe in der Folge beim Einfaken gut bleiben. 

a) Schwed. Abhandl. 10. B. S. 130. c) Nach des Hrn. Prof. Fabricius Meinung, find 

b) Pontopp. Naturh. v.Nor weg. S.o j. und 280. es kleineKrebfe. Siehe deff.Reife nachNorw.S.280. 



Zmcter Abfchnitl. Von den Heringen insbefondere. 195 

Wie wir wiffen , fo laicht der Hering zu verfchiedenen Zeiten, und man hat dabei 
folgendes bemerkt. Ein Paar Tage ehe er in Menge erfcheint, flehet man einzelne zerftreute 
Milcher, und auch hiernach^ unter dem Haufen felbfl mehr Männchen als Weibchen. Wenn 
er nun im Begriff ift, den Laich von fich zu lauen, fo reibt er den Bauch an den Steinen, 
legt fich bald auf die eine bald auf die andere Seite, zieht mit aufgefperrtem Maule das 
Waffer fchnell ein , flökt es fogleich wieder von fich und macht heftige Bewegungen mit 
den Flofsen. Weil er nun gewöhnlich in ganzen Haufen erfcheint, fo wird das WafTer 
von der grofsen Menge der verfchütteten Saamenfeuchtigkeit trübe und zu diefer Zeit, ver- 
breiten diefe Fifehe "weit umher einen widrigen Geruch, verlieren auch durch das Zufam- 
mendrängen einen Theil ihrer Schuppen, die man denn auf der Wafferfläche herum fchwim- 
men ficht, und diefe Umllände find es, welche den Fifchern auch mit zum Zeichen dienen, 
wo fie ihre Netze aufzuhellen haben a). 

Der Hering der Oflfee laicht, wenn das Eis aufzugehen anfängt, und diefes dauert 
bis zum Ende des Brachmonats. Darauf folgt die grofsere Art oder der Sommerhering und 
endlich der Herbflftröhmling von Bartholomäi bis in der Mitte des Septembers. Es laichen 
aber alle diefc Arten nicht auf einmal, fondern nach und nach. Sie erfcheinen zu diefem 
Ende in Haufen und nachdem fie diefes Gefchäft in zwei bis drei Tagen verrichtet, fo fchies- 
fen fie, mit einem dem RegengufTe ähnlichen Geräufche, wieder in das hohe Meer zurück. 
Jedoch hält fich der Sommerhering oder der Süd zu diefer Zeit weiter vom Ufer entfernt, 
und laicht mehr in der tiefern See. Man erkennt folches an den Eiern, womit die Netze 
und die Stricke derfelben oft wie mit einer Rinde umgeben find. Dafs übrigens die Heringe 
zu diefer Zeit in wohlgeordneten Zügen erfcheinen, darf ich nicht erft weitläuftig befchrei- 
ben, da man diefes nicht nur bei andern Fifchen, wie folches beim Rothauge, Lachs 
und Schnepel angeführt ift, fondern auch bei den Zugvögeln, den Feldmäufen und der 
Heerraupe bemerkt. 

Die Heringe find mancherlei Verfolgungen ausgefetzt , und vorzüglich flellen die 
Menfchen ihnen fehr nach, welche denfelben nicht nur allenthalben an den Küflen auflauern , 

Bb_2 

a) Schwed. Abhandl. 10. B. S. 114. u. f. 



\<y& Ziveeter Abfchnitt. Von den Heringen iiislefondere. 

fondern ihnen auch, wie befonders die Holländer zu thun pflegen, ganze Flotten in dem 
hohen Meere entgegen fchicken; fonft thut ihnen von den oben angeführten Feinden der 
Nordkaper grofsen Abbruch, welcher fie bei taufenden verfchlingt. Diefer macht durch das 
fchnelle Umdrehen feines Körpers einen fo ftarken Wirbel, dafs nicht nur eine Menge He- 
ringe in feinen aufgefperrten Rachen , wie in einen Schlund hineingezogen werden , fon- 
dern wenn auch kleine Bote fich in der Mähe befinden, fo empfinden fie diefe Bewegung 
mit a). Hiernächft thun denfelben die Vögel, welche zu taufenden auf fie ins Waffe r 
hinab fchiefsen, vielen Schaden, und hierunter ift die Heringsmäve (Larus fufeus L.) 
die vorzüglichfte , welche daher den Fifchern zum Zeichen dienet, wo die Heringe 
fich aufhalten und wo fie ihre Netze aufzufteüen haben. Denn, ift ihr Flug hoch, fo 
fleht der Hering tief, im entgegengefetzten Fall aber fchwärmen fie nahe an der Ober- 
fläche des Waffers herum. Bei fehr heifser Witterung hält er fich in der Tiefe auf, und 
alsdenn können diefe Vögel nicht als Kundfehafter gebraucht werden, daher denn auch der 
Fang alsdann fchlecht ift. 

Dafs der Schnepel dem Heringe nachgehe, um fich an feinen Eiern zu fä'ttigen, 
und dadurch eine noch fiärkere Vermehrung verhindere, ift bereits oben (S. 164.) ange- 
führt worden. Eben diefes fagt man auch von der Lachsforeile b). 

Wir finden in dem Weltmeere manche Gattungen von Fifchen überaus zahlreich , 
wie den Stint, die Schollen, den Dorfch u. f. w.; keine einzige Gattung aber ift fo häufig 
als der Hering, von welchen die Menfchen fchon feit mehreren Jahrhunderten, nach einer 
mäfsigen Berechnung jährlich wenigstens taufend Millionen tödten und gewifs eben fo viel von 
anderen Thieren verzehrt werden. Wie grofs der Vorrath diefer Fifche feyn muffe, läfst 
fich unter andern auch daraus abnehmen, dafs man in dem norwegifchen Kirchfpfel Svanoe 



a) Es läfst fich aus folgender Gefchichte im wagte und daher zur Ebbezeit auf dem Strande 
Horrebow S. 215. abnehmen , wie viel Heringe fitzen blieb ; fo fanden fie bei der Eröfnung def- 
ein folcher Fifch auf einmal verfchlingen könne, felben in feinem Magen fechs hundert lebende 
Als die Isländer fich einftmals eines Wallfifches Dö'rfche, und anfserdem noch eine Menge Breit- 
bemächtigten, welcher den Dorfchen nachgieng, linge und einige Waffervögel. 
auf feiner Streiferei fich zu nahe ans Land b) Schwed. Abhandl. 10. B. S. 117. 



Zrc;eter Abjchnht. Von den Heringen insbefondere. j£>7 

aus einer einzigen Bucht im Jahre 174g fo viel Heringe fing , dafs achtzig Jagten damit 
angefüllt wurden. Zur Ladung einer Jagt gehören hundert Tonnen und eine Tonne ent, 
hält von den norwegischen kleineren Heringen 1200 Stück, Da nun, nach der Verliehe, 
rung des Pontoppidan a), wegen ihrer grofsen Menge, eben fo viel in der Bucht erdickt 
und umgekommen find, fo mufs diefer Bezirk über neunzehn Millionen Heringe in fleh 
gefafst haben. Sonfl fo'l man auch, nach der Erzählung eben diefes SchriMellers b), mit 
einem einzigen Netzzuge dafelbfl fo viele Heringe gefangen haben, dals hundert Jagten 
oder zehn taufend Tonnen damit angefüllt worden, und noch kürzlich hat Herr fabrkim 
uns versichert, dafs man aus einer einzigen mit dem Netze umfpannten Bucht manchmal 
Heringe für viele taufend Tonnen ausfifchen könne c). Da überhaupt der Heringsfang für 
dieles Land der vornehmfte Nahrungszweig ifl , fo haben die Norweger den Hering zum 
König der Fifche gemacht : aus Bergen allein werden jährlich einige hundert Schiffsladungen 
davon ausgeführt, und im Jahr 1752, in welchem der Fang nur mittelmäfsig war, find 
vom Jänner bis Ocfrober aus diefer Stadt 1,1013 Lafien oder 132,156 Tonnen verfchifft wor- 
den d), diejenigen nicht mit eingerechnet, welche noch. gegen Ende deffelben Jahres aus- 
geführt wurden , und gleichfalls eine fehr beträchtliche Anzahl ausmachten. Rechnet man 
nun noch mit hinzu , was aus andern Städten diefes Landes verfchickt wird , und die grofse 
Menge derer, Welche theils frifch, theils gefäuert verzehrt und zum Köder. für alle andere 
Fifche im Lande verbraucht werden j fo kann man die eben angeführte Zahl flcher mit drei 
vervielfältigen, wodurch eine Summe von 396,468 Tonnen herauskommt, von folchen nämlich, 
die nur in diefem Lande jährlich gefangen werden. Die Holländer fchicken jährlich taufend 
bis zwölf hundert Büfen auf den Heringsfang aus. Auf eine Büfe wird gewöhnlich fünf 
und zwanzig Lad gerechnet, und viele davon werden wol zweimal damit angefüllt., wenn 
anders der erde Fang durch die Jäger (leichte Fahrzeuge) gefchwind genug ans Land ge- 
bracht wird. Nimmt man nun an, dafs nur taufend Büfen ausgingen; fo fangen auch 

B b 3 



a) Naturh. von Norwegen. S. »81. c) Reife nach Nor w. Hamb. 1779, in 8> S. ; 28o, 

b) a. a. O. S. 278. d) Pontopp. a. a. O. S. 276, 



ip3 Ztveeter Abfchütl. Von den Beringen insbefonder.e. 

die Holländer, den Kufen zu fünf und zwanzig Laß und jede Tonne, wovon zwölf auf 
eins Lafi. gehen, zu taufend Heringen gerechnet, jährlich 624,000,000 Stück, In Schottland 
und Irriand thut man den Heringen keinen geringern Abbruch: denn allein aus Clyde in 
Schottland werden jährlich auf dreifsig taufend Tonnen nach Frankreich und aus Yarmoutn 
vierzig taufend Tonnen verfehifft. Bisweilen ift an diefem Orte der Fang fo reich, dafs 
fich mit felbigem sn taufend und ein hundert Fahrzeuge befchäfrigen, welche an vierzig Mil- 
lionen Heringe fangen. Rechnet man zu den bisher angeführten Summen noch dasjenige, 
was an den übrigen Küften von England, Schottland, Irrland, Holland, Braband, Flandern 
gefangen wird ; fo kommt eine ungeheure Menge heraus. Ueberdies falzen die Franzofen 
ohngefehr fechszig taufend Tonnen davon jährlich ein und' in der Chefapeakbugt fpühlen 
die Ueberfchwemmungen jährlich fo viel Heringe an das Land, dafs ihre Anzahl, wenn 
fie in Fäulnifs geräth, für die Gefundheit der Einwohner von nachtheiligen Folgen ift a). 
Auch follen fie nach dem Tsbrand b) und Krafchenninnikow c) in verfchiedenen Gegenden von 
Kamtfchatka häufig vorhanden feyn , und nicht feiten davon in einem Zuge vier Tonnen 
voll gefangen werden. Wir muffen aber auch noch diejenigen mit in Anfchlag bringen , 
welche uns die Oftfee darbietet, und wovon allein viele taufend Tonnen den Schweden und 
Dänen zu Theil werden. Aus dem Zollregifter der Stadt Gefle, in jenem Königreiche, fieht 
man, dafs diefelbe allein jährlich an vier taufend Tonnen gewinnt d) , und fo werden bei Aal- 
bürg und Ripen die Heringe in folcher Menge gefangen, dafs ein Oll oder achtzig Stück 
derfelben nur für zwei bis drei Schillinge Lübfch, welches acht bis zwölf Pfennige nach 
dein hießgen Gelde beträgt, verkauft werden e). Nicht minder fangen die hollfteini- 
fchen, mecklenburgifchen und fchwedifch- pommerfchen Fifcher jährlich eine grofse Anzahl, 
die theils gefalzen, theils geräuchert, verfendet werden; dererjenigen nicht zu gedenken, 
welche in Uefland f ) und andern Gegenden der Oftfee ausgefifcht werden. 

Die Schiffe fowol als die Netze, deren man fich zum Heringsfange bedient, find 
unter fich an Grofse merklich verfchieden. Diejenige Nationen, welche nur an den, 



a) Penn. p. 336. d ) Schwed. Abhandl. 10. B. S. 141. 

b) Reife nach China. S. 3t. e ) Potttopp. Natürb. von Dänemark. S.r^o. 

c) KrUnltz eecön. Encyclop. 20 Thl. S. 726. f ) 'Fifcher Naturg. von Liefl. S. 123. 



Zweeter Abfchnitt. Von den Heringen insbefondere. ;p^ 

Küften ihren Fang treiben, haben weit kleinere Schiffe und Netze nöshig, als andere, 
welche diefes Gefehlt im hohen Meere verrichten. Die holländifchen Büfen find gewöhn- 
lich von acht und vierzig bis fechszig, doch giebt es auch welche von achtzig bis hundert 
Tonnen ; davon die gröfsten fechszig Laft tragen. Zu einer jeden ßüfe gehören drei bis 
vier Jäger, welche ihnen fowol die SchiffsbedürfnifTe zuführen, als auch die Heringe, 
welche in den erflen drei Wochen gefangen werden, auf das gefchwindefte, nach den See- 
häfen hinfchaffen. Die holländifchen Netze muffen, einer obrigkeitlichen Vorfchrift zu Folge, 
fünf bis fechs hundert Klafter lang feyn , fünfzig bis fünf und fünfzig Theile oder Wände 
haben, und werden anjetzo von einer groben perfifchen Seide verfertigt, die fo dauerhaft 
ift, dafs ein folches Netz drei Jahr aushält: dahingegen ein hänfenes nur ein einziges Jahr 
dauert. Sie werden durch den Rauch angezündeter Spähne fchwarz gefärbt, um da- 
durch zu verhüten , dafs durch ihre helle Farbe die Fifche nicht verfcheucht werden mögen. 
Oberwärts werden fie mit Tonnen, in die Hohe, und unterwärts mit Steinen, im Grunde 
erhalten. Man wirft fie des Abends aus : weil der Fang derf elben , fo wie bei allen übrigen 
Fifchen, des Nachts am heften von ftatten geht: und werden hiernächfl des Morgens durch 
eine Winde eingezogen. Die Heringe gehen eben fo , wie alle andere Fifche dem Lichte 
nach ; es werden daher die Büfen mit Laternen behangen , und jene dadurch in die Netze 
gelockt, welche manchmal fo fiark damit angefüllt werden, dafs ein einziges Netz 
öfters zehn bis eilf Laßen enthält. Der Hering beifst auch an die Angel , und Herr Low 
verfichcrt, manche taufend derfelben mit der gewöhnlichen Forellenfliege a) gefangen zu 
haben b). 

Die Zubereitung diefes Fifches durch das Einfalzen gefchiehet auf eine zwiefache 
Art, davon die eine das weiße., und die andere das rothe Einfalzen genannt wird. Erftere 
wird folgendergeftalt verrichtet: nachdem die Heringe abgekehlt find c), werden fie in eine 
Salzlaake gelegt, die fo ftark feyn mufs, dafs ein Ey darinn fchwimmen kann ; aus diefer 
nimmt man fie , nach Verlauf von zwölf bis fünfzehn Stunden heraus und legt fie in Tonnen, 



a) Siehe oben S. 15t. b) Penn. p. 339. Eingeweide b:s auf den Milch und Rogen her- 

c) Abkehlen heifst, wenn die Kiehraen und ausgenommen werden. 



%oo Zweier Ahßmltt. ■ Von den Her luven iusbefvnder?. 

denn die Menge verftattot es nicht, dafs fie auf dem Schiffe dicht und ordentlich ver- 
packt werden können: da fie nun dadurch vor dem Verderben nicht hinlänglich gefiebert 
find 5 fo packt man fie, wenn fie ans Land kommen, um und in gehöriger Ordnung 
fchicht weife über einander, und verficht fie mit neuen Salze, wozu denn zu einer Tonne 
gewöhnlich fünf Pfund fpanifchen Seefalzes und frifche Laake genommen wird, welche Zu- 
bereitung in Holland unter öffentlicher Aufficht gefchieht. Nach den Gefetzen diefes Lan- 
des werden die fchleehtern, fo wie auch die guten, befonders gepackt, und ihr Werth durch 
ein auf der Tonne eingebranntes Zeichen kenntbar gemacht. Auch flehet man genau dar- 
auf, dafs zu den Tonnen Eichenholz genommen , und die Stäbe dicht in einander gefugt 
werden , damit nicht durch das Ablaufen der Laake die Heringe verderben mögen. Dei der 
andern Zubereitungsart bleiben die Heringe länger und wenigflens vier und zwanzig Stunden 
in erwähnter Salzlaake liegen : alsdann werden fie mit den Köpfen an hölzerne Spiefse gereihet 
und in dazu angelegte Oefen gehänget, deren jeder gemeiniglich zwölf taufend Stück in fich 
fafst. liier werden fie nun durch angezündetes Reifsholz, das wenig Flamme aber viel 
Rauch giebt, geräuchert, und vier und zwanzig Stunden hinlänglich gedörret: man nennt 
fie alsdann Bücklinge, und packt fie entweder in Tonnen oder in Stroh ; im erden Fall 
heifsen fie Tonnen- und im andern Strohbücklinge. Man nimmt gewöhnlich die fetteflen 
dazu, und haben die holländifchen Bücklinge den Vorzug vor allen andern. Die fetteflen 
werden am Rücken aufgefchnitten, und nachdem fie über Spähne ausgefpannt und geräu- 
chert find, SpeckbückÜnge und in Niederfachfen Flickheringe genannt. Aufser diefen Zu« 
bereitungen werden fie in Schweden und Norwegen gefäuert, und man heifst fie daher 
Sauerheringe. Man nimmt dazu eine weit geringere Menge Salz, damit fie in einer fch wa- 
cheren Laake gähren mögen. Einige laffen fie in offenen, andere in zugemachten zum Aus- 
gang der Luft mit Löchern verfehenen Tonnen, gähren. Die Isländer trocknen ihre He- 
ringe auf den Felfen, fo wie auch die Grönländer an der Luft a). 

Der Hering wird, wenn er frifch genoffen wird, gewöhnlich gebraten, oder in 
Salzwaffer gekocht, mit Citronenfäure oder Weineffig und Peterfilie zurecht gemacht, aber 

a) Fabricii Faun, gröenl. .p ig2. 



Zweeter Abßmitt. Von den Heringen hubefoniere. 201 

er wird wegen feines fetten und weichlichen Fleifches von den Bemittelten nicht fonderiieh 
geachtet , vom gemeinen Mann hingegen häufig an den Seegegenden mit einer fauern 
Zwiebelbrühe verzehrt. Die eingefalzene oder Pöckelheringe werden theils zu andern Spei- 
fen gegeffen, theils flatt der Sardellen gebraucht. Auch als Sallat zurecht gemacht, wird 
er von vielen für eine wohlfchmeckende Speife gehalten ; befonders fand jene Reichsgräfin 
das Backenfleifch der Heringe auf diefe Art zurecht gemacht, als eine fo angenehme Kofi, 
dafs fie über eine Million Thaler darinn verzehrte, und durch den häufigen Genufs delTclben 
ihre Graffchaft in Schulden fetzte; denn es wurde zu jedem Gericht, womit fie ihre Lüflern- 
heit füllte, eine ganze Tonne erfordert a). In verfchiedenen Gegenden, wo die Fifche feiten 
find, werden die Heringe, nachdem ihnen durch das Einweichen im Waffer das Seefalz be- 
nommen ift, gekocht und mit einer Butterbrühe zurecht gemacht; fie heifsen alsdann 
Sütheringe. Die Speckbücklinge werden eben fo wie die Strohbücklinge entweder roh oder 
in Butter gebraten. mit etwas Pfeffer und Eilig zurecht gemacht. Sämtliche Bücklinge gehö- 
ren zu den wohlfchmeckenden aber auch fchwer zu verdauenden Speifen. 

Der mäfsige Genufs des Pöckelherings ift unfehädlich: befonders kommt er denenjeni- 
gen zu Hatten, deren Säfte mit viel Schleim gemifcht, oder folchen, die wegen eines vejr- 
fchleimten Magens die Eisluft verloren haben. Hingegen iß er, wegen des fcharfen See- 
falzes, denen durchaus nachtheilig, welche ein Gefchwür in den Lungen oder andern innern 
oder äufsern Theilen an fleh haben, wie nicht weniger folchen Perfonen in deren Säfte eine 
fcorbutifche oder andere Schärfe fleh eingefchlichen hat. 

Der Hering lafst fich verfetzen, wie man denn in Schweden hierinn glückliche 
Verfuche gemacht hat b): auch kann er durch den Rogen fortgepflanzt werden, wie 
aus folgender Stelle in Peter Kahns Reife 2. Th. S. 432. erhellet, die mir in mehr als einer 
Abficht merkwürdig fcheint. 

„Herr Franklin erzählte mir folgende Begehe nheit: In der Gegend von Neueng- 
„land, wo fein Vater gewohnt hatte, fielen zwei Flüfse ins Meer, die von der Befchaffrn- 
„heit waren, dafs in dem einen fehr viele Heringe gefangen wurden, und in dem andern 

a) Richter Tchth. S. 32p. b) Siehe den öfters angeführten Auflutz im ic. B. der 

Schwed. Abhand!. 

Gc 



20z Ziveeter Abschnitt. Von den Heringen insbefondere. 

„gar keine. Dennoch lagen die Mündungen beider Flufse nicht gar weit von einander. 
„Nun hatte man bemerkt, dafs, wenn die Heringe im Frühlinge ihren Ram abzulegen hat- 
ten, ile jederzeit den einen Flufs hinanliefen, wo man fie fonft zu fangen pflegte, den 
„andern aber nie. Diefer Umftand brachte den Vater des Herrn Franklin, der zwifchen 
„beiden Fliifsen fleh angebauet hatte, auf den Einfall, zu verfuchen: ob es nicht zu machen 
„wäre,- dafs die Heringe gleichfalls in dem andern Flufse fich aufhielten? Als fie daher 
„ eben auf dem Zuge begriffen waren , für ihren Ram einen dienlichen Ort zu finden , fetzte 
„er feine Netze fo gut, dafs einige gefangen wurden. Aus felbigen nahm er den Ram, 
„führete ihn, mit aller Behutfamkeit, über das Land, nach dem andern Flufse hin, und 
„legte ihn hindn. Er ward ausgebrütet: und die Folge davon war, dafs nach der Zeit, 
„jährlich immer mehr Heringe in diefem Flufse gefunden wurden. So foll es fich auch 
„no-rh verhalten. Dies giebt Anleitung, zu glauben, dafs die Fifche diejenigen Oerter, wo 
„fie ausgebrütet worden, und von denen fie zuerft in die See ausgefchWommen find, gerne 
„wieder fuchen, um ihren Rani da zu : verwahren j denn fie haben fich einmal daran ge- 
„ wohnt: fo werden jetzt, in jenem Flufse, viele Heringe gefangen, in welchem, ehe der 
„Ram auf die befchriebene Art, dahin gelegt worden, gar keine zu finden gewefen." 

Die Bauchhöhle ift b^ei dem Hering lang , der Milch und Rogen doppelt : letz- 
terer wog bei einem von mittlerer Grofse ein und drei Viertel Loth. Ich trocknete ein 
Sech?zehntheil Loth davon, theilte diefes durch eine Schnellwaage in vier Theile, davon eins 
nach einer genauen Auszählung fechs hundert und dreizehn Eier in fich fafste : mithin ent- 
hielt der doppelte Eierftock 68,656 fehr kleine weifsliche Eier. Da aber Harmer in feinem 
Hering nur zehn taufend gefunden ; fo ift es wabrfcheinlich, dafs diefer im Laichen begriffen 
gewefen und die mehrefien bereits von fich gegeben habe. Die lange Schwimmblafe ift 
einfach und läuft an beiden Enden fpitzig zu. Merkwürdig ift bei diefem Fifche der dop- 
pelte Magen, davon ein jeder beinahe einen Zoll lang ift; beide beflehen aus einer dünnen 
Haut, und endigen fich in einen geraden und kurzen Darmkanal. Auf jeder Seite find 
fünf und dreifsig Ribben und am Rückgrade fechs und fünfzig Wirbelbeine befindlich. 

Diefer Fifch, den wir aus der Nordfee über Holland bekommen, wird Häring, Hee- 
ring :i Hering, der aus der Oflfee Strohmling, und geräuchert werden fie beide Bücklinge ge- 



Ziveeter Abfchnitt. Von den Uerwgen uubcfouäcrt. 303 

nsant; in Liefland Siröhmling, Strimmdas , Silk, Rönn und Rewigc. In Schweden heifst 
die grofse Art Sill und die kleine Ströming und Strömling; in Däanemark wird die grofte 
Art Süd, Qnale-Siid und Grabtcn - Süd , die kleinere Strömling und in Norwegen Straalc- 
Süd und Gaate-Sild genannt; in Grönland Kapifelik; in Kamtfchatka Beltfchntfch; in Hol- 
land Hariiig; in England Herring; in Frankreich Hareng und Harang. 

Ich werde der Vollftändigkeit wegen zum Befchlufs diefes Artikels noch etwas weni- 
ges von dem Heringshandel mit anführen. Diefer ward bereits in den altern Zeiten getrieben ; 
denn Madox erzählet a), dafs das Städtchen Dun wich im Jahr 1105, 24000 Heringe an die 
Krone habe abliefern muffen; auch die Seeländer hatten fleh im dreizehnten Jahrhunderte 
fchon flark auf diefen Handel gelegt, und fleh 1285 zu diefer Abficht für fleh und die Hol- 
länder, durch ein Patent vom Könige von England, die Befugnifs an der Küfle von Yar- 
mouth Fifcherei zu treiben, ausgewürkt b). Dafs auch in der Oflfee im dreizehnten 
Jahrhundert der Heringshandel getrieben worden , erfiehet man aus einem Diplom , welches 
der danifche König Erich VI. den Hamburgern ertheilte und vermüge deffen er ihnen ein 
Strich Land auf der Infel Schonen einräumte, auf welchem fle während der Heringsfifcherei 
und in der Heringsmeffe ihre Buden auffchlagen durften. Auch hat man in diefem Jahrhun- 
dert bereits Spuren von dem Einfalzen diefer Fifche c). Ohne Zweifel war diefes die foge- 
nannte rothe Einfalzung, welche freilich nur unvollkommen und allein zur Zubereitung der 
Bücklinge hinreichend war. Im vierzehnten Jahrhundert legte man auch zu Yarmouth 
eine Heringsmeffe an , zu deren Aufnahme Eduard III. 1357. den Befehl gab , dafs die Fifcher 
ihre Heringe nirgend anders als in diefer Stadt verkaufen durften d). Die Holländer , 
welche bishero die Heringe gröfstentheils an den Küften von fchottländifchen Fifchern auf« 
gekauft hatten, von wo fle felbige andern Nationen zuführten, fahen fleh nunmehro genö- 
thigt, felbft Schiffe auf den Fang an diefe Küfien hinzufchicken: denn da die Fifcher ihren 
Fang erfl zu Markte bringen müfsten, ehe derfelbe eingefalzen werden konnte ; fo gefchah 

Cc 2 

a) Firma burgi. p. 233. beim Aaderfon Ge- c) Ander/ons Gefch. des Handels. 2,Th.S. 356. 
fchichte des Handels. 2. Tbl. S. 557. d) Ebendafelbft. S. 416. 

b) Siehe Reichthum von Holland. 1. B. S. 44. 



204 -Z-iveeter Abßniitt. Von den Heringen inibefotiüerf. 

es, dafs die Heringe weich und nnanfehnlich wurden, und daher nicht wohl in andere Län- 
der verfahren werden konnten. In eben diefem Jahrhundert ifi auch, nach der Befchreihun» 
des Maizier -es , der Heringdr.mdel an den norwegifchen Rüden bereits fehr flark im Gange 
gewefen, denn er fagt: man fände an dieien Gegenden mehr als drei taufend Mehfchen 
verfammlet, welche fich im; September und Oclober hur allein mit der Heringsfifcherei 
befchäftigten a). Auch gegenwärtig ift der Heringsfang und der fich darauf beziehende 
Handel in Norwegen der vornehmfte Nahrungszweig, und es werden jährlich einige 
Tonnen Goldes dafür ins Land gebracht b). Ohngeachtet ihre Heringe wegen des kiehnen 
Holzes, welches die Norweger zu ihren Tonnen nehmen, einen haarzigen Gefchmack be- 
kommen , und daher nicht allgemein beliebt find ; fo finden doch die Pohlen fie wohl- 
fchmeckend. Die dänifche Regierung verordnete vor einigen Jahren, dafs man fich des 
Eichenholzes zu den Tonnen bedienen follte: allein man bemerkte bald, dafs fich der Ab- 
fatz verminderte, denn die Pohlen hielten fie fchmacklos, und man mufste es alfo bei dem 
vorigen bewenden laden. Bei den Holländern ifl diefer Handlungszweig noch wichtiger, 
und wird daher der Fang derfelben von den fchwedifchcn Kanzelleirath Carleßn c) eine Gold- 
grube der Holländer genannt, weil er denfelben mehr einbringe, als die Gold- und Silber» 
gruben den Spaniern. Anfänglich kaufte diefe Nation, wie erwähnt, ihre Heringe von 
den Schottländern. Sie brachte es durch Fleifs und die weifen Veranfialtungen der General- 
flaaten bald dahin, dafs die ihrigen nicht nur den Vorzug vor den fchottländifchen, fondern 
auch vor den flandrifchen , die wegen ihrer Güte lange berühmt waren, erhielten, in wel- 
chem Ruf fie auch feit einigen Jahrhunderten fich erhalten haben. Es ifl indefien der He- 
ringshandel bei ihnen bei weitem nicht mehr von dem Umfange , als er vormals war. Im 
Jahr 1416 machte man zu Hoom das erfle grofse Netz, und von diefer Zeit an, bedienen 
fich die Holländer grösserer Schiffe, oder der erwähnten Eüfen. Im Jahr 1553 fchickte 
die einzige Stadt Enkhuizen hundert und vierzig Schiffe auf den Heringsfang aus d) und 
im Jahr 1601 liefen aus allen Häfen der Republik taufend und fünf hundert Büfen auf diefe 



a) Siehe in der franz. Ericyclopedie den Ar- c) Stockh. Magaz. 1. B. S. 107. und Hamb. 
tikel Hareng. Magaz. 2. B. S. 490. 

b) Pontopp. Gefch. von Norw. a.Th. S.271:. d) Reichthum von Holland. S. 46. 



Zivcctcr Abschnitt. Von den Heringen imbefondere. 20 j 

Fifcherei aus, und wenn der Ritter Rakigh die Sache nicht übertrieben hat, fo follen fie 
einige Jahre darauf drei taufend Schiffe dazu gebraucht und 450,000 Menfchen befchäftigt ha- 
ben. Diefes ift aber ohne Zweifel zu hoch angegeben, oder es niüfste ihr Handel, nach- 
dem die Eiferfucht anderer Nationen rege geworden, gar fehr abgenommen haben; denn 
im Jahr 1736, hat man nur zwei hundert und neunzehn Büfen und ein und dreifsig He- 
ringsjäger gezählt. Diefe Anzahl hat fich in der Folge noch mehr vermindert: denn im 
Jahr 1747 brauchten die Holländer nur zwei hundert Schiffe und 1773 nur hundert und neura 
und fechszig Büfen. Sie würde ohnflreitig noch mehr im Verfall gekommen feyn, wenn 
nicht die Staaten von Holland 1775 ein Prämium von fünfhundert Gulden für eine jede Büfe, 
welche auf den Heringsfang ausläuft, bewilliget hätten. Ohngeachtet diefes Verfalls, bleibt 
fie doch noch irflmer für diefen Staat ein beträchtlicher Nahrungszweig : denn man rechnet 
noch immer, dafs 20,000 Menfchen ihren Unterhalt dabei finden. Auch die Franzofen 
fchicken aus Calais, Dieppe und andern Städten ohngefehr hundert Schiffe jährlich aus, die 
aber nicht fo grofs find, als die holländifche Büfen, indem fie nur zwanzig bis fünf und 
zwanzig Tonnen halten, und theils an den englifchen Küften, theils im Canal fifchen. 
Auch an den Ktiften der Normandie und Picardie wird im Herbfl darnach gefifcht, weil 
aber bei ihnen das Nachführen der Lebensmittel und des Salzes nicht gebräuchlich ift} fo find 
fie genötbigt, fo bald fie eine Ladung haben, nach Haufe zu eilen, und ehe die Schilfe 
wieder zurückkommen, ift oft die belle Gelegenheit, welche der um diefer Jahreszeit ein- 
fallende Nebel begünftiget, verfäumt worden. Die Schweden, welche fonft ihre Heringe 
von andern Nationen gekauft haben, find feit ohngefehr vierzig Jahren äufmerkfam auf 
^ den Fang und Handel diefes Fifches geworden. Im Jahr 1745. errichtete man dafelbfl eine 
Fifchergelellfchaft, die durch Aufmunterung von Seiten der Regierung, fich dergeftalt her- 
vorgethan hat , dafs fie auch welche ausführen, beionders find die gothenburgifche Heringe 
in gutem Ruf; und als 1764, zwanzig Schiffe von Gothenburg in Hamburg ankamen , fo 
wurden diefe den holländif hen gleich gefchätzt. Aus diefem Hafen allein find im Jahr 1771. 
43,959 und 1772. 73.330 Tonnen exportirt worden : auch aus Schwedifchpommern wer- 
ben jährlich viele Wagen voll Strohbücklinge hierher und nach andern benachbarten Pro- 
vinzen gebracht. Die Dänen verfahren nicht nur die Heringe, welche fie im Frühjahr 

CC3 



2. Der 
Breitling. 



2 06 Zivecter Abfehnitt. Von den hier Ingen inshefonäerc. 

und Herbft an den nördlichen Kurten von Jütland und der Infel Ferroe a) fangen , nach 
Deutfchland, fondern fie fchicken auch Schiffe nach der Nordfee in die Gegend der fchott- 
ländifchen Kürten ; wie denn auch 1767 in Altona eine Heringsgefellfchaft errichtet worden ift, 
welche jetzt für königliche Rechnung geführet wird. Auch aus dem Holfteinifchen werden 
viele geräucherte Heringe nach Hamburg und andern Städten verfahren, worunter die 
kieler Bücklinge berühmt find. In den preufsifchen Staaten irt im Jahr 1776 eine Herings- 
gefellfchaft errichtet worden, welche 1770 von Embden aus fechs Büfen nach den fchott- 
ländifchen Kurten fchickte , die hundert und dreifsig Lall Heringe mitbrachten : nachhero 
ward die Anzahl der Büfen von Jahr zu Jahr vergröfsert, fo, dafs im vorigen Jahr zwei 
und dreifsig derfelben ausgegangen find, und in diefem fechs und dreifsig abgehen werden. 

DER BREITLING. 
XXIXrteTaf. Fig. 2. 

: - Der Unterkiefer hervorflehend, neunzehn Strahlen in der Afterfloffe. K. 8- Br. 16. 
B. 6. A. 19. S. 18. R. 17. 

Clupea maxilla inferiore longiore , pintia anali radiis XIX. B. VIII. P. XVI. V. VI. 
A. XIX. C. XVIII. D. XVII. 



Clupea Sprattus, pinna dorfali radiis XIII. Lim. 
S. N. p. 503. n. 2. 

— — Müller. Prodr. p. 50. n. 422. 

— — Brünnich. Ichtb.Maffilienfis. p. 82. 
Clupea quadriuncialis , maxilla inferiore longiore, 

ventre acutiflimo. Artedi. 

gen. 7. n. 1. fyn. 17. n. 4. 

Spec. 33. 

— - — — Gronov. Müf. I. p. 6. n. 22. 

Harengus, exilibus fquamis, facillimeque deci- 

duis , l'aro fex digitos fuperans. La- 

tulus. Klein. Miff. V. p. 73. n. 7. 



Sardina Sprot Hollandis. Aldrov. p. 220. 
Sarda. Schonev, Ichth. p. 66. 
— Charlet. p. 144. n. 30. 
Sprattus et Sparlingus. Willugkby. p. 221. 

— — — Raji. fynop. p.105. n. 5. 
Die Sprotte. Müller. L. S. 4. S. 370. 
Bratling. Fifcher. Naturg. von Lieft. S. 124. 
Scharfbauch. Schwed. AbhandJ. 10. B. S.111. 
The Sprat. Penn. Britt. Zool. p. 346. 
Brisling Pontopp. Norw. 2. Th. S. 281. 
La Sardine Cour. d'Hift. nat. Tom. V. p. 230. 



a) Ali wo die gröfsten und fchönften aller be- fcherei dem Könige allein, und fie wird bis im 
kannten Heringe fallen. Es gehöret diefe Fi- fpäten Herbft getrieben. 



Ztvcster Abßinitu Von den Heringen insbesondere. 207 

Der vor dem obern hervorgehende gekrümmte Unterkiefer und die neunzehn Strah- 
len in der Afterflolfe, geben hinlängliche Merkmahle ab, diele Gattung von den übrigen 
Heringsarten zu unterfcheiden. In der Kiemenhaut bemerkt man acht , in der BruMofle 
fechszehn, in der AfterflofTe neunzehn, in der SchwanzflofTe achtzehn und in der Rücken- 
flofle fiebenzehn Strahlen. Der Kopf ift fpitzig und gegen den Körper ziemlich grofs. Die 
Stirn ift fchwärzüch, die Kiemendeckel find geftrahlt und filberfarben , die Augen grofs, ihr 
Stern fchwarz und ihr Ring gelblich ins Weifse fpielend. Die kaum fichtbare Seitenlinie ift: 
gerade und dem Rücken näher als dem Bauche. Der Rücken ift bläulich und die Seiten ha- 
ben eine Silberfarbe. Diefer Fifch, der nicht leicht über vier bis fünf Zoll lang und einen 
Zoll breit wird, ifl mit zarten und leicht abfallenden grofsen Schuppen bedeckt 5 auf den 
Seiten ifl er zufammengeqVückt, und der Bauch endigt fich in eine gekrümmte Schneide. 
Die Flofsen find kurz, zart, von einer grauen Farbe und die SchwanzflofTe ift gabelförmig. 

Wir treffen dielen Fifch nicht nur, wie den Hering, im Nordmeer und in der 
Oftfee allenthalben, fondern, nach der Beobachtung des Hrn. Prof. Brünniche a), auch 
im mittelländifchen Meere an. Er hält fleh in der Tiefe auf, und findet fich in 
grofser Menge an den Küften und flachen Oertern im Herbft zum Laichen ein. Er 
kömmt in fo grofser Menge zum Vorfchein, dafs man nicht feiten auf einen Zug für vier- 
zig Tonnen hinlänglichen Vorrath davon bekommt b). Wenn man bedenkt, wie viel tau- 
fend Stück dazu gehören, um eine einzige Tonne damit anzufüllen; wenn man ferner auf 
die Menge Rückficht nimmt, in welcher er fich in Norwegen, Schweden, Hollftein, Hol- 
land und England darbietet, und dafs defTen Fang an den Küften von Eretagne, mehr als 
zwei Millionen einbringt c) ; fo zweifle ich , ob die Anzahl der Heringe die Menge der 
Breitlinge übertreffen werde. Auch in Preufsen und Pommern ift in manchen Jahren ihr 
Fang anfehnlich. Diefer Fifch wird eben fo wie der Hering, frifch eingefalzen und geräu- 
chert verzehrt. Im erften Fall beftreut man ihn mit Mehl und bratet ihn in Butter; im 
zweiten aber wird er ftatt der Sardellen gebraucht: weil aber das Kochfalz, defTen man fich 
in diefen Gegenden zum Einfalzen bedient, nicht die Schärfe des Seefalzes hat, fo hält er 

a) Ichth. raarfilien. p. 83- b) Müller, L. S. 4. S. 371. c) Pomars Diftion. T. X. p. 245. 



so8 Zmetlcr Äbfchaltt. Von den Heringen ittjbeßnderel 

fleh nicht fo lange als diefe, und aus eben dem Grunde mufs man auch mehr davon 
an die Speifen nehmen. Wo aber der Fang fehr häufig ift, wird er geräuchert, in Ton- 
nen gepackt, und unter dem Namen Sprott verfendet, wie denn die englifchen und kieler 
Sprotte weit und breit berühmt, und als eine beim Butterbrod und einem Glafe Wein wohl- 
fchmekende Speife bekannt find. Die innern Theile diefes Fifches find eben fo wie die 
beim Heringe befchaffen, ausgenommen, dafs auf jeder Seite nur fünfzehn Ribben und 
im Rückgrade acht und vierzig Wirbelbeine befindlich find. 

In der Gegend von Pommern, Preufsen und Liefland heifst er Breitling, Bratling, 
KiiUofirötnling und Rülloßlkiid; in Schweden Külio - Strömlinge und Hivafsbuk ; in Holland 
Sprott; in Dännemark Haas -Süd; in Norwegen Blaa - oder Smaa - Süd und Brisling ; in 
Island Kop - Siid und in Frankreich h Sardine. 

Aldrovand gedenkt diefes Filches zuerft 1613, hält ihn aber mit der Sardelle für 
einerlei Fifch a). Bald darauf 1624 erwähnt Schoneveld feiner, als einer von der Sardelle 
verfchiedenen Gattung b), fo wie auch' Charleton 1668 c) ; darauf befchreibt ihn 16S6 
Willughby genau d), hält ihn aber für einen jungen Hering, wovon er fich jedoch durch 
folgende Merkmaale unterfcheidet : 

j) Ift der junge Hering dicker und fchmäler, als der Breitling. 

2) Unterfcheidet taide die Anzahl der Strahlen von einander. 

3) Kömmt der Breitling lediglich im Herbil, jener aber auch im Frühjahr und Sommer 

zum Vorfchein. 

4) Hat der junge Hering fechs und fünfzig, der Breitling aber, wie oben erwähnt ift, nur 

acht und vierzig Wirbelbeine: auch hat diefer eine ungleich kürzere Bauchhöhle, und 
daher kaum halb fo viel Ribben als jener. 

5) Ift der Bauch beim Breitling dünner und ichärfer als beim Hering; denn bei diefem find 

die Schuppen in einen ftmnpfen und bei jenem in einen fcharfen Winkel gebogen. 



a) p. 220. 22t. c) p. 144. n. 30. 

b) Ichth. p. 66. d) p. 221. , 



Zvscetcr A'ifchnitt. Von den Heringen insbefoudere. a-c^- 

Ray, der den WiUvghby ausfehrieb (1713) a), begieng auch den Fehler, ihn 
fiir einen jungen Hering zu halten. Dem Klein , welcher allein uns eine Zeichnung davon 
(1749) geliefert hat b), fcheint er und die Sardelle nur eine Fifchgattung zu feyn. Wenn 
der Ritter von Linne der Rückennofle nur dreizehn Strahlen giebt 5 fo i£t diefes ohne Zweifel 
ein Druckfehler 3 der lieh fowol in die Fauna c) als fein Syftem d) eingefchlichen hat, und 
von einigen neuern Schriftflei lern fortgepflanzt wird. Endlich Kl auch Pontoppidan e) und 
Statins Müller geneigt, unfern Fifch für einen jungen Hering zu halten; erfterer macht 
aus der Sardelle und Breitling nur einen Fifch, und letzterer giebt uns eine Zeichnung von 
einer jungen Aife ftatt des Breitlings f), welches die fchwarzen Flecke, die diefer aliein 
eigen find, zu erkennen geben» 

DIE Ä L S E. 
XXXfle Taf. Fig. x. 
Die Spitze des Oberkiefers mit einem Einfchnitt verfehen. K. g. . Br* 15. B. 9. 
A. 23. S. ig. R. 19- 

Clupea maxilld- fuperkre in apice crenata. B. Will. P. XF. V. IX. A. XXIII. 
C. XVIII. D. XIX. 



3. Die Aife. 



"terrae aciem fecantis fit cuitellata 
ore amplo. Klein. Mif£ V. p* 72. 
t. 19. £ 4. 
ig^a., Ariflot. H. A. 1. 9. c. 37. D. 



Clupea Alofa, lateribus nigra maeulatis roßxo 
bifido. Linne. S. N. p. 523. 
— — Müller. Prodr. p. 50. n. 423. 
Clupea, apice maxillae fuperioris bifido, macu- 

lis nigris utrinque. Artedi. gen. p. 7. Clupea, Wülughb. p. 227. t. P. 3, f. 1, 
n. 3. fyn. p. 15. n; 2. fpec. p. 34. — Raji. Synop. p. 105. n. 6. 

— . lateribus ntrinque nigro maeulatis. Gro- Thriffa , Rondel. P. I. p. 220. 
nov, Zooph. p. in. n. 374. Muf. L — Aldrov. p. 500/ 

p, 6. n. 23. Laccia, alofa. Salvian. p. 103. 104. 

Harengus, dorfo et apicis vertice ex albo fla- 
vefeentibus ; capite et ventre ita 
compreffis, ut carina ventris ad 



Alofa, Charlet. p. 150. n. 4. 

— Ruyfch. Thef. p. 70. t. 27. f. 3. 4. 

— gfoknft. p. 105. t. 27. f. 3. 4. 



a) Synop. p. 105. n 5. 

b) MiiT. V. t. 19. f. 5. 

e) Zweite Ausgabe« p. 12g. n. « 



d) p- 5 2 3- 

e) Norw. 2. Th. S. 28r. 

f) L. S. 4. t. 10. £ 4. 
Dd 



aio Ziveeter Abfchnht. Von den Heringen insbesondere. 

Alaufa. Gesn. Aquat. p.'io — 22. Mayfifeh. Alofa. Sckonev. Ichth. p. 13. 14, 

Alfe. Gesner. Thierb. S. 179. b. L'Alofe. Cours d'hift. nat. T. 5. p 281. 

— Müller. L. S. 4. S. 372. The Shad. Penn. p. 348. PI. 69. n. 174. 

Der an der Spitze des Oberkiefers befindliche Ausfchnitt ift bei diefem Fifch ein fiche- 
res Merkmahl , ihn von den übrigen Heringsgattungen zu unterfcheiden. In der Kiemen- 
haut zeigen fich acht, in der BruftflofTe fünfzehn, in der ßauchflofle neun, in der After- 
ßofte drei und zwanzig, in der Schwanzflofle achtzehn und in der Rückenfloße neunzehn 
Strshlen. Der Kopf ift klein , die Mundöfnung grofs , und da wo das Gehirn liegt , durch- 
fichtig; die untere Kinnnlade flehet vor der obern hervor, jedoch nicht fo ftark, als bei 
den vorhergehenden, und der obere ift nur am Rande mit kleinen Zähnen befetzt. Der 
übrige Theil des Mundes ift glatt, bis auf einige Zähne, die fich auf jeder Seite beim An- 
fang der Kiemen finden. Die fchwärzliche Zunge ift frei , glatt und endigt fich in eine 
ftumpfe Spitze. Das Auge ift von mittlerer Gröfse; fein fchwarzer Stern bildet nach un- 
ten zu einen Winkel und fein Ring ift filberfarben. Von den doppelten Nafenlöchern find 
die vordem kaum merkbar. Die Kiemendeckel find geftreift, in der Mitte bläulich und am 
Rande filberfarben. Der gelbgrünliche Rücken ift oberhalb der Floße ein wenig fcharf, 
unterhalb derfelben aber rund. Die Seiten find weifs, zufammengeörückt, am Bauche fo 
«fonn wie eine Schneide, und fo fcharf wie eine Säge; dicfe entfteht von den harten Schup- 
pen oder vielmehr Schildern, welche da, wo fie gebogen find, eine harte Spitze bilden, 
die fo fcharf ift, dafs man bei den Herauffahren mit der Hand am Bauche die Finger daran 
verletzen kann. Die kaum fichtbare Seitenlinie ift dem Rücken näher als dem Bauche und 
mit vier bis fünf fchwarzen Flecken befetzt. Die Schuppen, wel:he den Körper bedecken, 
find grofs und fallen leicht ab; die Flofien hingegen nur klein, von einer grauen Farbe und 
von einer bläulichen Einfaffung umgeben. Die Schwanzflofle allein ift grofs, am Grunde 
mit zwei braunen Flecken verfehen, und am Bauche ift eine Mittelnofie fichtbar. 

Wir treffen diefen Fifch nicht nur in der Nordfee , fondern auch in dem mitteliä'n- 
difchen Meere an, daher er auch bereits den Griechen und Römern bekannt war a). Er 
fleigt, wie der Lachs und verfchiedene andere Seefifehe, im Frühjahr häufenweife in die Flüfse, 

a) Siehe Handel, und Salvian. a. a. O. 



Ziveeter Abschnitt. Von den Heringen insbeßhdeve. a i r 

Worin er im May und Jun, bei warmer Witterung aber im April, und im Nilflrohm 
fchon im December und Januar a) erfcheint, bald darauf feinen Laich an den fchnell- 
fliefsenden Stellen im Grunde abfetzt und gegen den Herbft nach dem Salzwaffer zurück- 
kehret. Er wächft zu zwei bis drei Fufs Länge heran und es verhält fich diefe zur Breite 
wie drei zu eins. Aber auch alsdenn, wenn er feine vollftändige Gröfse erreicht, wägt er, 
da er nur dünn ift, nicht über drei bis vier Pfund: man findet jedoch in England zu Zeiten 
welche von acht Pfund b). Wegen feiner Gröfse und Aehnlichkeit mit dem LIeringe hat 
er in verfchiedenen _Gegenden den Namen Mutterhering , in andern aber , weil er im May 
erfcheint, Mayfifch erhalten. Wir finden ihn bei uns in der Elbe und im Rhein, und er 
geht im letztern bis nach Bafel hinauf c), wo er, .befonders zur Laichzeit, mit Netzen, 
der Grundangel und mit Reufen gefangen wird. Um ihn in die letztern zu locken , bedient 
man fich der Erbfen mit Myrrhen gekocht, die in ein Läppchen gebunden hineingehangen 
werden, und zum Köder für die Angel, der Regenwürmer. Diefer Fifch foll eben fo fehr 
das Gewitter fcheuen, als die Mufik lieben, daher die Fifcher an ihren Netzen hölzerne mit 
Glocken bchangene Bogen befeftigen, welche durch die Bewegung des Waffers ein Geläute 
machen und die Fifche häufig in die Netze locken follen d). Aelian erzählt , dafs man diefe 
Fifche an der maräotifchen See in Egypten, durch eine Mufik von Klappermufcheln, mit._ 
dem Gefange der Fifcher vereinigt, fange, und Rondelet will beobachtet haben, dafs diefe 
Fifche, auf das Klappern der Schildkröte, häufig an das Ufer geeilet wären; befonders trüge 
fich diefes zur Nachtzeit zu e). Auch follen fie den Salzfchiffen nachgehen und ihnen hun- 
dert Meilen weit nachfolgen f ). Diefer Fifch hat ein weichliches Leben und fleht aufser 
dem Waffer, wie der Hering, bald ab. Wenn er au« dem Meere kommt, ift er mager 
und unfehmackhaft, je länger er fich aber in den Flüfsen aufhält, je fetter wird er, und 
alsdenn kömmt er dem Lachfe am nächfien : weil jedoch fein zartes Fleifch mit vielen Grä- 

Dd 2 



a) Hajfelquifl. Reifen. S. 385. d) Wittitghby 22g. und Gesn. a. a. O. 

b) Penn. Zoo], p. 35T. e) Rondel. I. p. aar. 222. 

c) Gcsn. Thierb. a. a. O. f) Cours d'hift. nat. V. p. 282. 



a ! 2 Zivcctcr Abjchnht. Von den Heringen insbefondere. 

ten durchweht ift, fo wird er gewöhnlich gebraten und mit einer Sauerampfbrühe verzehrt: 
die Araber trocknen und verfpeifen ihn mit Datteln. 

Diefer Fifch lebt von Würmern und Infekten, und feine Feinde find, der Wels, 
Hecht und Barfch, die befonde-rs feiner Brut vielen Schaden zufügen: daher auch feine Ver- 
mehrung nicht eben ftark ift. Der Magen ift: klein und befleht aus einer dünnen Haut: 
die am Ende deffelben befindliche achtzig Blinddärme oder Anhängfei erferzen die Stelle des 
fehr kurzen Darmkanals. Der Milch und Rogen ift doppelt, die Schwimmblafe unge- 
teilt, und auf jeder Seite zählt man dreißig Kibben und im Rückgrade fünf und fünfzig 
Wirbelbeine. 

Diefer Fifch ift in Deutfchland unter dem Namen Alfe, Elfe und Mayfifch bekannt. 
In Dännemark nennt man ihn Brisling, Sildsuger, 'Sardeller; in Holland Elft; in England 
The Shad und Mother of Herring ; in Frankreich L'alofe, und befonders um Bourdeaux Ca- 
iat ; in Italien Laccia und in Spanien Saccolos. 

Artedi citirt unrichtig a) die Sarda , oder den Breitling des Schoncveld zur Alfe. 
Die Abbildung, welche Klein b) von feiner fünften Species giebt, flellt -nicht dit'fe, fon* 
dern die fechste, oder unfere Alfe vor; denn diefer Fifch allein hat fchwarze Flecke, und 
folhe jene auch damit verfehen feyn, fo wären auch beide nur eine Species. Gronov c) 
» bezeichnet diefe Gattung durch eben diefe Flecke, und auch Artedi bringt Cie mit in die He- 

flimmung (Definition), allein da fie bald nach dem Tode der Fifche verichwinden ; fo kön- 
nen fie wohl nicht als wefentliche Kennzeichen betrachtet werden. 

DER A N J V I S. 
XXXAe.Taf. Fig. 2. 
= ?r="^±^ Der Oberkiefer hervorragend. K. 12. Br. 15. B. 7. A, n8- S. 18. R. 14. 

4 " ^vis^" Clu P ea maxüla ß'P m ' ore Wmnineute. B. XII. P. XV V. VII. A. XVIII. 

C. XVIII. D. XIV. 



a) Syn. p. iö. varietas, s. c) Zooph. Fafc. I. p. in. n. 347. 

b) Miff. V. p. 72. 1. 19. f. 4. 



Zivcctcr Abfchaitt. Von den Hctlnzen insbe fonder e, 



2IJ 



Clupea encraficolus, maxilla fuperiore longiore. Encraficholus. Rondel. P. I. p. 2ir. 

— — Gesn. Thierb. S. r. b, 

— — Aldrov. p. 214. 



Linne. S. N. p. 523. n. 4. 
Müller. Pr odr. p. 50. n. 424. 



— — — Briinniche. Pifc. Maflf. p. 83. 

n. 10 1. 

— — — 0. Fabricius'. Faun, grönl. 

P- 183- 

Clupea, maxilla fuperiore longiore. Artedi. 
gen. p. 7. n. 4. fyn. p. 17. n. 3. 

E'v/.^a.vKoT. Arifl. 1. b. c. 15. 



— — Ruijfch. Theat. p. 59. 1. 19. f. 13. 

— — gföhnfi. p. 78- 1. 19. f. 13. 

— — Charlet. p. 144. n. 27. 

— — Raji. p. 107. n. 9. 

— — Gesn. Aquat. p. 68. 
Encraficolus. IVillughb. p. 225. t. p. 2. f. 2. 
Die Sardelle. Müller. L. S. 4. p. 373. 1. 10. f. 5. 
L'Anchois. Cours d'hift. nat. p. 133. 

The Anchovy. Penn. p. 347. t. 67. n. 163. 



Der hervorgehende Oberkiefer, giebt ein ficheres Kennzeichen ab, diefen Fifch von 
den übrigen Heringsgattungen zu unterfcheiden. In der Kiemenhaut hat er zwölf, in der 
Bruflfioffe fünfzehn , in der Bauchflofle fieben , in der After - und Schwanzfioffe achtzehn 
und in der Rückenfloffe vierzehn Strahlen. Der Kopf ift lang, oben breit und endigt lieh 
in eine Spitze, an welcher die getheilten Nafenlöcher fichtbar find. Die Mundöfnung ift 
fehr grofs ?,) , innwendig glatt, die Zunge fchmal und läuft eben fo wie der Unterkiefer, 
in eine Spitze aus. Das Auge ift rund , der Stern fchwarz und ider Ring filberfarben ; 
die Kiemenöfnung ift grofs und der Riteken rund und gelbgrau. Den geftreckten Körper 
bedecken eine dünne Haut, und zarte und leicht abfallende Schuppen. Die gerade Seiten- 
linie wird nur nach den abgefallenen Schuppen fichfbar. Die Fl offen find kurz , durchfich- 
tig, und die SchwanzRoffe hat eine gabelförmige Geftalr. Der Anjövis wird ohngefehr eine 
Spanne lang und einen Zoll breit: jedoch foll man, nach der Verficht rung des Barbot, 
welche bei Zaire finden, die den Heringen an Große nichts nachgeben b). 

Wir treffen diefen Fifch in der Oftfee, jedoch nur feiten, an; defto häufiger er- 
fcheint er in der Nordfee, im atlantifchen und mittel'ändifchen Meere : daher er auch den 

Dd 3 



a) Daher auch diefer Fifch bei den alten Schrifcftellern unter dem Kamen Lycoftomos. oder 
Wolfsmaul vorkommt. b) Allgem. Reifen. 4. B. S. 635. 



2 14 Ztvecter Abfihnitt. Von den Heringen hubefonderc. 

Griechen und Römern bekannt gewefen ift. Er kömmt in der nemlichen Abhebt wie 
der Hering und Breitling aus den Tiefen der hohen See an den Küflen und flachen Oer- 
tern zum Vorfchein, all wo er alsdann vom December bis im März in der Provence, Bra- 
band und Catalonien fehr häufig gefangen wird; aufser diefen Monaten fängt man ihn 
auch im May, Jun und Jul: befonders bemerkt man ihn um diefe Zeit in der Meerenge 
von Gibraltar, in der Gegend von Venedig, Genua, Rom und Bayenne. Der Fang ge- 
fchiehet hauptfachlich in der Nacht beim angezündeten Lichte. Der vorzügliche Gebrauch, 
den man von dem Anjovis macht, beflehet darin, dafs man ihn, wenn ihm zuvor der Kopf 
abgefchnitten und die Eingeweide herausgenommen worden, einpöckelt. Er wird in kleine 
Fäfschens gepackt, weit und breit verfchickt, und zur Zubereitung an allerlei Speifen ver- 
braucht, auch, nachdem das Seefalz etwas abgewafchen ift , zum Butterbrodt oder mit 
Effig und Oel als ein Sallat genoffen. Unter den Anjovis werden die brabantifchen den 
übrigen vorgezogen. Schon in den alten Zeiten hatte man aus diefem Fifche , die bei den 
Griechen und Römern berühmte Fifchtunke oder Gallerte, welche man Garon oder Garum 
nannte, zubereitet a). 

Der Dnrnikanal hat eine doppelte Beugung, und der Anfang deffelben ift mit ohn- 
gefehr achtzehn Blinddärmen oder Anhängfein verfehen. Die Gallenblafe ifl grofs ; die an- 
dern Eingeweide find aber wie bei den übrigen diefes Gefchlechts befchaffen. Auf jeder 
Seite hat er zwei und dreifsig Ribben und im Rückgrade fechs und vierzig Wirbelbeine. 

In Deutfchland iß diefer Fifch unter dem Namen Anjovis bekannt. In Dännemark 
heifst er By kling, Moderlufe ; in Grönland Saviliusfak; in England Anchovy und in Frank- 
reich L'Anchois. 



a) Wer die Zubereitung denselben zu wifl'en verlangt , den verweile ich auf den Rondätt. 
i. a. B. S. ^z. 



aij 



XV. G ESCHLE C H T. 

. Die Schmerlen. 



ERSTER ABSCHNITT. 

Fori den Schmerlen überhaupt. 

Uie Augen hervorftehend, der Körper aalförmig. 

Colitis Ocidis prominentiku , corpore angnillae forme. 

Cobitis. IJnni. S. N. g. 173. p. 499. Cobitis. Wulf. lebt. p. 3T. 

— Artedi. gen. pif. g. 2. p. 2. g. 20. p. 25. Enchelyopus. Klein. Miß*, pifc. IV. §. 30. p. 59. 

— Gronov. Muf. I. p. 2. Zooph. p. 200. Hochfchauer. Müller. L. S. 4. S. 281. 

— Gomn. Hift. pifc. g. 48. p. 108. 205. The Loche. Penn. p. 282. c. 32. 

Die Fifche diefes Gefchlechfs haben einen kleinen länglichen fchuppenlofen Kopf, 
an welchem die Augen merklich hervorflehen. Das Genick ifl platt und der kleine 
Mund mit Bartfafern verfehen. Der längliche Kiemendeckel , der aus einem einzigen dün- 
nen Plättchen befleht, ifl durch eine Haut an dem Körper angefchloffen und oben frei; 
daher die Kiemenöfnung klein und nur auf einer Seite fichtbar ifl. Die Kiemenhaut, die 
gleichfalls klein ifl, hat vier bis fechs Strahlen. Der Körper ifl fchlangenförmig geflaltet, 
bandirt, gefleckt und dabei mit einem Schleim überzogen, wird nach dem Schwänze zu 
etwas dünner, und ifl mit kleinen, zarten kaum merkbaren Schuppen, welche leicht ab- 
fallen, bedeckt. Der Unterleib ifl lang und der After ohnweit der Schwanzfiofle befind, 
lieh. Der Körper ifl mit fieben kurzen FloiTen befetzt, davon die Bruftflöfle fpitzig und 
die Schwanzfioffe rund ifl. Der gerade Rücken hat nur eine Floffe, und an den etwsrs 
zufaramengedrückten Seiten ifl die Seitenlinie kaum fichtbar. 



21(5 Erßer Abfchnitt. Von den Schmerlen überhaupt. 

Diefe Fifche leben im füfsen Waller und ihre Nahrung befleht in Wurmern und 
fetter Erde. 

Den Griechen und Römern fcheinen fie unbekannt geblieben zu feyn ; wenigftens 
pafst keine ihrer Befchreibungen auf unfern Fifch. Ronddet a) befchrieb den Steinpitzger 
und die Schmerl , Gesner aber b) den Schlampitzger zuerfl , die bei ihnen unter der Benen- 
nung Cobitis barbatula, aealeata und Muftela foffilis vorkommen. Sehn maclit uns in der 
Folge mit einer furinamfehen Schmerl unter dem Namen Anableps bekannt c). Artedi 
brachte jene drei zuerfl unter ein Gefchlecht Grundein (Cobitis) zufammen, und die 
letztere unter ein eigenes Gefchlecht d). Hierauf belchrieb Klein diefe Fifche unter feinen 
Baftartaalen (Enchelyopus), wohin er zwar fünf Species rechnet; allein da er den 
Schlampitzger unter zwei verfchiedenen Namen (No. i. und 2.) und den Gründling (No. 5.) 
mit hieher bringt; fo hat er im Grunde nicht mehr als drei Gattungen. Letzteres thut auch 
Wulf e) in feiner Befchreibung der preufsifchen Schmerlen. Nachher lehrt uns der Dodor 
Garden einen carolinifchen Schmerl (Mudfisk) kennen. Linne hat daher fünf Species auf- 
geführt, von denen ich jene vier befitze: weil aber die furinamfehe nicht eigentlich in meinen 
Plan gehört, fo werde ich von diefen vieren nur die drei einheimifchen befchreiben. 

ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Schmerlen i « t b e f n d e r e. 

DER SCHLAMPITZGER.- 

XXXIfte Taf. Fig. 1. 

i. Der £jshn Bartfafern am Munde. K. 4. Br. ir. B. 8- A. 8- S. 14. R. 7. 
Sehlampitz- Qohüis drris decef]J ad QSt B% Wt p XL F mL A%ynL a IIVm D . vlL 

ger. 



a) F. 2. p. 204. d) a. a. O. 

b) Aquat. p. 404. «) Icbth. p. 32. 

c) Seb. Muf. IIL p. 108. t. 34. f. 7. 



Zwceter Mfclmitt. Von den Schmerlen imbefinderc. 2jt 

t~?obiüs foflilis, cirr's 8. pinna fupra oculari Muftela foflilis. Rityfch. Theat. p-105. t. 2g. f. g. 

Lime. S. N. p. 500. n. 4. — — gfohnß. p. 154. t, ag. f. g. 

•*— coerulefcens, lineis utringne quinque ni- — — Marfili. Dacub. 1 V. p. 39. 1. 13. f. r. 

gns loagitudinaiibus. Artedi. Poecilia, Meherpure. Schonev. p. 56. 

gen. p. 2. n. 3. fyn. p. 3. n. 3. — Schwenk/. Theriot. p. 442. 

— aculeo fupra utrumque oculüm, kteribus Thermometrum vivum. Clauderi. Miff*. natur. 

longitudinalker fafeiatis. Gronov. Zooph. cur, dec. 2. ann. 6. p.354. 

p. 56. n. 2or. Muf. I. p. 2. n. 7. obferv. 175. f. 71. 

Knchely opus , barbulis fex mandibulae fuperioris Pfulfifch. Gesn. Aequat, p. 373. 

quatuor inferioris n. 1. et 2. Enchel. Beyfzker. Poecilias pifeis. Gesn. Thierb. p. x6o, 

lineis latis atrö - fufcis, punftisque Pritzker. Fifcher. Ließ. S. 120. 

fufeis fuper cinereo et fubflavo va- Peifzker. Ftemtning. Jägerb. S. 443. 

rius, pinnis branchialibus rubieun- — Birckh. Fifche. S. 17. 

ois; cirris evidentibus tribus. Klein. Pritzker. Müller. L. S. 4. S. 284. 

Mifl". pifc. IV. p. 59- 1. 15. f. 3. Schlambeifzker. Meyer. Thierb. 2j S. 26. t. 95. 

Maftela foflilis. Aldrov. p. 579. Mifzgurn und Fifzgurn. WUlughb. p. ug. t. g.8. f.4. 

— — WUlughb. p. 124. Schlampeifzker. Richter. Ichth. S. 904. 

— __ Raji, p. 6g. n. 6. Mifgurn. Lampetra et Cobitis barbata. Frifch. Mifc. Berol. 

p. 70. n. 9. T. VI. p. 119. t.4. f. 2. 

Die fkhs Bartfafern an der hervorflehenden Ober- und die vier an der Unterlippe 
unterfcheiden dielen Fifch von den übrigen Schmerlarten. Jene übertreffen diefe bei wei- 
tem an Grö'fse, von denen die beiden mitteilten die allerkleinflen find. In der Kiemenhaut find 
vier, in der BruflfiofFe eilf , in der BauchflofTe acht, in der AfterflofTe eben fo viel, in der 
Schwanznofle vierzehn und in der Rückenfloffe fieben Strahlen befindlich. Der Kopf läuft 
flumpf zu , die Mundöfnung ifl länglich und jede Kinnlade mit zwölf kleinen fpitzen Zähnen 
befetzt, davon der dritte, vierte und fünfte vor den übrigen hervorflehen und oben mit einem 
Knötchen verfehen find. Die Zunge ift klein und fpitzig; die Nafenlöcher flehen dicht an 
den Augen, und über denfelben ifl ein Stachel fichtbar. Die Augen haben einen fchwarzen 
Stern, in einem goldgelben Ringe. Die Backen, fo wie die Kiemenhaut, find von gelber 
Farbe, mit dunkelbraunen Flecken geziert, und das Genicke ifl breit. Auf dem ganzen 
R'Jrper ifl die Ichwarze Farbe die herrfchende, und ihn fchmücken nach der ganzen Länge 
«kffeiben hinlaufende gelbe und braune Streifen , an denen hier und da Flecke erfcheinen. 
Der orangefarbne Bauch ifl mit fchwarzen Punkten befprengt. Die Bruft - Rücken- und 

Ee 



2i8 Zwceter Abschnitt. Von den Schmerlen inslefondere. 

Schwflnzfloffe find gelb und fchwarz geflekt, und letztere ift abgerundet; die Bauch- und 
AfterflolTe find gelb, und jene fleht der Rüekenfloffe, welche dem Schwänze näher ift, als 
N dem Kopfe, beinahe gerade gegen über. Wegen des Schleimes, in 'welchem diefer Fifch 
eingehüllet ift, hat man lange gezweifelt, dafs er Schuppen habe: jedoch ift das Dafeyn der 
letztern nunmehro entfchieden, und habe ich eine davon vergrößert auf der Kupfertafel vor- 
geftellt. Es fehlt jedoch denfelben jene angenehme Perlmutterfarbe, welche den Schuppen 
der andern Fifche ein fo reizendes Anfehen giebt. Sie find dünn, zart geftreift, halbdurch- 
fichtig und erhalten ihre Farbe von dem darunter befindlichen Schleim. Die Haut , welche 
diefen Fifch umgiebt, ift fehr zähe. 

Wir treffen diefen Fifch bei uns in allen Waffern an, die einen fumpfigten oder mo- 
raftigen Grund haben, auch in den Landfeen und Fiüfsen, wenn fich anders in ihnen mo- 
raftige Stellen befinden. Diefer Fifch hat ein fehr zähes Leben und erftickt daher weder 
unter dem Eife, noch im Morafle, fo bald nur ein wenig Waffer zurückbleibt. Beim Aus- 
trocknen der letztern verbirgt er fich im Schlamm, und dies hat ohnfireitig Anlafs zu der- 
jenigen Fabel gegeben, die Doclor Fabtichts erzählt a), und der fchwedifche Arzt Bibon nach- 
fchreibt b), dafs nem'lich diefer Fifch aus der Erde käme.; aus welchem Grunde er auch vom 
Gesner den Namen Erdgrundel (Cobitis foffiiis) erhalten hat. Ohne Zweifel hat man 
ihn öfters beim Graben in fumpfigten Gegenden, wenn davon das Waffer abgedunflet war, 
gefunden, und folches den Irrthum veranlaßt, dafs er aus der Erde käme, und nur 
durch Ueberfchwemmungen in die Fliifse geführt werde. Man hat bemerkt, dafs diefer 
Fifch bei einem bevorflehenden Gewitter aus dem Grunde in die. Höhe kommt und fich fehr 
unruhig bezeigt. Man kann ihn daher flatt eines Wetterglafes brauchen, wenn man ihn 
in ein mit Flufs - oder Regen waffer und ein wenig fetter Erde verfehenes Glas fetzt. In 
diefem Behältnifs wird er allezeit vier und zwanzig Stunden vor Eintretung eines Sturms 
oder Gewitters unruhig , trübt das Waffer und fleigt in demfelben auf und ab , da er hinge- 
gen bei fliller Witterung mehrentheils ruhig auf der Erde liegt. Man kann einen derglei- 
chen Fifch beinahe Jahr und Tag im Zimmer erhalten, wenn man ihn nur im Sommer 
zweimal und im Winter einmal in der Woche mit frifchen Waffer und Erde verlieht ; im 

a) Gesa. Aquat p. 373. lin. 43. b) Onornat. Hift. nar. T. III. p. 14. 



Ziveeter Abfchnitt. Von den Schmerlen insbefcndzrt. 2 19 

Winter uiufs ihm ein geheiztes Zimmer, und zwar eine Stelle nahe am Fenfter angewiefen 
•werden. Ich habe bemerkt, dafs diefer Fifch von Zeit zu Zeit die Luftblafen durch den// 
Atter von fich giebt, welche andere Fifclie durch die Mundöfnung ausftoffen. Es mufs ^ 
vermutlich der Fifch die aus dem Waffer eingezogene Luft, da er mit keiner Schwimm- , 
blafe verfehen ift, durch das Zufammenziehen des Körpers, durch den After herauspreffen, 
da fie bei den übrigen mit einer Schwimmblafe begabten Fifchen , zum Munde herausge- . 
ftoffen wird. Diefer Fifch, der die Gröfse von zehn bis zwölf Zoll, und wie Richter a) 
verfichert, von einer Elle erreicht, verbirgt fich im Winter wie die Aale im Schlamm, aus 
dem er im Frühjahr hervorkömmt und feinen Laich an den Kräutern abfetzt. Er vermehrt 
fich fehr Aark, ob er gleich oft ein Raub des Hechtes , Barfches und auch des Krebfes wird; 
welcher letztere ihn, wenn er ihn jung hafcht, mit feinen Scheeren zu tödten weifs; und 
der Frofch lieh gerne an feiner Brut fättigt. Ihm felbft dienen Würmer, Infekten, Fifchbrut 
und fette Erde zur Speife. Er beifst, jedoch nur feiten, an die Angel. Zur Laichzeit geht 
er auch in die mit Kräutern verfehene Reufen : fonft aber fängt man ihn mit Hahmen und 
Netzen : auch foll er nach einem Bericht des Hoberg b) , gern in die Skelette der Pferdeköpfe 
kriechen, und man fich daher auch diefer als eines Werkzeugs ihn zu fangen bedienen. Er 
hat ein weiches und füfses Fleifch, und wird daher von den Bemittelten wenig geachtet, 
befonders da er mit einem zähen Schleim überzogen und moderich vom Gefchmack id. 
Um diefen Fifchen nun erfteren zu benehmen, werden fie in ein Gcfäfs gelegt und mit Salz 
beftreut ; wenn fie nun fich darinn unter einander ringen und wälzen , fo reinigen fie fich 
felbft von dem Schleime: auch werden fie ftatt des Salzes mit Afche eingerieben, und in 
beiden Fällen hernach mit WafTer abgefpühlt. Sie werden, nachdem man fie aufgeriffen, mit 
einer fauern 'Brühe zurecht gemacht, auch mit einer braunen, wie die Karpfen gekocht, 
in welchem Fall fie eine fchmackhafte Speife abgeben. Da fie weder fett, noch mit 
kleinen Gräten durchwebt find} fo find fie ohne Mühe zu effen und leicht zu ver- 
dauen. Aufserdem röflet und marinirt man fie noch wie die Neunaugen, denen fie als- 

Ee a 

a) Ichth. p. 905. b) Adeliches Land - und Feldleben. S. 59a. 



82 o Ziveeter Abfchnitt. Von den Schmerlen insbe fonder e. 

denn am Gefchmacke ziemlich nahe kommen, befonders zu der Zeit, wenn ihr Leib mit 
Rogen angefüllt ift. 

Der Magen ift klein , der Darmkanal kurz und ohne Beugung , die Leber lang , 
die Gallenblafe grofs, der Rogen wie der Milch doppelt; erfterer enthielt ohngefehr 137,000 
bräunliche Eier, von der Gröfse des Mohnfaamens. Das Herz ijft länglich, die Schwimm- 
blafe fehlt ihm, und im Gehirn nahe am Genicke bemerkte ich zwei Bläschen, die einen 
miiehigten Saft enthielten. Auf jeder Seite waren dreifsig Ribbcn und im Rückgrade acht 
und vierzig Wirbelbeine vorhanden. In Deutfchland hat diefer Fifch die Namen : Schlam- 
pitzger, Schlambeifser , Pritzker , Peifsker, Pitzker, Mehertrufche , Pfnlßfch, Misgurn, Fis- 
gurn, Schachtfeger und pohlnifchc Grnndeln; -in Liefiand Pritzker, Schlambeifser und Pihkße. 

Bei diefem Fifche find die Streifen und Flecke eben fo wie ihre Farben, n2ch Ver- 
fchiedenheit des Waffers, veränderlich; es ift daher die Beflimmung des Artedi durch die 
Farben und fünf Streifen unzulänglich. Erflere haben ihren Sitz im Schleime, und wenn 
man daher den Bauch von felbigem faubert; fo verfchwindet zugleich mit ihm die fchöne 
Orangefarbe des Fifches. Da auch der Weingeifl diefen Schleim aufiöfet ; fo flehet man 
daraus, warum er darin feine Farbe verliert. Wenn Klein diefem Fifch nur drei, Meyer 
und Frifch fechs, Linne, Statins Müller und Herr £ 'ifcher acht Bartfafern geben, auch Döbel, 
Richter, Frifch, Marßgli mit den altern Ichthyologen demfelben die Schuppen abfprechen; 
fo muffen fie wol famtlich diefen Fifch nicht unterfucht haben. Willitghby a) und Ray b) 
haben nicht nur wie Klein, Richter c) und ein neuer Schriftfteller d) unfern Fifch unter 
zwei verfchiedene Namen aufgeführt, fondern auch als eine Nebengattung des Steinpitzger 
befchrieben e). Frifch macht unrichtig diefen und den folgenden Fifch zu einer Lampreten- 
art, fo wie er auch darin irrt, dafs er den Bartfafern an ihren Spitzen dergleichen Knötchen 
giebt, als die Fühlhörner der Schnecken haben f ) und ihnen auch den Nutzen derfelben bei- 
legt. Es haben aber die Bartfafern, wie ich hiernächft zeigen werde, eine ganz andere Be« 

a) Unter dem Namen Misgurn p. u8. und d) Siehe neuer Schauplatz der Natur. B. 8- 
Peisker. p. 124. , S.40. n. 1. 2. 

b) Unter eben diefem Namen, p. 6g. 70. e) Ichth. p. 266. c. 17. Synop. p. 124. n. 33. 

c) Ichth. S. 904. f ) Mifc. Berol. T. VI. p. 119. 



Zv:seter Abßinitt. Von den Schmerlen insbefondcre, aal 

flimmung. Endlich läfst fich auch die Frage des Willughby und Artedi: ob unter Schonevelds 
Poecilia, und Ganers und der übrigen Schrift/klier Muftela foffilis der Schlampitzger zu 
vergehen fey? mit Zuverläfsigkeit bejahen. 

DER STEINPITZGER. 
XXXIfle Taf. Fig. 2. 
Auf jeder Seite des Kopfes mit einem gabelförmigen Stachel verfehen. K. 3. Br. 11.- 
B. 7. A. 9. S. 17. R. 10. 



2. Der 
Steinpilz 
Cobitis aculeo bifurco in utrumque latus capitis B. III. P. XI. V. VII. A. IX. ger. 

C. XVII. D. X. 

Cobitis, Taenia, cirfis 6 fp'na fub oculari. Zinne. Cobitis aculeata. Marfigl. Danub. 4. p.3. t.t. f. 2. 
S. N. p. 499. n. 3. — — Schwenk/, p. 425. 

— — Wulf, ichth. p. 31. n. 39. — — Ruyfch. Thef. p.97. t.26. f. 21.23. 
Cobitis, aculeo bifurco infra utrumque oculum. Cobitis barbatula aculeata. Willughb. ichth. p. 265. 

Artedi. gen, p. 2. n. 1. Syn. p. 3. n. 2. t. Q. 8- f. 3. 

Spec. p. 4. n. t. — — Ray. pifc. p. 124. 

— Gronov. Muf. I. n. 5. Zooph. n. 200. Taenia cornuta. Schonev. p. 74. 

— Kramer. Elench. p. 396. n.2. — — Willughb. p.266. t.Q.8-f.6. 
Enchelyopus, ventre ex albo luteus, dorfo ad — — gfohnfl. etRuyfch.t./\.6.L"j. 

medium corporis maculis rotundis Lampetra et Cobitis pungens. Frifch. Mifc. Berol. 
nigricantibus lineas longitudinales T. VI. p. 120. t. 4. n. 3. 

efformantibus vario. Klein. Miff. IV. Steinbeyfser. Gesn. Thierb. S. 163. b. 
p. 59. n 4. — — Fkmming. Jagerb. S. 443. 

Cobitis aculeata. RondeL 2. p. 204. — — Döbel. Jägerpr. S. gö. 

— — Aldrov. Ichth. p. 617. — — Meyer. Thierb. 2. Thl. S. 27. t. 96. 

— — Gesn. Aquat. p. 404. 482. — — Müller. L. S. 4. S. 283. 

— — gfohuft. p. 142. t. 26. f. 21. 23. Dorngrundel. Fifcher. Lieft". S. 119. 

— — Charlet. Onom. p. 157. n. 1. Steinpeifsker. Richter. Icht. S. 904. " 

Diefer Fifch macht fich durch feine auf beiden Seiten des Kopfes ohnweit der Augen 
befindlichen zween gabelförmigen Stacheln kenntbar, von welchen die untere Spitze die längfte 
iü a). In der Kiemenhaut. find drei, in der BruftflofTe eilf, in der BauehflofTe fiehen, in der 

Ee 3 
a) Ich habe fie nebft einer Schuppe auf der Kupfertafel vergröfseit vorteilen laffen. 



252 Ziveeter Abfchnitt. Von den Schmerlen inshjmiefe. 

Afterfioffe neun, in der Schwanzfioffe fiebenzehn, und in der Rückenfioffe zehn Strahlen 
befindlich. Der Kopf ift vorn abfchüfsig, auf den Seiten eben fo wie der Körper zulam- 
mengedrückt und mit braunen Linien geziert. Der Oberkiefer flehet vor dem untern her- • 
vor, die Mundöfnung ift klein, länglich, und der Mund felbfl zahnlos. An diefem fitzen 
fechs Bartfafern, und zwar zwo an der obern und vier an der Unterlippe; diejenigen, welche 
am Winkel des Mundes befindlich find , find die langften , die an der obern kürzer , und 
die an der Unterlippe die kürzeften. Die Augen find fehr klein, mit einem weifsen ins 
Gelbe fpielenden Ringe umgeben. Das Genick fo wie der Rücken find braun und die 
Grundfarbe der Seiten blafsgelb , auf welchen fich vier Reihen brauner Flecke und Punkte 
von unbeftimmter Figur befinden. Die Seitenlinie , welche über der Mitte des Körpers 
wegläuft, ift kaum fichtbar. Der ganze Körper, welcher kaum die Länge von fünf und 
die Breite von einem halben Zoll erreicht , ift mit einem Schleim überzogen , unter welchem 
kleine , zarte und weiche Schuppen verborgen liegen. Von den Flößen find die Bruft - Af- 
ter- und Schwanzfioffe grau, die übrigen aber gelb und die Riickenfiofie überdies noch mit 
fünf Reihen brauner Punkte geziert; die Schwanzfioffe ift breit, rund und ebenfalls mit vier 
Reihen Punkte befetzt, die von der nemlichen Farbe wie diejenigen auf dem Körper find, 
aber mit diefem in einer entgegengefetzten Richtung flehen. 

Diefen Fifch finden wir in den Flüfsen , wo er fich gewöhnlich unter den Steinen 
aufhält, und daher auch wahrfcheinlich feinen Namen erhalten hat a). Er hat ein zähes 
Leben und giebt beim Angreifen einen eben folchen pfeifenden Laut, als der Schlampitzger, 
von fich. Ich fetzte beide in ein mit Flufswaffer und Sande angefülltes Glas, und wenn der 
Schlampitzger bei gleichförmiger Witterung fülle lag; fo blieb dagegen diefer nicht längs 
an einer Stelle, befonders bewegte er die Lippen unaufhörlich, nach Gewohnheit der Kanin- 
chen und Laubfrofche. Diefer Fifch wird wegen feines mageren und zähen Fleifches, auch 
wegen feiner Stacheln, womit er diejenigen, die ihn anfaifen, leicht verwundet, nicht 
geachtet; daher ihn auch die Fifcher aus dem übrigen Fange ausfondern und weg« 



a) Es wäre ungereimt, anzunehmen, dafs, fer F.fch kleine Sterne verfehlinge, und daher 
wie IVilhigkby dem B altner nachfehreibt, die- jenen Namen erhalten haben folite. 



Z-wecter Abßchnitt. Von den Schmerlen insbeßondert. 513 

werfen a). Wo aber Mangel an Fifchen ift, da verfpeifet man ihn auf die Weife wie 
den vorhergehenden. IndeiFen fchmeckt fein Fleifch dem begierigen Hechte und Barfch, 
imgkichen den Wafiervögeln , in Ermangelung anderer Nahrung, fehr gut, und liefse fleh 
auf diefe Art von demfelben ein Gebrauch machen, dafs man ihn zur Fütterung diefer Fifche 
mit einfetzte. Seine Nahrung find Würmer, Wafferinfekten , die Brut und der Rogen an- 
derer Fifche. Die Laichzeit defTelben fällt im April- und Maymonath, wo er feine Brut in 
den Tiefen abfetzt. 

Das Herz ift bei diefem Fifche fehr klein, und nicht viel gröfser als ein Hanfkorn. 
Die Leber ift lang und von röthlieher Farbe; die Gallenblafe klein, der Darmkanal kurz und 
ohne Beugung. Am Rückgrade, der aus vierzig Wirbelbeinen befteht, fitzen auf jeder Seite 
acht und zwanzig Ribben. 

Diefer Fifch heifst in Deutfchland, Steinpitzger , Steinbeißer, Steingrundel , Stein- 
fthmerl, Dorngründel , in Schlefswig bsfonders Schmeherpütte ■,. Steinbicker ; in Oefterreich 
Steinbeißsl ; in Liefland Domgründel , Akkminagraußs und iu Schweden Tänglake. 

Frißch fagt, dafs diefer Fifch feinen Mund nicht verfchliefsen könne, und dafs, um 
den Eingang ihm nicht behagender Dinge zu verhindern, ihn die Natur mit einer Haut 
begabt hätte, mit welcher er nach Willkühr den Mund verfchliefse ; allein des Unzweck- 
mäfsigen bei diefer Einrichtung nicht zu gedenken , fo habe ich bei dem meinigen , das Oef- 
nen und Verfchliefsen des Mundes, oft wahrgenommen. Auch kann ich die Frage des Klein : 
ob unter Cobitis barbatula aculeata des Gesners und Willughby, und unter der Lampetra pun- 
gens des Frißch unfer Steinpitzger zu verliehen fey? bejahen. Beim WiUughby und Ray 
kömmt unfer Fifch eben fo wie beim Johnßon und Ruyßch unter zwei verfchiedenen Namen 
vor^ einmal unter der ftachlichten Bartgrundel b) , und dann unter gehörnte Taenia c). 
Auch diefem Fifch haben die mehreften Ichthyologen die Schuppen abgefprochen , womit er 
jedoch eben fo wie der vorhergehende verfehen ift, nur dafs diefe etwas länglicher find. 



a) Da ihn die Fifcher gern mit den Schmer- ten ' Wenn man auf die Stacheln ' Welche diefe ™ 

len, mit welchen er zugleich gefangen wird, Flfch allein d % etl fmd ' AchtUn S £ iebt 

verkaufen; fo kann man lieh leicht davor hü- h) Cobitis barbatuIa aculeata> 

e) Taenia cornuta. 



524 



Zvjeeter Ahfchnkt. Von den Schmerlen inslefonäcrs. 



3. Die 
Schmerl. S ' *7- 



DIE SCHMERL.- 
XXXIfte Taf. Fig. 3. 

Der Köpf unbewafnet, fechs Bartfafern am Munde. K. 3. Br. 10. S. 9. A. 8 
R. 9. 
CofcV/r «rpta /«mw, 6 m «i 0/. £, III. P. X. V. IX. A. VIII. C XVII. D. IX. 



Cobitis barbatula, cirris 6 capite ineran com- Cobitis. barbatula. gfohnfi. p. 143. t. 26. f.s 



preffo. Linne. S. N. p. 499. n.2. 

— — Müller. Prodr. p. 47. n. 401. 

— — ■ Wulf. Ichch. p. 31. n. 38. 
Cobitis, tota glabra maculofa, corpore fubtereti. 

— Artedi. gen. p. 2. n. 2. Syn. p. 2. n. r. 

— Krämer, p. 386. n. 1. 



— — Rnyfch. The f. p. 97. t.26. f.22. 

— fluviatilis. Schoncv. p. 31. 

— — ß&m. Aquat. p. 401. Thierb. 

S. 163. b. 

— — Willughb. p. 265. t. Q. 8. f- r. 

— — /jap. p . I2 4. n . 33. 



— - capite cathetoplateo inermi ; ove cir- Fundulus. Marfigl. Dan üb. IV. p. 74. t. 25. f. r. 

rofo , corpore pinnisque maculatis. Die Schmerl. Richter. Ichth. S. 900. 
Gronov. Zooph. p. 56. n. 202. Muf. I. — — Dobel. 4. Th. S. 8t. 
p.a. n. 6. — — Flemming. Jägerb. S. 444. 

Enchelyopus nobilis , cinereus , umbratilibus ma- Der Schmerling. Müller. L. S. 4. S. 282. 

culis fufcis varius ; cirris fex. Klein. Der Flufsfchmerling. Fifcher. Ließ. S. 119. 

MhT. IV. p. 59. n. 3. t. 15. f. 4. Die Grunde!. Meyer. Thierb. 1. S.47. t.74. f. 3. 



The Bearded. Penn. p. 282. 
La Loche. Bellon. p. 321. 

— Cours d'hift. nat p. 266. 



Cobitis. Schwenk/. Theriot. p. 424. 

— barbatula. Rondel. 2. p. 204. 

— — Aldrov. p. 618. 

— — Charlet. p. 157. n. 2. 

Diefer Fifch , der gleich dem vorhergehenden mit fechs Bartfafern verfehen ift , un- 
terfcheidet fich von jenein durch den Mangel der Stacheln. Die fechs Bartfafern fitzen an 
der Oberlippe, davon in der Mitte vier, und an jedem Winkel des Mundes eine befindlich 
ift. In der Kiemenhaut find drei, in der Bruftflofie zehn, in der Bauchfiofie neun, in der 
Afterflofle acht, in der SchwanzfloiTe fiebenzehn, und in der RückenflolTc neun Strahlen 
befindlich. Der Kopf ift vorn abfchüfsig, und endigt fich in eine ftumpfe Spitze, der 
Oberkiefer flehet vor dem untern hervor. Die Mundöfnung ift eben fo wie das Auge klein, 
und der Mund felbft zahnlos; die Backen find eben fo wie der ganze Körper grau und weifs 
marmorirt. Am Rücken ift diefer Fifch fo me am Bauche und auf den Seiten rund, 



Ziveeter Abfchnitt. Von den Schmerlen insbefondere. 22? 

und habe ich von den kleinen zarten Schuppen, womit der Körper bedeckt ifl, eine ver- 
gröfsert vorgeftellt. Die Seitenlinie hat eine eben fo grade Richtung als der Bauch und der 
Rücken , zwifchen welchen fie vom Kopfe bis zur SchwanzflofTe hinläuft. Von den grauen 
Floflen find die Rücken- und SchwanzflofTe mit braunen punktirten Linien befetzt. 

Wir treffen diefes Fifchgen, welches nicht viel über drei bis vier Zoll lang wird', 
allenthalben in kleinen mit einem kiefigten oder Reinigten Grund verfehenen Bächen häufig 
an ; befonders gehört es in den bergigten Gegenden zu Haufe. Bei uns finden wir es in 
dem ßober, Neiske und bei Treuenbrietzen in Menge. Diefe Fifche haben ein zartes Lebea 
und flehen fogleich ab, als fie aus dem Waffer kommen, fo wie auch dann wenn das Waffer 
nur fülle fleht. Wie fie nun in diefem Falle viel von ihrem feinen Gefchmack verlieren ; 
fo wird das Gefäfs, worin fie von dem Ort des Fanges, bis zur Küche gebracht werden, 
durch Rütteln in beftändiger Bewegung erhalten : man läfst fie auch wol im Weine erfterben. 
Will man fie einige Zeit hindurch aufbewahren ; fo werden fie in einem durchlöcherten Ge- 
fäfs in den Strohm des Fluffes gefetzt, damit fie auf diefe Art befta'ndig neues Waffers erhal. 
ten. Das zarte und wohlfchmeckende Fleifch diefer Fifche übertrifft das Fleifch aller übri- 
gen in Anfehung des feinen Gefchmacks weit , befonders in den Monathen November bis 
zum May, und da es dabei leicht zu verdauen ift; fo können es auch fehwache und kränk- 
liehe Perfonen ohne Nachtheil geniefsen. Sie leben von Würmern und WafTerinfekten , lai- 
chen im März und April, vermehren fich ftark und werden, da fie nur klein find, oft an- 
deren Fifchen zur Beute. Man fängt fie mit zarten Netzen, der Senke und den Reufen, 
welche in den Flufs des Baches eingelegt werden. Sie werden in Salzwaffer gekocht und 
hiernächft mit Citronenfäure oder Weineffig und Peterfilie, oder mit einer Hutterbrühe zu- 
recht gemacht, auch gebraten, verfpeifet. Ehe eine weitere Zubereitung mit ihnen vorge- 
nommen wird, befprengt man fie, fo bald als fie aus dem kochenden Waffer herausgenom- 
men werden, mit Weineffig, wovon fie eine fchöne blaue Farbe annehmen. Der ange- 
nehme Gefchmack diefes Fifches wird dadurch noch mehr erhöhet, wenn man ihn fogleich, 
als er aus dem Wafier kommt, im Wein oder Milch erfterben Jäfst. Er läfst fich auch, 
wenn er grofs ift, wie die Neunaugen mariniren, da man ihn denn auf diefe Art lange 
aufbewahren kann. 

Ff 



a < 1 6' Zweeter Abfchnitt. Von dm Schmerlen insbefondcre. 

Man kann diefen Fifch auch verfelzen; jedoch ift alsdenn nöthig, dafs er hei küh- 
ler Witterung und unter beftändiger Bewegung an den Ort feiner Beftimmung hingefchafft 
werde, wie denn der König Friedrich I. fie aus Deutfchland nach Schweden hinüber bringen 
iiefs, und dafeibft einheimifch machte. Zum Anlegen der Schmerlengruben, wählet man 
entweder folche Stellen in einem Bache, die einen fteinigten Grund haben, oder folche, die 
ihr Waller von einer frifchen Quelle erhalten. Diefe Gruben muffen eines halben Mannes 
Tiefe, fechs bis acht Fufs in der Länge haben, und halb fo breit feyn. Sie werden entweder 
mit einer hölzernen mit Löchern oder Zwifchenräumen verfehenen Einfsflung, oder mit 
einem Korbe verkleidet, jedoch fo, dafs zwifchen diefer Einfaffung und den Wanden ein 
Raum von einem halben Fufs übrig bleibe, welcher mit Schaafmift ausgefüllt und feft getre- 
ten wird. Das Wafler wird alsdenn in diefe Grube geleitet und die Oefnung mit einem 
durchlöcherten Bleche verfehen, damit nicht nur der Eingang fremder Körper verhindert, 
fondern auch die Wafferratzen abgehalten werden mögen. Unterwärts verfchafft man in 
gleicher Höhe dem überßüfsigen Waffer einen Ausgang, deffen Oefnung mit einem gleichen 
Bleche verfehen wird. Der Grund müfs, drei bis vier Zoll hoch, mit Kies ausgefüllt' und. 
einigen grofsen Steinen verfehen werden, damit man diefem Fifch Gelegenheit zum Laichen 
verfchaffe. Die eingefetzen Schmerleu , , welche an dem Schaafmift faugen, erhalten dadurch, 
und durch den Genufs der darin befindlichen Würmer, eine reichliche Nahrung: jedoch 
lafien fie fich auch mit Leinkuchen und Mohnfsamen füttern. Die befte Zeit zum Ver- 
fetzen diefer Fifche ift um Martini. Da ihre Vermehrung fehr ftark ift, und die zahl- 
reiche Brut dadurch, dafs fie fich einander die Nahrung entziehen, an ihrer Entwickelung 
und in ihrem Wachsthum verhindert werden (verkuken); fo thut man wohl, wenn man 
bei ihnen eben fo wie bei den Karpfen verfährt, und mehrere Gruben zugleich anlegt, da- 
von die eine zum Streichen , die andere zum Einfetzen der Brut, und die dritte für diejeni- 
gen, welche zur Küche beflimmt find, gebraucht wird. 

Die Leber und Gallenblafe find grofs, der Darmkanal kurz; das Herz ift länglich 
von hochrother Farbe, und läfst fich der Umlauf des Bluts an dem Schwänze diefes Fifches 
mit dem bewafneten Auge deutlich wahrnehmen. Im Rüdgrade find vierzig Wirbelbeine 
und auf jeder Seite zwanzig Ribben. 



227 

In Deutfchland heilst diefer Fifch faft durchgangig Schmal; in Preufsen Schmerling, 
Schmerkin ; in Schießen Grandel, Gründling, Bartgrundel; in Sachfen Smerk, Schmirlin; 
in Oefterreich Gründet; in Holland Hoogkyher ; in Dännemark Smerling; in Schweden 
Gronling; in EngLnd The Bearded und Groundling. 



V. GESCHLECHT. 

Die Hechte. 



ERSTER ABSCHNITT. 

Von den Hechten überhaupt. 

JLIer Kopf oben platt, die Rückenfloffe nahe am Schwänze. 
Lucius capite cathetoplateo , pinna dorfi ad caudam. 

Efox. Linni. S. N. g.180. p. 515. Maftaccembelus. Klein. Miß'. IV. §. 10. p. 2t; 

— Artedi. gen. pifc. g. 10. p. 14 et Sphyraena. Pfalifoftomus. Miß. IV. §. ir. p. 22. et Lu- 

Append. ad fyn. p. 112. cius. Miß". V. §. 40. p. 73. 

. — Gronov. Muf. I. p. 9. Zooph. p. 117. et Sy- Hecht. Müller. L. S. 4. S. 339. 

nodus. Muf. II. p. 11. Zooph. p. na. The Pike. Penn. c. 34. p. 320. 

— Gouan. Hift. pifc. g. 43. p. 195. 

Die Fifche diefes Gefchlechts haben einen oben plattgedrückten Kopf und ihre Rü- 
ckenfloffe fleht der Afterfioffe gegen über. Die Mundöfnung ift grofs; von denen mit fpi= 
zen Zähnen bewafheten Kinnladen flehet bald die obere, bald die untere hervor. Die 
Zunge ift breit, frei und bei den mehreften mit Zähnen befetzt. Der Gaumen ift glatt; 
der Rachen grofs; die Augen find rund, von mittlerer Gröfse, und liegen auf den Seiten; 
die Nafenlocher find doppelt und dicht an den Augen befindlich. Die Kiemendeckel find 
grofs, die Kiemenhaut lang und die Kiemenöfnung v^eit. Der Körper ift geftreckt, fo 
wie der Kopf mit harten Schuppen befetzt, am Rücken rund, auf den Seiten zufammenge- 

Ff 2 



sag Erßer Abfchnitt. Von den Hechten überhaupt. 

drückt und der Bauch breit. Die kaum fichtbare Seitenlinie, welche dem Rücken näher als 
dem Bauche ifl , hat eine gerade Richtung. Die Bauchhöhle ift lang , der Körper mit fieben 
Hoffen befetzt , davon die Rücken - und Afterfloffe die kürzeften find. Diefe Filche leben 
vom Raube , vermehren fich flark 3 wachfen und fchwimuien fchnell. 

Limb bringt neun Gattungen unter diefes Fifchgefchlecht, davon fechs in Oft -und 
Wefiindien, und drei in Europa einheimifch find, und find diefe letzteren nur von den 
älteren Ichthyologen befchrieben worden. Wiliughby lehrt uns zuerft von jenen den Schild. 
hecht unter dem Namen des grofsfehuppigten Nadeififch.es a) kennen , und Artedi führt in 
feinem Syfiem diefe vier Gattungen unter den zwei angeführten Gefchlechtern des Hechts 
und Pfeälhechts auf b). In der Folge machte uns Marggräfitdi zwei brafilianifchen Hechten 
bekannt c). Klein brachte von ihnen vier Arten in drei verfchiedene Gefchlechter, davon 
der Hörn - und brafilianifche Hecht zu feinen Wurffpiefsen d) und der Schildhecht zu feinem 
Zangenfchnautz gehört e), der gemeine aber mit der Ziege, dem Sichläng, dem fliegenden 
Hering und dem Hüpfer, unter dem Namen Lucius, zufammengeftellt wird f ). Nicht lange 
darauf befchrieb Catesby den bahamifchen g) und Grouov die amerikanifchen h), aus wel- 
chen diefer ein eigenes Gefchlecht (Synodus) macht, von den übrigen acht Gattungen be- 
fchreibt er nur den gemeinen, den Hörn- und Schildhecht. LinnS hat diefe Zahl mit einer 
neuen Gattung vermehrt, nemlich dem Kahlkopf i), welcher in Oftindien zu Haufe ifi. 



a) Ichth. append. p. 22. t. P. 8- f- 2. Ca- f) Erfte beide gehören, nach der linneifchen 
tesby hat davon auf der dreifsigften Tafel eine Eintheilung, wegen ihres zahnlofen Mundes, ins 
ausgemahlte Zeichnung geliefert. Karpfen gefchlecht, der dritte wegen der langen 

b) Efox et Sphyraena. Bruftfloffe zu den fliegenden Fifchen, und der 

c) Unter den Namen Timucu. Braf. p. JÖ8- letzte, weil die obere Rückenfloffe aus Stacheln 
und Piquitinga. p. 159, erfteren nennt Mütter befteht, zu den Stichlingen oder Stachelbärfchen. 
im L. S. 4. S. 343. die Elephantennafe und letz- g) Vulpes bahamenfis. p. r. t. r. f. 2. 

tern den Schnepfifch. ' h) Den Fuchs ■ und Zahnhecht. 

d) Maftaccembolus. n. 1. 3. ») Gymnocephalus. 

e) Pfalifoftomus. n. J. 



Zw feter Abfchnitt. Von den Hechten insbefondere. $1$ 

ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Hechten insbefondere. 

DER HECHT. 
XXXIMe Taf. 

AJie Schnauze breit und gedrückt. K. 15. Br. 14. B. 10, A. 17. S. 20. R. 20. 
Efox roßro plagiophteo. B. XV. P. XIV. V. X. A. XVII. C. XX. D. XX. 

Efox Lucius, roftro depreffo fubaequali. Linne. Lucius Autorum. 

S. N. p. 516. n. 5. Der Hecht der deutfchen Schrifcfteller. 

Diefer allgemein bekannte Fifch bat einen fonderbar gebildeten Kopf, deffen vor- 
derfter Theil von oben nach unten, an den Backen aber von beiden Seiten zuFaiumenge- 
drückt ifl. In der Kiemenhaut find fünfzehn, in der Bruflfioffe vierzehn, in der Bauchfloffe 
zehn , in der Äfterfloffe fiebenzehn , in der Schwanz - und Rückenfloffe zwanzig Strahlen 
befindlich. Der Kopf ifl grofs, die Mundöfnung, welche fleh beinahe bis an die Augen hin 
erflreckt, weit, und von "den beiden Kinnladen raget die untere etwas hervor. Man flehet 
in diefer eine Reihe Zähne, von denen die vorderen kleiner und die hinteren gröfser und 
ftärker find ; jene ifl nur vorn mit einer kleinen Reihe von Zähnen verfehen : im Gau- 
men hingegen flehet man drei nach der Länge parallel laufende Reihen Zähne, davon die 
mittlere nur klein , die andern aber gröfser und dabei einwärts gebogen find. Diefe haben 
fämtlich ihren Sitz in der Haut und ihre Anzahl beläuft fich auf fieben hundert, diejenigen 
Ungerechnet, welche hinten am Schlünde nahe an den Kiemen befindlich find. Es ifl merkwür- 
dig, dafs von den Zähnen der Kinnlade allezeit wechfelsweife der eine feft und der andere be- 
weglich ifl. Die Augen haben einen bläulichen Stern in einem goldfarbenen Ringe. Der Kopf 
ifl eben fo wie der Körper marmorirt. Letzterer hat eine beinahe viereckige Geflalt, indem 
der Rücken bis an feiner Floffe, fo wie der Bauch bis an die Afterfiofle breit, und die Seiten 
zufammengedrückt find. Der Rücken ifl fchwarz, der Bauch weifs und fchwarz punktirt, 
die Seiten find grau, mit gelben Flecken verfehen, welche bisweilen fo häufig find, dafs 

Ff 3 



i.DerHecht. 



2^o Zweeter Abfchnitt. Von den Hechten insbesondere. 

fie in einander fliefsen und Qiierfireifen von unhefiimmter Figur bilden. Indeffen ändern 
fich die Farben nach der Verfchiedenheit des Waffers worin fie flehen , und nach dem Ueber- 
■flufs oder Mangel an Nahrung öfters ab; befonders bemerkt man zur Laichzeit, dafs die 
graue Farbe fich in eine fchöne grüne, die blafsgelben Flecke in goldgelbe verwandelen, 
und die Kiemen eine hochrothe Farbe annehmen. Manchmal findet man Hechte , deren 
Grundfarbe orangegelb ift und auf welcher fchwarze Flecke flehen. Sie werden von den 
holländifchen Fifchern Hechtkönige genannt a). Im erften Jahre hat er durchaus eine 
grüne Farbe, daher er auch zu diefer Zeit der Grashecht heifst; im zweiten verwandelt fich 
die grüne in eine graue, auf der blaffe Flecke ericheinen, welche mit dem dritten Jahre 
gelb werden. Die Seitenlinie ift gerade, und der Körper mit kleinen länglichen, harten 
Schuppen bedeckt , deren Anzahl Richter auf 17,000 fchätzt. Von den Floffen find die Bruft- 
und Bauchfloffen röthlich, die Rücken- und Aftcrfioffe bräunlich, und eben fo wie die braune 
Schwanzfloffe fchwarz gefleckt. Sie haben insgefamt viel zweigigte Strahlen. 

Wir treffen diefen Fifch in Europa faß allenthalben an : nur foll er nach dem Äma- 
tus in Spanien und Portugall nicht vorhanden b) feyn. Sein Aufenthalt find die Flüfse, 
Seen und faft alle übrige flehende Waffer. Der Hecht fchwimmt fchnell, ift fehr gefräßig, 
und thut der Fifcherei grofsen Abbruch: daher ihn nicht nur die altern Naturkündiger, 
fondern auch unfere Landwirthe, mit dem Namen Wafferwolf belegen. Er fchonet 
nicht einmal feines eigenen Gefchlechtes ; hafcht nicht nur nach kleinen Fifchen , fondern 
weifs fich auch folcher zu bemeiftern, die mit ihm beinahe von einer Gröfse find, indem er 
fie beim Kopfe ergreift, und fo lange mit den Zähnen feflhält, bis der vordere Theil in 
feinem langen Schlünde erweicht und zur Verdauung vorbereitet ift , da er dann hiernächfl 
den heraushangenden Schwanztheil nach und nach hineinzieht. Wenn er einen Barfch greift, 
fo verfchluckt er ihn nicht fogleich, aus Furcht von feiner flachlichten Rückenfloffe verletzt 
zu werden, fondern er hält ihn fo lange zwifchen den Zähnen fefl, bis er todt ift. Aus 
eben diefem Grunde fieht er den kleinften Fifch, den Stichling, ruhig um fich her fpielen: 
nur der junge noch unerfahrene Flecht, büfset zu Zeiten, wenn er diefes Fifchgen aus 

a) Koning der Snoekken. Gronov. Zooph. p. 117. n. 361. b) Gesn. Aquat. p. 502. 



Zweeter Abfchnitt. Von den Hechten ins bt •fonder -e. 231 

Hunger hafcht, fein Leben dabei ein, indem diefer durch feinen Stachel, den Gaumen de£ 
fdben durchbohrt. Noch kürzlich erhielt ich einen dergleichen mit diefem Raube im Munde, 
deffen Rückenfiachel bei den Nafenlöchern herausfand. Der Hecht begnügt fich nicht allein 
an den Fifchen, fondern er verfchlingt auch andere Wafferbewohner , als Vögel, Ratzen, 
Schlangen u. f. w. Auch hat man in feinen Rachen Theile von im Waffer verunglückten 
Menfihen und hineingeworfenen jungen Hunden und Katzen gefunden. Doch iü es merk- 
würdig, dafe er bei feiner Gefräfsigkeit giftige Dinge nicht geniefst: denn fo verfchluckte 
ein Hecht , der in einem Fifchbehälter fafs , die ihm vorgeworfene und angebundene Fröfche 
begierig, da er hingegen die ihm vorgeworfene Kröten zwar hafchte, aber fogleich wieder 
von fich gab a). Der Hecht wächfl unter allen mir bekannten Fifchen am fchnellften; 
denn im erflen Jahre erreicht er fall fchon die Länge von acht bis zehn, im zweiten 
zwölf bis vierzehn, und im dritten achtzehn bis zwanzig Zoll; nach Hederßröms Beobach- 
tungen foll ein Hecht von fechs Jahren ein und eine halbe, und von zwölf Jahren zwo Ellen 
lang feyn b) ; er wächft jedoch zu fechs bis acht Fufs Länge heran c). Man findet fogar 
bei uns am Ufer des Arendfees d) manchmal kranke oder todte liegen , welche Manneslänge 
haben follen. Da diefer See, wegen der darin befindlichen Hügel und Gruben nicht bis auf 
den Grund ausgefifcht werden kann ; fo verbergen fich die grofsen Hechte darin , und wenn 
auch die Fifcher ja einmal einen dergleichen in ihre Netze bekommen , fo. zerreifst er doch 
ctaffelbe und entkommt. Wiüughby e) gedenkt eines, welcher zwei und dreifsig Pfund gewo- 
gen ; und ein anderer von drei und vierzig Pfunden ward 1752 zu Moritzburg bei Dresden 
gefangen f). Mein gelehrter FreuncT, der Herr Dr. Brand hiefelbft, ift ein Augenzeuge 
von einem auf feinem Gute Zefen gefangenen fieben Fufs langen Hechte gewefen; und 
in des feel. Hofraths Eltefier Naturalienfamlung , fah' ich das Skelet eines Hechtkopfes, deffen 
Kinnladen zehn Zoll breit waren. In Lappland giebt es, wie Scheffer erzählt, welche von 
mehr als eines Mannes Länge g) : die gröfsten aber findet man in Rufsland h) im 

a) JVilhghb. p. 236- e) a. a. O. 

:b) Sehwed, Abhandl. 21. B. S. aifr f) Richter. S. 759. 

c) Klein. MifiT. V. p. 74. g) Laponia Francof. 1673. 4to. p. 354, 

>. Churra. L Thl. S. 1077. h) Müller. L. S. 4. S. 340. 



2,™ Zweeter Abfchuitt. Van den Hechten insbefondere. 

Wolcfaftrome a). Es gelangen auch diefe Fifche zu einem hohen Alter; fo erwähnt 
Rzaczynsky b) eines, der neunzig Jahr, und Gesner eines andern, der 267 Jahr alt war. 
Letzterer wurde zu Heilbrunn in Schwaben im Jahr 1497 ausgefifcht und war mit einem 
Ringe verfehen, deflfen Infchrift zeigte, dafs Kaifer Friedrich IL ihn den fünften O&ober 
1230 in einen See einfetzen laffen c). Die Laichzeit des Hechtes dauert vom Februar bis im 
April ; er kommt zu diefem Ende in drei verfchiedenen Abtheilungen zum Vorfchein. 
Die erfte begreift man unter dem Namen Hornhecht, weil fie fchon im Hornung laicht. 
Sie fuchen zu diefer Zeit in den Seen die flachen mit Kräutern bewachfenen Stellen auf, oder 
wenn diele mit Flüfsen in Verbindung flehen, fo gehen fxe durch letztere auf die Wiefen, 
wo fie ihren Laich abfetzen und in diefem Gefchäfte fo emfig find , dafs man fie zu diefer 
Zeit mit den Händen hafchen kann; es werden daher die kleinen bei diefer Gelegen- 
heit unterweilen eine Beute der Krähen und anderer Waffervögel. Die zwote oder gröfsere 
Art erfcheint im Anfange des Märzes und wird deshalb von den Fifchern der Märzhecht 
genannt. Die dritte kommt endlich im April zum Vorfchein, und wird, weil ihre Laich- 
zeit mit der Laichzeit des Frofches zufammentrifft , Frofch-oder Paddenhecht genannt. 

Diefer Fifch hat ein zähes Leben, welches auch daraus zu erkennen ift, dafs man 
ihm den Bauch aufschneiden und wieder zunähen kann, ohne dafs er deswegen das Leben 
einbüfse. Diefe Operation foll in England öfters mit ihm vorgenommen werden: denn da 
er bei ihnen, wenn er fett ift, in einem hohen, der magere aber in einem fehr geringen 
Werthe flehet; fo fchneiden ihm- die Fifcher den Bauch auf; wenn fie ihn nun mager finden, 
fo nähen fie ihn wieder zu , und werfen den Fifch wieder in die See d). 



a) In den breslauifchen Sammlungen vom fer nur ein Bewohner des füffen Waffers ift. 

Jahr 1725. S. 175 Wird eines Hechts erwähnt , Eben foün wahrscheinlich ift es mir auch, wenn 

der acht Klafter lang gewefen , und Stoff dafelbft gefagt wird, dafs man in Sibirien Hechte 

zu fünf und zwanzig Tonnen Salzhechte her- von zwei hundert Pfunden fände, 
gegeben habe: allein da gefagt wird, dafs er b) Hift. nat. Polon. p. 152. 

am dondangifchen Strande in Curland fey ge- c) Gesn. Thierb. S. 176. b. Nomenclat. p. 316. 

fangen worden ; fo ift es wol ohnftreirig ein d) Gesn. Aquat. p. 503. Wdlughb. p. 236. 

Seefifch und kein Hecht gewefen, indem die- 



Ziveeur dbfclmttt. Von den Heckten insbefondere, ajj 

Seins Feinde find, wenn er noch klein ift, der Barfch und der Zander 5 jedoch 
weifs er ihnen durch fein fchneües Schwimmen leichte zu entkommen. Den mehreren Scha- 
den fügen de fich unter einander felbil zu , und auch der Umfland fetzt ihrer zu ftarken 
Vermehrung Grenzen, dafs beim fchnellen Fallen des Wafferg im Frühjahre der Rogea 
Biif dem Gräfe in Menge fitzen bleibt und vertrocknet 

Man fängt diefen Fifch mit Wathen, Hahmen, dem Wurfgarn, Senken, Reufen ( 
mit der Angel und Angelfchnur. An diele beifst er um fo leichter, wenn die Luft trübe ifl, 
lind er die Schnur und Angel nicht merkt; auch wenn die Witterung flürmifch ift, treibe 
ihn der Hunger an, nach diefer Lockfpeife zu hafchen, weil zu diefer Zeit die übrige» 
Fifche fich an Grunde aufhalten. Ferner begünftigt das Mondlicht diefen Fang; ohne 
Zweifel, weil ihm alsdann der Schein des an die Angel gefleckten Fifches eher ia 
die Augen fällt. Auch lockt man den Hecht durch die fogenannte Darge, (ein Stück polir^ 
ten Meflings, das wie ein Fifch geftaltet, und deflfen Augen durch ein Paar rothe Läpp» 
chen vorgeftelk find,) an die Angel. Hat man einen grofsen Hecht auf die Spur; fo lä'fsfc 
fich derfelbe am beßen durch einen kleinen an die Angel gedeckten Hecht berücken» 
Auch mit dem Speer wird er in Schweden das ganze Jabr hindurch , bei uns aber nur im 
Winter unter dem Eife , geflochen : am häufigfien erhält man ihn bei der Eisfifcherci. 
Der Hecht giebt gewöhnlich den kurz vorher efhafchten Raub fobald von (ich, als ee 
etwas gedrückt wird. 

Der Hecht wird auf mancherlei Weife zurecht gemacht, und da er fowol der vor- 
nehmen als geringen Leute Speife 1(1; fo halte ich es für unnöthig, mich bei den Zuberel» 
tungsarten aufzuhalten: nur dies will ich noch anführen, dafs man denfelben, nachdem er 
zuvor mit Sardellen gefpickt, an 'den Spiefs (leckt, mit Butter und Citronenfaft begiefst und 
bratet ; in welchem Fall er ein überaus fchmackhaftes Gericht abgiebt a). Da diefer Fifch 
ein weifses , nicht zu hartes und leicht zu verdauendes Fleifch hat ; fo giebt es auefe 
fchwgchlichen und kränklichen Perfonen eine gute Nahrung: befanders gilt dies von den 
kleinen oder fogenannten Grashechten. Der Hecht wird, fo wie auch bei uns, in Läpp. 

a) Wer indeffen mehr davon zu wiffen Dr. Krünitz oeconom. Encyclop, 22. Tbl. 
verlangt s den verweife ich auf des Herrn S, 604 — 614. 



234 Ziveeter Abfchnitt, Von den Hechten inshefondere. 

land a) theils eingefalzen , theils getrocknet oder geräuchert, in Fäfser gepackt und unter 
dem Namen Salz- oder Pöckelhecht verfendet. Das Einfalzen gefchiebet auf folgende Art: 
Nachdem der Hesht aufgeriffen, die Eingeweide ausgenommen und durch das Auswafchen 
vom Bluthund Schleim wohl gereinigt find, wird er in Stücken gefchnitten, mit Salz ein- 
gerieben und feft verpackt: diejenigen aber, welche ander Luft getrocknet oder geräu- 
chert werden, muffen vorher, nachdem fie auf erwähnte Art zurecht gemacht find, drei 
Tage im Pöckel gelegen haben. Man nennt diejenigen Perfonen , welche lieh mit diefem 
Gefchäfte abgeben, Hechtreifser. Der Handel mitdiefer Waare gefchieht bei uns vorzüg- 
lich in Frankfurt an der Oder, wo fie nicht nur aus dem Oder -und Wartebruche, fon- 
dern auch aus Sachfen und der Laufitz hingebracht, und von hier eingefalzen in Tonnen 
gepackt und nach Pohlen und in andere Länder verfandt werden. 

Der Schlund ift eben fo, wie der Magen, mit ftarken Falten verfehen, nur find 
die bei jenem von einer blaffen und diefe von einer rothen Farbe; es laffen fich fowol 
die nach der Länge als nach der Queer laufende Fleifchfafern , befonders wenn durch ein 
geringes Kochen der Schleim davon getrennt worden ift, daran deutlich erkennen. Die aus 
diefer Richtung entftehende Bewegung fetzen ihn in den Stand, die verfchluckten Speifen nach 
Willkühr von fich zu geben: eine Eigenfchaft, die, fo viel ich weifs, diefem Fifche nur 
allein zukommt; der Magen reicht nur bis zur Mitte des Körpers. Der Darmkanal ift kurz 
und hat nur eine Beugung; ich habe letztem fehr oft, befonders bei jungen Hechten, mit 
dem dreifpitzigen Bandwurm b) angepfropft gefunden, und nicht feiten aus einem zwei bis 
dreipfündigen Hecht fünfzig bis hundert vollftändige Bandwürmer herausgenommen. Zwi- 
fchen den Falten bemerkte ich das Doppelloch c) und aufser diefem waren noch einige 
Wurmarten in feinen Eingeweiden befindlich. Das Herz flel.lt ein längliches Viereck vor, 
an deflen Grundfläche das Herzohr d), und über demfelben der Pulsaderfack e) be- 
feftigt ift.' Die Leber, welche auf der linken Seite liegt, ift lang und ungetheilt; die Gal- 
lenblafe grofs, und die Galle felbft von gelber Farbe. Die kleine Milz ift dreieckigt, die 



a) Scheff. Laponia. p. 353. a.a. O. S. 537. 1. 14. f. 1 — 4- 

b) Befchäft. naturf. Freunde. 4. B. S. 541. d) Auricula cordis. 
t. j,;., e) Saccus arteriofus. 



Ziveetcr Abfdmitt. Von den Hechten hislefcndtre. 235 

Nieren liegen längs dem Rückgrade und die Harnblafe olinwcit des Nabellochs. Die 
Sehwimmblafe ift einfach und der Milch fo wie der Rogen doppelt ; im letztern zählte ich 
im März in einem fechspfündigen Hecht 136,500 gelbliehe Eyer, von der Gröfse des Hirfe- 
faamens. Aus diefen wird in verfchiedenen Ländern Caviar gemacht, und in der Mark 
bereitet man ihn mit Sardellen zu einem wohlfchme:kenden Gerichte, welches unter dem 
Namen Retzin bekannt ift. Im Rückgrade hat er ein und fechszig Wirbelknochen und auf 
jeder Seite ein und dreifsig Ribben. 

Diefer Fifch ift in Deutfchland unter dem Namen Hecht, und der einjährige unter 
Grashecht bekannt; in Liefland heifst er Hecht, Lihdeks und Äug; in Pohlen Szuk und 
Szuka; in Ungarn Stukka und Cfitka; in Schweden Giäddu; in Dännemark Gidde; in Hol- 
land Snoek; in England Pike und der junge Piker eü; in Frankreich heifst der kleine Lan- 
ceron und Lancon, der von mittlerer Gröfse Brächet und Poignard, der grofse Brocket Car- 
rem , und in Italien Luzzo oder Lucio. 

Da der Hecht ein allgemein beliebter Fifch ift a), und nicht nur in allen Wallern 
fortkommt, fondern auch bald zu einem anfehnlichen Gewicht heran wächft; fo thut ein 
Landwirth wohl, befonders in einer nicht fifchreichen Gegend, wenn er Hechtteiche an- 
legt. Hierzu können diejenigen genutzt werden, welche für die Karpfen, der fchattigen 
Lage, oder der kalten Grundquellen, oder gar eines moorigten Grundes wegen, nicht brauch- 
bar find. Nur mufs zugleich für eine hinlängliche Nahrung geforgt werden, in wel- 
cher Abficht man die wenig geachteten Weifsfifche, als das Rothauge, die Plötze, Güfter, 
denSchley, oder auch einige Karaufchen oder Karpfen, nach der verfchiedenen Befchaffenheit 
des WafTers, mit einfetzt. Zu einem fandigen Grund fchicken fich die erfte drei, und zu einem 
moorigen hingegen die letzte drei Arten: nur mufs man zum Einfetzen kleine Hechte und 
grofse Fütterfifche, welche im Laich begriffen find , wählen, weil ein erwachsener Hecht, 

G g 2 

a) Zu den Zeiten des Aufon mufs er wenig- Lucius obfcurus ulva , caenoque lacunas 

ftens in der Gegend der Mofel nicht geachtet Obfidet, hie nullos menfarum leftos ad ufus 

worden feyn ; fonft würde ev nicht von ihm Fervet fumofis olido nidore popinis. 
gefagt haben: V. 122. 



2x6 Z'iveeter Abjchnitt, Von den Hechten insbefondeve. 

die Aeltern famt den Kindern bald auffreffen würde. Man hat fich einen doppelten Vortheü 
zu verfprechen, wenn man in die Streckteicbe, in welche andere kleine Weifsfifche fich ein- 
gefchlichen haben, einige junge Hechte bringet. Indem diefe die Fremdlinge verzehren, fo 
machen fie, dafs derjenige Vorrath an Lebensmitteln, welchen jene vorhero mit ihnen theilen 
mufsten, den Karpfen allein zu gute kommt: man mufs jedoch die Hechte, fo bald fie 
eine gewiffe Gröfse erreicht, wieder ausfifchen, weil fie fonft felbft den Karpfen ge- 
fährlich werden könnten. 

Plinius bemerkt, dafs der Hecht ein gutes Gehör habe a), und Morellus erzählt, 
dafs man zu den Zeiten Königs Carl IX. in einem Teiche amLouvre einen Hecht gefüttert, 
der auf jedesmaliges Zurufen fich zur Fütterung eingeteilt habe ; auch Richter versichert , 
dafs ihm ein ähnliches Beifpiel bekannt gewefen fey b). Dafs aber" nach der Behauptung" 
eben diefes Schriftftellers , der Hecht den Schley, als feinen wohlthätigen Arzt , aus Dank- 
barkeit verfchone c) , ifl wohl eben fo unrichtig , als das Vorgeben des Kramer d) , dafs 
der Genufs des Rogens Brechen und Laxiren verurfachen Tollte. In England glaubt man , 
dafs der Hecht erft im Jahr 1537 unter der Regierung Heinrich VIII. durch Verfetzen ein- 
heimifch gemacht worden fey e): allein in diefem Falle müfsten die englifche Benennungen 
mit dem Namen eine Aehnlichkeit haben, welchen diefer Fifch in dem Lande führt, woraus 
er nach England gebracht worden. 

DER HORNHECHT. 
XXXIIIfte Taf. 
Beide Kinnladen pfriemenförmig. K. 14. Br. 13. B. 7. A. 23. S. 23. R. 20. 



2 - Der Mox roflro fubulato. B. XIV. P. XIII. V. VII. A. XXIII. C. XXIII. D. XX. 

Hornhecht. J J J 



a) Hift. nat. 1. x. c. 70. d) Elench. p. 388. 

b) Ichth. S. 62. e ) p ™n> P- 33°. 

c) i. a. B. S. 755. 



Z-iveeter ßfihnitt. Von den Hechten insbesondere* ?37 

Efox Belone roftro utraque maxilla fubulato. Acus. Pifcis. Salvian, Aquat. p. 6%. b. 
Linne. S. N. p. 517. n. 6. — — Charlet. p. i3<5. n. 20. 

— — Brilm. Maff. p. 79. n. 95. — prima fpecies. Rondel. P. I. p. 227. 
Müller. Prodr.p, 49.^420. - - - Gesn. Aqaat. p. 9. 10. Thierb, 

— roftro cufpidato gracili fubtereti fpithamali. 

jr . j. ~ — vulgaris. Aldrov. p. 106. 107. 

Arteau gen. p. 27. n. 2. iVn. p. 27. n. 2. ° , _ „ 

b F ' / * ' — — mihighby. p. 231. t. P. 2. f. 4. 

— maxillis utrisque fubteretibus , fubulatis: A , , - 

cauda bifurcata. Gronov. Zooph. p. 117. , „ 

n. 362. Muf. I. p. 10. n. 30. /-. • • sv / /i < l _ *• T < T * 

s * r v P — Oppiani. gfohnfl. p. 56. 1. 15. f. 10. 17. 

Maftaccembelus mandibulis longiffimis tenuibus, — Ruyfch. Thef. p. 36. 1. 15. f. 16. 17, 

acutiiftme denticulatis , quarum Meernadel. ÜSfö/fer. L. S. 4. S. 341. 

tarnen inferior antecedit fuperio- Hornfifch. Schonev. Ichth. S. 48. 

rem. Klein. Miff. 4. p. 21. n. 1. — Richter. S. 126. 

*■ 3- f - 2 - The Garpike. Pra?2. p. 3*4- n - J 54- R« ö 3* 

C H BiXovq. Arifiot. Hift. Animal. 1.2. c.15. I.5. L'Orphie. Cours d'hift. nat. p. 210. 

c. 11. 1. 6. c. 13. 17. — Afcan. Icon. t. 6. 

Die beiden in lange Spitzen auslaufende Kinnladen, davon die obere etwas kür- 
zer ift, als die untere, geben diefem Hecht ein charakteriftifcb.es Kennzeichen. Beide find 
rund und mit fcharfen Zähnen , die in einander eingreifen , befetzt, welche den Kiefern eine 
fägeförmige Geftalt geben. Die Mundöfnung reicht bis an die Augen. In der Kiemenhaut 
find vierzehn , in der Brufifloffe dreizehn , in der Bauchfioße fieben , in der After - und 
Schwanzfloffe drei und zwanzig, und in der Rückenfloffe zwanzig Strahlen befindlich. 
Der Kopf ift an fleh, den langen Schnabel ungerechnet, nur klein, die Augen hingegen 
find grofs, zirkelrund, mit einem fchwarzen Stern verfehen, welchen ein filberfarbener 
Ring urngiebt. Die Backen und Kiemendeckel find filberfarben und fpielen ins Blaue und 
Grünliche. Die Stirn und das Genick find, fo wie der Rücken fchwarz, die Nafenlöcher 
rund und dicht an den Augen. Der Körper ift fchmal , lang , beinahe viereckig und feine 
Breite verhält fich zur Länge wie eins zu fünfzehn. Diefe bei den Schuppenfifchen unge- 
wöhnliche Länge und fchmale Gefialt, hat ihm den Namen NadelhTch bei den älteren Ich- 
thyologen zuwege gebracht. Die Seiten find oberhalb grün, fpielen in eine blaue Farbe, 
und lind bis zur Hälfte mit länglichen zarten Schuppen bedeckt, unterhalb, fo wie am Bauche 

G g 3 



a^g Ztoeeter Abfchnht. Von den Hechten iitibefondere. 

glatt und von einer glänzenden Silberfarbe. Die fchöne Farbenmifchung und der gefeh mei- 
dige Körper, womit diefer l'ifch in feinem Elemente fchlangenföVmige Bewegungen macht, 
gewähren dem Auge einen überaus reizenden Anblick. Das Schwanzende ifl dünn, wird an 
der Floße aber wieder breit, daher es eine lanzettförmige Figur ( trapezium ) bildet. Die 
oerade nahe am Rauche befindliche Seitenlinie, weichet in ihrer Richtung von den bishero 
befchriebenen Fifchen merklich ab ; fie fängt nicht wie jene , nahe am Genicke an , und 
endigt fich auch nicht fo in der Mitte der Schwanzfloffe: fondern fie entfpringt unterhalb 
des Kiemendeckels, läuft nahe am Bauche mit demfelben parallel und verliert fich unten an 
der Schwanzfloffe. Die Floffen find im Verhältnifs des langen Körpers nur kurz , bei den 
grauen Bruft-und ßauchfloflen die Strahlen vielzweigig, bei, der bläulichen After - und 
Rückenfioffe hingegen nur einfach. Die Schwanzfloffe hat einen kleinen Ausfchnitt , eine 
blaue Einfaffung und an den Spitzen getheilte Strahlen. 

, Wir treffen diefe Fifche faft in allen Weltmeeren an : daher fie auch die Griechen 
und Römer kannten. Ihr Aufenthalt find die Tiefen des Weltmeers, aus denen fie vom 
März bis im Jun fchaarenweifc an die flachen Stellen und Küften hingezogen kommen , um 
ihr Gefchlecht dafelbfi fortzupflanzen , und fie find gewöhnlich die Vorläufer der Makrcl- - 
len, mit welchen auch ihr Fleifch am meiflen übereinkommt. Sie gehören, wie die be- 
wafneten Kinnladen beweifen , zu den Raubfifchen , und werden felbft nicht feiten eine 
Beute der Seehunde, Cabeljaue, Dorfche und anderer fieifchfreffenden Seebewohner. Sie ha- 
ben Gewöhnlich die Gröfse von einem bis einem und einen halben Fufs, und find dann ein 
halbes Pfund fchwer; indefle-n findet man auch zu Zeiten welche von;drei bis vier Fufs Länge 
und alsdann von zwei bis drei Pfunden. Sie werden mit einer befondern Art des Speers 
oefangen, welcher aus einer hölzernen Stange und einem daran befefiigten mit Spitzen 
in Geftalt einer vielzackigten Gabel verfehenen Eifen befleht. Ein jeder dergleichen 
hat wenigftens zwanzig fechs Zoll langer Spitzen. Der Fang diefer Fifche gefchie-. 
het zur Nachtzeit folgendergeftak : Gewöhnlich fetzen fich vier Fifcher in einem Kahn, 
davon der vorderfle eine aus Holz und Stroh verfertigte Fackel in der Hand hält, um die 
Fifche, welche dem Lichte nachgehen, herbei zu locken; die übrigen drei lauern mit ihren 
Speeren auf die herankommenden Fifche, und wenn fie diefen nahe genug zu feyn glauben j fo 



Zweeter Abfchnitt. Von den Hechten insbefondere. 2.39 

fahren fie mit ihrem Speer auf fie los, und fpiefsen gewöhnlich damit mehrere zugleich. So 
erhalt man auf diefe Art, wenn der Fang glücklich von Hatten geht, in einer einziger Nacht 
zwölf bis fünfzehn hundert Stück: jedoch mufs alsdann die Nacht finfter und das Waifer 
ruhig feyn , damit die Fifche weder die Menfchen fehen , noch die Bewegung des 
Kahns hören. 

Der Fang diefes Fifches ifl in manchen Gegenden fehr beträchtlich: weil er aber, 
wegen feines mageren und zähen Fleifches, nicht fonderlich geachtet wird 5 fo bedient man fich 
deffelben zum Köder für andere Fifche. So verliehene mich der berühmte Herr PrcfefTor 
Camper, dafs man fie in Holland häufig fange, und davon keinen andern Gebrauch, als 
zum Dorfchfang mache, indem man fie in Stücken fchnitte, einfalze, in Fäfser packe und 
fo zu der Dorfchfifcherei mitnähme. Eine merkwürdige Eigenfchaft diefes Fifches ift es, 
dafs feine Graten beim Kochen oder Räuchern eine fchöne grüne Farbe annehmen: aber 
eben diefes ungewöhnliche bewürkt bei vielen Menfchen einen Abfcheu vor dem Ge- 
sims diefes fonft mit weifsem Fleifche verfehenen Fifches. In Pommern wird er indefien 
an der Gegend der Oftfee auf die Art wie der gemeine Hecht zurecht gemacht, ver- 
fpeifst, auch dafelbft wie der Schnepel geräuchert und mit märkfehen Rüben ge- 
kocht. 

Die Bauchhöhle ift lang, der Darmkanal kurz und ohne Beugungen; er fängt 
im Schlünde mit einer weiten Oefnung an, und wird nach und nach enger, ohne dafs 
man daran einen befondern Abfatz, welcher das Ende des Magens anzeigte, wahr- 
nimmt. Die übrigen Eingeweide find wie die beim vorhergehenden geftaltet. In fei- 
nem Rückgrade find fünf und achtzig Wirbelknochen , und auf jeder Seite ein und 
fünfzig Ribben befindlich. 

In Deutfchland heifst diefer Fifch Hornhecht, Nadelhecht; in der Gegend von Dan- 
zig Sckneffel-, in Dännemark 'Hom-FwA; in Norwegen Horn-Give, Nehhe-Sild, Horn- 
ige!; in Schweden Näbbgjädda, Horngiäll ; in Island Gierne-Fur; in Holland Geep ; in 
. England Needkßsh, Garfish, Homfish, Sea-Needell; in Frankreich Äiguille befonders in Bre- 
tagne Egnilktte und in Marfeille Nagojo oder Aguillo ; in Italien Acucella und AngußcuJa. 



&4@ Zmeter Mfdmtit. Von den Hechten imfcföndere. 

Peunant führt unrichtig Wulfs Seenadel (Sygnatus) welche zu den fchwimrnenden 
Amphybien gehört, zu unfern Fifche an a). Bomare irrt, wenn er fagt, dafs diefer Fifch 
pur einen einzigen Wirbelknochen habe s welcher grün würde b)| denn nicht nur der 
ganze Rückgrad , fondern auch die Ribben und übrigen Gräten nehmen durch das Kochen 
«freie Farbe an, und habe ich zu mehrerer Deutlichkeit ein Stück vom Rückgrade auf 
der Kupfertafel vorgeftellt. Gronau führet zu denfelben den Timocu des Marggraf 
an c)j allein, wie ich aus der ausgemalten Handzeichnung des Paters Plumier erfehe ; fo 
Jffc jener amerikanifche wenigflens eine Abänderung von dem anfrigen , denn der Körper 
Ift geftreift, und mit einer dreifachen Reibe fcbwarser Flecke befetzt: auch ift das Schwan«, 
ende abgeftumpft, und die eine Spitze der Schwanz.lofle länger, als die andere. 



VI, GESCHLECHT, 

Die Weife. 



ERSTER ABSCHNITT, 

Von den Weifen überhaupt. 

JLler Kö'rper fchuppenlos, der Mund mit Bartfafern befetzt, 
Silurus eorpone deßjuamato, ore cirrofo, 

Slhjrus. Linni S. N, g. 175. p. gor. Ciarias. Gronov. Zooph. p. roo. Siluras. p. rot, 

mm Artedi, gen. p. 82. Afpredo. p. 102. Myftas. p. 124. Cal- 

— Klein, Miff, 4. $.6. p.Q. Enchelyopus. Hchthys. p. 127. 

p. 58. n. 17. Batrachus, WS. V. p. 83. Der Wels. Müller. L. S. 4, S. 288- 
~t Gouan, Hift. pifc. p. 105. igr. 

Die Fifche diefes Gefchlechts erkennt man an dem fchuppenlofen und fchlemu- 
gen Körper, und an dem mit Bartfafern befetzten Munde. Der Kopf ift grofs, 



§0 Brjtt,3<x>i. p.334. b) Dia Hift, natur. T-8- p-63- <0 Zo °ph' P- JA 7* 



Erfier Abfchnht. l r on den Weifen überhaupt. «m 

breit, von oben nach unten zufammengedrückt. Die Mundöfnung und der Rachen find 
weit, die Lippen dick, die Kinnladen mit Zähnen befetzt; die Zunge ifl dick, glatt, und 
fehr kurz ; die Augen find klein und die Kiemendeckel kaum beweglich. Die Kiemenliaüt ifl 
dick, breit und die Kiemenöfnung klein und fitzt feitwärts. Der Körper ifl geftreckt, auf den 
Seiten zufammengedrückt, mit einem zähen Schleim überzogen und daher glatt anzufühlen: 
nur zwo Gattungen ausgenommen, welche, da ihr Körper mit einer Reihe von Schildern 
bedeckt ifl, rauh find. Die Seitenlinie befindet fich nahe am Rücken, der Bauch ifl kurz 
und dick und der Körper mit fieben kurzen Flößen befetzt, davon gewöhnlich die Brufi- 
oder RiukenflofTe mit einem gezähnelten oder fägeförmigen Strahl verfehen ifl : die mehrefien 
Weife haben auch eine Fettfloffe am Rücken. Sie leben vom Raube, fchwimmen langfani 
und liegen beinahe befländig im Grunde. 

Es ifl merkwürdig, dafs von den ein und zwanzig Gattungen, welche, den angege» 
benen Kennzeichen zufolge, in diefes Gefchlecht gehören, nur ein einziger in Europa ein- 
heimifch ifl; und man findet daher nur diefen von den älteren Ichthyologen befchrieben. 
Marggraf machte uns zuerfl mit einigen brafilianifchen a) und Lifier mit einem aus dem Nil 
bekannt. Jene haben Willughby b) und Kay c) als ein eigenes Gefchlecht, und diefe 
unter dem Namen der indifchen Lamprete befchrieben d). Ob zwar Artedi feine Vor- 
gänger, den Willughby und Ray oft genutzt; fo hat er doch diefe nicht in fein Sy- 
flem mit aufgenommen: denn er führt nicht mehr als zwo Arten an, davon die 
zwote e) oder unfere Quappe nicht in diefe Abtheilung, fondern zu den Brufmoffern , 
und zwar in das Cabeljaugefchlecht, gehört, wohin er fie auch an einem andern Ort 
gebracht hat f). Bald darauf lehrte uns Seba vier amerikanifche, nämlich den del- 
phinartigen g), den bandirten h), den Helmkopf i) und den rauhen Wels k) und 

a) p. 173. eine Quappe ift, zweifelt er felbft, daß fie 

b) p. 139. c. 28- t H. 7. f. 1 — 7. hieher gehöre. 

c) Synopf. p. %Xi n. 1. — 6. f) gen. p. 22. n. 10. fyn. p. 3g. 0.13. 

d) Wiüughb, append. ichth. p. 4. t. 6. f. 2. g) Muf. 3. 1. 14. f. 1. 
Ray fynopf. p. 150. n. 9. h) a. a. O. 1. 19. f. 6. 

e) Syn. p. in. von der zwoten Species in i) Dafeibfl; f. 7. 
feiner Gen p. 83- hingegen, welche gleichfalls k) a. a. O. t. 29. f. 10. 

Hh 



24a ' Zweeter Mfchnitt. Von den Weifen insbefondere. 

■Catesby den Panzerwels a) kennen. Klein befchrieb nicht lange nachher nur fechs Arten, 
nämlich drei als Weife, davon aber die zwote eine StÖhrart ift b), zwo als Frofchnfche 
(Batrachus) c), und eine als Baftardaal (Enchelyopus) d). Nach der Zeit macht uns 
Ruffel e) mit zwoen, Hafelquifi f) mit eben fo vielen afiatifchen, und Garden mit einem 
amerikanifchen bekannt. Darauf befchrieb Gronov unter den oben angeführten vier Gefehlech- 
tern dreizehn Gattungen, worunter jedoch nur eine neue vorkommt g). Endlich hat der Ritter 
einige furinamfehe und oftindifche, aus verfchiedenen Naturalienfammlungen, der Nachwelt 
aufbehalten, und auf diefe Art kennen wir nunmehro ein und zwanzig Weife, davon wir 
. von \ den zwanzig ausländifchen Heben dem Linne h), viere dem Seba i), dem Marggraf 
zween k), eben fo viel dem Hafelquiß 1) und dem Lifler m), Ruffel n), Garden o), Ca- 
tesby p) und Gronau q) einem jeden einen zu verdanken haben. Hiervon befitze ich 
verfchiedene , wovon ich aber nur drei befchreiben werde. 

ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Weifen insbefondere. 

DER W E, L S. 
XXXIVfte Taf. 

Uer Rücken mit einer Floße und der Mund mit fechs Bartfafern verfehen. K. 16. Br. ig. 

1. Der Wels. 

B. 13. A. 90. S. 17. R. 5. 

Silurus pinna dorß unica, cirris 6. B. XVI. P. XV1IL V. XIII. A. XC. C. XVII. D. V. 

a) Suppl. S. 9. 1. 19. i) Afpredo. n. 3. Galeatus. n. 11. Fafciatus. 

b) Miff IV. p. 10. n. 16. Callichthys. n. 20. 

c) Miff. V. p.S5- t.4. f.7.8. k) Catus. n. 12. Bagre. n. 17. 

d) Miff. IV. p.58. n.17. i) Myftug# n<4- C]ariaSt n-J5> 

e) Hift of Aleppo. nach der Leid. Ausgabe. m) Anguil!ads- n> ^ 
p. 89- t. 5. f. 6. 7. 

O Reife nach PaMina. S. 371. n) ° US ' B *J?" 

g) Muf.a. p. 5 . n.153. t.5. f.3. Zooph.n.325. o) Fdis - "• IO - 

h) Afotus.n.i. Batrachus. n. 6. Undecimalis. P) Cataphraftus. n. 21. 

n.7. Militaris. n.8- Inermis. n.9. Carinatus. n : 14. q) Coftatus. n. 19. 

Afcita. n. j8. 



Ztoceter Ahfchnitt. Von den Weifen insbefondere. 243 

Silurus Glanis, plana dorfali unica mutica, cirris 6. Glanis et Silurus Autorum. 

Linm. S. N. p. 501. n. 2. Der Wels der deutfchen Schriftfteller. 

Die einzige Rückenflofle und die fechs Bartfafern am Munde, davon die an der 
Oberlippe die längflen find , dienen diefem Fifch zum Unterfcheidungszeichen. In der Kie- 
menhaut hat er fechszehn , in der ßruflflofle achtzehn , in der BauchfiofTe dreizehn , in der 
Afterflofle neunzig , in der SchwanzflofTe fiebenzehn und in der Rückenfloffe fünf Strahlen. 
Der Kopf i,(i in Geftalt einer Schaufel plattgedrückt und von fchwarzgrüner Farbe. Die 
Mundofnung ift fehr grofs, und beide bogenförmige Kinnladen, wovon die untere etwas 
hervorgeht, find mit einer Menge kleiner Zähne befetzt, die fich wie eine Rafpel anfühlen 
laflen. Aufser diefen hat er im Rachen vier hervorflehende mit kleinen gekrümmten Zäh- 
nen befetzte Knochen , davon einer auf der Kupfertafel vorgeftellt ift. An der Unterlippe 
ift auf jeder Seite eine längliche glatte Vertiefung fichtbar. Dk runden NafenlÖcher flehen 
zwifchen den beiden längften Bartfafern, und hinter denfelben die kleinen Augen, mit einem 
fchwarzen Stern, in einem weifsen Ringe. Der Rücken ift rund und von grünlichfchwar- 
zer Farbe ; eben diefe Farbe haben die Seiten über der Linie, unterhalb derfelben aber find 
fie blafsgrün, und der ganze Körper ift mit fchwärzlichen Flecken von unbeftimmter Figur 
befetzt, und dabei mit einem zähen Schleim überzogen. Der Körper ift dick und lang, der 
Bauch kurz , breit und von einer weifsgeiblichen Farbe. Die Bruftfloflen find am Grunde 
£0 wie am Ende bläulich, in der Mitte aber gelb; ihr erfter Strahl ift ftark knöchern und 
nach inn wendig gezähnelt. Die Rücken - und BauchfiofTe find am Grunde gelb , an den 
Spitzen bläulich und beide flehen demKopfe näher als dem Schwänze. Die lange Afterflofle und 
die runde SchwanzflofTe find am Grunde graugelb und haben «ine violette Einfaflung. 

Wir treffen diefen Fifch nicht nur beinahe in allen füfsen WaflWn der mehrefien 
europäifchen, fondern auch anderer Länder an, wie denn Plinius defTen Dafeyn im Nil be- 
zeugt a) ; zu Zeiten auch , jedoch nur höchft feiten , findet man ihn in der See. So fchreibt 
mir der Herr Profefior Kölpin , dafs er einen Fifch , der bei der Infel Rüden in der Oft- 
fee im Jahr 1766 gefangen und anfänglich für ein Meerwunder gehalten worden, bei 

HI12 

») Hift. Anirnal. 1. 5. c. 9, 



&44 



Zweeter Abschnitt, Von den Weifen imbefondere. 



näherer Unterfuchung für einen gemeinen Wels erkannt habe. Er ift nebft dem Haufen 
der grofste Fifch der füfsen Waffer, fo wie er auch unter allen den gröfsten Kopf und einen 
£p weiten Rachen hat, dafs, nach der Veriicherung des Richtet- a), in einem, welchen man 
bei Limritz in Pommern fing , ein fechs - bis fiebenjähriger Knabe ganz füglich hineinkrie- 
chen konnte; und wie Aldrov. b) erzählt; fo foll ein Wels bei Prefsburg einen badenden 
Knaben erhafcht haben: denn als man ihn bald nachhero fing; fo fand man bei ihm noch 
Theile deffelben c). Ich halte es indeffen für wahrfcheinlicher, dafs diefer Knabe zuvor 
verunglückt, und nur, nachdem er bereits todt gewefen, als dafs er von ihm lebendig follte 
Verfehlungen feyn. Diefer Fifch erreicht eine anfehnliche Länge und Dicke. Schon dem 
Arißotsles waren welche von drei Schritt Länge d) , und dem PUnius welche von zwei hundert 
und fünf und zwanzig Pfund fchwer e) bekannt. Richter fah' einen auf einem Wagen liegen, 
welcher bei weitem die Länge des Wagens überflieg f). Sie werden, nach der Verfiche- 
rung des Krämer g) , in der Donau über dreihundert Pfund fchwer angetroffen , und ihr 
Bauch dabei von einem fo grofsen Umfang, dafs ihn zwei Menfchen nicht umfpannen konn- 
ten h); auch werden fie dafejbft fo fett, dafs man in gewiffen Gegenden an diefem Strohme 
ihr dickes Fell mit der darunter Hegenden Fetthaut an der Luft trocknet und flatt des Specks 
gebraucht i). Man kann daher den Wels in gewiffer Abficht, den Wallfifch der füfsen 
Wafler nennen. Auch bei uns findet man fie von anfebnlicher Gröfse, wie denn ohnlängft 
jm Stadtgraben hiefiger Refidenz einer von fiebenzig und ein anderer von vier und achtzig 
Pfunden gefangen wurde ; und wie mir mein gelehrter Freund, der Herr Hofrath Heim in 
Spandau gemeldet; fo ift vor einigen Jahren aus einem der dortigen Seen ein Wels von 
hundert und zwanzig Pfunden ausgefifcht worden. 

a) Ichth. p. 540. Gewichte anträfe ; follte es wirklich dergleichen 

h) p. 658- Fifche von diefem Gewichte zu jenen Zeiten ge- 

c) Ruyfch Thef. anim. p. 102. geben haben ? 

d) 1. 0. c. 15. Denfo. Naturg. des Plin. t.B. e) 1. 6. CT4. 

S. 359. überfetzt die fünfzehn Talente diefes f ; Richter. S. 730. 
Schriftftellera durch neun hundert Pfund; allein g) Elench. p. 388. 
dafs diefes unrichtig fey, erhellet auch daraus, h) Marfigl. Danub. 4. p. 7. 

weil er fagt, dafs man in eben diefem Waffer auch i) Marfigl. a. a. O. p. 3. 
Weife und im Rhein Hechte von nicht geringern 



Ztveeter Abfchnitt. Von den Weifen iiubefondcr'c. 24$ 

Der Wels ift ein fehr träger Fifch, und fchwimmt bei feinen kleinen FloiTen und 
dickem Körper nur langfam, und ift das unter den Fifchen, was das Fauhhier unter den 
vierfüfsigen Thieren ift. Er lebt vom Raube, gehet aber nicht wie andere Räuber auf feine 
Beute aus, fondern er lauert in Löchern, als in einem Hinterhalt, wie der Ameifenlöwe 
auf die Fliegen , den vorbeieilenden Fifchen auf. Gewöhnlich fucht er zu feiner Ruheftatt 
verfunkene Kähne, abgefaulte Pfahle, fchwimmende und hangende Wiefen (Foen). Er 
würde bei feiner ihm eigenen Trägheit fehr leicht in Gefahr kommen, zu verhungern, 
wenn nicht der Schöpfer auf eine andere Art für ihn geforgt hätte. Der Bau feines Kör- 
pers ift fo eingerichtet , dafs fich andere Thiere demfelben , ohne etwas Uebels zu argwöh- 
nen, nahen. Sein Körper, welcher wegen feiner dunkeln Farbe von dem Schlamm worin 
er liegt, kaum zu unterfcheiden ift, hat keine glänzende Schuppen, welche feine Gegen- 
wart verriethen. Seine Augen find zu klein , als dafs der phosphorefeirende Glanz , wel- 
cher bei den Augen fehr vieler Thiere wahrgenommen wird, die ankommenden abfehre- 
cken könnte. Ueber diefes find auch die langen Bartfafern für ihn wohlthäthige Werk- 
zeuge, indem er mit felbigen nach allen Seiten hin willkührlich wurmförmige Bewegungen 
machen kann, auf welche die Fifche loseilen, und indem fie felbige verfchlucken wollen, 
felbft eine Beute des Welfes werden. Diefes ift meines Erachtens die eigentliche Beftimmung 
der Bartfafern: denn ich kann mich fo wenig überzeugen, dafs fie, nach der Meinung einiger, 
ganz zwecklos feyn, als auch, nach dem Vorgeben anderer, die Stelle der Fühlhörner vertre- 
ten füllten a). Jene Beftimmung der Bartfafern fcheint mir um fo natürlicher, da auch die 
übrigen Fifcharten , welche mit einem hervorflehenden und zum Hafchen hinderlichen Ober- 
kiefer verfehen find, als der Stöhr, Haufen und die Barbe, dergleichen lange Bartfafern 
haben, wodurch fie andere Fifche anlocken. Da fich diefer Fifch in der Tiefe aufhält, 
und nur bei einer Gewitterluft emporfleigt; fo hat er wenig von den Raubfifchen zu be- 
fürchten ; feine Eier aber werden eben fo begierig von dem Stichling , den jungen Aalen 
und Quappen , als feine Brut vom Frofche verzehrt. Er vermehrt fich indeffen dernohnge- 

Hh 3 

a) Richter, ichth. S. 731. Frifch. Mifc. Berol. T. 6. p. 119. 



2 /6 Zitierter Abfchnhi. Von den Weifen insbefondere. 

achtet nicht fonderlich, indem er nur mit einer geringen Anzahl von Eiern verfehen ift: 
auch wächft er nur langfam. Man fängt ihn mit der Angel, dem Speer: aber nur fei- 
ten, weil er fich in den Löchern verbirgt, mit dem Netze. Er hat ein zähes Leben und 
fcheinet wenig Empfindung zu haben; denn in der Lage, wo er beim Abzeichnen gebracht 
wurde, blieb er ftundenlang , und bewegte weiter nichts, als von Zeit zu Zeit feine Bart- 
fafern. Sein Fleifch ift weifs, fett, füfslich und wird von vielen fchmackhaft gefunden, 
befonders das am Schwänze. Diefer Fifch wird auf mancherlei Art zubereitet. Man kocht 
ihn in Salz waffer, und geaiefst ihn wie den Lachs, oder mit Bier wie den Karpfen , oder 
mit einer Butterbrühe wie den Hecht: auch gebraten, und vorzüglich marinirt ifl er eine 
angenehme Kofi. Er giebt aber wegen feines fchleimigen , fetten und weichlichen Fleifches, 
Perfonen von fchwacher Verdauung , keine gefunde Nahrung. 

Die Speiferöhre und der Magen find eben fo wie bei dem Hecht mit flarken Falten 
verfehen. Der Darmkanal hat nur eine Beugung und ift kurz. Die Leber ifl grofs und be- 
fteht aus einem kurzen und langen Lappen. Die Gallenblafe ift lang , und die in ihr ent- 
haltene Galle von gelber Farbe. Die Schwimmblafe ifl kurz, breit und der Länge nach, 
durch den Eindruck, welchen der Rückgrad auf fie macht , gleichfam getheilt. Der Milch 
ift eben fo wie der Eierflock doppelt, und letzterer enthielt in einem dreipfündigen Wels 
ohngefehr fiebenzehn taufend und dreihundert kleine grünliche Eier. Auf jeder Seite find 
zwanzig Ribben und im Rückgrade hundert und zehn Wirbelknochen befindlich. 

In Deutfchland heifst diefer Fifch Wels und im Oefterreichfchen befonders Schaden ; in 
■Schweden Mal; mVännemark Mall und Malle; inLiefiand Wells wd Chams -Weih; in Rufs- 
land Somi; in der Türkey Glano; in Pohlen Szum; in Ungarn Hardfcha; in Italien Harcha; 
in Frankreich he Silur e; in Holland Meerval und in England The Sheat-Fish. 

Wenn Arißoteles fagt , dafs das Männchen über den von dem Weibchen gelegten Eiern 
vierzig bis fünfzig Tage fäfse, und dadurch verhüte, dafs fie nicht von andern Fifchen ver- 
zehrt würden a); fd wiederfpricht ihm die Erfahrung. Denn erftlich kriechen die Jungen 
zwifchen dem fiebenten und neunten Tag aus; zweitens geht des Wels, wenn er gelaicht 



a) Hift. anim. 1. 6. c. 14. 



Zweeter Abfchnitt. Von den Weifen insbefindere. 247 

hat, nach feinem vorigen Raubloch zurück a). Artedi b) hat wohl mit mehreren Schrift- 
ilellern unrecht, wenn er glaubt, dafs Plinius unter Glanis c) und Glanus d) unfern Wels 
verbanden habe, da in. beiden Capiteln lediglich von Meerfifchen die Rede id. Linne e), 
Kramer f ) und Gronov g) führen unrichtig den fchwedifcßen Lacke des Artedi h) , der un- 
fere Qujppe ift, zu dem Wels an. 

DER LANGBART, i) 

XXXVfte Taf. Fig. 1. 2. 

Die obern Bartfafern länger als der Körper. K. 6. Br. rr. B. 7. A. 11. S. 18. R. 8- '-'-"- ' l ! - 
Silurus eirris corpore longioribus. B. VI. P. XL V. VII. A. XL C. XVIII. D. VIII. a,D ^ Dg " 

Silurus Ciarias, pinna dorfali poftica adipofa, Afpredo, pinna dorfali poftica adipofa, Muf. 
ani radiis II , eirris 6. Linne. Adolph. Fried. I. p. 73. " 

S. N. p. 504. n. 15. Myftus, eirris 6 longiffimis, pinna dorfi feeunda 

longiffima a priori ad caudam extenfa. 
Gronov. Muf. I. p. 34. n.^3. Zooph. 
p. 125. ■ n. 384. 
Der Langbart. Müller. L. S. 4. S. 299. 



Scheilan niloticus, pinna dorfali 
feeunda adipofa. Hafetq. Reife 
nach Paläft. S. 412. n. %6< 



Die langen Bartfafern zeichnen diefen Wels von den übrigen aus. Von den fechs der- 
selben, fitzen zwo an der Oberlippe und vier am Kinn; die mittleren find von diefen die 
kleinften und jene länger als der ganze Körper. In der Kiemenhaut find fechs , in der Bruft- 



a) Unerwartet war mir die Beobachtung, die 
diefer Philofoph bereits in jenem an fo vielen 
Hülfsmitteln fehlenden Jahrhundert, gemacht hat, 
dafs nämlich das befruchtete Ei klarer fei als 
das unbefruchtete , und dafs bald darauf die Au- 
gen, welche verhältnifsmäfsig grofs wären, 
wenige Tage nach der Befruchtung fichtbar 
würden: dafs aber das Ei, welches der Milch 
träfe, noch denfelben Tag grö'fser würde, habe 
ich bei meinen Beobachtungen nicht wahrge- 
nommen. • a. a. O. 



b) Syn. p. 110. 

c) 1. 9. c. 43. 

d) ]. 32. c. ir. 

e) Faun. 2. p, 122. 

f) Elench. p.388. 

g) Zooph. p. ior 
h) Spec. p. 107. 

i) Es gehört zwar diefer und der folgende 
Wels nicht eigentlich in meinen Plan; da ich 
aber mit dem fechsten Heft die Klaffe der Bauch- 
floffer fchliefsen will, und ich die noch fehlenden} 



a4 g Zmclcr Alfthnilt, Von dm Weifen insbi-joudeve. 

flofle eilf , in der Bauchfloffe fieben, in der AfterfloiTe eilf , in der Schwanzfloffe achtzehn 
und in der Rückenfloffe acht Strahlen befindlich. Der Kopf ift vorn breit, die Mundöfnung 
grofs, von den beiden Kinnladen flehet die obere etwas hervor, und beide find fo wie der 
Gaumen mit kleinen fpitzen Zähnen befetzt. Die durch eine Zwifchenhaut getheiltc Nafcn. 
löcher, find ohnweit des Randes am Oberkiefer befindlich ; die Augen find länglichrund und 
gegen die Augen des vorigen grofs ; ihr fchwarzer von oben nach unten länglicher Stern 
flehet in einem goldenen Ringe; zwifchen ihnen find zwo längliche Furchen zu fehen. 
Der Kiemendeckel befteht aus einem Plättchen; das Genick ift breit, der Rücken bis an der 
Rückenfloffe fchärf, und beide mit einem fbrken knöchernen Schilde bedeckt, hinter derfel- 
ben aber rund, mit zwo Hoffen befetzt, und er bildet einen flachen Bogen. Die Seiten find 
zufammengedrückt ; der Bauch ift kurz, dick, breit und der After gleich hinter den Bauch- 
floffen. Die Seitenlinie nimmt ohnweit des Genicks ihren Anfang, macht in der Mitte 
eine kleine Beugung unterwärts und endigt fich in der Mitte der Schwanzfloffe. 
Die Floffen find fämtlich, wie der Rücken und die Seiten, von graufchwarzer und nur der 
Bauch ift von grauweifser Farbe. Von den kurzen Bruftfloffen ift der erfte Strahl knöchern 
und auf beiden Seiten fageförmig, womit diefer Fifch den Menfchen verwunden kann; ob 
man demfelben gleich irrigerweife eine giftige Würkung beilegt, weil Hafilquifi a) ein Bei- 
fpiel anführt, dafs ein Menfch von deffen Verwundung geftorben fey. Gleich über der 
Bruftfloffe flehet man einen dreieckigen ftarken Knochen , welcher derfelben zur befon- 
dern Unterftützung dient. Auch ift bei manchen Exemplaren der erfte Strahl in der Bauch- 
floffe gezähnelt. Die gegen einander überftehende After- und Fettfloffe haben beide einen 
mondförmigen Ausfchnitt b). Die Schwanzfloffe endigt fich in zwo lange Spitzen, davon 
die oberfte die längfte ift. Die Fettfloffe ift lang und bei der grofsen RückenfloiTe der zweite 



als den grauen Lachs, die Ziege, Alpenforelle und b) Ich habe die Fettfloffe weder fo kurz, 
einige andere, welche hierher gehören, nicht habe noch fo lang , als fie Gronov befchreibt, an mei- 
habhaft werden können ;fo habe ftatt ihrer aus mei- nemExemplare gefunden ; feine Worte find a. a. 
ner Sammlung einige Ausländer mitgenommen, O. S. 35. Pinna dorfi pofterior, admodum hu- 
dle der Lefer mit mir merkwürdig finden wird, milis, mox poft pinnam anteriorem dorfalem 
, • a) a. a. O. S. 415, liehe auch LlnnL S. N. p. 505- °^ a > ad caudam forme usque extenfa. 



Zweiter Abfchnitt. Von den Weifen insbefcndrre. 249 

Strahl auf beiden Seiten gezähnelt. Bei allen Floffen find die Strahlen an den Spitzen, die ■ 
erflere ausgenommen , in mehrere Zweige getheilt. 

Wir treffen diefen Wels in den Flüfsen von Brafilien und Surinam , ungleichen in 
dem Nil an , und er ift bei den Arabern unter dem Namen Scheilan bekannt; er erreicht die 
Gröfse von zwölf bis fünfzehn , und die Breite von drei bis vier Zoll. 

DER PLATZBAUCH. 
XXXVfte Taf. Fig. 3 — 7. 

Sechs Bartfafern am Munde, achtzehn Strahlen in der Afterfloffe. Br. 13. B. 6. " =g 

*■*&*«•* pLblh 

Silurus cirris 6, radiis 18 in piuna ani. P. XIII. V VI A. XVIII. C. XVIII.' D. IX. 

Silurus Afcita, pinna dorfali poftica adipofa, ani Afcita ventrieofa. MuH Frid. T. 1. p. 79* 
radiis 38 s cirris 6. Linrn. S. N. t. 30. f. 2. 

p. 505. n. 18. Der Dickbauch. Müller. L. S. 4. S. 301. 

Die fechs Bartfafern am Munde und die achtzehn Strahlen in der Afterfloffe find bei 
diefem Wels die Merkmale , wodurch er fleh von den übrigen unterfcheidet. In der Brufl- 
fiofle find dreizehn, in der Bauchfloffe fechs, in der After- und Schwanzfloffe achtzehn und 
in der Rückenfloffe neunzehn Strahlen. Der Kopf iß klein, etwas erhaben, ftumpf und die 
doppelten Nafenlöcher fitzen ganz vorne. Von den fechs Bartfafern flehen zwo an der 
Oberlippe und vier am Kinn. In den BrufifiofTen ift der erfte Strahl fpitzig, die Bauchfloffen 
find kleiner als die AfterflofTen , die Seh wanzfloffe ift gabelförmig und von der Rückenfloffe 
der erfte Strahl unterwärts hart und oben weich. 

Bei diefem Wels ift die Geburt überaus merkwürdig. Da feine Eier eine beträchtliche 
Gröfse erreichen; fo fchwillt der Bauch davon ftark auf, wodurch denn die Flaut deffelben 
dünn wird und endlich der Länge nach aufplatzt. Das vom Eierftock nun losgeriffene Ei 
kömmt vor der Oefnung zu liegen. Es befteht nicht, wie andere Eier, aus einem Dotter, 
dem Weifsen und verfchiedenen diefe Theile umgebenden Häuten: fondern allein aus dem 
Dotter und einer dünnen Haut, zwifchen welchen der Embryo liegt, und durch mehrere 
Gefüfse, welche fich aus feinein Nabelloch über dem Dotter verbreiten, mit ihm zufammen- 

li 



250 Zweiter Abfchnitt. Von den. Weifen insbefonäerc. 

hängt , wie wir folches bei Fig. 7. fehen. Die Hülle des Eies fpaltet fich da , wo der 
Kopf des Eir.bryo liegt : da denn deffen Mund mit feinen ßartfafern zuerft zum Vorfchein 
kommt, der übrige Körper aber wie in einem durchfichtigen Flor verfteckt bleibt, wie folches 
bei Fig. 6. vorgeftellt ift. Die Haut zieht fich allmählig zurück, und der Embryo erfcheint 
nunmehro vollftändig in einer gekrümmten Lage auf dem Dotter, ganz frei, bis auf die Stelle, 
welche ihn am Nabel mit diefem verbindet. Alle feine Theile find dergeftalt entwickelt, 
dafs man fjpgar die Strahlen in den FIofTen würde angeben können , wenn es feine gekrümmte 
Lage nicht hinderte. Die Zerreifsung der Haut um den Dotter wird durch die wiederholte 
Bewegung des fich entwickelnden Embryo bewürkt und zwar am Kopfe , weil diefer eine 
keilförmige Geftalt hat. Er macht fich nunmehro von diefer Haut los und bleibt, vermit- 
teln des Dotters, fo lange an der Mutter hangen, bis derfelbe von ihm fo weit verzehret 
worden , dafs diefer hinlänglich genug verringert ift , um durch den Bauch kommen zu kön- 
nen, da er denn nunmehro, von jenem Theil unabhängig, nach Willkühr den Ort verändern 
kann. Kaum aber ift diefer Fifch fort, fo kommt ein anderes dergleichen Ei an die Stelle 
des erfteren, bis die für ein Jahr beftimmte Nachkommenfchaft erfchienen ift: da denn 
der Bauch fich wieder vernarbt , und diefes Gefchäft in folgenden Jahren aufs neue wieder- 
holt wird a). 

Aus diefer fonderbaren Fortpflanzungsart erhellet, dafs diefer Wels den Uebergang 
zwifchen den lebendig gebührenden und den eierlegenden Thieren mache. Zu den erftern 
kann man ihn aus dem Grunde nicht rechnen , weil : 



a) Diefe Eier bekam ich mit dem vorher be- der eine Menge Meernadeln unterfuchte , und fo- 
fchriebenen Wels aus Holland, und zugleich die wol bei den alten als jungen durchgängig die 
Nachricht, dafs man fie aus Oftindien mitge- Brut in der ihnen anhangenden Blafefand, auf- 
bracht hätte. Anfänglich hielte ich den Wels fert die Meinung, dafs wohl diefen Gefchöpfen 
für die Mutter derfelben, als ich aber hiernächft die Eigenfchaft vollkommene Keime ohne Hin- 
beim Zergliedern in ihm Milch fand; fo fahe ich, zuthuung eines andern Gefchlechts, hervorzu- 
dafs fie von einem andern Wels feyn mufsten: bringen verliehen fey, wie man folches bei den 
denn noch hat man bei den lebendig gebähren- Blattläufen und gewiflen Phalenen bemerkt ha- 
den und fchwimmenden Amphibien das mann- ben will. Man fehe feine Naturgefchichte merk- 
liche Gefchlecht nicht entdeckt, und Herr Pallas, würdiger Thiere achte Sammlung. S. 34. 



Zwecter Ahfchnltt. Von den Weifen imiefindcre. i%\ 

x) der Embryo' nicht vermittelt! der Nabelfchnur und des Mutterkuchens (Placenta) feine 

Nahrung aus den Säften der Mutter bekömmt: fondern aus dem Dotter, 
a) Weil die Entwickelung des Embryo nicht, wie bei jenen, innerhalb der Mutter, fondern 

außer dem Leibe vor fich gehet , und weil 
3) der junge Wels nicht, wie andere junge Thiere, vollkommen (Foetus), fondern unvoll- 
kommen ( Embryo ) entwickelt, zur Welt kommt. 

Zu den eierlegenden Thieren aber kann unfer Wels deshalb nicht gerechnet wer- 
den, weil er: 

1) nicht wie diefe die Eier alsdann von lieh giebt, wenn fie ihre gehörige Reife erhalten 

haben, und 

2) weil der Embryo nicht im Ei, fondern aufserhalb defTelben entwickelt wird.. 

"Wie wir gefehen haben , fo fehlet dem Ei fowol das Weifse , als auch die iiufsere 
Hülle, worin der zarte Embryo, die zu feiner Entwickelung nothige Bewegung, ohne 
Naehtheil feines beinahe fchleimigen Körpers, verrichten kann. Es hat daher die Natur diefe 
zu feiner Entwickelung unentbehrliche Theile auf eine andere Art zu erfetzen gewufst: 
denn dadurch, dafs der Bauch aufreifst, und der Embryo vor der Oefnung zu liegen kommt, 
kann er lieh, in dem ihn umgebenden WafTer eben fo gut, als jene in der wäfsrigten Feuch- 
tigkeit des Eies ohne Nachtheil bewegen. Es ift indeflen dieferFifch nicht der einzige, wel- 
cher auf eine von der gewöhnlichen fo abweichende Art fich fortpflanzt ; denn fo haben un- 
fere europäifche Seenadeln a), welche nachdem Ritter zu den fchwimmenden Amphibien ge- 
hören, aufserhalb hinter dem Nabelloch einen Sack, der, nachdem die jungen Thiere ihre 
gehörige Reife bekommen, zerreifst, und fich nachhero wieder vernarbt b). Bei den In- 
fekten zerfällt der mit lebendigen Jungen angefüllte Kellerwurm c) in viele Stücken , und 

Ii 2 



a) Syngnatus acus et Typhle. Brümich hat fcharffinnige Herr Profeflor Schneider beweifet, 
eben diefes bei den Syngnatus Pelagicus, (fiehe dem Ariftoteles bereits bekannt gewefen fey. 
deflen ichth. maffil. p. 9. n. 18.) und Hafelquiß Siehe deffen Specimen ichth. veterum. p. 3. 
bei der Marinus (Reife. S. 446.) bemerkt. c) Onifcus Afellus. L. 

b) Es ift merkwürdig, dafs diefes, wie der 



252 Zweeter Abfchnitu Von den Weifen insbefondere. 

die Nachkommenfchaft freuet fich beim Untergang der Mutter, ihres Dafevns, und ver- 
zehrt mit Luft die Ueberbleibfel derfelben. Bei verfchiedenen Eingeweidewürmern a) platzt 
der Bauch auf, und die Eierfchläuche kommen zum Vorfchein. Merkwürdiger noch 
ift die Geburt desjenigen Seewurms, deren der Herr Conferenzrath Müller gedenkt* 
Diefer grofse Naturkundiger fchrieb mir , dafs bei feiner Trichoda Charon b) der 
Bauch in eine grofse durchfichtige Blafe auffchwelle, die einige Tage darauf undurchfichtig 
würde, und dafs hierauf das ganze Thier, auf einmal in hundert und mehrere Stücke, wie eine 
angezündete Mine zerfpränge, der Uterus aber mit dem Jungen unbefchädigt zurückbliebe. 
Wird nicht jeder Lefer, auch ohne meine Erinnerung, mit mir hierdie weife Einrichtung des 
Schöpfers bei der Fortpflanzung und Erhaltung der Thiere bewundern ? Ich kehre nun- 
mehro wieder zu meinem Wels zurück. Nach dem Ritter foll diefer Fifch nicht über ein 
Paar Zoll lang werden, wie auch die Zeichnung Fig. 3. 4., die ich von ihm entlehnt habe, 
befagt ,c). So viel ich aber aus der Grofse der Eier, die ich befitze, urtheilen kann, fo 
mufs entweder diefer Wels grofser werden, oder es muffen mehrere Gattungen vorhanden 
feyn, welche lieh auf diefe Art fortpflanzen; letzteres ift mir um fo viel wahrfcheinlicher, 
da er von dem feinigen fagt , dafs von den fechs Bartfafern vier an dem Oberkiefer und eine 
an jedem Winkel des Mundes fitze, und alfo der Unterkiefer gar keine aufzuv/eifen hatj 
da hingegen bei den meinigen an der obern nur zwo, an den Winkeln gar keine, und 
am Unterkiefer vier zu fehen find. 




a) Afcarides. c) Seine Worte find: Corpus minimuni 

b) Prodi-. Zoolog, p. sog. n. 2511. Hill, magnitudine phoxini. 
verm. p. 83- 



253 



Nachtrag zum Karpfengefchlecht. 



Ich habe mich oben anheifchig gemacht a), die Orfe und den Dickkopf, dem Schlufle 
diefer Abtheilung hinzuzufügen; allein da ich fie bis jetzt noch nicht habe erhalten können, 
und ich von meiner Abficht, blofs Originale zu geben, nicht abgehen wollte; fo lege ich 
jetzt meinen Lefern jfiatt derfelben den Kühling und die Ziege b) vor, und werde ich jene 
am. Ende des Werks nachholen. 

DER KÜHLING. 

XXXVIfte Taf. 

Der Körper ftark, dreizehn Strahlen in der AfterflolTe. K. 3. Br. 17. B. ir.-==== 

22. Der 
A. 13. S. 19. R. 10. Kühling. 

Cyprinus corpore crajjo , pinna ani radiis 13. B. XI IL P. XVII. V. XL A. XIII. 

C XIX. D. X. 

Cyprinus Idus, pinna- ani radiis 13 rubra Linr.L rubris. Artedi. gen. p. 5. n. 14. fyn. 

S. N. p. 529. n. 17. p. 14. n. 30. fpec. p. ö. 

— — Mütter. Prodr. p. 51. n. 436. Cyprinus Gronov. Muf. I. p. 3. h. 13. 

, — — Kramer. EJench. p. 394. n. ir. Der Spitzfloffer. Mütter. L. S. 4. S. 392. 

— iride fublutea , pinnis ventralibus aniejue Der Id. Schwed. Abhandl. 17. B. S. 203. 

» 3 



a) S.113. 

b) Jene habe ich durch die geneigte Veran- 
ßaltung Ihro Excellenz, der Frau Gräfln von 
Podewils, aus Küftrin unter dem Namen Döbel; 
fo wie auch durch die gütige Bemühung meines 
gelehrten Freundes des Herrn Hofrath Opitz un- 
ter dem Namen Kühling aus Minden erhalten, 



welchen letzern Namen ich gegenwärtig beibe- 
halten habe, da bereits ein Fifch unter dem Na- 
men Döbel befchrieben ift. Die Ziege aber er- 
hielte ich durch die Güte des Herrn von der 
Marwltz auf Zemickow, zu einer Zeit, da be- 
reits die Weife zum Theil ausgegeben waren. 



254 Nachtrag zum Kar pf enge jchkcht. 

Diefer Karpfen unterfcheidet fich von denen im erflen Capitel abgehandelten Gat- 
tungen durch den ftarken Körper und den dreizehn Strahlen in der AfterflofTe. In der 
Kiemenhaut hat er drei, in der BrufiflofTe fiebenzehn, in der BauchflofTe eilf, in der 
SchwanzflofTe neunzehn, und in der Rückenflofle zehn Strahlen. Der Kopf ift dick und 
abgeftumpft, die Mundöfnung klein, der Mund zahnlos, die Stirn und das Genick, fo wie 
der Rücken , fchwarz ; der letztere ift rund und erftere find breit. Von den beiden Kiefern 
flehet der obere etwas hervor, das Auge ift von mittlerer Gröfse, und fein fchwarzer Stern 
fleht in einem gelbweifsen Ringe. Die Backen haben eine gelbe Farbe, welche ins Blaue 
fpielt, die Seiten find etwas zufammengedrückt, über der Linie von bläulicher, unter der- 
felben aber von gelbweifser Farbe, und der breite Bauch ift ganz weifs. Die Seitenlinie macht 
nahe am Kopf unterwärts eine Beugung und der runde Rücken bildet einen flachen Bogen. 
Die Schuppen , welche den Körper bedecken , find grofs , die BrufiflofTe ift gelblich , di« 
BauchflofTe in der Mitte roth, an beiden Seiten und am Grunde weifs, und über derfelben 
eine MittelflofTe fichtbar; die AfterflofTe ift am Grunde weifs und übrigens von einer 
fchönen rothen Farbe; die SchwanzflofTe ift wie die Rückenflofle grau, erftere ift breit, hat 
einen mondförmigen Ausfchnitt und letztere fleht der BauchflofTe gegenüber. Sämtliche Strah- 
len in den FlofTen, nur die erften ausgenommen, find breit und vielzweigig. 

Der Ritter hat diefen Fifch zuerft befchrieben a) , nachhero erwähnen die oben an- 
geführten Schriftfteller feiner. Eine Zeichnung von ihm ift mir nicht bekannt geworden. 

Wir treffen ihn nicht nur in Pommern und Weflphalen , fondern auch in Sch\ve-_ 
den und Dännemark an. Er hält fich in den mit reinem Waffer verfehenen grofsen Seen 
auf, aus welchen er bei uns im April und in Schweden im Mai ftrohman in die Flüfse gehet, 
und zur Fortpflanzung feines Gefchlechts, die fchnellfliefsenden Stellen auffucht, welches 
Gefchäft er im Grunde auf den entblöfsten Steinen verrichtet. Er lebt wie die übrigen Kar- 
pfengattungen von Grundkräutern und Würmern, hat eben diefelhe Feinde, wächft lang- 
fam, fängt im dritten Jahre an zu laichen, erreicht die Gröfse von einem und einem halben 
bis zwei Fufs, und ein Gewicht von fechs bis acht Pfund. Er hat ein zähes Leben und 
vermehrt fich ftark. Man fängt ihn mit Netzen, Garnfäcken und der Angel: an letztere 

a) In der erften Ausgabe feiner Fauna, p. m. n. 320. 



Nachtrag zum K.irpfesigefchkcht. 255 

beifst er um fo viel leichter, wenn Krebsfeh wänze oder Grashüpfer a) daran gefleckt find. 
Er hat ein weifses, zartes und wohlfchmeckendes Fleifch, wird wie die übrigen Weifsfifche 
mit einer fauern oder Butter - ungleichen auch mit einer holländifchen Brühe , oder wie der 
Karpfen zurecht gemacht: wegen der vielen kleinen Gräten aber, die in feinem Fleifche 
flecken, wird er gewöhnlich, nach dem er eingekerbt worden, gebraten, verzehrt. 

Am Anfange des Magens fitzen zwei Knochen, davon in einem jeden zwo Reihen, an 
den Soitzen etwas gekrümmter Zähne befindlich find, von welchen die fünf in der vordem grofs 
und ftark, die zween in der hintern aber nur klein find. Der Magen geht mit dem Darm- 
kanal ohne Abfatz fort und hat nur zwo Beugungen; die lange röthliche Leber befleht aus 
drei Lappen, die Gallenblafe ifl grofs und die Galle von dunkelgrüner Farbe. Die dunkel- 
rothe Milz befleht aus zwei Läppchen; der Eierflock ifl eben fo wieder Milch doppelt. Er- 
flere enthielt im April in einem dreipfündigen Fifch ohngefehr 67,600 kleine gelbliche Eier, 
in der GröTse des Mohnfaamens; die Schwimmblafe ifl grofs und getheilt; die Harnblafe 
liegt längs dem Rückgrade, ifl: oben enge und unten weit. Auf jeder Seite find fünfzehn 
Ribben , und im Rückgrade ein und vierzig Wirbelknochen befindlich. 

In .Pommern heifst diefer Fifch Dübel; in Weftphalen Kühliug; in Oeflerreich Nerf 
ling, Erfling, Brädfifch ; in Dännemark End und in Schweden Id und Tiochfjälling. 

Sollte nicht Idus und Idbarus des Linne nur ein Fifch feyn ? Diefes vermuthe ich 
daraus, weil weder Linne in feiner Fauna, noch Artedi in feiner Befchreibung der fchwedi- 
fchen Fifche des letztern, der doch dafelbfl zu Haufe gehört, erwähnen. Eben fo zweifele 
ich auch, ob unter der preufsifchen Plötze der fchwedifche Id, den Wulf dazu allegirt b), 
zu verflehen fey; denn da in Pommern und Preufsen die Fifche fafl einerlei Benennun- 
gen haben; fo ifl fie wahrfcheinlich die oben abgehandelte Plötze (S. ig.) oder der Ery- 
trophthalmus des LMne. 

DIE ZIEGE. 
XXXVIIfle Taf. 

Die Rückenftofle der Afterflofle gegenüberflehend. K.3. Br. 15. B. 9. A. 30. S. 19. R.g.~~~~^r 

Cyprinus pinna dorfi anali oppoßta. B. III. P. XF. V. IX. A. XXX. C. XIX. D. IX. Ziege. 

&) Gryllus Campeftris L. b) lchth. p. 46. n. 60. 



2^6 Nachtrag zum Kärpfengefchlecht. 

Cvpriims cultratus, pinna aui radiis 30, l"nea prefils; latodorfb; quodatnmodo terrei 

laterali declinata, venire aeutis- coloris; caeterum totus pifcis argen teus; 

fimo. Linste. S. N. p. 531. n.2g. oculis magnis ; pupilla nigra ; iride lata 

pinna ani officulis triginta; maxilla in- argentea; pinnis omnibus ex argenteo 

feriore longiore incurva; pinnis pecto- umbratilibus. Klein. Miff. V. p.74- 0.2. 

ralibus longiffimis ventraliu:T. bann apice t. 20. f. 3. et Lucius corpore tenui etc. n. 3. 

tangentibus. Kramer. Elench. p. 392. n. 5. Ziga , Clupea flüvialitis Immaculata , maxilla infe- 

Skerknif. Liane. Reifen, r. Tbl. S. iog. t». f. r. riore longiore, pinnae ventrales radiis no- 

Lucius , dorfo a roftro ad caudae extremitatem vem , pinnae ani radiis 26. Pinnae pecto- 

itj linea fere refta velut regula dufto; rales fere trium unoiarum longitudine, ra- 

fenfira ex ore ventrem verfus curva linea diis 14 Compofitae. Wulf, ichth. p. 40. n. 51. 

decrefcens, pcft branchias in ultimo ven- Sichling, Sarachi Congenere. Marfig. Danub. 4, 

tre latiflimus, ab ano verfus caudam rur- p. ca. t 8- 

fus lente decrefcens; toto corpore in- Ziege, Capra, Ziga. Richter. Ichth. S. 693. 

feriore cultellatus; lateribus fenfim de- Der Dünnbauch. Müller. L. S. 4. 8.398» 

Diefer Karpfen unterfcheidet lieh von den vorherbefchriebenen drei und zwanzig 
Gattungen durch feine dem After gegenüber flehende Rückenüoffe. In der Kiemenhaut find 
drei, in der Brufifiofie fünfzehn, in der Bauchfloffe neun, in der Afterfloffe dreifsig, in der 
Schwanzfloffe neunzehn, und in der Rückenfloffe neun Strahlen befindlich. Der suf dea 
Seiten zufammengedrückfe Kopf ifl fehr klein, und hat oben dicht an der Mundöfnung eine 
Erhöhuno. Von den beiden Kinnladen fleht die untere bogenförmig gekrümmte vor der 
obern hervor. Der Mund ö'fnet fleh wie bei den Heringen oben und ifl zahnlos. Die 
Nafenlöcher find weit und flehen dicht an den Augen; diefe find fehr grofs, haben eh:en 
fchwarzen Stern in einem filberfarbenen Ringe; zwifchen diefen und der Mundöfnung ifl ein 
knöchernes bewegliches Plättchen, das mit kleinen Erhöhungen befetzt ifl, fichtbar. Auf 
den Backen fpielt eine Perlmutterfarbe ; das Genick ifl breit und flahlblau ; der Rücken geht 
in einer geraden Linie fort , ifl rundlich und von graubrauner Farbe. Die Seiten find zu- 
fammengedrückt, filberfarben , und der Bauch dünn und fo frharf wie eine Schneide. Die 
Seitenlinie hat eine merkwürdig abweichende Richtung, da fie unten am Kiemendeckel 
anfangt, und wenn fie einen Zoll in der Länge fortgegangen, fich nach dem Bauche hin- 
unter wendet , einen flumpfen Winkel bildet , und nachdem fie verfchiedene fchlangenför- 
mige Beugungen gemacht hat, mitten in der Schwanzflofie lieh endigt, Die Schuppen, 



Nachtrag zum Karpfengefchlecht.. 157 

ausgenommen die am Genicke, find grofs, dabei dünn-, fünfft rahlicht und fallen leicht ab. 
Die Bruft - Bauch- und Afterflofle find unterhalb rüthlich und oberwärts grau. Die erfteren 
find fehr lang und reichen bis an die BauchflofTe. Die Rücken -und Schwanzfloffe lind grau 
und letztere ift von einer gabelförmigen Gellalt. 

Wir treffen diefen Fifch an: in Preufsen, in der Gegend von Danzig, im curifchen 
sind in Pommern im Frifchenhaf , auch in Schweden, in der Donau und nach dem Richter a) 
in der Elbe, Er gehört nach dem Ausfpruch des Ritters auch zu den Fifchen der Oftfee, 
und rechnet er ihn mit unter die feltenen der europäifchen Fifche b). Den, welchen ich 
hier befchreibe , habe ich von dem Herrn von der Marwitz, in der Neumark, und zwar aus 
einem See, worin er diefe Fifchart eingefetzt hat. Er war einen und einen halben Fufs 
lang, vier Zoll breit und ein und ein viertel Pfund fchwer: man findet jedoch welche,, die diefen 
an Gröfse und Schwere übertreffen. Er liebt ein reines Waffer, lebt wie die übrigen feines Ge- 
fchlechts, von Würmern, Grundkräutern und fetter Erde, und hält fich gewöhnlich an den Ufern 
auf, wo er an den Kräutern im May feinen Laich abfetzt; er hat viele Feinde an den Raub- 
fifchen und WafFervögeln , denen er, weil fein Silberglanz ihnen leicht in die Augen fällt, 
öfters zur Beute wird:, dalier auch feine Vermehrung nur fehr langftm von flauen geht» 
Man fängt ihn mit Netzen und in der Laichzeit mit Reufen; auch mit der Angel, an wel- 
che er leicht beifst.. Das wenige Fleifch, welches er hat, ift weifs,. weich, mager und mit 
vielen gabelförmigen Gräten durchfpickt: er wird daher nur eine Speife des gemeinen Mannes, 
der ihn gewöhnlich wie andere Weifsfifche mit einer fauern Zwiebelbrühe zurechtmacht. 

Diefer Fifch weicht nicht nur in der äußerlichen Geftalt von den übrigen Flufsfifchen 
ab, fondern auch in feinem innernBau. Bei dem kleinen Kop'f und den fehr grofsen Augen 
fand ich das Gehirn hinterwärts vom Rückenfleifche bedeckt; die bei den Fifchen gewöhnlichen 
kleinen Gehirnknoehen , konnte ich nicht finden.. Im Schlünde, oder vielmehr beim Anfang 
des. Magens fitzen zween Knochen, davon ein jeder fieben fpitze Zähne , die in zwo Reihen 
geordnet find, enthält. Die Bauchhöle ift lang und weit. Der Magen geht mit dem Darm- 
kanal, wie bei den übrigen Karpfengattungen, ohne Abfatz fort, und letzterer hat zwo Beu- 
gungen und die Länge des Fifches. Die Leber befteht aus zween Lappen , davon der längfte 

&} a. a. O.. b) Siehe deilen- Reifen, a. a. O.. 

Kk 



258 Nachtrag zum Karpfengefchlcchu 

beinahe bis an das Nabellocli reicht. Die Gallcnblafe ift eben fo wie die braune Milz nur klein, 
und die Galle von gelber Farbe. Die beiden Eierftöcke, welche längs dem Rücken Hegen, 
find grofs , und ein jeder davon durch eine Furche gleichfam getheilt. Der ganze Rogen wog 
in dem ein und ein viertel Pfund fchweren Fifche fünf und ein viertel Loth ; die grauen Eier 
hatten im Anfang des Märzes beinahe die Gröfse desPIirfefaamens, und da in einem fechszehn- 
theil Loth 1244 vorhanden waren ; fo enthielt der ganze Rogen 105,740 Eier. Auf jeder Seite 
befanden fich zwanzig Ribben und im Rlickgrade fieben und vierzig Wirbelknochen. 

Der gerade und ftumpfe Rücken, der dünne und fcharfe Bauch, hat eben fovvol zu 
der fchwedifchen Benennung Scheermefer (Skerknif ) , zu der öfterreichfchen Sichling (Sichel) 
und der ungarifehen Sahlar (Säbel), als fein magerer Körper zu der preufsifchen Zfcg* und zu 
der pommerfchen Zicke Gelegenheit gegeben. Eben diefe Geftalt, und die weit hinten am 
Rücken fitzende Flotte, nebft dem zahnlofen Munde , find Urfach gewefen , dafs die Schrift- 
fleller ihn bald für einen Hering, bald für einen Hecht oder Karpfen gehalten haben. Mar- 
ßgli, der ihn zuerft befchrieben (1726) und abgebildet, glaubt, dafs er mit demSaracho des 
Aldrovand, von dem er jedoch fehr verfchieden ift, am meiften verwandt fey. Darauf 
befchrieb ihn Klein (1749), lieferte gleichfalls eine Zeichnung davon, machte ihn zum 
Hecht, führt ihn als zwo verfchiedene Gattungen nämlich als Ziege und als Sichling auf, 
und glaubt, dafs er weder befchrieben, noch abgezeichnet fey. Bald darauf befchrieb ihn 
Linne in feiner gothländifchen Reife als eine Karpfengattung, und nicht lange nach- 
her erwähnte auch Kramer (1756) feiner als eines ihm ganz neuen Fifches, und befliinmte 
ihn eben fo wie Linne. Endlich machte ihn Wulf zu einem Hering, von dem er jedoch 
fowol in Rückficht auf den zahnlofen Mund, als auch, die Anzahl der Strahlen in 
der Kiemenhaut verfchieden ift; noch irret er, wenn er ihn einestheils für den Chalcis des 
Rondelet und Johnßon hält, und anderntheils, da er doch nur fchwach und wehrlos ift, 
für den fürchterlichflen Feind des flarken und von allen Seiten bewafneten Stührs ausgiebt. 
Ende des erßen Theils. 

Berichtigung. Des Herrn Pallas Unterfuchung (Fafcic. Zool. VII.) hat gelehrt, 
dafs der Breitbauch (Siehe oben S. 185) ins Lachsgefchlecht gehöre. 



D. MARCUS ELIESER BLOCH'S, 

ausübenden Arztes zu Berlin; der Berliner, Danziger, Hallifchen, Zürcher naturforfchenden Gerellfchaften ; der römifch- 

kayferlichen Akademie der Naturforfcher; der Petersburger, Leipziger, Burchhaufer, Celler ökonomifchen Gefellfcbaften ; 

der Göttinger, Utrechter, Frankfurter, Vliefsinger und Harlemer Societäten der WUTenfchaften 

Mitglieds oder CorreCpondenten , 

OECONOMISCHE 

NATURGESCHICHTE 

DER FISCHE DEUTSCHLANDS. 

MIT FÜNF UND DREISSIG KUPFERTAFELN NACH ORIGINALEN. 



ZWEETER THEIL. 




BERLIN, 1783. 
Auf Koften des VerfaiTers und in CommüTion in der Buchhandlung der Realfehule. 




Vorerinnerung. 



I ch übergebe hiemit dem geehrten Publikum den zweeten Theil meiner 
-*■ ökonomifchen Naturgefchichte der Fifche , und zwar früher, als ich 
im Anfange verfprach, indem ich ftatt zwey Heften, welche ich halbjährig 
zu geben mich anheifchig machte, drey geliefert habe. Und hiezu veran- 
lafste mich einestheils die günftige Aufnahme, mit der man mein Werk auf 
eine für mich fo fchmeichelhafte Weife beehrte , und anderntheils der Wunfeh, 
welchen mehrere Intereßenten gegen mich geäußert, daflelbc früher vol- 
lendet zu fehen. 

Ich glaube auch in Anfehung diefes Theils auf die Zufriedenheit des 
Publikums um fo mehr rechnen zu können, da ich bey einem mehreren 



V o r e r i n n e r u n g. 

Koftenaufwande, den die belfere Erleuchtung, der Stich und vorzüglich das 
Auftragen des ächten Silbers gemacht, den Preis nicht erhöhet habe. 

Durch die gnädige Erlaubnifs des Prinzen von Oranien und des Her- 
zogs von Braunfchweig, Hochfürftliche Durchlauchten, welche geruhet ha- 
ben, mir zum Behuf meiner Arbeit die Fifche Ihrer grofsen und reichhaltigen 
Sammlungen zu verfetten ; wie auch durch die Unterftützung mehrerer vereh- 
rungswürdigen Gönner und Freunde und den Ankauf fei tener Fifche, aus dem 
Edlerifchen und dem van Mühlenfchen Kabinet zu Lübeck und Amfterdam, bin 
ich nebft den Originalzeichnungen, welche mir das Plümierfche Manufcript 
darbietet, in den Stand gefetzt, nicht nur einen dritten Theil von den Fifchen 
Deutfchlandes, fondern auch ein befonderes Werk von ausländifchen Fifchen 
zu liefern, wenn fleh dazu anders eine zureichende Anzahl Subfcribenten finden 
follte j und würde ich folches nach Endigung des erftern in dem nemlichen 
Format wie diefes, ebenfalls heftweife, erfcheinen lauen, worinn eine grofse 
Anzahl fchöner, zum Theil ganz und gar nicht, zum Theil noch nicht ge- 
nug bekannter Fifchgattungen abgebildet und befchrieben werden füllen. 

Gegenwärtig halte ich mich verpflichtet, den Beförderern, welche zur 
Ausbreitung und Bekanntmachung meines Werks thätig beygetragen und be- 
fonders meinen verehrungswürdigen Gönnern und Freunden, für den Bey- 
ftand, welchen fie mir durch Mittheilung von Griginalien und Zeichnungen 
geleiftet, den wärmften Dank hiemit öffentlich abzuflauen, und erbitte ich 
mir für die Folge meines Werks ihre Unternützung angelegentliche. 



V o r e r i n n e r u n g. 

Zu einer wichtigen Hülfe bey meinem Unternehmen würde es mir ge- 
reichen, wenn es diefen meinen günftigen Beförderern gefällig feyn möchte, 
mich mit Namenverzeichniffen der Fifche ihrer Gegenden und ihrer Provin- 
zialnamen zu verfehen, oder wenn fie mir in Anfehung der bereits befchrie- 
benen, dasjenige melden wollten, was noch an ihnen bemerkt oder berich- 
tigt zu werden verdiente. 

Nun fey es mir erlaubt, als thätige Unterftützer folgende durch Ver- 
- dienfte und Stand bekannte Gelehrten hier öffentlich zu nennen: 
Herr Hofapotheker Arnim, in Hannover. 
Frau von Arnflein, die jüngere, in Wien. 
Herr Baron von Afch, ruffifch - kaiferlicher Staatsrath und erfter Feldarzt, zu 

St. Petersburg. 
- Doktor von Juenhrugger , zu Wien. 

Se. Durchlaucht, der Fürft von Berchioläsgaäen. 

Herr Doktor Boddaert , in Utrecht. 

Baidinger , Hofrath und erfter Leibarzt zu Gaffel. 
Brückmann, herzoglicher Leibarzt", zu Braunfchweig. 
von Buggenhagen, zu Buggenhagen in Schwedifchpommern* 
von Cobres, Agent des Maltheferordens , zu Augipurg. 
Georgi, in St. Petersburg, Adjunkt der ruffifch -kaiferL Akademie der 
Wiffenfchaften. 
Oberamtmann Göden, zu Rügenwalde in Pommern. 



Vorerinnerung. 

Herr Doktor Haken, in Stralfund. 

- Prof. Herrmann, in Strasburg. 

* Oberfchiffarzt Ifert, in Kopenhagen. 

- güngken, Apotheker in Berlin. 

b Kayfer, königl fchwed. Hofchirurgus , zu Stralfund. 

- Hofrath und Doktor Marx , in Hannover. 

- Hofapotheker Meyer, in Stettin. 

. Doktor und Hofrath Opitz, in Minden. 

- Geheimefekretair Otto, in Berlin. 

. Collegienrath Pallas, in St. Petersburg. 

- Profeffor und geiftlicher Rath von Paula Schrank, in Burghaufen. 

- Hoftnedikus Taube, in Celle. 

- Graf von Roeder, königl. preufs. Landfchaftsdirektor, zu Kroifchwitt 

in Schießen. 

- Kenfner, königl. preufs. Legationsfekretair r im Haag. 
. Landrath von Schlegel, zu Kähmen bey Croffen. 

- Doktor Walbaum, in Lübeck. 

Wartmann, in St. Gallen. 

- Direktor und Rath Vosmar, im Haag. 



Fortfetz ung 

des Verzekhnißes der hohen und refp. Herren Subfiribenten. 



s. Hochfürftliche Durchlaucht, der Erbftatthalter , Prinz von Oranien. 

— — der regierende Herzog zu Sachfen -Gotha und Altenburg. 

— — der Fürft Adarp von Auersberg in Wien. 

* * * 

Se.Excell. der Hsrr Graf von Hartig, königl. grofsbritt,. 

bevollmächtigter Minifter zu Regenfpurg. 
Herr Apotheker Holthewer, in St. Petersburg. 

— Hudron, in London. 

— Kriegesrath Kirftein, in Berlin. 



Die Bibliothek der Univerfität zu Abo. 

— — - — ökonomifchen Societät zuBrefsfau. 

— — — — : — — Burghaufen. 

— Fürßliche Bibliothek zu Carfel. 

— — Stifts — — St. Gallen. 

— Stadt - Bibliothek dafelbft. 

— Akademifche Bibliothek zu Königsberg. 

— Bibliothek des grofsbrittanifchen Mufaeum in Lond. 
■ — — der Univerfität zu Lund. 

— - •— • der ruffifchkaiferlichen Akademie der 
Wiffenfchaften zu St. Petersburg. 

— — des adelichen Kadettenkorps dafelbft. 

— Rathsbibliothek zu Strablfund. 

•— Bibliothek der Univerfität zu Upfal. 
* * * 

Herr Baron Clas Alftrömer, Kanzleyrath und Komman- 
deur des königlichen fchwedifchen Wafa- 
ordens zu Gothenburg. 

— — von Afch, ruilifchkayferlicher Staatsrath 
und erfter Feldarzt zu St. Petersburg. 

Der Herr Ritter Banks, Präfident der königl. Societät 
der Wiffenfchaften zu London. 2 Exempl. 

Herr Berger, Kupferdecher und Mitglied der Mahler- 
akademie in Berlin. 
~— Bened. Bergius, königl. fchwedifcher Bankokom- 
miffarius zu Stockholm. 

— Kaufmann Blandow , zu St. Petersburg. 

■ — Baron Alexander von Demidow, zu Sc Petersburg. 

— Kollegienrnth Euler, zu St Petersburg. 

. — C. U. von Firks, Frbherr der Dubenaikfchen Gü- 
ter in Curland. 

— Kollegienrath Greve, zu "St. Petersburg. 

— Senator von Hamm, zu Colin. 



— — Koppen , in Berlin. 

■ — Bsron von Linrode, zu Linrode, im Cöllrnfchen; 

— Graf Matufchka, zu Breslau. 

— Freyherr von Meermann, im Haag. 

— Meier, auf Rothenburg zu Konow, in Sachfen. 

— Doktor Meilmann, im Haag. 

— Merrem, Beyfitzer der königl. Societät der Wif~ 

fenfchaften zu Göttingen. 

— C. P. Meyer, Kaufmann in Amfterdam» 

— Münzmeäfter Nelker, in Berlin. 

— Planta, beftändiger Secretair der königl. Societät 

der Wiffenfchaften zu London. 

— Renfner, königl. preufs.Legationsfekretair im Haag, 

— Kirchenrath Sander, zu Emmendingen im Baden- 

durlachfchen. 

— Kaufmann Sauter, in Rheineck, bey St. Gallen^ 
Se. Excellenz, der Herr Reichsgraf von Scheffer, zu 

Stockholm. 
Herr Schneider, Buchhändler in Amfterdam. 4 Exempl. 
Se. Excel lenz, der Herr Graf von Schuwalow, zu St» 

Petersburg. 
Herr v. Sierdoff, königl. preufs. Kämmerherr zu Brefslau, 
«— Baron von Mechow s Landdroft in Berlin. 

— Joachim Wilhelm Weickmann, Burggraf zu Danzig. 

— Dr. Vlies, in Berlin. 

— VoEni.ir, Rath und Direktor des prinzlichen Na» 

tnr'a'ieukabmefs, im Haag. 
■— Dr. Zollikoßer, in St. Gal.ea. 



Inhalt. 



Inhalt. 



Lwote Abtheilung. Bruftfiaßer. Seite i 

Von den Meergrundeln überhaupt. — 2 

Die Meergrundel S. 5 Tab.XXXVlII.Fig.1.2.5. 

DieLanzetgrundeIS.8- — — — 3.6. 
Von den Groppen überhaupt. S. 10 

Der Kaulkopf S.12 Tab. XXXIX. — i.a, 

DerSteinpicker — 15 — — — 3. 4. 

DerSeefcorpion — 18 — XL. 
Von den Spiegelfifchen überhaupt. S. 23 

Der SonnenfiTch S. 24 Tab. XLI. 
Von den Schollen überhaupt. S. 27 
Erfle Abtheiluvg, rechts äugige Schollen. S.31. 

Die Scholle * ' S. 3 iTabXLII. 

Das Viereck oder der Glattbutt — 36 — XLIII. 

Der Flunder — 39 — XLIV. 

Die Zunge — 42 — XLV. 

Die Glarke oder Kliefche — 45 — XLVI. 

Der Heiligebutt — 47— XLVII. 

Zivote Abtheilung) linksaugige Schollen. S. 57 

Der Argus S. 51 Tab.XLVIII. 

Der Steinbutt —53 — XLIX. 

Der linke Stachelflunder — 57 — L. 
Von den Baarfcheu überhaupt. S. 59 

Der Zander S. 62 Tab. LI. 

DerBaarfch — 66 — LH. 

Der Kaulbaarfch — 74 — LIII.Fig.2. 
Von .den Stichlingen überhaupt. S. 78 

DerStichling S.79 Tab.LIII. — 3. 

Der kleine Seeftichling — 82 — — — 4- 

Der Dornfifch oder der 

grofse Seeftichling — 84 — — — *• 



Von den Mackrelen überhaupt. S. 87 
Die Mackrele S. 88 Tab. LIV. 

Der Thunfifch — 95 — LV. 

Der Stöcker — 104 — LVL 

Von den Meerbarben überhaupt. S. 109 

Der geftreifte oder grofse Roth- 
bart. S. in Tab.LVII. 
Von den Knorrhähnen überhaupt. S. 118- 

Der graue Seehahn. S. 121 Tab. LVIII. 

Der rothe Seehahn — T24 — LIX. 

Die Seefchwalbe — 126 — LX. 

Dritte Abtheihng. Kehlflojfer. S. 129 
Von den Petermännchen überhaupt. -■ — 130 

Das Petermännchen S. 131 Tab. LXI. 
Von den Schellfifchen überhaupt. S. 135 

Der Schelhifch S. 138 Tab. LXH. 

Der Dorfch —142 — LXIII. 

Der Kabeljau —145 — LXIV. 

Der Wittling —161 — LXV. 

Der Köhler — 164 — LXVL 

Der Zwergdorfch — 167 — LXVIL Fig. 1. 

Der Krötenfifch — 170 — LXVII. — 2.3. 

Der Pollack — 171 — LXVIII. 

Der Leng —174 — LXIX. 

Die Quappe — 177 — LXX 

Von den Schleimßfchen überhaupt. S. 182 

. Die Meerlerche S. 184 Tab. LXXI. Fig.2.3. 

Der Butterfifch — 186 — LXXI. — 1. 

Die Aalmutter — 188 — LXXII. 



ZWOTE 




ZWOTE ABTHEILUNG. 

BruftflofTer, Thoracic}. 



D 



'iejenigen Fifche , deren Bauchfloffen unter den BruftflofTen fitzen , werden vom Limit 
und deffen Nachfolgern BruftflofTer genannt. Wir betrachten fie in diefer Abtheilung, 
welche fiebenzehn Gefchlechter enthält, die insgefammt 228 Gattungen (Species) in fich 
begreifen. 

Unter denen 409 Arten , welche die vier Ordnungen des Ritters enthalten , macht 
die gegenwärtige allein mehr als die Hälfte aus. Europa hat von ihnen nur den kleinften 
Theil aufzu weifen, und da nur fehr wenige davon Bewohner der füfsen WafTer find; 
fo werde ich, aus Mangel eigener Beobachtung, von ihnen nicht mit der VoMändigkeit 
handeln können , als bei den vorhergehenden. 



D 



VII. GESCHLECHT. 

Die Meergrundeln. a > 
ERSTER ABSCHNITT. 

Von den Meergrundeln überhaupt. 

'ie BauchfiofTen in Geftalt einer Tute zufammengezogen. 

Gobius pinnis ventralibus coadunatis , cavam effarmantibus. 



Gobius. Linn. S. N. gen. 159. p. 449. 

— Artedi. gen. p. 28. Syn. p. 46. 

— Grovov. Muf. II. p. 23. Zooph. p. 8*- 
Eleotris. Muf. 2. p.iö. Zooph. p. 83. 

— Wilhigkb. Hui:. Pifc. p. 206. 

— Raji. Synop. Pifc. p. 75. 



Gobio. Klein. Miff. Pifc. V. p. 25. %. 17. 
Goujons de mer. Goüan. Hill, de Poiff. p. 103. 125. 
Goby. Perm. Brit. Zool. gen. 21. p. 213. 
Grundein. Müller. L. S. 4. Th. S. 126. 
Trichterfifche. Fall. N. G. merkwürdiger Thiere 
8- Sammlung. S. 1. 



Die Fifche diefes Gefchlechts unterfcheiden fich von den übrigen durch die in Ge- 
walt einer Tüte zufammengewachfene BauchflofTen , welche nach der Behauptung der 
Schriftfieller, ihnen zum Werkzeuge dienen follen, fleh an die Felfen anzuhängen; ein Nu- 
tzen, der mir jedoch aus dem Grunde un wahrscheinlich ilt, da diefe Floße eben fo wenig, 
als alle übrigen, mit Theilen verfehen ifl, vermöge welcher iie in den Stand gefetzet würde, 



a) Da ich bisher auf das Verfetzen der Fifche 
hauptfächlich mein Augenmerk gerichtet habe ; 
fo band ich mich im erftenTheile nicht fo genau 
an die Folge der Ordnungen und Gefchlechter 
des Ritters: da aber bei den Fifchen, wovon 
wir gegenwärtig handeln wollen, wenn ich 
einige Baarfcharten ausnehme, noch kein Ver- 



fuch mit dem Verfetzen gemacht worden ift; 
fo werde ich fowol in diefer als auch in den fol- 
genden Abtheiiungen der Ordnung des Linnei- 
fchen Syilems ftrenger folgen , jedoch in umge- 
kehrter Ordnung, damit fie auch hier wie beim 
Ritter zunächft beifammen flehen mögen. 



Erfter Abfchnitt. Von im Meergrundeln überhaupt. 3 

in die Fläche der fcften Steine einzudringen. Man hat indeffen aus jenem Grunde Urne» 
in Engelland den Namen Felfenfifch (Rock-Fifch) beigelegt. 

Ariftoteles gedenkt an mehreren Stellen feiner Gefchichte der Thiere a), der Grua- 
delnj ob ihm aber mehrere Arten als die Nilgrundel b), und der Seeftint c) bekandt ge- 
worden, lafst fleh, da er fie nicht befchrieben, mit keiner Gewifsheit beflimmen. 

Auch Plinius gedenkt der Grundein d) im allgemeinen. 

BeUon befchreibt, aufser den beiden vom Ariftoteles angeführten e), auch die 
Schwarzgrundel f); ob aber unter feiner Gobius albus g), wie Artedi glaubt, der Seeftint 
zu vergehen fey , dies kommt mir aus dem Grunde zweifelhaft vor, weil er in feiner Zeich- 
nung nur eine Rückenfloffe und zwo Bartfafern angiebt, welche Kennzeichen dem oben be- 
fchriebenen Gründling h) zukommen. 

Bändelet i) ift, wie ich glaube, der erfte, Welcher vier Arten befchreibt, und ob 
er gleich feiner weiften Grundel nur eine Rückenfloffe giebt k)j fo beweifen jedoch der 
Stand und die Bildung der erflen Rückenfloffe, auch der Umftand, dafs er fie unter den See- 
fifchen befchreibt, hinlänglich, dafs fie eine Meergrundel fey. Die folgende Ichthyologen bis 
auf den Linni liefsen es hiebei bewenden. 

Wiliughhy nimmt zwar fünf Arten an , allein feine fünfte Species , der Seehaafe I) , 
gehört felbft nach feinen Eintheilungsgrund zu den knorpelartigen Fifchen (cartilaginei), 
oder fchwimmenden Amphibien des Ritters. Raji zählet neun Arten m), aber feine 
vierte Species ift unfer Kaulkopf n) , fo wie die fiebente unfer Steinpicker o) , da fie beide 
keine verwachfene Bruftfloffen haben, welches Kennzeichen er doch ausdrücklich angiebt; 

A 2 

a) Hift. anim. Lib.6. c. 13. Lib. 8» c. 33. 19. g) Loc. eitat. p. 234. 
Lib. 9. c. 2. 37. h) Im erften Theil. S. 57. 

b) Gob. Aphia. Linn. i) de Pifcib. Pars 1. p. 195. 

c) Gab. Jozo. Linn. k) Gobio albus. 1. c. p. 200. 

d) Nat. Hift. Lib. 9. c. 57. 1) Hift. Pifc. p. 206. 

e) Aquat. Aphia. p. 214. Gobius marinus ni- m) Synop. Pifc. p. 76. 
ger. p. 233. Gobius pagnellus. p. 235; n) Cottus gobio. Linn. 

f) Gobius niger. Linn. o) Cottus cataphra&us. Linn. 



4 Erficr Abfchnkt. Von den Meergrundeln Überhaupt. 

fo gehören fie nicht in diefes, fondem in das folgende Gefchlecht. Von feiner fechsten 
Art gilt eben das, was ich wider den Willughby erinnert habe, feine achte und neunte Art 
kann ich aus Mangel einer Zeichnung nicht beurtheilen; um fo viel weniger, da er in den 
Befchreibungen der verwachfenen BauchflofTen mit keinem Worte gedenket. 

, Klein giebt fünf Arten an a), aber feine vierte und fünfte ifl nur eine, nemlich die 
Aphia. Gronov befchreibt eine neue Gattung b), welche aber der Ritter in fein Syftem 
mit aufzunehmen , nicht für gut gefunden. Er theilt übrigens die Grundein ohne Noth 
in zwei Gefchlechter, nemlich in Eleotris und Gobius. 

Hierauf macht uns Largefler c) mit zwo, und Linne d) mit eben fo viel neuen 
Grundein bekannt. Jene find Chinefifche, welche auch in der Folge vom Osbeck befchrie- 
ben worden e), und diefe dieBaftart-und Aalgrundel. Der Ritter giebt alfo diefem Gefchlechte 
acht Gattungen 5 auch BrUnich fcheint ein Paar neue bemerkt zu haben f ). Hierauf hat 
Koelreater g) einen neuen, und Herr Prof. Pallas h) vier dergleichen, nämlich die Schlof- 
ferfchen, die Boddartfchen, die Hafenköpfigten und die Baarfchähnlichen befchrieben. End- 
lich gedenkt auch Forskael zwoer neuen Gattungen i). Auch ich werde gelegentlich diefe 
Anzahl mit einer neuen vermehren, wovon fich eine Handzeichnung in der Plümierfchen 
Sammlung befindet. 

Die Grundein halten fich gewöhnlich im Grunde des Meeres zwifchen den Steinen 
auf j Woher auch wahrfcheinlich die deutfche Benennung entflanden feyn mag. 

Diefe Fifche haben einen gefireckten mit Schuppen bedeckten Körper, der zu keiner 
beträchtlichen Grofse heranwächft. Der Kopf ifl klein, und bald von oben nach unten, 
bald aber auf den Seiten , der Rumpf aber bei allen auf den Seiten zufammengedruckt. 

Die Augen flehen am Scheitel nahe bei einander, und zwifchen ihnen befinden 
fich hinter einander zwo kleine runde Oefnungen, welche ohnftreitig die Nafenlocher find. 

a) MuT. P. V. p. 28. Icht. Maff. p. 30. n. 41. 42. 

b) Zooph. p. #2. n. 277. g) Nov. comment. Petropol. V. VIII. p. 42T. 

c) Linne. p. 449. n. 3. 454. n. 6. h) Spicim. Zoolog. Fafcicul. 8- p.i — 18- Nat. 

d) 1. c. n. 7 et 8- Gefch. merkw. Th. 8- Sammlung. S. 1 — 18. 

e) Reife nach Oftindien und China. S. 340. i) Defcibt, Annimal. p. 23. G. Anguilaris 
170. 291. minimus Nr. 5. und G. Nebulofus. Nr. 6. 



Eiveeter Abfchmtt. Von den Meergrundeln insbefondere. *5 

Die Mundöfnung ift klein, und die beiden Kinnladen find mit kleinen fpitzigen Zähnen 
bewafnet; die Zunge ift kurz, ftumpf, und der Gaumen mit vier rauhen Knochen ver- 
gehen. In jeder Kiemenhaut, welche mit einander ftark verwachfcn find, befinden fich vier 
bis fünf Strahlen; die Kiemenöfnung ift klein und rundlicht. Den Rumpf bedecken kleine 
Schuppen, und von feinen fieben Flößen befinden fich zwo am Rücken, eben fo viel auf 
den Seiten, eine an.der Brufl, eine am Bauche, eine hinter dem After, und eine am 
Schwänze. Die Seitenlinie läuft in einer geraden Richtung mitten über den Körper wegi 

Merkwürdig ift an diefen Fifchen, eine fpitz zulaufende längliche Warze, welche 
fich gleich hinter dem After befindet. Bei drei Gattungen , die ich unterfucht habe , war 
fie wenigftens allezeit vorhanden. Der Nutzen derfelben ift mir noch unbekannt : anfäng- 
lich glaubte ich, fie wäre hohl und diente zum Ausgang der Eier, allein ich habe fogar 
durch Hülfe des Suchglafes keine Oefnung darin bemerken können. 

. Diefe Fifche leben von Würmern, Waflerinfekten und vom Rogen und der Brut 
anderer Wafferbewohner. Gröfstentheils halten fie fich in den Meeren , einige wenige 
Gattungen aber auch in den Flüfsen auf. 

ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Meergrundeln insbefondere. 

DIE MEERGRUNDE L. 

XXXVIIIfte Taf. Fig. i. 2. 5. 

JLJer Körper weifs und braun gefleckt, vierzehn Strahlen in der zwoten Rückenflofie. 5 



1 Die IVIcer* 
K. 4; Br.ig B.10. A.ia. S. 14. R. 6. 14. gnmdel< 

Gobiui ex albo et fufco varius, pinna dorfali feeunda radiis XIV. B. IV. P. XVIII. 

V. X. A. XII. C. XIV. D. VI. XIV. 

Gobius niger, pinna dorfali feeunda radiis qua- oflicuiorum quatuordeeim. Artedi. G. 

tuordeeim. Limit 1 . S. N. p. 449. n. 1. p. 28. n. 1. Syn. p. 46. n. 1. 

— — Müller. Prodr. p. 44. n. 364. Gobius Sebae. Muf. V. III. p. 88- Tab. 29. n. 15. 

— ex nigricante varius pinna dorü feeunda Eleotris capite plagioplateo, maxillis aequalibus, 

A 3 



6 Zweeter Ahfchnkt. Von den Meergrundeln hishe fonderei 

pitmis ventralibus concreto. Gronov. Gobio niger. Gesn. Aquat p.395. Thierb. S.o. b: 

Muf.a. p.17. n.170. Zooph.p.82. n.ago« Gobius niger. RondeL Aldrov. de Pifc. p. 97. 

Gobio branchiarum operculis et ventre flaviaa- — — Wiüaghb. Ichth. p. 206. 

tibus, corpore fufco et albicante vel flavi- Gobius marinus niger. Bellon. Aquat. p. 233. 

cante, fulco a capite ad pinnam primam, — — — Raji. Synopf. Pifc. p. 76. 

pinnis dorfalibus, ani et caudae coeruleis, The Black Goby. Penn. Britt.. Zool. III. p. 313. 

ttiaculis nigris, crebris; fquamis parvis afpe- Sea Gudgeon or Rock-Fifch. Art* of angl. p.255. 

ris, etc. Klein. Miß". Pifc. V. p. 27. n. 1. Der Kiihling. Schonev. Icht. p. 36. 

Gobio niger. Rond. de Pifc. P. I. p.200. Die Meergrundel. Müller. L.N. S.4.Th. S. 127. 

Die fchwarze Grundel läfst fich durch die fchwarzbraunen und gelben Flecke auf 
einem weislichen Grunde, und die vierzehn Strahlen in der zwoten RückenflofTe, leicht von 
den übrigen unterfcheiden. In der Kiemenhaut hat fie vier, in der Bruftflofle achtzehn, in 
der Bauchflofle zehn, in der AfterflofTe zwölf, in der Schwanzflofle vierzehn, und in 
der erften Rückenflofle fechs Strahlen. 

Diefer Fifch hat eine keilförmige Geilalt, indem er am Kopfe dick ift, und fich 
gegen den Schwanz zu , allmählig verdünnet. Der Kopf ift von oben nach unten zufam- 
niengedruckt , und der auf den Seiten ebenfalls zufaminengedruckte Rumpf, wird nach 
dem Schwänze zu rund. Die Kiefern find von gleicher Länge , und mit zwo Reihen fpitzi- 
ger Zähne bewafnet. Die Mundöfnung ift von mittlerer Gröfse, und die Zunge frei. 
Die runden Nafenlöcher ftehen zwifchen den Augen hintereinander. Das Genick ift breit, 
und fo wie der Rumpf mit kleinen, grauen, harten Schuppen bedeckt. Die Augen find läng- 
lichtrund , und der fchwarze Stern derfelben fteht in einem filberfarbenen Ringe. Die Kie- 
menhaut ift eben fo wie die Kiemenöfnung grofs. Der Rücken ift rundlicht gewölbt, 
mit fchwarzen Banden bezeichnet, und die Seitenlinie unmerkbar. Der Bauch ift breit, 
und von gelblicher Farbe; der After in der Mitte des Körpers, und diefer mit fchwarzbrau- 
nen gelben Punkten und Flecken ganz befprengt. Die Flößen find graublau, und mit klei- 
nen fchwarzen Flecken gefchmückt. Die Strahlen in der Rücken - und Afterfloße find ein- 
fach, in den übrigen aber getheilt , und fämtlich weich, bis auf die in der erften Rücken- 
flofle, welche etwas härter findj die ßruftfloflen find kurz, die übrigen lang, und die 
Schwanzflofle ift abgerundet. 



Zuieeter Abfchnitt. Von den Meergrundeln insbeßondere. 7 

Der Magen ift kurz, länglicht, und feine Haut dick; der Dannkanal hat zwo Beu- 
gungen j die Leber ift grofs, blafsgelb, und von einer herzförmigen Geflalt, die Milz ift 
dick, länglicht, von beiden Seiten zugefpitzt. Die längs dem Rücken liegende LuftbJafe ift 
am Magen weit und am After eng. Der Milch ift fo wie der Rogen doppelt, und liegt auf 
beiden Seiten der Schwimmblafe ; die länglichten Nieren liegen hinten am Rückgrade. 

Diefe Fifche gehören zu den Raubfifchen und leben von der Brut ihres gleichen und 
den Waflerinfekten; ihr Aufenthalt ift in der Nordfee und andern Meeren. Im Frühjahr 
befuchen fie die Küften, und gehen in die Mündungen der Ströhme, wo fie fich zur Fort- 
pflanzung ihres Gefchlechts in Menge einfinden. Ihre Laichzeit fällt im Mai und Jun. 
Arifloteles hat bereits bemerkt a) , dafs die Grundein ihre Eier auf den Steinen abfetzen, welchei 
auch durch die Beobachtungen des Pontoppidan beftätigt wird b). Sie erreichen die Gröfse von 
fünf bis fechs Zoll, und werden als ein kleiner Fifch öfters denen größeren, befonders dem 
Dorfch und Schellfifch zur Beute. Ihr Fleifch ift wohlfchmeckend, und dem Fleifche des 
Kaulbarfcb.es ähnlich, mit welchem fie auf einerlei Art zur Speife zubereitet werden. Man 
fängt fie in dem Kielfchen Meerbufen und ohnweit Heiligeland mit dem Dorfch zufammen. 

In Hamburg und im Holfteinfchen wird diefer Fifch der Kuhling , ßchwarzer Gob , odci 
Meergob; in DännemzvkKuTling, Schmer butting; in Holland Govecken; in Engellsnd Sea* 
Gudgeon, Rockßßch und Pinck, in Frankreich Boulerot ; in Venedig Go und Goget ; in Ge- 
nua Zolero und in Rom Mißbri genannt. 

Pennant führt unrichtig den Gronoo zu diefer Grundel an c): denn jene ift, nach 
der genauen Befchreibung , welche diefer Schriftfteller von ihr macht, nicht unfere, fondern 
die chinefifche (eleotris) des Ritters. Es ift auch bei der unfrigen der Kopf von oben nach 
unten (plagioplateum) bei der Gronovifchen hingegen von beiden Seiten zufammenge- 
druckt (catheoplateum). Salvian hat irriger Weife den Rücken mit drei Flofien vorge- 
ftellt d), welchen Fehler Johnßon und Rnyßch e) auch in ihre Zeichnungen übergetragen 
haben. Klein führt unrichtig die erfte Figur auf der Tafel N. 12 des Willughby zu unferm 

a) Natural. Hift. 1. 6. c. 13. d) Saly. Aquat. p. 213. 

b) Naturhiit, von Dann. S, 187. not. 14. e) Tab. XV. Fig. II, 

c) Brittifch. Zool. V. III. p. 313. 



3 Zweeter Abfchnht. Van den Meergrundeln inskfondere. 

Fifch an a) ; denn bei jenem fleht der Unterkiefer fehr weit vor dem obern hervor, welche 
beide doch bei dem unfrigen von einer Länge find. Auch ifl in der angeführten Zeichnung 
die Verwachfung der BauchflofTen nicht angedeutet. 

DIE LAN ZETTGRUND EL, Gobius Lanceohtur. 
XXXVfflfle Taf. Fig. i. 6. b) 

Die SchwanzflofTe wie eine Lanze geflaltet, in der K. 5. Br. 16. B. ia. A. 16. 

a.DieLan- 
zettgrundel.S. so. R. 6. 18. 

Gobius pinna caudali lanceolata. B.V. P.XVL V.U. A.XVL C.XX. D. VI XVIII. 

Gobius cauda longiflima, acumWa. Gronov. p. 4. Nat. Gefch. merkw. Thiere. 
Zooph. p. 82. n. 277. Tab. 4. Fig. 4. 8- Samml. S. 4. 
oceanicus. J Pa//.Spic.Zool.Fafc.8.p.4. Gobius cauda lanceolata. Plümier. Manufcript. 

Die breite am Ende zugefpitzte längliche SchwanzflofTe unterfcheidet diefe Grundel 
von den übrigen Arten diefes Gefchlechts. In der Kiehmenhaut befinden fich fünf, in der 
BruflflofTe fechszehn, in der Bauchfloffe eilf, in der Afterfiofle fechszehn, in der Schwanz- 
flofTe zwanzig, in der erflen Rückenfloffe fechs und in der zwoten achtzehn Strahlen. 
Der Körper ifl: geflreckt, und das Kopfende um etwas weniges ftärker, als das Schwanz- 
ende. Der Kopf ifl länglicht und vorn abgeflumpft; beide Kiefern find gleich lang, und 
mit kleinen fpitzen Zähnen bewafnet. Die Mundöfnung ifl von mittlerer Gröfse, und die 
Zunge frei und fpitzig. Der Kiemendeckel befleht aus zwei Plattchen, und die Kiehmen- 
öfnung ifl Weit; die Augen flehen auf dem Scheitel dichte beifammen, und haben einen 
fchwarzen Stern, in einem goldenen Ringe; das Genick ifl, fo wie der Rücken, rund, und 
von bräunlicher Farbe. Die Backen find bläulicht und haben eine röthliche EinfafTung, und 
die zufammengedruckte Seiten find von hellgelber Farbe; der Stand der Seitenlinie ifl auf der 



a) Mif. P. V. p. 27. S em ^ en neuen aus dem PMwür genommen, 

b) Da ich den ledigen Raum diefer Tafel, .allein er ift nicht grofs genug, um die Platte 
mit keinem einländifchen zu diefem Gefchlechte auszufüllen. Den Seeftinc (G. Gozo) erhielt 
gehörigen Fifche anfüllen konnte; fo habe ich ich zu fpät, und ich werde ihn daher am Ende 
dazu einen amerikamfchen beftimmt. Ich hätte diefer Abtheiluug nachliefern. 



Zweiter Ahfcknitt. Von den Meergrundeln insbefondere. 9 

Mitte des Körpers. Da wo die beiden RückenflofTen zufammenftoffen, zeigt fich auf jeder 
Seite ein brauner Fleck. Der Bauch ift von grauer Farbe, und der After dem Kopfe weit 
näher als der SchwanzfiofTe; hinter demfelben ift eine längliche Warze fichtbar. Die 
Schuppen diefes Fifches find an ihrem äufsern Rande rund , und liegen wie Dachziegel über 
einander; merkwürdig ift es, dafs diejenigen, welche am Schwanzende fitzen, die am 
Kopfende an Gröfse weit übertreffen. 

Die Bruflfloffe ift gelb und blau eingefafst, und ihre Strahlen find eben fo wie die 
an der Bauch- und SchwanzfiofTe am Ende getheilt: die in der Rücken -und AfterflofTe 
aber nur einfach, und insgefammt weich. Diejenigen, welche in der erften Rücken- 
flöße fitzen, haben weit hervorragende, lange, weiche Enden. Die Strahlen der After- 
und Rückenfloffe flehen weit auseinander, und find durch eine zarte, durchfichtige Haut 
verbunden: die beiden BauchflofTen aber weit mit einander verwachfen, und bilden 
daher eine ftarke Höhle j die SchwanzfiofTe ift am Grunde grünlichgelb und am 
Rande violet. 

Diefe Fifchart findet fich häufig in den mehreften Flüfsen und Bächen der Infel 
Martinique, wo fie der Pater PlUmier in Menge gefangen, und wo fie nach feiner Verfiche- 
rung ein fehr wohlfchmeckendes Fleifch hat. Derjenige Fifch, welchen ich im Weingeift 
aufbewahre, ift von der auf der XXXVIIIften Tafel vorgeftellten Gröfse, und wird von der 
Plümierfchen Zeichnung um einen Zoll in der Länge übertroffen. Da diefer Naturforfcher 
gewohnt war, bei feinen Vorftellungen , jedesmal die gröfsten Exemplare zum Grunde zu 
legen; fo möchte man diefen Fifch wol nicht leicht länger antreffen. 

Gronov hat diefen Fifch zuerft befchrieben: aber nach der Abbildung zu urtheilen, 
die er davon gegeben hat, mufs fein Exemplar klein und fchadhaft gewefen feyn; auch ift 
ihm die Farbe und der Geburtsort unbekannt geblieben a) , aus welchem Grunde ihn Linne 
vielleicht, in feinem Syftem nicht mit aufzunehmen, für gut gefunden hat. 



a) a. a. O. 



10 Erßer Abfchnitt. Von den Groppen überhaupt. 

ERKLÄRUNG DER XXXFIIIfien KUPFERTAFEL. 
Fig. i. Die Lanzettgrundel, von der Seite vorgeftellt. 

— 2. Die fchwarze Gründe!, eben fo vorgeftellt 
— 3. Letztere, auf dem Bauch liegend. 

— 4. Das Kopfende von der untern Seite, damit die tutenartige Ver wachfang der Bruftfloilen 

deutlich in's Auge fallen möge. 

— 5. Der Durchfchnitt diefes Fifches. 

— - 6. Der Durchfchnitt der Lanzettgrundel. 



VIII. GESCHLECHT. 

Die Groppen. 
ERSTER ABSCHNITT. 

Von den Groppen überhaupt. 

XJer Kopf breiter als der Körper. Conus, caput corpore latius. 

Cottus. Lim. $. N. XII. gen. 160. p. 45t. la Tete d'Ane ou le Chabot Gottan. Hift. de 
. — Artedi. gen. p. 48. Syn. p. 76. Poiff. p. 104. 149. 

— Gronov. Muf. I. p. 46. Zooph. p. 78. Knorrhä'hne. Müller. L. S. 4.Theil. S.133. 

Uranofcopus. Muf. II. p. 14. n. 166. The Bulhead. Penn. Britt. Z. III. gen. XXII. p. 216. 

Die Fifche diefes Gefchlechts erkennt man an ihren Harken Köpfen, welche den 
Rumpf an Dicke übertreffen. Sie find fchuppenlos , die Köpfe derfelben aber mit Stacheln 
oder Höckern befetzt, und vorn abgerundet. Die Mundöfnung ift weit, und eine jede 
Kinnlade in derfelben bewafnet; die Augen flehen am Scheitel, und find mit einer Nick- 
haut verfehen. Die doppelten Nafenlöcher fitzen nahe an den Augen und lind kaum licht- 
bar; die Kiemendeckel find grofs und bei einigen gezähnet; die Kiemenhaut, die unter- 
wärts fitzt, hat fechs Strahlen. Der Körper hat eine länglichtrunde Geftalt, verdünnet fich 



Erßer Abfchnitt. Von den Groppen Überhaupt. n 

gegen die SchwanzflofTe zu, ift wie gefagt ohne Schuppen und glatt. Von denen acht 
Floflen, befinden fich zwo an der Brufl:, eben fo viel am Bauche und Rücken; eine hinter 
dem After, und eine am Schwänze. Der Bauch ift dick und der After bei den mehreren 
dem Kopfe näher als der SchwanzflofTe. Die Seitenlinie geht in einer graden Richtung fort, 
und nähert fich dem Rücken mehr als dem Bauche. 

Diefen Fifchen ift, bis auf einem, das Meer zum h.v& enthalt angewiefen. Die Grie- 
chen und Römer fcheinen fle nicht gekannt zu haben. Bellon hat zuerft den Kaulkopf a), 
unter dem Namen der zwoten Grundel befchrieben b), und Rändelet. die erfte Zeichnung 
davon geliefert c). Die folgenden Ichthyologen liefsen es hiebei bewenden, bis uns Aldro- 
vand d) den Seefcorpion e) kennen gelehret; diefem hat Schonefeld f) in der Folge den 
Steinpicker g) und den Seebul h) hinzugefügt: da er aber dem letzteren keinen befonderen 
Namen gegeben ; fo haben die folgenden Ichthyologen bis zum Artedi auf ihn keine weitere 
Rückficht genommen. Marggraf befchrieb hiernächft den Brummer i) aus Brafilien , und 
Artedi brachte fie zuerft in ein Gefchlecht beifammen, welchem er fünf Arten giebet k), 
jedoch dem Marggrafifchen ausläfst, und fiatt feiner den, Seedrachen der Schriftfteller , wel- 
cher nicht hieher gehöret, mit aufnimmt. Linni befchrieb darauf einen neuen , nemlich den 
Gabler 1), defTen Vaterland er jedoch nicht anzugeben weifs, und führt fechs Gattungen in 
diefem Gefchlecht auf. Herr Profeflor Pallas bereicherte uns mit dem gepanzerten aus 
Japan m), und endlich gedenkt Forskael zwoer neuen Arten n); es kommen demnach neun 
Arten zufammen, wovon bei uns viere zu Haufe gehören. 

B a 



a) Cottus gobio. Linn. h) Cottus quadricornis. -Lim. 

b) De Aquat. Üb. i. p. 321. i) Iter braff. p. 178. cottus grunniens. Linn. 

c) De Pifc. P. 2. p. 202. k) Gen. p. 48. Syn. p. 76. 

d) De Pifc. p. 202. Scorpaena alia. 1) Cottus Scaber. Linn. 

e) Cottus Scorpio. Linn. m) Spec. Zoolog. Fafc. 7. p. 3T. Naü. Gefcb. 

f ) Ichth. p. 67. Merkw. Th. 7. Saml. S. 31. Tab. 5. Fig. 1-3. 

g) Cottus cataphra&us. Linn. n) Defcr. Animal. p. 24. n. 7. 8' 



12 Ziveeter AbfchnUt. Von den Groppeu insbefondere. 

ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den G r o p p e n insbesondere. 

DER K A U L K P F. 
XXXVJIIße Taf. Fig. i. 2. 

," ." , An jedem Kiemendeckel zwo krumme Stacheln. K. 4. Br. 14. B.4. A. 12. S. 12« R. 7. it. 
r» Der Kaul- V * ' 

köpf. Cottus f Spinis curvatis duabus ad utrumque operculum, B. IV. P. XIV. V. IV. A. XII. 

D. VII, XVII. 



Cottus gobio, laevis, capite Ipinis duabus. Lim. 
S. N. p. 452. n. 6. 

— — ■ Müller, prodr. p. 44, n. 368. 

— — O. Fabric. Faun, groenland. p.159. 

n. 115. 

— — Zuckert. Mat. alim. p. 267. 

— alepidotus glaber, capite diacanto. Art. 

gen. p. 48. Syn. p. 76. n. 1. Spec. p. 82. 
Uranoscopus officulis pinnae dorfalis primae bre- 

viffimis, capite utrinque monacantro. Gronov. 

Muf.2. p.14. n.166. 
Et Cottus alepidotus, capite plagioplateo, lato, 

obtufo,utrinquemonacantho.Zooph.p.79.n.270 
Percis, capita, laevis et brevis; capite quod nani 

habere folent, majori pro volumine corporis; 

mandibula inferiore longiore ; fubeinerea; pinna 

dorfi et caudae aequalibus variis punftalis fuf- 

cis; iride alba inter latum circulum nigrum; 

pinnis fex. Klein. MUT. Pifc. Fafc. p.43. n.17. 
Gobius fluviatilis alter. Bellon. Aquat. p. 331. 
Citus. Sah. Hift. Aquatil. p. 21Ö. 



Cottus. Rondel. Pifc. P. 2. p. 202. 

— Gesn. Aquat. p.400. Icon. annim. p. 2pr. 
Gobio capitatus. Chart, onomaft. p. itf. n. 13. 
Gobius capitatus. gfonft. p. 140. Tab. 29. f. 11. 

— — Ä«#Ä.fhef.p.95.Tab.29.Fig.ir. 
Gobio fluviatilis capitatus. Aldrov. de Pifc. p. 613. 

— — — 7»g&6.p.i37.Tab.H.3. 

Kg- 3- 

— — - — Äz/z.Syn.Pifc.p.76. n.4. 

— — — Marfigl. Dan. t. 4. p. 73. 

Tab. 24. Fig. 2. 
Der Gropp. Gesn. Thierb. S. 162. 
DieRotzkolbe.7I%er.Thierb. 2.Th. S. 4. Tab. 12. 
Der Kaulkopf. Mütter. Linn. Syft.4. Th. S.437. 
Der Koppe. Kramer. Elenchus. p. 384. 
Der Müllen Schwenckf. Theritroph. p. 431. 
Kaulkopf, Kaulbarfch, Dickkopf. Döbels. Jäger- 

praftik, 4ter Theil, S. 81. 
The River Bulhead. Penn. Britt. Zool. Vol. III. 

p. 216. n. 79. pl. 31. 
Tiie Bull-head, or millers Thumb Art ofAngl. p.29. 



Die auf jedem Kiemendeckel nahe an den Backen befindliche zwo gekrümmte Sta- 
cheln unterfcheiden diefenFifch von den übrigen feines Gefchlechts. Von diefen beiden Sta- 
cheln iß die eine grofs und mit der Spitze nach dem Munde zu, die andere aber klein, 



Zweetcr Abfchnitt. Von den Groppen inshefondere. 13 

mit der Spitze nach dem Rumpf zu gekehret. Die Schriftfteller ermähnen zwar der letztern 
nicht, man darf aber nur mit dem Finger| gegen den Kopf fahren ; fo wird man ihn bald 
durch das Gefühl entdecken. In der Kiemenhaut find fechs, in der BrufiflofTe vierzehn, in der 
BauchflofTe vier, in der AfterflofTe zwölf, an der SchwanzflofTe zwölf, in der erften Rücken- 
flofle fieben und in der zwoten fiebenzehn Strahlen befindlich. Der Kopf ift von oben nach un- 
ten zufammengedruckt, vorn fchmäler als hinten, und bildet auf jeder Seite einen Winkel a); 
beide Kinnladen find gleich lang, und, fo wie auch der Gaumen und Schlund, mit mehr 
als einer Reihe kleiner fpitzer Zähne befetzt. Die Zunge ift frei und glatt, die Kie- 
menhaut breit und hervorftehend ; die Nafenlöcher find ohnweit den Augen befindlich, und 
nur durch Hülfe eines Suchglafes zu erkennen. Die Augen flehen mitten am Kopfe, fie 
find klein, und haben einen fchwarzen Stern in einem gelben Ringe. Die Kiemendeckel 
beliehen nur aus einem einzigen Plättchen, welches fich in einen fpitzigen Winkel endet. 
Der Rumpf wird, nach dem Schwänze zu, allmälig dünner, ift von den Seiten etwas 
zufammengedruckt, und mit einem zähen fchlüpfrigen Schleim überzogen. Auf dem Kör- 
per bemerkt man allenthalben kleine runde Warzen -, die Seitenlinie, welche wegen des 
Schleimes kaum fichtbar ift, läuft mitteu über demfelben hinweg. Diefer Fifch hat am 
Kopfe, Rücken, und an den Seiten oberhalb der Linie eine braune Farbe, und dabei fchwarze 
Flecke, von unbeftimmter Figur; unter der Linie ift er weifs, und mit eben dergleichen 
Flecken verfehen. Der Bauch ift breit, bei dem Männchen grau, und mit kleinen braunen 
Flecken befprengt , bei dem Weibchen hingegen ganz weifs j auch unterfcheiden fich diefe 
dadurch, dafs die BauchflofTen gelb und braun gefleckt find, und die zwote RückenflofTe, 
eine röthliche EinfafTung hat. Der After fleht mitten am Körper, und fämtliche Flößen 
hatten, bei meinem Exemplar, eine bläuliche Farbe und kleine fchwarze Flecke. Von den 
Strahlen in den BruftflofTen find nur wenige an den Spitzen getheilt, die in der Schwanz- 
fiofle vielzweigigt, und die in den übrigen einfach. Die BauchflofTen find lang , und die 
SchwanzflofTe ift kurz und rund. 

B 3 

a) Diacanthus. 



14 Zweeter- Abfchnitt. Von den Grippen insbe fonder e. 

Diefer Fifch hält fleh .in Bächen auf, welche ein reines Quell waffer führen und einen 
fteinigten Grund haben. Hier finden wir denfelben unter andern bei Neuftadt-Eberswalde, 
woher ich ihn durch die Güte der Frau Gräfin von Podewils erhalten habe ; auch ift er in 
Schießen zu Haufe. In Thüringen und Franken ift er unter dem Namen Rotzkolbe, und 
in den Harzgegenden unter der Benennung Kaulquappe bekannt. Im ©efterreichifchen 
trifft man ihn gleichfalls häufig an, und er heifst dafelbfl Koppe: desgleichen findet man 
ihn auch in mehrern europäifchen Ländern. 

Diefer Fifch erreicht die Gröfse von vier bis fünf, auch manchmal bis fieben Zoll 
Länge a). Er bewegt fich fehr fchnell , und fchiefst wie ein Pfeil von einer Stelle zur an- 
dem. Seine Nahrung find Waflerinfekten , und die Eier und Brut anderer Fifche, wie ich 
denn noch unverfehrte Wafferfiöhe und Käfer in feinem Magen angetroffen habe.- Seine 
Gefräffigkeit foll fo weit gehen, dafs er, nach der Verficherung des Gesner b), feiner eige- 
nen Art nicht fchont; dagegen hat er an dem Barfch, der Forelle und dem Hecht 
furchtbare Feinde. 

Die Laichzeit diefes Fifches fällt in den März und April. Hö'chft unwahrfcheinlich ift 
es, dafs er, nach der Behauptung des Ritters, feine Eier in befonders dazu gemachten Ne- 
ftern bebrüten, und felbige auch bei der gröfsten Lebensgefahr nicht verlafTen c), oder wie 
Marßgli vorgiebt, das Männchen vier Wochen lang über denfelben fitzen foll d). Er hält 
fich gewöhnlich in den Höhlungen auf, welche das Waffer unter den grofsen Steinen bildet. 

Man fängt' diefen Fifch mit kleinen Netzen, Reufen und der Angel: anch beim Mond- 
fchein und Licht, wodurch er geblendet wird, mit den Händen. Sein Fleifch ift nicht 
allein wohlfchmeckend, fondern auch eine gefunde Kofi, und nimmt im Kochen eine röth- 
liche Farbe an. Man kocht diefen Fifch gewöhnlich im Salzwaffer, und verfpeifet ihn hier- 
nächfl mit Effig und Oel oder einer Weinbrühe. Der Magen deffelben ift grofs, befleht 
aus einer dünnen Haut, und ift am Ende mit vier Anhängfein verfehen. Der Darm- 
kanal hat nur eine Beugung, und ift daher kurz; fowol der Milch als Rogen find doppelt. 
Merkwürdig ift es, -dafs das Darmfell (peritoneum) eine fchwarze Farbe hat. Auch wird 



a) Marßgli. Tora. 4. p. 73. c) Linn. Syft. Nat. p. 452. 

b) Gesners Thierb. S. 162. . d) 1. c. Tom. 4. p. 73. 



Zweiter Abschnitt. Von den Groppen insbefondere. 15 

er nach der Beobachtung des Herrn O. Falricim von den Bandwürmern oft geplagt 2). 
Die Leber ifl grofs, ungetheilt, und von gelber Farbe. Auf jeder Seite find zehn Ribben, 
und im Rückgrad ein und dreißig Wirbelbeine befindlich. 

Die Menge derProvincialbenennungen beziehen fich hauptfächlich auf den grofsenKopf, 
wodurch dieferFifchfich vor allen Flufsfifchen auszeichnet, und den feinen Körper bedeckenden 
Schleim. In hiefiger Gegend und in Schießen heifset er Müller, Kaulkopf; im Oefterreichfchen 
Koppen; in Franken und Thüringen Rotzkolbe; in Schleswig und in Dännemark Steinpicker, . 
TurzbitU; in Schweden Steen-ßmpa, Slagg-fimpa; in Grönland Itekiodleck, Kamikitfoch, 
Ugarangmis ; in Holland Go vie , oder Gobichen; in England Bulihead : Cull, or Müllers 
Thumb; in Frankreich Chabot, in Touloufe befonders Caburhnt ; in Italien Mijfori und in 
Rom befonders Capo grojfo; in Sklavonien Glaufche ; in Pohlen Glonnaez, und am Harz 
Kaulquappe. 

Salvian, der übrigens unfern Fifch genau befchreibet, eignet demfelben unrichtig' 
kleine Schuppen zu b). Gronov führt unrichtig unfern Fifch als zween befondere auf, ein- 
mal als Himmelsfeher c), und einmal als Groppe d). 

DER STEINPICKER. 
XXXVIIIfte Taf. Fig. 3. 4. 
Der Körper achteckigt. K. 6. Br. 15. B. 3. A. 6. S. 10. R. 5. 7. 



2.DerStei«- 
Cottus corpore oBagono. B.FL P. XF. F. III. A.FI. C.X D. F, FII. picker . 

Cottus cataphra&us , loricatas, roftro veracis, Cottus cirris plurimis corpore o&agone. Arted. 

2. bifidis, capite fubtus cirrofo. gen.p.40.n,4.Syn.p.77.n.5.Spec. p-87- 

Linn. S. N. p. 451. n. 1. Mu£ — Gron. Muf.i. p.46. n.105 . A&.Helv. 

Ad. Fr. 1. p. 70. Tom.IV. p.262. n.140. Zooph. 

— — Brunn. Icht. Mail', p. 31. n. 43. p. 79. n. 271. 

— — Müller. Prodr. p. 44. n. 369. — cataphraftus roftro refimo , quatuor affi- 

— ■ — O.i'Wir.Faun.Grö'nl.p.^.n.m. culis munito, totus fquamis ofTeis den- 



a) Faun. Grönland, p. 160. c) Muf. 2. p. 14. n. 166. uranoscopus» 

b) Aquatil. p. 216".- d) Zooph. p. 79. n. 270. cottus. 



j£ Zweeter Abfchnitt. Von den Groppen insbesondere. 

ticalatis conte&us; labiis edentulis, afpe- Cottus cataphra&us ÄM#/cÄ.Theatr.Anim.p.77. 
ries tarnen faucibusque hortes. Klein. Tab. 46. Fig. 5. 6. 

Miff. Pifc. IV. p. 42. n- 1- A p °gS e » Art of An § L P* 2 W' 

Cottus cataphraftos. Schonev. Charlet. Onom. The Armed Bulhead. Penn. Britt. Z00L T. 3. 
p. 152. n. 2. p. 216. n. 98. PI. 39- 

milughhy. Ichth. p. 212. Tab. Le Pogge, Cours d'hift. nat. T.5. p.214. PI. 10. 

N. 6. Fig. 2. 3. Fig. 1.2. 

__ Raji. Synopf. Pifc. p.77. Steinpicker, Müller, Schonev. Ichth. p. 31. 

___ &6.Muf.T.3.p.8i.Tab.28.Fig.6. — Müllers L. S. 4. Theil. S. 133. 

__ gfonfl. Pifc. p. 114. Tab. 46. Der gepanzerte Groppe. ZwiAnfgr. 8.365.0.3.' 

Fig. 5- 6 - 
Die achteckigte Geftalt diefes Fifches unterfeheidet ihn von allen übrigen feines Ge- 
fchlechts. In der Kiemenhaut trifft man fechs, in den Bruftfloflen fünfzehn, in den Baucbfioflen 
drei, in der AfterflofTe fechs, in der SchwanzflofTe zehn, in der erften RückenfiofTe fünf und in . 
der zwoten fxeben Strahlen an. So wol die Geftalt, als auch befonders die Schilder machen diefen 
Fifch unter den übrigen merkwürdig. Der Kopf iß breit und von oben nach unten zusammen- 
gedrückt, mit vielen Bartfafern und Stacheln verfehen. Der Rumpf verdünnet fich allmählig 
nach dem Schwänze zu , und ift flatt der Schuppen mit Schildern befetzt. Von den Kinnladen 
ift die obere hervorftehend, und beide find, fo wie der Gaumen, mit mehreren Reihen 
kleiner und fpitzer Zähne bewafnet. Die Mundöfnung befindet, fich unterhalb, fie ift von 
mittlerer Gröfse und mondförmig, und die Zunge breit und dünne. Den Obertheil des 
Kopfes bedeckt ein knöchernes Gebäude, welches auf beiden Seiten und oben fpitzige Er- 
höhungen und Vertiefungen hat: befonders geben die vier an der Schnauze hervorragende 
Spitzen, welche zween mondförmige Ausfchnitte bilden, dem FiJche ein fonderbares An- 
feilen: diefen Spitzen zur Seite nimmt man die röhrenförmigen Nafenlöcher wahr. Die 
Augen flehen an den Seiten des Kopfes, find rund, und der fchwarze Stern derfelben 
ift mit einem gelben Ringe umgeben. Der Kiemendeckel befteht aus einem einzigen Platt- 
chen und die^iemenöfnung ift weit; am Ober- und Unterkiefer fitzen Bartfafern in 
Menge, welche in fechs gekrümmten Reihen geordnet find. Die Schilder des Rumpfs find 
knöchern, gehen oben in eine gekrümmte Spitze aus, find unten geftrahlt und greifen 
in einander ein. Sie flehen in acht Reihen der Länge nach geordnet und find die Urfache, 



Ziveeter Äbfchnüt. Von den Groppen mshfoudert. ty 

der angeführten Geflalt, diefes Fifches. Wenn man feine Schilder mit dem Suchglafe be* 
tischtet; fo kommen diefelben mit den Schildern des Stöhrs, in Anfehung der Geflalt, über- 
ein. Der Rücken ift fo wie die Seiten braun gefärbt, und mit drei bis vier fchwarzett 
Flecken verfehen. Der Bauch ift breit und weifs : der After den Bauchfloffen fehr nahe, 
und folglich dem Kopfe weit näher als der Schwanzfioffe. Die Seitenlinie läuft mitten 
über dem Körper in einer geraden Richtung fort. Die Brufifioffe ift grofs, rundlicht, von 
weifsgrauer Farbe, und mit kleinen fchwarzen Flecken befprengt; die Bauchfloffen find 
fclimal und lang; die- Afterfloffe ,'• welche von dem After weit entfernt ift, flehet der zwo- 
ten Rückenfloffe gegen über, und ift am Grunde fchwarz; die Schwanzfloffe hat eine runde 
Form, und vielzweigigte Strahlen. Die Rückenfloffen find grau, und mit fchwarzen vier, 
eckigten Flecken verfehen; die Strahlen in der erften derfelben flehen wie Stacheln hervor. 

DieferFifch wird nicht über fechs" Zoll lang ,.' und hält fich gewöhnlich zwifchen den 
Steinen im Sande auf, welcher Umftand auch zu feiner Benennung Anlafs gegeben. In 
der Nordfee findet man ihn allenthalben, und er wird an den Mündungen der Elbe und des 
Eyderfluffes in. Menge angetroffen.. Wafferinfekten, befonders Garnelen a), find feine Nah- 
rung. Er wird mit den Schellfifchen durch Netze gefangen , und wann ihm zuvor der 
Kopf abgefchnitten und die Haut mit den Schildern abgezogen worden, in Salzwaffer ge- 
kocht, mit brauner Butter genoffen, und für ein Leckerbiffen gehalten; dahingegen ihn die 
Grönländer gänzlich verachten b). 

Die Laichzeit diefes Fifches fallt im Mai, da er denn feine Eier ohnweit der Ufer 
zwifchen den Steinen abfetzt. Die innern Theile deffelben find, wie bei dem vorher- 
gehenden befchaffen. 

In Hamburg und im Hollfleinfchen heifst diefer Fifch Steinpicker , Müller, Turfs- 
hull; in Schweden Bontmus ; in Island Sexr Unding; in Grönland Kaviordluck , Kaniornack; 
in Holland Hamas - manetje und in England Pogge. 

Charleton hält unfern Fifch für eine Stöhrart c) , wovon er jedoch , da diefer zu den 
knorpelartigen, und unfer hingegen zu den mit Knochen verfehenen Fifchen gehöret, "ver- 

a) Cancer crangnon. Lim.» b) Fahrte. Faun. Grönl. p. i$6. c) Charkt, onothaft. 0*153. 

C 



jg Zwctcr Abfchnitt. VoH den Groppen insbefondere. 

fchieden ift. Klein führt unter der dritten Species feiner gepanzerten Fifche, einen aus der 
Oftfee an a) , der nur eine Rücken - und gar keine BauchflofTen haben foll. Wenn man 
die Befchreibung denselben, und die davon gegebene Zeichnung mit unferem Steänpicker 
vergleicht; fo wird man gewahr, dafs er faft in allen Stücken, bis auf dem Mangel der 
erwähnten Flößen, mit feiner erften Species, welche die unfrige ift, übereinkommt. Ich 
kann daher dem Gronoo b), dem der Kleinfche Fifch verdächtig vorkommt, meinen Beifall 
nicht verfagen, ; indeffen haben wir doch, wenn auch beide nur eine Gattung feyn follte, 
die Bemerkung, dafs diefer Fifch auch ein Bewohner der Oftfee fey, diefcm Schriftfleller 
zu verdanken. 

DER SEESCORPION. 
XXXIXfte Taf. 
Der Oberkiefer hervorftehend ; die Strahlen in der Bruflflofle ungetheilt. K. 6. 



fcorpion. *-»7* B-3- A. 12. S. , 8 . R. 10. rf. 

Cottm maxilla fuperiore longiore, radiis Pinnarum peäoralium indivißs. B. VI. 

p. xvn. v. in. a. in. c. xmi. d. x, xvi. 



Cottus fcorpius, capite fpinis pluribus, maxilla 
fuperiore paula longiore. Lina. 
S.N. p.452. n.5. 

— — Müller. Prodr. p. 44. n. 367. 

— alepidotus; capite polyacanto, maxilla 

fuperiore paula longiore. Arted. gen. 
p.49. n.3. Syn. p.77. n. 3. Spec. p-8Ö. 

— Muf. Reg. Adolf. Frid. t. I. p. 70. 

~— Gronov. Muf. I. p. 46. n. 104. Zooph. p. 78- 
n.268. Aft. helv. T.IV. p. 262. n. 139. 

— Seb. Muf. T. III. p. 8r. Tab. 28. Fig. 5. 
Coryftion, capite maximo et aculeis valde hor- 
rido; corpore pro longitudine craiTo, verfus 



caudarn iubrotundam gracilefcente , ore am- 
plo; colore ex cinericio etfufco varius. Klein. 
WS. Pifc.1V. p. 47. n.ir. Tab. 13. Fig. 2. 3. 

Scorpio, Ckarlet. Onomaft. p. 142. n. 21. 

Scorpius marinus. gfonfl. Pifc. Tab. 47. Fig. 4. 5. 

— — — Ruyfch. Theatr. Anim. Tab. 47. 

Fig. 4. 5. 
Scorpoena alia. Aldr. de Fifc. p. 202. 

— bellonii fimilis. Willughb. Ichth. p. 138. 
; — — — i?a;7.Synop.Pifc.p.T45. n.12. 

Scorpius virginius. JVillughh. Appendix, p, 25. 
Tab. X. 15. 

— — Raji. p. 142. n*. 3. 



a) MS. IV. Tab. 13. Fig. 1. 



b) Zooph. p. 79. n. 271.. 



Zweeter Ahfchnitt. Von den Gr tippen inshefowlefe. i£ 

Scorpion marin, Convs d'Hi/t. Nat . Tom. 5. p. 557. Kaniok , Kaniuinak. Ot. Fabr. Faun. Grö'nl. p. 156. 

PI. I. Fig. 2. PI. XL Fig. 1. 2. n. 13. 

The Father • Lafcher. Penn. Britt. Zool. in. p. 218. Wollkatze , Bulofle , Schorpfifch. Schonev. Ichttt. 

n. 55. PI. 40. p. 67. 

Ulk, Marulk. Pontopp. Norw. 2. Th. S. 301. Der Wollkufe. Lesk. Anf. der Nat. G. S.365. ft.a. 

Sympen, Schriften der Dronth. Gefelifch. 2. Theil. Die Donnerkröte. Mtiller.LSi.4. S.i37.Tab-5. Fig.5. 

S. 312. Tab. 13. 14. — — i^/cÄ.N.G.vonLiefl.S.u6.n.2o3, 

Der hervorftehende Oberkiefer und die einfachen Strahlen in der BruftflofTe unter- 
fcheiden diefen Fifch von den übrigen feines Gefchlechts. In der Kiemenhaut befinden fich 
fechs, in der BruftflofTe fiebenzehn, in der Bauchfioffe drei, in der Afterflofle zwölf, in 
der Sehwanzflofie achtzehn, in der erfien Rückenfloffe zehn und in der zwoten fechs- 
zehn Strahlen. 

Die vielen hervorragenden, in eine Spitze auslaufende Höcker, und die Stacheln 
an <?en Backenknochen, geben dem Kopfe eine vieleckigte Geftalt, und dem Fifch ein 
fürchterliches Anfehen. Zwei von diefen Stacheln fitzen vor den Augen , und find beweg- 
lich , auf jeder Seite aber drei bis vier , welche unbeweglich find. Die Mundofnung ift un- 
gewöhnlich weit, und es wird daher diefer Fifch in Norwegen Wittkiäft, Weitmaul ge- 
nannt. Die Kinnladen, welche der Fifch vor und rückwärts ziehen kann, find eben fo wie 
die Gaumen, mit einer Menge fpitziger Zähne bewafnet. Auf jeder Seite befindet fich ein 
breiter Lippenknochen, welcher zur Unterfiützung diefer Bewegung beiträgt. . Die Zunge 
ift kurz, dick und hart; am Gaumen fitzen hinten zwei länglichte, rauhe, rafpelähnliehe 
Knochen; die Nafenlöcher find einfach, klein, und flehen ohnweit den Augen. Diefe be- 
finden fich am Scheitel, find grofs, länglichtrund , und haben einen fchwarzen Stern, in 
einem gelbweiffen Ringe; die Knochen der Augenhöhlen ragen oben ftark hervor, und bil- 
den dadurch eine Furche , die bis an den Rücken geht ; die Backen find zufammengedruckt,' 
und der Kiemendeckel beftehet aus zwey Plättchen ; die Kiemenöfnung ift weit , und die 
Kiemenhaut mit breiten knöchernen Strahlen yerfehen. Die Grundfarbe des Kopfes und 
Rückens ift fch warzbraun , und wird durch mehrere weifse Punkte und Flecke unterbrochen. 
Der Rumpf verdünnet fich nach dem Schwanzende zu, und ift, ftattder Schuppen, mit vie- 
len kleinen ftachlichten Warzen befetzt, welche denfelben rauh anfühlen kuTeo, aber bei dem 

C 2 



so Zweeter dhfchnitt. . Von den Groppen inshfondere. 

Weibchen viel kleiner als bei dem Männchen, und erflere daher glatter find; an den Sei- 
ten ift er zufamtnengedruckt , über der Linie braun, unter derfelben aber weifs marmorirt. 
Die gerade Seitenlinie fleht dem Rücken am nächflen. Der Bauch ift dick, breit, bei dem 
Weibchen weifs, bei dem Männchen aber gelb und weifs gefleckt, und, nach der Beobach- 
tung des Herrn Tonnings, foll im Frühjahr der Bauch fo gelb feyn, dafs er wie Gold 
glänzt a). Auch bei diefem find die BruflflofTen gröfser, als bei jenem, und man kann da- 
her fchon bei dem erfien x\nblick beide Gefchlechter von einander unterfcheiden. In der 
Mitte des Bauches fleht der After; die Strahlen in den Bruflfioffen find an den Spitzen 
weich,- und orange gefärbt, die BauchflofTen lang, und die SchwanzflofTe rund. Sie find 
insgefamt bei dem Weibchen weifs, und fchwarz geflreift : bei dem Männchen hingegen 
find die BauchflofTen karmoifinroth und weifs gefleckt. Sämtliche Strahlen find ungetheilt, 
bis auf die in der SchwanzflofTe. 

Wir treffen diefen Fifch fowol in der Oflfee , als auch in dem nordlichen und ame- 
rikanifchen Meere , befonders aber an den grönländifchen Küflen und dem Geftade von Neu- 
fundland b) fehr häufig an, wo er fleh gewöhnlich in der Tiefe aufhält, und nur als- 
«3enn in die Höhe kömmt , wenn er vom Hunger getrieben auf den Raub ausgehet. Den- 
jenigen, von welchem ich hier eine Zeichnung liefere, habe ich der Gütigkeit des Herrn 
Oberamtmanns Coden in Rügenwalde zu danken, welcher mir ihn unter dem Namen, See- 
Miurrer und Kurrhahn zugefchickt; Benennungen, die von dem Laute herrühren, welchen 
diefer Fifch, wenn man ihn angreift, hören läfst. Diefer aufmerkfame Naturfreund mel- 
dete mir zugleich, dafs er alsdenn den Mund aufreifse, die Flößen aus einander fperre , und 
der Hand eine erfchütternde Bewegung mitteile. Der Seefcorpion fchwimmet fehr fclinell, 
wozu ihm feine grofse BruflflofTen behülflich find. In unfern Gegenden wird er nicht leicht 
Über einen Fufs lang , in Norwegen aber in der Gröfse von zwo Ellen angetroffen c). 

Diefer Fifch wird in hiefiger Gegend nicht gegeflen, fondern blofs den Schweinen 
vorgeworfen; vermuthlich aus einem Vorurtheil, nach welchem man ihn für giftig hält, 

a) Schriften der Dronth. Gefellfchaft. 2ter b) Penn. Britt. Zool. III. p.219. 
Theil. S. 313. c) Pontopp. Norw. 2. Th. p. 30J. 



Ztvceter Abfchnitt. Von den Groppen insbesondere. 31 

und das dalier entftanden zu feyn fchemet, weil die Verletzung durch feine Stacheln unter 
gewiflen Umfländen gefährliche Zufälle a) verurfachet haben. In Dännemark ift er, weil 
man ihn für unverdaulich hält, nur der Armen Speife, ob man ihn fonft gleich dafelbft 
als ein Heilmittel gegen die Blafenkrankheit betrachtet b). In Norwegen wird nur feine 
Leber zum Tranbrennen genutzet c). Die Grönländer hingegen finden daran einen grof- 
fen Wohlgefchmack und reichen ihn ihren Kranken, als eine gefunde Speife dar. Er wird 
bei ihnen fowol gekocht als getrocknet, und von einigen fogar roh verzehret: auch ver- 
fpeifen fie feine Eier d). Man flehet daraus, wie fehr verfchieden die Vorurtheile und 
der Gefchmack unter den Nationen find. 

Im Sommer befucht der Seefcorpion dieKüfien, zur Winterszeit aber geht er tiefer in 
die See hinein. Er iß fehr kühn und lebhaft, und wegen feiner Gefräfsigkeit unvorsichtig, 
daher man ihn leicht durch Lockfpeiien an der Angel fängt; er ift ein grofser Räuber, und 
weifs auch Fifche, die grofser find als er, zu bezwingen; befonders fieht er den Rotzfifchen 
(Blennius), den kleinen Lachen, und den Heringen fehr nach. Ueberhaupt fchonet er 
keines Thieres, auch fogar des rauhen Krebfes nicht. Er wird mit dem Dorfch und andern 
Seefifchen um fo leichter gefangen, da er felbige bis ins Netz verfolgt. Seine Laichzeit 
fällt in den December und Januar, wo er feine Eier, die von röthlicher Farbe find, in 
Menge zwifchen den Seetang (fueus) abfetzt. 

Der Schlund ift weit, und mit vielen Falten verfehen; der Mögen ifl lang und der 
Darmkanal entfpringt nicht unterwärts, fondern in der Mitte deffelben ; er ift kurz und macht 
nur eine Beugung. Am Anfange diefes Kanals fitzen vier Blinddarme, und ich fand 
Krazer in demfelben e). ' Die Leber ift grofs, und befteht aus einem grofsen und einem 
kleinen Lappen ; fowol der Milcher als der Rogner find doppelt. Die Nieren liegen an 
beiden Seiten des Rückgrads, und endigen fich in der weiten Harnblafe, die fich hinter 

C 3 



a) Schonev. Tchtb. p. 67. d) Fabric. Faun. Grö'nl. p. 157. 

b) Pont. Dan. S. 187- e) Man fehe in meiner Preisfchrife von den 

c) Pont. Norweg. S. 310, Eingeweidewürmern. S. 27. ^ 



2^ Ztveeter Ahfchnitt. Von den Groppen imbefondere. 

dem Nabelloche Öftret. Auf jeder Seite des Bauches find zehn Ribben , und im Rückgrade 
fünf und dreifsig Wirbelknochen vorhanden. 

In Hamburg nennet man diefen Fifch Wallkutze , Knurrpage; im Hollfleinfchea 
Wulk; im Dittmarfchen Bulojfc ; in Heiligeland Starre; in Pommern Seemurret', Knurr- 
hahn; in Norwegen Kiöbenhavns y Torsk, Fiske-Sympe, Vid-Kieß, So'e- Scorpion; in Grön- 
land Kaniock , Kaniuinak , das Männchen befonders Kivake , Mikkturfok ; das Weibchen , 
Narikfock; in Liefland Donner kröte; in Holland Donder-Pad; in England Father -Lafcher ; 
in Neufundland Scolping und in Frankreich Scorpion marin. 

Beym Aldrouand a) finde ich die erfte Zeichnung unfers Seefcorpions , die er 1613 
gegeben hat : er gedenkt aber feiner nur mit wenig Worten , als einer Abart von der Scor- 
paena des Bellons. Nicht knge darauf befchrieb ihn Schoneveld b), unter dem Namen See- 
fcorpion, undnachhero Willaghhy genauer, als einen der Scorpaena des Bellons ähnlichen c) 
und im Anhang S. 25 als einen virginifchen Fifch. Sein getreuer Abfchreiber Kay d) , un- 
gleichen der VerfafTer des Cours d'Hiftoire ' Naturelle , führen ihn als zwey verfchiedene 
Fifche auf e). Artedi f), Linne g) und Pennant h), halten, durch den Willughby verleitet, 
die Bellonifche Scorpaena mit unferm Scorpion für einerlei Fifch: allein fie find fehr merk- 
lich unterfchieden, denn erftlich hat die Bellonifche Vorflellung nur eine einzige Rückrn- 
flofTe, zweytens ift ihr Körper mit Schuppen bedeckt, die doch dem unfrigen gänzlich feh- 
len, drittens giebt Bellon feinem Fifche flehendes Waffer zu feinem Aufenthalt, da der 
unfrige ein Bewohner des Meeres ift. 

Klein fahe die BauchflofTe diefes Fifches für Bartfafern an i), und da fie an einem 
fehlten, wahrfcheinlich aus eben der Urfache als die bei den vorhergehenden; fo betrachtet 
er diefen als eine Abänderung , und giebt daher von ihm eine zwofache Zeichnung k). 



a) De Pifc. p. 202. f) Synop. p. 77. 

b) Ichth. p.67. g) Faun. Suec. p. 115. n. 323. 

c) Ichth. p. 138. h ) Britt. Zool. t. 3. p. 218- 

d) Synop. Pifc. p. 142. 143. *) MhT. Pifc. IV- p. 47. 

e) T.V. p. 360.. k) I.e. Tab. 13. Fig. 2.3. 



Zweiter Abfchnitu Von den Groppen insbesondere. 23 

Auch follen, nach feinem Bericht, diefe Fifche bei bevorftehendem Sturme krähen: allein 
aller Wahrfcheinlichkeit nach, find fle alsdann eben fo ftumm, als zu einer jeden andern 
Zeit. Diefer Laut entfpringt aus dem fchnellen Herausftoffen des eingefogenen Waflers, 
und der Luft aus der Schwimmblafe, welches die Wirkung einer plötzlichen Zufammenzie- 
hung des Körpers ift. "Wir nehmen diefen Ton bei mehreren Fifchen, als z. B. beim 
Schlampitzger a), SeehaKn b), Sonnenfifch c) und a. m. "wahr. Dafs die angegebene Ur- 
fache die wahre fey, erhellet unter andern daraus, weil der Fifch diefen Laut nur ein ein- 
zigesmal hervorzubringen vermag, wenn er anders nicht wieder ins Waffer gelegt wirdj 
wenigßens verhielt fichs fo beim Schlampitzger, mit welchem ich öfters Verfuche ange- 
flellet habe. Ohnflreitig hat die Erfchütterung der Hand, deren ich oben gedacht, auch 
diefe zur Urfache. Auch läfst fich die Kleinfche Frage , ob unier Fiich mit dem Scorpio 
virginianus des Willughby einerlei fey ? mit ja beantworten. 



IX. GESCHLECHT. 

Die Spiegelfifche. 
ERSTER ABSCHNITT. 

Von den Spicgelfifchen überhaupt. 
Uer Körper auf beiden Seiten zufammengedruckt $ haarartige Strahlen in" der erften 
Rückenflofle. 

Zeus corpore cateoplateo, radüs filamentoßs in prima pinna dorfali. 

Zeus, Linn. S. N. p. 454. Legal, Gouati. Hill, de Poiff. p. 104. xsjr. 

— Artcd. gen. p. 78. Syn. p. 49. The Doree, Penn. Britt. Zool. Tom. III. p, 22r. 

— Gronov. Muf. I. p. 47. Zoophil. p. 96. Spiegelfifche. Müller. L. S. 4ter Theil. S. 162. 
Tetxagono&us, Klein. Mifc. Pifc. 10. p. 39. 

a) Cobitis ibffilis. Linn. b) Trigla cuculus, gumardus, et lyra. Linn. c) Zeus Faber. JJnn. 



r. Der Son- 
nenfifch. 



z a Erjler Abfchnitt. Von den Spiegelfifchen überhaupt. 

Der dünne, breite, auf den Seiten zufammengedrückte Körper, und die lange» 
fadenartigen Strahlen in der erflen Rückenfloffe fcheinen mir hinreichende Merkmale zu 
feyn, diefe Fifche von den übrigen zu unterfeheiden. Sie haben ein fonderbares Anfehen. 
Der Kopf ift fo abfchüfsig, wie bei den vierfüfsigen Thieren, der Körper fo flach wie 
ein Brett, und dabei glänzend wie Metall, daher auch. der Name entrtanden zu feyn fcheiur. 
Die Strahlen der erften Riickenfloffe und auch bei einigen in der Bauchnofle haben haarähn- 
ljche Fortfätze. Einige find, wegen ihrer Waffen, von einem furchtbaren Anfehen. Alle 
diefe Eigenfchaften find zu auffallend , als dafs lie nicht fchon die Aufmerkfamkeit der alten 
Naturkündiger hätten erregen follen , welche indeffen nicht mehr als zween kannten , näm- 
lich die Sonne a), und den Saurüffelfifch b). Die folgenden Ichthyologen liefsen es hiebe! 
bewenden , bis uns Marggraf gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts den Meerhahn c) 
kennen lehrte. Hiebei blieb es , bis der Ritter den Pflugfchaar d) hinzufügte. Von diefen 
vier Arten befitzt Europa nur die drei erften, der letztere aber ift in Amerika einheimifch. 

ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Spiegelfifchen insbefondere. 

DER SONNENFISCH. 
XLIfte Taf. 
lie AfterflofTe doppelt; in der K. 7. Br. 12. B. 9. A. 5, 21. S. 13. R. 10, ai. 

Zeus pinna ani gemina. Br. VII. Pec. XIL V.U. A. V, XXL C. XIII. D. X, XXI. 

Zeus Faber, cauda rotundata, lateribus mediis Zeus venire aeculeato, cauda rotunda. Muf. Ad. 

ocello fufco, pinnis analibus duabus, Fridr. I. p. 67. Tab. 31. Fig. 2. 

Lim. S. N. p. 454. n. 3. — — aecutiffimo , cauda circinata , pinnis 

___ Brün. Pifc. Mafi". p. 33. n. 46. annalibus bims. Gron. Zooph. p. 96. 

venire aeculeato, cauda in extremo cir- n. 311. M. I. p. 47. n.107. 

cinata. AH. gen. p. 50. Syn. p-78> n. 1. 



a) Zeus Faber. Lim. ' c ) Zeus Galius. Limu 

b) - Aper. Liim. <*) — Fomer. Linm 



Zweeter Abfchnitt. Von den Spiegelßfchen ins befinden. % 5 

Tetragonoptrus capite amploj ad .latera Jvalde Faber, Ä<?(/cÄ.Theatr.anim.p.37.Tab.l7.Fjg.i» 

compreffo, oris hiatu immani, latera oüva- — fiveGallusraarinus.i?o«^.dePifc.P.I.p.328. 

cea colore ex coeruleo , albicante variegata, — — - — Willughb. p. 294. Tab. S. 16. 

in medio utriusque Iateris tnacula nigra, fqua- — — — Raji. Syn. Pifc. p. 99. 

rois parvis, dentatis. Klein. Miff. Pifc. 4. Dorada, aut aufata gallica. Bellott. Aquat. p.150. 

p. 39. n. 11. LaDoree, Cours d'Hift. Nat. Tom. V. p. 212« 

Zeus fi ve Faber, Ptin. N. H. 1. 9. c 18. L 32. c. 11. The Doree , Penn. Brite. Zool. Vol. IIT. p. 22r, 

Faber, Sah. Hift. Aqu. p. 203. n. 100. PI. XLI. 

— Gesn. Icon. Anim. p. 63. Aquat. p. 369. Der Meerfchmidt, Gesn. Thierb. S. 32. b. 

— Ckarlet. onom. p. 136. n. 21. Der St. Peternfeh. Müller. L. S. 4. Tb. S. 144, 

— Aldrov. de Pifc. p. 112. Tab. 5. Fig. 7. 

— gfonfion. de Pifc. p. 58- der Meerfchmtd. Der glänzende Spiegelfifch. Lesk. Anf. der Na*. 

Tab. 17. Fig. 1. 2. Gefch. S. 372. 

Den Sonnenfifch erkennt man an den zwoen AfterflofTen. In der Kiemenhaut hat 
er fieben, in der Brufiflofle zwölf, in der BauchflofTe neun, in der erften Afterfloffe fünf, 
in der zwoten ein und zwanzig, in der Schwanzfloffe dreizehn, in der erften RückenflofTe 
zehn , und in der zwoten ein und zwanzig Strahlen. Der Kopf ift grofs und die Mundöfnung 
weit. Von den Kinnladen fleht die untere vor der obern weit hervor ; am Kinn wird man 
zwo Spitzen gewahr und an jeder Ecke der Kinnlade eine. Diefer Fifch kann die obere 
Kinnlade hervorftofien und wieder einziehen; und diefe fowol als die untere, find mit 
fpitzen, einwärts gebogenen Zähnen reihenweife befetzt, und an den Seiten mit einem brei- 
ten Lippenknochen verfehen. Die Augen , welche grofs find , und einen fchwsrzen Stern 
in einem gelben Ringe haben , flehen am Scheitel nahe beifammen : gleich vor denfelben 
iind die NafenlÖdier fichtbar. Der Kiemendeckel ift grofs , und befteht aus zwo Plättchen ; 
die Strahlen in der Kiemenhaut find breit und lang, und die Kiemenöfnung ift fehr weit. Die 
Farbe der Backen ift, fo wie der Seiten, eine Mifchung von grün und gelb und geben dem 
Fifche das Anfehen,. als wäre er vergoldet. Diefe an fich lebhafte Farben, werden durch 
den fchwarzbraunen Rücken, und einen Fleck von gleicher Farbe, welcher an jeder Seite 
fichtbar ift, noch mehr erhöhet. An dem Schulterknochen, welcher der Brufiflofle zur 
Unterftützung dienet, flehen zwo Spitzen hervor, nemlich eine kürzere, welche nach dem 
Rücken zu, und eine längere, die nach dem Bauche zu gekehret ift. Die Seitenlinie ent- 

D 



a6 Zweeter Abfchnitt. Von den Spiegelfifchen insbesondere 

jpringt hinter dem Auge, läuft in einer Krümmung mit dem Rücken, und macht hiernächft 
eine Beugung , da fie fich dann in der Mitte der Schwanzfloffe verliert. Der Rücken ift fo 
wie der Rauch flachlicht, und zwar hat erfterer bis am Ende der zwoten Rückenfloffe nur 
eine Reihe einfacher, von da an aber, bis an die Schwanzfloffe, eine Reihe doppelter Spi- 
tzen von ungleicher Länge. Jene find Fortfätze (Apophyfa) der Strahlen von der Rücken- 
floffe, diefe aber die Enden der Schilder, welche den Rücken bedecken. Die Schuppen, 
welche den Rumpf bedecken, find klein und dünne, aus welchem Grunde Salvian ohn- 
flreiiig a) das Dafeyn dcrfeiben bezweifelt hat, und fie von andern Ichthyologen in ihren Ab- 
bildungen nicht angezeigt worden find. Auch diefer Fifch foll , nach der Verficherung des 
Geüius beim Salvian b), alsaenn einen Laut von fich geben, wenn man ihn anfafst; und 
foll derfelbe, nach der Meinung des letzteren, durch die Bewegung der grofsen Kiemen- 
Deckel veranlafst werden. Die Bruftfloffen find kurz, rundlicht, grau gefärbt, mit einer 
gelben Einfaffung verfehen und, eben fo wie die Strahlen der Bauclifioffen, vielftrahligt. 
Die Strahlen der erflen Afterfloffe gehen in harte Spitzen aus, und die Haut welche felbige 
verbindet, ift, wie bei der erflen Rückenfloffe, fchwärzlich; die zwote Rückenfloffe ift , fo 
wie die zwote Afterfloffe, grau und in beiden find die Strahlen einfach 5 die Schwanzfloffe 
ift rund und gelb geftrahlt. 

Wir treffen diefen Fifch in der Nordfee , jedoch nicht fehr häufig an ; auch heget 
ihn das mittelländifche Meer, da ihn aber Ovid (V. 110.) einen feltenen Fifch nennet; fo 
mufs er dafelbft nicht fehr gemein feyn. Er erreicht die Gröfse von ein bis ein und einen 
halben Fufs , und foll man ihn von zehn bis zwölf Pfund fchwer antreffen. 

Denjenigen, welchen ich hier in der Abbildung liefere, habe ich aus Hamburg er- 
halten, wo ihn die Heiligeländer Fifcher Heringskönig nennen. Sein grofser und bewaff- 
neter Mund zeigt fchon an, dafs er ein ftarker Räuber feyn müfse, und feine Raubbegierde 
ift Schuld, dafs er faft durch eine jede Lockfpcife gefangen wird. Man bekommt ihn an 
den Ufern und Küften, wo er fich hinbegiebt, um den Fifchen, welche dafelbft laichen, 
naehzufleilen. 



») Aquat. p. 304. b. b) 1. e. 



Erßer Abfchnitt. Fon den Schollen Überhaupt. a? 

DiefcFifche haben ein wohl fchmeckendes Fleifch , befonders die grofsen; fie Verden 
gewöhnlich mit einer Butterbrühe gekocht, und auch gebraten, verfpeifet. Der Magen ift 
bei'diefer Fifchart klein, und der Darmkanal mit mehreren Beugungen verfehen; die Leber 
ift blafsgelb, die Milz röthlicht, und der Milch und Rogner find doppelt. 

Diefer Fifch wird in Holland Sonnenfifch ; in Frankreich la Doree und in Marfeille 
befonders St. Pierre, Trottete; in Italien Pefce fan Picd.ro , desgleichen Citula und Rotuhf 
und auf der Inful Malta l'Aurata; in Dalmatien Fabro; in EnghnÜ Doree genannt. 



X GESCHLECHT. 

Die Schollen. 
ERSTER ABSCHNITT. 

Von den Schollen überhaupt. 
JOeide Augen auf einer Seite. Oculi in unico latere. 

Pleurone&es , Linn. S. N. G. 163. p. 455. Pifces fpinofi. plani. Aldrov. de Pifc. p. 235. 

— Artedi. gen. p. iö. Syn. p. 30. — Ovipari fpinofi, Willughb. Ichth. p. 93. 

— Gronov. Muf. I. p. 14. Muf. IL — — plani. Raji.Syn. Pifc. p. 31. ,'" 

p. 10. Zooph. p. 72. — — — — fpinofi. i?e//o«. Aquat. p. 137* 

Soleä, Paffer, Rhombus. Klein.MiK. Pifc. IV. p. 30. — — — Schonev. Ichth. p. 60. 

Pifces plani. Rondel. Pifc. P. I. p. 309. La Sole. Gouan. Hift. de Poiff. p. 107. i8r. 

— - fpinofi plani. Gesn. Icon. Anim. p. 94. Aqoat Flounder. Penn. Britt. Zool. V. III. C. 24. p. 226." 

p. 660. Flachfifche. Thierb. S. 50. b. Seitenfchwimmer. Müller. L. S. 4. Th. S. 147. 

Das Unterfcheidungszeichen diefes Fifchgefchlechts ift der anomalifche Stand der bei- 
den Augen auf einer Seite des Körpers, wovon gewöhnlich das eine gröfs,er ift, als das an- 
dere. Nicht nur diefes, fondern auch alle übrigen Theile flehen in einem ganz andern Ver- 
hältnifs, als bei den übrigen Fifchen- Der Körper ift von oben nach unten zufammengsr- 

D 2 



3$ Erßer AbfchnitU Von den Schollen überhaupt. 

druckt, und flach; woher man Anlafs genommen hat, diefe Fifche mit dem Namen Platt- 
fifche zu belegen. Die Oberfläche ifl ein wenig erhaben und von dunkler Farbe, die untere 
aber ganz platt und weifs. Der Rucken und Bauch gehen in eine fchneideförmige Gefialt 
aus, und haben das Anfehen, als wären fie der eine Theil eines von einander gefpalte« 
lien Fifches , aus welchem Grunde fie auch von einigen Halbfifche genannt •werden. 

Der Körper diefer Fifche ifl bei einigen mit Schuppen , bei andern aber mit Sta- 
cheln bcfetzt. Der Kopf ifl klein , der Mund wie ein Bogen gebildet ; die Kinnladen find 
•von ungleicher Länge, und bei dem gröfsten Theil mit Zähnen befetzt. Die Augen haben 
eine kugelförmige Geftak, flehen nahe beifammen, und find mit einer Nickhaut verfehen. 
Die nahe bei diefen befindliche Nafenlöcher find doppelt. Der Kiemendeckel befteht aus 
drei Blättchen, und dte darunter liegende Kiemenhaut ifl vier- bis fiefcenflrahlicht. Die Sei- 
tenlinie geht bei einigen in einer geraden Richtung fort, bei andern bildet fie einen Bogen, 
bei einfgen ifl fie glatt, und bei andern mit Stacheln befetzt. Der Bauch ifl kurz, und wird 
nicht von Ribben befchützet a). Der After liegt nahe am Kopfe; der Rumpf ifl mit fieben 
Floffen befetzt, davon zwo an der Bruft, eben fo viel kurze am Bauche, eine am After, 
eine am Rücken, und eine am Schwänze fitzen; erflere beide find fehr lang, und letztere 
beinahe durchgängig rund. Die Strahlen in der Schwanz - und in den Brufifloffen find an 
den Spitzen getheilt, in den übrigen aber einfach; fämtlicbe Strahlen find weich. 

Diefc Fifchart fchweifet nicht, wie die übrigen, in ihrem Elemente herum, fondern 
fie liegt mehrentheils auf dem Grunde des Meeres flille, wo fie gewöhnlich ihren Körper 
bis an den Kopf im Sande verfiecken. Aus diefem Grunde find fie weniger als andere Fifche 
dem Angriff der Raubthiere , welche fich gewöhnlich an der Oberfläche des Waffers aufzu- 
halten pflegen, ausgefetzt; deflomehr aber haben fie, fo lange fie noch klein find , von 
dem Rochen, welcher gleichfalls im Meeresgrunde lebet, zu befürchten. Auch der 
Lenk ifl ihr Feind, und habe ich verfchiedentlich drei bis vier Schollenarten, in der 

a) Ich habe die Fifche, die ich befchreiben ben bekannt find, wahrnehmen können; und 
werde, zergliedert, bei keinem aber folche be- weifs ich daher nicht, "was Artedi und Gronov, 
wegliche Knochen, die über die Bauchfläche welche verfchiedene diefer Fifche anatomirt ha- 
uch erstrecken, und die unter dem Namen Rib- ben, unter ihren Coftis verftehen. 



Erßer Abfchnht. Von den Schollen überhaupt. *<) 

Länge von feclis bis acht Zoll in letzterm gefunden. Sie bewegen fich auch nicht in 
einer geraden, fondern in einer fchiefen Richtung des Körpers, nach welcher fie auf der 
Seite zu fchwimmen fcheinen : ein Umftand, weicherden Artedi veranlafste, diefelben 
Seitenfchwimmer (Pleuronedes) zu nennen. Da ihnen die Schwimmblafe fehlt ; fo begreift 
man leicht, warum fie fleh nicht bis zur Oberfläche des Waffers erheben können. Sie 
fchwimmen vielmehr auf dem Grunde in gerader Linie fort, und laffen im Sande eine 
Furche zurück, die bei ruhigem Waffer zwo und mehrere Stunden lang fichtbar ift, und 
<5en Fifchern bei ihrem Fange zu einiger Anleitung dienet. 

Diefer Fifch bewohnet die Oilfee, vorzüglich aber den nördlichen Ocean; er lebt 
von andern Wafferbewohnern , und erreicht eine beträchtliche Gröfse. Da man einige da- 
von in der mittelländifchen See antrifft j fo waren fie auch den Griechen und Römern be- 
kannt a). Bellon. b) hat zuerff zehn Arten befchricben, jedoch zweifele ich, ob feine 
vierte c) und fechste d) Art befondere Gattungen find, und ob feine zehnte hieher ge- 
höre e). Wenn wir nun diefe drei Gattungen abrechnen ; fo hat diefer Schriftfteller doch 
fieben gekannt. Rondelet f) erwähnt hierauf fünfzehn, und Gesner g) fiebenzehn Arten, 
welche auch Aldrovand, Willughby , Ray, Jonfion und Rüyfch auf ihr Wort aufgenommen 
haben, und Klein hat, ohngeachtet er das Viereck ausgeladen, dennoch ein und zwan- 
zig Arten befchrieben h). Es ift fonderbar, dafs, da in allen übrigen Gefchlechtern die Anzahl 
der Gattungen bei den neuern , die Zahl bei den älteren Naturkiindigern bei Weitem übertrifft^ 
an diefem Gefchlechte das Gegentheil ftatt findet. Die altern Ichthyologen waren gewohnt, 
mehrentheils die Fifche, welche nach den neuern in einem Gefchlecht gehören, einzeln 
und befonders vorzutragen; die Fifche diefes Gefchlechts aber, find, da fie fich von den 
übrigen gar zu merklich auszeichnen r beifammen abgehandelt worden. Willughby i) ord- 
nete fie zuerft in zwo Abtheilungen , nemlich in breite und längliche 5 diefem folgt auch 
D3 

a) Arifi. Hiü. anim. Lib.4. c.u. Lib.5. c -9- e ) Taenia, altera folae fpecies. p. 148. 

Plin. H. Nat. Lib. 9. c. 20. f ) De Pifc. P. I. p. 309 — 326. 

b) Aquat. p. 137 — 148. g) Tbierb. S. 50. b. 56. - 

c) Quadratulus. p. 143. . h) MüT. Pifc.IV. p. 31 — 35. 

d) Fleteleftus. p. 144. |) Ichthyol, p. 93. 



}o Erßer Äbfchnitt. Von den Schollen Überhaupt. 

Ray a). Klein hingegen thdlte fie in folche, welche die Augen auf der rechten oder linken 
Seite haben, und jene wieder in lange und breite b). Der fcharffinnige Artedi c) brachte 
fie fämtlich unter ein Gefchlecht , und nannte daflelbe , wie gedacht, Seitenfchwimmer. ' Er 
gab demfelben nur zehn Arten, wovon jedoch feine zehnte , oder die Amboinifche Scholle, 
den älteren Ichthyologen unbekannt gewefen ; darauf lehrte uns Sloane noch die bandirte 
Scholle d), Marggraf den Warzenflunder e) , Catesby eine f), Garden zwo Caroli- 
nifche g), Gronou den Scharreton li), und Linne einen Surinamfchen kennen i), und die- 
fes find die fiebenzehn Arten , welche Linne in feinem Syftem ebenfalls unter einem Ge* 
fijbiecht aufführt, welches er mit Recht in zwo Abtheilungen zerfallen ladet, je nachdem 
die Fifche die Augen auf der rechten oder linken Seite haben. Diefen fügte Pallas einen aus 
dem Eismeere k) und Otto Fabricius einen andern aus Grönland hinzu 1). 

Von diefen neunzehn Arten führt die Ofi - und Nordfee zehn; da ich aber bis jezt 
.picht mehr als acht habe erhalten können ; fo will ich ftatt deren meinen Lefern eine neue 
amerikanifche Schollenart aus dem Plümier bekannt machen; und da ich die Fifche diefes 
Gefchlechts nach der Linneifchen Art, auch in zwo Abtheilungen bringen werde; fo will 
ich, um die Vorftellung des Standes der Augen auf der rechten oder linken Seite, deutlicher 
zu machen, aus beiden Abtheilungen zuerfi eine, in der Folge aber, erft die rechtäugigten, 
und hernach die linkaugigten befchreiben. Um nun richtig beurtheilen zu können , in wel- 
cher Abtheilung eine jegliche diefer Schollenarten gehöre, darf man nur diefen Fifch auf die 
flache Seite legen ; da denn die Augen auf der erhabenen erfcheinen. Wenn nun die untere 



a) Syn. Pifc. p. 3 r - e ) Profus. 

b) MUT. Pifc. IV. p. 29. f) Abbild, verfchied. Schlangen. 2. Th. p. 27,. 

c) Gjen. p. 16. Diefe find die Scholle (PI. g) Dentatus et plagiufa. 
Tlatefla) Lirin:; der Flunder (Flefus); der Heil- h) Cynogloffus. 

but (Hipogloffus); die Scharre (Linguatuta); i) Ocellatus. 

das Viereck (Rhombus); der linke Stachelflun- k) PI. glacialis. Reifen ßter Theil. S. 706. 

der (Paffer); der Steinbut (Maximus) ; die Zunge .n. 48- 

(Solea); die Glarke (Limanda) und die Am- 1) Pleuroneftes Plateffoides. Faun. Grönl. 



boinifche (Trtchoda&ilus). p. 164, n. 119. 

d) Lineatus. L. 



Zweeter Abfchnitt. Von den Schollen insbefondere. 31 

Kinnlade, die BauchflolTe und das Nabelloch zu uns gerichtet, und dann die Äugen unfefer 
rechten Seite gegenüber flehen; fo fagt man: der Fifch habe die Augen auf der rechten 
Seite; flehen iie aber unferer linken Seite gegenüber, fo heifst es: er habe die Augen auf 
der linken Seite. 



ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Schollen i n's befondere. 

ERSTE ABTHEILUNG« 

Reehtäugige Schollen, 



DIE SCHOLL 
XLlIfle Taf. 



E. 



^echs knöcherne Erhöhungen am Kopfe. K. 6. Br. 12. B. 6. A. 54. S. ip. R. 6$. 



t. Die 



Pleuronectes tuberculis fex ad caput. B. VI. P. XII. V. VI. A. UV. C. Sil. Scholle. 
P. LIVIIL 



Pleurone&es Plateffa, oculis dextris, corpore 
glabro, tuberculis 6 capitis. 
Linn. S. N. p. 456. n. 6. 

— — Müller. Prodr. p. 44. n. 373. 

— — Pontopp. Dan. p. 187. 

— oculis et tuberculis 6 ; in dextra ca- 

pitis, lateribus glabris ; fpina ad 
anum. Art. gen. p. 17. n. 1. Syn. 
p. 30. n. 1. Spec. p. 57. 

— Gronov. Muf. I. p. 14. n. 36. Zooph. 

p. 72. n. 246. A&a helv. T. IV. 
p-262. n. 143. 



Paffer, in dextra fquamis valde exiguis, albicans,. 
ä finiftra albiffimus, laeviffimus. Kinn. 
Miff. Pifc. IV. p. 33. n. 5. et Paffer, ex 
obfcure cinereo marmoratus , in dextro la- 
tere hinc inde maculis laeviter flavicantibus» 
p. 34. n. 6. Tab. VII. Fig. 2 et 3. 

— Bellon. Aqnat. p. 141. 

— Rond. de Pife. P. I. p. 316. 

— Gem. Aquat. p. 664. et 670. Icon. anim. 
p. 98. Thierb. S. 52. 

— Bellonii. Wilhghby.^.g6. Fab.3. et Rhombus 

non acnleatus fquarnofus. p, 95. Tab. F. x. 



ig Ziveeter Abfchnitt. Von den Schollen insbesondere.. 

Paffer Bellonii. Raji. Synopf. Pifc. p. 31. n. 3. et Paffer laevis. Ruyfch. Th. an. p. 59. 66. Tab. 32. 

Rhombus non aculeatas fquamofus. n. 2. Flg. 7 — 9. 

laevis. Aldrov. de Pifc. p. »43. — - minor. iMwm*/. Theriotroph. Silef. p.435. 

— gfonfl. de Pifc. p. 99. Tab. 22. The Plaife. Penn. Britt. Zool. 3. p. 228. n. 103. 

Fig. 7 — 9. Die Scholle. Schonev. Ichth. p. 61. 

Oaom. p.149. n.i. Der Piateiff. Müller. L. S. 4. Theil. S. 153. 



Diefe Fifchart, -welche dem ganzen Gefchlechte den Namen giebt , unterfcheidet 
lieh von den übrigen durch die am Kopfe befindliche fechs Höcker. In der Kiemenhaut 
befinden lieh fechs, in der Bruftfloffe zwölf, in der Bauchfloffe fechs, in der Afterfloffe 
vier und fünfzig , in der Schwanzfloffe neunzehn , und in der Rückenfioffe acht und 
fünfzig Strahlen. 

Der Körper diefes Fifches ift mit dünnen, und weichen Schuppen bekleidet, welche 
in Grübchen fitzen , und daher der Fifch glatt anzufühlen ift. Diefe Schuppen gehen am 
Rumpfe leicht ab, am Kopfe hingegen fitzen fie fo fefte, dafs fie fich nur mit Mühe 
ablöfen laßen. Der Mund ift klein, der Unterkiefer raget vor dem obern hervor, und 
auf beiden Seiten ift ein breiter Lippenknochen fichtbar. Die Nafenlöcher flehen dichte 
vor den Augen und diefe lind von mittlerer Gröfse, haben einen bläulichten Stern, und 
einen gelbgrünen Ring. Hinter den Augen wird man die erwähnten fechs Höcker gewahr, 
davon der erfte die übrigen an Gröfse übertrifft. Sowol die obere als untere Kinnlade, find 
mit einer Reihe kleiner, dumpfer Zähne befetzt, und im Schlünde zwei Knochen befindlich, 
die ebenfalls gezahnt und daher rauh anzufühlen lind. Der Gaumen und die Zunge lind 
olatt. Die Kiemenhaut, welche unter dem Kiemendeckel verborgen ift, hat runde Strahlen. 
Der Rumpf ift auf der Oberfeite braun und afchgrau marmorirt , auf der untern hingegen 
weifs, und fo wie die Rücken -und Afterfloffe, mit runden orangefarbenen Flecken befetzt. 
Die Seitenlinie läuft in einer geraden Richtung mitten über dem Körper weg. Die Strahlen 
in der Rücken - After - und Schwanzfloffe , find länger als die Haut, welche fie unter ein- 
ander verbindet; die leztere ift lang, und am Grunde mit Schuppen befetzt. Sämtliche 
Floffen find von einer dunkelgrauen Farbe, Die Rückenfioffe nimmt ihren Anfang unmit- 
telbar über dem Auge und vor der Afterfloffe ift ein ftarker Stachel befindlich. . 



Zivecter Abfchnttt. Von den Schollen insbefondere. 33 

Diefe Fifchart treffen wir in der Oftfee , noch mehr aber in der Nordfee , häufig an, 
wo fie fleh im Grunde aufhalten, und in der wärmern Jahreszeit, an die Küften und in die 
Buchten, nach Ströhme und Flüfse hinbegeben, wo die Sonnenftrahlen ihre Fortpflanzung 
begünftigen. Ihre Nahrung find kleine Fifche, vorzüglich aber Mufcheln und Schnecken- 
brut, deren zertrümmerte Schalen ich im Eingeweide diefer Fifche häufig angetroffen habe. 

Die Scholle erreicht eine anfehnÜche Gröfse, und ein Gewicht von fünfzehn bis 
fechszehn Pfunden. Die Laichzeit derfelben fällt in den Februar und März, wo fie ihre Eier 
zwifchen den Steinen und im Meergrafe abfetzt. 

Diefer Fifch wird mit der Grundfchnur, an welcher man kleine und zerftückte Fifche 
befeftiget, gefangen j auch erhält man ihn durch das Sogenannte Buttftechen , wobei man 
folgendergeflalt verfährt : Bei hellem Sonnenfchein und ftillem WafTer fuchen die Fifcher die 
flachen Stellen an den Küften, Buchten und Sandbänken auf. Wenn fie nun dafelbft die 
Schollen entdecken; fo werfen fie ein an einer Schnur befeftigtes Blei, woran ein mit vier 
Spitzen und Widerhaken verfehenes Eifen befeftiget ift, ihnen in den Leib. Sobald derfelbe 
gehörig getroffen ift, fo giebt den Fifchern folches die wirbeiförmige Bewegung des Sandes 
zu erkennen, welche daher entfteht, das der gefangene Fifch fich beftrebet, fich von dem 
Stachel loszumachen, im entgegengefetzten Fall fchiefs er davon. Wenn der Grund nicht 
über zwo bis drei Klaftern tief ift, fo bemächtigen fie fich feiner durch das Stechen mit 
einer Stange, die an den erwähnten Haken befeftiget ift, und auf diefe Weife ent- 
kommt der Fifch ihnen nur feiten. Jedoch ift es in beiden Fällen nöthig, dafs das Schiff 
fich in einer gänzlichen Ruhe befinde, und wenn ja einige kleine Wellen das WafTer in Be- 
wegung fetzen; fo fuchen fie es durch Zugieffung des Thrans in Ruhe zu fetzen. 

Diefer Fifch hat ein wohlfchmeckendes , faft allgemein beliebtes Fleifch, jedoch 
nicht an allen Orten von gleicher Güte. Die kleineren und die dünnen find vom fchlechtern 
Gefchmack, da ihr Fleifch im Kochen -weich und fchleimig wird: die grofsen hingegen ha- 
ben ein feftes , fettes und überaus fchmackhaftes Fleifch. Jene haben auf der untern Seite 
eine bläulichtweifse , diefe aber eine röthlichweifse Farbe. Die fchlechtern werden, nach- 
dem fie zuvor mit Salz eingerieben worden, an der Luft getrocknet, in Bündel gebunden, 
und weit und breit verfchickt j da man fie alsdenn wieder aufweicht, und mit grünen Erb- 

E 



34 Zweeter Abschnitt. Von den Schollen insbesondere. 

fen kochet : jedoch find fie für fchwächliche Perfonen keine gefunde Kofi:. Die gröfsers 
und vorzüglichere Art, wird ebenfalls getrocknet, und nachdem die Haut abgezogen ift, 
ftatt des Käfe frifch zum Butterbrod gegeflen, auch werden fie mit einer Butterbrühe, oier 
nachdem fie in Salzwafler abgekocht find , mit einer fäuerlichen Eier - oder Sauerrampf- 
brühe zubereitet; auch gebraten fchmecken fie wohl, und werden alsdann fchichtweife ge. 
legt, mit Zitronenfcheiben und Lorbeerblättern zurecht gemacht, verfendet; un«l marinirt 
werden fie zu den LeckerbifTen gerechnet. 

Die Brufthöhlc iß klein und das Herz als ein längliches Viereck gebildet; die 
Leber ift länglicht, ungetheilt, und die Gallenblafe grofs. Der Magen ifl länglicht und 
nicht fehr weit, und der Darmkanal hat mehrere Beugungen , und am Anfange zwei 
bis vier kurze und dicke Anhängfei. Die Leber ift rundlicht und von brsunrother 
Farbe; der Eierftock fowol als der Milch find doppelt. Das Zwergfell ift auf der obern 
Seite fchwarz, auf der untern aber weifs, und im Rückgrade find drei und vierzig Wir. 
belbeine befindlich. 

Diefer Fifch heifst in Hamburg Schulte , und an mehrern Orten Deutfchlands Platt, 
eifs und Scholle; in Dännemark wird er Kudfpiitte, Schaler; in Norwegen Hellhut, Sond- 
mör-Kong, Daar-Guld, Floender Slaeter; in Schweden Skalla; in Island Karkok ; in Hol- 
land Scholle; in England Plaife; in Frankreich Plj/e, oder Plie genannt. 

Nach der Erzählung des Bestandes, foll man in verfchiedenen Gegenden von Eng- 
land und Frankreich fich mit dem Mährchen herumtragen, dafs die Schollen von dem Che- 
vretten oder Crevetten a), einer Art Krebfe, die nicht grofser als ein kleiner Finger find, 
erzeuget würden. Um auf den Urfprung diefes Vorurtheils zu kommen, Hellte derfelbe 
einige Verfuche an. Er that nemlJch eine Menge derfelben in ein mit Seewafler angefülltes 
Gefäfs, welches drei Fufs im Durchmefter hielt, und nach Verlauf von zwölf oder drei- 
zehn Tagen entdeckte er acht bis zehn kleine Schollen darin , welche unvermerkt gröfser 
wurden. Als er diefen Verfuch zu verfchiedenenmalen wiederholte; fo war der Erfolg 
immer eben derfelbe. Nachher brachte der im April, in ein Gefäfs Schollen und in 



a) Wahrscheinlich der Cancer fguiila. Linn. 



Zweetir Abschnitt. Von den Schollen insbefondere, 3J 

das andere Krebfe und Schollen zugleich. Ob nun gleich die Fifche in beiden Gefäfsen 
laichten, fo kamen doch nur in demjenigen, worin die kleinen Krebfe fleh befanden, junge 
Schollen zum Vorfchein. Als' Deslandes die Krebfe hierauf näher unterfuchte, fo fand 
er zwifchen den Beinen kleine Bläschen von verfchiedener Gröfse, welche vermittelfl eines 
klebrigten Saftes, an dem Bauche feflfafsen. Er öfnete hierauf diefe Bläschen vorfichtig, 
und fand darin etwas, welches eine unzeitige Frucht zu feyn fchien, die völlig die Geflalt 
einer Scholle hatte, und hieraus folgert er, dafs diefe Fifchart, nicht ohne Zuthun der 
Krebfe ausgebrütet werden könne a). So merkwürdig auch diefe Verfuche immer find, fo 
wenig fcheinet doch das zu folgen, was Deslandes daraus herzuleiten fucht. Denn es ifl 
nicht möglich, dafs diefe Fifche in einem fo engen BehältnhTe, und da es ihnen an Steinen 
und Seekräutern mangelte , welche zum Auspreffen des Rogens und des Milches unumgänglich 
nÖthig find, hätten laichen können. Die Eier, welche Deslandes in den Gefäfsen fand , waren 
nur folche, welche der Fifch, durch das Angreifen, unwillkülirlich verloren hatte, und 
daher unbefruchtet, -wie wir dergleichen in den Fifchbehältern und Netzen, während der 
Laichzeit, antreffen. Wahrfcheinlich ift es vielmehr, dafs die Eier der Schollen, welche 
von den Krebfen aufgefucht, und verzehret werden, zufälliger Weife durch den klebrigten 
Saft, welchen man nach dem Laichen an den Fifcheiern überhaupt bemerkt, hängen blei- 
ben ; daher man fle auch nur an dem Bauche findet. Wollte man jene Meinung annehmen' 
fo würde man daraus die ftarke Vermehrung diefer Fifche ganz und gar nicht erklären kön- 
nen, es wäre dann, dafs die Krebfe zu der Zeit, wenn die Schollen laichen, dafelbft in zu- 
reichender Menge vorhanden, und gefällig genug wären, fleh auf den Rücken zu legen, 
um die zahllofe Menge der Eier auf ihrem Bauche aufnehmen, und dafelbft befruchten zu 
laiTen. Der Schlufs von der Abfezung der Infekteneier, an die Pflanzen und Thiere, leidet 
aus dem Grunde auf unfern Fifch keine Anwendung; da bei jenen die Eier, ehe fle das 
Weibchen von fleh giebt, bereits befruchtet find, und durch einen befondern Trieb von 
den Thieren diefen Stellen anvertrauet werden , damit die Nachkommenfchaft bei ihrer Ent- 
wicklung dafelbft , fogleich die nöthige Nahrung finden möge , welche die Fifche hingegen 
fogleich in dem Elemente antreffen, in welchem fle zu leben beftimmt find. 

E 2 



a) Hift. de l'Acad. des Sciences de i'An. 172a. pag. 19. 



3 6 Zweier Abfchnitt. Von den Schöllen insbe fonder e. 

Beim Bellon a), Rondelet b), Gesner c) un*3 Aldrovand d), ift diefer Fifch mit bei- 
den Augen auf der linken Seite vorgeftellt; diefer Umftand liegt ohnftreitig in dem Mangel 
der Aufmerksamkeit des Schriftftellers auf feinen Küaftler. Da diefer feine Gegenftände in 
Holz oder Kupfer umgekehrt eingrub, damit fie hernach beim Abdruck in eben der Lage, 
wie die Zeichnung erfcheinen ; fo hätte er, weil bei ünferm Fifche die Augen auf einer 
Seite befindlich find, ihn entweder verkehrt zeichnen, oder die Zeichnung vermittelt eines 
Spiegels machen müfsen: ein Umftand, worauf fo wenig Bellon, als feine Nachfolger 
Acht gehabt haben. Beim Jonfton erfcheinet diefer Fifch auf der XXflen Tafel unter Fig. 7. 
und 8> in der erwähnten, und unter Fig. 9. in der rechten Stellung; beim Ruyfch aber, der 
den Jonfion nur kopiret hatte, findet man alle Figuren mit dem Schwänze dahin gerichtet, 
wo fie beim Jonfion mit dem Kopfe flehen , und fo umgekehrt , welches bei den Vorftel- 
lungen der übrigen Fifcharten hätte gleichgültig feyn können, bei den Fifchen diefes Ge- 
ichlechts aber defto unverzeihlicher war, da der Stand der Augen auf der rechten oder lin 
ken Seite zum Charakter diefes Gefchlechts gehöret. In diefen verwirrten Vorftellungen 
liegt der Grund, warum bei diefem Gefchlechte die Arten von den älteren Ichthyologen 
ohne Noth fo fehr vervielfältiget worden find. Kleins Frage : ob unter der Struffbutte des 
SckoneveU unfere Scholle zu verfiehen fey e) ? mufs verneinet werden. WUlughby führt 
unrichtig unfern Fifch als zwo verfchiedene Arten auf; einmal als Paffer des Bellons, und 
das anderemal als einen glatten Rhombus f). Dafs unter lezterem unfere Scholle zu ver- 
gehen fey, erhellet daraus, dafs er die Augen auf der rechten Seite angegeben hat. 

DAS VIERECK, oder DER GLATTBUTT. 
XLIIMe Taf. g) 



2. Das Vier- ^ er Körper breit und glatt. K. 6. Br. 12. B. 6. A. 57. S. 16. R. 71. 

eck oder der PleuroneBes corpore lato et glahro. B. VI. EXIL V. VI. A. LVIL C.XVL D. LXXI. 

Glattbutt. , 

a) Aquat. p. 141. f ) Ichth. p. 95 und 96. 

b) De Pifc. P. I. p. 316. g) Es gehört diefer Fifch zwar in der zwo- 

c) Aquat. p. 664. Th. S. 52. ten Abtheilung , er wird aber aus angeführter 

d) De Pifc. p. 249. Urfach hier abgehandelt. Auf der Tafel follte 

e) MbT. Pifc. IV. p. 34. n. 5. flehen verkleinert. 



Zweeter Ahfchnitt. fori den Schollen insh fonder *. 37 

Pieurone&es Rhombus oculis finiftris, corpore Rhombus laevis , Rondet. de Pifc. I. P.3T2. 

glabro.£»m.S.N.p. 458^.12. — — Gesner. Aqat. p.863. Rhombus 
_— — Müller. Prod. p.45. ti. 378. alter. Icon. anim. p. 96. 

— — 2?itf». Pifc. Maß p. 35.11.48. — — Aldr. de Pifc. p. 249. 

— Art . gen. p. 18. n. 8- Syn. p. 31. — — Rondeletii, Willughb. Ichth. p.96. 

n. 5. — — — Ray. Syn. Pifc. p. 3s. 

— Gron. Muf. I. p. 25. n. 43. Zooph. n. 7. 

p. 74. n. 253. — alter Gallicus. Bellon. Aquat. p. 141. 

Rhombus laevis, gfonfl. de Pifc. p.99. Tab. 22. Pearl. Penn. Britt. Zoolog, p. 238. n. 110. 

Fig. 13. Das Viereck. Müller. L. S. 4. Theil. S. 159. 
— — Rityfck Theatr. Anim. p. 66. 



Diefer Fifch unterfcheidet fich von den übrigen diefes Gefchlechts, durch feinen 
breiten und glatten Körper, und durch den Stand der Augen auf der linken Seite. In der 
Kiemenhaut und in der Bauchflofle find fechs, in der Bruftfloffe zwölf, in der Afterfloffe 
Heben und fünfzig, in der Schwanzflofle fechszehn und in der RückenflofTe ein und fieben- 
zig Strahlen befindlich. Der Kopf ift klein und breit, und die Mundofnung weit und 
bogenförmig. Von den Kinnladen flehet die untere etwas hervor, und beide find mit meh- 
rern Reihen kleiner fpitzer Zähne, davon die vorderfien die gröfsten find, bewafnet: 
beide Kinnladen vermag auch der Eifch vor • und rückwärts zu bewegen. Die Nafenlöcher 
flehen dicht an den Augen, und letztere haben einen fchwarzen Stern und einen weifsen 
Ring um denfelben. Der Kiemendeckel läuft, gegen den Rücken zu, in einen flumpfen 
Winkel aus; die Schuppen, welche den Körper bedecken, find länglicht, und da fie dabei 
weich find, fo läfst fich derfelbe glatt anfühlen. Der Kopf auf der obern Seite, fo wie 
der Rücken, ift braun, und der übrige Körper braun und gelblich marmorirt; die untere 
Seite ifl weifs, und die Seitenlinie macht nahe am Kopfe einen Bogen, und läuft nachher 
in gerader Linie mitten über dem Körper weg. Die Flößen find braun, weifs und gelb mar- 
morirt: die RückenflofTe fängt dicht am Oberkiefer an, und endigt fich an der Schwanzflofle ; 
diefe ifl lang, und etwas abgerundet; am After bemerket man keinen Stachel. 

Diefer Fifch ifl einer der gemeinflen in diefem ganzen Gefchlecht j wir treffen ihn 
in der Nordfee allenthalben an, wo er fich, wie der vorhergehende, im Grunde aufhält. 

E 3 



38 Zweter Abfchnitt. Von den Schollen insbefondere. ■ 

Weil er weit häufiger als die übrigen Gattungen, in den EMrohm hinaufgehet, fo haben 
die Hamburger daher Gelegenheit genommen, ihn Eibbutt zu nennen. Er erreicht eine 
anfehnliche Gröfse a), und ift, nebft dem Steinbutt im ganzen Gefchlecht der breiteile. Er 
ifl fo wie der vorhergehende, ebenfalls ein ftarker Räuber, und wird auf eben die Art wie 
jener, und zwar im Herbfte am häufigften, gefangen, und eben fo zur Speife zubereitet. 

Diefer Fifch hat einen weiten Schlund, eine dicke Magenhaut, und am Anfange des 
Darmkanals zween trichterförmige Fortfätze : fonft find die innern Theile fo wie bei den 
vorhergehenden befchaffen. 

Er wird in Dännemark Slaetwar ; in Norwegen Sand - Flynder ; in Schweden 
Pigghuars ; in Holland Griet ; in England Pearl; in Frankreich la Barbue; in Marfeille 
Rom und in Venedig Rhombo genannt. 

Artedi b) hält zwar den Rhombus des Vilnius c) für unfern Fifch , allein da diefer 
ausdrücklich fagt, dafs der Paffer von den Rhombus und Solea, in Rückficht auf die Lage 
verfchieden, indem fie bei jener rechts nnd bei diefer links fey d), fo glaube ich, dafs man 
den Jetztern mit mehrerein Rechte für unfern Fifch halten könne. Wiüughby e) ift unge- 
wifs , ob unfer Fifch oder der Rhombus laevis des Rändelet, und fein Rhombus non aculeatus 
fquamofus einerlei Fifch fey. Mir ift es aus dem Grunde wahrfcheinlich , dafs unter letzterm 
die Scholle zu verftehen fey, weil er von jenem fagt, dafs er die Augen auf der rechten Seite 
habe, bei dem unfern hingegen find fie auf der linken befindlich. Aus eben dem Grunde 
glaube ich auch, dafs Artedi f) und nach ihm Herr Pennant g), den Lughalef (Rhombus non 

a) So hat man zu den Zeiten des Kaifers durch den Stand der Augen auf der rechten 
Domitian einen fehr grofsen Fifch diefer Art oder linken Seite erklären. Am wenigften 
gefangen. Linn. S. N. p. 458. fcheinet Denfo den Sinn getroffen zu haben, 

b) Synon. p. 31. n.5. wenn er felbige fo überfetzt: unter den Meer- 

c) Plin. Hift. nat. Üb. 9. c. 20. fifchen find einige platt, als der Butt, die Meer- 

d) Seine Worte find: mannorum alii funt fpinne und Halbfifche, welche nur durch die 
plani , ut rhombi , folae ac pafferes , quia rhom- . Länge der Körper unterfchieden find. 

bis fitu tantum corporum differunt; dexter refu- e) Ichthyol, p. 96. 

pinatus eft illis , pafleri laevus. Diefe dunkele f ) Britt. Zool. p. 238- n. 110. 

Stelle läfst fich, wie ich glaube, am bellen 



Zweeter Abfchnüt. Von den Schollen imbefondere. 39 

aculeatus) des Wilhtghby ', oder fein glattes Viereck unrichtig für unfern Fifch' anführen , 
da er die Scholle ift; und da Willughby von ihm fagt, dafs er die Augen auf der rechten Seite 
habe, fo kann er wo\ keinen andern als unfere Scholle darunter verbanden haben. 

DER FLUNDER. 
XLIVfle Taf. 

Die obere Seite mit vielen kleinen Stacheln befetzt. K. 6. Br. 12. B. 6. A. 44. ===== 
S- 16. R. 59 . der 

Pleuronefles fpinulis pturtmü in latcre fuperiore. B. VL P. XII. V. VI. A. XLIV. 
C. XVI. D. LIX. 

Pleurone&es Flefus, oculis dextris, linea late- fordidi coloris; interdum fufcus, vel 

rali afpera, fpinulis ad pin- marmoratus lituris obfcurioribus. 

nas. Linn. S.N. p.457. n. 7. Paffer fluviatilis. Bellon. Aquat. p. 144. 

— — Pontopp. Dan. S. igi. 1. 15. — — Willughb. p. pgi Tab. f. 5. 

— — Müller. Prodr. p.45. n.374. — — Ray. Synopf. Pifc. p. 32. n. 5. 

— oculis a dextris, linea Jaterali afpera, — niger. Charlet. Onom. p-145- n. 4. 
ipinulis fuperne ad radices pinnarum — tertia fpecies. Rondel. de Pifc. Paff.i. p.319. 
dentibus obmfis. Arted. gen. p. 17. — — — Gesn. Aquat. p. 666. Jcon. 
n. 4. Syn. p. 3T. n. 2. Spec. p. 59. An. p. 100. Thierb. S. 53. 

— Gro?j.Muf.I.p.i5.n.4o.Zooph.p.73.n.248. Flounder. Penn. Britt. Zool. 3. p. 229. n. 104. 

Paffer, cute denfis tuberculis fivepuftulis fcabra; Fiinder, Fionder. Wulf. Ichth. S. 45. n. 374. 

in dextro latere et in pinnis maculis fla- Butt, Flunder. Fifch. N. G. von Lieft. S. 116. n. 204. 

vefcentibus notatus. Klein. Miff. Pifc. IV. Der Flunder. Müller. L. S. 4ter TheiL S. 155. 

p. 33. n.i. Tab. 2. Fig. 4. n. 4. et paffer Der Struffbutt. Schonev. Ichth. p. 62. 

Diefe rechtä'ugige Schollenart zeichnet fich van den übrigen diefer Abtheilung durch 
die Menge kleiner Spitzen aus , welche ihre Oberfläche rauh machen. In der Kiemenhaut 
befinden fich fechs, in der BruflflofTe zwölf, in der Bauchflofle fechs, in der After- 
floffe vier und vierzig , in der SchwanzflofTe fechszehn und in der Rückenflofle neun und 
fünfzig Strahlen. 

Die erwähnten Stacheln auf dem Kopfe und Rumpfe erfcheinen , wenn man fie mit 
einem Suchglafe betrachtet, theils krumm, theils gerade ;■ jene fitzen allenthalben auf der 



^o Zwteter Abfchnitt. Von den Schollen insbesondere. 

Oberfläche vertheilt, diefe aber an der Seitenlinie, und am Grunde der Bsuch- After«, 
und RückenflofTe, wo fie auf den knöchernen Erhöhungen, welche am Grunde eines jeden 
Strahls fichtbar find , in Kreifen beifammen fitzen. Anch findet man an der Seitenlinie eine 
Reihe dergleichen Erhöhungen. Die obere Seite diefes Fifches hat eine dunkelbraune Farbe, 
Welche durch olivenfarbige, grüngelbe und fchwarze Flecke unterbrochen wird; die un- 
tere Seite ift weifs und bräunlich fchattirt, mit fchwarzen Flecken befprengt; auch hier 
find bei den Flößen und der Seitenlinie Stacheln zu fehen. Beide Seiten find mit dünnen 
knglichten Schuppen befetzt, welche dergeftalt feft und tief in der Haut fitzen, dafs fie 
kaum fichtbar find. Die Flößen find braun und fchwarz gefleckt ; die Mundöfnung ift 
klein, die untere Kinnlade länger als die obere, die Zunge kurz und fchmal, und im 
Schlund find zwey runde rauhe Knochen befindlich. Die Augen flehen hervor, und ihr 
fchwarzer Stern ift mit einem gelben Ringe umgeben. Die Kiemendeckel laufen in 
eine ftumpfe Spitze aus , und die Kiemenöfnung ift weit. Die Seitenlinie, welche fich 
dem Rücken etwas nähert, macht über der BruftflofTe eine Beugung, und verliert fich mit- 
ten in der Schwanzfioffe. Die Floffen find bräunlich , und die Bauch - Schwanz - und 
RückenflofTe fchwarz gefleckt, übrigens aber find fie fämtlich wie bei der Scholle befchaffen; 
zwifchen der After - und Bauchfloffe, ift eine flarke Stachel fichtbar. 

Der Flunder wird nicht nur in der Nordfee, fondern auch in der Oflfee, allent- 
halben angetroffen; erbegiebt fich, wie der vorhergehende, im Frühjahr an die Ufer und 
in die Mündungen der StrÖhme : auch geht er befonders in England weit in die Flüfse hin- 
ein, bei uns aber nur in den frifchen Haff; und haben diejenigen, welche man in den 
Flüfserf fängt, nach der Verficherung des Wülughby, ein weichlicheres Fleifch, und eine 
etwas hellere Farbe. Wegen der Aehnlichkeit der letzteren, mit der Farbe des Sperlings, 
wird er von einigen Schriftflellern Paffer fluviatilis genannt ; er wird eben fo wie die vor- 
nergehenden gefangen, und zwar in Pommern bei Rügenwalde vom Frühjahr bis zum 
Herbfl ; da er denn nach Johannis am fleifchigften und am fetteflen ift. Die Güte feines Flei- 
fches richtet fich überhaupt nach den Verfchiedenheiten der Gegend, und nachdem feine 
Nahrung reichlich oder mager ift. Diejenigen, welche bei Memel gefangen werden, hält 
man unter denen aus der Oftfee für die heften, obgleich ihr Fleifch dem Fleifche der Scholle 



2'voeelet Ahfchnitt. Von den Schollen insbefondeve. 41 

an Güte nicht beikommt. Diefer Fifch wird übrigens wie die vorhergehenden zubereitet: 
er wird auch geräuchert, und giebt alsdann zum Butterbrod eine angenehme Speife. 

Der Flunder erreicht nicht die Größe der Scholle, und die größten von ihnen kein 
größeres Gewicht als fechs Pfund. Er hat ein hartes Leben und kommt in fußen Waffern 
fort, und da er lieh auch in Fäfsern einige Meilen weit verfahren läßt; fo wäre zu wünfehen, 
dafs man ihn, nach dem Beifpiel der Weflfrieslä'nder a) in Teiche einletzte. 

Die innern Theile find bei diefem Fifche von eben der BefchafFenheit als bei der 
Scholle, bis auf die zween am Anfange des Darmkanals befindlichen Blinddärme, welche viel 
kleiner find. Im Rückgrade find fünf und dreifsig Wirbelbeine vorhanden. 

In Preußen wird diefer Fifch Flindem und Flondern ; in Liefland von den Deut- 
fchen Butte und Flunder, von den Letten Butte, Lefie, Plehkfle , von den Ehflländern Läfi 
und Kamlias; in Schweden Flundra und Slaettskaedda ; in Holland Bot; in England 
Flounder, Fluke und But ; in Dännemark Butte, Sandskreile; in Frankreich Flez; in Nor- 
wegen Skey, Sandskrati und in Island Kola und Lura genannt. 

Rändelet b) irret, wenn er den Helbut der Engländer für unfern Flunder ausgiebt. 
Klein führt den Willughby und Sckoneveld unrichtig zu unfern Fifch an c) , da erfterer die 
Scholle , und letzterer den Glattbutt befchreibt ; auch gleicht feine Zeichnung eher der 
Scholle als dem Flunder d). Wenn Artedi fagt, dafs die linke Seite diefes Fifches nicht 
mit Stacheln verfehen fey e)j fo mufs er einen jungen Fifch unterfuchet haben, bei 
welchem diefelben nicht merkbar find. Gronou citirt unrichtig die vierte Species des 
Paffer vom Ray, und das Muf. Reg, Adolph. Fridr., wo fie als die Limanda befchrieben, 
wird , zu unfern Fifch f ). 



a) Müller. L. S. 4. Theil. S. 156. d) 1. c. Tab. 7. Fig. x. 

b) De Pifc. P.I. p.320* e) Syn. Pifc. p.31. n. 2. 

c) Miff. Pifc. IV. p. 33. n. r. f ) Zooph. p. 73. n. 248. 



43- Ziveeter Abfchnkt. Von den Schollen insbefondere. 

DIE ZUNGE. 
XLVfte Taf. 
: Der Körper rauh ; die obere Kinnlade hervorflehend. K. 6. Br. 10. B. 6. A. 65. 



4. Die „ 

Zunge. S' 1 * R.80. 

Pkuronectes fquamis afperis, maxilla fuperiore hngiore. B. VI. P. X. V. VI. 
A. IXT. C. XVII. D. LXXX. 

Pleuroneftes folea, oculis dextris, corpore afpero Solea, fquamis minutis. Klein. Mifc. P.TV. p-3i. n.i. 

oblongo, maxilla fuperiore Ion- — Plin. Nat. Hill. Lib. 9. c. 16. 20. 

giore. Linn. S. N. p.457. n.9.' — Bellott. Aquat. p. 147. 

_, „ „ , „ — Gesn. Aquat p. 666. 667. 671. Icon. anim. 

— — Müller. Prodr. p. 45. n. 376. „,,..„. 

F ^ öi p.101. Thierb. S.53. b.55. 

*- oblongus , maxilla fuperiore Ion- — gfonß. de Pifc. p. 87. Tab. 20. Fig. 13. 

giore, fquamis utrinque afpe- — Ruijfch. Thef. Anim. p. 57. Tab. 20. Fig. 13. 

ris. Art. gen. p. 18. n. 6. — Charlet. Onom. p. 145. n. 1. 

Syn. p.32. n.8- Spec. p.6o. Bugloffus. Rand, de Pifc. P. I. p. 320. 

_ „ „ , „ — Williighb. Ichth. p. 100. tab. F. 7. 

•— Gronov. Muf. I. p.14. n.37. Zooph. ., , _.. 

r T "* r — Adrov. de Pifc. p. 235. 255. 

^" '*" 5 " Solea vel Bugloffus, Schonev. Ichth. p. 63. 

-•— folea, corpore afpero oblongo, ma- Dil baluk.Samok. Muf.i.i^o^.Defcr. Anim. p.XV. 

xilla fuperiore Jongiore, ovis The Sole. Penn. Britt. Zool. 3. p. 23L n. 107. 

latere albo cirrofo. Brllnn. Pifc. La Sole, Cours d'Hifr. Nat. Tom. 5. p. 76. 

Maff. p.34. n.47. Die Zunge, Müller. L. S. 4-Th. S.157. 

Diefe Schollenart unterfcheidet fich, von den übrigen rechtsäugigen, durch den her- 
vorflehenden Oberkiefer und die harten und rauhen Schuppen. In der Kiemenhaul befinden 
fich fechs , in der Bruftflofle zehn , in der BauchilofTe fechs , in der Afterflofle fünf und 
fechszig, in der Sdrwanzfloffe fiebenzehn und in der Rückenflofle achtzig Strahlen. 

Die Zunge hat ihre Benennung ohnfireitig der länglichen Geflalt ihres Körpers zu 
danken, indem er faft dreimal fo lang als breit ifl. Sowol die obere als untere Seite find 
mit kleinen harten, gezähnelten, und fefl in der Haut fitzenden Schuppen bedeckt, w eiche 
ihn rauh anfühlen laffen, und ifl jene olivenfarbig. Der Kopf ifl klein, und oben abge- 
ßumpft. Die Mundöfnung zeichnet fich dadurch aus, dafs der Oberkiefer mondförmig aus- 



Zweiter Abfchnüt. Von den Schollen hubefondere. • 43 

gefchnitten ifl. Die untere Kinnlade ifl allein mit mehreren Reihen fehr kleiner fpitziger, 
kaum fichtbarer und beweglicher Zähne befctzt, und im Schlünde find oben zween runde, 
und unten zween längliche rafpelartige Knochen befindlich. Beide Kinnladen find auf der un- 
tern Seite , mit fehr vielen kleinen Baitfafern von weifser Farbe verfehen. Von den beiden 
röhrenförmigen Nafenlöchern ifl eins an der obern, und das andere an der untern Seite, 
dichte am Rande des Mundes befindlich. Die Augen , welche bei diefem Fifche nicht fo 
nahe an einander flehen, als bei den übrigen Schollenarten, haben einen blauen Stern in 
einem gelben Ringe. Der Kiemendeckel ifl rund , und befleht aus einem einzigen Plättchen, 
unter welchem die Kiemenhaut verborgen liegt; die Seitenlinie ifl dem Rücken etwas näher, 
als dem Bauche j die BrufifiofTe und die BauchflofTen find klein, und jene mit einer fch War- 
zen EinfafTung verfehen; unter der letztern ifl der After dichte am Kopfe, und an diefem 
ein kurzer und flarker Stachel fichtbar. Die Rückenfloffe fängt über der Mundöfnung an , 
und die Afterfloffe gleich am After, beide aber endigen fleh an der Schwanzfioffe , und in 
beiden find die Strahlen beinahe bis zur Hälfte mit Schuppen befetzt. Die Afterfloffe ifl 
rund, und hat vielzweigigte Strahlen. Sämtliche Floffen find oben olivenfärbig und 
unten weifs. 

Wir treffen diefen Fifch nicht nur in den nordlichen GewäfTern um Europa an, 
fondern auch im mittel ländifchen Meere und ifl er, wie aus den Forskaöl zu erfehen, 
daher nicht nur den Europäern, fondern auch den Türken und Arabern bekannt a\ In 
der Oftfee wird er, befonders in Pommern, wie mir der Herr Oberamtmann Coden mel- 
det, jedoch nur feiten gefangen. Er lebt von den Eiern und der Brut anderer Fifche, und 
feine eigene Brut wird von den Krabben häufig verzehret. Er erreicht die Grö'fse von zween 
Fufs und drüber, und ein Gewicht von acht Pfunden. Merkwürdig ifl es, dafs man fie in 
England, an einigen Küflen, nicht über ein Pfund, an anderen hingegen von fechs bis acht 
Pfund antrifft b). 

Was von dem Aufenthalt, der Laichzeit, dem Fang , und dem Verfpeifen der Scholle 
gefagt ifl , gilt auch von der 7-unge ; wir bemerken nur noch , dafs fie ein weit zarteres 

F a 

a) Deicription. Animal. quae in Irin. Orient, obfem p.XV. b) Penn. Dritt. Zool. p.231. 



44 Zweeter Abfchnitt. Von den Schollen insbefondere, 

Fleifch hat , und daher in Frankreich Seerebhuhn genannt wird. Vorzüglich follen diejeni- 
gen, welche man am Vorgebürge der guten Hoffnung fängt, von gutem Gefchmack feyn a): 
überhaupt aber haben die kleineren ein weit zarteres Fleifch, als die grösseren. 

Die Bauchhöhle war bei meinem fünfzehn Zoll langen Exemplar nur kurz; fie dehnte 
fich aber fowol zwifchen der obern als untern Seite, und der Fortsetzung der Wirbelkno- 
chen b), als auch drei Zoll lang nach dem Schwänze zu aus. Der Darmkanal hat mehrere 
Beugungen , und ifl beinahe noch einmal fo lang , als der ganze Körper. Die übrigen Ein- 
geweide kommen mit denen bereits befchriebenen überein, und im Rückgrade zählte ich 
acht und vierzig Wirbelknochen. 

In Djutfchland wird diefer Fifch Zunge; in Schweden Tnnge, Hunde - Tange, 
Redder, Hau - Ager, Hone; in Norwegen und in Holland Tange; in England The Sol; 
in Frankreich h Sole, in Italien Lingaata; in Spanien Linguato; in der Türkey Dilbaluck; 
in Arabien Samakmufi (MofeshTeh) genannt. 

Beim Belton , der die Zunge zuerß befchrieben c) , finden wir die Augen auf der 
rechten Seite, beim Rändelet auf der linken d), und beim Gesner einmal rechts, und 
das anderemal linkäugigt vorgeftellt e); im Aldrooand f), Ruyfch g) und Willughby h) 
ift die Zeichnung richtig, beim Jonflon aber unrichtig i). Wenn Artedi fagt k), dafs 
bei diefem Fifche beide Nafenlöcher auf der obern Seite iich befänden; fo widerspricht 
diefem. meine Erfahrung. 



a) Cours d'Hiftoire naturelle. Tom.V. p. 78- f) Aquat. p. 235. und 244, 

b) Apophifes vertebraram transverfales. g) Theatr. Anim. Tab. 20. Fig. 13. 

c) Aquat. p. 147. h) lehth. Tab. f. 7. 

A) De Pifc. P. II. p. 320. i) De.Pifc. Tab. 20. Fig. 13. ' 

e) Aquat. p. 666. 667. Icon. Anim. p. 101. k) ArteA. Spec. p. 60. 
Thierb. S. 53. b. und 55. 



Zweeter Abfchnitt, Von den Schollen imbefondem 45 

DIE GLAHRKE oder KLIESCHEL 
XLVIfte Taf. 



Die Schuppen rauh, und die Seitenlinie bogigt. K. 5. Br. 11. B. 6. A. 61. ~ 

5. Die 
S. 15. R. 75. Giahrke od. 

Pleuroncäes fquamis afperis , lutea hterali arcuata. B. F. T. XL F. FL A. LXL Kliefcbe.. 
C XF. D. LXXF. 

Pleurone&es Limanda, oculis dextris, fquamis Limanda. Beiton. Aquat. p. 145. 

ciliatis, fpinulis ad radicem — Gesn. Aquat. p. 665. und 671. Icon.Ankn» 

pirmarum dorfi anique, den- p. 100. Tbierb. S. 52. b. 

tibus obtufis. Linn. S. N. — gfonfi. de Pifc. p. 90. 

p. 457. n. 8. — Ruyfch. Thef. Anim. p. 59. 

— — Müller. Prodr. p.45. n. 375. Citharus. Charlet. Onom. p.145. 11.2. 

— oculis a dextra fquamis afperis, fpina Paffer afper live fquamofus. Rond. de Pifc. P.i. 

ad anum dentibus obtufis. Art. gen. p. 319. 

p. 17. n.2. Syn. p. 33. n. 9. Spec. -— — — — Aldrov. de Pifc. p. 242. 

p. 58. — — — — Willughb. Ichth. p. 97. 

— Muf. Ad. Frid. Tom. II. p. 08- " Tab. f. 4. 
Paffer afper, pafferiprimo fquamis congener, fed The Dab. Pen». Britt. Zool. III. p. 230. n. 105. 

maculis carens. Klein. Miff. Pifc. IV. Kliefche. Schonev. Ichth. p. 62. 

p. 33. n. 4. Der Schuppenblutfifch. Müller. L. S. 4.Theil. S.156. 

Die harten und gezackten Schuppen, und der Bogen, welchen die Seitenlinie bei 
ihrem Anfange bildet, find Merkmale genug, diefen Fifch von den übrigen aus diefer Ab- 
theilung zu unterfcheiden. In der Kiemenhaut befinden fleh feebs, in der Bruflfioffe eilf, 
in der BauchflofTe fechs, in der Afterfioffe ein und fechszig, in der SchwanzflofTe fünfzehn 
und in der RückenfiofTe fünf und fiebenzig Strahlen. 

Diefer Fifeh ift auf der obern Seite gelb, auf der untern weifs, und auf beiden mit 
ziemlich grofsen Schuppen bedeckt; der Kopf ift klein, länglicht, und die Mundofnung eng^ 
Beide Kinnladen find von gleicher Länge , und in der obern ungleich mehrere kleine flumpf« 
Zähne, als in der untern, befindlich. Die hervorfiehenden Augen haben einen fchwarzen 
Stern, mit einem goldfarbenen Ringe umgeben. Die Seitenlinie läuft, von der Schwan«- 

;'*3 



46 Zroccier Abfchnitt, Von den Schölten insbefondere. 

floile bis. zur Bruflflofle, in einer geraden Richtung, mitten über dem Körper fort Samt- 
liche Floffen haben auf der obern Seite eine braungelbe , die Schwanzfloffe hingegen eine 
dunkelbraune Farbe. Die Strahlen der After - und Rückenfloffe werden von Schuppen be- 
deckt, und ift am After ein Stachel wahrzunehmen. 

Diefer Fifch ift fowol in der Oft - als Nordfee zu Haufe. Mir ift derfelbe ebenfalls 
aus Pommern, von dem Herrn Oberamtmann Coden, unter dem Namen Klarfche, und ein 
anderer aus Hamburg, unter der Benennung Kliefche, zugefchickt worden. Er ift nicht fo 
gemein, als die Scholle und der Flunder, auch nicht fo dick als jene; wird übrigens aber fo 
wie diefe beiden gefangen und verfpeifet. Ob er gleich nicht die'Gröfse derfelben erreicht; 
fo übertrifft er fie doch am Gefchmack ; am wohlfchmeckendften ift er vom Februar bis 
zum April. Seine Laichzeit fallt fpäter , als bei den vorhergehenden , nemlich in den May- 
monat , und bei einem kalten Frühjahr in den Jun und um diefe Zeit ift fein Fleifch weich- 
lich und mager. Er ernähret fich von Würmern~und Infekten, vorzüglich von kleinen Krab- 
ben , dergleichen ich in feinem Magen mehrmals angetroffen habe. 

Die Eingeweide find bei diefem Fifche von der nämlichen Befchaffenheit, als bei der 
Scholle ; der Rückgrad deffelben enthält nur ein und fünfzig Wirbelknochen. 

Diefer Fifch heifst in Hamburg und den umliegenden Gegenden Kleifche und Klie- 
fche ; in Pommern Glahrke ; in Dä'nnemark Skrubbe ; in Holland Grefe ; in England The 
Dab und in Frankreich la Limande. 

Bellon hat diefen Fifch zuerft befchrieben a), und Rondelef die erfte Zeichnung davon 
gegeben b) ; beim letztern, fo wie beim Aldrovand c) und Willughby d), ift er rechtsäugig, 
beim Gesner hingegen e) mit den Augen auf der linken Seite vorgeftellr. Wenn übrigens Klein 
die Tab. f. 5. des Willughby zu unferm Fifch anführt f ) , fo liegt liier ohnftreitig ein Druck- 
fehler zum Grunde. Endlich habe ich bei ihm die Stacheln, welche nach der Behauptung des 
Ritters am Grunde der Bauch -und Rückenfloffe fitzen follen g), nicht bemerken können. 

a) Aquat. p. 145. . . e) Aquat. p. 665. 

b) De Pifc. P. I. p. 319. £) Miff. Pifc. IV. p. 33. n. 4. 

c) De Pifc. p.242. g) S. N. p. 457. n. 8- 

d) Ichth. p. 97. Tab. f. 4. 



Zweeter Abfchnitt. Von den Schollen inslie fonder e-. 47 

DER HEILIGEBUTT. 
XLVlIfie Taf. 
Die Schwanzfloffe mit einem mondförmigen Ausfchnitte. K. 7. Br. 13. B. 7.= 



6. Der 

A. 82. S. 16. R. 107, Heiligebutt 

PleuroneBes, pimia caudali lunukta. B. VII. P. XV. V. VII. A. LXXXIL 
C. XVI. D. CVII. 

Pleurone&eß Hippogloflbs,'~oculis dextris, cor- PalTer Britannicus. Charlet. onotn. p. 146. n.4. 

pore toto glabro. Linn. Hippogloffus der altera Ichthyologen. 

S. N. p.456. n.4, Holibut. Penn. Britt. Zool. III. p. 226. 

— — Müller. Prodr. p. 44. Le Fletang, ou Faitan. Bomare. Diel. d'Hift. N. 

n. 371. Tom. IV. p. 452. 

— oculis a dextra, totus glaber. Art. Netarnack. Ott. Fabr. Faun. Grö'nl. p. 16 r. n. 117. 

gen. p. 17. n. 3. Syn. p. 31. n. 3. Der Heylbutt. Schonev. Ichth. p. 62. 

— Gronov. Muf. I. p. 14. n. 39. Zooph. Die Hälleflunder. Seh wed. Abh. 3ter Band. S. 245. 

p. 73. n. 247. Der Helle- FJynder. Pont. Norw. 2. Theil. S. 220. 

Pafi'er, quatnor cubitos longus. Ä7«».MuT.Pifc.IV. Die Hilbutte. Ander/. Reife nach Isl. S. ior. 
p. 33. n. 2. Der Heilbutt. Müller. L. S. 4. Theil. p. 149. 

Der Heiligebutt unterfcheidet lieh durch die mondformige Schwanzfloffe von den 
übrigen Schollenarten. In der Kiemenhaut find fieben, in der Bruftfloffe fünfzehn, in der 
Bauchfioffe fieben, in der Afterfloffe zwei und achtzig, in der Schwanzfloffe fechszehn und 
in der Rückenfloffe hundert und fieben Strahlen befindlich. 

An diefem 'Fifch ift die untere Seite weifs, und die obere leberfarbig, obgleich 
auch hier, fo wie bei den übrigen Fifchen, die Farbe fich etwas verändert, je nachdem er 
fett oder mager ift 3 denn bei dem letztern fallt fie mehr ins Schwärzliche. Beide Seiten 
find mit länglichten runden Schuppen bedeckt , welche fehr f eft fitzen und , weil fie zu- 
gleich weich find, fich durch das Gefühl unt fo weniger bemerken laffen, da diefer Fifch 
mit einem Schleim überzogen ift. Diefe Schuppen werden alsdenn erft deutlich wahrge- 
nommen, wenn er trocken ift. Der Kopf ift klein, die ' Mundöfnung weit, und beide 
Kinnladen find mit vielen langen , fpitzen, gekrümmten und von einander abgehenden Zähnen 
befetzt. Die obere diefer Kinnladen ift beweglich , und mit einem breiten Lippenknochen 



4 g ZiUätcr Abfihnitt. Von den Schollen inshefonäere. 

verfehen. Die Augea flehen dichte beifammen, find grofs, und haben einen fchwarzen 
Stern in einem weifsen Ringe. Der Kieraendeckel befleht aus drei Plättchen , die Kiemen- 
öfnung ift grofs, und die Kiemenhaut hervorragend. In Anfehung der Flößen und der 
Stachel kömmt er mit der Scholle überein , nur dafs die Bruflßoffe bei ihm länglicht und 
die SchwanzflofTe mondförmig ift. Die Seitenlinie macht an der Bruft einen Bogen, und 
gehet hernach in einer geraden Richtung bis zur SchwanzflofTe fort. 

Der Heiligebutt fcheinet gewiflermaflen den Uebergang von den Schollen zu den 
übrigen Fifcharten zu machen. Wegen der mondförmigen SchwanzflofTe , der Kiemenhaut, 
der grofsen Augen, der Mundöfnung, der Gröfse und des fleifchigten und geflreckten Kör- 
pers, kommt er mehr mit den übrigen Fifchen überein , als irgend eine andere Schollenart. 

Diefer Fifch übertrifft, nach dem Wallfifch, fafl alle andere an Gröfse, indem man 
in England welche von zwey bis drei hundert Pfund a), und in Island von vier hundert 
Pfund fängt h). In Norwegen werden fie fo grofs angetroffen, dafs ein einziger derfelben 
ein ganzes Boot bedeckt, und von feinem Fleifche eine bis zwo Tonnen angefüllet werden 
können. Es verdiente daher diefer Fifch mit gröfserem Rechte den Namen , welchen man 
dem Stachelbutt beigelegt hat (PI. maximus). Diefer Fifch hält fleh in dem nördlichen 
Ocean auf, daher die Isländer, Grönländer und andere nördliche Völker auf denfelben 
fifchen. Die Engländer holen ihn auch von Neufundland c) , und die Franzofen aus Ter- 
reneuve d). Er ift ein flarker Räuber und verzehrt nicht nur den Rochen, Krabben und 
Schellfifch, fondern auch den am Felfen klebenden Seehaafen (cyclopterus Lurnpus L.), 
welcher befonders für ihn ein Leckerbiflen ift. Diefe Fifche liegen in Reihen hinter ein- 
ander auf dem Grunde des Meeres, undlauren, mit aufgefperrtem Radien , auf die vorbey- 
fchwimmenden Seebewohner. Bei grofsem Hunger freuen fie einander die Schwänze an. 
Man fängt diefen Fifch mit dem Stachel und auch an der Angel; zum Köder bedienen fich 
die Schweden des grünen Schellfifches , und die Grönländer des Seefcorpions. Die nor- 
difchen Fifcher nennen das Werkzeug Gangwaaden, Gangwaad, und es beflehet aus 



a) Penn. Britt- Zool. in. p. 226. <0 Penn. 1. c. p. 320. 

b) Ander/. Reifen. S. 101. V Pontopp. Norw. 2. Theü. S. 222. 



Zwecter Ahfchnltt. Von am Schollen visbefoniere, 4$ 

einem dicken Seil, an dem dreifsig drei hundert Klafter lange Stricke befe/liget find, und 
an welchem fich fiarke Haken befinden ; am Seile find Bretter angebunden , damit fie den 
ausgeworfenen Gangwaaden wieder finden können. Diefes Werkzeug wird, nachdem es 
vier und zwanzig Stunden im Wafler gelegen, in die Höhe gezogen, und es ift nicht fei- 
ten , dafs vier bis fünf Stück auf einmal damit gefangen werden. Die Grönländer bedienen 
fich, ftatt der Hanfßricke, des gefpaltenen Fifchbeins, und aus der Haut des Seehundes ge- 
fchnittener Riemen ; auch erhält man diefen Fifch mit Wurffpiefsen , wenn er fich bei 
warmen Tagen, auf die Sandbänke oder flache Stellen des Meeres begiebt. Sobald die 
Fifcher merken, dafs fie einen grofsen gefangen, fo ziehen fie ihn, aus Beforgnifs, dafs er 
das Boot umfchlagen mögte, nicht fogleich in die Höhe, fondern fie laßen fich von dem- 
felben fo lange mit fortfchleppen , bis er ermattet wird, da man ihn denn in die Höhe 
windet und mit Keulen todtfehläget. Am häufigften werden diefe Fifche in Norwegen ge- 
fangen , und zwar vom erften May bis zum Johannistag ; denn da um diefe Zeit dafelbft 
auch die Nächte hell find; fo können ihn die Fifcher am heften auf den Untiefen entdecken, 
fpäter aber befchäftigen fie fich deswegen nicht mit diefer Fifcherey , weil der Raf und Röckel 
wegen der warmen Luft trahnigt, und daher unbrauchbar wird. Es finden fich zuweilen 
einige diefer Fifche, welche Dree-Kueite genannt werden, und auf welchen man eine 
Menge Seeeicheln (balani ) befeftigt findet* Diefe hält man gewöhnlicher Weife für uralt a), 
woran ich jedoch aus dem Grunde zweifele, weil fie nur klein find. Sie find durchaus 
fehr fett, und wegen des trahnigten Gefchmacks nicht wohl zu genüfsen. Da diefes Fett 
fie leicht macht, fo können fie fich nicht wohl im Grunde erhalten, und werden daher 
nicht feiten eine Speife der Raubthiere, befonders des Seeadlers b), welcher letztere jedoch 
öfters das Unglück hat, von üem Fifche, wenn er noch Kräfte genug befitzt, in den Ab- 
grund gezogen zu werden, da denn der Adler, mit ausgefpannten Flügeln , und einem kläg- 
lichen Gefchrey fich vergeblich befirebet, fich loszumachen, und auf dem Rücken diefes 
Fifches umkommen und verfaulen mufs. 



a) Schwed. Abhandl. 33. Band. S. 246. b) Vultur albiola. Lim. 

G 



jO Zweeter Abfchnitt. Von den Schöllen insbefondcre. 

Die Grönländer efTen das Fleifch des Heiligenbutt fowoh! frifch als getrocknet •, auch 
verzehren fle die Haut und die Leber , nachdem fie folche mit der fchwarzen Äffenbeere a) 
zu einer Speife zubereitet haben , roh. Die Magenhaut gebrauchen fie fiatt der Fenfterfchei- 
ben. In Schweden, Island und vorzüglich in Norwegen, wird von diefem Fifch der be- 
kannte Raff und Röckel gemacht b). Jener ift nichts anders , als die Fioffen mit der daran 
fitzenden fetten Haut ; diefer aber , die nach der Länge gefchnittene Stücke des fetten Flei- 
fches. Auch das magere Fleifch wird in lange Streifen gefchnitten, und Skare-Flog oder 
-Scjuarre - Queite genannt ; alle diefe Stücke werden , nachdem fie vorhero eingekerbt wor- 
den, mit Salz eingerieben, und hiernächft auf Stangen gelegt, und an der Luft getrocknet : 
auch pöckelt man diefelben ein, da fie denn an Gefchmack dem Hering vorgehen follen. 
Der befte Raf und Röckel fällt bei Samofee ohnweit Bergen, und zwar im Winter, denn 
die Kälte diefer Jahrszeit macht denfelben mürbe, und vorzüglich wohlfchmeckend. In 
Holland und in Hamburg wird das Fleifch diefes Fifches an den gemeinen Mann für einen 
geringen Preis verkauft, der Kopf hingegen als ein Leckerbiffen fehr theuer bezahlt. 

Diefer Fifch laicht im Frühjahr , und fetzet feine blafsrothe Eier an den Ufern zwi- 
schen den Steinen ab. So lange diefer Raubfifch noch jung ift, übt der Roche das Vergel- 
tungsrecht an ihm aus ; die grofsen hingegen haben an dem Delphin einen furchtbaren 
Feind , welcher mit feinen ftarken Zähnen ganze Stücken Fleifch aus ihrem Leibe hauet c) j 
"wie denn die Fifcher manchmal einen dergleichen zerfetzten in ihre Hände bekommen. 

Derjenige Fifch, deffen Zergliederung ich hier mittheile, war, die Schwanzflofle 
ungerechnet, ein und zwanzig und einen halben Zoll lang, und zehn und einen halben 
Zoll breit, die Dicke betrug zwey und einen halben Zoll. Die Bauchhöhle war klein, die 
Leber länglicht, und lag in der Quere. Der Magen war grofs, dünnhäutig, und ich fand 
darin einen fechs Zoll langen Fifch, aus dem Cabeljaugefchlecht. Der Darmkanal, hatte 
acht Zoll in der Länge , und zwo Beugungen. Merkwürdig war der zwei und einen hal- 
ben Zoll lange Blinddarm, der fich mit dem Hauptdarm am Magen öfnete. Der Rogen 

a) Empetrum nigrum. Linn. b) Erfterer heifst in Island Rafnr und letzterer Ricklinger. 

e) Schwed. Abhandl. 33. B. N. 



Zweeter Abfchnitt. Von den Schollen msbeßmdere. 51 

war doppelt, und jeder Theil wie eine- Lanzette gehaltet: im Rückgrade zählte ich fünf 
und fechszig Wirbelbeine. 

In Hamburg wird diefer Fifch Heilbutt, Eilligbutt ; in Dännemark Helle ■ Flinder ; 
in Schweden Haelgflundra ; in Nor wegen Helleflynder , Qucite, Sandfkieble, Skrobbe-Flyn- 
der; in Island Flydra, Hcilop - Fisk ; in Grönland, der kleine Queite - Barn , der von mitt- 
lerer Gröfse Styving, und der ganz grofse Netamak; in Holland Heilboth; in England 
Holybut , und in Frankreich le Fletan genannt. 

Rondelet hat den Heiligebutt zuerft beschrieben , und davon eine Zeichnung mit den 
Augen auf der rechten Seite gegeben a). Gesner der fie vom Rondelet entlehnte, ftellt ihn 
linksäugig vor b): beim Aldrouand flehen die Augen ebenfalls auf der linken Seite, und 
feine Figur gleicht eher der Zunge, als unferm Fifche c). Dem Willughby haben wir die 
erfte erträgliche Zeichnung zu verdanken d) und wenn Artedi dem Heiligebutt nur zwey Fufs 
Länge giebt e), fo fcheinen ihm die gröfseren der nördlichen Gewäfser unbekannt geblier 
ben zu feyn. Sonderbar ift die Frage des Bomare: ob unfer Fifch eine Rochenart fey f)? da 
er doch zu den knochen - und nicht zu den knorpelartigen gehört. 

ZWOTE ABTHEILUNG. 

Schollen mit den Augen auf der linken Seite. 



DER ARGUS (Pleuronetfes Argus). 

XLVilMe Taf. 

Der Körper bunt gefleckt , die Schwanzflofle rund. Br.io. E.g. A. 69. S. 17. R. 79.' 

Flewonecies corpore vario , pinna caudae rotundata. P. X V. VIII. A. LXIX. 

CIVIL D.LXXIX. 

Paffer oculatus. Plümier. M. S. 
G 2 

a) De Pifc. P. I. p. 325. d) Ichthyol. Tab. f. 6. 

b) Aquat. p. 66g. Icon. Anim. p. 103. Thierb. e) Gen. p. 17. n. 3. 

S. 54. b, f) Dia. Tom. IV. 0.454, 

c) De Pifc. p.238. 



7. Der Ar- 
gus. 



5» Zmeter Abfchnitt. Von den Schollen iwbefonäere. 

Diefe Scholle unterfeheidet fich von den übrigen linksäugigten durch ihren fchc-ckig- 
iten Körper, und die runde Schwanzfloffe. In der Bruftflofle befinden fich zehn, in der 
Bauchflofle acht, in der AfterflofTe neun und fechszig, in der Schwanzfloffe fiebenzehn, 
4ind in der Rückenflofle neun und fiebenzig Strahlen. 

Diefer fchöne Fifch hat auf der weifsen Grundfläche feines KöTpers Flecke von hell- 
gelber Farbe % welche mit braunen Punkten ^befprengt, hellblau eingefafst find, und bald 
einen ganzen Zirkel, bald zwey oder drey Segmente deffelben bilden. Zwifchen diefen er- 
blicket man allenthalben kleinere blaue Flecke und dunkelbraune Punkte. In der Plümier- 
fchen Zeichnung ift aufser diefen, noch ein Fleck von dunkelbrauner Farbe, ohnweit dem 
Schwänze angezeigt; ich kann aber nicht entfcheiden, ob derfelbe etwas wefentlich.es oder 
zufälliges fey. Der Kopf ift breit und die Augen find in einem weiten Abflande von ein- 
ander, haben einen blauen Stern in einem weifsen und braunen Ringe, und übertrifft das 
nach dem Rücken zugekehrte Auge das andere an Gröfse. Die Kinnladen find von gleicher 
Länge, und mit fpitzigen Zähnen bewaffnet. Die Haut zwifchen den Strahlen der Flößen 
ift gelblicht, und die Stacheln felbft find braun, und beide mit blauen Flecken gezieret. 
Die Bruftfloffe hat, fo wie die Schwanzfloffe, vielzweigigte Strahlen; erflere endigt fich in 
eine Spitze, und diefe, welche am Grunde hellgelb ift, in einen Zirkel; die Rückenflofle 
erflrecket fich von der Nafe bis an die SchwanzflofTen. Die Seitenlinie macht über der Bruft- 
flofle eine Beugung, und läuft hiernikhft mitten über dem Körper weg; beide Seiten find 
mit kleinen weichen Schuppen bedeckt. Der After und die andern Theile, find wie bei den 
übrigen dk-fes Gefchlechts befchaffen , nur dafs in der Bruftflofle einige Strahlen weniger, 
und in der Bauchflofle einige mehr vorhanden find. 

Diefem Fifche ift das amerikanifche Meer ohnweit der antillifchen Infein , zum Wohn- 
ort angewiefen. Wie ich bereits erwähnt, fo haben wir dem Pater Plümier die Kenntnifs 
deffelben zu verdanken, und ob man zwar beim erften Blick glauben follte, dafs feine 
2-ekhnung mit der Catesbyfchen a), als welche ebenfalls blaue Ringe und Flecken hat, 
einerley fey; fo fehen wir doch bey näherer Vergleichung, d«fs diefe die Augen auf der 



a) Abbild, verfchiedener Fifche und Schlangen, p. 27. Tai*. 27/. 



Zimt er Abfchnitt. Von den Schollen insbefondere. 53 

rechten Seite hat: auch iß die Catesbyfche länglicht, und mit der Zunge in näherer Ver- 
wandfchaft; daher er fie auch folea aculeata nennt. Hierzu kommt noch, dafs bei dem 
Catesby die SchwanzflofTe in eine Spitze ausgehet; der Fifch grofse und flarke Schuppen und 
einen länglichten und grofsen Kopf hat , und ihm die Bruftflofle und Seitenlinie mangelt. 
Ob nun diefe Theile dem Fifche wirklich fehlen , oder ob fie von dem Zeichner übergangen 
worden find, weifs ich fo wenig gewifs, als ob des Ritters PI. Lunatus mit dem Catesby- 
fchen , welchen er dazu anführt, einerley fey, da er den feinigen in die zwote Abtheilung 
bringt, und die SchwanzflofTe mondförmig gebildet angiebt; dahingegen der Catesbyfche 
Fifch rechtsäugig, und mit einer rautenförmigen SchwanzflofTe vorgeftellt ift. 



DER STEINBUTT. 
XLIXfle Taf. 
Der Körper mit knöchernen Erhöhungen befetzt. K, 7. Br. 10. B. 6. A. 46." 



8. Der 

S. 13. R. 67. Steinbutt. 

Pleuroneßes tuberculis oftis feaber. B. VII. P. X V. VL A. XLVI. C. XV. 
D. LIVII. 



Pleuronecles maximus, ocnlis finiftris, corpore 
afpero. Linn. S.N. p. 459. n. 14. 

— — i?r&«.Ichth.Maff.p.35.n.4Q. 

— — Müller. Prodr. p. 45. n. 379. 

— Arted. gen. p, 18. n.9. Syn. p.32. n.7. 

— Gron. Muf. II. p. to. n. 159. Zooph. 

p.74. n.254. 
Rhombus aculeatus, nigricans, maculis obfeuris 
fufeis in prona parte; in altero latere 
ex olivaceo et albo coeralefcens. Klein. 
Miff.Pifc.IV. p.34. n.t. Tab. 8- Fig.i. 
Tab. 9. Fig. 1. et Rhombus cineritius, acu- 
leis afperrimus, inferiori mandibula fu- 
periorem, qua diuüdium fere excedente, 



pinnis et cauda fufeis maculis variegatis. 
p. 35. n. 2. Tab. 8- Fig. 2. 
Rhombus. Plin. Hift. nat. Hb. 9. c. 15. ao. 42. 

— Bellon. Aquat. p. 139. 

— aculeatus. Rondel. de Pifc. P.I. p.3io v 
— - — Gesn. Aquat. p. 661. 670. Icon. 

Anim. p. 95. Thierb. S. 50. b. 

— — Aldr. de Pifc. p. 248- 

— — Charkt. Onom. p. 149. n.2. 
_ — ^i%Ä6.Ichth.p.93. Tab. f. 8. 

Fig. 3. et Rhombus maximus 
afper non fquamofus. p. 94. 
Tab. f. 2. 



6 3 



54 Zweeier Abfchnitt. Von den Schollen insbesondere. 

Rhombus aculeatus. Ray. Syn. Pifc. p. 32. n. 6. et Die Steinbutte. Fifch. Nat. Gefch. von Liefland. 
Rhombus maximus afper non S. 116. n. 205. 

fquamofus. p. 31. n. 1. The.Turbot. Penn. Dritt. Zool. III. p. 232. n.109. 

— — ^ gfonß. de Pifc. p. gg. Tab. 22. LeTurbor.Coursd'Hiftoire naturelle. Tom. V.p-5. 

Fig. 12. et Citharus flavus five Skrobe-Flynder. Pontopp. Norw. 2.Theil. S. 208- 

afper. p-89- Tab. 20. Fig. 15. Der Steinbutt, Dornbutt. Sckonev. Ichth. p. 60. 

i— — Ruyfch. Thef. Anim. p. 66. Die Steinbutten. Wulff. Ichth. p. 26. n. 32. 

Tab. 22. Fig. 12. et Citharus. Die Steinbutte. Müller. L. S. 4. Theil. S. 160. 
p.59. Tab. 20, Fig. 15. 

Die kleinen knöchernen, in eine ftutnpfe Spitze auslaufenden Höcker, womit 
der Körper diefes Fifches befetzt ift, haben den deutfchen Namen veranlafst, und fie geben 
zugleich ein Merkmal ab , diefen Fifch von den übrigen zu unterfcheiden. In der Kiemen, 
haut befinden fich lieben, in der Bruftfloffe zehn, in der BauchfloiTe fechs, in der After- 
floffe fechs und vierzig, in der Schwanzfioffe fünfzehn und in der RiickenflofTe lieben und 
fechszig Strahlen. 

Diefer "Fifch hat eine länglichtrunde Geftalt, auf der obern Seite eine braune Farbe, 
gelb marmorirt, und auf der untern eine weifse mit braunen Flecken. Die Höcker auf der 
obern Seite lind weit gröfser^ als die auf der untern, und beide find mit zarten dünnen 
Schuppen belegt. Der Kopf ift breit , und wegen der erwähnten ftumpfen Erhabenheiten, 
fo wie der Rumpf, rauh anzufühlen. Die Augen lind grofs, ihr Stern meergrün, und 
ihre Ringe braun. Die Kiemenöfnung ift weit, die untere Kinnlade hervorragend, und 
beide find mit mehreren Reihen kleiner Zähne bewafnet. Die Floffen find gelblicht, und 
mit fchwarzen Punkten und Flecken befprengt; die Seitenlinie läuft, nachdem fie an der 
Bruft einen Bogen gebildet hat, mitten über den Körper hinweg, und fie ift frey von den 
Höckern , welche den übrigen Körper bedecken. 

Wir treffen diefen Fifch nicht nur in der Nord - und Oftfee, fondern auch im mit- 
telländifchen Meere an. Er erreicht eine fehr anfehnliche Gröfse. Rondelet hat bereits 
welche gefehen , die fünf Ellen lang , viere breit und einen Fufs dick gewefen a) , und in 

a) De Pifc. P. I. p. 3 ir. 



Zweier Ahfchnitt. Von den Schollen inskfondere. 55 

England fängt man welche von zwanzig bis dreißig Pfunden a). Ueberhaupt gehöret der 
Fang diefes Fifches mit zu den einträglich ften in London, indem dafeM jährlich an dreifsig 
taufend Pfund zu Markte gebracht werden b). 

Man fangt diefen Fifch auf eben die Art , wie die vorhergehenden ; vorzüglich abef 
mit der Angelfchnur, und in Schweden bedienet man fich des Ströhmlings zum Köder, 
fo wie in England des Herings und des kleingefchnittenen Schellfifches , als der Nahrung 
die er am erflen fucht : es ift indeflen diefer Fifch fehr eigen in der Wahl feiner Speife , 
und weil er an jenen Köder nicht leicht beifst, wenn er über zwölf Stunden alt ift; fo be- 
dienet man fich in diefer Abficht der lebendigen Fifche, und vorzüglich der Briquen c), 
welche ein fehr zähes Leben haben. Es kaufen daher die englifchen Fifcher von den Hollän- 
dern, jährlich für etwa fieben hundert Pfund Sterling von diefen Fifchen d). Bei dem Fang 
diefes Fifches bedienen fich die Engländer eines kleinen Boots, in welches fich drei Fifcher 
begeben. Die Leinen, welche fie gebrauchen, find drei englifche Meilen lang, und ein 
jeder diefer Fifcher hat drei dergleichen Schnüre, an welchen, in gewiflen Zwifchenräu- 
men, von etwa fechs Fufs und zwey Zoll, ein Haken, vermittelt einer Haarfchnur be- 
feftiget ift, fo dafs ein folches Boot auf diefe Art zwey taufend fünf hundert und zwanzig 
Haken auswirft. An jedem Ende diefer Leine ift ein Gewicht hefeftiget, wodurch fie im 
Grunde gehalten wird; und dienen den Fifchern angebundene Korkftücke, welche auf dem 
Waffer fchwimmen , zum Merkmal ihrer ausgeworfenen Angelfchnur. Da an den engli- 
schen Küften die Ebbe und Fluth alle fechs Stunden abwechfelt; fo müfsen die Fifcher beim 
Auswerfen und Einziehen derfelben fich darnach richten. 

Der Steinbutt hat ein feftes und fehr wohlfchmeckendes Fleifch , und wird eben fo 
verfchiedentlich als die Scholle zur Speife zubereitet. Er hält fich , gleich den übrigen die- 
fes Gefchlechts, auf dem Grunde des Meeres auf, und ift, damit der Sand bei ftürmifcher 
Witterung feinen Augen nicht nachtheilig werde, fo wie die übrigen Schollenarten, mit 
einer Nickhaut verfehen. Er gehört ebenfalls zu den Raubfifchen, und lebt vorzüglich von 
Infekten und Würmern , wie ich denn in feinem Magen und Darmkanal zermarmelte Mu- 

a) Penn. Britt. Zool. III. p. 233. c) Petromyzon fluviatilis. L. 

b) Art of Angl. n. 278- d) Penn. a> a. 0. p. 237. 



56 Ziveeter Abfchnitt. Von den Schollen insbesondere. 

fcheln angetroffen habe. Die Eingeweide find fo wie bei dem Viereck oder Glatt- 
butt gebildet. 

In unferer Gegend wird diefer Fifch Steinbutt ; in Preufsen Botte und Steinbutte; 
in Dännemark Pigvar, Tonne, Steenbut; in Norwegen Vrang- Flunder , Skrabe - Flynder ; 
in Schweden Butta; in Holland Tarboth ; im füdlichen Theil von England Turbot, im 
nördlichen Breet und in Frankreich Turbot genannt. 

Wenn Willughby a), Ray b) und Pennant c) unferm Fifche die Schuppen abfpre- 
chen , fo müfsen fie ihnen unbemerkt geblieben feyn , da fie zart find und tief in der Haut 
fitzen. Erftere führen auch unfern Fifch unter zwey verfchiedenen Namen auf, einmal als 
das ftachlichte d) und das anderemal als das grofse Viereck e) : fo wie auch Klein denfelben 
als zwo verfchiedene Arten befchrieben zu haben fcheint f), er führt auch den Artedi, wel- 
cher den linken Strufbutt befchreibt, unrichtig zu unfern Fifch an, denn felbft feine Zeich- 
nung, auf welcher die Seitenlinie bogigt und glatt vorgefiellt ift g), giebt zu erkennen, 
dafs er den Steinbutt und nicht den Artedifchen befchrieben habe; auch Jonfton und Ruyfch 
haben aus unferm Fifch zwo verfchiedene Gattungen gemacht h). Bellon hat ihn zuerfl be- 
fchrieben , und denfelben unrichtig mit den Augen auf der rechten Seite vorgefiellt. i) 
Diefes thun auch feine Nachfolger, der Rondelet k), Gesner 1) und Ruyfch vn). Aldro- 
vand n), Jonfion o) und Klein p) Hellen ihn linkäugig vor. Beim Willughby erfcheinet er 
fogar einmal mit den Augen auf der rechten, und das anderemal mit den Augen auf der 
linken Seite q). Herr Fifcher führt Kleins dritte Species, nemlich den Maximus, zu unfern 



a) Ichth. p.94. Tab. f. 2. k) De Pifc. P.I. p. 310. 

b) Syn. Pifc. p. 31. n. t. 1) Aquat. p. 661. Icon. Anim. p. 59. Thierb. 

c) Britt. Zool. III. p. 232. n. 109. S. 50. b. 

d) Rhombus aculeatus. m) Tab. 20. Fig. 15. Tab. 22. Fig. 12. 

e) — maximus non aculeatus. n) De Pifc. p. 248. 

f ) Miff. Pifc. IV. p. 34 11. 1. et 35. n. 2. o) Tab. 20. Fig. 15. Tab. 22. Fig. 12. 

g) Tab. 8- Fig. 1. Tab. 9. Fig. 1. p) I.e. Tab. 8- Fig. r. Tab. 9. Fig.x. 
h) Citharusund Rhombus aculeatus. q) Tab. f. 8- Fig. 3. Tab. f. 2. 

i) Aqnat. p. 139. 140. 



Ztoeeter Abfchnitt. Von den Schollen inshefondert. 57 

Fifch an a) ; da diefer aber mit einer geraden Seitenlinie vorgeflellt ifl ; fo ifl darunter nicht 
imfer, fondern vielmehr der folgende zu verliehen. 

DER LINKE STACHELFLUNDER. 
Lfle Taf. 
Die Seitenlinie nach dem Kopfe zu flachlicht. K. 6. Br. 11. B. 6. A. 44. S. 16. R, 59." 



9. Der 



9. uer 

Pleuroneßes linea Uterali verfus caput tantum aculeata. B. VI. P. XL V. VI. Stachelflua- 

A. XLIV. C. XVI. D. LIX. der - 

Pleuronectes paffer, oeulis finiftris, linea laterali Rhombus maximus, colore profundo cineritio fu- 

finiftra aculeata. Linn. S. N. p. 459. per flavo variegatus ; dextro latere, quod 

n. 15. Rhombo fupinum, eft albus, et maculis 

— oeulis a finiftra, linea laterali utrin- quafi dendriticis piaus. Klein. Miff. 

que aculeata. Art. gen. p. 18- n. 10. Pifc. IV. p. 35. n. 3. 

Syn. p. 32. n. 6. Der Strufbutt. Schonev. Ichth. p. 6r. 

Rhombus linea laterali, radieibusque pinnarum Die Stachelbutte. Fifcher. Naturgefch. von Lief- 

dorfi anique fpinulis «ifperis : cauda fub- _ land. S. 116. n. 205. 

aequali, varietas 13. G ronov. Zooph. Der Stachelflunder. Müller. L. S. 4ter Theil. 

p. 73. n. 248. S. 161. n. 15. 

Die Stacheln , welche vom Kopfe an , bis zur Hälfte der Seitenlinie auf der Ober- 
fläche befindlich find, geben diefem Fifch ein unterfcheidendes Merkmal. In der Kiemen- 
haut befinden fich fechs, in der BruflflofTe eilf, in der BauchflofTe fechs, in der AfterflofTe 
vier und vierzig, in der SchwanzflofTe fechszehn, und in der Rückenfloffe neun und 
fünfzig Strahlen. 

Aufser dem Kopfe und der Seitenlinie ifl auch der Grund der Strahlen in der 
Rücken - und AfterflofTe mit knöchernen Erhöhungen, auf welchen viele Stacheln fitzen, 
verfehen: der übrige Theil des Körpers hingegen ifl auf der Oberfläche glatt. Auf der un- 
tern Seite habe ich, aufser an dem Rande, nur einige wenige Stacheln am Kopfe bemerken 
können. Die obere Seite ifl grau und gelb marmorirt, die untere hingegen weifs. Der 

a) Nat. Gefeh. von Liefl. p. 117. n. 206. 

H 



58 Zweeter Abfchnitt. Von den Schollen insbesondere. 

Rumpf ift, fo wie der Kopf, länglicht, der Unterkiefer vor dem obern hervorflehend, und 
beide Kiefern find mit kleinen Zähnen bewafnet. Die Augen find klein, flehen dichte bei- 
fammen, und haben einen grüngelblichen Stern in einem weisbraunen Ringe. Beide Seiten 
find mit kleinen dünnen Schuppen bedeckt , und die Seitenlinie hat eine beinahe gerade Rieh- 
tung. Die Flößen find von gelblicher Farbe, und braun gefleckt, im übrigen aber, wie bei 
der Scholle befchaffen ; auch ift diefer Fifch neben dem After mit einer Stachel verfehen. 

Wir treffen den Stachelflunder häufig in der Nord - und Oftfee an. Er wird auf 
eben die Art, wie die übrigen diefes Gefchlechts, gefangen und zur Speife zubereitet. 
Sein Fleifch ift wohlfchmeckend, und etwas härter als das Fleifeh des Flunders. In An- 
fehung der Laichzeit und der BefchafFenheit feiner innern Theilc , weicht er von den übri- 
gen feines Gefchlechts nicht ab; ob er aber die Gröfse einer Scholle erreiche, kann ich 
nicht beflimmen: .diejenigen, welche mir zu Geficht gekommen, waren nicht über 
einen Fufs lang. 

Der Stachelflunder wird an den mehreften Orten mit dem eigentlichen Flunder für 
einerley Fifch gehalten. In Liefland unterfcheidet man ihn genauer, wo er unter dem Na- 
men Stachelbutt bekannt ift. Die Letten nennen ihn Akte und Grabbe ; in Danzig wird er 
Theerbott und in Hamburg Struffbutt , und wegen feiner Augen auf der linken Seite, um 
ihn von dem Flunder zu unterfcheiden , auch verkehrter Eibbutt genannt. 

Die altern Ichthyologen haben diefen Fifch ebenfalls von dem Flunder nicht zu un- 
terfcheiden gewufst. Artedi machte zuerft eine eigene Art daraus , er führt aber die Schrift- 
fteller, welche vom Steinbutt handeln, unrichtig zu diefem Fifch an a) ; denn die krumme 
Seitenlinie nach dem Bellon b), dafs grofse Gewicht, welches ihm Rändelet giebt, und die 
vielen Erhabenheiten, welche in den Zeichnungen vorgeftellet find, beweifen zur Genüge, 
dafs jene Schrifcfteller den Steinbutt und nicht unfern befchrieben haben. Gronov hält den 
Rhombus maximus des Klein, welches unfer Fifch ift, unrichtig für eine Nebenart c) vom 
Flunder d), da diefer rechts- jener aber linksäugigt ift, und folglich alle Theile diefer Fifche 



a) Gen. p.iß. n. to. Syn. p. 32. n.6. c) Zooph. p.73. n. 248« 

b) Aquat. p. 139. d) De Pifc. P. I. p. 311. 



Zweeter Abfclmiiik Von den Schollen inslefondere. 55 

gegen den Kopf in einen umgekehrten Verhältnifs flehen, nach welchem fie, beim Schwim- 
men, eine entgegengefetzte Richtung nehmen müfsen. Hierzu kommt noch, dafs der 
Flunder am ganzen Körper, diefer aber nur an dem Kopfe, der Seitenlinie und den 
Rändern mit Stacheln befetzt ift. Endlich erfcheinen auf jenem zweyerley Arten Stacheln, 
nemlich krumme und gerade, auf diefem aber allein gerade; des flärkeren Fleifches und der 
helleren Farben nicht zu gedenken, welche diefer vor jenem voraus zu haben fcheinet, da 
diefer Unterfchied vom Waffer, der Nahrung und andern zufälligen Urfachen herrühren 
kann. Aus eben diefem Grunde kann ich dem Herrn Pennant nicht beipflichten , wenn er 
aus dem Flunder und dem Pafler des Ritters, oder unfermFifch, nur eine Species macht z) % 
und läfTet fich die vom Klein b) und Gronov c) aufgeworfene Frage : ob die zehnte Spe- 
cies des Artedi und der Pafler des Linne mit dem dritten Rhombus des Klein einerlejr 
Fifch fey? mit ja beantworten. 

XL GESCHLECHT. 

Die Baarfche. 
ERSTER ABSCHNITT. 

Von den Baarfchen überhaupt. 
Uer Körper mit harten rauhen Schuppen bedeckt; der Kiemendeckel fageförmig. 
Perca fqaamis duris afperisque , operculis ferratis. 

Perca, Linn. S. N. gen. 163. p. 48*. Perch. Penn. Britt. Zool. III. p. 254. g. 24. 

— Art. gen. p. 39. Syn. p. 66. La perche. Gotian. Hift. de PoüT. gen. 16. 

— Gronov. Muf. I. p. 41. Muf. II. p. 33. p. 104. 141. 

Zooph. p.8ö. Bärfchinge. Müller. L.S. 4terTheil. S.saz. 

- — Klein. Miff. Pifc. V. p. 35. §. 25. Fifchers Liefland. S. 117. 

H 2 

a) Britt. Zool. III. p. 200. c) A. a. Orte, 

b) Miff. Pifc. IV. p-35- 



C%. ~. Erßcr Abfchnitt. Von den Baarfchen überhaupt. 

Die zu diefem Gefchlechte gehörige Fifche erkennet man an dein gezäbneten oder 
"fegeförmigen Kiemendeckel, und den harten und rauhen Schuppen. Sie haben einen! ge- 
treckten anöden Seiten zufammengedruckten Körper, welcher mit harten, dicht über ein- 
ander liegenden rundlichen Schuppen, die in abwechfelnden Farben fchon glänzen, bedeckt 
ift. Der Kopf ift von mittlerer Gröfse, die Mundöfnung weit, und von den mit fpitzen 
und gekrümmten Zähnen bewafneten Kinnladen , flehet gewöhnlich eine hervor. Die 
Zunge ift kurz und beweglich und der Gaumen mit rauhen Knochen befetzt ; die Augen find 
grofs und flehen gewöhnlich nahe am Scheitel. Die Nafenlöcher find doppelt und durch 
eine Zwifchenhaut getheilt. Die Kiemendeckel beliehen aus drei harten Plättchen, davon 
die oberfle gezähnelt ift; die Kiemenöfnung ift grofs, und die" Kiemenhaut mit fieben Strah- 
len verfehen. Der Rücken bildet mit der Seitenlinie einen kleinen Bogen, und läuft letztere 
mit erfterem parallel. Der After fitzt dem Schwänze näher, als dem Kopfe. Einige diefer 
Fifche haben acht Flößen, wovon zwo am Rücken, zwo an der Bruft, eben fo viel am 
Bauche, eine am After und eine am Schwänze fitzen: bei andern zählt man nur fieben, 
weil beide Rückenfloffen zufammengewachfen find. Die erfle Rückenfiofle ift mit harten, 
und die übrigen find mit weichen Strahlen verfehen. Die Baarfcharten leben theils im füs- 
fen, theils im falzigen Waffer, und zwar insgefamt vom Raube. 

Den Griechen und Römern waren nur der Flufsbaarfch a) , der Lachsbaarfch b) , 
der Seebaarfch c) bekannt. Brilon befchrieb zuerft den Kaulbaarfch d), Rändelet den Zin- 
gel e), Gesner den Zander f), und Wülughby den Schraetfer g). Diefe fieben Arten , welche 
bei den altern Ichthyologen zerftreuet vorkommen, brachte Artedi unter ein Gefchlecht 
bsifammen. Hierauf machte uns Marggraf mit einem h), Seba mit drey i), Catesby mit 
acht k), Garden mit fünf l) amerikanifchen bekannt. Haj[elquiß lehrte uns drey afrika- 

a) Perca fluviatilis. L. i) Perca nobilis. P.polymna.P.diagramma.L. 

k) — alburnus. P. undulata. P. chryfo- 
ptera, P. punctata. P. venenofa. P. 
melanura. P. feetatrix. P. for- 
mofa. L. 
I) — pun&atus. P. ocellata. P.philadel- 
phica. P. atraria. P. trifurca. L. 



b) - 


— labrax. L. 


c) - 


— marina. L. 


d) - 


— cernua, L. 


e) - 


- afper. L. 


f) - 


- Iucio - perca. 


s) - 


— Schraetfer. L. 


10 - 


- guttata. L. 



Erfier Abfchnitt. Von den Baarfchen überhaupt, 6l 

nifche a) und Linne fünf amerikanifche b), drey aus Oftindien c), und eine aus dem mit- 
telländifchen Meere d) kennen} von den übrigen beiden, welche er noch anführt e), ift 
ihm der Geburtsort unbekannt geblieben. Nicht lange nachherogab uns Forskaöl, die vier 
Nebengattungen ungerechnet, neun Arten f ), welche er auf feiner Reife bemerket hat. Osbeck 
führt zwey chinefifche an g), und Herr Profeffor BrUnniche eben fo viel aus dem mittel- 
ländifchen Meere h); fo dafs wir überhaupt vierzig Arten haben, und da über diefes der 
Pater Pltimier uns mehrere Zeichnungen von Fifchen hinterlaffen hat , die hieher gehören ; 
fo mögte man wohl bei einer genauen Vergleichung noch eine oder die andere neue Art 
darunter entdecken. Auch diefes giebt einen Beweis ab, wie grofs die Fortfchritle der 
Gelehrten in der Naturgefehichte in den neuern Zeiten gewefen ; da dem grofsem Artedi 
nicht mehr als fieben Arten bekannt waren. 

Um das zahlreiche Gefchlecht diefer Fifche von einander unterfcheiden zu können, 
ordnete fie der Ritter in zwo Abtheilungen, nemlich in folche, deren Rücken mit zwo 
Floffen, und folche, deren Rücken nur mit einer Floffe verfehen ift, und von welchen die 
letzten entweder eine gerade oder gabelförmige Schwanzfloffe haben. Da indeffen unfere 
deutfche Gewäffere nur fechs Arten enthalten; fo bedürfen wir diefer Abtheilung nicht, um 
fo weniger, da ich aller angewandten Mühe ohngeachtet, bis jetzt nicht im Stande bin 
mehr als drey zu liefern : jedoch werde ich die übrigen am Ende diefes Theils nachholen. 

3 



a) Reife nach Paleftina. Perca aegyptiaca. e) P. fcriba. P. lineata. 

5». 401. P. luth. p.4.02. P. nilöthica. p.404. f) P.lophar.P.rogaa.P.iunaria.P.tauvina.P.faf- 

b) Perca palpebrofa. P. Vittaca. P. ftriata. ciata. P. louti. P. miniata. P. fummana. P. lineata. 
P. argentea. g) Reifen nach China. S. 335. P. chinenfis. 

c) Perca cottoides. P. ffigma. P. Radula. L. p. 388. P- adcenfionis. 

d) — Cabriila. h) Pifc.Maff.p.62. P.puffilla, p.65. P.Gigas. 



6z Zweter Abfchnitt. Von den Baarfchen indefondere. 

ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Baarfchen insbesondere. 

DER ZANDER. 
Lifte Taf. 
=== ~~ ===: V ierzehn Strahlen in der Afterflofle. K. 7. Br. 15. B. 7. A. 14. S. 22. R. 14. 23. 
Zander. Perca pinna ani radiis quatuordeeim. B. VII. P. XV. V. VII. A. XIV. CXXIL 

D. XIV. XXIII. 



Perca, lucio, perca, pinnis dorfalibus, diftin&is: 
feeunda radiis. 23. Lim. S. N. 
p. 481. n. 2. 

— — Müller. Prodr. p. 46. n. 391. 

— — Pontopp. Dä'nn. S. 188' Tab. 15. 

— pallide maculofa, duobus dentibus maxil- 

laribus utrinque rnajoribus. Art. gen. 
p.39. n.2. Syn. p.67. n. 2. Spec. p.76. 

— Dorfo dipterigio: capite laevi alepidoto: 

dentibus maxillaribus duobus, utrinque 
rnajoribus. Gron. Zooph. p.91. n.299. 

— buccis craffis; carnofis (fegmenti globi 

forma) pinnis ventralibus duabus ; totus 
ex cinereo argenteus ; pinnis dorfalibus 
maculofis, capite magis produ&o ; den- 
tibus caninis in utraque mandibularum 
extremitate, fuperiore paula longiorej 
iride aurea, linea laterali fubnigra. Klein. 
Miff. P.V. p.36. n.2. Tab. 7. Fig. 3. 



Schilus vel nagemulus. Gesn. paralipom. p.28. 

— — — Aldrov. de Pifc. p. 667. 

— — — Charlet.Onom.^.i6^.n.u. 

— gfonfi. de Pifc. p.174. Tab. 30. Fig. 15. 
-<— Ruyfch. Thef. Anim. p. 121. Tab.30. Fig.is. 

Lucio -perca. Schonev. Ichth. p. 43. 

— — militghb. Ichth. p. 293. Tab. S. 14. 

— — Ray. Synopf. Pifc. p. 98. n. 24. 

— — ÄÄ^ra^/Theriotroph.Siief.p.433. 
_: — itfa?yZ/.Dan.IV.p.69.Tab.22.Fig.2. 

— — Wulff. Ichth. p. 27. n. 34. 
Schill, Nagmaul. Gw».Thierb. S.iyö.b. 
Schiel. Kramer. Elench. p. 385. n. 2. 

Xant, Zander, Sandbaars. Richter. Ichth. p.760.' 
Der Sander. Flemming. Jägerbuch, S. 445. 
Seebaars. Döbels Jägerpraft. S. 67. 
Sandart, Sander. Fifcher. Liefl. p.ir7. n. 208. 
Zander. Schriften der Gefellfch. Naturforfch. Fr. 

i.B. S.28t. 
Sandbaarfch. Müller. L. S. 4ter Theil. S. 225. 



Die achtzehn Strahlen in der AfterflofTe geben ein Kennzeichen ab, den Zunder von 
den übrigen Baarfcharten der deutfehen Gewäfler hinlänglich zu unterfcheiden. In der Kie- 
menhaut befinden fich. fieben, in der BruftfloÜe fünfzehn, in der BauchüoiTe fieben, in der 



Zweier Abfchnitt. Von den Baarfchen insbefondere. 63 

SchwanzflofTe zwey und zwanzig, in der erflen RückenflofTe vierzehn, und in der zwoten 
drey und zwanzig Strahlen. 

Diefer Fifch ift wegen feines gefleckten Körpers, und der Aarken Zahne dem 
Hechte : in Anfehung der harten Schuppen und der fchwarzen Streifen aber den Baarfcbe 
ähnlich; daher er von den lateinischen Schriftfiellern Lucio -perca ( Hechtbaarfch ) genannt 
wird. Sein Kopf ifl länglicht, fchuppenlos und läuft in eine flumpfe Spitze aus ; die Mund- 
öfnung ift weit. Die Kinnladen, von welchen die obere etwas hervor flehet, find mit vierzig, 
theils gröfsern, theils kleinem Zähnen bewafnet; die Augen haben einen fchwarzblauen Stern, 
und einen braunrothen Ring um denfelben. Als etwas befonderes verdient angemerkt zu wer- 
den , dafs die Augen diefes Fifches ganz neblicht erfcheinen , als ob fie mit dem Staar be- 
haftet wären. Die Backen find fehr dick , und auf denfelben fpielet eine grüne und rothe 
Farbe durch einander. Der Rücken ifl rund, mit Flecken von einer Farbe, fo aus fchwarz- 
blau und roth gemifcht ift , welche verwifcht fcheinen , befezt. Die Seiten find Silberfarben 
und der Bauch weifs ; die BruftflofTe ift gelblich , und die übrigen FlofTen weifslich. Die 
SchwanzflofTe ift gabelförmig, und eine jede der RückenflofTen fchwarz gefleckt; die Strah- 
len in der erflen RückenfiofTe find hart, die in der zwoten weich, und in beiden einfach, 
in den übrigen FlofTen aber vielzweigigt. 

Diefer beliebte Fifch ifl den GewäfTern Deutfchlandes vorzüglich eigen, und wie er 
ein reines und tiefes WafTer verlangt, fo findet man ihn auch nur in folchen Seen, die tief 
find , einen fandigten oder merglichten Grund haben, und mit einem fliefsenden WafTer in 
Verbindung flehen. Er erreicht eine anfehnliche Gröfse, und findet man ihn zu Zeiten von 
.drey bis vier Fufs lang; die Donau liefert welche von zwanzig Pfunden a), und ich fahe 
einen von zwey und zwanzig Pfunden, welcher aus dem Schwulowfchen See, auf den gräf> 
lieh Podewilsfchen Gütern in Sachfen, hergebracht worden. Er ifl ein Raubfifch, hält ficht 
gewöhnlich in der Tiefe auf, und gedeihet vorzüglich in folchen Seen , in welchen Stinte 
vorhanden find, derer er fich um fo leichter bemächtigen kann, da fie fich ebenfalls im 
Grunde aufzuhalten pflegen, und er wächfl bei guter Nahrung fafl eben fo fchnell, wie 

a) MarfiU Danub. IV. p. 6p. 



64 Zwceter Abfchnitt. Von den Baatftkcii insbefondere. 

der Hecht. Man findet auch unter ihnen gebrechliche, wie ich denn einen dergleichen 
aufbewahre, deffen Rückgrad eine gefchlängelte Geftalt hat. Seine Feinde find, fo lange 
ee noch jung ift, der Baarfch, Hecht, Wels und einige Taucherarten: auch freflen fie fich 
unter einander felbft auf. Zur Laichzeit, welche in das Ende des Aprils und den An- 
fang des Maies fällt, kömmt er aus der Tiefe hervor, und fetzet feine Eier an Reifig, Stei- 
nen, oder andere harte Körper an, die er an dem Vorlande findet. In einem Zander, 
welcher drey Pfund fchwer war, wog der Rogen am Ende des Decembers neun und drei 
Viertheil Loth ; die Eier waren fehr klein , und der vier und fechszigfte Theil eines Loths 
enthielt 610 derfelben : mithin waren im ganzen 380,640 Eier. Diefer Harken Anzahl ohn- 
erachtet, findet man doch nicht, dafs diefe Fifche fich ftark vermehren, welches ohnflreitig 
daher rühret, weil fie fich einestheils einander felbft verzehren, und anderntheils deshalb 
leicht in die Hände der Fifcher gerathen , weil fie bei dem Fortpflanzungsgefchäfte überaus 
dreift und unvorfichtig find. Sie haben ein weichliches Leben, und flehen aufser dem 
Wafler und bei warmer Witterung, in einem mit Wafler angefüllten Gefäfse leicht ab. 
Wenn man fie verfetzen will , fo mufs man ihrer nicht zu viel in ein Gefäfs bringen , das 
Walter mit dem Wagen nicht lange flille flehen laflen, und zu ihrer Fortfchaftung eine 
kalte Witterung wählen. Alle diefe mit Koften verbundene Umflände kann man indefien 
vermeiden, wenn man fich zum Verfetzen diefes Fifches feiner befruchteten Eier bedienet: 
man darf nur, zu diefem Ende, während der Laichzeit das Reifig, woran die Eier befind- 
lich find, auffuchen, folche in ein mit wenig Wafler angefülltes Gefäfs thun, und fie in 
die Seen , welche man damit bevölkern will , einfetzen. Weil ich in der Nähe keinen See 
habe, welcher Zander führet; fo habe ich keine Verfuche damit anflellen können: da es 
mir indeflen diefes Jahr geglückt ift, Rogen von dem Kaarfche, welcher feine Eier eben fo 
wie der Zander, am Reifig abfetzt, auszubrüten; fo ift es fehr wahrfcheinlich , dafs fick 
auch diefer Fifch auf diefe Weife fortpflanzen lafle: man mufs aber, wenn er gedeihen foll, 
für hinlängliche Nahrung forgen , und können daher die wenig geachteten Weifsfifche , als 
die PJözen, Rothaugen und Uekeley, zugleich mit eingefetzet werden: am beften fchicket 
fich hierzu der Stint und Gründling. 



Ziveeter Abschnitt. Van den Ba.irfchen imbefondere. 65 

Diefer Fifch wird mit mancherley Arten von Fifchcrzeugen gefangen, als mit dem 
Garne, Netze, der Kabbe, Angel und Grundfchnur. Öhncrachtet er an Gefräfsigkek dem 
Hechte nicht viel nachgiebt ; fo frifst er doch nicht wie diefer in der Gefangenfchaft : rnaa 
mufs ihn daher , wenn er von feinem guten Gefchmack nichts verlieren foll , nicht lange in 
Fifchbehältern fitzen laflen. Er hat ein weifses, wohifchmeckendes , weiches und leicht zu 
verdauendes Fleifch, und gewährt dahero, zumalen wenn er nicht zu alt ifl, felbfl 
fchwächlichen Perfonen eine gefunde Speife: am beflen und fetteflen ifl er im Herbft, und 
im Frühjahr vor der LRichzeir. 

Der Zander wird aus unfern Gegenden und aus Preufsen als ein LeckerbifTen in an- 
dere Länder, fowol frifch als eingefalzen, weit und breit verfchickt; im erflern Fall wird 
der Schwanz durchgeflogen, und nachdem der Fifch gehörig ausgeblutet hat, in Schnee 
oder Gras, im letztern aber in Tonnen gepackt. Gewöhnlich kocht man ihn aus Salz- 
wafTer, und geniefset ihn alsdenn mit brauner Butter, Weineflig und Peterfilie, oder auch 
mit einer Senf- oder Sardellenbrühe: fonfl wird er auch wie der Hecht mit einer Butter- 
brühe oder mit Milch zurechte gemacht. Gebraten aber giebt er, wegen feines weichlichen 
Fleifches, keine fchmackhafte Speife; dagegen verzehren ihn einige roh, und wird derfelbe 
alsdenn, wenn er zuvor abgefchuppet, von Gräten gefäubert, und klein gehackt ifl, ein- 
gefalzen, und nach Verlauf einer Stunde mit Provenceröl, Kapern und Pfeffer gegefTen. 
Geräuchert fchätzet m2n ihn dem Schnäpel gleich, und verzehret ihn wie diefen mit märki- 
fchen Rüben. 

Der Schlund i(l weit und mit flarken Falten verfehen; der Magen bildet einen Sack, 
an deffen obern Ende der Darmkanal anfängt. Diefer hat fechs Anhängfei und zwo Beugun- 
gen, und ifl nicht fo lang als der Fifch felbfl. Die Leber ifl grofs, röthlicht, und beflehet 
aus drei zugefpitzten Lappen. Die Gallenblafe ifl ebenfalls grofs, gelb und durchfichtig. 
Die Milz ifl dunkelroth und bildet ein länglichtes Dreieck; die Sclwimmblafe liegt längs 
dem Rücken, und beflehet aus flarken Häuten, hinter ihr flehet man die grofsen Blutge- 
fäfse, welche ein hellrothes Blut enthalten. Der Milch ifl eben fo wie die Eierflocke dop- 
pelt und letztere find rund. Auf jeder Seite find zwanzig Ribben und im Rückgrade fechs 
and vierzig Wirbelbeine befindlich? 



6$ Ztoeeter Abfchnitt. Von den Baarfchen insbesondere. 

In hiefiger Gegend heifst diefer Fifch Zander ; in Pommern Xant, Zander, Sand- 
iaarfch; in Mecklenburg, Preufsen und dem HoMeinifchen Sandart; in Schießen Zant und 
Zahnt; in Ungarn Schmal und Sj/llo; in Liefland Sandat, Sander, von den Letten Sandati , 
auchStahrks und von den Engländern Kahha; in Rufsland Sudacki; in Pohlen Sedax; in Oe- 
fterreich Schiel ; in Bayern Nagmaul und Schindel ; in Dännemark Santort und in Schweden 
und in Norwegen G%>/. 



2. Der 

Baarfch. 



Lllfte Taf. 

Eilf Strahlen in der Afterfloffe. K. 7. Br. 14. B. 5. S. 25. R. 15. 14, 
Vena, piuna ani radiis undecim. B. VIT. P. XIV. V. V. C.XXV D. XV. XIV. 



Perca fluviatilis, pinnis dorfalibus diftin&is: fe- 
cunda radiis XVI. Linn. S. N. 
p. 48t. n. 1. 

— — MUller. Prodr. p. 46. n. 388- 
~— lineis utrinque fex transverfis nigris, pin- 
nis ventralibus rubris. Artcd. gen. p. 39. 
n. 1. Syn. p. 66. n. 1. Spec. p.74. 

— dorfo dipterygio, lineis utrinque fex trans- 

verfis nigris : capite laevi : operculis mo- 
nacanthis fquamofis. Grow.Muf.I. p.42. 
n. 96. Zoopbu p. 91. n. 301. 
— - pinnis ventralibus duabus ; areolis nigri- 
cantibus a dorfo in ventrem defcentibusj 
iride flava; pinnis caudaque divifa rubi- 
cundis. Klein. Miff. Pifc.V. p.30. n. 1. 
Tab.VIbFig.2. 

H'n.£2xn- Arifl. Hift. Anim. Lib. 6. c. 16. 

Perca. Rondel. de Tifc. P. II. p. 196. 
— - Plin. Hift. Nat. Lib. 9. c. 16. 

— fluviatilis. Salv. Aquat. p. 224. b. 226. 



Perca fluviatilis. Gesn. Aquat. p. 689. Icon. Anim. 
p. 302. Thierb. p. 163. b. 

— — Wulff. Ichth. p. 27. n.33. 

— major. gf on fl- & Pifc« p. 156. Tab.29. Fig.g. 

— — Ruyfch. Thef. Anim. p. 107. Tab.28 

und 29. Fig. 8. 

— — Schwenchf. Theriotr. Silef. p. 440. 

— — Schoner. Ichth. p.55. 
Une Perche. Bellon. Aquat. p. 295. 
The Perch. Penn. Britt. Zool.IlI. p.254. 
Aborre. Pontopp. Norw. 2. Theil. S. 205. 
Bürftel. Schäfer. Pifc. Ratisbon. p. 1. Tab. 1. 
Perfchling, Waarfchieger. Kram. Elench.p.384. 
Baarfch, Flufsbaarfch. Fifcher.Ueü. S. 117. n. 207. 
Stockbaarfch, Dobels Jägerpraft. 4. Theil. S. 71. 
Baarfch. Richter. Ichthyol. S. 773. 

Perfche:" Flemming. Jägerbuch. S. 541. 
Barftfing, Berfchling. Marfili. Dannb.IV. p. 65. 

Tab. 23. Fig. 2. 
Flufsbaarfch. Müller. L. S. 4. Theil. S. 223. 



Zivtcter Abfchnitt. Von den Baatfckn msbeßmdere'. Cj 

Die eilf Strahlen in der AfterflofTe, wovon die beiden erflen hart find, gehen ein 
ficheres Kennzeichen ab , diefen Fifch von den übrigen deutfehen Baarfcharten zu unterfchei- 
den. In der Kiemenhaut find lieben, in der Bruflfloffe vierzehn, in der Bauchfloffe fünf, 
in der SchwanzflofTe fünf und zwanzig , in der erflen Rückenfloffe fünfzehn und in der zwo- 
ten vierzehn Strahlen befindlich. 

Der Baarfch ifl unter unfern Landesfifchen , befonders wenn er im klaren Waffer 
fleh aufhält, einer der fchönften. Auf feinem Körper glänzt eine grüngelbe Gold- 
färbe , welche durch fchwarze Querflreifen unterbrochen wird , und diefe Schönheit wird 
durch die angenehme Röthe der Flößen noch mehr erhöhet. Die Mundöfnung ifl weit, 
beide Kinnladen find gleich lang, und mit kleinen fpitzen Zähnen befetzt; der Gaumen 
ifl an drey verfchiedenen Stellen und der Schlund an vieren mit vielen kleinen Zähnen be- 
fetzt. Die Zunge ifl kurz und glatt ; die Nafenlö:her find doppelt und flehen nicht weit 
Yon den Augen ; vor den Nafenlöchern bemerkt man vier kleine Oefnungen, deren Nutzen 
mir noch unbekannt ifl. Die Augen find grofs, und haben einen fchwarzen Stern, in 
einem bläulichten Ring, der inwendig mit einer gelben EinfafTung verfehen ifl. Der Kie- 
mendeckel ifl mit fehr kleinen Schuppen belegt ; das obere Blättchen ifl nach der Kehle zu 
fägeförmig , und nach dem Leibe zu mit verfchiedenen Spitzen verfehen. Die Kiemen öf- 
nung ifl weit, der Rücken rund, an jeder Seite find fechs, und bei alten Fifchen mehrere 
fchwarze, theils längere theils kürzere, Querftreifen fichtbar. Die harten Schuppen fitzen 
in der Haut fehr fefl. Der Bauch ifl breit und weifs ; der After flehet der Schwanzfloffe 
näher als dem Kopfe. Von den Floffen find die an der Brufl röthlich, die am Bauche, After 
und Schwänze hochroth, und die beiden RückenflofTen violet. Die erflere hat am Ende einen 
fchwarzen Fleck, und harte, die übrigen aber haben weiche Strahlen , welche in beiden Rücken- 
flofTen ungetheilt , in den übrigen Flogen aber die Strahlen vielzweigigt find. 

Da diefer Fifch fafl in ganz Europa zu Haufe ifl ; fo war er auch den Griechen und 
Römern bekannt. Er lebt in füfsem, fowol flehendem als ßiefsendem "Waffer und erreicht 
bei uns die Gröfse von ein bis zwey Fufs, und ein Gewicht von drey bis vier Pfunden : in 
Lappland und Siberien hingegen trifft man fie von ungewöhnlicher Gröfse an a). Wie 

I a 

a) Gmeiin Reife beim Richter. S. 78*- 



68 Zwceta- Abfchnitt. Von dm Baarfchen insbtfondgrc. 

dann die Lappländer einen aufgetrockneten Kopf in einer ihrer Kirchen aufbewahren, 
der beinahe einen Fufs lang ift a) , und in England ift ein neun Pfund fchwerer gefangen 
worden b). 

Die Laichzeit diefes Fifches fällt in flachen Seen im April , und in den tiefen im 
Maimonath, und ift die Art und Weife, wie er fleh von feinen Eiern entledigt, merkwür- 
dig. Er fuchet nemlich ein fpitziges Holz, oder andere dergleichen Körper auf, an welchen 
er fleh mit dem Nabelloche reibet, und folchergeftalt den Eierfack herauspreßt ; fobald er 
nun fühlet, dafs diefer fleh daran befefiiget hat; fo fchkfset er davon, und beweget fich 
fchlanggnförmig in verfchiedenen Richtungen hin und her, bis er alle Eier, die in einer 
gemeinloiaftlichcn netzförmigen Haut eingcfchloffen find, von fich gegeben hat. Diefe 
Haut, welche gleichfam einen durchlöcherten Darm bildet, ift zween Zoll breit, und zwo 
bis drey Ellen lang. Wenn man diefes netzförmige Gewebe mit einem Suchglafe betrach- 
tet; io findet man jederzeit vier bis fünf durch eine rauhe Haut verbundene Eier beifammen ; 
wie nun an der Stelle, wo diefe Eier zufammenftofTen , die Haut einen Winkel bildet; fo 
fcheinet es, als wären diefe Eier vier- oder fechseckigt c). Man kann auch in der Mitte 
eines jeden Eies, ein klares Bläschen, um denfelben den Dotter, und um diefen das Weifse 
erkennen. Bey einem zwei und dreiviertel Pfund fchweren Baarfch enthielt, nach genauer 
Zählung eines Sech$zehntheils von einem Loth, der ganze vierzehn Loth fchwere Rogen 
268)800 Eier. Nach Harmers Berechnung, hat ein Baarfch von einem halben Pfunde 281000 
Eier gehabt d). Eine ungeheure Anzahl von Eiern für eine einzige Bruth , allein diefe ift 
au:h zur Erhaltung feiner Art nothwendig, weil der Baarfch nicht nur, fo lange er noch 
klein ift, ein Raub vieler andern WafFerbewohner wird, fondern auch öfters der ganze Eicr- 
fchlauch mit einemmale verloren gehet, indem er theils vom Aale und den WafTerenten 
ganz verfchlucket , theils beim Sturm von den Wellen ans Land geworfen wird. Hierzu 
kommt noch, dafs der Milcher nie alle Eier befruchten kann : denn der Schlauch hat meh 
rere Falten, die durch die Bewegung des Baarfches beim Laichen entflehen, welche ver- 



a) Scheffer. Lappon. p. 354. c) Siehe Tab. ip. Fig. 17. 18. 

b) Penn. Britt. Zool.IIL p. 255. d) Krikdtz Encyklop. XIII. Th. S. 448. 



Ziveeter Abfchnitt. Von den Baarfchen insbefoncUre. 69 

mittelft des iie umgebenden zähen Saftes an einander kleben , und alfo die unteren unbe- 
fruchtet bleiben müfsen. Der Baarfch laicht wie der Hecht, bereits im dritten Jahre, und 
gehet um diefe Zeit, wenn er Gelegenheit dazu hat, aus den Seen in die Bäche und Flüfse. 
Er fchwimmt fo fchnell wie der Hecht , und hält im Wafler eine gewifle Höhe ; wenn 
man daher bei der Fifcherey mit der Angel glücklich feyn will ; fo mufs man auf diefen 
Umftand Rückficht nehmen. Er gehört übrigens zu den Raubfifchen : weil er aber niemals 
eine beträchtliche Gröfse erreicht ; fo wagt er fich nicht an grofse Fifche , fondern fucht die 
kleinen Fifcharten und die Bruth der grofsen auf. Bei warmer Witterung kömmt er auch 
an die Oberfläche, Mücken zu erhafchert. Er fchont eben fo wenig, wie der Hecht, feine 
eigene Gattung, ift aber bei feinem Raube nicht fo vorfichtig, wie jener. Der Hecht hafcht 
nur, aus Mangel anderer Nahrung, den Baarfch und Kaulbaarfch, weil er fich vor ihren 
{lachlichten Schuppen fürchtet ; an den Stichling aber a) vergreift er fich nie : der gierige 
Baarfch hingegen, der nach allem, was er bezwingen kann, fchnappt, mufs zuweilen diefe 
Raubbegierde mit dem Leben büfsen; denn der Stichling, der fo wie alle übrige Fifche, fo 
bald er fich gefangen fieht, fich fträubt, bringt dadurch feine Stacheln in den Mund des 
Baarfches ; diefer kann denfelben nicht wieder verfchliefsen, und mufs daher mit der Beute 
im Munde verhungern. Geräth er nun in diefem Zuftand den Fifchern in die Netze, fo 
ziehen fie ihm den Stichling heraus, und werfen ihn alsdann, weil er fehr mager geworden 
ift, wieder ins WafTer; er verliert indeiTen die Fähigkeit , das Maul wieder zu verfchliefsen, 
denn wenn fie dergleichen Fifche wieder fangen, fo finden fie daffelbe allezeit offen. 

Der Baarfch wird auf mancherley Art gefangen, als mit der Angel, dem Netze, 
im Winter mit dem grofsen Garn, und in der Laichzeit mit einem befondern Netze, wel- 
ches unter dem Namen Baarfchnetz bekannt ift b). Mit der Angel läfst er fich am beften 
berücken , wenn ein kleiner Fifch , ein Regenwurm oder ein Krebsfufs daran jgeftochen ift. 
Ein Umftand ift bei feinem Fang mit dem Netze oder grofsen Garn befonders merkwürdig. 
So bald er hineingeräth , fo verfängt er fich, wie es die Fifcher nennen, das ift, er fchwimmt 

I 3 

a) Gafterofteus aciileatus. L. (b Siehe den erften Theil. S. 13. 



7ö Zweiter Atfihnitt. Von den Baarfchen insbefonäerc. 

auf dem Rücken und fcheinet todt zu feyn: jedoch erholt er fich bald wieder. Vermuthlich 
rührt diefes von der Erfchütterung her, die er leidet, indem er durch feinen fchnellen Schufs 
gegen das Netz fährt, als wodurch diefer Fifch in eine Betäubung gefetzet wird. Er ift auch 
einer befondern Krankheit, bei der Fifcherey unter dem Eife unterworfen, welche unter 
dem Namen der Windfucht'(tympanitis) bekannt ift. In diefem Zuftande ift der Leib auf- 
getrieben, und wenn er aus tiefen Seen gefifcht wird, fo tritt ihm auch eine keilförmige 
Blafe aus dem Munde hervor: wenn man ihn aber aus weniger tiefen Seen fängt, fo zeigt 
fich eine eben dergleichen Blafe am Nabel. Ich unterfuchte einige dergleichen Fifche, welche 
aus dem Maduifee, beim Maränenfang , mit aufgefifcht worden, und die hervorgetriebene 
Blafe war nichts anders, als die innere heraufgetriebene Haut des Mundes. Es ift daher das 
Vorgeben der Fifcher, dafs die Schwimmblafe hervortrete, unrichtig, weil diefe Fifche 
keine eigentliche Schwimmblafe, fondern ftatt derfelben, eine ausgefpannte Haut haben, 
welche von der einen bis zu der andern Seite der Ribben gehet. In der Streichzeit wird er 
auch mit Reufen, wenn die Kehlen mit Kiehntanger oder Heidekraut beilochen find, die 
er auffucht, um fich daran zu reiben, gefangen. Der Baarfch hat ein weifses, feiles, und 
wohlfchmeckendes Fleifch ; und da es nicht mit Fett durch webet ift, fo gewähret er auch 
kränklichen Perfonen eine gute Nahrung : daher auch der Bjarfch bereits bei den Römern 
in guter Achtung ftand a). 

Diefer Fifch wird mit einer Butterbrühe zubereitet: auch gebraten ift er von gutem 
Gefchmack, Die Holländer lieben ihn vorzüglich auf Butterbrodt, wenn er vorher aus 
Salzwafter und Peterfilie gekocht worden b). Sie finden den nicht fehr grofsen Milcher am 
wohlfchmeckendften. Sonß werden fie auch, nachdem fie vorher aus Salzwafler gekocht, 
mit einer Sardellen- Kapern- oder Zitronenbrühe genoflen, und auch noch auf mancherky 
Art zurechte gemacht, wovon Herr Dr. Krünitz umfiändlichere Nachricht ertheilt c). Ma- 



a) Daher Aufon Eleg. mofel. vers 115. von b) Diefes Gericht ift bei ihnen unter dem 

ihm fingt: Namen Waflerzoode bekannt. 

Nee fe delicias menfaram Perca filebo, c) Oekonom. Encyklop. 3. Theil. S. 565. ' 

Amnigeuos inter pifees dignatß marinis. 



Zweiter Abfchnitt. Von den Baarfcheu insbefondere. .71 

rlnirt ift er ebenfalls eine fehr angenehme Speife, wie nicht weniger, wenn er eingefal- 
len, geräuchert, und mit einer Butterbrühe zurechte gemacht wird/ 

Aus denBaarfchhäuten läfst fich auch ein Leim bereiten, der dieHaufenblafe an Fertigkeit 
weit übertrifft. Die Lappländer geben damit ihren Bogen, die fie aus Birken - und Dornholz zu- 
fammenleimen, eine grofse Dauerhaftigkeit. Da nun diefer Leim in manchen Fällen für die 
Ökonomie einen befondern Nutzen haben kann; fo wird es nicht undienlich feyn, deffen 
Bereitung hier mitzutheilen ; befonders da es Fälle giebt, wo der Barfch nicht verfilbert 
werden kann, als z. B. im Sommer, wenn der Ort des Fangs von grofsen Städten zu weit 
entfernt liegt, oder wenn das Gewitter in den See fchlägt, wovon fie erkranken, und bald 
nachher abfiehen. In beiden Fällen würde der Baarfch zum Leimmachen genutzt werden 
können. Die Lappländer bereiten ihn auf folgende Art : Sie ziehen die Haut von grofsen 
Bärfchen ab, trocknen fie nachher, und weichen fie fodann im kalten Waffer ein, fo dafs 
man die Schuppen abfchaben kann. Vier bis fünf Stücke diefer Baarfchhäute nehmen fie 
gemeiniglich zufammen, legen fie in eine Rennthierblafe, oder wickeln fie in weiche Bir- 
kenrinden ein, damit das Waffer fie nicht unmittelbar berühren könne. Diefe Fifchhäute 
legen fie in einen Topf mit kochendem Waffer, und einen Stein oben darauf, um fie auf 
dem Boden zu erhalten, und laffen felbige eine Stunde lang'fieden. Wenn fie nun erweicht 
und klebrig geworden find , fo nehmen fie diefelben heraus , und beflreichen damit die Höl- 
zer zu den Bögen. Durch eine geringe Veränderung würde man diefen Leim wie den 
«infrigen, leicht in Tafeln bereiten können a). 

Der Baarfch hat ein hartes Leben , läfst fich bei kühler Witterung im Gräfe einige Mei- 
len weit lebendig fortbringen, und kann daher zum Verfetzen verfahren werden: allein man 
mufs fich hüten, ihn bei andere Fifche zu bringen, weil er ihrer Bruthfo fehr nachtheilig 
ift; am bellen ifi es, wenn man ihn in ein eigenes Waffer bringt, und andere Fifche zum 
Unterhalt mit einfetzt. Auch kann die Verfetzung durch Eier gefchehen, wie ich damit 
diefes Jahr glückliche Verfuche gemacht habe. Denn, des kalten Märzes ohnerachtet, ge- 
lang es mir in meinem Zimmer Eier von diefem Fifch auszubrüten. Die Leber befiehet aus 

a) Abhandlung der Schwed. Akad. 1. B. S. 262. 



7* Zweeter Abfchnkt. Von den Bu,irfchen insbefondere. 

zween Lappen von verfchiedener Grüfse; die Galle ift gelb und durcbfichtig , der Milch 
ift doppelt, und der Rogen befteht aus einexn einzigen Sack ; die Eier find von der Gröfse 
des Mohnfaamens. Die Schwimmblafe befleht nicht, wie gewöhnlich, aus einem Schlauch, 
ibndern aus einer Haut, die quer über den Rückgrad gefpannt ift. Der Darmkanal hatte 
zwo Beugungen, drey Blinddärme und einen fackförmigen Magen. Die Blinddärme fitzen 
am Darm, in einer ziemlichen Entfernung vom Magen. Die Nieren liegen längs dem 
Rückgrad, die Harnblafe befteht aus einer dünnen Haut von einer cylindrifchen Geftalt. 
Auf jeder Seite find neunzehn Ribben und im Rückgrade neun und dreifsig Wirbel- 
beine befindlich. 

In der Mark wird diefer Fifch Baarfih und Stockbaarfch ; in Pommern Bars; in 
Preufsen Barfch und Perfekte; in Liefland Baars, bei den Letten Affäre, affaris , bei den 
Ehftländern Ahmen; in Pohlen Ovium ; in Oefterreich Berßling, Perfchling, Warfihieger ; 
in Bayern Bürßel; in einigen Provinzen Deutfchlandes Ringel -Petßig, Bunt - Baarfeh ; in 
Ungarn Wretenfa ; in der Schweitz die einjährigen Heuerling , die vom andern Jahr Eglc , 
vom dritten Stiehling, vom vierten und weiter Reeling und Bcrfich ; in Frankreich la Per che; 
in Italien Perfega; in Dännemark Ferfk ~ Vands - Aborre ; in Seh weden Aborre ; in Norwegen 
Tryde und Skibbo ; in Holland Baars; in England Perch und in Cumberknd befonders 
Baarfe genannt. 

Wenn Bellon der erften Rückenflofle nur zwölf ftaehlichte Strahlen und dem Darm- 
kanal nur zwey Anhängfei giebt a), fo wiederfpricht ihm meine Erfahrung. 

.Das Kennzeichen, welches Artedi von den fechs fchwarzen Streifen hernimmt, ift 
ünficher b) , indem nicht nur die Anzahl , fondern auch die Farbe derfelben veränderlich ift ; 
denn fo habe ich z. B. Baarfche mit dunkelgrünen, und wieder andere mit dunkelblauen, 
auch mit mehr und weniger als fechs, auch fogar einen ohne alle Streifen gefehen. Von 
den letztern thut nicht nur Richter Erwähnung c) , fondern Marfili hat auch eine 
Zeichnung d) Von einem dergleichen. Schäfer bemerkte an einem alten Baarfeh 



*) Aquat. p. 194. c) Ichth. p. 7^0. 

b) Gen. p. 39. d) Danub. TV. Tab. 23. f. 1. 



Ziveeter Ähfchnitt. Von den Baarfchen inshfondere. 73 

acht a), Gesner eben fo viel b), Gronov fechs bis neun c), Aldrovand d), Willv.ghby e) 
und Klein neun f), Blaßus g) und Jovfton h) zwölf, und />«;»««* vier Querfl reifen i). 

Klein macht aus dem Flufs-und Haffbaarfch k) nur eine Gattung 1), ob fie gleich 
fowol in Anfehung ihres Aufenthalts als der RückenflofTe verfchieden, und daher von den 
Schriftftellern als zwo befondere Gattungen betrachtet worden find. 

Wenn Zuckert fagt , dafs der Baarfch in der Laichzeit ungefund fey m) ; fo weifs ich 
nicht, worauf er feine Meinung gründet; es müfste denn etwa der Mangel des Fettes 
zu diefer Zeit ihn unverdaulich machen. 

Schwenckfeld macht ohne Grund mehrere Abänderungen vom Baarfch n) , wozu ihn 
zufällige Umftände veranlagen. So nennt er dengrofsen, Hauptbaarfch o); den, welcher 
fich unter den Wurzeln der Bäume verbirgt, Stockbaarfch p); den mit weifsen Streifen , Rin- 
gelbaarfch q); denjenigen, welcher fich in den Flüfsen aufhält, Flufsbaarfch r), fo wie den 
aus den Seen, Seebaarfch s), und ich kann eben fo wenig dem Ritter t) als dem Pennant u) 
beipflichten, wenn fie aus dem bucklichten, den jener in einem fchwedifchen, und diefer 
in einem englifchen See gefunden, eine befondere Abänderung machen, da die Verbeu- 
gung des Rückgrads bei ihnen , ohnfireitig aus einer zufälligen Urfach , die diefen Seen 
eigen ift, herrühren. 



a) Pifc. Ratisb. p. 13. 

b) Icon. Anim. p. 302. 

c) Zooph. p. 91. 

d) De Pifc. p. 622. 

e) Tab. 5. 13. f. r. 

f ) M. P. V. T. 7. f. 2. 

g) Anat. c. 52. f. 13. 
h) Tab. 29. f. 2. 

i) Britt. Z00L III. pl. 48. 

k) Perca marina. L. 



1) 1. c. p. 36. n. 1. 

m) Mater, aiiment. p. 269. 

n) „Theritroph. Silef. p. 44T. 

o) Perca maximus. 

p) P. truncalis. 

q) P. torquatus. 

r) P. fluviatilis. 

s) P. Lacuitris. 

t) Faun. Suec. 2. p. ng. n. 334. 

u) Britt. Z0.0I. III. p. 256. 



K 



74 Ziveeter Abfchnitt. Von den Baarfchen insbefonfore. 

DER KAULBAARSCH. 

LUIfte Taf. Fig. a. 

' Der Rücken mit einer FlolTe; der Kopf mit vielen Vertiefungen verfehen. 

3. Der Kaul- 
baarfch. In der K - 7- Br. *4- B. 6. A. 7. S. 17. R. 15. 12. 

Petra dorfo monopterigio , flaute cavemofo. Br. VII. P. XIV. V. VI. A. VII 

C. XVII. D. XV. XII. 



Perca cernua, pinnis dorfalibus , unitis radiis 27. 
fpinis 15. cauda bifida. Linn. S. N. 
p. 487- n. 30- 

— — Müller. Prodr. p. 46. n. 392. 

— dorfo monopterigio, capite cavernofo. 

Arted. gen. p. 40. n. 4. Syn. p.68. n.4. 
Spec. p. 8°. 

— dorfo monopterygio : capite fubcaver- 

nofo, alepidoto, aculeato: cauda lunu- 
lata: corpore maculofo. Gron. Zooph. 
p. 86. n. 288- Muf. I. p. 41. n. 94. 

Percis, pinnis fex: anteriore parte dorfalis 14. 
poft anum duabus fpinis rigidis fuffulta, 
tertia et quarta altiffimis ; poft finum ra- 
diis mollibus ; dorfo ex viride flavicante, 
ventre argenteo; toto corpore pinnis 
et cauda fubfufcis crebrisque maculis; 
operculis branchiarum denticulatis et 
crenatis ; fquamis rigidis ; cauda parum- 
per divifa. Klein. Miff. Pjfc. IV. p. 4°- 
n. 1. tab. 8- £ *• 2 \ 

Cernua. Bellon. Aquat. p. 291. 



Cernua. Wulff. Icbth. p. 28. n. 35. 

— fluviatilis. Gesn. Aquat. p. 19T. und 701. 

Icones Anim. p. 50. porcus 
fluviatilis. Thierb. S. 160. b. 
und Schroll Paralipom. p. 29. 

— — , Willughb. Icbth. p. 334. 

Tab. X. 14. Fig. 2. 

— — CÄar/e?. Onom.p.i58.n. 21. perca 

minor et Schrollus, p. iör. n.3.4 . 

— — Kay. Synopf. Pifc. p. 144. n. 10. 
Perca minor et Schrollus. Aldr.de Pifc. p.626.627. 

— fluviatilis minor, ^onfl. de Pifc. p. 157. 

— — — ify$</cA.Theatr.An.p.io8. 

— rotundus. Schwenckf. Theriotroph. p. 441. 
ThePvuffe. Penn. Britt. Zool. III. p.259. n. 127. 
Kullebaarfch. Poniopp. Nprw. 2. Theil. S. 245. 
Sluer, Stuerbarfs. Schonev. Ichth. p. 56. 
Pfaffenlaus. Marfil. Danub. IV. p. 67. Tab. 23. f. 2. 

— Rozwolf. Kramer. Elench. p.386. n.4. 

— Schroll. Schaff. Pifc. Ratisb. p. 39. 

Tab. 2. f. 1. 
Der Kaulbaarfch der deutfehen Schrifcfieller. 



Der Kaulbaarfch unterfcheidet fich von den übrigen feines Gefchlechts durch die 
einzige Rückennoue und die verfchiedenen Vertiefungen am Kopfe. In der Kiehmenhaut 
befinden fleh flehen, in der BruflfloiTe vierzehn, in der Bauchnoife fechs, in der Aftcrflofie 



Zweeter Abfchuitt. Von den Baarfchm insbeßmderc. 75 

fieben, in der SchwanzflofTe fiebenzehn, in der erften Rückenflofle fünfzehn und in der 
?woten zwölf Strahlen. 

Der Körper diefes Fifches ifl rundlicht und mit einem Schleim überzogen; der Kopf 
dick, und von oben nach unten etwas zufammengedrückt. Das Genick hat, fo wie der 
Rücken, eine fchwärzüche Farbe; die Augen find grofs, ihr Stern ift blau, und der diefen 
umgebende Ring braun, und mit einem gelben Fleck verfehen. Die Kinnladen find von 
gleicher Länge; die Mundöfnung ift mittelmäfsig grofs, und diefe fowol als der Gaumen 
und Schlund, find mit fehr kleinen fpitzen Zähnen befetzt. Die Grundfarbe der Seiten ift 
gelblicht, ins grüne und braune fchielend ; ob man gleich auch manchmal welche findet, 
die durchaus eine fchöne goldgelbe Farbe haben, daher fie Tragus mit dem Namen Gold- 
fifch beleget a). Sie find eben fo wie die Bruft - Rücken - und SchwanzflofTe mit fchwar- 
zen Flecken gezieret. Der Bauch ift breit, und der After der SchwanzflofTe näher, als 
dem Kopfe. Die Bruft ifl weifs, und fämtliche FlofTen find von gelblicher Farbe. In der 
Rückenflofle find die fünfzehn erften, und in der Bauchfiofle die zween vorderflen Strahlen 
hart und fpitzig, alle übrigen Strahlen aber weich, und an den Enden getheilt. Die 
SchwanzflofTe hat einen mondförmigen Ausfchnitt. 

Diefer Fifch gehöret in dem nördlichen Europa zu Haufe , wo er fich in den Flüfsen 
und Seen aufhält, welche einen fandigten oder mergeligten Grund haben, und ein reines 
WafTer führen ; vorzüglich findet er fich häufig in Preufsen , wie man denn , nach der 
Verficherung des Klein, im frifchen Kaff, einfi bei der Fifcherey unter dem Eife, auf 
einem Zuge fo viel Kaulbaarfche und kleine Lachfe gefangen hat, dafs an 780 Tonnen da- 
mit angefüllt werden konnten b). 

Diefer Fifch wird gewöhnlich nicht über fechs bis acht Zoll lang angetroffen; jedoch 
liefert der Kaulbaarfch - und Lübbifche See, ohnweit Prenzlow, diefe Fifchart von unge- 
wöhnlicher Gröfse c> Er gehöret zu den Raubfifchen, lebt von der Bruth anderer Fifche, 

K z 



a) Aurata fluviatilis. Gesner. Aquat. p.701. c) Beckmann. Churm. 1. Band. S. 1123. 1124. 

b) MiiT. Pifc. V. p. 41. 



7 6 Zweiter Abfchnitt. Von den Baarfchen insbe fonder e. 

von Würmern und Infekten. Seine Feinde find der Hecht, der Baarfch, der Aal, die 
Quappe und die WaiTervögel. Die Laichzeit deffelben fallt in den März und April und er 
fetzt feine Eier im Grunde ab, an Sandhügel, oder andere harte Körper, welche er in der 
Tiefe von ein bis zwey Mann hoch findet. Seine Eier find klein und von weifsgelblicher 
Farbe, und ich fand in einem Rogen, welcher drey Quentchen fchwer war, 75600 der- 
felben. Der Kaulbaarfch vermehret fich ftark, wächft nur langfam, und geht im Frühjahr 
aus den grofsen Seen in die Flüfse , aus welchen er im Herbft wieder zurückkehret ; daher 
man ihn auch zu dielen Zeiten am häufigften fängt. Vorzüglich ift die Fifcherey unter dem 
Eife, in Anfehung feiner, ergiebig. Sonft wird er mit der Zure a), mit dem Kaulbaarfch- 
netz b) und der Angel gefangen. 

Diefer Fifch hat ein zartes, wohlfchmeckendes und leicht zu verdauendes Fleifch, 
«Saher man ihn befonders kränklichen Perfonen empfehlen kann ; in unfern Gegenden ift 
der Golizer- und Wandelitzer See, wegen feiner vortreflichen Kaulbaarfche berühmt c). 

Diefer Fifch wird mit einer Butterbrühe zubereitet, gewöhnlich aber gebraten ver- 
zehret; man macht auch aus demfelben eine fehr wohlfchmeckende Suppe, welche vorzüg- 
lich für genefende Kranke, eine flärkende Speife abgiebt, und folgendergeflalt bereitet 
wird. Nachdem der Fifch abgefchuppt, und in Salzwafier gekocht worden, wird das 
Fleifch von dem Rücken genommen , mit Semmelkrumen, klein gehackter Peterfilie , etwas 
Butter, Muskatenblumen, und dem Gelben vom Ey, zu einem Teich und daraus Klofse 
gemacht; das übrige von den Fifchen wird in einen Durchfchlaggethan, und unter Hinzu- 
giefsung des W<;fTers, worinn die Fifehe gekocht find, gerieben, und nachher durch eine feine 
Leinwand aufs neue durchgefeiget, um alle Gräten davon abzufondern. Die Klöschen 
werden alsdann in diefer Brühe aufgekocht, hiernächft wird die Brühe mit dem Gelben vom 
Eie abgequirllt , und mit hinreichender Butter und Muskatenblumen verfehen. 

Da diefer Fifch eine wohlfchmeckende und gefunde Speife giebr, und zu klein 
ift, um andern Fifchen beträchtlichen Schaden zuzufügen; fo thut ein Landwirth 



a) Siehe den erften Theil. S. 16. b) Diefes hat etwas feinere Mafchen, als das Baarfchnetz. 
c) Beckmann. Churm. 1. B. S. 573. 574. 



Zvoecter Ahfchnitt. Von den Baarfchen insbefondere. 77 

wohl, wenn er ihn in feine Seen bringt. Die befb Zeit zum Verletzen ifl das Früh- 
jahr und der Herbfl: es mufs aber dafür geforgt werden , dafs man ihn aus flachen Seen 
erhalte; denn die Erfahrung hat gelehret, dafs wenn man ihn aus tiefen Seen iifchet, er 
fich im Netze fehr ermattet und bald darauf abflehet; er hat fonfl ein hartes Leben, 
läfst fich im Winter, lebendig, weit verfchicken, und wenn er auch unterweges fleif 
frieret und todt fcheinet; fo erholet er fich fo bald wieder, als er in kaltes Waffer 
geleget wird a). Was die innern Theilc diefes Fifches anlangt, fo kommen fie mit den 
vorhergehenden überein, nur mit dem Unterfchied, dafs fie verhältnifsmäfsig kleiner find, 
und dafs er, wie der Baarfch, nur drei Blinddärme hat, welche aber kürzer find; der 
Eierflock ifl doppelt, und auf jeder Seite find fünfzehn Ribben und fünf und dreifsig 
Wirbelknochen im Rückgrade befindlich. 

In Dä'nnemark heifst diefer Fifch Horche , Tarrike, Stibling; in Norwegen Kule- 
bars, Aboruden - Flos ; in Holland Poß, Pofch, Pos und Pofchje ; in Liefland bey den Let- 
ten Kijfis , auch Ullis, bey den Engländern Kits; in Schweden Giers } Schnorgers und in 
England Ruf, Pope. 

Bellon hat diefen Fifch zuerfl befchrieben b), und Gesner die erfle Zeichnung da- 
von geliefert; letzterer hat ihn aber als zwey verfchiedene Fifche aufgeführt, einmal unter 
dem Namen Kaulbaarfch, und einmal unter dem Namen Schroll c): diefes thut auch Aldro- 
vand d), und Charleton macht gar drey Fifche daraus e). Kleins Frage: ob unter dem 
Schraetfer des Willughby, unfer Fifch zu verfiehen fey f) ? ifl zu verneinen. 

K 3 



- a) Flemming. Jägerbuch. S. 441. 4) Onom. Cernua fluviatilis Onom. p. 158- 

b) Aquat. p. 291. perca minor et Schrollus. p. 161. n. 3. 4. 

c) Thierb. S. iöo. b. 161. a. f) MiiT. Pifc. V. p. 41. 

d) De Pifc. p. 6z6 und 627. 



78 



XII. GESCHLECHT. 

Die Stichlinge. 
ERSTER ABSCHNITT. 

Von den Stichlingen überhaupt. 
Uer Rücken mit einzelnen Stacheln befetzt. Gaßeroßeus fpinis dorfalihs dißnctis. 

Gafterofteus. Linn. S. N. gen. 169. p. 489. L'Epinoche. Goilan. Hift. de Poiff. gen. 23. 

— 4r*- gen. 37- P»5»- S y n - P-8<>. p. 104. 155. 

— . Gronov. Muf. I. p. 49. Perca. Zooph. Stickleback. Penn. Briet. Zool. III. gen. 28. p. 2Ör. 

p. 94. 134. et Scomber. n. 309. Stachelbärfche. Müller. L. S. 4ter Theü. p. 247. 

Centriscus. Klein. MUT. Pifc. IV. p. 48- §• 25. — Fifcher. Uefl. S. 118. 

Die auf dem Rücken unter fich unverbundene Stacheln find der Charakter 
diefes Gefchlechts. 

Die Stichlinge haben einen länglichen , auf den Seiten zufammengedruckten Kör- 
per, welcher ftatt der Schuppen mit Schildern bedeckt ift. Der Kopf ift länglicht und glatt; 
die Kinnladen find mehrentheils gleich lang , und mit kleinen Zähnen bewaffnet. Die Zunge 
ift kurz und ftumpf , und der Gaumen glatt. Die Augen flehen auf der Seite, find rund, 
von mittlerer Gröfse , ein wenig hervorragend , und mit einer Nickhaut verfehen. Die Nafen- 
löcher find klein, und flehen zwifchen den Augen und dem Munde in der Mitte j die Kiemen- 
deckel find rundlicht, geftreift, und aus zwey Plättchen zufammengefezt ; die Kiemenhaut 
ift gröfstentheils bedeckt, und wird bey einigen von drey, und bey andern von fechs Strah- 
len unterflützt. Der Rücken ifl gerade, fo wie die mit ihm parallel laufende Seitenlinie, 



Ziveeter Abfchnitt. Von den StichUngen insbefonderc. 79 

Der Bauch ift dünn, und von den fieben Flotten des Fifches fitzen zwo an der Bruft, eben 
fo viel am Bauche, eine am After, eine am Schwänze und eine am Rücken. 

Diefen Fifchen ift das Meer zum Aufenthalte angewiefen: jedoch treffen wir 
auch einige im füfsen Waffer an. Sie leben von Infekten , Würmern und den Eiern 
anderer Fifche. 

Wir finden bei den altern Naturkündigern keine Spur von ihnen. Bellon ift der 
erfte, welcher des Flufs- a) und kleinen Seeflichlings b) gedenkt. Hiebei liefsen es die 
Ichthyologen eine geraume Zeit bewenden, bis uns Schoneoeld den Dornfifch bekannt 
machte, c). Diefe wurden indeflen von ihnen einzeln befchrieben, und Artedi brachte 
di^fe drei Arten zuerft in das angeführte Gefchlecht zufammen. Hierauf befchrieb 
Browne d) und Ray e) jeder einen, Garden f) zwey, Catesby g) und Seba h), jeder 
einen amerikanifchen, Linne i) zwey afiatifche , und Pontoppidan k) einen dänifchen , welche 
zufammen zwölf Arten ausmachen 5 davon ich mich auf die drey einfchränken werde, 
welche in den deutfchen GewälTern vorhanden find. 



ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Stic klingen insbefonderc. 

DER S T I C H L I N G. 
LUIfte Taf. Fig. 3. 

Ixey Stacheln am Rücken. K. 3. Br. 10. B. 2. A. 9. S. 12. R. 12. 



1. Der 



Gaßerofleus fpinis dorfalibus tribus. B. III. P. X. V. IL A. IX. C. XII. D. XII. stichlin 



a) Gafterofteus aculeatus. L. 

b) — pungitius. L. 

c) — fpinachia. L. 

d) — occidentalis. L. 

e) — duetor. L. 



f) Gafterofteus carolinus, und canadus. L. 

g) — faltatrix. L. 
h) — - volitans. L. 

i) — • ovatus et fpinarella. 

k) — acanthias. Dann. S. 188« 



83 Zweeter Abfchmtt. Von den Stkhlingeu inslcfondere. 

Gafterofteus aculeatus, fpinis dorfalibus tribus. Pifciculus aculeatus, oder der Pungitius der latei- 
Linn. S. N. p. 489. n. 1. nifchen und der Stichling der deutlichen Schrift- 

— — Müller. Procir. p. 47. n. 3. ftelier. 

— Art. gen. p.52. n.i. Syn. p. 80. n. r. TheThreefpinedSticldeback.Pm^Britt.ZoolJII. 

— Gronov. Muf.I. p.49.n.m. Zooph. p. 261. n. 129. PL 50. 

p. 134. n. 405. L'Epinoche. Rondel. de Pifc. P. IL p. 206. 

Centrifcus duobus in dorfo arcuato aculeis, toti- Kakilifack. Faun. Grönl. p. 169. n.122. 

dem in ventre. Klein. Miff. Pifc. IV. p. 48. Hundftigler, Hundftage. Pontopp. Norw. ßter 

n. a. Tab. 13. Fig. 4. 5. Theil. S. 235. 

Spinarella. Bellon. de Aquat." p. 327. Stechbtittel. Wulff. Ichth. p. 30. n. 37. 
Spinacbia. Schwenckf. Theriotroph. Silef. p. 445. 

Die drey Stacheln am Rücken bezeichnen diefen Fifch hinlänglich. In der Kiemen- 
haut zählet man drey, in der Bruftflofle zehn, in der Bauchflofle zwo, in der AfterflofTe 
neun , in der Schwanz - und Rückenflofle zwölf Strahlen. 

Der Kopf ift vorn abfchüfsig, und auf den Seiten zufammengedruckt. Beide Kinn- 
laden find von gleicher Länge , und die Mundöfnung ift ziemlich weit. Die hervorgehenden 
Augen haben einen fch Warzen Stern, in einem füberfarbenen Ringe. Der Kiemendeckel 
ift grofs, und fo wie die Seiten filberfarbig. Bey einigen hat die Kehle und die Bruft eine 
feböne rothe Farbe, welche fo beftändig ift, dafs fie auch fortdauert, wenn der Fifch einige 
Monath in Brandt wein gelegen. An der Bruft find zwey, am Bauche ein, und auf jeder 
Seite dreizehn Schilder fichtbar; am Schwänze fand ich ftatt der Schilder eine hervorflehende 
gefaltete Haut. Die Seitenlinie gehet oben längs den Schildern fort, ift rauh, und dem Rücken 
näher als dem Bauche. Die Floffen find gelblicht, die am Bauche beflehen aus einem ftar- 
ken, auf beiden Seiten gezähnelten Stachel, und aus einem weichen kurzen Strahl. Diefe 
Stacheln find fehr fpitzig und hart, und flehen fo fefie in dem Knochen eingefuget, dafs, 
wenn man fie, auch nach dem Tode desFifches, in eine gerade Richtung bringt, fie fich 
nur mit Mühe in ihre vorige Lage bringen laffen. Hätte der allweife Schöpfer diefes ohn- 
mächtige Fifchchen, bey feiner kurzen Lebensdauer, und da es gegen die übrigen Fifche 
kaum mit fo viel einzelnen, als jene mit taufend Eiern begäbet ift, nicht mit diefen furcht- 
baren Waffen verfehen; fo würde es bald feinen Untergang gefunden haben. In der 
Rucken - und Afterfioffe ift der erfte Strahl ein Stachel, und die Schwanzfloffe gerade. 



Zweiter Ahfehnirt, Von den Stkhlin&en imhefondere, gl 

Wir treffen diefen Fifch in allen unfern flehenden und fiiefsenden WafTern in Menge 
an. Er wird etwa drey Zoll lang , laicht itn April und Jun , und fetzt feinen Laich an Was- 
ferkräutern und befonders findet man den Stengel der gelben und weifsen Seerofe a) damit 
befetzt. Er vermehret (Ich um diefe Zeit, zum gröfsten Verdrufs der Fifcher, ftark, und 
wenn er lieh erfl einmal in einem Walfer eingefunden hat; fo hat man Mühe, ihn daraus 
wieder zu vertilgen. Zur Laichzeit gehet er aus den Seen , in die damit verbundene Flüfse. 
Er lebt von den Eiern und der zarten Brut anderer Fifche, desgleichen von Infekten und 
Würmern: vorzüglich aber von der Puppe der Walfermücken. Ob diefer Fifch gleich fehr 
klein iftj fo vergreift fich doch nicht leicht ein Raubfifch an demfelben, aus Furcht vor fei- 
nen Stacheln; dagegen hat er viel von den Würmern auszufiehen, welche fein Eingeweide 
durchwühlen: denn nach der Beobachtung des Frifch b), Linne c), der Herren d'Anone d) 
und Pallas e), ift derfelbe mit dem Bandwurm, und nach dem Herrn Fabricius, von meh- 
rern Wurmarten geplaget f ). Des Schadens wegen, welchen er der Fifcherey zuzufügen 
pflegt, wird er ans Land geworfen, und nur zu Zeiten, während der Laichzeit, vom ge- 
meinen Manne, des Rogens wegen, genoifen. Auch gebrauchet ihn der Landmann, da 
wo er in Menge gefangen wird, zum Dünger feiner Aecker, und bey Danzig, wo er 
vorzüglich häufig ifl, nutzet man ihn zum Trahnbrennen g). Auf eine belfere Art aber 
könnte man ihn, in Kleye eingehüllt, zum Fettmachen junger Enten gebrauchen h); fo wie er 
auch eine gute Futter ung für die Schweine abgiebt i). So geringe indeffen der Werth diefes 
Fifches feyn mag, fo ifl er doch den Naturkündigern darin merkwürdig, weil er das unter 
den Fifchen ift, was die Ephemera (Tagethierchen) unter den Infekten. Wenn andere 
Fifche Jahrhunderte durchleben; fo endiget diefer feine Laufbahn im zweiten oder dritten 
Jahre nach feiner Geburt , und wenn anderen viele taufend Eier zu theil geworden find ; 
fo beherbergt diefer nur einzelne. 

a) Nymphae lutea et alba. f) Faun, grö'nl. p. 170. 

. b) Mifc. Berblin. Tom. VI. 'g) Klein. MüT. Pifc. IV. p. 78. 

c) Aus dem Sehwedifchen. S. 268. h) Döbels Jägerb. 4. Theil. S. %6. 

d) Atta Helv. Tab. 17. i) Birckh. Fifche. S. 20. 

e) Neue nordifche Beiträge. 1. B. S. 78. 



§2 Zweeter Abfchnitt. Von den Stkhlingen insbesondere, 

Der Magen diefes Fifches ift grofs, und der Darmkanal, wie bey den andern Raub- 
fifchen , nur kurz ; die Leber ift mit drey Lappen verfehen , die Gallenblafe klein , die 
Schwimmblafe ungetheilt, und der Milch und Rogen doppelt. Das Darmfell ift weifs und 
fchwarz punktirt; und die Eier, deren Anzahl fich in beiden Eierfäcken, welche ich unter- 
fuchte, nur auf hundert und dreifsig belief, find gegen die Laichzeit von der Gröfse des 
Hirfefaamens, Auf jeder Seite befanden fich fünfzehn Ribben , und im Rückgrade dreifsig 
Wirbelbeine. 

Diefer Fifch heifst in hiefiger Gegend Stichling^ Stachelfifch, Wolf; in Preufsen 
Stechbüttel, Steckling; in Norwegen Stikling, Homfille, Lille, Tind, Oure ; in Schweden 
Skittfpigg, Skittbar den Starre; in Holland Steckelbaars ; in England Stickleback, Band- 
flickle , Scarpling; in Dännemark Hunde ~ Stej/le } Gund - Sticke! , Hund-Stigel, Tind -Or et, 
und in Frankreich l'Epinoche. 

Bellon hat diefen Fifch zuerfl befchrieben a), und Kondelet die erfte, jedoch fchlechte 
Zeichnung davon geliefert b), welche die folgenden Ichthyologen zu kopiren fich begnüg- 
ten ; Klein hat uns durch zwo beffere fchadlos gehalten c) , wovon er doch unrichtig die 
eine, wegen der zwo Stacheln, als eine Nebenart angiebt, da der dritte Stachel bey fei- 
nem erflen Exemplar vermuthlich an der Rückenflofle angelegen hatte, und ihm daher 
unbemerkt geblieben war. 

DER KLEINE SEESTICHLING. 
LUIfte Taf. Fig. 4. 



Der Rücken mit zehn Stacheln befetzt. K. 3. Br. 10. B. 1. A. 13. S. 13. R. 10. 
2 : D ® r . Gaßeroßeus fpinis dorfalibus decem. Br. III. P.X. V. I. A. XIII. C. XIII. D. X. 



kleine See- 
ftichling. 



Gafterofteus pungitius, G. fpinis dorfalibus decem. Gaßerofteus. Art. gen. p. 5a. n. 2. Syn. p. 80. 
Lim. S. N. p. 491. n. 8« "• 2. Spec. p. 97. 



a) Aquat. p. 327. c) MUT. Pifc. IV. Tab. 13. f. 4. 5. 

b) De Pifc. P. II. p. 206. 



Zweeter Abfchnitt. Von den Stkhlingcn iwbefondere. 83 

Gafterofteus.' Gron. Muf. I. p. 50. n. 112. Zooph. Pungitius alterum genus. $oi)ß. und Ruyfch. T.28. 

p. 134. n. 406. Pifciculus aculeatus minor. Ray. Synopf. Pifc. 
Centrifcus fpinis decem vel undecim, non per- p. 145. n. 4. 

pendiculariter ereftis , fed viciffim Aculeatus laevis minor. Schonev. Ichth. p. 10. 

una dextrorf um , altera retrorfum in- Leffer Stickleback, Bandftickle, Sharpling. Wil- 
clinatis. Äto'». Miff. Pifc. IV. p- 48^.4. lughb. p. 342. 

Spinarella pufillus. Bellon. Aquat. p. 227. Ten Spined Stickleback. Penn. Britt. Zool. III. 
Pifciculus aculeatus alterum genus. Rond. de Pifc. p. 262. n. 130. pl. 50. 

P. II. p. 206. Seeftichling, Steckerling, Stachelfifch. Fifcher. 
— — — — Gm». Aquat. Liefl. S. ir8- n. 211. 

p. 8- Icon. Anim. p. 284. Thierb. S. 160. a. — Muller. L. S. 4ter Theil. S. 253. 

Pungitius alterum genus. Aldrov. de Pifc. p. 62g, 



Die zehn Stacheln auf dem Rücken unterfcheiden diefen Fifch von den übrigen feines 
Gefchlechts. In der Kiemenhaut befinden fich drey, in der Bruflfloffe zehn, in der 
Bauchflofie ein, in der After- und SchwanzflofTe dreizehn, und in der RückenfiofTe 
zehn Strahlen. 

Bey diefem Fifchchen, deflen Namen länger ift, als es felbft, find alle Theile des 
Kopfes, wie bey dem vorhergehenden gebildet: der Rumpf aber ift etwas mehr geftreckt. 
Die Seiten find über der Linie gelb, unter derfelben aber und am Bauche von einer Silber- 
farbe. Man bemerkt an diefem Fifche weder Schuppen noch Schilder. Die BauchflofTe be- 
liebt nur aus einem einzigen Stachel, und bey der Afterfiofle ift der erfte Strahl ebenfalls 
flachlicht; die BrufifiofTen find gelblicht, die After - Rücken - und SchwanzflofTe grau , und 
letztere fo wie bey den vorhergehenden gerade. 

Wir finden diefes Fifchchen nicht über anderthalb Zoll lang, und es ift ohnftreitig 
der kieinefte und der einzige Fifch , wovon die Menfchen keinen Gebrauch machen. Man 
frift ihn in der Oft - und Nordfee, fo wie auch in allen Landfeen und Hafen an, welche 
mit dem Meere in Verbindung flehen : er wird aber nur feiten gefangen , weil er durch 
die Mafchen der Netze hindurch gehet, und nur alsdenn erhalten, wenn er unter 
anderen Fifchen liegt, und auch dann werfen ihn die Fifcher als unbrauchbar wieder 
in den See. 

L 2 



g4 Zweiter Abfchnitt. Von den Stichlittgen imbefondere. 

Diefe Fifche halten fich ebenfalls in Haufen bey einander ; im Frühjahr begeben fie 
fich in die Mündungen der Flüfse und Ströhme, um fowol dafelbft zu laichen, als fich an 
den Eiern anderer Fifche zu fattigen. 

Das Herz ift dreieckigt und kaum fo grofs, als ein Hanfkorn, die Leber hingegen 
grofs und beftehet aus dreien Lappen, davon der eine fo lang ift, dafs er an den After 
reicht; an diefetn fitzt die kleine Gallenblafe. Die Milz ift dreieckigt und fehr klein, der 
Magen lang und dick; der Darmkanal hat nur eine Beugung, ift kurz und ohne Anhäng- 
fel ; der Milch fo wie der Rogen ift doppelt ; die Schwimmblafe ift einfach ; ihre Haut 
dick, und das Darmfell weifs, und mit fchwarzen Punkten befprengt. 

In Hamburg nennt man ihn Stichling und Stichbutt el ; in Liefland nennen ihn die 
Deutfchen Seeßichling, Steckerimg, und die Ehftländer Stacl/elßfch , Oggalick und Oggahiuck; 
die Schweden Skittfpig den mindre , Bcnnunge , Gaddfor , Qorquad ; die Holländer Steckel- 
baars; die Engländer Lejfer Stickleback, und die Franzofen la pttite Efpinoche. 

Bellon hat diefen Fifch ebenfalls zuerft befchrieben a), und diefen und den vorher- 
gehenden in einem Artikel abgehandelt. Diefes gefchah auch von feinen Nachfolgern , bis 
fie Willughby trennte b). Im Rondelet finden wir die erfte Zeichnung c) , ohne welche man 
ihn, nach der unvollftandigen Befchreibung, von dem vorhergehenden nicht würde haben 
unterfcheiden können. Fifcher führt zu unfern Fifch unrichtig den Wulff an d), da diefer 
den vorhergehenden befchreibt. 

DER DORNFISCH oder DER GROSSE SEEST1CHLING. 

LUIfte Taf. Fig. i. 

- ■ Am Rücken fünfzehn Stacheln. K. 3. Br. 10. B. 2. A. 6. S. 12. R. 6. 

«.Der Dorn- 
fifchoder Gaßeroßeus pimtis dorfalibtu quindeeim. Br.IlI. P.X. V.U. A. VI. CHI. D.VIl. 

Seeilichling. 

Gafterofteus fpinaebia, G. fpinis dorfalibus quin- et gafterofteus Pentagonus Muf. Reg. FHd. 

deeim. Linn. S. N. p. 492. n. 10. . Ad. p. 74. 



a) Aquat. p. 227. c) De Pifc. P. II. p. 206. 

b) Ichth. p. 342. d) Liefland. S. 118. n. an. 



Ztoeeter Abfchmtt. Von den Stichlingen- insbefondere, 85 

Gafterofteus. Art. gen. p. 52.11. 3. Syn.p.gt.n.3. lughb. Tchth. p. 340. Tab. X. 13. Fig. 2. 

— Gron. Muf. I. p. 50. n. 113. Zooph. Apend. p.23. 

p. 134. n. 407. Aculeatus vel pungitius marinus longus. Ray. Sy- 
Centrifcus aculeis quindecim in dorfo, retrorfum nopf. p. 145. n. 15. 

inclinatis, difcretis, nullaque membrana con- Fifteen Spined Stickleback. Penn. Britt. Zool. III. 
nexis: in medio ventre aculei duo ad latera p. 263. n. 131. pl. 50. 

averfi , ad podicem unus. Klein. MUT. Pifc. IV. Steinbicker, Erfskruper. Schonev. Ichth. p. 10. 

p. 48- n. 1. Tangfchnarre , Erskraber. Pontopp. Däu. S. 188» 

Aculeatus vel pungitius marinus longus. Wü~ Dornfifch. Müller. L. S. 4ter Theil. S. 254. 

Die fünfzehn Stacheln in der Afterflofle lind ein ficheres Unter fcheidungszeichen 
diefes Fifches. In der Kiemenhaut find drey, in der Bruflfloflie zehn, in der Bsuch- 
flofle zwo, in der Afterflofle fechs, in der Schwanzflofle zwölf und in der Rückenfloffe 
fechs Strahlen. 

Diefer Fifch hat einen geflreckten Körper , an dem der Kopf röhrenförmig , der 
Rumpf fünfeckigt und der Schwanz plattgedrückt ifl. Der Kopf ift glatt, oben braun und 
unten weifs ; die Mundöfnung ifl; klein, die untere Kinnlade flehet vor der obern hervor, 
und beide find mit kleinen fpitzen Zähnen befetzt. Der Augenflern ifl fchwarz, und flehet 
in einem filberfarbenen Ringe. Die Kiemendeckel und das Bruflfchild find oberwärts braun, 
unten weifs und geflrahlt. Der Rücken und die Säten haben eine Oliven - und der Bauch 
eine Silberfarbe. Die Seitenlinie ifl erhaben, fcharf, aus vielen braunen Schildern zufam- 
mengefezt, und am Bauche auf jeder Seite ein langes fchmales hervorflehendes Schild 
fichtbar. Diefe vier Hervorragungen, nebfl den vorflehenden Stacheln auf dem Rücken, 
geben dem Rumpfe eine fünfeckigte Geftalt. Der Schwanz ifl horizontal zufammengedrückr, 
auf beiden Seiten fcharf, und fowol oben als unten eine erhabene Lin : e befindlich, fo, dafs 
er die Geflalt eines plattgedruckten Vierecks hat. Die Bruflfloflen find länglicht ; die Bauch- 
floffen beflehen aus zwo Stacheln, davon der vorderfle der längfle iß, und diefein dient 
dns erwähnte Bauchichild zur Stütze. Der erfle Strahl in der Afterflofle befleht aus einer 
krummen Stachä, die übrigen Strahlen in den Floflen find weich und vielzweigigt. Die 
Ruckenfloflc fleht der Afterflofle gegen über} die Schwanzflofle ifl abgerundet; die Stacheln 
auf dem Rücken krümmen lieh nach Junten zu, flehen in einer Furche, und laflen fich 

L 3 



86 Zioeeter Abfchnitt. Von den StichUngcn inslefondere. 

durch das Gefühl nicht entdecken fobald der Fifch fie niedergelegt hatj und fie find im 
Verhältnifs gegen die vorhergehenden nur klein. 

Diefe Fifche finden fich fowol in der Ort - als Nordfee : befonders trift man fie in 
Holland häufig an a) ; auch kommen fie bey Lübeck öfters vor, und habe ich denjenigen, 
welchen ich hier liefere, meinem gelehrten Freunde, dem Herrn Doktor Wallbaum, dafelbft 
zu danken. Er erreicht die Gröfse von fechs bis fieben Zoll , lebt von den Eiern und der 
zarten Bruth anderer Fifche , desgleichen von Würmern und Infekten ; wie ich denn defien 
Magen mit Krebsbruth angefüllt gefunden habe. Er geht nicht, wie der vorhergehende, 
in die Mündungen der Flüfse , fondern bleibt beftändig im Meere , und wird, mit andern 
Fifchen zugleich gefangen ; fonft erhält man ihn auch in grofser Menge durch das Anzün- 
den eines Feuers , welchem er nachziehet , und dadurch häufen weife ins Netz geräth. Sie wer- 
den, nachdem man ein Oel, welches zum Lampenbrennen gebraucht wird, daraus gekocht 
hat, auf dem Acker zur Düngung genutzet b). Indeflen verfpeifen ihn auch arme Leute, 
welche ihn mit einer Zwiebelbrühe zurechte machen. 

Die Leber beftehet aus vier Lappen, davon der auf der rechten Seite die Länge der 
ganzen Bauchhöhle hat, und mit den übrigen nur ein wenig zufammenhängt. Der Magen 
ift fackförmig, der Darmkanal hat zwo Beugungen, und der Obertheil defTelben ifi weit. 
Der Rogen beftand aus zwey Cylindern , die fich am Nabelloche vereinigten, und hundert 
und acht und achtzig blasgelbe Eier, fo grofs wie Hirfefaamen, enthielten. Das Darmfell 
ifl weifs, und mit fehr vielen fchwarzen Punkten befprengt. Die Haut der Schwimmblafe 
ift fehr dünn, und hinter derfelben, auf jeder Seite der Wirbelknochen, ein weifslicher 
Körper, welcher beim Zwergfell anfieng, oben fchmal und unten bey der Vereinigung 
mit dem andern, am Nabelloche breit war, welches ohnftreitig die Nieren find. Auf jeder 
Seite zählet man fiebenzehn Ribben und ein und vierzig Wirbelknochen. 

In Kiel heifst er Steinbicher; in- Heiligeland Erfskrupcr ; in Dännemark Trangfnarre , 
Erskraber ; in Norwegen Store Tind-Oure, und in England Fifteen Stickleehack. 



») Gronov. Zooph. p. 134. n. 407. b) Müller. L. S. 4. Theil. S. 254. 



Erßer Abfchnitt. Von den Mackrelen überhaupt. 87 

Schoneueld hat diefen Fifch zuerft bafchrieben, Und eine ziemlicia gute Zeichnung 
davon geliefert a). Die folgenden Ichthyologen müfsen fo wenig diefen Fifch unterfucht, 
als den Schoneueld, oder den Willughby und Ray , welche jenen wörtlich abgefchrieben , zu 
Rathe gezogen haben ; fonft würden Linne b) und Herr Petmaut c) demfelben die Bauch- 
floffen nicht abgefprochen haben. Auch irren Schoneveld und Herr Pennant, wenn iie diefem 
Fifch eine viereckigte Geftalt beilegen. 



XI L GESCHLECHT. 

Die Mackrelen. 
ERSTER ABSCHNITT. 

Von den Mackrelen überhaupt. 
J_Jer Kopf glatt und von beiden Seiten zufammengedruckt ; fieben Strahlen in der 
Kiemenhaut. 

Scomber, capite laeui catheoplateo, membrana branchioftega radiis VII. 

Scomber. Linn. S. N. gen. 170. p. 492. Thinnus. Ray. Synopf. Pifc. p. 57. 

— Arted. gen. p.30. gen. 25. Syn. p.48. Le Maquerau. Goüan. Hift.de Poiff. gen. 11. 

— Groti. Muf. I. p. 34. Zooph. p. 93. p. 113. t.%x. 

Pelamys. Klein. Miff. Pifc. V. P. 11. §. 7. Mackrel. Penn. Britt. Zool. gen. 29. p. 264. 

Thinnus. milughb. Ichth. p. 176. Die Mackrele. Müller. L. S. 4. Theil. S. 256. 

Der glatte und auf beiden Seiten zufammengedruckte Kopf, nebft den fieben Strah- 
len in der Kiemenhaut, find Merkmale, woran man die Fifche diefes Gefchlechts erkennet. 
Der Körper ift von den Seiten zufammengedruckt, bey den mehreften mit kleinen Schup- 
ft) Ichth. p. 10. Tab. 4. c) Penn. Britt. Zool. XII. p, 263. 
b) S. N. p. 493. n. 10. 



88 Er ß er A&ßhnto, Von den Mackrdeu überhaupt. 

pen bedeckt , und der Schwanz mit vielen kleinen Flößen befetzt. Die Kinnladen haben 
fpitzige Zähne und der Rumpf acht Flößen , davon an der ßruft, dem Bauch und Rücken zwo , 
am After und Schwänze aber eine fitzen. Es gehören die Fifche diefes Gefchlechts zu den 
Bewohnern des Meeres, und der Klaffe der Raubfifche, und einige davon wachfen zu einer 
anfehnlichen Gröfse heran : da verfchiedene deffelben im mutellä'ndifchen Meere angetroffen 
werden, fo ift es kein Wunder, wenn fle auch den altern Naturkündigern nicht unbekannt 
geblieben find. Arifloteles gedenkt bereits der Mackrele a), des Thunfifches b), der Stachel- 
mackrele c) , und des Streitthunfifches d). Hiebey liefsen es die folgenden Ichthyologen 
bis auf dem Willughby bewenden, der uns mit der blauen Mackrele e) bekannt machte. 
Bald darauf lehrte uns Marggraf die breite Mackrele f), Garden zwo Carolinifche g), 
Osbeck eine von den Wendezirkel h), und Linne i) einen kennen, deffen Geburtsort 
ihm aber unbekannt geblieben. Forskaöl hat auf feiner egyptifchen Reife zehn Gat> 
tungen, ohne die Abarten mit eingerechnet, entdecket und befchrieben k); von diefen 
zwanzig Arten find mir drey zu Theil geworden, die ich hier befchreiben werde. 

ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Mackrele n insbefondere. 
DIE MACKRELE. 
<* LIVfte Taf. 
j •— Fünf kleine FlofTen auf jeder Seite des Schwanzes. Br. 20. B. 6. A. 13. S. 20. R. 12. 12. 

*' , X ? Scomber pinnulis quhiquc, in margine utriusque caudae. P. XX. V. VI. A. XIII. 

C. XX. D. XII. XII. 



a) Scomber, Scomber. L. g) Scomber, Hypos, Chryfurus. L. 

h) — Pelamis. L. 
i) — Pelagicus. L. 
k) — Lyfan, fpeciofus, ferdau, igno- 
bilis, fulgo - guttatus , fanfun, diedaba, falcatus, 
equula, rhombus. 



b) 


— 


Thynnus. L. 


c) 


— 


Trachurus. L. 


d) 


— 


Amia. L. 


e) 


— 


GJaucus. L. 





— 


Cordyla. L. 



Zweeter Ahfchnitt. Von den Mackrekn inshfondere. 89 

Scomber Scomber, S. pinnulis V. Linn. S. N. Scomber. Plin. Nat. Hift. 1. 9. c. 15. 1. 31. c. 8« 
p. 492. n. r. 1. 32. c. 40. 

— — Mull prodr. p. 47. n. 395. — Scombrus der lateinifchen und 

— pinnulis 5. in extremo dorfo polyptery- Mackrele der deutfchen Schriftfteller. 

gio, aculeo brevi ad anum. Art. The Common Mackrel. Penn, ßritt. Zool. III. 

gen. p. 30. n. r. Syn. p. 48- n. 1. p. 264. n. 132. PI. 5T. 

Spec. p. 68. Le Maquerau. Bellon. Aquat. p. 202. 

— Gron. Muf. I. p. 34. n. 8*- Zooph. — — Cours d'Hift. nat. t. V. p. 140. 

p. 93. n. 304. Kolios-balück. Forskab'l. Defcript. Anim. p. 16". 

Feiamys corpore caftigato ; lateribus et capite Auriol. Brunn. Pifc. Maß', p. 68- n. 84« 

argenteis, dorfo ex caeraleo viridi, nigri- Saba. ^ä/w^r. Gefchichte von Japan. i.Th.S. 155. 

cantibus du&ibus rectis , incurvis et flexuo- Warappen. förwm. Nat.Gef eh. von Surinam. p.8^. 

fis; pinieillis quinque; caudae pinna foreipata. Guarabuca. Brown, woyage of Jamaika, p.452. 

Klein. MiiT. Pifc. V. p. 12. n. 5. t. 4. f. 1. Mackreel. Pontopp. Daen. S. 188. 

%%6}Ji$%pS } Arifl. Hift. anim. 1.6. c. 17. 1. 9. Mackrill. Faun. Suec. p. 119. n. 339. 

c. 2. 1. 10. x. 12. 13. 

Die fünf kleinen oben und unten am Schwänze befindlichen Baftartfloffen , find ein 
ficheres Merkmal, diefen Fifch von den übrigen feines Gefchlechts zu unterfcheiden. In 
der Bruftfloffe nimmt man zwanzig, in der Bauchflofle fechs, in der Afterfloffe dreyzehn, 
in der Schwanzfloile zwanzig und in jeder Rückenfioffe zwölf Strahlen wahr. 

Diefer Fifch hat einen geftreckten Körper, und langen Kopf, welcher fleh in eine 
ftumpfe Spitze endigt. Die Mundöfnung ift weit, die Zunge frey, fpifzig und dabey 
glatt; der Gaumen in der Mitte glatt, am Rande aber, fo wie die beyden Kinnladen, mit 
einer Reihe kleiner fpitziger Zähne befetzt', von welchen die letzten in einander eingreifen. 
Die untere Kinnlade fleht vor der obern etwas hervor; die Nafenlöcher find längÜcht, dop- 
pelt und flehen dem Auge näher als der Mundfpirze. Das Genick ift breit und fchwarz ; 
die Augen find grofs und haben einen fchwarzen Stern, in einem filberfarbenen Ringe. 
Im Herbd erzeuget fich über demfelben, wie beym Zander, ein Fell, welches im Frühjahr 
am ftärkften ift, dem Fifch das Anfehen giebt, als wenn er blind wäre, und Geh im Som- 
mer wieder verlieret ; ein Umftand , welchen bereits Schoueveld bey unferm Fifche bemerkt 
hat a) , und der eine nähere Unterfuchung verdiente. 

a) ichehyol. p. 66. 

M 



90 Zivecter Abfchnitt. Von den Mackrelen indefondere. 

Die Kinnladen und der Kiemendeckel find filberfarbig , und der letztere beftehet aus 
drey Plättchen. Die Kiemenhaut liegt an der Kehle, ift fchmal und hat kurze und dünne 
Strahlen; die Kiemenöfnung ift weit, der Rumpf mit kleinen weichen, dünnen Schuppen 
bedeckt, von beyden Seiten zufammengedruckt , und am Schwänze fchmal und viereckigt. 
Der gewölbte Rücken ift fchwarz , und die Seiten find oberwärta mit fcbmalen gefchlängel- 
ten und blauen Streifen verleben, unten aber, fo wie der Bauch, von einer Silberfarb?. 
Die Seitenlinie ift dem Rü.ken näher, mit welchem fie parallel läuft und unter ihr wird man 
länglichte Flecke von unbeftimmter Anzahl gewahr. Der After ift dem Schwänze näher, 
als dem Kopfe, und an der Afterflofle der erfle Strahl ftachlicht ; die übrigen Strahlen hin- 
gegen find in fämtlichen Flößen weich, und bis auf die in der erften RucfcenflofTe viel zweigigt. 
Insgefamt find die Flotten klein, grau gefärbt, und am. Schwänze gabelförmig gebildet. 
Die beyden RückenflofTen ftehen in einer weiten Entfernung von einander, und zwar die 
erftere der Bauch - die zwote aber der Afterflofle gegen über. 

Wir treffen die Mackrele nicht nur in der Nord - und Oftfee a) , fondern auch um 
den Kanarifchen In fein b), bey Surinam, um St. Croix c), und an mehreren Orten mi 
Ocean an. Sie gehört ebenfalls, wie Arißoteles bereits bemerkt hat d), zu denen Fifchen, 
die in grofsen Heeren fich zufammenhalten. Im Winter verbirgt fie fich in die Tiefe, 
kommt im Frühjahr an die Küften , theils um dafelbft ihr Gefchlecht fortzupflanzen , theils 
Nahrung aufzuziehen, und foll fie, nach dem FHmus, von den übrigen Mackrelen- 
arten am erften erfcheinen e). Wie Anderfon erzählt f), und mehrere Schriftfteller 
ihm nachfehreiben g), foll fie den Winter im Nordmeere zubringen, und hierauf, 
wie der Hering, im Frühjahr, Island, Hittland, Schottland und Irland vor bey, nach der 
fpanifeben See , von da in das mittelländifche Meer fich begeben , ein Theil davon aber 
unterweges den holländifchcn Küften vorbey nach Jüttland in die Oftfee gehen. Wenn 



a) Fifchcn Liefland. S. 119. e) H. N. I. 9. c. 15. 

b) Adanfön Reife nach Senegal. S. 9. f) Reife nach Island. S. 102. 

c) Fermin. Hift. nat. de Surinam, p. gö. g) Cours d'hift. nat. t. 5. p. 140. und Bomart 

d) Hift. anim. I. 9. c. 2. Dift. d'hift nat t.6. p. 500. 



Z-wceter Äifchniit. Von den Mackrelen insbefondere. 91 

■dies fich fo verhielte ; fo hätte diefer Fifch einen ungleich weitern Weg zurück zu legen, 
als der Hering; da man fie fogar in Egypten, Japan und Surinam, fo wie bey meh- 
reren fowol nördlichen, als fiidlichen amerikanifchen Infeln antrifft. Es wäre überfltiffig, 
wenn ich mich bey der Widerlegung diefer Meinung aufhalten wollte, da beynahe alles 
dasjenige, 'was ich wider die weite Reifen der Heringe vorgebracht habe,, auch hier ange- 
wendet werden kann. 

Der Mackrelenfang macht bey verfchledenen Völkern einen beträchtlichen Theii 
•der Fifcherey aus. In Holland bringt man diefe Fifche im Jun und Auguft häufig, und 
in England den ganzen Sommer hindurch zu Markte, am häufigflen aber zur Laichzeit 
im Jun: da nun die Mackrele als ein fetter Fifch fehr gefchwind verdirbt; fo ift fie 
das einzige Lebensmittel, welches in diefem Lande an den Feyer tagen öffentlich ver- 
kaufet werden darf. 

In Norwegen findet fie fich im Frühjahr, zum Verdrufe der Fifcher, in Menge 
«in; denn fie verfolgt, als ein flarker Räuber, den Hering. Da die Mackrelen in ganzen 
Schaaren .erscheinen, und eine Bucht nach <Jer andern befuchen ; fo verfcheuchen fie 
nicht feiten jene Fifche, und werden mit diefen zugleich häufig gefangen a). 

Diefer Raubfifch hafchet nach allem, was ihm vorkommt, und foll auch nicht ein- 
mal des Menfchen fchonen. Pontoppidan erzählt, dafs ein Matrofe, der im Hafen Lar- 
kulen »(in Norwegen) fich badete, beym Schwimmen unvermuthet feinen Kameraden ver- 
fchwand , und nach wenigen Minuten mit einem zerfetzten., und mit Mackrelen in Menge 
befetzten Körper, die fich nicht wegjagen liefsen, entfeelt wieder zum Vorfchein kam b). 
Der Naturalienhändlec , Herr Dmtz, versicherte mich, dafs während feines Aufenthalts in 
Norwegen, man zwey verunglückte Menfchen ausgefifchet habe, wovon im Unterleibe des 
einen zehn Mackrelen angetroffen worden wären. 

M 2 

a) Pontopp. Morw. 2.Theil. S.256. an ihn gemacht: denn dafs dergleichen kleine 

b) A. a. O. Wahrfcheinlich ift diefer Matrofe Fifche einen lebendigen in Bewegung begriffe- 
im Schwimmen verunglückt, und haben fich nen Menfchen anfallen follten, ift kaum zu 
die Mackrelen erft alsdann, als er untergieng, glauben. 



9* Ztveeter Mfchnitt. Von den Mackrelen insbe fonder t. 

In der Oftfee und dem mittelländifchen Meere find fie kleiner, als im Nordmeer?; 
in jenen Gewäffern werden fie nicht leicht über einen Fufs lang, und ein Pfund fchwer 
angetroffen a), in diefen aber erreichen fie die Länge von zwey Fufs, und wie Herr 
Pennant verfichert, foll in England ohnlängft einer gefangen worden feyn, welcher fünf 
Wund fchwer gewefen b). 

Diefer Fifch laichet im Jun und fezt feine Eier zwifchen den Steinen am Ufer 
ab. Er vermehrt fich fehr ftark, und giebt ein phosphorescirendes Licht, wenn er nicht lange 
aus der See gezogen ift, von fich c). Er hat ein fehr weiches Leben, denn er flehet 
nicht nur aufserhalb dem Waffer bald ab, fondern auch fogar in diefem Elemente, wenn 
er fchnell gegen das Netz fähret. 

Man fängt ihn mit dem Netze , vorzüglich aber mit der Grundfchnur , an welche 
man kleine, oder verdorbene Heringe, auch Stücke von andern, oder von dem Flei- 
sche ihrer eigenen Art, als Köder befeftiget. An den weftlichen Kürten von England wird 
er auf folgende Art gefangen : die Schiffer rtechen nicht weit vom Ufer einen Pfahl in den 
Sand, an welchem fie das eine Ende des Netzes, und das andere an dem Boote btfertigen. 
Nun entfernen fie fich mit dem letzteren fo weit vom Pfahl, als ihr Netz lang irt, wer- 
fen folches aus, und bilden damit gegen die Kürte zu einen Kreis, und das Netz wird auf 
ein gegebenes Zeichen herausgezogen. Es trifft fich nicht feiten, dafs fie fich auf diefe 
Weife an vier bis fünf hundert Stück bemächtigen d). Am berten gehet der Fang von ftat- 
ten, wenn ein kühler und rtarker Wind wehet, welcher daher in England der Mackrelen- 
wind genannt wird e). Die Einwohner von St. Croix fangen ihn auf eine andere eben 
fo vorteilhafte Art. So bald die Nacht einbricht, und eine gewünfehte Meeresrtille 
herrfcht, verfehen fie fich mit Fackeln, und vertheilen fich mit ihren Booten auf der gan- 
zen Rhede, auf eine Meile weit im Umfang. Wenn fie an die Stellen gelanget find, wo 
iie die meiften Fifche vermuthen, laffen fie die Boote fülle flehen, und halten ihre Fackeln 



a) Bomare. Dift. t. VI. p. 510. d) Art of Angling. p. 236. 

t>) Britt. Zool. 111. p. 265. e) Mackrel gale. Penn. IM. p.265. 

c) Schwed. Abh. g. B. S. 62. 



Zweeter Ahfchnitt. Von den Mach' den insbesondere. 93 

dergefialt über die Fläche des Waffers , dafs fie füglich dabey fehen können , ohne geblendet 
zu werden. So bald fie merken, dafs die Fifche auf dem WafTer zu fpielen anfangen, 
thun fie hurtig einen Zug, und leeren alsbald das Netz in ihren Böten aus a). Die Isländer 
hingegen verachten diefen Fifch, und geben fich keine Mühe um deffen Fang b). 

Die Mackrele hat ein wohlfchmeckendes Fleifch, befonders wenn fie fogleich, als 
fie aus dem Wafler kommt, genoffen wird: aber fie ift auch, wegen ihres Fettes, fchwer 
zu verdauen, und daher kränklichen und fchwächlichen Perfonen nicht anzurathen. Sie 
wird wie der Lachs gekocht, gemeiniglich aber gebraten, und in Italien marinirt. In Nor- 
wegen und England falzt man fie auch ein, und hier wird fie, nachdem man die Ein- 
geweide ausgenommen und vom Blute gereinigt hat, auf eine doppelte Art eingefalzen. 
Entweder man füllet fie mit Salz , bindet ile dicht zu , und packet fie fchichtweife in Ton- 
nen, da denn allezeit ein Lager Salz mit einer Schicht Fifche abwechfelt: oder man legt 
fie in einen PÖckel, worinn fie fo lange liegen bleibt, bis fie von demfelben hinreichend 
durchdrungen ift ; alsdenn wird fie auf eine ähnliche Art verpackt und verfchickt Uebri- 
gens beweifet eine Stelle aus dem Columeüa und Plinius , dafs das Einfalzen der Fifche fehr 
alt , und fchon den Römern bekannt gewefen c). 

In Schottland behandelt man fie wie die Heringe, und fucht dazu die gröfsten aus, 
die alsdann von einem vorzüglich guten Gefchmack feyn füllen d). Von diefen Fifchen be- 
reiteten die Römer ebenfalls das berühmte Garum e) , und zeichnete fich befonders dasjenige 
aus , welches zu Carthagena , wo die Mackrelen , wie Strabo verfichert , in Menge gefan- 
gen werden, gemacht wurde f). Dies Garum war, nach dem Plinius, ein fehr ein- 

~ M 3 



a) Adanfon. Reife nach Senegal. S 9. Nobile nunc fitio luxuriofa garum. 

b) Anderjon. Reife nach Island. S. 103. f ) Geograph, üb. 3. p. 151. heifset es : 

c) Plin. Nat. hift. 1.31.0.8. De hinc Herculis Infula eil, ad Carthaginem 

d) Bomare. t. VI. p. 511. fpe&ans, quam ä Scombrorum multitudine ca- 

e) Diefe Sauce ftand bey ihnen in fehr grof- ptorutn Scombrariam vocant, ex quibus Garum 
femWerth, wie aus dem Martial. üb. 13. v.82. conditur. 

zu erfehen ift, da er von ihr fagt: 



94 Zweeter Abßmitt. Von den Mackrekn inslefondcre. 

träglicher Handlungszweig für diefes Land; denn'es ward nicht nur zur Zubereitung der 
Speifen a), fondern auch nach dem Aelian als ein Arzeneymittel bey den Verftopfungen 
der Leber und anderen Krankheiten gebraucht b). 

Die Leber ift röthlicht, ungetheilt und die Milz fchwärzlicht; der Magen ift lang, 
fackförmig, und feine untere Oefnung mit einem Kreife vieler Anhängfei umgeben; der 
Darmkanal, welcher nur zwo Beugungen hat, ift ebenfalls damit verfehen; der Milch, fo 
wie die Eyerfäcke, find doppelt, und auf jeder Seite eilf Ribben, und im Rückgrad ein und 
dreifsig lange und runde Wirbelbeine befindlich. 

In Deutfchland ifl: diefer Fifch unter dem Namen Mackrele bekannt ; in Schweden 
wird er Makriü; in Dannemark, fo lange er noch klein ifl, Geier, der gröfsere Mo- 
krel, und der ftärkfte Stockaal; in Holland Makriü und Makrell ; in England Mackrel, 
Macarel; in Frankreich Maquerau und in Marfeille befonders Auriol; in Venedig Scom- 
hro; in Rom MacareUo; in Spanien CaraUo oder Cavallo; in der Türkey Kolios - Balück ; 
in Surinam von den Negern Warapen ; in Japan Saba und in Jamaika Guarapuca genannt. 

Es ift unrichtig, wenn Arißoteles fagt, dafs die Mackrele fich im Februar 
begatte c). 

Dem Bellon d) haben wir die erfte Zeichnung zu verdanken: wenn er aber und 
nach ihm Rondelet e), Schoneveld f) und Bomare g) unferm Fifche die Schuppen abfpre- 
chen ; fo widerfpricht ihnen die Erfahrung. Auch hält er unrichtig die Mackrele und den 
Colias, die Rondelet h) und Salvian i) genau unterfcheiden , für einerley Fifch k). 



a) 1. 31. c. 8. £ ) Ichth. p. 66. 

b) De animal. 1. 12. e. 46. g) tVI. p.511. 

c) Hift. anim. 1. 6. c. 17. h) A. a. O. p. 236. 

d) Aquat. p. aoa. i) Aquat. p. 406. 

e) P. I. p. 34. k; A. a. O. p. 331. 



Ziveeter Abfchnitt. Von den Mackrehn tnsbefonderK 9J 

DER THUNFISCH. 
LVfle Taf. 

Die Seitenlinie glatt , ohnweit dem Kopfe nach dem t Rücken zu gekrümmt. 
Br. 22. B. 6. A. 13. S. 25. R. 15. 12. 

Scomber linea laterali laevi, fuperius incurvata. P. XXII. V. VI. Ä. XIII. 
€. XXV. D. XV. XII. 



2. Der 

Thunfifch. 



Scomber Tbynnus. S. pinnulis utrinque VIII. 
Linn. S. N. p. 493. n. 3. 

— — Müll. Prodr. p. 47. n. 396. 

— — pinnulis fupra infraque ofto, 

corpore plumbeo. Brunn. 
Pifc. Maff. p. 70. n. 86. 

— pinnulis 8- £ 9- in extremo dorfo ex 

fulco ad Pinnas ventrales. 
Art. gen. p. 25. n. 2. Syn. 
p. 49. n. 3. 
Pelamys, pinna dorfah' fecunda rubro aut flavo 
colore infefta, pinnulis 8> vel 10. caudae gra- 
cilis pinna crefcentisLunae; juxta caudam cute 
in quadratam tenuata. Klein. Mifc. Pifc. V. 
p. 12. n. 3. 
©wo?, Arift. Hift. nat. 1.2. c. 13. 1. 4. c. 10. 
1. 5. c. 9. 10. 11. I. 6. c. 17. 1. 8. c. 2. 12. 13. 
15. 19. 30. 1. 9. c. 2. 
Tunnus. Plin. Nat. hift. 1. 9. c. 15. I. 32. c. ir. 



Orcinns. Rond. de Pifc. P. I. p. 249. 
Thunnus vel Thynnus autorum. 

— Germon. Pliimier M.S. 

— . Osbecks Reifen nach China., S. 90. 

393- 4°5- 
Guarapucu. Marcg. Iter Brau*, p. 178« 

— Pifo Hift. Nat. Ind. utr. p. 59. 
Tanteye. Pontopp. Dan. S. 188. 
Iton. ForskaÖl. Fauna Orient, p. 18. 
The Bonneto. Browne. Jamaica. p. 451. 
Thunny-Fifch, or fpanifch Makrell. Wilhghh. 

Ichth. p. 176. t. m. 1. f. 3* 
The Tanny. Penn. Britt. Zool. III. p. 266. 

n - 133« P 1 - 5 2 - 
Le Thon, Pernetti. Hift. des Isles Malouin. 

t.2. p-78 ? 
Der Springer, Thunfifch. Sekonev. Ichth. p. 75. 
Der Thaunfifch. Müll. L. S. IV. S.260. n.3. 



Man kennt diefe Mackrelenart an der glatten, nach dem Rücken zu, oberwärts geboge- 
nen Seitenlinie. In der Bruftflofle find zwey und zwanzig r in der BauchflofTe fechs, in der 
Afterflofle dreizehn, in der SchwanzflofTe fünf und zwanzig, in der erften RückenfloiTe 
fünfzehn und in der zwoten zwölf Strahlen befindlich. 

Der Körper diefes Fifches ift fpindelförmig gehaltet, am Rumpfe dick, und am 
Schwänze und Kopfe dünn. Der letztere iH klein , und läuft in eine fiumpfe Spitze aus. 



<j6 Zweeter Abßhnitt. Von den Mackrden insbeßndere. 

Die Mundöfnung ift weit , der Unterkiefer vor dem obern hervorftehend , und beide find 
mit kleinen fpitzigen Zähnen bewafnet. Die Zunge ift kurz und glatt. Die Nafenlöcher 
flehen dichte vor den Augen , welche grofs find , und einen fchwarzen Stern in einem fil- 
berfarbenen Ringe haben, der mit einer goldenen Einfaffung verfehen ift. Der Kopf hat 
fo wie der Rumpf eine Silber - und die Stirn nebft dem Rücken eine ftahlblaue Farbe ; der 
Kiemendeckel beftehet aus zwey Blättchen , und die Kiemenöfnung ift weit ; den Rumpf be- 
decken kleine dünne Schuppen, welche leicht abfallen; die Seiten find nur ein wenig zu- 
fammengedrückt. Der Rücken ift rund, der Schwanz viereckigt, oben und unten mit He- 
ben bis eilf Baftartfloflen und auf den Seiten mit einer etwas hervorftehenden Haut, in 
Geftalt einer Fettflofle, befetzt. Die FlofTen find an der Bruft lang und am Bauche kurz; 
jene haben eine gelbliche, und diefe eine graue Farbe; die erfte Rückenflofle ift bläulicht, 
und die zwote, fo wie die After -und die Baftartfloflen, gelblicht, die Schwanzflofle aber 
graufchwarz und mondförmig. 

Wir treffen diefen Fifch nicht nur in der Nordfee und dem mittelländifchen Meere, 
fondern auch in der Gegend von Guinea a) und Brafilien b), um den antillifchen c), ma- 
luinifchen d), chinefifchen e) Infein, ungleichen um Tabago f), Jamaika g), und Nor- 
wegen an. Gewöhnlicher weife wird er einen bis zween Fufs lang; manchmal findet 
man ihn aber von ungewöhnlicher Gröfse ; denn fo trifft man an der Küfte von Guinea 
welche in Mannslänge und Dicke h) , an der brafilianifchen Küfte aber dergleichen von fle- 
hen Fufs an ; und Pennant befchreibt einen von fieben Fufs zehn Zoll , welcher fünf 
Fufs fieben Zoll im Umfange hatte i). Schoneveld gedenkt eines andern, welcher an 
der holfteinifchen Küfte gefangen wurde, und acht und einen halben Fufs lang, und 



a) Allgem. Reifen. i.B. S.333. Hamb. Magazin. 4. B. S. sia. 

b) B omare. Dift. d'Hift. Nat. t,2. p. 316. g) Browne -Hift. of Jamaica. p. 45t. 

c) Plüm. m. S. 10 Allgem. Reifen. 4, B. S. 279. 

d) Pernetti. Hift. des Isles Malouines. t. 2. p-78- i ) Britt. Zool. III. p. 266. 

e) Osbeck. Reife nach China. S. 90. 



Zweiter AWcknitt. Von den Mackrelen imhefondere. 97 

fechs Fufs im Umkreife hatte a). Lafat veriichert fogar, dafs es welche von zehn 
Fufs Länge gebe b). 

Da nun, nach der Beobachtung des Herrn Brtinniche , ein Fifch diefer Art von zween 
Fufs nur Heben Pfund wäget c), und da der Pennantfche, welcher noch nicht acht Fufs 
hatte, vier hundert und fechszig Pfund fchwer war d); fo kann man einem von zehn Fufs, 
wohl fieben bis acht hundert Pfund geben. Arifloteles gedenket bereits eines , der fünfzehn 
Talenta gewogen e), welches Gewicht fechs hundert zwey und fünfzig und ein halbes ge- 
meine Pfunde ausmacht. Diefer Fifch ift wahrfcheinlich der gröfste unter den efsbaren 
WafTerbewohnern, und diefer ungewöhnlichen Gröfse ift es zuzufchreiben , dafs ihn mehrere 
SchriMeller für eine Wallfifchgattung gehalten haben. 

Der ThunhTch ift einer der gefährlichen Raubthiere unter den Seefifchen, und 
gehet feine Gefräfsigkeit fo weit, dafs er auch feiner eigenen Bruth nicht fchontj daher 
Oppian ihn den Lasterhaften nennet f ). Er lebt vorzüglich von gemeinen und fliegenden 
Heringen, derer man fich auch bey feinem Fange mit Vortheil bedient; auch verfolgt 
er die Maekrele, und lauert denjenigen Heringen auf, welche den Fifchern beym Ein- 
ziehen ihrer Netze entgehen g). Seine Feinde find die Hayfifche, vorzüglich aber der 
Schwerdtiifch. 

Nach einer gemeinen Sage, foll diefer Fifch von Norden aus, in das mittelländifche 
Meer Reifen unternehmen h), und feine Eyer an den fpanifchen und afrikanifchen Küflen 
abfetfcen. Arifioteles bemerkte bereits, dafs der Thunfifch feine Eyer nicht wie andere, an 



a) Ichth. p.75. 

b) Reife nach Spanien und Welfchland. 1. B. 
S. 77. In.Danzig wird, wie Richter S. 576. 
erzählet, die Haut eines grofsen Thunfifches 
aufbewahret, die 32 Fufs lang ift, welcher in da- 
figer Gegend im Jahr 1565 foll gefangen wor- 
den feyn; wahrfcheinlich aber war es ein Wall- 
fifch, der fich in die Oftfee verirret hatte. 

cj Pifc. Maff. p. 70. 
ä) Britt.Zol.HI. p. a <5g. 



e) Hift. Anim. 1. 8. c. 30. 

f) Aft diro Thynno non eft fceleratior alter, 
Et nullus pifcis tanta impietate notandus; 
OfFendit quicquid rapidam demergit in al- 

vum, 
Namque foluta parenspartu, privata dolore, 
Non parvis parcet natis faeviffima mater. 

g) Penn. A. a. O. 

h; Labat. I. a. B. S. 75, 
N 



5>g Zisteter Abfchnüt. Von den Mackrelen insbesondere. 

den Mündungen der Ströhme, fondern im Meere felbfl ablege a). Diefer Fifch wird zu 
Zeiten fo fett , dafs ihm , wie er an einem andern Ort erzählt , die Haut aufplatzt b) , und 
tiefe Furchen darinn zu fehen find. Die Laichzeit fällt im Monat May und Jun, und 
feine Eyer find, der Gröfse diefes Fifches ohngeachtet, nicht gröfser als Molmfaamen. 
Um diefe Zeit haken fie fich in grofsen Haufen von hundert bis taufenden bey einander, 
und ziehen in Form eines länglichen Vierecks, unter einem grofsen Getäufche "egen die 
Küften. Nach Vlutarctis Bericht, follen fie, wie Gellius erzählet, fo dick ' :>er einander, 
■wie die Heringe in mehreren Schichten ziehen ; hierdurch läfst fich einigermaßen rechtfer- 
tigen, was Vilnius von der Flotte Alexanders des Grofsen erzählt, dafs nämlich, da die Schiffe 
nicht einzeln durch diefes Fifchheer, welches man durch kein Gsräufch zerftreuen konnte, 
durchzukommen vermogten, fie fich genöthige|fahen, ihnen in förmlicher Schlachtordnung, 
■wie gegen einen Feind, entgegen zu ziehen c). Im Frühjahr kommen fie , nach dem Arißotelcs, 
aus dem fchwarzen in das mittelländifche Meer, und follen fich alsdenn auf dem rechten, 
wenn fie diefes aber wieder verlaflen, an dem linken Ufer der Meerenge halten. Hieraus 
ziehet er die Folgerung d), welche ihm Aelian e), Jouius und Vilnius f) nachfchreiben , 
<Safs diefer Fifch auf dem rechten Auge befler, als auf dem linken fähe: allein da fie die 
Theile ihres Körpers auf beyden Seiten gleich ftark brauchen ; fo muffen auch diefelben 
gleich fiarke Kräfte haben , und ifi es vielmehr zu vermuthen , dafs der Grund davon den 
wrfchiedenen Richtungen der Strohme zuzufchreiben fey g), da die Fifche, wie bereits beym 
Lachs angeführet ift, im Frühjahr gegen den Strohni, hernach aber mit demfelben zu gehen 
pflegen. Noch verdient angemerkt zu werden, dafs diefer Fifch , wenn er ruhen oder fchla- 
im will, nach der Verficherung des Arißoteles, fich hinter Steine und Klippen begeben 
&JI h): ein Umftand, den man auch in den neueren Zeiten bey dem Lachs bemerk hat. 



a) Hift. Anim. I. 4. c, 10. g) Von den Ströhmen in der Meerenge von 

jk} , j t 6 # c> jy, Conftantinopel fehe man Stephan Schulz Lei- 

c) Nat. Hiffc. I. Q. c. %. tungen des Höchften nach feinem Rath auf Rei- 

S) I. a. B. 1. 8- c. 10. fen. 4*« Th.. S. 99. 

e) 1 11. e. 17. W Hift. A. 1. 4- c. 10. 

t) N. H. I9. c.17. 



Ziveeter Abfchnitt. Von den Mackrehn insbesondere. 99 

Man fangt diefen Fifch mit Aarken Grundfchnuren, welche mit vielen Angeln ver- 
fetten find, vorzüglich aber mit einem grofsen fackförmigen Netze, welches in Frankreich 
unter dem Namen Mardrag, und in Sicilien Tonnaros bekannt ift; und fo bald nur der erffe 
vom Zuge in daffelbe hineingerathen ; fo find die Fifcher eines reichen Fanges gewifs, in« 
dem die übrigen getroft ihrem Führer nachgehen. Bey den Sicilianern ifl der Fang des 
Thunfifches in den Sommermonathen eine der vornehmfien Belufiigungen und die Zuberei- 
tung und Verfendung deffelben auf fremde Märkte machet einen ihrer beträchtlichften Hand- 
lungszweige aus. Die Fifche zeigen fich nicht eher in dem ficilianifchen Meere, als gegen 
das Ende des Maymonats , zu welcher Zeit die Tonnaros zu ihrem Empfange zubereitet 
werden. Dies ifi eine Art von Wafferfeftung , die mit grofsen Koften, aus ftarken 
Netzen errichtet wird; welche man mit Ankern und fchweren bleyernen Gewichten auf 
dem Grunds des Meeres befeftiget. Diefe Tonnaros werden allemal in den Gängen zwi- 
fchen den Felfen und Infein errichtet, die von den Thunfifchen am häufigfien befuchet 
werden. Man fchliefset den Eingang in diefe Gänge forgfältig mit Netzen zu, bis auf eine 
kleine Oefnung , welche das äufsere Thor des Tonnaro heifst ; diefe führet in das erite 
Zimmer, oder wie fie es nennen, in den Saal. So bald die Fifche in den Saal gekommen 
find, fo fchliefsen die Fifcher, welche zu der Zeit in ihren Nachen Schildwache halten 
das äufsere Thor zu ; indem fie ein kleines Stück Netz hinunter laffen , welches die Thun- 
fifche verhindert, wieder zurück zu kehren; dann öfnen fie die innere Thür des Saales, 
die in das zweyte Zimmer führet, welches fie <3en Vorfaal nennen, und indem fie auf der 
Oberfläche des Waffers ein Geräufch machen , treiben fie die Thunfifche ohne Mühe in den- 
felben hinein. So bald fie alle in den Vorfaal gekommen find , wird die innere Thür des 
Saals wieder zugefchloffen , und die 'äufsere Thür deffelben geöfnet, um mehr Gefellfchaft 
hinein zu laffen. Einige Tonnaros haben eine grofse Menge von Zimmern oder Behält- 
nUTen, die alle ihre befondere Namen haben; einen Saal, ein Befuchzimmer u. f. w. 
Das letzte Zimmer heißet aber allezeit, die Kammer des Todes a), und diefe beflehet aus 

N 3 



a) La camera della raorte. S. Brydons Reife durch Sicil. 1. Th. S. 176. 



IOO Zweeter Abfchnitt. Von den Mackrekn inshefondere. 

ftärkern Netzen und fchwerern Ankern , als die andern. Sobald man eine hinlängliche An- 
zahl von Thunfifchen zufammengc-bracht hat, werden fie aus 3llen andern Zimmern in die 
Todeskammer getrieben, wo die Schlacht angehet. Die Fifcher, und zuweilen auch vor- 
nehmere Perfonen, find mit einer Art von Speer oder Wurfpfeil bewafnet, und fallen diefe 
arme wehrlofe Thiere von allen Seiten an; diefe, die fich nun der Verzweiflung überlaffen, 
fchlagen mit grofser Stärke und Behändigkeit um fich, werfen das Waffer in die Höhe 
und auf die Boote, zerreifsen die Netze in Stücken, und zerfchmettern oft ihr Gehirn an 
den Felfen oder Ankern, und zuweilen an den Fahrzeugen ihrer Feinde. Uebrigens 
bedienen fich die Schiffer zum Fange diefes Fifches eines aus Zinn und Bley verfer- 
tigten fliegenden Herings, welchem fie Floffenvon weifsen Vogelfedern geben, und mit- 
tele einer Schnur an das Schiff befeftigen. Endlich wird er auch mit Harpunen gefangen. 

So furchtbar diefer Fifch auch wegen feiner ungeheuren Gröfse zu feyn fcheinet, 
fo wenig macht er doch, wegen feiner ihm eigenen Furchtfamkeit , wenn er einmal ge- 
fangen ift, den Fifchern zu fchaffen ; denn fo bald ihm feine erfien Verfuche , fich zu be- 
freyen, mifslungen find, fcheint er fich feinem Schickfale ohne Widerftreben zu unterwer- 
fen,, indem er im Netze ruhig bleibt, und der Angel willig folget, 

Diefer Fifch fchwimmt fehr fchnell, und nach der Verficherung des Ritters Chimbaut, 
fbll fein Schiff durch einen Troup von Brafilien aus, bis an die Meerenge von Gibraltar ver- 
folget worden feyn, ohnerachtet die Reife über hundert Tage gedauert habe a). 

Auch Plinhtf erzählt, dafs Ee öfters viele Tage lang Begleiter der Schiffe wären, 
und fich durch kein Geräufch von felbigen abhalten ließen h}. 

Es £oll nach dem Ariftoteles- c); und Pumas d) der Thunfifch in den Hundstagen von 
einem Infekt, das die Gröfse einer Spinne und die Gefialt eines Scorpions hat, und das fich 
unter den Bruftfiöffen einfrifst, dergefhlt geplaget werden, dafs er wie wütend davon wird, 
und dafs er nach, der Schilderung des Opians e) , fowol in die Schiffe als über das Ufer 



aj Romare.. Diel. t. it.. p. 31 6\ 
h) H. N. 1. o> c. 15. 
e). H; Ä. L 8. c. ic/. 
<& A a. 0. k 9. c. i£. 



e-) Hi torti ffimulis; ineurfänt navibus altis, 
Er faepe in terram fa'iunt e gnrgite vafto, 
lutanta vohiunt luciantia membra. dolore- 



Ztseeter Abfchnitt. Von den Mackrehn insbesondere, ior 

fpringen foll. Die Urfach, warum das Infekt mehr an den Thunfifch, als m andere fich 
mache, foll in der weichen Haut liegen a), die diefer Fifch unter den Bruftflofien hat 

Der Thuufifch hat ein rothes, derbes, nahrhaftes Fleifch, welches frifch dem Kalb- 
fleifche an Farbe und Gefchmack ähnlich iftj befonders zart foll dasjenige feyn, welches 
an der Rruft fitzt. Ich weifs nicht, was den Richter veranlaget hat, zu glauben, dafs der 
Genufs diefes Fifches gefährlich fey, und Verzückungen zuwege bringe b). Es wird 
entweder frifch oder eingefalzen genollen , und in jenem Falle, entweder gekocht, in Butter 
•der Proveneeröhl gebraten und auch marinirt verfpeifet. 

Wenn diefer Fifch eingefalzen werden foll; fo hängen die Fifcher ihn beym Schwänze 
auf, öfnen den Bauch, und wenn fie das Eingeweide herausgenommen, und das Fleifch 
vom Rückgrade abgefondert haben ; fo zerlegen fie daifelbe in Stücke und pökeln es ein ; 
es wird unter dem Namen Tonine verkauft, und befonders häufig nach Konfiantinopel ver- 
fchickt. Vormals war der Handel damit fehr ausgebreitet, denn er vertrat die Stelle der 
holländifchen Heringe, des ruffifchen Kaviars, der franzöfifchen Sardellen und Anjovis. Vor- 
züglich fchätzte man fie in Italien fehr, und belegte man verfchiedene Theile derfelben mit 
befonderen Namen j fo hiefsen die nach der Länge gefchnittene magere Stücke Tarenteila, 
und die fettere Bauchfiücke Ventresca- und Surra.. Der Thun fiand vormals bey diefer Na- 
tion und den Spaniern, wegen der Vortheile, die ihnen fein Handel gewährte, in fo grofser 
Achtung, dafs man ihn, nach Lahats Zeugnifs, auf den fpanifchen c) und nach Bellons 
Verficherang auf den italiänifchen Münzen d) abgebildet findet. Nach dem Richter war 
diefer Fifch ein Bild der ehelichen Treue, und auf den Hochzeiten mufste etwas davon ge- 
nofien werden e). Die Griechen hatten ihn der Diana geheiligt. 

Die Leber diefes Fifches ifi grofs und röthlicht, und befteher aus dreyen Lappen-; 
die Milzeifi dunkelblau, der Schlund weit und mit Aarken Falten verfehen.. Der Magen ift 

N 5 



a) Sah. Aquat. p„ lad, d) Aquat. p. io5. 

b) Ichth. S. 68g. e) A. a. 0. S. pfr 

c) Reifen, i. B. Sw. 80» 



loa Ziveeter Abfchnitt. Von den Makrelen insbefondere. 

ein l'änglieher Sack, aus denen obern Theil der Darmkanal entfpringt, und in einer gerin- 
gen Entfernung am Magen find zwey Anhängfei befindlich, deren jeder in zween Aefte, 
und diefe wieder in mehrere Zweige fich vertheilen , fo dafs man zulezt fechszehn Enden 
derfelben zählet; der Darmkanal hat nur drey Beugungen, das, was aber in Anfehung der 
Eingeweide befonders merkwürdig fcheinet, ift die Gallenblafe, welche fo lang als die 
Bauchhöhle und am Darmkanal befeftiget ifl. 

In Deutfchland heifst diefer Fifch Thunfifch und in Heiligeland mch Springer; inDan- 
nemark Tanteie; in Norwegen und Lappland Makrell-Störie ; in Holland Thonyn; in Frankreich 
Thon, die einjährigen aber Chicora; in Italien Thomo; in Spanien Albacore; in Portugall Ca. 
vafo; auf den antillifchen Infein Gerimon; auf den maldivifchen Taüing; auf der Inful 
Maltha Itton, und in Brafilien Guarapucu. 

Ariflotelet hielt unrichtig den Breitfifch a) für einen Thunfifch, wenn er noch 
nicht fechs Monat alt ift, und den Bonnetfifch b) für eben diefen, wenn er älter iß; er 
pflanzte diefen Irrthum nicht nur auf die nachfolgende griechifche und römifche , fondern 
auch auf verfchiedene deutfche Schrift/Teller, als Jonfton c) und Aldrovand d) fort. Bellon 
bemerkte zuerft, dafs der Bonnet vom jungen Thun, durch die fchwarzen Streifen, welche 
diefem fehlten, fich unterfcheide e), und Scaliger betätigte diefes durch die Erfahrung der 
marfeillifchen Fifcher, welche ihn verficherten , dafs nie aus einem Pelamiten ein Thunfifch 
würde f). Willughby trennete daher mit Recht diefe beide Fifche von einander g), dem 
auch Ray folgte h). Um fo viel mehr ift es zu verwundern , dafs der fcharffinnige Artedi, 
welcher übrigens dem Willughby zu folgen pflegte, den Bonnet für einen jungen Thun, und 
den Breitfifch nur für eine Abänderung defielben ausgiebt i), da doch beyde fich von 
jenem nicht nur durch die geringe Gröfse und die verfchiedene Anzahl der Strahlen und der 
Baftartflofie, fondern da auch der Bonnet durch die fchwarze Streifen, und der Breit- 



a) Seomber Cordyla. L. f; Willughb. Ichth. p. igo. 

b) — Feiamis. L. g) I. a. B. p. 176. 180. 

c) De Pifc. p. 12. h) Syn. Pifc. p. 57, n. x. 

d) p. 307. i) Synon. p. 49. 50. 

e) Aquat. p. 106. 



Zvseeter Ahfchnitt. Von den Mackrelcn inslefonäere. 103 

fifch durch die ftachlichten Schilder, womit ein Theil der Seitenlinie befetzt ift," fich hin- 
länglich unterfcheiden. 

Arißoteles irrete eben fowol, wenn er glaubte, der Thun wschfe fo fchnell, da& 
fich die Zunahme täglich bemerken liefse a), als wenn er fagt, dafs er nicht mehr als zwey 
Jahr alt werde ; der letztere Fehler ift um fo auffallender, da ihm deffen ungeheure Gröfse 
nicht unbekannt geblieben ift b). Einen andern Fehler begehet er, wenn er vorgiebt, dafs 
diefe Fifchart fich im Februar begatte c), und erft im Jun ihre Eyer von fich gebe. 
Auch fpricht er ihnen die Schuppen ab d). 

Galenits e) und andere griechifche Schriftfleller halten den Thun für einen jungen 
Wallfifch, worinn ihnen auch Belhn gefolget ift f ), welcher letztere fogar hieraus fchliefset, 
dafs es auch unter diefen Waflerthieren, eben fo wie unter den vierfüfsigen Amphibien, fo 
wol lebendig gebährende, als eyerlegende gebe. 

Arißotekt irrt auch darinn g) , wenn er, fo wie auch in der Folge Pliniui h), vor- 
giebt, dafs den Männchen die Afterflofle fehle. 

Rondekt hat diefe Meinung bereits durch feine Unterfuchung widerleget i), ift aber 
dagegen in einen andern Fehler gefallen, indem er aus einem unerklärbaren Grunde be- 
hauptet, dafs die Männchen eine ungetheilte, die Weibchen aber eine getheilte Afterflofle 
hätten k), damit die letzteren defto leichter ihr Gefchlecht fortpflanzen könnten. 

Athaeneus 1) und Soßratus m) irren, wenn fie glauben, dafs unfer Fifch, wenn er 
klein fey, der Pelamis, gröfser der Thun, und noch grofser Orcynus, und wenn er ganz 
grofs fey, ein Wallfifch werde. 

Gronov irrt darinn, dafs er die in feinem Zoophylacium unter Nr. 305 befchriebene Ma- 
ckrele mit dem Thunfifch für einerley hält ; da doch die feinige nur fechs Strahlen in der erflen 



a) 1. 6. c. 17. g) l. 5 . c. p . 

b) 1. 8- c. 30. h) J. 9. c. 15. 

c) L 6. c. 17. i) De Pifc. P. I. p. 346. 
d.) 1-2. c. 13. k) A.a.O. 

e) De Alim. Qaff.a. p.31. 1) 1.7. p. 151. 

f) Aquat. p. 105. m) beym IVillughb. p. 177. 



104 .'Ztveeter Abfchnitt. Von den Mackrekn insbefondere. 

Rückenflofie hat, auch die Bruftfloflen nur kurz , und die Afterflofle mit zween Stacheln ver- 
fehen ift. Der Ritter führt ihn daher unrichtig zum Thunfifch an a). 

Wenn Bomare fagt, dafs diefer Fifch fogleich abflehe, als er aus dem Waffer 
komme b); fo widerfpricht ihm HertPernetti, welcher verfichert, dafs er einen dergleichen 
Fifch, welchen er am Schwänze aufgehangen, noch eine Stunde leben gefehen; dafs aber 
diefer Fifch durch das Beftreben fich loszumachen , das Herz durch ein Erbrechen von fich 
gegeben habe c), fcheinet fich wohl nicht im Ernfte behaupten zu laflen, da es unbe- 
greiflich ifl, wie das Herz, welches in der Brufl fitzt, durch den Magen ausgebrochen 
werden könne. 

Linni beftimmt den Thunfifch durch die acht kleine Floflen am Schwänze , allein 
diefes Kennzeichen ift unficher; denn fo fagt Plümier in feinem Manufcript, dafs diefer Fifch 
fechs bis fieben, Osbeck acht d), Artedi acht bis neun e), Bellon f) und Löfflet- g) neun, 
Klein acht bis zehn h), Herr Pennant oben eilf und unten zehn i) Floflen habe. 



3. Der 

Stöcker. 



DER STOCKER. 

LVIfle Taf. 

Die Seitenlinie ftachlicht. Br. 20. B. 6. A. /y. S. 20. R. 8- 34- 

Scomber linea laterali aculeata. P. XX. V. VI. A. M- C XX. D. VIII. XXXIV. 



Scomber Trachurus. S.pinnulis unitis, fpina dor- 
fali recumbente, linea late» 
rali loricata. Linn. S. N. 
p. 494. n. 6. 

— — Hafelq. Reifen. S. 407. n. 84« 

— — Müller. Prodr. p. 47. n. 397. 



Scomber linea laterali aculeata, pinna an» ofli- 

culorum 30. Art ed. gen. 

p.3T.n.3.Syn.p-5o.n.3. 

■ — — — curva,omnino loricata, cauda 

vix bifurcata. Gron. Zooph. 

p.94. n. 308- M.I. p. 34. n. 80. 



a) S. N. p. 493. 

b) Dift. t. 2. p. 316. 

c) Hift. des Isles Malouines. t. II. p. %o. 

d) Reife nach China. S. 90. 

e) Syn. p. 49. n- 3. 



f) Aquat. p. 108. 

g) Linn. S. N. p. 498. 

h) Miff. Pifc. V. p. 12. n. 3. 
i) Britt. Zool. in. p. 269. 



Zweeter Ahfchnkt. Von den Mackrehn insbefondere. 105 

Trachinus Trachiurus, linea laterali elevata ex- The Mother of Anjovis. Chartet. Onom. p. 143; 

afperata. Muf. Adolph. Fried, p. ft, t. 32. f. 1. h. 26. 

Lacettorum genus. Gesa. Aquat. p. 467. 552. Scad, Horfe • mackrell. Wilhghb. Ichth. p.290. 
Saurus. Salv. Aquat. p. 78. b. t S. 12. S. 22. 

Trachurus Autorum. — — — Ray. Synopf. p. 92. n. 8- 

Curvata pinima. Marcg. Iter. Braf. p. 150. — Penn. Britt. Zool. III. p. 26p. n. 134. pl. 51. 

— — Pifo Ind. utriusq. p. 51. Bonite, Rochefort, Hift. de Isles Antill. p. 150, 

Staurit-balück. ForskaSl. Defcr. Anim. p. 16. Stoecker, Müfeken. Schonev. Ichth. p. 75. 

Ära. Kämpfer. Reife nach Japan, 41er Theil. Suverou, Macareo. Brünnich. Pifc. Maff. p.71. 

S. 154. t. ir. f. 5. Die Barftartmackrele. Müller. L.S. 4-Th. S. 264. 

Piir. Pontopp. Norw. 2.Th. S.264. Rauher Mackrell. Gesner. Thierb. S-sö.b. 

Zum Kennzeichen diefer Mackrelenart können die Stacheln dienen , womit die Sei- 
tenlinie befetzt ift. In der Bruftfloffe befinden fich zwanzig, in der Bauchflofle fechs, in 
der Afterfloffe ein und dreifsig, in der Schwanzflofle zwanzig, in der erften RückenflofTe 
acht und in der zwoten vier und dreifsig Strahlen. 

Der Körper diefes Fifches ift geftreckt und auf beiden Seiten zufammengedruckt:' 
da er in Abficht auf die äufsere Bildung mit der Mackrele die mehrefte Aehnlichkeit hat ; v 
fo belegt man denfelben in Frankreich mit dem Namen Baftartmackrele. Der Kopf ift grofs 
und etwas abfchüfsig; die Mundöfnung von mitlerer Gröfse; von den Kinnladen die 
untere am lä'ngften, nach oben zu gekrümmt, und beide find mit einer Reihe kleiner Zähne 
bewaffnet. Der Gaumen ift rauh, und die Zunge glatt, breit und dünn; die Augen find' 
grofs und haben einen fchwarzen Stern. Der ihn umgebende Ring hat eine Silberfarbe, 
weiche ins röchliche fpielet; nach hinten zu find die Augen beinahe zur Hälfte mit einer 
Nickhaut bedeckt. Der Kopf, fo wie die Seiten und der Bauch, find von einer Silber- 
und die Stirne mit dem Rücken von einer grünblauen Farbe. Der Rücken bildet einen 
flachen Bogen und ift fcharf, bis auf diejenige Furche, welche zur Aufnahme der erften 
Floffe beftitnmt ift. Der Kiemendeckel befteht aus zwey Plättchen, davon das obere mit 
einem fchwarzen Fleck verfehen ift. Die Kiemenhaut liegt unter dem Deckel, und die 
Kiemenöfnung ift weit. Die Seitenlinie macht am Ende der Brufiflofle eine Beugung nach 
dem Bauche zu, und läuft hiernächft in gerader Richtung fortj fie ift mit acht und fechszig 





106 Zweeter Abßmitt. Von den Mackrehn insbefondere. 

Schildern befetzt, welche wie Dachziegel über einander liegen , und deren jedes in der. Mitte 
mit einer nach dem Schwänze zu gekrümmten Spitze verfehen id. Sie raget am Schwänze 
ftark hervor, und theilet dadurch diefem eine viereckigte Gefialt mit. Jene Stacheln find es 
auch , welche diefen Fifchen den Plattdeutfchen Nainen Stöcker gegeben haben. Den Rumpf 
bedecken dünne, runde und weiche Schuppen, dergleichen man auch zwifchen den Schil- 
dern wahrnimmt. Sämtliche Floffen find weifs , und nur die erften Strahlen in der zwoten 
Rückenfloffe fchwarz; die Strahlen in der erflen Rückenfloffe find flachlicht, wovon die 
erflere am kürzeflen und vorwärts gebogen ift; die übrigen Strahlen find weich, ausgenom- 
men die beiden erflen in der Afterfioffe, welche flachlicht find. Die Schwanzfloffe ift eben 
fo wie bey dem vorhergehenden mondförmig. 

Diefer Fifch wird in der Gegend von Kiel nicht über eine Spanne a), in England 
von einem, und im mittelländifchen Meere bis zween Fufs lang angetroffen b). 

Der Stöcker lebt in der Nord- und Oflfee, im Weltmeere an mehreren Stellen, und 
wird am häufigfien in dem mittellündifchen Meere gefunden : demohngeachtet gedenkt we- 
der Arißoteki noch Plinius feiner , fondern Aelian erwähnt deffelben zuerfi c) , und auch 
Athaeneus d), Oppian e) und Galenus f) gedenken feiner. Bellon hat ihn zuerft deutlich be- 
fchrieben und in einem Holzfchnitt abgebildet g). Ihm folgen Rondekt h) und Sahlau i), 
jedoch ift in der Zeichnung des letzteren der Rücken unrichtig mit drey Floffen vorgeflellt. 

Der Stö.ker gehört zu den fieifchfreffenden Wafferbewohnern , und Willuvhby k) 
fand in feinem Magen den Sandaal 1). Er ifl ebenfalls einer von den Fifchen, welche im 
Frühjahr an den Geftaden des Meeres haufenweife erfcheinen; aus welchem Grunde ihn 
Oppian zu den Uferfifchen zählet m). Weil er mit der Mackrele zu gleicher Zeit laichet; 
fo wird er auch mit ihr fowol in Netzen, als mit Angeln gefangen. Er hat aber kein fo 



a) Schonev. Ichthyol, p. 75. g) Aquat p. 191. 

b) Rondel. P. I. p. 233. h) De Pifc. P. I. p. 233. 

c) 1. 2. c. 50. i) Apat. p. 78- b. 

d) 1. 7. p. 162. k) Ichth. p. 290. 

e) 1. 1. p. iog. 1. 3. p. 138. 1) Ammodytes Tobianus. L. 

f) De alim. Maff. 2. p. 30. rn) 1. 1. p. 108. 



Zweeter Abfchnkt. Von den Mackrelen inshefondere. 107 

fettes und zartes Fjeifch, als jene, und wird vom Galen zu den fcliwer zu verdauenden 
Speifen gezählet a) ; jedoch hält man ihn in Kiel, wo er zur Herhflzeit gefangen wird, 
für einen Leckerbiflen b). In Italien hingegen achtet man ihn frifch nicht, nur ein ge- 
ringer Theil davon wird gebraten verzehret, und in Rom, mit andern wohlfeilen Fifchen, 
unter dem Namen Bratfifch (Frittura) verkauft c). Der gröfste Theil wird wie der He- 
ring eingefalzen , und hat in England wegen des zarten Gefchmacks , den er alsdenn erhält, 
den Namen der Mutter des Anjovis bekommen d ) : fonfl wird er auch zu einer wohl- 
fchmeckenden Speife, wenn man ihn, nachdem er zuvor ein wenig gekocht worden, ein 
Paar Stunden in fehr fcharfen und flark gewürztem Weineffig liegen läfst. 

Die Leber des Stöckers ift klein , und befleht aus zween Lappen von verfchiedener 
Gröfsej die Milz ift fchwarz und länglicht, der Magen dreyeckigt und der Darmkanal 
hat zwo Beugungen und zwölf bis dreyzehn Anhängfei. Die Schwimmblafe liegt längs 
dem Rücken. 

In der Oftfee wird er in der Gegend von Eckernfort Stoecker, fonfl auch Mti- 
feken genannt; in Dännemark heifst er Stoikket-; in Norwegen Piir ; in Frankreich Ma- 
quer au batard; in Marfeille befonders Soiwerou und Macareo, und in Montpeiller Saurel und 
S-imrel; in Venedig Saurou; in Rom Suaro; in Genua Sou; in Brafilien Curüata pinima, 
und bey den dafigen Portugiefen Bointo ; in Japan Ära; in der Türkey Staurit - Baliick ; 
in England Send; in London befonders Horfemakrel und in Holland Marsbanckcr. 

Beiion e), Rondelet f), Saluia-n g), Aldrovand h) und Jonflon i) haben diefem 
Fifche die Schuppen abgefprochen, welche ihm jedoch Wiüughby zuerft wieder beygelegt 
hat. Aldrovand befchreibt ihn anfänglich nach dem Rondelet, deffen Zeichnung er auch 

O 2 



a) De alim. Gaff. 2. p. 30. f) De Pifc p. 233. 

b) Schonev. Ichth. p. 75. g) Aquat. p. 79. 

c) Salv. Aquat. p. 79. b. h) De Pifc. p. 267. 

d) Chariet. Onom. P.T43. i) -— — p. 95. 

e) Aquat. p. 190. 



i©8 Zweiter Ahfchnitt. Von den Mackrelen insbefoniere. 

kopirt hat} in der Folge aber einen, welchen er felbfl gefehen und abbilden lallen: jedoch 
fleht man fowol aus feiner Befchreibung als aus der Zeichnung, welche eine gerade und 
glatte Seitenlie, und drey Rückenfloffen enthält, deutlich, dafs er einen ganz andern Fifch 
vor fich gehabt habe a). 

Herr Brünniche zweifelt, ob unter dem vom Salvian auf der 78den Seite 
vorgeflellten Fifch, der unfrige zu verflehen fey b) ; jedoch ergiebt fich aus der Ver- 
gleichung feiner Befchreibung mit der unfrigen, dafs fein Fifch würklich der Stöcker ge- 
wefen, nur hat er es darinn verfehen, dafs er die zwote Rücken- und die Afterfloffe 
getheilt hat. 

Die Frage des Gronov : ob unter den Trachinus Trachyurus, der im königl. fchwedifchen 
Mufaeo befchrieben ift c), unfer Fifch zu verflehen fey d)? kann ich mit ja beantworten 5 wie 
folches fowol aus der Zeichnung felbfl, als auch aus den Citaten im Texte p. 72. erhellet. 

Wenn übrigens Aelian erzählet, dafs, wenn man diefem Fifch den Schwanz abhaue 
und lebendig in die See werfe, und erfteren hernach einem trächtigen Pferde anhänge, die- 
fes davon frühzeitig werfen würde e); fo gehöret diefes zu den Fabeln jener Zeiten. 

Endlich kann ich die Frage des Mortimer: ob unter der Figur, welche beym Wih 
lughby auf der Tafel S.12. abgezeichnet ift, unfer Fifch, oder die Horfe makrell der Englän- 
der zu verflehen fey f).* auch mit ja beantworten. 



a) De Pifc. p.268. i) Zooph. p. 84- n. 308. 

b) Pifc. Maff. p. 70. t) 1. 2. c. 50. 

c) p. 71. 1 32. f. 1. f) Index. Pifc. in Tchth. Willughbeiana. 

Litera M. 



ios> 



XIII. GESCHLECHT. 

Die Meerbarbe. 
ERSTER ABSCHNITT. 

Von den Meerbarben überhaupt. 

JJer Kopf fo Vle der ganze Rumpf mit leicht abfallenden grofsen Schuppen bedeckt, 
Mullas etiam capite fquamis deciduis magnis teSio. 



Mullus. Lim. S. N. gen. 171. p. 495. 

— Klein. Miff. Pifc. V. p. 22. 

— Willughb. Jchth. p. 285. 

— Ray. Synopf. Pifc. p. 90. 

— Gronau. Zooph. p. 85- 



Trigla. Arted. gen. 32. p. 42. 
Le Rouget. Goüan. Hift. de Poiff. gen. 18» 
p. 104. 145. 

Surmulet Penn. Britt. Zool. III. gen. 30. p.271» 
Meerbarben. Müll. L. S. 4-Th. S.269. 



Die leicht abfallende Schuppen fowol am Kopfe, als auch am Rumpfe kann mm 
als ein Merkmal betrachten , die Fifche diefes Gefchlechts zu beftimmen. 

Der Körper ift gedreckt und rundlicht, der Kopf fehr abfchüfsig, die Mundöfnung 
klein und die Kinnladen, fo wie der Gaumen, find mit überaus kleinen Zähnen befetzt; die 
Zunge ill kurz, fchmal, glatt und unbeweglich; die Augen find länglicht, rund, flach,.-- 
flehen am Scheitel nahe beyfammen , und haben eine Nickhaut ; die Nafenlö'cher find dop- 
pelt, und dabey überaus klein. Die Kiemendeckel beliehen aus drey zart geflreiften Blätt- 
chen; die Kiemenöfnung ill von mklerer Gröfse, und die Kiemenhaut, welche fchmal 
ill, nur mit drey Strahlen verfehen. Der Rücken und der Schwanz find mndlicht und 
die Seiten ein wenig zufammengedrückt. Diefe Fifche haben übrigens acht Hoffen-,. 

3 



HO Erfler Abfchnitt. Von den Meerbarbai überhaupt. 

davon zwo an der Bruft, eben fo viel am Bauche, eine am After, eine am Schwänze und 
zwo am Rücken fitzen und ift befonders die erfte Rückenfloffe mit Stacheln bewaffnet 

Die Fifche diefes Gefchlechts leben von der Brut anderer WafTerbewohner und von 
Seekräutern. Zum Aufenthalt ift ihnen die Nord - und Oflfee , auch andere Theile des 
Weltmeeres angewiefen ; vorzüglich gehören fie im mittellündifchen Meere zu Haufe. Da 
fie mit einer fehr fchönen rothen Farbe prangen; fo irt es kein Wunder, wenn fie bereits 
die Aufmerkfamkeit der Griechen und Römer auf fleh gezogen, und befonders bey den letz- 
teren in einem hohen Werth geflanden haben. Plinius kannte bereits diejenigen zwo Arten, 
welche mit Bartfafern verfehen find, die er aber nur allein dadurch unterfcheidet , dafs 
die eine vom Fleifch , die andere aber von Mufcheln und Seekräutern leben folle a). Diefe 
Kennzeichen liegen aber keinesweges in der Natur des Fifches, da fie beide einen gleich- 
förmigen Bau des Mundes haben , und alfo einerley Nahrung geniefsen muffen. Salvian, 

der fie unter dem Namen Mullus und Mullus major befchreibt, fondert fie durch die Gröfse 

i 

und Farben von einander ab b), dem auch Charleton folgte c). Marggraf machte uns 
im Jahr 1648 mit einem fchwarz gefleckten Fifch diefer Art bekannt, welchen er Pirametara 
nennt d), den auch bald darauf (1654) Pifo befchrieb e), und der beym Rochefort unter 
der unbeflimmten Benennung, im autre Poijfon de Koche, vorkommt f). In der Folge 
lehrte uns Willughby (1636) den Kahlbart kennen g), und fetzte zugleich die Kennzeichen 
feft, wodurch die beiden Rothbärte fich unterfcheiden h). Diefe zwey handelt er zufammen 
in einem, und den Kahlbart in einem befondern Kapitel ab. Den Marggraffchen hält er 
für eine Abänderung des Rothbarts, deffen aber Ray, Artedi und Linne gar nicht erwähnen. 
Die drey Gattungen, welche Artedi kannte, gefellete er den Knorrhähnen bey i), ohnge- 
achtet fie von jenen unterfchieden find , und auch beym Willtighby von einander getrennet 



a) N. H. 1. 9. c. 17. Hift. des Isles Antill. p. 150. 

b) Aquat. p. 236. g) Mullus imberbis. Linn. 

c) Onomaft. p. 138- h ) Ichth - P- a % 6 - 

d) Hift. Nat. Braff. p.181. '0 S y n - P-7- »• * — 3- 

e) Ind. utriusque. p. 60. , 



Erßer Abfchnitt. Von den Meerbarben überhaupt. IH 

waren. Klein ordnete fie mit Recht, wie Willughbj/, in ein eigenes Gefchlecht, und brachte 
zu den drey bekannten nicht nur den erwähnten , fondern auch noch einen, aus dem Marg- 
graf a), welchen ich aber in diefem Schriftfl eller nicht finde. Linne unterfcheidet zwar die 
Meerbarben von den Knorrhähnen ,• er fchränkt fich aber fo wie jene Schriffleller auf die 
drey längfl bekannten ein b). Gronov flehet zwar anfänglich feine Meerbarben ebenfalls 
für Knorrhähne an c) , jedoch trennt er fie in der Folge von einander d) , und hält den ge- 
flreiften für eine Abänderung , Herr Brünniche aber beide Rothbärte nur für eine Gattung e). 
Herr Pennant handelte fie als zwo befonderc Gattungen ab f) ; jedoch zweifelt er, ob fie 
auch würklich verfchieden find. 

Bey diefen getheilten Meinungen kann uns nur ein aufmerkfamer italienifcher Natur- 
kiindiger Gewifsheit geben , ob würklich zwo verfchiedene Gattungen vorhanden find , oder 
ob die gelbgellreifte der Milcher und die andere der Rogner fey; denn ausgemacht ift es, 
dafs fo wie bey den Vögeln, alfo auch bey den Fifchen die Farben der Männchen gemeinig- 
lich fchöner ausfallen als bey den Weibchen. 

In den fpätern Zeiten hat uns Forska'öl zwo neue Arten aus Arabien bekannt ge- 
macht g); von diefen fechs Arten gehöret der geflreifte Rothbart allein in unferer Gegend 
zu Haufe, defien ßefchreibung ich fogleich mittheilen werde. 

ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Meerbarben insbesondere. 

DER GESTREIFTE ROTHBART. 
LVlIfte Taf. 



Der Körper roth und gelb geflreift. K. 3. Br. 15. B. 6. A. 7. S. 22. R. 7. 9. T . o er 

MuUus corpore rubro ßriis luteis. B. III. P. XV. V. VI A. VII. C XXII. D. VII. IX. Rothbart, 

a) Miff. Pifc. V. p. 23. e) Pifc. Maff. p. 72. 

b) Um. S. N. p. 495. f ) Britt. Zool. III. p. 271. 

c) Muf. I. p.99. g) Mull. Auriilamma und vittatus, Defcripfc 

d) Zooph. p. 85. Anim. p, 30. n. 19. 20. 



na 



Zweeter Abfihnitt. Von den Mierbarben inslefondere. 



Mullas furmuletas, M. cirris geminis, lineis lu- 

teis longitudinalibus. Lew». S.N. p. 496. n.2. 

Trigla capite glabro, lineis utrinque 4 luteis 

longitudinalibus paralelis. Art. gen. p. 43. 

n. 2. Syn. p. 42. n. 2. 

Mullus barbatus, pinnis dorfalibus colore flavo 

et miniato pi&is; oculorum iride miniato, 

fuper fquamis craffioribus quater lineatus. 

Klein. Mifc. Pifc. V. p. 22. n. 2. 

Mullas cirris geminis, in apice maxillae inferio- 

ris. Gron. Zooph. p. 25. 

n. 286. Muf. I. p. 43. n. 199. 

_ — — corpore argenteo, luteo 

longitudinaliter lineato, de- 

fquamato rubro. Brunn. 

Pifc. Maff. p. 71. n. 88- 

H'T^X«, Arifl. 1.2. c. 17. 1. 4. c.n. 1.5. 

c. 9. 1. 6. c. 17. 1. 8- c. 2. 13. 1. 9. c. 2. 37. 
T^tykot, Äelian. 1. 2. c. 41. 1. 9. c. 31. 65. 
1. 10. c. 2. 

— Athaen. 1. 7. p. 324. 325. 

— Oppian. l.i. p.65. 



Mullus. Galen, de Aliment. Gaff. 2. 

— Ovid. Hallet, v. 123. 

— Plin. H. N. 1. 9. c. 17. 18. 51. 1. 32. 

c. 10. ir. 

— Senec. Natur, quaeft. 1. 7. epift. 96. 

— Ciceron. Parad. p. 48. 

— Horat. Sermon. 1. 2. 
— - ofuvenal. Sat. 4. 

— major. Sah. Aquat. p. 236. 

— — Aldr. de Pifc. p. 123. 

— — gfonfi. p. 6j. 1 17. f. 7. 

— — Wilfoghb. Ichth. p. 285. t. S. 7. 

f. 1. 
— ' — Ray. Synopf. Pifc. p. 91. n.2. 

— barbatus. Rond. P. I. p.290. 
Tekyr. Forskaol. Defc. anim. p. 16. 
Surmulet. Bellon. Aquat. p. 176. 

— Penn. Britt. Zool. III. p. 271. n. 135. 

pl- 53- 
Das Petermännchen , Golddecken. Schonev. 

Ichth. p. 47. 
Der Riefenbarbe. Müll L.S. 4.TI1. S.270. 



Die rothe Farbe und die gelben nach der Länge laufenden Streifen, unterfcheidea 
diefen Fifch hinlänglich von den übrigen feines Gefchlechts. In der Kiemenhaut befinden 
lieh drey, in der Bruftflofle fünfzehn, in der Bauchflofle fechs, in der Afterflolle He- 
ben in der Schwanzfloffe zwey und zwanzig, in der erften RückenflofTe Heben und in 
der zwoten neun Strahlen. 

Der Kopf ift bey dtefem Fifche grofs, und ebenfalls mit gelben Streifen befetzt, 
die auf einem Silbergrunde flehen, durch welchen die rothe Farbe durchfehimmert. Die 
Mundöfnung ifl klein , und von den Kinnladen raget die obere hervor. Die Augen, welche 
nahe am Scheitel flehen, find grofs, rund und haben einen blauen, roth eingefafsten und 
mit einem filbernen Ringe umgebenen Stern. Von den drey Blättchen, woraus der Kie- 



Zweeter Abfchnitt. Von den Meerbarben insbefoniere. 1 1 j 

mendeckel befteht, iß das untere fchmal und lang, und das obere gehet in eine weiche und 
ftumpfe Spitze aus; die Kiemenöfnung ift weit, und die Kiemenhaut fchmal; der Rumpf, 
welcher vorn breit ift, wird gegen das Schwanzende fchmal, und Ift, fo wie der Rücken, 
rund. Lezterer hat vorn eine Furche, welche dazu dienet, die Rückenfloffe, wenn fie der 
Tifch einziehet, aufzunehmen und zu verbergen. Die Seitenlinie läuft mit dem Rücken 
parallel, weicht jedoch gegen den Schwänze zu von demfelben ab, in deffen Mitte fie fich 
verlieret. Der Körper ift, fo w;ie der Kopf, roth, und die goldgelben Streifen verlieren fich, 
da fie nur auf der Oberfläche der Schuppen fitzen, fogleich, als diefe abfallen: die rothe 
Farbe aber, welche durch die durchfichtigen Schuppen angenehm durchfcheinet, wird da- 
durch erhöhet, wenn diefe Blä'ttchen abgefallen find. Sämtliche Floffen find gelb, und die 
Strahlen derfelben fallen in eine rothe Farbe, die Rückenfloffe ausgenommen. Die Strahlen 
der vordem Rückenfloffen find hart und einfach , die übrigen aber weich. 

Wir treffen diefen Fifch in der Nord- und Oftfee, im mittelländifchen Meere und 
bey den antillifchen Infein a) von verfchiedener Gröfse an. So wird er in der Oftfee feiten 
über eine Spanne b), in der Nordfee von vierzehn Zoll, und im mittelländifchen Meere, 
wo er vorzüglich zu Haufe gehört, nach der Verficherung des Pirnas, hin und wieder einen 
Fufs lang c). Juvenal gedenkt eines von fechs Pfunden 6) , und da er diefen ein Ungeheuer 
nennt; fo mufs wohl der beym Plinim , welcher im rothen Meere gefangen worden, und 
achtzig Pfund gewogen hat e) , ein anderer Fifch gewefen feyn. 

Diefer Rothbart hat bey feiner fchönen Farbe auch ein weifses, derbes und blättri- 
ges Fleifch, welches, da es nicht fonderlich fett ift, eine leicht zu verdauende Speife 
giebt. Er ftand bey den Griechen und Römern in überaus grofsem Wehrt; diejeni- 
gen, welche fich mit feinem Fange abgaben, machten ihn lieber zu Gelde, als dafs 
fie ihn verzehrt hätten, nach dem noch heut zu Tage in Italien üblichen Spruch Worte: 



a) P. Plüm. Mfc. Aequantetn fane paribus feftertia libris. 

b) Schonev. Ichrh. p.74. Sat. IV. 

c) N. H. 1. 9. c. 12. e) 1. 9. c. ig. 
ä) Mullum fex millibus emit 



114 Ziveeter Abfchnitt. Von den Meerbarben insbefondere. 

derjenige geniefset das nicht, was er gewinnet a). Wie hoch nun die Verfchwendung 
bey diefer Nation damals gediegen , kann man auch daraus fehen , dafs man nach dem 
Juvenal, ihn mit fo viel Silber bezahlte, als er fchwer war. Als Galen einsmals jeman- 
den frug, warum er einen folchen Fifch, der wegen feiner Gröfse ein unverdauliches Fleifch 
habe, fo theuer erkaufte; fo antwortete ihm diefer, wegen zweyer LeckerbifTen , nemlich 
der Leber und des Kopfes b). Jener Dichter wirft daher mit Recht dem Calliodor vor, dafs 
er die 1200 Seftertien, welche er für feine Sklaven gelöfet, an einem Abend in vier Roth härten 
verfchmaufet habe c). Wie Seneca meldet, fo liefs der Kaifer Tiberius einen dergleichen 
Fifch von vier Pfunden, der ihm gefchenkt war, verkaufen, welcher dem O&avius 
für 5000 Seftertien nicht zu theuer war d). Nach des Plinius Verficherung bezahlte der Con- 
ful Celer einen mit 8000 Seftertien e); und nach dem Sueton find unter der Regierung 
des nemlichen Kaifers drey Stück mit 30,000 Seftertien f ) bezahlet worden g). Den hohen 
Werth, welchen die Römer diefem Fifch beylegten, fcheint man indeflen nicht blofs fei- 
nem leckern Gefchmack, fondern auch den fchönen Farben, womit diefer Fifch pranget, 
zufchreiben zu muffen ; denn nach dem Varro diente er auch denenfelben in ihren Fifchbe- 
hältern zu einer Augenweide h); daher Cicero feinen Landesleuten den Vorwurf macht, 
dafs fie glaubten über alles erhaben zu feyn, wenn fie nur Rothbärte in ihren Fifchhehältern 
aufweifen könnten i). Auch diefes war ihnen nicht genung, fondern de liefsen fie auch, 
wie Seneca berichtet, auf ihren Gaflmalen in den Händen abflerben , um fich an der Verän- 



a) Non mangia la triglia, chi la piglia. Berechnung des Arbutnot, Ctimberland ', Gria- 

b) De alim. facult Gaff. 2. p. 29. ves und Hooper, wäre eine Seftertie zu Zeiten 

c) Addixti fervum Nummis liere mille ducentis. des Kaifers Tiberius p| Pfennig werth gew efen. 
Ufc bene caenares, Calliodore, femel: g) S. Aldrov. A. a. O. 

Nee bene caenafti, Mullus tibi quatuor em- h) De re ruftica. 1. 3. c. 17. 

ptus. S. Aldrov. de Pifc. p. u8> i) Noßri autem prineipes digito fe coe- 

d} Epift. 96. lum putant attinger'e, fi Mulli barbati in pifei- 

e) 1 9. c. 17. nis funt, qui ad manum accedant. Epift. ad 

f) Diefe Summe würde nach dem jetzigen Attic. 1. 2. paradox. 16. 
Reichsfufs 1000 Rthlr. machen ; denn nach der 



Zwecter Abfehnttt. Von den Metrbarben insbefonäcre. 1x5 

derung der Farben , die alsdann nach und nach zum Vorfchein kommen , zu ergötzen a). 
Die Griechen hatten ihn der Diana geheiligt, und zwar, nach -dem Plutarch, deswegen, 
weil er auf den Seewolf, als den gröfsten Feind d»r JMenfchen, Jagd mache und 
ihn tödte b). 

Der Rothbart gehört zu den RauMfchen , und foll nach dem Aelian alles freuen 
was ihm vorkommt, und nach dem Fleifch der in Fäulung gehenden Menfchen und Thiera 
begierig feyn c); gewöhnlich lebt er von kleinen Fifchen, kleinen Krebfen und Mufchelnj 
von diefen foll er nach dem Vorgeben des Plinius einen angenehmen d) , von den Krebfen 
aber, nach der Behauptung des Galen , einen widrigen Geruch bekommen e). Ueberhaupt 
fcheinet diefer Arzt kein Freund von unferm Fifche gewefen zu feyn, da er verfichert, dafs 
er keinen vorzüglichen Gefchmack, und die grofsen ein hartes und unverdauliches Fleifch 
hätten; dem Arißoteles zufolge, foll das Fleifch diefes Fifches im Herbfte am fchmack- 
tiafteften feyn {). 

Es gehöret der Rothbart ebenfalls zu denjenigen Fifchen, welche fich in Haufen 
zufammen halten; er kömmt im Frühjahr aus den Tiefen hervor, und fezt feinen Laich 
in den Mündungen der Flüfse und Ströhme ab: jedoch foll er, nach dem Arißoteles , der 
einzige feyn, welcher fein Gefchlecht dreymal im Jahre fortpflanzt und auch am fpä- 
ieften laichet g). 

Man fängt diefen Fifch mit Netzen , Reufen und der Angel , wenn an letzterer 
Krebsfchwänze befeßiget find. Er wird gewöhnlich in Salzwaffer gekocht, oder auf dem 
Roft gebraten , und alsdenn mit Oehl und Citronenfaft genoffen. Einen vorzüglichen Ge- 

V 2 



a) Quantö crudeliora fönt opera luxuria«, b) beym Salt'. Aquat. p. 237. 

queties naturam aut mentitur, aut vincit? in Q s j I2 c 
cubili natant pifees et fub ipfa menfa capitur, 

qui ftatim nansferatur in menfam. Parutn vi- c v *• 9* c - *7* 

detur recens Mullus, aifi qui in convivae manu e ^ £) e ^Km. Claff.s. p. 20. 
moritur. Vitreis oliis inclufi ofFeruntur et ob- 

fervatur tnorentium color, quem in multas mu- / • 9. c. 37. 

tationes mors luftante fpiritu vertit. Seneca. g) 1. g. c. 9. 
queft.nat 1. 3. c. 17. 



Ilö Zweeter Abfchnitt. Von den Meerbarben insbesondere. 

fchmack erhält er, wenn er gebraten, einige Stunden in wohlgewürzten Weinefiig gelegt 
wird; oder wenn man die, Leber in Wein zerfchmelzen läfst, und nachdem etwas Gewürze 
hinzugethan worden, das Fleifch darinn tunkt. Damit diefer Fifch durch die Verfcn- 
dung von den Ufern bis nach den grofsen Städten nicht verderbe; fo wird er, fo bald er 
gefangen ift, in See waffer gekocht, mit Mehl beflreuet und in Teig eingehüllet, um den 
Zutritt der Luft zu verhindern a). 

Diefer Fifch heifst im Hollfteinfchen bey Kiel Petermannchen und Goldecken, bey 
Eckernförde Schmerbutten und Baguntken; in Dä'nnemark Mulle, Barbe ; in England Sur- 
mulet und Striped Surmulet; in Frankreich Surmulet und Barbarin; in Venedig Kouvet barbi 
und Surmulet und in der Türkey Tekyr. 

Die Leber ifl röthlicht und die daran befindliche Gallenblafe, fo wie auch die 
fchwärzliche Milz und der runde Magen find klein; der Darmkanal ift kurz und bey fei- 
nem Anfange mit fechs und zwanzig Blinddärmen umgeben. 

Wenn Arifioteles behauptet b), auch Vilnius c) und Aelian d) ihm diefes getreulich nach- 
fagen, dafs diefe Fifche dreymal im Jahre laichen; fo ift er obnflreitig durch das Streichen 
derfelben, welches fie nach dem verfchiedenen Alter, zu drey verfchiedenen Zeiten, fo wie 
die übrigen Fifche verrichten, zu diefer Meinung verleitet worden. 

Wenn Athenaeus erzählet, dafs in der Mutter des Rothbarts, nachdem de dreymal 
geboren, lieh Würmer erzeugen, welche den Saamen verzehren und fie unfru:htbar ma- 
chen, und dafs der Wein, worinn man diefe Fifche hat Herben lafien, die Eigenschaft be- 
fitze, die Männer unfähig und die Frauenzimmer unfruchtbar zu machen e) ; fo gehört 
diefes eben fowol zu den Vorurtheilen jener Zeiten , als wenn Diofcorides faget, dafs der 
häufige Genufs das Geficht und die Nerven fchwäche und roh aufgebunden die Gelb- 
fucht heile f ). 



a) Rondet. de Pifc. P. I. p. 291. d) 1. 12. c. 21. 

b) 1. 5. c. 9. e) 1. 7. p. 16. 

c) 1. 9. c. 17. f) De fimpl. 1. 2. c. %%. 



Zvoeeter Abfchnitt. Von den Meerbarben inshefondere. 117 

Bellon a) , Rondelet b) und Salvian c) irren , wenn fie unferm Fifche die Zähne ab- 
fprechen ; und Athenaeus verdienet daher den Vorwurf nicht, welchen letzterer ihm macht, 
dafs er diefem Fifch fälfchlich Zähne zugeeignet habe d). Die vier gelben Streifen, welche 
Linni e) und Artedi f ) als ein Kennzeichen diefes Fifches angeben , find ein unzuverläfsiges 
Merkmal , indem bald mehr, bald weniger vorhanden find. So finde ich ihn im Plümier 
mit fünf und beym Pennant mit zwo Streifen. Der meinige kommt mit der Zeichnung des 
Salvian überein, welcher nur drey Streifen hat. Wenn Artedi anmerkt g) , dafs Salvian 
der erfie fey, welcher diefen Fifch befchrieben; fo irret er, da bereits Plinius h) die beyden 
Rothbärte unterfchieden hat; und wenn Jnuenal ihm ein Gewicht von fechs i), Seneca 
von vier k), Horaz von drey 1), Bellon von zwey Pfunden beylegen m) und Athenaeus 
ihm Flecke giebt n); fo muffen fie wohl den unfrigen und nicht den kleinen Rothbart dar- 
unter verbanden haben. 

Dem Bellon haben wir die erfie Zeichnung diefes Fifches zu verdanken o), welche 
aber nicht mit der Natur übereinkömmt, da der Mund zu grofs ifi, und die Bartfafern am 
Winkel defielben fitzen. 

Richter führt unrichtig unfern Fifch unter den Benennungen, Petermännchen und 
grofser Rothbart, als zwo verfchiedene Gattungen auf p). 

Gromv hält unrichtig den Barbus major des Ray für unfern Fifch q) : jener ge- 
hört gar nicht in diefe Abtheilung, fondern zu den Kehlfloifern, und wie fich aus der 
dazu gehörigen Zeichnung ergiebet, hl er eine Schellfifchgattung r). 

r 3 



a) Aquat. p. 173* k) Hb. 7. epift. 96. 

b) D-Pifc. P.I. p.290. l; Serm. 1.2. v.33. 

c) Aquat. p. 236. m; Aquat. p. 176. 

d) A. a. O. n) 1. 7. p. 162. 

e) S. N. p. 496. o) A. a. 0. 

f ) Gen. p. 43. n. a. p) Ichth. S. 655. 

g) Syn. p. 72. q) Zooph. p. 85. 

h) N. H. 1. 9. c. 17. r) Gadus Lufcus. L. 
i) Sat. IV. 



u8 



XIF. GESCHLECHT* 

Die Seehähne. 



ERSTER ABSCHNITT. 

Von den Seehähnen überhaupt. 

jfVn den Bruftfloffen gegliederte Anhängfei. 

Trigla appendieibus artieuhtis ad pinnas peSlorales. 

Trigla.. Linn. S. N. gen. 172. p. 496. Cuculus, Willughb. Ichth. p.278. 

Art. gen. 32,. p. 43. — Ray- Synopf. Pifc. p. 87« 

Gron. Muf. I. p. 42. Zooph. p. 84- Gurnard, Pmn. Britt. Zoo!. III. gen. 32. p. 276. 

Cataphraaus, Corryftion. Klein. Miß Pifc. IV. Milan, Golian. Hift. dePoüT. gen. 19. p. 104. 

p. 42 . 45. Seehähne, Müller. L.S. 4.TI1. S.272. 

Die Fifche, welche in diefes Gefchlecht gehören, erkennet man an den gegliederten 
Anhä'nefeln, die vor den Bruftfloffen fitzen, und mit diefen an einem gemeinfehaftlichen 
Knochen befeftiget find. Diefe Anhängfei find von einander abgefondert, und nur bey den 
fliesenden durch eine Zwifchenhaut verbunden. Sie beliehen aus mehreren kleinen Gelen- 
ken und behalten eine jede Beugung, in welche man fie verfetzet, bey. Sie verdienen 
daher den Namen der Finger, welcher ihnen von mehreren Schriftftellern beygelegt wor- 
den ift. Ohnftreitig dienen diefe Werkzeuge, ihnen, fo wie die Bartfafem bey andern Fi- 
fchen, zum Anlocken der Beute. 

Der Körper diefer Fifche ift keilförmig, der Kopf grofs und der Schwanz fchmal. 
Der erftere ift mit einem ftarken Knochen, gleich als mit einein Panzer, umgeben, welcher 



Erfier Abfchmtt. Von den Seehähneu überhaupt. 119 

lieh bey den mehreften am Genick und an den Seiten in zwo Spitzen endigt j dergleichen 
kleinere Spitzen find auch bey verfchiedenen an dem Vordertheile vorhanden, und an allen 
Fifchen diefes Gefchlechts erblickt man über den Augenhöhlen nach hinten zu gebogene 
Höcker. Die mit einer Nickhaut verfehenene Augen find grofs , rund und flehen in einer 
weiten Entfernung von der Mundöfnung nahe am Scheitel. Da der Knochen an den Au- 
genhöhlen oben hervorftehet , fo wird dadurch eine Furche gebildet; die Mundöfnung ift 
grofs , und die Kinnladen nebft dem Gaumen find mit kleinen fpizigen Zähnen bewafnet. 
Die Nafenlöcher find doppelt und flehen nahe an den Augen ; die Kiemendeckel beftehen 
aus einem einzigen geftrahUen und mit Stacheln verfehenen Plättchen. Die Kiemenöfnung 
ift weit, und in der Kiemenhaut erblickt man fieben Strahlen. Der Rumpf ift mit kleinen 
Schuppen bedeckt und hat acht Floflen, davon zwo von fch warzer Farbe gewöhnlich an 
der Bruft , eben fo viel am Bauche und am Rücken , und eine am After und Schwänze 
fitzen. Von diefen find die Bauch - und BruftflofTen grofs, und die erfte RückenflofTe flach- 
licht. Der Rücken ift gerade, und der Länge nach mit einer Furche verfehen, welche auf 
beyden Seiten eine ftachliehte Einfaffung hat; die Seiten find etwas zufammengedrückt, 
und die Seitenlinie, welche dem Rücken näher ift, als dem Bauche, gehet in einer gera- 
den Richtung fort. Der Bauch ift dick und der After fteht zwifchen dem Kopf und 
Schwänze in der Mitte. 

Diefe Fifche bewohnen die Nord -und Oftfee, ungleichen das mittelländifche Meer 
und verfchiedene Gegenden des Oceans, und gehören zu den fleifchfreftenden WafTenbiereiu 
Wenn man fie angreift, fo heben fie ihre Rückenfloflen in die Hohe, und fuchen mit den 
Stacheln denjenigen der fie hält zu verletzen und da fie zu gleicher Zeit den Bauch ftark 
zufammenzlehen; fo fpritzen fie das eingefogene WafTer und die Luft von fich, wodurch 
der knurrende Ton entfieht, welcher zur Benennung des Fifches Gelegenheit gegeben/har. 

Dem Anflotelcs waren bereits drey Arten bekannt, nemlich der fliegende a), der 
rothe Seehahn b) und die Seeleyer c). Plinim befchrieb zuerft die Seeleuchte d). 



ä) Trigla Volitans. L. c ) T. Lyra. L. 

b) T. Cuculus. L. d) T. Lucerna. L. 



120 Erfier AbfchrJtt.. Von den Seehähnen überhaupt. 

Athenaeus gedenkt zuerft der Meerfchwalbe 3) , und Beüon befchrieb den grauen Seehahn b) 
unter dem Namen Coccyx alter : Rondelet aber den zweyfingrigen c) und den liniirten d) , 
welchen leztern in der Folge euch Ray e) und Herr Pennant f ) befchrieben haben. Wil- 
lüghby brachte diefe Arten in ein Gefchlecht zufammen g) , verfall es aber darinn , dafs er 
fie bis auf zehn vervielfältigte und dennoch den liniirten des Rondelet auslieft. Artedi ordnete 
fie ohne Grund mit den Meerbarben unter ein Gefchlecht , und nahm richtiger nur fieben 
Arten an h), liefs aber auch, wie fein Vorgänger der Willüghby , den liniirten aus: diefes 
thut auch fein Nachfolger der Ritter. Klein trennete fie hierauf und rechnet fie theils zu fei- 
nen geharnifchten , theils zu feinen Helmfifchen i ). Zu jenen gehören feine vierte , fechste 
bis eilfte, und zu letzteren die erfle bis fechste Species, welche insgefamt dreyzehn Arten 
ausmachen. Er begieng einen doppelten Fehler, dafs er eines Theils diefe Anzahl ohne 
Grund vermehrte, und andern Theils, dafs er diejenigen zu den Cataphractis zählt, welche 
nichts weniger als ganz geharnifcht find. Linne brachte fie mit Recht, wie Willüghby , in 
ein eigenes Gefchlecht, unter welchem er die angeführten zufammenfafste und diefen noch 
den vierfingrigen k) , und den kleinen fliegenden Seehahn hinzufügte , den Browne zuerft 
durch eine Zeichnung bekannt gemacht 1), an deren Stelle ich in der Folge eine ungleich 
belfere aus dem Plümier geben werde. 

Bey dem Karpfen- Lachs- und Schollengefchlecht habe ich bereits der Verwirrung 
gedacht, die in Anfehung ihrer bey den älteren Ichthyologen herrfcht: bey diefem Gefchlecht 
ift fie noch ungleich gröfser, indem verfchiedene Schriftfleller entweder mehrere Arten, als 
eine, oder eine als verfchiedene aufführen. Zu erfteren gehören Jonßon und Gronov, zu letz- 
teren Gesner, Aldrovand, Willüghby und Klein, wie ich folches bey der Befchreibung dsr 
Gattungen durch Beyfpiele darthun werde. Auch Herr Brünniche, welcher zu Marfeille Ge- 



a) T. Hirundo. L. g) Ichth. p. 278. 

b) T. Gurnardus. L. h) gen. p. 42. 

c) Lyra altera. P. I. p.299. Cataphradus. L, i) Miff. Pifc. IV. p. 42. 45. 

d) Mullas imberbis. 1. c. p. 295. k) Afiatica. S. N. p. 497. n. 7. 

e) Synopf. Pifc. p. 165. 1) Nat. Hiflr. of Jamaica. p. 453. t. 47. Q. 3. 

f) Brut. Zool. III. p. 281. n. 141. 



Zweeter Abfchnitt. Von den Seehähnen hsbefondere. i.ai 

legonlieit hatte, verfchiedene Arten an Ort und Stelle zu untersuchen, bekennet, dafs er 
nicht wüte , ob er fie richtig nach den Schriftftellern beftimmt habe a). 

Ich habe mich indeflen aus diefer Verwirrung fo viel als möglich herauszuhelfen ge- 
facht, und hoffe ich die Schriftfieller durch die Originale, welche ich vor mir habe, be- 
richtigen eu können. 

In Anfehung der Griechen und Römer, welche die Fifche weder genau befchrieben, 
noch durch Zeichnungen kenntbar machen konnten, läfst fleh mit keiner Zuverlässigkeit 
beflimmen, ob fie auch die Fifche unter den bey den folgenden Schriftftellern . vorkom- 
menden Benennungen aufgeführt haben ; und da fie uns außerdem von der Naturgefchichte 
diefer Fifche nichts beträchtliches hinterlaffen haben; fo ift auch nicht viel dabey verloren, 
wenn man fich in den Namen irren follte. 

ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Seehähnen inshefondere. 

DER GRAUE S E E H A H N. 

LVIIMe Taf. 

iJie Seiten fchwarz und weifs punkrirt, die Seitenlinie breit und flachlicht. K. 7. Br. io~ 

B. 6. A. 17. S. 9. R. 7— 19. - 1, D !T 

graue See- 

Trigla lateribus nigris albisque punftatif, linea latcrali lata aculeataque. Br. VII. hahn. 
P. X. V. VI. A. XVII. C. IX. D. VII— XIX. 

Trigla gurnardus, T. digitis ternis, dorfo ma- Trigla dorfo ad pinnas carinato, feabro : linea la^ 

culis nigris , rubrisque. Linn. terali afpera , in caudä truncata bifida : pinnis 

S. N. p. 497. n. 3. pe&oralibus albefeentibus. Gron. Zooph. p. 84« 

— — digitis ternis, linea laterali pin- n.283. Muf. I. p.44. n, 101. 

nata, radio dorfali primo antice ferrato, Coryftion gracilis; grifeus; pinna ventrali ca- 

pinnis pe&oralibus üibtus nigris. Brunn. rens ; duabus pinnis gutturalibus totidemque 

Pifc. Maff. p. 74. n. 90. branebialibus gaudens. Klein. Miff. Pifc. IV. 

Trigla varia, roftro diacantho, aculeis geminis p. 40. n. 5. 1. 14. f. 3. 

ad utmmque oculum. Art. gen. p. 46. Coccyx alter. Bellon. Aquat. p. 204. 

n. 8- Syn. p.74. n. 8. Cuculus. Ckarlet. Onom. p. 139. n.3. 

a) Pifc. Maff. p. 78. v Q 



iaa 



Zweeter Abßmitt. Von den SeehÄhnen insfofondere. 



The Grey Gurnard. Wilfoghb. Ichth. p. 279, The Grey GumaKLP<?«B.B.Z. III.. p. 276.^137. 
t. S. 2. f. 1. Kirlanidfj-Balük.i^br^flÖ/.Defcr.Anini.p.iö.n.sa. 

— — — Ray. Synopf. Pifc. p &6. Der Kirrhahn. Afößr. L. S. 4.TI1. S.274. * 

Die breite, rauhe Seitenlinie, und der fchwarze mit weifsen Punkten verfehene 
Rücken und Seiten unterfcheiden diefen Fifch von den übrigen feines Gefchleehts. In der 
Kiemenhaut befinden fich fieben, in der Bruftflofle zehn, in der Bauchfiofle fechs, in der 
Afterflofle fiebenzehn, in der Schwanzflofle neun, in der erfien Rückenfioffc fieben und in 
der zwoten neunzehn Strahlen. 

Der Körper diefer Gattung ifi geftreckt und der Kopf gröfser als bey den übrigen. 
Der Knochen über der Oberlippe hat vorn einen Einfchnitt, auf deflfen beiden Seiten drey 
bis vier Spitzen befindlich find. Die Mundöfnung ifi grofs und eine jede Kinnlade mit 
kleinen fpizigen Zähnen befetzt. Auf den Backen erblickt man filberfarbige Strahlen, zwi- 
fchen welchen die röthliche Farbe durchfcheiner. Der Kiemendeckel endigt fich , fo wie der 
Bruftknochen, in eine Spitze. Die Augen find grofs, ihr Stern fchwarz und mit einem fil- 
berfarbigen Ringe umgeben ; zwifchen diefen und den Nafenlöchern bemerkt man eine läng- 
liche Furche. DenRumpf bedecken kleine weifse Schuppen, mit einer fehwarzen Einfaflung, 
tind die Seitenlinie befiehet aus grofsen, dicken, fiachlichten Schuppen, welche in der Mitte 
fchwarz und am Rande weifs find. Die Farbe des Bauches ifi röthlich und der After dem 
Kopfe näher, als der SchwanzflofTe. Von den FlofTen find die an der Brufi und am 
Schwänze fchwärzlicht, am Bauche weifs und am Rücken und After grau, ins röthliche fpie- 
Iend. Die erfie Rüekenflofle hat einige weifse Flecke und die Strahlen in fämtlichen FIq£ 
fen find länger als die Haut, welche Re verbindet. 

Wir finden diefen Fifch in der Nord- und Ofifee, im mittelländifchen Meere und 
an den englifchen Küflen. Ich habe ihn aus Hamburg und auch aus Lübeck von meinem 
würdigen Freund,, dem Herrn Dr. Walbaum erhalten,, wo- er gewöhnlich einen und einen 
halben Fufs lang angetroffen wird ;. in England hingegen ifi er fafi noch einmal fo grofs. 

Er hält fich gemeiniglich in der Tiefe auf, wo er Krebie und Mufcheln aufflicht. 
Seine Laichzeit fällt in den May und Jun, zu welcher Zeit er fich an die Küfien begiebt und 
dafelbfi fein Gefchlecht fortpflanzt. Er laichet mehrentheils an den flacheren Stellen und 



Ztveetcr Äbfchnitt. Von den Seehähnen tntbefondere. 123 

da er fich außer diefer Zeit, wie erwähnt, gewöhnlich in der Tiefe aufhält ; fo bemächtiget 
man ilch feiner mit der Grundfchnur, und wird derfelbe durch ein Stück Fifch, oder einen 
rother, Lappen angelockt. Er läfst fich indeflen auch manchmal an der Oberfläche des Wafc 
fers fehen , wo man ihn denn mit Netzen fängt. Diefer Fifch hat ein derbes , wohlfchme- 
ckendes Fleifch, welches mit elaer Butterbrühe, oder mit Senf und zergangener Butter, ge-. 
nolTen wird. 

Im HoMeinfchen , in der Gegend von Kiel wird er Schmiedeknecht , von Heiligcland 
aber Seehahn , Kurre und Kurrefifch ; in Holland Knoorhaan ; In England Gumed und Gre* 
Gwned; in Frankreich Gurneau und auf der Infel Malta i Tigiega genannt. 

Die Leber ift blafs - die Milz dunkelroth und der Magen dickhäutig. Der Darm- 
kanal hat viele Beugungen und am Anfange mehrere Anhängfei ; die Gallenblafe ift klein; 
gelblicht und durchfichtig. 

Bellon befchrieb diefen Fifch, wie erwähnt, zuerft; In der Folge gedachte Ckar* 
leton feiner, jedoch nur mit wenigen Worten, unter dem Namen Cuculus a) und der englf- 
fchen Benennung Gumed und Grey gurned ; hierauf befchrieb ihn Wiütighby genau b) und 
lieferte davon eine Zeichnung, worauf aber die Bauch -und Afterfloflen fehlen. Hierdurch 
wurde Klein verleitet, zu fagen: dafs diefer Fifch keine BauchflofTen habe c), ohngeachtet 
WiUughby die Anzahl, Geftalt und Lage der Flößen eben fo, wie bey den übrigen Seehäh- 
nen, angiebt. Nach dem Linne bewohnet diefer Fifch das brittannifche Meer d), und wie 
oben erwähnt, fo findet man ihn auch in der Ofifee ohnweit Lübeck, in der Nordfee bey 
Heiligeland und im mittelländifchen Meere um Marfeille e) , und wenn er die rothen Flecke 
mit zum Merkmale macht j fomufs ich bekennen, dafe ich fie an dem meinigen nicht wahr- 
genommen habe. 

Wenn Artedi diefen Fifch durch den zweyeckigten Schnabel und durch die zwo 
Stacheln am Auge zu beftimmen fuchet f); fo find diefe Merkmale unzulänglich, da fiq 
bey noch anderen flatt finden. 

- Q.» ^^ 

a) Onom. j>. 139. d) S. N. p. 197. n. 3. 

b) Ichth. p.279. t. S.a.'" f. 1. e) Brunn. Pifc. MaJT. p.74. 0.90. 

c) Miff. Pif. IV. p. 46. n. 5. £) Syn. p. 74. n. 8- 



124 Ziveeter Abfchnitt. Von den Seehähnen insbefondere. 

DER HO THE S E E H A H N. 
LlXfte Taf. 
- s Der Körper roth, ein fchwarzer Fleck in der erflen Rückenfiofle. K. 7. Br. 10. 

«£?%-*■<• «-» *■* *•»-* 

hahn. Trigla corpore rubro , macula nigra in pinna dorfali prima. Br. VII. P. X. V. VI. 

. A. XU. C. XV. D. X ■— XVIII. 

Trigla Cuculus, T. digitis ternis,* linea lateral! O'Xo^j/i^ , Aelian. 1. 10. c. n. 

mutica. Linn. S. N. p. 497. n. 4. Coccyx , five cuculus. Betton. Aquat. p. 104. . 

— tota rubens, roftro parum bicorni, oper- Cuculus. Rond. de Pifc. P. I. p. 287. 

culis branchiarum ftriatis. Art. gen. — Gesn. Aquat. p. 305. Thierb. S. 17. b. 

p. 45. n. 7. Syn. p. 74. n. 7. Icon. anim. p. 3T. 

Coryftion capite conico ; in cujus apice truncato, — gfonfl. de Pifc. p. 64. 1. 17. f. 11. 

os parvum quafi tubulofum, appendicibus tri- Red Gurnard orRotchet. IVMughb. Ichth. p.28r. 

bus utrinque; duabus pinnis gutturalibus to- — — — — iüaz/. Synopf. Pifc. p-89« 

tidemque dorfalibus gaudens, nigra macula — — Penn. B.Z.III. p.278. n-i38- pl- 57* 

in antecedenti; unica pinna ventrali, poft RougetouMorrude,Coursd'Hift.Nat. t.V. p.149. 

anum. Klein. M. P. IV. p. 46. n. 6. t. 4. f. 4. Galline, Gallinette vel Linette. Brunn. P. M. p. 77. 

0'Xoxx v %> ^ r *ß' H,A * --4* c -9- -* 8 " C,I 3' Der Seekuckuck - Müller. L. S. 4. Th. S.275. 

Die fchöne rothe Farbe, womit diefer Fifch pranget, und der fchwarze Fleck in 
der erflen Rückenfiofle unterfcheiden ihn hinlänglich von den übrigen feines Gefchlechts. 
In der Kiemenhaut befinden fich lieben, in der Bruflflofle zehn, in der Bauchflofle fechs, in 
der Afterflofle achtzehn , in der Schwanzflofle fünfzehn , in der erflen Rückenfiofle zehn 
und in der zwoten achtzehn Strahlen. 

- Er hat, fo wie der vorhergehende, einen fchlanken Körper: jedoch ifl der Kopf 
and die Mundöfnung kleiner, der Einfchnitt vorne weniger tief, und die vier Spitzen find 
kürzer als bey jenem. Die Nafenlöcher find doppelt , flehen nahe am Munde und der 
fchwarze Augenflern ifl mit einein filberfarbenen Ringe umgeben. Der Rumpf ifl am 
Rücken und auf den Seiten roth und weife punktirt; der Bauch filberfarbig und der ganze 
Rumpf mit kleinen Schuppen bedeckt. Die Seitenlinie befleht aus flarken, breiten und fil- 
berfarbigen fchwarz eingefafsten Schuppen; die Brufl- und gabelförmige Schwanzflofle find 



Zroeeter Abfchnitt. Von den Seekähnen insbefondcre. 115 

röthlicht, die Bauch- und Afterflofle weifs, die Rückenfloffe ebenfalls weifs und orange ge- 
fleckt und die Seiten durchaus roth. 

Wir treffen diefen Fifch mit dem vorhergehenden in einerley Gewäffern und auch 
am Vorgebürge der guten Hofnung, fojwie auch an anderen Stellen des Weltmeeres an. 
Er wird nicht über einen Fufs lang ; feine Farbe ift ungemein anmuthig , da fein rother 
Rücken gegen den filberfarbigen Bauch fehr gut abfticht. Dies machte daher einen um fo 
ftärkern Eindruck auf mich, da er in diefem reizenden Gewand aus dem Rachen eines grofsen 
Fifches a), welchen ich aus Hamburg erhielt ganz unverfehrt herausgenommen wurde. _ 

Diefer Fifch gehöret unter die Räuber und verzehret alles was ihm entgegen kommt. 
In\ Frühjahr erfcheinet er an den Küflen , um feinen Laich abzufetzen : da er aber aufser 
diefer Zeit in der hohen See fich aufhält; fo war Arifloteles zweifelhaft, ob er ihn zu den 
Uferfifchen , oder zu denen , welche in der hohen See bleiben , zählen follte b). Man fängt 
ihn gleichfalls häufig mit der Grundfchnur und nur feiten mit dem Netze. Sein Fieifch ift 
weit zarter und derber, als das Fieifch des vorhergehenden , und foll der Fifch davon den 
Namen Capone , welchen er in Rom führet , erhalten haben c) ; es wird jedoch vom Galen 
zu den harten und unverdaulichen Speifen gerechnet d). In Italien wird er gewöhnlich, 
nachdem er längs dem Rücken gefpalten ift, auf einem Roft gebraten und mit Citronenfaft be- 
iprengt, genoffen. Diefe Methode war, wie Athenaeus erzählt, fchon bey den Griechen im 
Gebrauch e) , welche von ihnen ohnflreitig auf die Römer gekommen ; fonft wird er auch 
aus Salzwaffer gekocht, und mit zergangener Butter oder frifchem Oehl verzehret. 

Die inneren Theile find von eben der Befchaffenheit, als bey dem vorhergehenden. 

In Deutfchland heifst diefer Fifch der rothe Seehahn; in Holland Hunche; in England 
the red Gurnard und Rotchet ; in Frankreich Rouget und Morrude, in Languedoc Perlon; in 
Montpeiüer Perlon und Rondelle; in Marfeille befonders Linette, Galline und Gallinette ; in 
Rom Capone; in Genua Organo; in Neapel und in Sicilien Cocco und Coehou; in Venedig 
Lueenia und auf der Inful Malta Triglia. 

Bellon hat diefen Seehahn zuerft befchrieben und eine Zeichnung davon geliefert f ); 
aber eben fo wie feine Nachfolger die Bauchflofle unangezeigt gelaflen. 

a) Gadus Meriangus. L. c) Bellon. Aquat. p. 206. e) 1. 7. 

b) Hift. Anim. I. g. c. 13. d) De Ahm. 1. 2. f ) Aquat. p. 206. 



IZÖ Iweeter Abfchnitt. Von den Seehähne* iusbcfoa&ert: 

DIE SEESCHWALBE. 
LXfie Taf. 

= Dielki ^ e Bru ^^°^ e treit * K - 7- Br - IO « B - 6 - A - r 4- S. 16. R. 8- i$- 

fchwalbe. Trigla pinnis pettoralibus Ulis. Br. VII. P. X. V. VI. A. XIV. C. XVI. D. VIII. XV. 

Trigla HIrundo. T. digitis ternis , linea laterali Corvus. Plin. Hift. Nat. 1. 32. c. 11. 
aculeata.£z'88.S.N.p. 497.11. 6. — Salv. Aquat. p. 194. 

— — Müller. Prodr. p. 47. n. 400. Hirundo prior. Aldr. de Pifc. p. 135. 

~ capiteaculeato, appendicibus utrinque tri- Corax. Rondelet ilGesn. Aquat. p.299.Thierb.S.2ir. 

bus ad pinnas peftoraies. Arted. gen. — feu Corvus. gfonfi. p. 98. t. 22. f. 1. 

p. 44. n. 4. Syn. p. 73. n. 4. The Tub - Fifh. Willughb. Ichth. p. 280. 

— dorfo ad pinnas carinato fcabro ; linea la- The Tub - Fifh. Ray. Synopf. Pifc. p. 88« 
terali laevi, in cauda truncata bifida, pinnis — SappMrine Gurnard. Penn . Britt. Zool. IIL 
pettoralibus amplis, nigricantibus. Gronov. p. 280. n. 140. PI. 56. 

Zooph. p. 84. n. 284. Muf. I. p. 44. n. 10. La Cabote. Rondel. de Pifc. P. I. p. 396. 

Coryftion ventricofus ; ore fimplici , denticu- i Tigiega. Forskaöl. Defcr. Anim. p. 18. 

lato ; praeter alas , duabus pinnis guttura- Söhane , Soekok. Pontopp. Dä'n. S. 189. 

libus, cum appendicibus trium digitorum, Knorrhane, Knoding, Knot, Schmed. Faun» 
ventrali pinna longa poft habita et duabus Suec. p. 120. n. 340. 

dorfalibus inftru&us. KleinM.?. IV. p. 45.^3. Die Meerfchwalbe. Müller. L. S. 4.TI1. S. 277.' 

Diefer fchöne Seehahn unterfcheidet fich durch feine eben fo lange als breite Bruft« 
Hoffen. In der Kiemenhaut find Heben, in der BruftflofTe zehn, in der Bauchfioffe fechs ,' 
in der AfterflofTe vierzehn, in der Schwanzfloffe fechszehn, in der erfien Rückenfloffe acht 
und in der zwoten fünfzehn Strahlen befindlich. 

Der Kopf ift grofs und endigt fich vorn und hinten in kurze Spitzen; jedoch ift der 
Ausfchnitt zwifchen den Stacheln vorn etwas breiter als beym vorhergehenden, mit welchem 
er im übrigen in Anfehung der Bildung des Kopfes übereinkommt. Der Augenftern ifl 
fchwarz, der Ring um felbigen filberfarbig und fchielet ins rothe. Den Rumpf decken fehr 
kleine Schuppen. Der Rücken und die Seiten find braun, fpielen ins violette, und der 
Bauch hat eine Silberfar.be. Der After fleht dem Kopfe näher, als bey dem vorhergehenden; 
fo wie auch bey diefem die Seitenlinie und die beyden rauhen Linien am Rücken fchmäler 
find. Die Bruflfloffen find bey dem Fifch, welchen ich vor mir habe, von violetter Farbe, 



Zweeter Abfchnitt. Von den Seehähnen imbefondere* 127 

und reichen bis an die zwote Rückenflofle, und ihre Strahlen endigen fich, eben fo wie 
die in der Bauchflofle, in vier Spitzen 3 dahingegen fie bey dem vorigen gabelförmig 
waren. Die Schwanzflofle ift brännlich, nur wenig ausgefchnitten und bat vielzweigige 
Strahlen. Die übrigen FloiTen find weifs und haben einfache und weiche Strahlen; nur die 
in der erften Rückenflofle find hart. 

Wir treffen diefen Fifch in der Nord - und Oftfee, fo wie auch in dem mittellän- 
difchen Meere nur einzeln, bey Jüttland hingegen häufiger an. Denjenigen , wovon ich 
hier eine Zeichnung liefere, erhielt ich aus Hamburg, unter der allgemeinen Benennung 
Knurrbahn. Er wird zwey bis drey Pfund fchwer, hält fich in den Tiefen der hohen See 
auf, lebt von Fifchen, Krebfen, Mufcheln und Schnecken, und fchwimmt überaus fdinell* 
wobey ihm feine grofse BrufifiofTen ungemein zu ftatten kommen muffen. 

Diefer Fifch wird mit der Grundfchnur gefangen , und auf verfchiedene Arten zur 
Speife zubereitet. In pannemark wird er eingefalzen, an der Luft getrocknet und zur 
SchifFsprovifion gebraucht. Jedoch ift fein Fleifch härter als das von dem vorhergehenden. 
Wenn man ihn angreift; fo giebt er einen Ton von fich, welcher veranlaflet bat, dafsihm 
die Aken den Namen Raabe (Corvus) beylegten. Beym Abfterben foll er, nach der Be- 
obachtung des Ritters, eine krampfhafte oder zitternde Bewegung machen a> 

In Deutfchland wird diefer Fikh Knurrhahu ; in Dännemark Soe-Hane, Knurrhane; 
in Norwegen Riot, Ouskar • Rioi , Knorr, Soehane, Soekok; in Schweden Knorrhane, Knoding,. 
Knot, Schmed; in England Tub -Fifch und Sapphirme Gurnard; in Frankreich Cabote und io 
Bourdesux befonders Perlon-; in Rom Capone und auf der Inhal Malta i Tigtega genannt. 

Die inneren Theile find mit denen vom grauen Seehahn von einerley Bildung. 

Salvian und Rändelet haben ihn zu gleicher Zeit befchrieben und abgebildet r erfie- 
rer unter dem Namen Corvus b) und lezterer unter der Benennung Corax c> 

Willughby führt unfern Fifch als zwo verfchiedene Gattungen auf, erfilich als Corax 
des Rondckt und hernach als Hirundo des Aldrouand d) j jedoch wird man bey einer nähe- 
ren Vergkichung der Zeichnungen > mit der Betreibung des lezteren, leicht gewahr, dafs 



a) Fauna Suec. p. 120. n.340. e) De Pifc. P. I. p^od» 

b) Aquat. P.1Q4. d) Ichth. p. »go. 



I2g Zweeter Abfihnitt. Von den Seehähnen insbefondere. 

beyde auf einen Fifch gehen. Die Stacheln am Kopfe und die drey Anhängfei bey den 
Bruftfloflen, wodurch Artedi diefen Fifch bezeichnen will a), find für ein Unterfcheidungs. 
merkmal viel zu allgemein. Eben fo unzureichend ift das Kennzeichen der flachlichten 
Seitenlinie und der drey Finger, welche hinne angiebt b), weil auch mehrere Seehähne die- 
fes mit ihm gemein haben. Diefe beyden grofsen Ichthyologen führen die Seefchwalbe des 
Jonßon auf der lyten Tafel Fig. 8- 9- unrichtig zu unferm Fifch an c) ; denn jener ift der 
fliegende Hering , wie man folches aus feinem glatten und kleinen Kopfe , der einzigen Rü- 
ckenfiofie und dem Stand der BauchflofTe erkennet. Nach dem Ppntoppidan foll diefer Fifch 
bey vorgehender ftürmifchen Witterung über das Waffer in die Höhe fpringen und wie ein 
Hahn krähen d)j ein Umftand, den man unflreitig als eine blofse Fifchernachricht anzu- 
sehen hat. Ob die vom Herrn Brünniche befchriebene Seefchwalbe mit der unfrigen einerley 
fey e), kann ich nicht mit Gewifsheit beftimmen, weil bey feinem Fifche der Rücken und 
die Bruftflofle roth find. Herr Pennant giebt die blafsgrüne und dunkelblaugefleckte Bruftflofle 
als einen Charakter an f ) , welcher mir aber fehr unficher vorkommt. Gronov hält unfern Fifch 
und die Seeleuchte nur für eine Gattung g) , worinn er nicht unrichtig geurtheilet zu haben 
fcheinet, und eine genauere Unterfuchung der Natur mehrere Gewifsheit geben mufs, da 
man folche bey den Schriftftellern vergeblich fuchet. 



a) Syn. p. 73- »• 4- 

b) S. N. p. 497- n - 6 - 

c) Faun. Suec. p. 120. Arted. 1. c. 

d) Dan. p. 189- »• 2 3- 



e) Pifc. Mafl". p. 77. n. 93. 
f ; Britt. Zoo!. III. p. 281. 
g) Zooph. p. 84- 




DRITTE ABTHEILUNG. 

Kehlfloffer, Jugulares. *) 



diejenigen Fifche, deren BauchflofTen an der Kehle und folglich der Mundo fnung näher 
als die Bruflfloflen fitzen* find unter dem Namen Rehlfioßer bekannt. 

Diefe Abtheilung beflehet nur aus fünf Gefchlechtern , welche nach dem Ritter nicht 
mehr als fünf und dreifsig Arten enthalten, und die, bis auf einige wenige, Bewohner der 
Salzwaffer find. Die mehreften davon leben in den europäifchen Gewäflern. Die Nord- 
und Oftfee enthält obngefehr fechszehn Arten , wovon mir bishero nur zwölfe zu Theil 
geworden find , welche ich hier abhandeln werde. 

*> So gern ich auch die einmal angenommene fitzt und ihnen der verengerte Theil, welchen man 

Benennungen beybehalte; fo glaube ich doch von Hals nennet, gänzlich fehlet. Ich halte demnach 

der im Müllerfchen Linni abgehen zu muffen; da diefe Benennung- für fchicklicher, als den Namen 

bey den Fifchen der Kopf unmittelbar am Rumpfe Halsflojfer. 

R 



130 



IV. GESCHLECHT, 

Die Petermännchen. 
ERSTER ABSCHNITT. 

Von den Petermännchen überhaupt. 
JLIer After nahe an der Bruft. Anus prope pcBus. 

Tr achinus. Lim. S. N. gen. 153 p. 435. Coryftion. Klein. MuT. Pifc. IV. p. 46. 

— Art. gen. 31. p. 41. La Vive. Goüan. Hift. de Pohl. gen. IV. p. 102. 

— Gron. Muf. I. p. 42. Zooph. p. 80. 117. 

Draco. Wülughb. Ichth. p. 288- Weever. Penn. Britt. Zool. HI. gen. iS- p. 169. 

■ — Ray. Synopf. Pifc. p. 91. Petermännchen. Müller. L. S. 4. Th. S. 75. 

Den in der Nähe der Bruft befindlichen After kann man als ein ficheres Merkmal 
betrachten, die Fifche diefes Gefchlechts von den übrigen die/er Abtheilung zu un- 
terfcheiden. 

Der Körper ift geilreckt, auf beyden Seiten ftark zufammengedruckt und mit klei- 
nen rundlichen Schuppen bedeckt, "welche leicht abfallen. Der Rumpf ift mit acht Flößen 
verfehen, wovon am Rücken, an der Bruft und dem Bauche zwo und am After und 
Schwänze eine befindlich findj der Rücken ift gerade und mit -ihm läuft die Seitenlinie in 
einer parallelen Richtung fort. 

Arißotelei gedenkt bereits des Petermännchens a) und Plinius auch der Seefpinne b). 
Salvian befchrieb zwo Arten von Petermännchen und gab davon eine Zeichnung c). Rondelet, 

a) H. A. 1. 8. c. 13. b) N. H. I. 9. c. 48. c) Agnat, p. 71. 



Erßer Abfchnitt. Von den PetermHnnehen überhaupt. 131 

welcher zu gleicher Zeit fchrieb, gedenkt indeflen nur des Petermännchens a) j Salvian aber zwee- 
ner b) , dem auch Gesner c) folgte. Aldrovand vervielfältigte fie ohne Grund auf vier d) und 
Wüliighby e) nimmt auch den Liqui des Marggraf, den ich aber wegen des Standes der BauchfloiTen 
lieber mit dem Piß f ) für eine Heringsart halte , mit auf. Ray nimt nicht nur die drey des 
Willughby, fondern führet auch den Draco der Alten als zwo befondere Gattungen an g). 
Artedi, der nur eine und eine Nebengattung annimt h) , bringt fie mit dem Himmel« 
fchauer i ) unter ein Gefchlecht ; Linne aber hat nur eine Gattung von Petermä'nnchen 
und bringt mit Recht fowol diefe, ak den Himmelfchauer, in zwey befondere Gefchlech- 
ter k); darauf folgte Herr BrUnniche 1) dem Artedi und Herr Pennant m) dem Linne. 
Da ich indeffen nicht mehr als einen einzigen Fifch diefer Art befitze ; fo werde ich mein 
Urtheil fo lange zurückhalten, bis ich Gelegenheit habe, die übrigen kennen zu lernen. 

ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Pet. ermanne hen i u s b e J * 9 n d e r e. 

DAS PETERMÄNNCHEN. 

LXIfte Taf. 

Uie untere Kinnlade hervorftehend , fünf Stacheln in der erfien Rückenflofie. K. 6. m 

Br. 16. B. 6. A. 25. S. 15. R. 5. 24. t , Das ~ 

Trachinus maxiüa inferiore longiore , radiis F. in pinm dorfali prima. Br. FI. Petermäan * 
P. XFI. V. FL A. XXF. G. XF. D. F XXIF. 

R 2 



a) De Pifc. P. T. p. 300. g) Synopf. Pifc. p. or. n. 4. 

b) Aquat. p. 7r. h) Syn. p.71. 

c) Aquat p. 73. i.) Uranofcopus. L. 

d) De Pifc. p. 91. 256. » k) S. N. gen. 152. 153. 

e) Ichth. p. 289. I) Pifc. Maff. p. 20. 

f ) H. N. Ind. Utriosq. p. 60. m) Britt. Zool. III. p. 171. 



13* 



Ziveeter Abfchnitt. Von den Petermännchen insbefondere. 



Trachinus Draco. Linn. S. N. p. 435. ri. r. 

— — Müller. Prodr. p. 41. n. 309. 

— maxüla inferiore longiore, cirris de- 

ftituta. Art. gen. p. 43. n. x. Syn. 
p. 70. n. 1. 

— Gron. Muf. I. p. 42. n. 97. Zooph. 

p.8o. n. 274. 

— Draco, capitis lateribus compreffis; 

vertice fcabro depreffo, ano capiti 

vicino. Brunn. Pifc. Mali. p. 19. n.30. 

Coryftion fimplici galea in unicum cufpidem re- 

- trorfum exeunte utrinque ; cirris carens. Klein. 

MüT. Pifc. IV. p. 46. n. 9. 
« A^cjkwv, Ariß. Hift. Anim. 1. 8- c. 13. 
Draco marinus. Plin. Nat. Hill. 1. 9. c. 27. Ara- 
neus. 1. 9. c. 48. 

— — Bell. Aquat. p. 215. 

— — Salv. — p. 71. 



Draco marinus. Rondel. de Pifc. P.I. p.301. 

— five Araneus. Gesn. Aquat. p. 77. 78. 89- 
Icon. Anim. p. 83. Draco major et minor. 
Thierb. S. 43. 

— marinus. gfonfion. de Pifc. p. 91. t. 21. 

f. 2. 3. 5. 
1 — — Chart et. Onorr. p. 146. 

— — Aldrov. de Pifc. p. 256, 258. 
Fiärfing. Pontopp. Dan. S. 186. 

La Vive ou Dragon de mer, Cours d'Hift. Nat. 

t. V. p. 154. 
TheWever. Penn. Britt. Zool.III. p.169. n. 71. 

pl. 28. 
— — Wilhghb. Ichth.'p. 288- t. S.10. f.i. 
Otter- Pirk. Ray. Synopf. Pifc. p. 91. n.4.5. 
Das Petermännchen. Schonev. Ichth. S. 17. 

— — Müller. L. S. 4. Th. S. 75. 



Der hervorflehende Unterkiefer und die fünf Strahlen in der erfien Rückenflofle 
dienen diefem Fifch zum charakteriflifchen Kennzeichen. In der Kiemenhaut find fechs, in 
der Brufiflofie fechszehn, in der Bauchfloffe fechs, in der Afterflofle fünf und zwanzig, in 
der SchwanzflofTe fünfzehn, in der erfien RückenflofTe fünf und in der zwoten vier und 
zwanzig Strahlen. 

Der Kopf ifi von mitlerer Gröise, die Mundöfnung weit und flehet fchief $ beyde 
Kinnladen find mit fpitzigen Zähnen befetzt und die Zunge zugefpitzt. Die Augen flehen am 
Scheitel ohnweit der Mundöfnung nahe beyfammen, und zwifchen ihnen erblicket man ober- 
em eine Furche. Der Stern ifl fchwarz und der Ring gelb und fchwarz punktirt. Am 
Kiemendeckel fällt eine Stachel fehr deutlich in die Augen. Die Kiemenöfnung ifl weit, 
der Rücken gerade, gelbbraun gefä'rbt und die Seiten, welche unter der Linie und am 
Bauche filberfarbig find, find mit fchieflaufenden bräunlichen Linien gezieret. Die erfle 
Rückenfioffe ifl fchwarz und mit fünf fleifen Stacheln verfehen , an welchen man fich leicht 



Ziveeter Abfchnitt. Von den Petermännchen insbefondere. 133 

verletzen kann; ob fie aber eine giftige Eigenfchaft haben, wie Vilnius vorgiebt a) und 
mehrere Ichthyologen behaupten, iß um fo mehr zu bezweifeln, da die vorgefchlagene Ge- 
genmittel eben diejenigen find , welche man bey einer jeden andern von einem fpitzigen Kör- 
per entfhndenen Verletzung zu gebrauchen pfleget, dafs man nemlich, um einer Entzündung 
vorzubeugen , den verletzten Theil erweitert. Die englifchen Fifcher pflegen den verwun- 
deten Theil mit warmen Harn zu benetzen und naflen Seefand umzufchlagen b); die fran- 
zöfifchen hingegen bedienen fich der grünen Blätter des Liebflengels c). Die Berichte, die 
der Ritter über diefe Eigenfchaft eingezogen , entfcheiden nichts d). Sämtliche Floffen find bis 
auf die Bruft- und Schwanzfloflen klein und haben vielzweigigte Strahlen. Da diefer Fifch 
ein überaus zähes Leben hat und , wenn er gegriffen wird , fich flark fträubet ; fo mufs man 
fich wohl in Acht nehmen, dafs man von den fteifen Stacheln nicht gefiochen wird, welche 
auch nach dem Tode des Fifches noch verletzen können. Dies hat in Frankreich zu ein 
Polizeygefetz Anlafs gegeben, vermöge deflen diefe Fifche nicht mit dem Stachel verkauft 
werden dürfen e). 

Diefer Fifch, welcher nicht über einen Fufs lang wird, ift in der Oft - und Nordfee 
und vorzüglich häufig um Holland und Oflfriefsland , auch im mittelländifchen Meere und 
in verfchiedenen Gegenden des Oceans zu Haufe j gewöhnlich hält er fich in der Tiefe auf 
und kömmt zur Laichzeit im Jun an die flachen Stellen. Arißoteler gefeilet ihn daher mit 
Recht den Uferfifchen zu f). In diefem, fo wie auch im folgenden Monat wird er, be- 
fonders in Holland, mit Netzen und Reufen häufig gefangen, 

Das Petermännchen hat ein fehr wohlfchmeckendes Fleifch ,, welches leicht zu ver- 
dauen ift und von den Holländern für einen LeckerbifTen gehalten wird. Man kocht denfel- 
ben , nachdem ihm zuvor der Kopf und die nahe fitzenden Stacheln abgefchnitten worden , 
gewöhnlich in Saizwaffer und verfpeifet ihn entweder mit einer holländifchen oder Sardel- 
le 3 



a) Seine Worte find: Peftiferum animal fit d) W. Goth. Reife. S.203.. 
Araneus, fpinae In dorfoaculeonoxius. I.9. c.48- e) Bomare.. Dift. t. IV. p. 123* 

b) Penn, Britfc Zool. III. p. 170. f) Hift. Anim. 1. 8. c. 13. 

c) FolialentifcL Rondel. dePifc. P.L p.304. 



134 Zweier Äbfchnitt. Von den Petermännchen inshefondtre. 

lenbrühe. Diefer Fifch lebet von Waflennfekten und der Bruth anderer Fifche, von Schne- 
cken und Krebfen; feine Feinde find, wenn er noch jung ift, alle übrige fleifchfreflende 
Wafierbewohner. 

Der Magen ift weit, die Gallenblafe grofs und der Darmkanal kurz und hat an 
feinem Anfange acht Anhängfei. 

In Deutfchland heifst diefer Fifch Petermännchen und bey den Heiligeländer Fifchern 
Schwer dtfifch; in Dännemark Fiaerßng, Suerd-Fisk, Steen-Bikker , Müller; in Norwegen 
Petermand, Sve-Drage; in Schweden Fiärßng, Fiaffing; in Frankreich In Vive oder Dra- 
gon de mer; in Marfeille befonders Arango; in Italien Trafcina und Pefce Ragno; in Rom 
befonders Tragina; in Spanien Pejce Arana; in England Weever , Sea-dragon, Otter -Pick 
und in Holland Pietermami. 

Gronou führt den Himmelfchauer des Rändelet und des Gesner unrichtig zu unferm 
Fifch an a) j und dafs Aldrovand und Ray aus demfelben mehrere Arten machen , ift be- 
reits oben erinnert worden. 

Der Verfafler des Cours d'Hiftoire Naturelle irret, wenn er die gedachten furchtba- 
ren Stacheln an die NafenlÖcher verfetzt b). Wenn Aelian vorgiebt, dafs diefer Fifch 
beym Verwunden mit feinen Stacheln ein Gift von fich gebe, fo widerfpricht ihm wie 
gedacht die Erfahrung; und wenn er fagt, dafs diefer Fifch, wenn man ihn mit der 
rechten Hand aus dem WafTer ziehen wolle, einen gröfsen Widerftand leifte, der linken 
aber fehr leicht nachgebe c) , fo gehört diefes eben fowol zu den Unrichtigkeiten jener Zeit, 
als wenn Geüius behauptet, dafs wenn man während der Laichzeit von diefem Fifche ge- 
ftochen würde, fich in der Wunde kleine Fifche erzeugeten d). Auch möchte wohl der 
Knochen diefes Fifches , wenn man das Zahnfleifch bey Zahnfchmerzen damit aufritzet, nicht 
mehr als ein jedes anderes fchneidendes Werkzeug lindern, wie uns jenes Plinius verfichert e). 
Salvian fpricht unrichtig unfern Fifch die Schuppen ab f ). 

a) Zooph. p. 80. n.274. d) Beym Aldrov, de Pifc p.257. 

b) t. V. p. 155. e) Nat. Hift. 1. 32. c. 7. 

c) 1. 5. c. 2g. f) Aquat. p. 72. b. 



HS 



XVI GESCHLECHT. 

Die Schellfifche. 
ERSTER ABSCHNITT. 

Von den Schellfischen überhaupt. 

JL/ie BauchflofTen in eine Spitze auslaufend. 

Gadus pinnis ventralihts in acumen altenuatiu 

Gadus. Lmn. S. N. gen. 154. p. 435. Afellus. Ray. Synopf. PiTc. p. 53. Muftela. p. 67. 

— Art. gen. 16. p. 19. Le Merlan. Goüan. Hift. de Poiff. p. 106. 179. 

— Gronov. Muf. I. p. 20. Muf. II. p. 14. La Morhue. Duhamel. Traite des Peches, t. n. 

Zooph, p.97. P-3<5. 

Enchelyopus. Klein. MiiT. Pifc. IV. p. 57. Cal- The Cod - Fifh. Penn. Britt. Zool. HI. gen. 19. 

larias. MifT. Pifc. V. p. 4. p. 172. 

Afellus. Wilkghb. Ichth. p. 165. Muftela. p. 121. CabeJjaue. Müller. L. S/ 4. Th. S. 78. 

Die Fifche diefes Gefchlecht unterfcheiden fich durch die fchmale in eine dünne 
Spitze auslaufende Bauchflofien von den übrigen diefer Ordnung. 

Der Körper ifi länglicht, dick, mit kleinen glatten leicht abfallenden Schuppen be- 
deckt und auf beyden Seiten etwas zufammengedrückt. Der Kopf iß länglicht, keilförmig 
und mit einer breiten Stirn verfehen j die Mundöfnung ift weit und beyde Kinnladen find 
mit kleinen fpitzigen einwärts gebogenen Zähnen befetzt, und die untere bey einigen mit 
Bartfafern verfehen. Die Zunge ifl breit, glatt, der Gaumen aber von kleinen Zähnen rauh, 
und bemerket man an diefem im Schlünde verfchiedene Knochen } welche ebenfalls rauh find» 



136 E r fi er Abschnitt. Von den Schellfifchen überhaupt. 

Die Augen flehen nahe am Scheitel, find rund, grofs und mit einer Nickhaut verfehen. 
Die Nafenlöcher find doppelt und nahe an den Augen befindlich. Die Kiemenöfnung ift 
grofs, fo wie der Kiemendeckel, und diefer iTl aus drey Blättchen zufammengefetzt, davon 
das unterfte mit einer Haut eingefafst ift; die Kiemenhaut ift flark und wird von fieben bis 
acht Strahlen unterflützt; am Rumpfe find fieben bis zehn Flotten befindlich, davon zwo 
an der Brufl, eben fo viel an der Kehle, und hinter dem After, eine am Schwänze und 
drey am Rücken fitzen. In allen diefen Hoffen find die Strahlen weich. Der After flehet 
beynahe in der Mitte des Körpers. 

Diefe Fifche werden nicht nur in der Nord - und Oflfee , fondern auch einige von 
ihnen im mittelländifchen und anderen Meeren angetroffen. Sie find, bis auf einem, 
Bewohner der Meere und gehen nicht in die Flüfse. 

Die griechifchen Schriftfleller gedenken blofs des Stockfifches a) , Plinius auch des 
Zwergdorfches b) ; was aber für eine Art unter feinem Bachus zu verflehen üy\ getraue 
ich mich nicht zu beflimmen c): wahrfcheinlich ifl es dagegen, dafs Bellon den Köhler d), 
den Stockfifch, den Zwergdorfch e), den Schellfifch f), den Cabeljau g), die Quappe h) 
und die Meerquappe i) gekannt habe k). Rondelet befchrieb darauf eine Quappenart, welcher 
er aber, wie Gesner erinnert 1), flatt einer Bartfafer am Kinn unrichtig zwo gegeben hat m) 
und in der Folge vom Ray n), Pennant o) und Hr. Brünniche p) ifl befchrieben worden. Es ha- 
ben fie jedoch Willughby, Artedi und Linne in ihr Syflem nicht aufgenommen. Hiebey Jiefsen 
es die folgenden Ichthyologen bewenden, bis uns Schoneveld den Pollac q), den Dorfch r), 



a) Gadus Merluccius. L. j) Gadus Muftela. L. 

b) — Minutus. L. k) Aquat. p. 122. 135. 

c) Seine Worte find : Afellomm duo genera, 1) Aquat. p. 90. 
Callariae minoris et bacchi. Hift. Nat. l.o. c.17. m) DePifc. P. I. p.282. 

d) Gadus Carbonarius. L. n) Synopf. Pifc. p. 164. 

e) — Minutus. L. ■ o) Britt. Zool. III. p. 201. n. 87« 

f) — Aeglefinus. L. p) Pifc. Maff. p. 22. 

g) — Morhua. L. q) Gadus Pollachius. L. 
h) — Lota. L. r) — Callarias. L. 



Erßer Ahfchnht. Von den Scheüfifchen überhaupt. , 137 

den Leng a) und den grünen Schellfifch b) kennen lehrte und Charleton gedenkt hierauf deg 
Steinbocks c). Von diefen zehn Arten, "welche bey den gedachten Schriftftellern unter den 
verfchiedenen Benennungen Afellus, Muftela u. f. w. vorkommen, machte Willughby eia 
Gefchlecht d) und gefellete die Quappen den Muftelis bey c). Er nannte daffelbe Afellus 
und theilte es in folche, deren Rücken mitdrey, und die, deren Rücken mit zwo Floße» 
befetzt find j er fügete zu den bereits bekannt gewefenen das Blödauge hinzu f ) , und Ray 
folgte hierhin dem Willughby g). Artedi bringt fie unter das einzige Gefchlecht Gadus 
beyfammen h), hält den grünen Schellfifch und den Pollac nur für eine Art i) und läfst 
auch die angeführte Quappenart mit den drey Bartfafern aus. Klein befchreibt diefe Fifche 
unter dem Gefchlechtsnamen Dorfch k) und bringt fie in zwo Abtheilungen, je nachdem fie 
mit oder ohne Bartfafern find 1) und zählt in beyden vierzehn Arten, davon jedoch die cur- 
vata pinima m) nicht hieher gehöret. Den Zwergdorfch führet er als zwo verfchiedene 
Arten auf. 

Eben diefe Bewandnifs, hat es auch mit dem Dorfch und der Graspomuchel : ob 
aber unter feinem Hornbogen (n. 8-) eine eigene Art zu vergehen fey, ift ungewifs, weil 
derjenige Fifch, den ich unter diefem Namen aus der Oftfee bey Rügenwalde durch den 
Herrn Oberamtmann Coden erhielt, der gewöhnliche Dorfch war ; er befchreibt fie übri- 
gens in zwo Abtheilungen, je nachdem der Rücken mit zwo oder drey Flofien befetzt 
ift, die Quappen hingegen bringt er unter feine aalförmigen Fifche n). 

In der Folge machte uns Sirujfenfeld mit dem Schnurrbart o), Garden mit dem Krö- 
tenfifch p) und Litme mit einem aus dem mittelländifchen Meere bekannt q). 



a) Gadus Molva. L. k) Callarias. 

b) — Virens. L. 1 ) Mifc. Pifc. V. p. 4. 8- 

c) — Barbatus, L. m) Welches unfer Stöcker oder der Seomber 

d) Ichth. p. 165. Trichurus des LinnS ift. 

e) I. a. B. p. iao. n) Enchelyopus. MiiT. Pifc. IV. p. 57. 

f) Gadus Lufcus. L. o) Gadus Cimbrius. L 

g) Syn. Pifc. p. 53. und 67. p) — Tau. L. 

h) Gen. p. 19. . q) — Mgditerraneus. 

i) Syn. p.35. n. 3. 



138 Ztoeeter Abfchnitt. Von den Schellfifchen insfofondere. 

Der Ritter nahm diefe fiebenzehn Arten in fein Syftem auf a) und brachte fie unter 
vier Abtheilungen , davon diejenigen , welche aufser den dreyen Rückenfloffen auch Bart- 
f afern haben in die erfte, die, welchen das letztere Kennzeichen fehlet, in die zwote, die 
mit zwo Rückenfioflen in die dritte und endlich die mit einer Rückenfloffe in die vierte 
Abtheilung gehören. 

Hierauf machte uns Herr Brüwniche b) mit einem der zwo RückenflofTen , und bald 
darauf Herr Pallas c) mit einem der drey RückenflofTen hat, beyde unter einem Namen d) 
und als Bewohner des mittelländifchen Meeres, fo wie Herr Pennant mit einem aus dem 
Nordmeere e) bekannt. Auch Ström f ) und Afcanius g) haben diefe Zahl ein jeder mit 
einem nordifchen vermehret, welche zufammen drey und zwanzig Gattungen ausmachen, 
wovon mir zehn zu Theil geworden find, und von welchen ich hier eine Befchreibung mit- 
theilen werde, 

ZWEETER ABSCHNITT. 

Von den Schellfifchen insbefondere. 

DER SCHELLFISCH. 
LXIIfte Taf. 

■ A.m Kinn eine Bartfafer, die Seitenlinie fchwarz. K. 7. Br. 19. B. 6. A. 22. 21. 

i. Der 
Schellfifch. S - 2 ?' R " l6 - 20 * I9 ' 

Gadus cirro unico, linea laterali nigra. Br. VII. P. XIX. V. VI. A. XXII XXI. 

C. XXVII. D. XVI. XX. XIX. 

Gadus Aeglefinus , G. tripterygius, cirratus, al- Gadus Aeglefinus. Müller. Prodr. p. 42. n. 348. 
bicans, cauda biloba, maxilla fuperiore — dorfo tripterygio; ore cirrato, corpore 
longiore. Linn. S. N. p. 436. n. I. albicante, maxilla fuperiore longiore, 



a) Syft. Nat. p. 435 — 441. e) Trifurcated Hacke. B. Z. III. p. 196. n.84< 

b) Pifc. Maß", p. 24. n. 34. O Suntmer. I. p. 272. 1 1. f. 19. 
e) Spec. Zool. fafc. 8- p- 47. t. 5. f. 2. g) Gadus Brosme. Iconea. t.17. 

ä) Gadus Blemioides. 



Tkoecter AbfcUntttl Von den ScMlßfchen insbefondere. 139 

cauda parum bifurca. Art. gen. p. 20. n. 5. Callarias, Galerida et Galaxla. Chariet. Onotn. 

Syn. p. 36. n. 7. Spec. p. 64. p. 121. n. 4. 

Gadua dorfo tripterygio ; maxilla inferiore bre- — Afellus minor, gfonfl. de Pifc. p. I* 

viore, cirro folitario; cauda lunulata, linea t. f. f. 1. 

laterali atra. Gron. Zooph. p. gg. n. 321. Mifarkornak, Ekalluak. Otto Fabr. Faun. Grönl. 

Muf, I. p. 2i. n. 59. p- 142- n - IO °« 

Callarias barbatus, ex terreo albicans, in late- Schellfifch, Koller. Pontopp. Dan. p. 186. 

ribus macula nigra, cauda parum divifa, man- — Schonev. Ichth. p. 18. 

dibulisminutis, fed acutiffinii dentibus afperis. — Anderjon. Isl. S. 79. 

Klein. MilT. Pifc. V. p.6. n. 2. Aeglefin ou Aegrefin. Bell. Aquat. p. 127. 

Egleiinus. Gesn. Aquat. p. 86. 100. Thierb. S.40. Anon. Duhamel, de monceau traitQ des pechas. 
Afellus major. Aldrov. p. 282. t IL p. 153. PI. 23. f. r. 

Onos five Afinus antiquorum. Wiltughb. Ichth. The Hadock. Penn. Britt.Z00l.III. p. 179. 

p.170. t. L. membr. 1. n. 2. Schellfifch. MuH. L. S. 4. Th. S. 79. 
— " """ "— ~" itoy-Syn. P.p. 55.^7. 



Die fchwarze Seitenlinie und die Bartfafer am Kinn, unterfcheiden diefen Fifch 
von den übrigen feines Gefchlechts. In der Kiemenhaut befinden fich Heben, in der Bruft- 
flofie neunzehn, in der BauchfloiTe fechs, in der erften Afterflofle zwey und zwanzig und 
in der zwoten ein und zwanzig, in der SchwanzflolTe lieben und zwanzig, in der erften 
RückenfloiTe fechszehn , in der zwoten zwanzig und in der dritten neunzehn Strahlen. 

Der Kopf ift keilförmig, die obere Kinnlade länger als die untere, an welcher die 
«ben gedachte Bartfafer fichtbar ift ; die Mundofnung ift kleiner als bey den übrigen und die 
grofsen Augen haben eine fchwarze Pupille und einen filberfarbenenRing. Die Schuppen diefes 
Fifches find klein, rundlicht und fitzen fefter in der Haut als bey den übrigen. Der Rücken 
ift bräunlich, wenig gebogen und, fo wie der Bauch, dick ; die Seiten haben wie diefer eine Sil- 
berfarbe und die Seitenlinie flehet dem Rücken am nächften. Sämtliche Floflen find bläu- 
licht 'j die erfte RückenfloiTe hat drey Ecken und die am Schwänze einen kleinen Ausfchnitt. 

Diefer Fifch bewohnet die Nordfee , wo er befonders im Herbft ohnweit Heilige- 
land in grofser Menge gefangen und nach Hamburg verfahren wird. Merkwürdig ift es, 
dafs der Schellfifch eben fo wenig durch den Sund in die Oftfee, als der Dorfch, aus diefer 
in jenen übergehet } da fie doch in diefen Meeren häufig angetroffen werden. Man findet 

S 2 



140 Zwceter Abfchuitu Von den Schellßfchen insbefonäerc. 

ihn auch um Holland, Ortfriesland und im Kanal, am häufigften aber um England, wo er 
in ganzen Schaaren erfcheinet und gewöhnlich eine Küfle nach der andern befuchst ; und 
zwar hält er fleh nur in einer Breite von etwa drey Viertel und in der Länge von fechs und 
mehreren Meilen beyfammen, dergeftalt dafs die Fifcher, wenn fie über diefen Bezirk ihre 
Schnüre auswerfen, nichts fangen a). Sie erfcheinen öfters in fo grofsen Schaaren, dafs, 
nach der Verficherung des Herrn Pennant, drey Fifcher in einem Raum von einer englifchen 
Meile zweymal des Tages ihre Böte damit anfüllen, da fie denn jedesmal auf eine halbe Lafl 
erhalten. Sie find aus diefem Grunde fo wohlfeil, dafs man zwanzig Stück der gröfsten für 
fünf bis acht Grofchen und die kleineren für acht Pfennige , auch zu mancher Zeit für die 
Hälfte diefes Freifes, einkaufen kann b). Die gröfsten fleht man gewöhnlich vom November 
bis im Januar, und von diefer Zeit an bis im May kommen die kleineren zum Vorfchein c). 
In Grönland halten fie fich mehrentheils in der Tiefe auf, und kommen gegen Abend , be- 
fonders wenn das Waffer flark beweget wird , an die Oberfläche, wo ihnen dann die Fifcher 
auflauern ; zuweilen machen fie auch Sprünge über das "Wafler, da fie denn den ihnen nach- 
bellenden Seehunden nicht feiten zur Beute werden , welche fie auch öfters mit ihren Pfo- ■ 
ten in den Eisfpalten ergreifen d). 

Die Gröfse diefes Fifches beträgt gewöhnlich einen Fufs und er wäget alsdann 
anderthalb Pfund ; manchmal findet man auch welche von zwey bis drey Fufs und drüber 
und von vierzehn Pfunden am Gewicht e). Seine Laichzeit fällt im Februar, wo die Weibchen 
in ganzen Schaaren ihren Laich ohnweit des Ufers am Seetanger f ) abfetzen. Hierauf finden 
fich dafeM die Männchen einzeln ein und befruchten die Eyer g). 

Die Nahrung des Schellfifches find Krebfe und andere Wafferinfekten } befonders 
verfolget er den Hering, durch deffen Genufs er den Sommer hindurch fett wird, dahinge- 



a) Penn. B. Z. III. p. 181. E> °' F ' Faun> GrönL P* T 43- Auch diefer 

b) A. a. O. Umftand beftätiget meine Behauptung, i. Theil. 
c") I a B. p. Ho. S. 116. dafs die Befruchtung der Eyer bey den 
d; 0. Fabric. Faun. Grönl. p. 143. F ifchen ausserhalb der Mutter gefchehe, wor- 
e") Penn. I. a. B. p. 82. über eini 8 e Geienrte in Briefen an mich Zwei- 
fr) Fucus. L. fel geäufsert haben. 



Zteecter Abfchnitt. Von den Schellfifchen insbesondere. 141 

gen er in der fpätern Jahreszeit, weil er von den Seewürmern lebt, welche die Fifcher 
Schellfifchwürmer a) nennen, mager ift. Bey ftürmifcher Witterung verbirgt er fich im 
Sande oder zwifchen den Seekräutern, wo er fo lange ftille liegt, bis das Wetter wieder 
ruhig wird. Dafs diefes fich fo verhalte, lieht man daraus, weil die Fifcher zu diefer Zeit 
keine fangen , und weil fie an denen, welche fie unmittelbar darauf bekommen , verfchiedene 
Uneinigkeiten und Kräuter bemerken , die diefen feinen Aufenthalt verrathen. Er hat ein 
weifses , derbes und wohlfchmeckendes EJeifch , welches blä'tterich und leicht zu verdauen ift. 
Seine Feinde find, aufser dem Seehunde, auch andere gröfsere fleifchfreflende Seethiere. 

Man fangt ihn vorzüglich mit Grundfchnüren. Die friesländifchen Fifcher werfen 
mehrere derfelben, von einigen Ruthen Länge, gegen Abend aus und nehmen kleine Fifche 
zur Lockfpeife. Wenn fie felbige des Morgens wiederum einziehen ; fo fizt zu Zeiten 
an jedem Haaken, befonders bey klarem Himmel, ein Schellfifch: es gehet daher alsdann 
nicht feiten ein Fifcher mit einer Beute von hundert und mehreren nach Haufe , je nachdem 
er mehr oder weniger Schnüre auszuwerfen befugt ift. Als ein löblicher Gebrauch verdienet 
hiebey angemerkt zu werden, dafs jeder Fifcher verpflichtet ift, eine Grundfchnur für die 
Fifcherwittwen des Dorfes auszuwerfen und ihnen den Fang ins Haus zu fchicken b). Die 
Grönländer greifen fie mit den Händen c), in den Wuhnen, welche fie ins Eis hauen und 
wofelbft die Fifche fich haufenweife hindrängen, vermuthlich um Luft zu fchöpfen. 

Man geniefset diefen Fifch aus dem Salzwaffer gekocht, mit brauner Butter und Senf, 
wobey die Engländer und Holländer Ertoffeln fchmackhaft finden : auch wird er mit Oehl 
und Effig, oder mit einer Aufterbrühe verfpeifet. 

Diefer Fifch hat eine weifsliche Leber, welche aus zween Lappen von verfchiedener 
Länge beftehetj die dreyeckigte Milz liegt unter dem Magen, welcher lang, dickhäutig 
und mit einem Kreife vieler kurzer Anhängfei umgeben ift. Der Darmkanal hat drey Beu- 
gungen, ift mit dem Magen fo lang als der ganze Fifch und unten fehr weit} die 

S 3 



a.) Eine Art von Röhrfchnecken. Serpula b) Müll L. S. 4. Th. S. 80. 

Linn. c) Otto Fabr. Faun. Grönl. p. T44. 



14* Zi»ecter Abßinitt. Von den Schellfifchen itisbefondere". 

Schwimmblafe ift lang, einfach und mit einem klebrigten Wefen überzogen; die Nieren 
find fo wie die Harnblafe doppelt; der Milch ift eben fo wie die gelben Eyer in zween lan- 
gen Säcken eingefchloflen. 

In Dännemark heifset diefer Fifch Kuller ; in Norwegen Kollie,, Hyfe ; in Island 
Ifa; in Lappland Diuckfo ; in Schweden Kaljor; in England Hadock; in Frankreich Egrefin 
und Eglefin, eingefalzen Hadou und Hadox, in der Normandie Anon; in Holland Schelloifg; 
in Flandern Doguet und Guellekins und in Grönland Mifarkornak, Ekalluak. 

Dem Beüon haben wir die erfte Zeichnung und eine genaue Befchreibung diefes Fi- 
fches zu verdanken a), und wenn Schoneveld unferm Fifche nur rauhe Kinnladen giebt b); 
fo fcheinen ihm feine kleinen und fpitzigen Zähne dazu verleitet zu haben. 

Klein irret meines Erachtens, wenn er unter dem Callaris des Plinius c) unfern Fifch 
verftehet d), da er nur in den nördlichen Gegenden Europens zu Haufe gehört ; fo hat er 
wahrfcheinlicher Weife dem Vilnius unbekannt bleiben muffen. 

Bomare hält unrichtig den Schellfifch und den Zwergdorfch für eine Art e). 

Beym Artedi mufs flehen ftatt Jonfion 1. 1. f. ij 1. 1. f. a. f ) 

DER DORSCH. 

LXIIIfte Taf. 

■ j a Die Seitenlinie breit, gebogen und gefleckt. K. 7. Br. 17. B. 6. A. 18. 17. 

• 5? S. 26. R. 15. 16. 18. 

Gadut linea laterali lata, curua maculataque. Br. VII. P. XVII. V. VI. 
A. Will. XVII. C. XXVL D. XV. XVI. XVIII. 

Gadus Callarias, G. tripterygiqs cirratus varius, Gadus dorfo tripterygio, ore cirrato, colore vario, 
cauda integra, maxilla fuperiore longiore. maxilla fuperiore longiore, cauda aequali. Art. 
Linn. S. N. p. 436. n.a. gen. p.16. n.4. Syn. p.35. n. 4. Spec. p. 63. 



Dorfch. 



a) Aquat. p. 127. 4) Miff - Pifc - V - P- 6 ' n * 2 - 

b; Ichth. p. 18. *) DicVd'Hift. Nat. t. VII. p. 168. 

c) Hift. Nat. 1. 9. c.17. Syn. p. 36. 



Zweeter Äbfchnitt. Von den Schellfifchen imbefondere. 143 

Gadus dorfo trlpterygio, colore vario, maxillis Tare-Torsk, Röd-Torsk. Leetn. Lappl. S.165. 

fubaequalibus, inferiore cirro unico, cauda Tittling. Afcan. Icon. p. 85. t. 5. 

fubquadrangula aequali. Gron. Zooph. p. 99. Sharaudlick. Otto Fabr. Faun. Grönl. p. 144. 

n. 319. Muf. I. p. 21. n. 58. n. 101. 

Callarias barbatus, lituris maculisque rufeis va- Graa, guulagtig. Müller. Prodr. p. 42. n. 348. 

rius, gula ventreque albicantibus, iride flavi- Torsk, Tarretorsk. Pontopp. Dan. S. igö. 

cante nigro mixta; pinnis fufcis. Klein. Mifl". Dorfch. Menza, Durska, Tursk. Fifcker. Naturg. 

Pifc. V. p. 6. n. 5. Callarias maculis ex rufo von Liefl. S. 115. 198. 

in aurantium colorem vergenübus. p. 7. n. 7. — Ander/. Nachr. von Isl. S. gg. 

Afellus varius vel ftriatus. Willughb. Ichth. p. 172. — Linne. Reife durch Oeland. S. 99. 

t. L. Membr. 1. f.i. Pamuchlen. Wulff. Ichth. p. 22. n. 27. 

— — — — Ray. Synopf. Pif. p. 54. — Dorfch. Sckonev. Ichth. p. 19. 

n. 5. Der Döfch. Müller. L. S. 4. Th. S. 80. 

— _ — — gfonß. t. 46. f. 4. 



Die breite, gebogene und gefleckte Seitenlinie, ift das Unterfcheidungszeichen 
diefer Fifchgattung. In der Kiemenhaut zählt man Heben , in der Bruftflofle fiebenzehn , 
in der Bauchflofle fechs, in der erflen AfterflofTe achtzehn und in der zwoten fiebenzehn, 
in der Schwanzflofle fechs und zwanzig und in der erflen Rückenflofle fünfzehn, in der 
zwoten fechszehn und in der dritten achtzehn Strahlen. 

Der Kopf iA kleiner als beym Schellflfch , hat eine graue Farbe , auf welcher im 
Sommer braune und im Winter fchwarze Flecke fichtbar find. Die Mundöfnung ift grofs, 
von beyden Kinnladen die obere am längften, und mit mehreren Reihen, die untere aber, 
an welcher eine Bartfafer 'befindlich ift, nur mit einer Reihe Zähne verfehen, und auch der 
Gaumen ift bewafnet. Die Augen find rund , die Pupille ift fchwarz und der Ring um diefelbe 
weifsgel blicht; den Rumpf, welcher grau und bis am Bauche braun gefleckt ifl, bedecken 
dünne, kleine, weiche Schuppen. Die Flecken des Rumpfes haben bey einigen annoch jun- 
gen, eine rothe, helle, ins orange fallende Farbe. Die Seitenlinie läuft nahe am Rücken 
weg und macht in der Gegend der erflen AfterflofTe eine Beugung unterwärts. Der Bauch 
ift dick, von weifser Farbe und braun gefprengt; bey einigen ifl er auch rö'thlicht, und 
fkmtliche Flofkn haben eine bräunliche, manchmal aber auch eine röthliche Farbe. 



144 Zweiter Abßhnitt. Von den SchcHßfchcn insbefondere. 

Wir treffen diefen Fifch, welcher in Preufsen unter dem Namen Pamuchel, fonft 
aber unter dem Namen Dorfch bekannt ift, häufig in der Oftfee an, wo er allein zu Haufe 
zu feyn fcheinet; und er gehet in die Flüfse, fo weit mit dem Waffer derfelben noch das 
Meerwaffer vermifcht ift. Man fängt ihn in Pommern bey Rügenwalde das ganze Jahr hin- 
durch, am häufig ften aber im Jun, ungleichen bey Travemünde , Oehland, Gothland, Born- 
holm, ohnweit Lübeck, in Preufsen und in Liefknd, wo er in Menge erfcheinet; bey den 
Grönländern ift der Herbft und das Frühjahr die hefte Fangzeit; weiter nach Norden zu in 
den finnifchen Meerbufen hinein und gegen Petersburg verlieret er ilch faft gänzlich. 

Der Dorfch wird in den Buchten, an den Kürten und in den Mündungen der 
Ströhme, nicht nur mit Schnüren, welche man gewöhnlich des Abends auswirft, fondern 
auch mit Netzen, gefangen und durch allerley kleine Fifche angelocket. Die Grönländer 
bedienen fich hierzu im Herbfte und im Frühjahr des Seefcorpions ; im Winter hauen fie 
Löcher ins Eis und locken ihn durch glänzende Bleyftücke und Glaskugeln aa a). Ihre Angel- 
fchnüre verfertigen fie aus gefpaltenem Fifchbein oder aus dem Fell des bärtigen Seekalbes b). 

Diefer Fifch hat ein weifses überaus zartes Fleifch, welches fchmackhafter ift, als 
das Fleifch aller übrigen diefes Gefchlechts und es wird von kränklichen und fchwächlichen Per- 
fonen ohne Nachtheil genoffen. Er lebt von andern Fifchen, Wafferinfekten und Würmern, 
und Herr Otto Fabricius traf in feinem Magen Seefcdrpione c), Sandaale d), Krebfe und 
verfchiedene Seewürmer an. Gewöhnlich ift er nur ein bis zwey Pfund fchwer, jedoch 
trifft man bey Rügenwalde welche von fieben bis acht, auch manchmal von vierzehn Pfunden 
an. Schoneveld gedenkt eines Dorfches, der vier Fufs lang war e). Seine Laichzeit fällt 
in den Jänner und Hornung. 

Der Dorfch wird im Salz waffer gekocht und mit Senf und brauner Butter, auch 
mit Effig, Citronenfäure und Provenceröhl genoffen; desgleichen giebt er auch gebraten 
eine gute Speife. Bey den Isländern wird er eingefalzen, getrocknet und alsdann Titte- 
ling genannt f). 

a) O. Fabric. Faun. Grönl. p. 144. d) Ammodites Tobianus. L. 

b) Phoca Barbata. i. a. B. p. 15. e) Ichth. S. 20. 

c) Cottus Sorpio. L. f) Ander/. Reife nach Isl. S.ioo. 



Zweter Abfchnüt. Von den Schcllfifchen msbeßnde¥e. 145 

Die inneren Theil'e find wie bey den vorhergehenden gebildet, äußer daß der Darm- 
kanal nur zwo Beugungen hat j auf jeder Seite find achtzehn Ribben Und im Rückgrad 
drey und fünfzig Wirbelbeine befindlich. 

In Deutfchland wird diefer Fifch Dorfch; in Preufsen Pamuchel; die grofsen in Ham- 
burg Scheibendorfch ; in Schweden Torsk; In-Dännemark Graa, Guulagtig, Torsk, Tarretorsk; 
in Curla nd Dorfch, von den Letten Menzti und Dürska, von den Ehftländern Tursk; in 
Norwegen Tare -Torsk, Titling; in Lappland Tare -Torsk und Rb'd- Torsk; in Grönland 
Sarmlidk und in Island Titling, Tyrsklingur genannt. 

Gronov führt fowol die erfie Gattung des Klein als des Ray, wo fie den Kabeljau 
befchreiben, unrichtig zu unferm Fifch an a); follte er aber wirklich den Kabeljau vor fich 
gehabt haben j fo wäre doch der Artcdi unrichtig citirt, da diefer den Dorfch befchreibef. 
Beym Klein kommt der Dorfch als zwo verfchiedene Arten vor, einmal als Steinpamuchel 
und das anderemal als Graspamuchel b) , und habe ich die fchöne Oratigefarbe des letztem 
ebenfalls bey einigen wahrgenommen. Herr Konferenzrath Müller ift ungewifs, ob der 
Tare -Torsk der Norweger unfer Fifch fey c). Herr Otto Fabricius, welcher diefen Fifch 
In Grönland mit Kenneraugen unterrichte, hält ihn für folchen d). 

Artedi giebt unrichtig den Cod-Fifh der Engländer, welches der Kabeljau ift, für 
anfern Fifch aus e) ? 

DER KABELJAU. 
LXIVfle Taf. 

Die Schuppen gröfser als bey den übrigen. K. 7. Br. 16. B. 6. A. 17. 16.- 
S. 30. R. 15. 19. ai. beljau. 

Gadus fquamit nujorihu. Br. VII. P. XVI. V. VI. A. XVII. XVI. C XXX. 
D. XV. XIX. XXL 



a) Zooph. p. po. d) Faun. Gröal. p.144. n.105. 

b) Miff. Pifc. V. p.6. 0.5." 7. e) Syn.| p.3S. n. 4. 



c) Zool. Danic. p. 2. n. 34S., 



14-6 



Zweier Ahfchnitt. Von den Schcllßfckcn inskfondere. 



Gadus Morhua, G. tripterygius, cirratus cauda 
fubaequali, radio primo anali 
fpiriöfo. Linn. S.N. p.436. 11.3. 

— — Müller. Prodr. p. 42. n. 349. 

— dorfo tripterygio, ore cirrato, cauda aequali 
fere cum radio primo fpinofo. Art. Syn. 
p. 35. n. 6. 

Callarias, fordide olivaceus; maculis flavicantibus 
variis, linea lateraü alba. Klein. Miff. Pifc. V. 

p.5. D.I. 

Morhua vulgaris. Bell Aquat. p. 128« 
Molva. Rond. de Pifc. P. I. p. 280. 
<— vel Morhua. Gesn. Aquat. p. 88- Molva 
minor. Icon. Anim. p.71. Stock- 
fifch. Thierb. S. 40. b. 
, — — — gfonfl. de Pifc. p. 8- t. 2. f. 1. 
Morhua five Molva altera. Aldrov. de Pifc. 

p. 289- 
Afellas major. Schonev. Ichth. p. ig. n. 3. 

— — Charlet. Onom. p. 121. n. 1. 



Cod-Fifh , or Keellng. Willughb. Ichth. p.165. 

— — — •— Ray. Synopf. Pifc. p. 53. 
n. 1. 

Klubbe-Torsk, Bolck, Pontopp. Norw. 2. Th. 

S. 293. 
Vaar-Torsk, Skrey. Leem. Nachricht v. d. Läpp. 
S. 164. 
— — Afcan. Icon. t. 27. 
Cabblia. Faun. Suec. p. iii. n. 308. 
Thonkur. Olaf. Reife nach Isl. S. 357. 991. 
Kablau. Ander/. Isl. S. 79. 
Saraudlirkfoak , Ekalluarkfoak. Otto Fabr. Faun. 

Grö'nl. p. 146. 
La Morue. Duhamel. Trait. de peches. t.2. p-37- 
PI. 4. f. S. 

— — Cours d'Hift. Nat. t. V. p. 301. 

The Common Cod-Fifh. Penn. B. Z. III. p. 172. 

«•73- 
Der gemeine Kabeljau. Müller. L. S. 4. Th. 
S. 8r- 



Die verhältnifsmä'fsig gröfsere Schuppen zeichnen den Kabeljau von den übrigen Fifchen 
diefes Gefchlechts aus. In der Kiemenhaut befinden fleh fieben, in der Bruftflofie fechs- 
zehn, in der Bauchflofle fechs, in der erften AfterflofTe fiebenzehn, in der zwoten fechs- 
zehn, in der SchwanzflofTe dreyfsig, in der erften Rückenflofle fünfzehn, in der zwoten 
neunzehn und in der dritten ein und zwanzig Strahlen. 

Der Kopf, Rücken und die Seiten find grau und mit gelblichen Flecken befprengt; 
bey noch jungen Fifchen diefer Art, wenn fie fich auf Felfengrund aufhalten, hat der Bauch 
eine röthliche Farbe, mit orangegelben Fkcken, welche Farbe aber fich alsdann wenn fie 
Liter werden, und diefen Aufenthalt verladen, in ihre gewöhnliche verändert. Die Mund- 
öfnung ift grofs, die obere Kinnlade hervorflehend und an der untern eine kleine Bartfeftr 
befindlich ; die Pupille ifl fchwarz , der Ring gelblich und der Bauch hat eine weifse 
Farbe j die Rückenfloflen find fo wie die SchwanzflofTe gelb gefprengt, die Bauch -und 



Ztoeetcr Abfchnitt. Von den ScheUfifchen insk fonder e. 147 

ÄfterfloiTe grau und die Bruftfloffen von einer gelblichen Farbe. Sämtliche Strahlen find 
weich und vielzweigigtj der After fitzet dem Kopfe näher als dem Schwänze. 

Diefer Fifch ift ein Bewohner des Weltmeeres , wo er fich zwifchen dem vier und 
vierzigften und fechs und fechszigften Grad nördlicher Breite aufhält. Man findet ihn zwar, 
noch in höheren Breiten, als in Grönland; jedoch von fchlechter Befchaffenheit und in ge- 
ringerer Anzahl. Sehr häufig triff man ihn bey Terreneuve, Capbreton, Neufchottland, 
Neuengland, an den norwegifchen und isländifchen Küfien, auch auf der Doggersbank und 
um den orkadifchen Infein an. Er ift für viele Nationen ein überaus wichtiger Nahrungs-und 
Handelszweig, befonders ift er eine ergiebige Quelle des Reichthums für die Engländer j 
er ernähret die Isländer, bringt den Norwegern jährlich einige Tonnen Goldes ein und be- 
fchäftiget eine grofse Anzahl holländifcher und franzöfifcher Seeleute, wie wir dies in der 
Folge fehen werden. 

Diefer Fifch wird gewöhnlich von zweeu bis drey Fufs Länge und einem Gewicht von 
vierzehn bis zwanzig Pfunden angetroffen , jedoch findet man fie auch viel gröfser : denn 
bey England wurde ohnlängft einer gefangen , welcher fünf Fufs acht Zoll lang war, am 
flärkfien Theil fünf Fufs im Umfange hatte und acht und fiebenzig Pfund fchwer war. Er 
hält fich gewöhnlich in den Tiefen des hohen Meeres auf und kommt zur Laichzeit an den 
Küfteniind Bänken zum Vorfchein. Seine Nahrung find Krebfe, der Tintenfifch, Hering 
und andere Fifcharten und er ift fo gierig, dafs er auch nicht einmal feiner eigenen Gattung 
fchonet. Er befitzet die Eigenfchaft der Raubvögel, dafs er fich der unverdaulichen Körper 
durchs Erbrechen entledigen kann. Nach dem Zeugnifs des Auderfon foll fein Magen eine 
folche gefchwinde Verdauungskraft befitzen, dafs die heiligeländer Fifcher, die ihm zur 
Lockfpeife gegebenen Schellfifehe , nach Verlauf von fechs Stunden, in feinem Magen 
fchon verdauet finden a). 

Die Laichzeit richtet fich fo wie bey den übrigen Fifchen nach dem Alter, dem mehr 
oder weniger kalten Grund und der Befchaffenheit der Luft und Witterung. In England 

Ta 



a) Nachr. v. Island. & 85. 



148 Zweiter Abschnitt. Von den Schellfifchen inshefondert. 

laichen die grofsen bereit! im Jänner, und erfcheinen alsdenn bis in den nSchflfolgenden 
Monath an den Küften, hierauf verfchwinden fie und es kommen kleinere an die Stelle, 
welche bis zum Ende des Aprils laichen, als fo lange man noch Rogen in ihnen bemerkt; 
in Island erfcheinen fie erft im Februar und auf der grofsen Kabeljaubank bey Terreneuve 
oder Neufoundland im April. Sie fetzen die Eyer in dem rauhen Grunde zwifchen den 
Steinen ab. Es verhält fich bey der Fifcherey mit der Angel auf dem Meere zur Laichzeit 
ganz anders als bey der Fifcherey im füfsen Wafler mit den Netzen und Reufen. Hier gehet 
der-Fifch, vom Gefchlechtstriebe gereizet, ohne Scheu, in die ihm aufgefeilten Fallftricke, 
und ift daher diefe die günftigfte Zeit für die Fifcher : dahingegen eben diefer Trieb fie vom 
Freflen abhält und fie alfo durch die Lockfpeife nicht verführet werden. Defto begieriger fällt 
er nach der Befriedigung jenes Triebes, durch den Hunger genöthiget, auf eine jede Lock- 
fpeife und er hafchet alsdann fogar nach allerley glänzenden Körpern, als Haken und glän- 
zenden Steinen, dergleichen man um diefe Zeit in feinem Magen häufig antrift; die Isländer 
bedienen fich daher zum Köder der Mufchelfiücke und Glasperlen mit gutem Erfolge. 

Angelfchnüre find das vornehmfte Werkzeug, welches man in Norwegen zum 
Fang diefes Fifches gebraucht. Sie find von zweyerley Art : die eine iß die Grundfchnur a) 
und die andere die Angelfchnur b). Jene beftehet aus einem Seil von zwey hundert Klafter 
Länge, woran ohngefahr hundert Angeln hängen; diefes -wird in einer Tiefe von zwey 
bis drey hundert Klaftern , durch ein Gewicht, welches an jedem Ende des Strickes befefiigt 
ift, niedergelafTen und an demfelbcn find in einem Abftande von einer Klafter dünne, und 
einer halben Klafter lange Schnüre befindlich. Ein oder mehrere Bretter oder Tonnen c) 
dienen den Fifchern zum Merkmal, wo fie ihr Werkzeug wieder fuchen follen; jedes Boot 
ift mit zweyen dergleichen verfehen, damit die Fifcher, wenn fie die eine eingezogen haben, 
fogleich die andere auswerfen können. 

Die Angelfchnüre hängen nur fieben bis acht Klafter aus dem Boot, und in diefem 
find zween Fifcher befindlich, davon der eine rudert'und der andere Achtung giebt, wenn 
ein Fifch angebiflen hat. Mit diefen Werkzeugen wird das Boot in einem Tage öfters zwey 

a) Linteva. b) Schnörerne. c) Boyn. 



Ziveeter Abfchnitt. Fon den Schellfifckcn insbefonden- 149 

bis dreymal angefüllt. Weil diefer Fifch zur Laichzeit nicht leicht anbeißet} fo werfen die 

Norweger und andere Nationen, an denen Stellen wo fie am dichtesten bey einander liegen , 
dreyzackigte Haken unter fie aus ; da es denn gefchiehct, dafs fie daran einen oder mehrere 
aufgcfpiefset herausziehen. In Norwegen bedienet man fich in den neuern Zeiten an eini- 
gen Küflen auch der Stechnetze. Diefe find gewöhnlich zwanzig Klafter lang, eine hoch 
und begehen aus Mafchen von drey Zollen ins Gevierte und man läfst fie in eine Tiefe von 
iiebenzig Klaftern ein. Ein Boot mit fechs Mann fezt bey fiürmifcher Witterung achtzehn , 
bey einer ruhigen aber vier und zwanzig aus : jedoch gehet nicht feiten eins oder das andere 
dabey verloren, indem nemlich der Sturm oder grofse Seethiere fie famt den Fifchen mit 
fich fortführen. Diefe Netze werden des Abends aufgefiellet und des Morgens gewöhnlich mit 
einer Beute von drey bis fünf hundert Stück eingezogen. So grofsen Vortheil anfänglich die 
Netzfifcherey gewährte, fo nachtheilig befand man fie in der Folge, indem fich der Fifch an 
diefen Stellen gänzlich verlor; fo dafs an vielen Orten die Einwohner darben und andere die Kü\ 
ften gar verlaffen muffen. So war, zum Beyfpiel, bey Tränen, im Kirchfpiel Roden vordem 
ein fo ftarkes Fifchlager , daß man von vielen nördlichen Gegenden der Fifcherey wegen 
dahin kam und dafs ein mit vier Mann befetztesBoot, während der Fangzeit, vier bis fechs 
taufend Fifche gewann : dahingegen man jetzo kaum fechs bis fieben hundert zufammen- 
bringt a). Die Urfache diefer Verminderung liegt ohnftreitig darinn , dafs die Fifche in 
der Laichzeit geftöhret werden , und dafs bey der Netzfifcherey zugleich mit ihm Millionen 
feiner Nachkommenfchaft ausgerottet wurden. Den Schaden, welchen die engen Netze bey 
der Heringsfifcherey in Schweden und Preufsen anrichteten b), erfahren auch die Norweger 
b.ey ihren Kabeljaufang. Bey der Angelfifcherey hingegen kann der Fifch fein Gefchlecht 
ungefiört fortpflanzen. 

Die Schiffe, deren man fich zu diefer Fifcherey bedienet, find von verfchiedenerGröfse; 
die Küftenbewohner gebrauchen Boote, worauf gewöhnlich drey bis vier Mann zu feyn pfle- 
gen: diejenigen aber, welche aus entfernten Gegenden zu diefer Fifcherey kommen, haben 
Fahrzeuge von vierzig bis hundert und fünfzig Laften, wozu fünfzehn bis dreifsig Mann 

Tj 

a) Schwed. Abhandl. 32. Band. S. 297. 303. u. f. h) S. 1. Th. S. 393. 



15° Ziveeter Abfchnitt. Von den $chellfifchcn inshefondere. 

gehören, welche fich nach der verfchiedenen Entfernung der Länder, von welchen fie aus- 
gehen , auf zwey bis acht Monat mit Lebensmitteln , ungleichen mit einem hinlänglichen Vor- 
rath von Seefalz zum Einfalzen, mit Tonnen zum Einlegen der Fifche, und zum Aufbe- 
wahren der Leber, auch mit kleinen Fäfsern zum Einlegen des Rogens, der Schwimmblafe 
und der Zunge und mit Hölzern zur Zubereitung des Klippfifches verfehen. Ein Schiff 
von neunzig Laften führt neunzehn, eins von hundert und fünfzig aber fünf und zwanzig 
bis dreyfsig Perfonen. Die franzöllfchen und holländifchen find gewöhnlich von fechszig 
bis hundert und zwanzig Tonnen, ihre Angelfchnüre kürzer und nicht fo ftark als diejenigen, 
deren fich die Norweger bedienen ; jene bereiten fie von feinem Hanf, dimit fie Fettigkeit 
erhalten und zum Einziehen nicht zu fchwer feyn mögen. Wenn die Haken der Angeln 
von Stahl gemacht find; fo greifen fie leichter in den Fifch, aber fie zerfpringen auch um 
fo viel leichter, wenn fie auf einen Felfengrund fallen; fie werden daher nur verfiählet. 

Als Köder gebrauchet man allerley kleine Fifche, befonders den Hering, Schellfifch 
und auf Terreneuve den Capelan. In Ermangelung des frifchen Köders nimmt man einge- 
falzene Heringe, Mackrelen und Hornhechte; jedoch thut man wohl, wenn man fie vorher 
auswäffert: auch nutzet man dazu das auf den Schiffen verdorbene Fleifch. Am Iiebften beif- 
fet der Kabeljau an frifche Fifche oder Mufchelfchalen, an Krebfe und Stücke von Hummern 
und Krabben; die Engländer halten daher jederzeit auf Terreneuve einige Boote zum Fang 
des frifchen Köders, auch werden die kleinen Kabeljaue, ihres geringen Werths wegen, 
dazu verwendet. Beym Mangel des Köders bedienet man fich der von Bley gegoltenen Fifche, 
des rothen Tuches und der halb verdaueten Fifche, welche in den Mägen der gefangenen ange- 
troffen werden. Wenn der Fang nicht glücklich von fiatten gehen will; fo mufs man zu 
diefem Ende einige Kabeljaue aufopfern , weil diefer Fifch nach frifchem und noch blutendem 
Fleifche fehr begierig ift. Die Isländer bedienen fich auch des Herzens der gefchoffenen 
Waffervögel und die Norweger des Seeflints a) und Blackfifches b): denn wenn der See- 
flint nach den Ufern, um zu laichen, ziehet; fo folget ihm jederzeit ein ganzes Heer 
von Kabeljauen nach. Eben fo verhält fichs auch in Amerika, wenn der Capelan in diefer 



a) Salmo Eperlano - marinus. S. r. Th. S. 182. b) Sepia officinalis. L. 



Zweeter Ahfchnitt. Von den Schellfifchen insbefondere. 15 1 

Abficht erfcheinet, und in beyden Welttheilen fuchet er den Hering auf; daher auch diefer 
zur Lockfpeife gebraucht wird. Ift nun ein Boot mit gutem Köder hinlänglich verfehen und 
gelanget es bey ruhigem Wetter auf eine fifchreiche Stelle, welches vorzüglich diejenigen 
Bänke find, wo man viel Mufcheln und Krebfe antrifft; fo kann ein folches, welches mit 
vier Mann verfehen ift, fich binnen vier und zwanzig Stunden einer Beute von vier bis fechs 
hundert Fifchen erfreuen und man kann bey anhaltender Witterung innerhalb zwey bis 
drey Wochen auf eine ganze Ladung von fünf bis fechs taufend Stück Rechnung machen. 
Man fangt diefen Fifch fowol in Norwegen, als in England und Amerika beynahe das 
ganze Jahr hindurch : die eigentliche Zeit aber, wo er am häufigften erhalten wird , ift 
an den norwegifehen und islündifchen Kiiften, vom Hornung an bis zum Ende des Märzes, 
auch wohl bis mitten im April. In den amerikanifchen Gewäflern ift der Hauptfang in den 
Monathen May und Jun; vom Jul an verfchwindet er hier und kommt im September wie- 
der zum Vorfchein : da aber um diefe Zeit die dortigen Gewäfser mit Eis belegt werden , 
fo ift die Fifcherey für die Europäer unficher. 

In den nordifchen GewäfTern verfammlen fich zur Fangzeit vier bis fünf taufend 
Menfchen, die aus Normännern, Dänen, Schweden, Hamburgern , Holländern und Fran- 
zofen beliehen. Von diefen allen ziehen die Holländer den gröfsten Vortheil davon: denn 
weil Cie mehr Sorgfalt auf die Zubereitung und Verpackung in die Fäfser verwenden , fo 
find ihre Fifche allezeit im höhern Werth. Da es ihnen aber fo wenig als den übrigen Na- 
tionen erlaubt ift, die Fifche auf dem Lande zu trocknen; fo falzen fie den gröfsten Theil 
ein , und hängen nur einen geringern Theil auf Stangen zum Dörren auf. 

Was die Zubereitung diefes Fifches zur Dauer anbetrifft; fo gefchiehet felbige theils 
durch das Dörren an der Luft, theils durch das Einfalzen, theils durch beydes zufammen. 
Durch die erfte Art wird der Stockßfch, durch die zwote der Labberdan und durch die 
dritte der KUppßfch erhalten. Die Isländer, bey denen diefe Fifche beynahe das einzige 
Nahrungsmittel find, fuchen den Ueberflufs derfelben, um künftigem Mangel vorzubeu- 
gen, dadurch zu erhalten, dafs fie fie dörren, und diefe geben den unter dem allgemeinen 
Namen bekannten Stockfilch. Es giebt zweyerley Arten deflelben, davon die eine. Flack- 
fifch und die andere Hängefifch heifst. Mit der Zubereitung derfelben verfähret man fol- 



l$a Zwetcr Abfchnitt. Von den Scheuß fcheu inshefondere. 

gsndergeßalt. Wenn die Männermit ihrem Fange ans Land gekommen find; fo werfen fie 
ihn auf den Strand ■$ die Weiber fchneiden hierauf den Fifchen die Köpfe ab, ritzen den 
Bauch auf, und nachdem die Eingeweide heraus genommen worden, fpalten fie den Rücken 
von innen auf, und nehmen den Rückgrad bis auf die drey letzten Wirbel beine heraus. 
Sie bereiten hierauf die Köpfe zur Mahlzeit., und die Kiemen werden von den Männern 
zum Köder an der Angel genutzet ^ die Gräten werden gedörret, und theils zur Feurung, 
theils zur Fütterung des Viehes gebraucht. Die Lebern werden bcfonders gefammlet und 
aus ihnen ein Trahn bereitet. 

Wenn nun die Mannsperfonen unterdefTen ausgeruhet und fich durch den Genufs des 
Brand weins gelabet; fo tragen fie die folchergeftalt gefpaltenen Fifche auf felfigte Oerter, 
wo fie denn ausgebreitet werden und fo lange liegen bleiben, bis der Wind fie völlig aus- 
gedörret hat, welches innerhalb drey bis vier Wochen, hey ßarkem und trocknem Nordwinde 
aber in eben fo viel Tagen zu gefchehen pflegt. In folchen Gegenden , wo keine Felfen 
vorhanden find und etwa der Boden fandigt ift, machen fie aus zufammengetragenen Steinen 
für diefelben ein Unterlager, und legen fie jederzeit auf die innere Seite, damit bey einfal- 
lendem Regenwetter das Fleifch nicht nals werde und verderbe. Die folchergeftalt getrock- 
neten Fifche werden alsdenn in grofsen Haufen über einander gethürmet und fo lange in 
freyer Luft gelaflen, bis fie Gelegenheit erhalten felbige zu verhandeln. Der Hängefifch wird 
eben fo zubereitet, jedoch mit dem Unterfchiede , dafs bey ihm der Rücken von hinten auf- 
gefchnitten, mithin ganz gefpalten und auf den Seiten eine Oefnung gemacht wird, durch 
welche er auf Stangen gereihet und über Steinhütten gehangen wird. Da nun die Steine 
•zu den Wänden derfelben lofe über einander gelegt werden, fo kann der Wind durch die 
Zwifchenräume derfelben frey hindurch ftreichen. Ein Dach von Brettern oder Rafen, wo- 
mit diefe Hütten bedeckt werden , fichert die Fifche vor dem Regen. 

Da die Schwimmblafe bey diefem Fifche fehr klebrieht ift; fo verfertigen die Isländer 
daraus einen Leim, der der rufllfchen Haufenblafe an Güte ziemlich nahe kömmt. Sie ver- 
fahren dabey auf folgende Weife: nachdem der ausgefchnittene Rückgrad mit der daran 
fitzenden Schwimmblafe fo lange in Haufen gelegen hat, bis fie der Fäulung nahe find, fo 
werden fie auf einen Block gebracht und die Wirbelknochen fo lange geklopfet, bis fich die 



Ztoeetcr Abfchnitt. Von den Schellßfchen imhefondere. 153 

Blafe mit den Bändern, welche von ihnen Tafchen genannt werden, und womit fie zwifchen 
den Wirbelbeinen befefliget find, davon abziehen läfst. Hierauf werden die Bkien aufge- 
fchnitten, auf einen Block oder Tifch gelegt, an welchen eine fteife Bürfte genagelt ift, 
woran das fägeförmige MefTer gereiniget wird, womit fie die äufsere Haut von dea 
Blafen und Bändern abkratzen. Die nunmehro von dem Schleim gefäuberte Blafe legen fie 
alsdenn auf eine kurze Zeit in Kalkwafler, damit die noch darinn befindlichen fettigen 
Theile aufgelöfet werden und, wenn fie hiernächft in reinem Waffer abgefpület wor- 
den , fo legen fie felbige auf das Netz um fie zu trocknen. Auch auf Terreneuve hat 
man Verfuche damit gemacht, weil es aber dafelbft zu einer folchen Zubereitung an Zeit 
und Raum zu fehlen pflegt; fo werden fie emgefalzen und fo bis zu einer fchicklichen 
Gelegenheit aufbewahret, oder auch verfpeifet. Wenn man von ihnen Leim verfertigen will; 
fo mufs denfelben zuvor das Salz durch das Auswäfsern benommen werden. Zu diefem 
Leim fchicken fich die dicken Schwimniblafen am beften , ob fie gleich nicht einen folchen 
klaren Leim geben, als die dünneren a)« 

Von der Verfahrungsart in der Zubereitung 4er Fifche weichen die Norweger 
von den Isländern darin ab , dafs fie Salz dazu nehmen. Nachdem ihnen nemlich die Köpfe 
abgefchnitten und<3ie Eingeweide herausgenommen worden, werden fie in ein grofses Fafs 
geleget, mit franzÖfHehem Salze beftreuet und nach acht Tagen in Haufen auf einen Rofl 
gebracht, damit die Laake und das Blut ablaufen könne. Man reibt fie hiernächft mit fpa- 
nifchem Sake ein , packet diefelben entweder in Tonnen feft, da fie denn unter dem Na- 
men Laberdan verkauft werden , oder man trocknet fie auf Felfen und diele heifsen aus 
dem Grunde Klippfifche. Die grofsen werden deswegen gefpalten, damit das Salz fie 
defto mehr durchdringen könne, die kleineren aber nur am Bauche aufgeritzet; diefe heifsen 
Randßfche und jene Plattfifche : auch dörren fie diefelben an Stangen und diefe nennet man 
Rothßfche b). Alle diefe Sorten werden nach Bergen gebracht, wo man fie denn weit her- 
um in Europa verfendetj die abgefchnittenen Köpfe braucht man in der Wirthfchaft für die 



a) Siehe Herrn Humphrey ^factfon Nachricht von der Verfertigung der Hausblafen in den 
Phüofoph. Trsnsaft. vom Jahr 1773. h) Roskiär. 

u 



*J4 Zweeter ÄlfchihT. Von den Sihellfifchen tmhejondere. 

Menfchen und in den Gegenden, wo es an Fütterung fehlt, auch fürs Vieh. So dörren die 
Nordländer am Seeftrande die Köpfe und kochen diefelben zu ihrer Zeit mit Seekräutern a), 
und es geben die Kühe bey diefer Fütterung ungleich mehr Milch, als von Heu und Stroh b). 
Aus der Leber machen die Norweger fo wie die Isländer und andere Nationen Trahn: denn 
wenn diefclbe zu einem gewiflen Grad der Fäulung übergegangen ift; fo laufen die öhligten 
Theile nach Und nach von felbft heraus. Diefer Trahn wird dem vom Wallfifch vorgezo- 
gen, weil er das Leder länger fchmeidig erhält und abgeklärt weniger Dampf im Brennen 
von fich giebt. Der Rogen wird forgfältig gef*nmlet, eingefahren y in kleine Fäfser ge- 
fchlagen und an die Holländer und Franzofen verkauft, welchen lezteren er, fo wie den Spa. 
niern, zum Fang der Sardellen und des Anjovis unentbehrlich ift; da die zu dem Fang diefer 
Fifche befiimmte Netze zur Lockfpeife damit beftreuet werden. Aus Bergen werden jährlich 
allein vierzehn bis fechszehn Schiffsladungen , oder zwanzig bis zwey und zwanzig taufend 
Fäfsgen mit Rogen ausgefchiffet c), wovon ein jedes Fafs für 2 Rthlr. 9 Gr. verkauft wird. 
Auch die Schwimmblafen werden von den Norwegern theils frifch gegefien, theils ° e troek- 
net verkaufet; fie nennen fähige gefimde Mägen d), weil fie glauben, dafs fie dem Magen 
zuträglicher feyn. In Terreneuve nuzet man aufser diefen auch noch die Zunge, welche 
theils frifch genoffen, theils als ein Leckerbiffen eingefalzen mit zu Haufe gebracht wird. 

Die Schiffe, welche nach Norwegen und Terreneuve gehen, laufen gewöhnlich im 
März aus, auch früher und fpäter, nach der Verfchiedenheit ihrer Entfernung, und fie kom- 
men gegen das Ende des Septembers wieder nach Haufe. So bald fie auf den Ort des 
Fanges angelanget find, machen fie eine Gallerie auf dem Schiffe, die vom grofsen Maft 
an bis ans Hintertheil und manchmal von einem Ende des Schiffes bis zum andern geht. 
Diefe äufsere Gallerie ift mit Fäfsern befetzt, wovon der oberfie Boden ausgefchlagen ift; 
in diefe fetzen fich die Matrofen und ihr Kopf ift vor der böfen Witterung mit einem 
gepichten Dache, das an diefen Fäfsern befcfb'gt ift, gefchützr. So wie fie einen Kabel- 
jau fangen, fchneiden fie ihm die Zunge aus, nachher geben fie ihn einem Schiffsjungen 



a) Seetang. Fucus. c) Fantopp. Norw. 2. Th. S. 298- 

b) Schwed. Abhandl. 32. B. S.298. d) Sunde - Maver. 



Zweiter Abfchnht. Von den Schellßfchen iüsbefoudere. ijj 

der ihn dem Ausweider bringt. Diefec fchneidet den Kopf ab, reifst ihm Leber und 
Eingeweide aus dem Leibe und lsfst ihn alsdann durch eine Lücke in das falfche Verdeck 
fallen, wo der Bereiter den Rückgrad bis an die Mitte herausnimmt, ihn dann durch 
eine andere Lücke in den Raum fchafft, wo er gefalzen und in Stöfsen gelegt wird. Der 
Einfalzer giebt Achtung, dafs zwifchen den Schichten, woraus ein folcherStofs befteht, genug 
Salz liege, damit die Fifche lieh nicht berühren: aber dafs auch nicht mehr dazwifchen 
komme, als nöthig ift. Zu viel oder zu wenig Salz, beydes iß gefährlich ; beydes vermin- 
dert die Güte und den Werth des Kabeljaus a). 

Nicht nur in den neuern Zeiten, fondern auch in den altern gierigen fremde Na- 
tionen auf den Kabeljaufang nach den norwegifchen und isländifchen Küften: auch die Stadt 
Amfterdam hat fchon im vierzehnten Jahrhunderte (1363) von der Krone Schweden die Er- 
laubnifs erhalten, in diefer Abficht auf der Infel Schonen ein EtabliiTement zu errichten b). 
Auch miüTen die Engländer zeitig dahin gekommen feyn, weil Heinrich V. im Jahr 14 15 dem 
Könige von Dännemark wegen einiger an feinen Unterthanen dafeM ausgeübten Gewaltthä- 
tigkeiten Genugtuung verfchaffte. Nach der Zeit hatten zwar die Engländer das Recht in 
diefen GewäiTern zu fifehen verloren; denn wir finden, dafs Elifabeth ihren Unterthanen 
von der Krone Dännemark die Erlaubnifs, dafeM wieder zu fifchen, von neuem verfchaffte: 
als aber ihr Nachfolger (ich mit einer dänifchen Prinzeffin vermählte; fo machten fie von 
diefer Freyheit einen folchen Gebrauch, dafs fie jährlich an 150 Schiffe dahin fendeten. 
Auch die Franzofen und Holländer fchicken jährlich mehrere Schiffe dahin , und dennoch 
bleibt für jene Nation noch fo viel übrig, dafs die Isländer den gröfsten Tfaeil ihres Unter- 
halts diefem Fifche zu verdanken haben c), und dafs die Norweger, wie erwähnt, dadurch 
jährlich einige Tonnen Goldes gewinnen. So ergiebig übrigens auch die Fifcherey in diefen 
GewäiTern feyn mag, fo ift fie doch mit derjenigen nicht zu vergleichen, welche das nörd- 
liche Amerika und vorzüglich die grofse Bank von Terreneuve A) den Franzofen und 

U 2, 



a) Afa»n7/o«Gefchichted.Hand. ö.Th. S.292. d) Diefe Bank ift 160 Meilen lang, 90 breit; 

b) Der Reich thum von Holland. I. S. 103. und liegt zwifchen dem 43ften und 45ftea 
p) Ander/. Nachricht von Isl. S.Sa. Grade nördlicher Breite: die eigentliche fifch- 



156 Zmeter Abfchnitt. Von den Sckellfifchen insbesondere. 

Engländern gewähret. Wie wichtig fie für diefe fey , ergiebt fich daraus , dafs dadurch an 
15 a) bis 20000 b) tüchtige Seeleute unterhalten werden ; disjenigen vielen taufend Menfchen 
nicht mitgerechnet, welche der Schiffbau, die Verfertigung der Werkzeuge u. f. w. befchäf- 
tigen. Aufser diefen gewinnen fie durch den Abfatz, welchen fie in Portugal, Spanien und 
Italien machen, anfehnliche Summen Geldes. 

Aus einer Bittfchrift, welche die englifchen Kaufleute im Jahr 1763 der Regierung 
Übergaben , erhellet der blühende Zufland der damaligen Fifcherey. Ihr zufolge, wurden dazu 
150 Schiffe, von eben fo viel Tonnen ein jedes und 1500 kleinere gebraucht j die 300 Kauf- 
fahrteyfchiffe, welche den Fifch und das Oehl wegführten, nicht mitgerechnet. Ein Schoner 
von 50 bis 70 Tonnen fängt 85 a > eine Schaluppe 300 und die kleinften Fahrzeuge 200 Cent- 
ner. Man kann alfo annehmen, dafs ein jedes diefer Schiffe im Durchfchnitt 450 Centner 
fängt. Der Centner koftet auf der Stelle, von dem beflen oder Kauffifch, 3 Rthlr. 
14 Gr. c), die Mittelgattung 2 Rthlr. 9 Gr. 6 Pf . d) und der Ausfchufs 1 Rthlr. 15 Gr. 
6 Pf. e). Nun liefert der Fang ftel grofse, eben fo viel mittlere und f-tel kleine. Der 
Mittelpreis des ganzen Fifches ift 3 Rthlr. f ). 

Hiernach wäre alfo der Werth von 1500 kleinen Schiffen - - 2,020,000 Rthlr. 

Die Lebern von 100 Centner Fifchen geben eine Pipe (Fafs) Oehl, deffen 
Werth man gewöhnlich auf 31 Rthlr. fchätzetj folglich geben 1500 
Schiffe zu 450 Centner 67500 Fäfser Trahn : macht - - 208,250 Rthlr. 

Die Ladung eines Schiffes von 150 Tonnen gilt gewöhnlich 18000 Rthlr. g) j 

alfo der Werth von 150 dergleichen - - 2,700,000 Rthlr. 

Alfo überhaupt h) - - - - 4,928,250 Rthlr. 

reiche Bänke aber 100 Meilen lang und 60 breit. a) Penn. III. p. 176. 

Die Tiefe wechfelt ab, von 15 bis zu 60 Klaf- b) Mauvilton Gefch. des Hand. 7. Th. S. 291. 

tern ; der Grund iß: felfigt, und das Waffer von c) 12 Schilling. 

den in verfchiedener Richtung hineinftröhmen- d) 8 Schilling. 

den Flüfsen, in einer heftändig wallenden Be- e) 5I Schilling. 

wegungi über dem Dünfte emporfteigen , welche f) 9f Schilling. 

machen, dafs der Himmel dafeibft nur feiten g) 3000 Pfund Sterl. Mauv. a.a.O. 

heiter ift. h) Wenn nicht befondere Verträge ein ande- 



Zivceter Abfchnitt. Von den ScheUßfchen insbefonderc. 157 

Giebt man nun im Durchfchnftt den kleineren Schiffen zehn und den grofsen zwanzig Mann ; 
fo kommt eine Zahl von 18000 Seeleuten heraus und wenn man diejenigen mit in Rechnung 
bringt, welche zu den 300 Seefahrern gebraucht werden; fo kann man 20000 Mann anneh- 
men , welche bey dem Fifchfange Dienfle leiden. Dererjenigen Vortheile nicht zu erwäh- 
nen, die fie durch den Fang diefes Fifches an ihren Küften ziehen, welcher ebenfalls fehr 
beträchtlich ift. 

Dies war ohngefähr der Zufiand des Kabeljaufangs in Amerika vor dem Ausbruch des 
Krieges mit den Colonien : da diefe aber nunmehro einen eigenen Staat ausmachen , und 
nicht nur ihnen eine freye Fifcherey auf Terreneuve zugeftanden ift, fondern auch den 
Franzofen zu diefem Ende ein Strich Landes dafelbft eingeräumet worden j fo dürfte 
diefer Handlungszweig für England nicht fo ergiebig bleiben. 

Auch für die Franzofen ift der Fifchfang auf Terreneuve von grofsem Belang. Im 
Jahre 1768 fchickten fie 114 Schiffe dahin, die zufammen 15590 Tonnen betrugen, jedes 
Schiff enthielt 6000 Fifche, und belief fich daher der ganze Fang auf 24 Millionen und 
66000 Stück , oder 1,92,528 Centner. Wenn nun der Centner nach dem mittleren Preis zu 
4 Rthlr. 8 Gr. 7 Pf. a) in Frankreich verkauft wird; fo beläuft fich der Werth des Ganzen 
auf 8,38,000 Rthlr. b). Wenn diefe nun 1925 Fäffer Oehl liefern muffen j fo macht das Fafs, 
zu 31 Rthlr. gerechnet, der Werth derfelben .60,750 Rthlr. c). Und da die Franzofen auch 
aufserdem an den isländifchen Kurten und im Kanäle fifchen; fo flehet man, wie wohlthätig 
diefer Fifch auch für diefes Reich ift. Bey dem allen find doch diefe Fifche nicht zureichend, 
daffelbe zur Faftenzeit hinlänglich zu verfehen und machen daher aufserdem noch die Hol- 
länder dafelbft einen flarken Abfatz. 

U 3 



res beftimmen - r fo gehöret das Oehl dem Schiffs- anfehen mufste; fo kann der Gewinnft immer , 

volk, fo wie der vierte Theil des ganzen Er- als eine Bereicherung, der Nation: im ganzen be^ 

träges den Ein wohnern daüger Gegend. Wenn trachtet werden. 

man nun den Vbrtheil Englands davon berechnen a) 16 Liv. 9| Sousv 

will; fo müflen felbige von obiger Summe in b) 3,174,305 Livres 8Sous. 

Abzug gebracht werden. Da man aber bishero c) 231,000 Liv. Mauy. 6. Th. & 301. 

die Coionien als einen Theil der englifchen Nation 



158 Zweiter Abfchnitt. Von den Schellfifchen ' hübe fonder e. 

Dem Auderfon zufolge füllen die Franzofen im Jahr 1536 das erfle Schiff zur Fifche- 
rey nach Terreneuve gefchickt haben , und im Jahr 1578 gieng fchon eine fehr grofse Anzahl 
derfelben dahin. Aus Spanien fanden fich dafelbft 100 von 5 bis 6000 Tonnen; aus Portu- 
gal 50 zu 3000; aus Frankreich 150 zu 7000 und aus England 30 zu 50 Tonnen ein a). 
Nachdem aber die Engländer fich immer mehr und mehr in den nördlichen Provinzen der 
neuen Welt ausbreiteten; fo verdrängten fie nach gerade die übrigen Nationen von diefer 
Fifcherey und brachten es dahin, dafs auch fogar Spanien, welchem diefe Fifche wegen der 
Menge feiner KMer unentbehrlich find, fich des Rechts dafelbft zu fifchen gänzlich begeben 
mufste: nur allein den Franzofen geltenden fie daflelbenoch zu. Weil fie aber ihre Fifche 
nur an wenigen Stellen auf dem Lande trocknen konnten; fo fahen fie fich genöthiget, um 
felbige vor der Fäulung zu bewahren, noch einmal fo viel Salz als die Engländer zu neh- 
men und ift daher der ihrige ungleich fchlechter ausgefallen. Da die Engländer ihre Fifche 
einige Tage in einer ftarken Lauge liegen lauen und fie hernach auf dem Lande und an der Luft 
trocknen; fo find fiebey halb fo vielem Salze vollkommen fo dauerhaft, als diefranzöfifchen. 

Man erflaunt mit Recht über die ungeheure Menge, welche feit mehreren Jahrhun- 
derten jährlich von den Menfchen getödtet werden; ohnfireitig eben fo grofs und vielleicht 
noch gröfser ift die Niederlage, welche die gröfsern Raubthiere und auch fie felbft unter 
ihnen anrichten. Denn fo fanden die Isländer, nach der Erzählung des Horre&ows, in dem 
Magen eines Wallfifches, aufser andern Thieren, 600 lebendige Kabeljaue b). Wenn wir 
aber die ungeheure Menge Eyer betrachten, welche der Schöpfer diefem Fifche verliehen; 
fo dürfen wir eben keinen Mangel derfelben befürchten, fo lange man bey der Angelfifche- 
rey bleiben wird. Denn fo berechnete Loeuwtnhoeck den Eyerftock eines mittelmäfsigen Ka- 
beljaues auf 9,344,000 Eyer c), und wenn Brailey nur vier Millionen d) angiebt, fo find 
auch die hinreichend diefe Fifchart zu erhalten, wenn man die grofse Menge derjenigen 
in Erwegung ziehet, welche jährlich laichen. 

Der Kabeljau hat ein weichliches Leben und fiirbt fo bald er aus feinem falzigen Ele- 
ment kommt, oder in füfses Wafler geräth. Weil fein Gefchmack ungleich beffer ifi wenn 

a) Penn.Ul. S.175. Lim - S y ft - Nat P-+37- »-3- 

b) Nachricht von IsL p. 215. d > Entwurf einer ökonomifch.Zoolog. S. 123- 



Ziveeter Abfchnitt. Von den Schellfifchen insbefondere. 159 

man ihn frifch erhalten kann ; fo fuchen ihn die holländifchen Fifcher, mittelft durchlöcher- 
ter Schiffe, nach den grofsen Seefsädten zu bringen. Die englifchen Schiffer wiffen durcli 
einen Nadelftich der Schwimmblafe die Luft zu benehmen, wodurch der Fifch genöthiget 
wird, im Grunde des durchlöcherten Schiffes zu bleiben, da er alsdenn länger beym Leben 
erhalten wird. 

Der Kabeljau wird frifch, fo wie der Dorfch und Schellfifch, zubereitet genoffen. 
Den Klippfifch laffet man nach Verfchiedenheit feiner Gröfse ein oder mehrere Tage in kal- 
tem Waffer, welches einigemal erneuert wird, liegen. Wenn er nun darinn hinlänglich 
erweichet ift; fo wird er eine halbe bis ganze Stunde gekocht und man geniefset ihn alsdann 
mit zergangener Butter, klein gehackter Peterfilie, oder mit einer aus frifchem Oehl oder 
Butter, etwas Pfeffer und ein wenig Eilig, bereiteten Brühe. Die Köche machen ihn auch 
dadurch fchmackhaft,. dafs fie den gekochten Fifch mit verfchiedenen Kräutern klein hacken, 
ihn mit in Milch geweichter Semmel , Eyern und etwas Gewürze in einen Teich zufammen- 
kneten , ihm hiernächfl die Geßalt eines Fifches geben , der denn mit einer fauerlichen Brühe 
genoffen wird. Der Stockfifch befonders, weichen man wegen feiner Härte fo genannt 
hat, wird erft geklopfet, alsdann zweymal vier und zwanzig Stunden in einer gelinden 
Lauge eingeweichet, darauf bey einem fchwachen Feuer mit Butter, Salz und gehackter Pe- 
terfilie zurechte gemacht. 

In Deutfchland und Dännemark heifst diefer Fifch Kabeljan, getrocknet Stockfifch, 
eingefal zen Laberdan, eingefalzen und getrocknet Klippfifch ; in Norwegen Klubbe - Torsk 
und Bolch; in Island Thorskur und Kablau; in Grönland Saraudlirkfoak, EkaUuarkfoak; in 
Lappland Voar- Torsk, Skrey ; in Schweden Cabblia ; in Holland Cabbiljau; in Flandern 
CabiUaud und Bacaillou ; in England Codfifh, in einigen Gegenden auch Keeling, in an- 
dern Melwel, getrocknet Stokfifh, eingefalzen Haberdine, Greenfifh, Barrel - Cod und 
an den Küften von Frankreich Monte oder Molue, frifch Morue oder CabiUaud frais, 
der eingefaizene und getrocknete Morue ßche, getrocknet ohne Salz Stockfifch oder 
Morue en breton. 

Der Magen diefes Fifches ift fehr grofs und am Anfange des Darmkanals fitzen fechs 
Anhängfel, welche fich in mehrere Zweige theilen; die Leber ift blafsroth und beflehet aus 



i6o Zweeter Abfchnitt. Von den Schellfifchen insbefondere. 

drey Lappen ; die Milz hat eine fchwärzliche Farbe und ift länglicht, und die Nieren liegen 
längs der Bauchhöhle am Rückgrade und endigen fich in eine längliche Harnblafc, 

Die nördlichen Völker belegen verfchiedene Fifche diefes Gefchlechts mit dem Namen 
Torsk , woraus das deutfche Dorfch entftanden zu feyn fcheinet. Die verfchiedenen Gat- 
tungen deffelben unterfcheiden fie aber durch den Zufatz der Wörter Varre, Tarre u. f. w. 
Da nun die nordifchen Gefchichtsfchreiber aus Mangel der Naturkenntnifs unzulängliche ße- 
fchreibungen gegeben , und die neueren Reifebefcbreiber zu diefer oder jener Provinziaibenen- 
nung den Linneifchen Namen auf gerathe wohl angeführetj fo ift man in den mc-hreften 
Fällen noch ungewifs, welchen Fifch fie eigentlich verftanden haben. Es ift daher eine 
grofse Verwirrung entftanden, aus welcher felbft der Herr Konferenzrath Müller, wel- 
cher doch in der Nähe der Gegenden wohnet, wo diefe Fifche zu Haufe gehören, fich 
nicht heraus zu helfen weifs a). So wird zum Beyfpiel in den fchwedifchen Abhand- 
lungen an einem Orte, wo von der Kabeljaufifcherey die Rede ift, Gadus Callaria« Linne 
angeführet b). 

Der Zweifel des Duhamel, ob der Dorfch in der Oftfee mit dem Kabeljau des 
Nordmeeres einerley Fifch fey c), läflet fich hieraus heben. Ob unter dem Bxxxog der 
Griechen, wie Schoneveld behauptet d), aber unfer Kabeljau zu verftehen fey, daran 
zweifele ich um fo mehr, da diefer Nation die Fifche der nördlichen Gewäfler unbekannt 
geblieben find. 

Ob der Kabeljau, wider die Gewohnheit anderer Seeräuber, die Fifche auch beym 
Schwänze ergreife, und in diefer Abficht mit zween befonderen Knochen verfehen feyn folle, 
wie Herr Duhamel dem Rondelet nacherzählet e), will ich andern zu beurtheilen überlaflen. 
Ich habe wenigftens an denen, welche ich unterfuchet, keine dergleichen Knochen be- 
merken können. 



a) Man fehe deffen Prodromus Zool. Danic. c) Traite des peches. t. II. p. 118. 
n. 341. 348- 349- d; Ichth. p.z8. n.3. 

b) 32. Band S. 296. e ) !• a - B. p. 4** 



Ziveeter Abßhnüt. Von den Schcllßfchen imbefondcre. \S\ 

DER WITTLING. 

LXVfte Taf. 

Der Körper filberfarbig , der Oberkiefer hervorgehend, der Unterkiefer ohne >" = 
Bartfafer. K. 7. Br. 20. B. 6. A. 30. 20. S. 31. R. 16. 18. 19. 4- Der 

„Gadas corpore albo, ore imberhi ', . maxilla fuperiore longiore. B. VII. P. XX. 
V. VI. A. XXX. XX. C. XXXL D. XVI. XVIII. XIX. 

Gadus Merlangus, G. tripterygius, imberbis al- Afellus minor alter. ALdrov. de Pifc. p. 287. 

bus, maxilla fuperiore longiore. — — et mollis. Chartet. Onom p.i2i. n. 2. 

Um. S. N. p. 438. n. 8- — mollis. gfonfi. t. 2. f. 3. 

— — Müll. Prodi-, p. 43. n. 354. — — major feu albus. JVilkghb. Ichth. 

— dorfo tripterygio, ove imberbi, corpore p.170. t.L. m.i. n.-. 
albo, maxilla fuperiore longiore. Art. gen. — — — — — i%. Synopf. Pifc. 
p.19. n. 1. Syn. p. 34. n. 1. Spec. p.62. p. 55 . n< g . 

Callarias imberbis , argentei fplendoris , dorfo ca- — candidus primus. Schonev. Ichth. p. 17. 

nefcente, ad pinnarum laferalium radius ma- Huitiing. Litm. Weftgothl. Reif. S.176. 

cula nigra, ejusmodi maculas et ad pinnas pofl Molenaar. Gron. Muf. I. p. 20. n. 55. Zooph. p. pß. 

anum irroratas habet, lmeamqae lateralem n. 316. 

curvatam. Klein. Miß*. Pifc. V. p. 8- n. 3. t. 3. f. 2. The Whiting. Penn. Britt. Zool. III. p. 190. n. 80. 

Merlangus. Gesn. Aquat. p.85. Icon.Anim. p.85. Le Merlan. Duhamel. Trains des pefches. t. IL 

Thierb. S. 40. p. I2g- p ]2Ci fl< 

Secunda fpecies afellorum. Rondel. de Pifc. P.I. — — Cours d'Hift. Nat. t. V. p. 145. 

P' 2 7 6 - DerWittling. Mull. S. 4.TI1. S. 91. 

Die Silberfarbe, womit der ganze Körper diefes Fifches bis auf den Rücken glänzet, 
der hervorgehende Oberkiefer und der Mangel der Bartfafer, unterfcheiden diefen Fifch 
hinlänglich von den übrigen. In der Kiemenhaut find fieben, in der Bruilnotie zwanzig, 
in der BauchflofTe fechs, in der erften AfterflofTe dreyfsig, in der zwoten zwanzig, in der 
SchwanzflofTe ein und dreyfsig, in der erilen Rückenflofle fechszehn, in der zwoten acht- 
zehn und in der dritten neunzehn Strahlen befindlich. 

Der Wittling hat einen geftreckten mit kleinen, runden, dünnen und filberfarbigen ' 
Schuppen bedeckten Körper ; der Kopf läuft in eine Spitze aus , und die Augen , in deren 

X 



itf» Zweeter Abfchnitt. Von den Schellfifchen insbesondere. 

Nähe fich die doppelten Nafenlöcher befinden, find rund und haben einen grofsen fchwarzen 
Stern und einen filberfarbigen Ring. Die obere Kinnlade ift mit mehreren Reihen Zähnen 
befetzt, davon die vordem die längten find und die untere nur mit einer Reihe verfehen. 
Im Gaumen befinden fich vorn auf jeder Seite ein dreyeckigter, im Schlünde oben zwey 
runde und unten zwey länglichte rauhe Knochen. An der untern Kinnlade nimmt man auf 
Jeder Seite neun bis zehn vertiefte Punkte wahr. Der olivenfarbig» Rücken, iff wie der 
Bauch rund; die Seiten find ein wenig zufammengedrückt und der After dem Kopfe näher 
als dem Schwänze. Die Seitenlinie hat eine gerade Richtung und beym Anfange der Bruft- 
fiofTen bemerkt man einen fchwarzen Fleck. Sämtliche Hoffen find weifs, die Bruft. und 
SchwanzfioiTe ausgenommen, welche eine fchwärzlichte Farbe haben. 

Diefer Fifch ift ein Bewohner der Ott -und Nordfee, jedoch kömmt er in jener nur 
fparfam vor; defto häufiger erfcheinet er an den holländifchen, franzöfifchen und englifchen 
Küften. Ich habe den, davon ich hier eine Zeichnung liefere, dem um die Naturgefchichte 
fo verdienten Herrn Doktor Walbaum in Lübeck zu verdanken. Gewöhnlich ift er einen Fufs 
lang: nur wenige erhält man von anderthalb Fufs und nur feiten einen von zwey Fufs 
Länge j jedoch findet man auf der Doggersbank welche, die vier bis acht Pfund fchwer find. 

Er hält fich im Grunde des Meeres auf und lebt von kleinen Krebfen , Würmern 
und jungen Fifchen und trifft man befonders in feinem Magen öfters den Breitling und 
junge Heringe an. Diefe gebrauchen auch die Fifcher zum Köder für die Angel und in Er- 
mangelung kleiner Fifche die Stücke von frifchem oder ausgewäffertem Hering, wovon ein 
einziger zu acht bis zehn Angeln hinreichend ifi. Da fich diefer Fifch vorzüglich auf dem 
Grunde aufhält, fo ifi auch die Grundfchnur das vornehmfte Werkzeug zu feinem Fange 
und fie ifi gewöhnlich vier und fechszig Klafter lang und mit hundert bis zwey hundert An- 
geln verfehen. Ein Schiff, welches auf den Fang ausgehet, wirft zwanzio dergleichen 
Schnüre aus, woran vier taufend Angeln fitzen und fie werden auf zwey bis drey Stunden ein- 
gefenket. Der fiärkfie Fjng gefchieht an den franzöfifchen Küfien vom December bis im 
Februar, an den holländifchen aber in den Sommermonaten und an den britrifchen Küfien er- 
fcheint er in ganzen Schaaren, die drey englifche Meilen lang und ein und eine halbe breit 
find j da er nun dafelbfi zu Zeiten in einer folchen Menge gefangen wird, dafi er nicht auf- 



Ztveeter Alfchnitt. Von den SchellßfckeJt insfafondere. J63 

gezehret werden kana, fo trocknet man ihn: well er dadurch aber von feinem zarten Ge- 
fchmack verlieret, fo wird er zur Schiffskoft verbraucht und alsdenn Wegedorn a) genannt. 
Aufserdem erhält man ihn auch das ganze Jahr hindurch, und da er den Heringen nachzu- 
gehen pfleget, fo geräth er bey dem Fange diefer Fifche öfters mit ins Netz j um diefe Zeit 
nun ift er, weil er fich von den jungen Heringen mäftet, am beflen und fetteften. Im 
Oktober fangen die Eyer und der Milch an zu wachfen und er giebt jene am Ende des De« 
cembers bis zum Anfange des Februars von fich. Um diefe Zeit wird fein fonft zartes, 
weifses und wohlfchmeckendes Fleifch weich, unfchmackhaft und, fo wie erfelbft, mager. 
Das Fleifch diefes Fifches, welches man dem von den übrigen diefes Gefchlechts, welche in 
der Nordfee angetroffen werden, vorzieht, giebt felbft fchwächlichen und kränklichen Per- 
fönen eine gefunde Nahrung. 

Man geniefset diefen Fifch aus dem SalzwafTer gekocht, entweder wie den Schell- 
fifch, oder mit einer fogenannten weifsen Brühe , welche aus Sahne, frifcher Butter, etwas 
Melil und Muskatenblumen zurechte gemacht wird : von vielen wird er jedoch feines weich- 
liehen Fleifches wegen, lieber gebraten gegeffen. 

Seine Feinde find alle übrige fleifchfreffende WafTerbe wohner, welche fich feiner 
bemächtigen können und er vermehret fich fehr ftark. 

Die Leber ift weifslicht, bey den fetten Fifchen grofs, bey den magern aber klein • 
fie beflehet aus zween Lappen, davon der eine klein, der andere aber fo lang als die Bauch- 
höhle ift. Der Darmkanal hat vier Beugungen und am Anfange mehrere Anhängfei. Die 
Milz ift dreyeckigt und liegt unter dem Magen. Der Eyerftock und der Milch find in dop- 
pelten Säcken eingefchloffen und im Rückgrad vier und fünfzig Wirbelbeine befindlich. 
Auch foll es unter diefen Fifchen welche geben , bey denen man Milch und Rogen zu- 
gleich findst b), 

X 2 



a) Buckthorn. einen Karpfen gefehen zu haben, welcher eben- 

b) Mein gelehrter Freund, der Herr Gehei- falls ein Hermaphrodite gewefen. 
raefekretär Otto, verfichert mich, erft kürzlich 



1^4 Zweeter Abfchnitt. Von den Schellfifchen insbefondert. 

In Deutfchland heifst Fifch Wittling und wenn er noch Mein ift nennen ihn die 
Heiligeländer Gadden; in Dännemark wird derfelbe Buidling ; in Norwegen Bleye , Vittiug, 
Bleikcr, Huitling; in Schweden Hwitling ; in Holland und in England Whiting, die getrock- 
neten Buckthorn und in Frankreich Merlan genannt. 

Des Artedi a) und Klein b) Frage: ob unter dem Merlan des Rondelet, fo wie auch 
des Ray Frage c): ob unter dem Merlan des Gesner unfer Fifch zu vergehen fey? getraue 
ich mir zu bejahen; da nicht nur die Benennung Merlan, unter welcher diefer Fifch in 
Frankreich bekannt ift , fondern auch ihre Befchreibungen mit unferm Fifche übereinflimmen. 
Ohnftreitig hat die einzige Afterflofle, welche Rondelet d), der uns die erfle Zeichnung ge- 
liefert, feinem Fifch gegeben, diefe Schriftfleller irre gemacht. Gronov führt den Zwerg- 
dorfch des Ray e) unrichtig zu unferm Fifch an. 



DER KÖHLER. 

LXVIfte Taf. 



Der Mund fchwarz, die Seitenline gerade und weifs. K. 7. Br. ai. B. 6. 
5- Der 
Köhler. A - a 5- 20. S. 26. R. 14. 19. 20. 

Gadus ore nigra , linea laterali alba reBaque. Br. VII. P. XXL V VI. A. XXV. XX. 

C. XXVI. D. XIV. XIX. XX. 

Gadus tripterygius imberbis , maxilla inferiore Colfifh Anglorum. Bell. Aquat. p. 133. 



longiore, linea laterali recla. Art. gen. p.20. 

n. 9. Syn. p. 34. n. 2. 
Gadus Carbonarius. Linn. S. N. p. 438. n. 9. 
Callarias imberbis, capite et dorfo carbonis ad 

inftar nigricantibus, ventre leviter albefeente, 

pinnis colore ad caemleum vergente infectis. 

Klein. Miff. Pifc. V. p. 8- n- 2. 



. — — Gesn. Aquat. p. 89. Icon. Anim. 

p. 79. Tliierb. S. 41. 
Afellus nigerfivemollis nigricans. Chart. Onom. 
p. 121. 

— — Aldrov. de Pifc. p. 289. 

— — Wülughb. p. 168. t. L. membr. 1. n. 3. 

— — Ray. Synopf. Pifc. p. 54. n. 3. 



s) Syn. p. 34. n.i. 

b) Miff. Pifc. V. p. 8- n. 3. 

c) Synopf. p. 55. n. 8- 



d) De Pifc. P. I. p. 276. 

e) Zooph. p. 98. n. 316. 



Zweeter Abfchnitt. Von den Schellfifchen imhefondere. 16$ 

KoUemiffe, Kollemoder. Müller. Prodr. p. 43. Le Colin. Duhamel. Traites des pefches. t. IL 

«• 355- p- 125. PI. 21. f. t. 

Sey, Graafey, Stififfc, Ofs. Anderjon. Nachr. The Coal-Fifh. Penn. Britt. Zool. III. p. 186. 

von Isl. S. 100. n. 78. PI. 31. 

Kulmund, Kule-Mule, Guld - Lax. Pontopp. Kohlfifch, Koeler. Schonev. Ichth. p. 19. n.5. 

Nor w. 2. Th. S. 244. Kohlmund. Müll. L. S. 4. Th. S. 93. t. 3. f. 3. 



Der fchwarze Mund und die gerade, fchmale und weifse Seitenlinie unferfcheiden 
diefen Fifch von den übrigen Gattungen diefes Gefchlechts. In der Kiemenhaut find lieben, 
in der Bruftflofle ein und zwanzig, in der Bauchfiofle fechs, in der erften AfterfloiTe fünf 
und zwanzig, in der zwoten zwanzig, in der Schwanz flofTe fechs und zwanzig, in der 
erften Rückenflofle vierzehn , in der zwoten neunzehn und in der dritten zwanzig Strah. 
len befindlich. 

Der Kopf ift fchmal, am Kiemendeckel, fo wie auch am Bauche, fcheint das Silber 
unter der fchwarzen Farbe hervor , und ift letzterer wie mit einem Netze von fchwarzen 
Punkten umgeben. Der übrige Theil des Körpers und Kopfes ift glänzendfchwarz , welcher 
Farbe er auch feinen Namen zu verdanken hat : jedoch gilt diefes nur von den alten , denn 
die jungen find olivenfarbig oder auch bräunlich , welche Farben erft mit dem zunehmenden 
Alter in die fchwarze übergehen , die dann, je älter er wird, defto dunkler ausfällt. Ver- 
muthlich ift auch der Mangel der fchwarzen Farbe bey den Jungen die Urfache der befon- 
dern Benennungen, welche fie in England nach ihren verfchiedenen Altern erhalten haben: 
fo heifsen die kleinrten Parrs und die Jährlinge Billets. Die Mundöfnung ift klein und beyde 
mit Zähnen befetzte Kinnladen laufen in eine Spitze aus, wovon die unterfte die längfte ift. 
Die Zunge hat einen Süberglanz, der Augenring ift vrdfs und auf jeder Seite ein fchwarzer 
Fleck befindlich. Der Rumpf ift mit dünnen, länglichrunden Schuppen bedeckt; die Sei- 
tenlinie ift gerade fchmal und weifs , unter den Bruftfloffen ein kohlfchwarzer Fleck be- 
findlich und der After dem Kopfe am nächften. Von den Flößen find die am After, Schwanz 
und Rücken fchwarz, ausgenommen die beyden erden Rückenfloffen, welche fo wie die 
BrufMoflen am Grunde eine Olivenfarbe haben j die Bauchfioften find klein und die Schwanz- 
floile ift ftark gabelförmig. 

X 3 



Kfö Etvceter Äbfchütt. Von den Schellßfchen instefoniere. 

Diefer Fifch ift eben fo wie der vorhergehende ein Bewohner der Nord - und Oft- 
fee, und habe ich den, welchen ich hier befchreibe, der Güte des Herrn Doktors Walbaum 
zu verdanken; er kommt fowol in der Oftfee um Lübeck, als auch in der Nordfee bey 
Heiligeland und an den franzöfifcken Küflen nur feiten vor : defto häufiger aber um dem 
nördlichen Theil von Grofsbrittannien und den orkadifchen Infein , wo er fleh in den Tie- 
fen und an den felfigten Küflen aufhält. 

Diefer Fifch erreichet die Gröfse von zwey und einem halben Fufs , die Breite von 
vier bis fünf Zoll und ein Gewicht von dreyfsig Pfunden und auch wohl etwas drüber. 

Seine Laichzeit fällt im Jänner und Februar j denn denjenigen, wovon die Zeichnung 
gemacht iß, erhielt ich am Ende des erflgedachten Monaths. Seine Ever, welche die 
Gröfse und Farbe des Hirfefaamens hatten, lagen fo lofe, dafs fie beym geringflen Berühren 
des Bauches von felbft zum Nabelloch hervorkamen. Die Bruth erfcheinet im Anfang des 
Jul an den englifchen Küflen fchaarenweife und hat alsdann die Länge von ein und einem 
halben Zoll : im Augufl aber von drey Zoll und drüber. Sie werden um diefe Zeit mit der 
Angelruthe, und wenn fie an flache Stellen gerathen, auch mit einem feinen Netze in grof- 
fer Menge gefangen. Man verfpeifet fie in diefer Gröfse als einen Leckerbiflen : wenn fie aber 
ein Jahr und drüber alt find, fo werden fie, wegen ihres alsdann zähen und magern Flei- 
fches nur eine Speife des gemeinen Mannes. Diefe lezteren werden , weil fie frifch nicht 
gefucht werden, wie der Kabeljau zu Stockfifch und Laberdan zubereitet und flatt deffelben 
verkauft, aber wenn der Befchauer oder fonfl ein \ Kenner ihn zu fehen bekommt, unter 
den Ausfchufs geworfen und um geringern Preis verkaufet. Die Isländer verachten ihn beym 
Ueberflufs an belferen Fifchen gänzlich a) und in Norwegen ift er nur die Speife der ärmflen 
Leute: die Leber aber wird zum Trahnbrennen aufbewahrt. 

Diefer Fifch wird das ganze Jahr hindurch, am häufigflen aber im Sommer, zu der 
Zeit gefangen , wenn er den Breitling verfolgt , daher er auch mit diefem am leichteflen 
angelocket wird : fonfl bedienet man fleh auch der Haut vom Aal, welche in vier bis fünf 
Querfinger lange Streifen gefchnitten wird b) zur Lockfpeife an die Angel. Auch beym Nord. 

a) Ander/. Nachrichten von Isl. p. ioo. b) Duhamel Traites des peches. t. II. p. 126. 



Zwecter Abfchnitt. Von den ScheUfifchen insbesondere. 167 

eap wird er fehr häufig gefangen, alhro er vom Wallfifch verfolget, ganz dichte ans Land 
kömmt. 

Diefer Fifch wird, wenn er noch jung ift, wie der vorhergehende verfpeifet, ge- 
trocknet und gefalzen aber wie der Kabeljau , und find feine inneren Theile mit denen vom 
vorhergehenden von gleicher Befchaffenheit. 

In Deutfchland heifst diefer Fifch Köhler und Kohlmund; in Dännemark Kollemiße, 
Kollemoder; in Norwegen Kulmund, Knie -Male; in Island Sey , Graafey, Stifisk, Ofs; in 
England Coal-Fifh, Raiv- Pollack, die kleinen Parrf, die Jährlinge Bilhts und in Frankreich 
Colin und Morue wir. 



DER Z W E R G D R S C H. 

LXVIIfle Taf. Fig. 1. 
Der Bauch inwendig fchwarz. K. 7. Br. 14. B. 6. A. 27. 17. S. 18." 



6. Der 

Zwerg- 



R. 12. 19. 17. 

Gadus abdomine intus nigra. Br. VII. P. XIV. V. VI. A. XXVII. XVII. C. XVIII. dorfch, 
D. XII XIX. XVII. 



Gadus minutus, G. tripterygius cirratus, anö in 
medio corporis. Linn. S. N. 
p. 438. n.6. 
-— — Müller. Prodr. p. 42. n. 351. 

— — Brunn. Pifc. Maff. p. 21. n. 32. 

— dorfo tripterygio, ore cirrato, corpore 
fefquiunclali ano in medio corporis. Art. gen. 
p. 21. n. 7. Syn. p. 36. n. S- 

Calladas barbatus, corpore contraclo, cauda 
finuata. Klein. Miff. Pifc. V. p. 7. n. 9. 
& Callan'as barbatus, omnium minimus, ven- 
tre, prae reliquis, carinatoj branchiamm oper- 
culis et maxillis punciatis; dorfo dilute fijfco, 
ventre iordide alba. n. 10. 

Callaris. Plin. Nat. Hift. I9. c.17. 



Merlangus. Bell. Aqunt. p. 124. 

Anthiae fecunda fpecies. Rand. P. L p. rpr. 

— — — Gesn. Aquat. p. 56. Icoo». 

Anim. p.24.Thierb. S.13. 
Afellüs mollis minor. iVillughb. Ichth. p. 171. t.L. 
membr. I. n.i» 

— — 4 - •*— Ray. Synopf. Pif. p. 56. 
n. 10. et Poor vel Power, p. 163. n.6. f. 6. 

Le Capelan. Cours d'Hift. Nat. t. V. p. 350. 
■***• — Duhamel.Tra.it6s des pefches. t.II. p.139. 
il Munkara. ForskooL Defc. Anim. p. XIX. 
Poor. Penn. Britt. Zool. III. p. 185. n. 77. PI. 30. 
Zwergdorfch, Krumftert, Leidfifch. Schonev. 

Ichth. p. 20. n. 7. 
Der Zwergkabeljau. Müller. L. S. 4. Th. S. 90. 



l68 Zvaeeter Abfchnitt. Von den Schcllßfchcn inslefondere. 

Diefer Fifch , der nicht über fechs bis fieben Zoll lang wird , weicht von den übri- 
gen diefes Gefchlcchts darinn ab, dafs fein Bauch inwendig fchwarz ift. In der Kiemenhaut 
befinden fich fieben, in der BruftflofTe vierzehn, in der Bauchfloffe fechs, in der erflen After- 
flofTe fieben und zwanzig, in der zwoten fiebenzehn, in der SchwanzflofTe achtzehn, in der 
erften Rückenfloffe z^rölf , in der zwoten neunzehn und in der dritten fiebenzehn Strahlen. 

Der Körper des Zwergdorfches ift geftreckt, fein Kopf keilförmig und von beyden 
Kinnladen die obere am längften und mit mehr Reihen fpitzlger Zähne als die unterfte be- 
fetzt; an welcher leztern aber eine Bartfafer und verfchiedene vertiefte Punkte fichtbar 
find. Die runde Augen haben einen fchwarzen Stern, der in einem filberfarbenen Ringe flehet 
und find mit einer Nickhaut verfehen. Die Backen, Seiten und der Bauch find filberfarbig 
und mit fchwarzen Punkten befprengt. Der Rücken ift gelbbräunlich, die Seitenlinie 
fchmal und gerade und der After fleht am Körper in der Mitte. Die Schuppen find dünn , 
fehr klein, fallen leicht ab und habe ich einige davon fowol in ihrer natürlichen Geflalt, als 
auch eine vergröfserte vorteilen laffen; fämtliche Floffen find grauweifs und die Schwanz- 
flofTe etwas gabelförmig. 

Wir treffen diefen Fifch in der Nord -und Oflfee, vorzüglich häufig aber im mittel- 
ländifchen Meere an, und diefe ift die einzige mit drey Floffen verfehene Schellfifchgattung, 
welche diefes grofse Meer aufzuweifen hat a). Hier erfcheinet er zu Zeiten in fo grofsen 
Schaaren , dafs das Meer an der Küfte damit bedeckt zu feyn fcheint ; fo erzählt Rondelet, 
dafs im Jahr 1514 die dafigen Fifcher innerhalb zween Monathen ihre Netze beynahe mit kei- 
nen anderen, als mit diefen angefüllet hätten; da man zu diefer Zeit noch nicht die Kunft 
verftanden , die Fifche durch Einfalzen und Trocknen aufzubewahren j fo fahe man fich ge- 
nothicet, ihn wegen feiner Menge in die Erde zu verfcharren b). 

In der Oft- und Nordfee kömmt diefer Fifch nicht häufig vor, wenn er fich aber 
fehen lafst; fo erregt fein Anblick bey den Fifchern Freude, weil er ihnen einen reichen 
Fang an Kabeljauen, Dorfchen oder Schellfifchen verkündigt; daher fie ihn den Leitfifch 



a) milughb. Ichth. p. 172. b) De Pifc. P. I. p. 163. 



Zweier Abfchnitt. Von den Schellßfchen insbefondere. \6$ 

nennen; denn da er nur klein Ift und truppweife ziehet , fo folgen ihm jene Räuber auf 
dem Fufs nach und werden felbft eine Beute der ihnen auflauernden Menfchen. 

Der Zwergdorfch lebt in der Tiefe von der Brut der Mufcheln, Schnecken, der 
Krebfe und Seewürmer; er kömmt zur Laichzeit an flache Stellen, wo er feine Eyer 
zwifchen den Kiefeln oder den Seekräutern abfetzt. 

Da diefer Fifch nur klein ift, fo hat er viele furchtbare Feinde, daher mau auch bef 
ihm wenigftens in unferer Gegend keine fonderliche Vermehrung gewahr wird. Er hat ein 
weifses, wohlfchmeckendesFleifch, welches wie das von dem vorhergehenden zurechte ge- 
macht wird. Den, welchen ich hier in einer Abbildung liefere, habe ich, ebenfalls von 
meinem lübeckfchen Freunde erhalten. 

Man fängt ihn wie die übrigen diefes Gefchlechts mit der Grundfchnur und dem Netze. 

Das Darmfell des Zwergdorfches ift fchwarz und das untere Ende des Magens mit 
mehreren Anhängfein verfehen ; die übrigen Eingeweide find eben fo wie bey den vor- 
hergehenden gebildet. 

In Deutfchland heifst diefer Fifch Zwergdorfch , Krumfleet; in Schleswig befonders 
Leitfifch und in Danzig Jägerchen; in Norwegen Ulfs . Skreppe ; in England Poor ; ia 
Frankreich Capelan und auf der Infel Malta il Munkana. 

Rondelct a) und Gesner fprechen unferm Fifch ohne Grund die Schuppen ab und um 
fo viel unrichtiger ift die Folgerung, die lezterer daraus ziehet, dafs er wegen der Aehn- 
lichkeit , die er in diefem Betracht mit dem glattgefchornen Kopfe eines katholifchen Ordens» 
geiftlichen habe, in Frankreich Capelan genannt werde b); auch ift es falfch, wenn diefer 
Schriftfteller diefen und den Kabeljau für einerley Fifch hält c). Dafs Klein ihn als zw» 
Gattungen befchreibt d ) , habe ich bereits oben angemerket. Ray ift ungewifs , ob unfer 
Fifch von dem Whiting Pout der Engländer oder unferm Bartdorfch e) verfchieden fey f): 
diefer Zweifel läffet fich aber dadurch heben, weil lezterer viel gröfser und breiter ift 

a) De Pifc. P. I. p. ipr. d) MUT. Pifc. V. p. 7. n. 9. 10. 

b) Aquat p. 56. e) Gadus barbatus. L. 

c) Icon. Anim. p.34. Thierb. S. 13. f) Synopf. Pifc. p.56. 

Y 



170 Zivteter Abfchnitt. Von den Sehellßßhai insbefondert. 

und eine gekrümmte Seitenlinie hat. Des Willughby Frage : ob unter dem Merkngus des Bri- 
lon unfer Fifch zu vergehen fey a)? glaube ich bejahen zu können; denn da Edlon ihm drey 
Rückenfloflen giebt und von ihm fagt, dafs er in Italien, mithin im mittelländidhen Meere, 
gemein fey b); fo trage ich kein Bedenken, ihn für denfelben zu halten. Diefem leztern 
Schriftfteller haben wir übrigens die erfte Zeichnung zu verdanken. 

DER KR'ÖTENFISCH. 
LXVIIfte Taf. Fig. 2. 3. c). 
= Der Unterkiefer mit vielen Bartfafern verfthen. K. 6. Br. 20. B. f. A. 13. 



7. Der 
Kröteniifch. S - M * R> 3 ' 2 ° 



Gadus cirris plurimis. Br. VI. P. XX. V. h> Ä. XV. C. XII. D. III. XX. 

Gadus Tau, G. dipterygius cirratus öperculis triacanthis, pinna dorfali priore triradiata. £1«». S. N. 
p. 439. n. 13. Der Krötenfifch , Müller. L.S. 4. Th. S. 96. 

Die vielen kurzen Bartfafern, womit der Unterkiefer befetzt ift, dienen zum cha- 
rakteriftifchen Kennzeichen diefes Fifches. In der Kiemenhaut find fc-chs, in der Brufißoffe 
zwanzig, in der Bauchfloffe fechs, in der Afterflofie fünfzehn in der Schwanzfloffe zwölf, 
in der erften RückenfloiTe drey und in der zwoten dreyffg Strahlen. 

Der Kopf diefes Fifches ift grofs, breit und von oben nach unten zufaramenge- 
drikkt; der Unterkiefer flehet vor dem obern hervor und die Bartfafern an denfelben flehen 
in Form eines halben Kreifes ; beyde Kinnladen find mit fpltzigen Zähnen von verfchiedener 
Länge bewaffnet, und zwar ftehen fie in der untern in zwo und in der obern in mehreren 
Reihen: auch Im Gaumen nimmt man auf jeder -Seite zwo Reihen wahr. Die Zunge ift 
kurz, läuft in eine Spitze aus und befleht aus einem rauhen Knorpel. Die Augen find 
grofs, ragen am Scheitel hervor und find bis zur Hälfte mit einer braunen Nkkhaut ver- 

a) Ichth. p. 17T. ich nicht befier ausfüllen zu können'; als mit 

b) Aquat. p. 124. der Zeichnung eines Fretrdlings, von weichem 

c) Den ledigen Raum auf diefer Tafel glaube wir noch keine Abbildung aufzuweiferi haben. 



Ziueeter Abfchnitt. Von den Schellßfcheu inshfondere. 171 

fehep. Ihr fchwarzer Stern fleht in einem goldenen Ringe. Zwilchen den Augen nimmt 
man am Genick eine Vertiefung und einen gelben Querftreif wahr. An den beiden Seiten 
der Augen bemerkt man zwo Reihen kleiner Warzen, welche nach dem Kinn zu ge- 
richtet find. Der Kiemendeckel beftehet aus zwey Btettchen, die fleh in drey Spitzen 
endigen. Die Kiemenhaut liegt frey , ift grofs und wird von fechs Strahlen unterftützet. 
Der Kopf ift braun , der Rumpf und die FlofTen braun und weifs gefleckt und der Bauch 
hat eine fchmutzigweifse Farbe. Der After fleht der Mundöfnung ein wenig näher, als 
dem Ende der Schwanzflofle. Der mit Schleim überzogene Rumpf ift glatt und die Schuppen 
find weich, dünn und fo klein, dafs man fie mit blofsen Augen nicht erkennen kann ; fie find 
rund , braun und weifs eingefafst. Die BruftflofTen endigen fich eben fo wie die Bauch- 
ftaffen in eine Spitze, leztere fitzen unterwärts an der Kehle, und ift der erfle Strahl fiark, 
fteif und zugleich der längfte. Die erfle RückenflofTe ift kurz und befteht aus drey flach- 
lichten Strahlen; die zwote RückenflofTe hat, fo wie die einzige AfterflofTe, einfache 
und weit hervorflehende, die runde SchwanzflofTe aber, wie die Bruflflofle, gabel- 
förmige Strahlen. 

Diefer Fifch ift in Carolina zu. Haufe und wird dafelbfl, wie der Doktor Garden er- 
zählet, Toaldfifch a) genannt. Welche Gröfse diefer Fifch erreiche, kann ich, da uns diefer 
Gelehrte keine Nachricht giebt, nicht fagen; der welchen ich befitze, ift nicht gröfser, alsdie 
hier mitgetheilte Zeichnung, wo man ihn unter Fig. 2. von der Seite, unter Fig. 3. aber von 
oben flehet, Ohnftreitig gehöret er unter die Klaffe der Raubfifche, weil er einen grofsen 
und ftark bewafneten Mund hat. 

DER P L L A C K. 
LXVIIIfte Taf. 
Der Unterkiefer hervorftehend, am Rücken drey FlofTen, die Seitenlinie "gebogen. 5 ' ■ 
K. 7. Br. 19. B. 6. A. 18. 19. S. 42. R. 13. 18. 19. Pollack. 

Gadm dorfo tripterjigio , linea hterali curva, maxilla, inferiore longiore. Br. VII. 
P. XII. V. VI AMVIII. XIX. C. XLIL D. XIII. XVIII. XIX. 

Y 2 
a) Linn. S. N. p. 44. 



»7* Zweettr Abfchnitt. Von den Schellßfchcn imbefondert. 

Gadns dorfo tripterygio, ore imberbi, maxilla Lyr, LyJTe. Pontopp. Norw. 2.Th. S. 25$ 
inferiore longiore , linea laterali curva. — — Afcan. Icon. t. 21. 2?. 

Art. gen. p. 20. n. 3. Syn. p. 35. n. 3. Lyrblek, Zai. Faun. Suec. p. 112. n. 3. 12. 

— Pollachius. Linn. S. N. p. 439. n. 10. The Pollack. Penn. Britt. Zool. III. p. 188- 

— — Muller. Prodr. p. 42. n. 353. Le Lieu. Duhamel. Traites des peTches. t. H» 
Afellus Huitingo- Pollachius. Willughb. Ichth. p.121. PL 20. f. 1. 

p. 167. et Afellus RwdcensSchoneveldii. p. 173. Der Pollack. Müller. L. S. 4. Th. S. 93. 
Afellus Huitingo -PoHachios. Ray. Synopf. Pifc. Blancker oder gelber Kohhuuhlen. Schonen. 
P-53- n ' a - et Afellus flavefc. Schon, p. 54. n. 6. Ichth. p. 20. n. 9. 

Der hervorftehen.de Unterkiefer, die drey Fl offen am Rücken und die gebogene 
Seitenlinie unterfcheiden diefen Fifch von den übrigen feines Gefchlechts. In der Kie- 
menhaut -find fieben, in der Brufifloffe neunzehn, in der Bauchfloffe fechs, in der erften 
Afterfloffe achtzehn, in der zwoten neunzehn, in der Schwanzfloffe zwey und vierzig, 
in der erften RückenfloiTe dreyzehn , in der zwoten achtzehn und in der dritten neunzehn 
Strahlen befindlich. 

Auch bey diefem Fifch läuft der Kopf in eine Spitze aus, und ift wie der Rücken 
von einer fchwarzbraunen Farbe ; von den Kinnladen ift die untere am Iängften und beyde 
find wie die vorhergehende bewaffnet. Die Zunge ift kurz, fpitzig und nach hinten zu 
rauh. An den grofsen Augen ift der Stern fchwarz und der Ring gelb, mit fchwarzen 
Punkten befprengt. Der Rumpf ift mit kleinen , länglichtrunden und gelb eingefafsten dün- 
nen Schuppen bedeckt. Die dunkele Farbe am Rücken verlieret fich an den Seiten nach und 
nach in einer weifsen und find fo wie der filberfarbige Bauch mit braunen Punkten b»r 
fprengt. Von den Flofien find die an der Bruft gelblicht und wie die orangefarbige Bauch- 
floffe klein ; die Afterfloffen find olivenfarbig und fchwarz punktirt. 

Diefen Fifch treffen wir gleichfalls in der Oftfee und im nordlichen Ocean an , wo 
er fich im Felfengrunde, an den Stellen aufhält, wo die See in der ftärkflen Bewegung ift. 
Er erfcheint in der Oftfee bey Lübeck und in der Nordfee bey Heiligeland einzeln , auch 
in Norwegen nicht fehr häufig ; in England hingegen kommt er in grofsen Zügen zur 
Sommerszeit an. Diefe Fifche halten fich an der Oberfläche des Waffers und fpringen öfc 
ters über derfelben hervor, wobey fie verfchiedene Geftalten annehmen nnd nach allem ha. 



Zmeettr Alfchnkt. Von den Schelfßfchen insbefondcrt. 17} 

fchen , was auf den Wellen fchwimmt ; und belauert man fie zu der Zeit mit den auf der 
Angel gefleckten Gänfefedern. Er erreicht gewöhnlich die Gröfse von ein und einem hal- 
ben Fufs und wäget alsdenn zwey bis drey Pfund: man findet aber auch welche von drey 
bis vier Fufs Länge und acht bis zehn Zoll Breite a). Er hat ein weifses, derbes Fleifch, 
welches beffer ift, als das vom Köhler, aber fchlechter als das vom Dorfch und Wittling. 
Kleine Fifche find feine Nahrung, befonders der Sandaal, welchen man gewöhnlich in fei- 
nem Magen antrifft. 

Man fangt den Pol lack mit Angel fchnüren und in Norwegen auch mit Netzen. Er 
wird wie der Schellfifch zur Speife zubereitet. 

Die Leber ift blafsroth und beflehet aus drey Lappen, davon der eine nur klein, 
die Milz aber blaufchwarz und länglicht ift. Die übrigen Eingeweide find wie bey den vor- 
hergehenden befehaffen. 

In Deutfchland heifst diefer Fifch Pollack und weifser oder gelber Kßhlmaul ; in Nor- 
wegen Lyr, byjfe; in Schweden Lyrilek, Zai; in England Pollack und in Frankreich Lieu. 

In Abficht diefes Fifches, des Köhlers und des grünen Schellfifches herrfcht bey den 
Schriftftellern eine nicht geringe Verwirrung. 

Schoneveld befchrieb fie als drey befondere Gattungen b), dem auch Wilhghby c) und 
Ray d) folgten j fie verfahen es aber darinn , dafs fie den Pollack als zwo befondere Gattun- 
gen, einmal als Huitling- Pol lack und das zweytemal als das gelbe Kohlmaul des Schoneveld 
aufführten e). Artedi, weicher nur den Köhler und den Pollack befchreibt, vermuthet, 
dafs der grüne Schellfifch des Schoneveld mit lezteren nur eine Gattung fey f); Klein g), 
Herr Duhamel b) und Herr Pe nnant i) betrachten den Pollack und den grünen Schellfifch 
nur als einen einzigen. Gronov k) und Gunner 1) halten lezteren und den Köhler nur für 

Y 3 



a) Duhamel. Traites des pefches. II. p. 12a. g) MüT Pifc. V. p. 8- n. 10. 

b) Ichth. p. 19. n. 5. s. 9- b} I. a. B. S. 121. 

c) — p. 167. 168. 173. j) Britt. Z00LIII. p. 188. 

d) Synopf. p.53. n.a.3.0. k) Zooph. p.98. n.317. 
c) A. a. O. i) Leem. Lappl. S. 167. 
f) Syn.p.34.11.3. 



174 Zweier Aifchnitt. Von den Schellfifcken tmlefondere. 

eine Gattung ; erflerer widerfpricht fich bey der Befchreibung des Pollacks : einmal fagt er, 
der Unterkiefer flehe hervor a) und das andereraal giebt er ihm gleichlange Kinnladen b). 
Linne c) nimmt fie mit Schoneveld als drey Gattungen auf, ohne jedoch fle fo zu cha- 
rakterifircn , dafs der Unterfchied deutlich in die Augen fiele. Bey diefer Ungewifsheit kann 
nur derjenige einen entfcheidenden Richter abgeben , der Gelegenheit hat , diefe d